Paukenschlag
am Donnerstag
No. 47 /2012
29. November 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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100 Tage Stellenabbau

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    100 Tage Stellenabbau
     

    So ganz gelingt mir das Pausieren nicht.

    Doch noch gilt der Vorsatz:
     
     
    Für ein paar Wochen mache ich mich frei von der Notwendigkeit,
    täglich alle erreichbaren Nachrichten durchzuflöhen,
    mir meine eigenen Gedanken dazu zu machen,
    um dann das eine oder andere Thema
    mit spitzer Feder aufzuspießen.
     

    Vor 100 Tagen

    verstärkte sich bei mir der Eindruck, dass trotz aller frohen Botschaften über Beschäftigungsrekorde und sprudelnde Steuereinnahmen der Druck auf die Unternehmen, Kosten zu senken, wieder verstärkt in den Abbau von Mitarbeitern münden würde.
     
    Also habe ich mit einer Neuauflage der
     
    Statistik zur Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland
     
    begonnen.
    (Link zur Statistik am Ende der Seite)
     
    Zu sagen: "Das hat sich gelohnt!", wäre eine total falsche Sicht auf das bisherige Ergebnis. Ich mach das ja nicht, damit es sich "lohnt".
     
    Mir geht es einfach darum, aus vielen, oft kleinen und leicht zu übersehenden Einzelmeldungen ein kompaktes Gesamtbild zu schaffen, eine Übersicht - und daraus eine Kennzahl, die für sich alleine steht, und deren Aussage weniger aus den absoluten Werten als aus der Betrachtung ihrer Veränderungen über die Zeit zu gewinnen ist.
     
    Das ergibt sich aus den Besonderheiten der Datenerfassung:
     
    • Es kann nur das erfasst werden, was mir zur Kenntnis kommt.
      Vieles wird überhaupt nicht öffentlich. Ich lese immer wieder mit Staunen die Gesamtzahlen der jährlichen Unternehmensinsolvenzen - die weit über das hinausgeht, was ich insgesamt an Meldungen online stelle.
      Kleinere Bewegungen im Personal, die Nichtbesetzung von freigewordenen Stellen, einzelne Entlassungen oder Aufhebungsverträge schaffen es nicht in die Nachrichten,
      und eine nicht unerhebliche Zahl der Ankündigung von Sparplänen kommt ganz ohne konkrete Informationen über den Umfang daher. Wenn es mir wichtig und vertretbar erscheint, schätze ich dann.
    • Ich kann die Meldungen nur zu dem Zeitpunkt erfassen, an dem Sie mir zur Kenntnis kommen.
      Daher handelt es sich stets um einen Mix aus bereits erfolgtem Personalabbau, aus
      unmittelbar bevorstehendem und aus Beschlüssen, die manchmal den Personalabbau über mehrere Jahre umfassen.
  • Es ist mir nicht möglich, dem vollzogenen, dem angekündigten und dem absehbaren Stellenabbau Zahlen zur Neuschaffung von Arbeitsplätzen gegenüber zu stellen.
    Und noch weniger ist es möglich, die Wanderungsbewegungen aus dem Stellenabbau in neue feste Beschäftigungsverhältnisse, in Leiharbeit, in die Arbeitslosigkeit ALGI oder ALGII oder in den Ruhestand darzustellen. Allerdings bin ich mir sicher, dass der weitaus größte Teil der hier erfassten Arbeitsplätze aus dem Bereich der anständig bezahlten Vollzeitarbeit stammt - und dass von den Betroffenen, so sie denn wieder einen Job finden, der allergrößte Teil dann gegen weniger Lohn und unter schlechteren Bedingungen zu arbeiten hat.
     
     
    Meine Statistik ist ein Stimmungsbarometer und zugleich ein Frühindikator für die kommende Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
     
    In den 100 Tagen seit dem 21. August 2012 ist darin die Vernichtung von insgesamt
     
    227.939
     
    Arbeitsplätzen dokumentiert. Ein Teil davon ist vollzogen, ein Teil ist geplant, ein Teil erscheint absehbar.
     
    Vor ein paar Tagen war zu lesen, dass im krisengeschüttelten Griechenland täglich 1.630 Arbeitsplätze verloren gehen.
     
    Nun, in absoluten Zahlen übertreffen wir die Griechen auch in diesem Punkt. Bei uns sind es im letzten Vierteljahr täglich 2.279 gewesen.
     
     
    Heute Morgen befassten sich die professionellen Prognostiker noch mit der Frage, wie der Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit ausfallen wird. Einigkeit herrschte darüber, dass - für November außergewöhnlich - die Zahl der gezählten Arbeitslosen angestiegen sein würde, nur um wie viel, da gingen die Meinungen noch auseinander. Inzwischen hat Herr Weise sein Ergebnis vorgelegt. Es ist gelungen, 2000 Personen weniger als arbeitslos zu zählen als im Vormonat. Saisonbereinigt seien es allerdings nicht 2000 weniger, sondern 5000 mehr geworden, heißt es aus Nürnberg - und gegenüber dem Vorjahresmonat mussten sogar 38.000 Arbeitslose mehr gezählt werden.
     
    Dies ist ein weitaus bedeutungsvolleres Warnsignal, als es die verhältnismäßig kleine Veränderung vermuten lässt.
     
    Wir werden - um es vorsichtig auszudrücken - von einer wirtschaftsfreundlichen Koalition regiert. Die soll im nächsten Jahr wieder gewählt werden. Da "die Wirtschaft" selbst nur relativ wenige Stimmen in die Urnen werfen kann, ist also "das Wahlvolk" in Sicherheit zu wiegen. Und so werden die Arbeitgeber im bereits eröffneten Wahlkampf alles tun, um die Mär vom Aufschwung und der Krisenbewältigungsweltmeisterin Merkel nicht zu beschädigen. Da wären steigende Arbeitslosenzahlen Gift.
     
    Und wenn dann in diesem November die Zahlen unverändert bleiben und gegenüber dem Vorjahr eine Verschlechterung anzeigen, dann heißt das, dass viele Unternehmen tatsächlich schon auf dem Zahnfleisch daherkommen.
     
    Ja, die allerjüngste Geschichte hat gezeigt, dass Deutschland sich nicht nur selbst kaputtgespart hat, sondern gleich ganz Europa mit.
     
    Wer seinen Handelspartner niederkonkurriert, darf sich nicht wundern, wenn dem eines Tages das Geld - und damit die Kauflaune - ausgeht ...
     
    Die Perfidie dieses Spiels habe ich schon des öfteren aufgezeigt - und werde nicht müde, diese Aussage zu wiederholen:
     
    Die Beschäftigten in Deutschland haben den Gürtel enger geschnallt, sich in den Niedriglohnsektor, in Ein-Euro-Jobs und in Hartz IV treiben lassen, um den Exportmotor schneller laufen zu lassen.
     
    Also: Lohn- und Wohlstands- und Sicherheitsverzicht für die Eigentümer der exportorientierten Unternehmen. Für Arbeitsplätze, an denen sich Leistung nicht in Wohlstand, sondern in sinnlosen Exportüberschuss verwandelt.
     
     
     
    Die importierenden Länder haben den Import der preiswert-konkurrenzfähigen Produkte mit Arbeitsplatzverlusten im eigenen Land bezahlt und ihre Rechnungen zunehmend mit Krediten finanziert. Diese Kredite haben mit zu einer weltweiten Finanzkrise geführt und tragen die Hauptschuld an der in diese Welt-Finanzkrise eingebetteten, speziellen Euro-Krise.
     
    Nun werden die deutschen Steuerzahler zur Kasse gebeten. Und das sind, entgegen der gern verbreiteten Unwahrheit, die Reichen und Einkommensmillionäre zahlten den Hauptteil der Steuern, eben doch wieder die Beschäftigten. Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, Mineralöl-, Kfz-, Öko-, Strom-, Tabak- und Branntweinsteuer sind letztlich die Quellen, aus denen die Rettungsmilliarden geschöpft werden - und die wiederum verringern die verfügbaren Einkommen, bzw. tragen zur Sparsamkeit und damit zur Leistungskürzung und -verweigerung des Staates bei.
     
    Also: Lohn- und Wohlstands- und Sicherheitsverzicht für Banken und Anleger.
     
     
    Wir haben die Exportgüter
    nicht nur unter Verzicht produziert,
    wir müssen sie nun auch noch bezahlen.
     
     
    Zum Weiterlesen empfehle ich Ihnen einen früheren Paukenschlag mit dem schönen Namen: "Der Internationale Wettbewerb". Der ist nun fast acht Jahre alt - und immer noch nicht da angekommen, wo die Weichen gestellt werden.
     
     

     PaD 3 /2007 Der internationale Wettbewerb
     
     
     
     
     
     
    Diesen Aufsatz gibt es übrigens auch in gedruckter Form in dem Buch Paukenschläge 2003 - 2008

    Zusammen mit vielen anderen Paukenschlägen, die seit ihrem Entstehen kaum an Aktualität verloren haben.
     
     
     
    Weitere Bücher - die sich durchaus auch als Weihnachtsgeschenke eignen -
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    Mit besten Grüßen
     
    Egon W. Kreutzer
     
     
    Ach ja, der Link zur Statistik fehlt noch ...
     

     LINK zur Statistik der Arbeitsplatzvernichtung
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