Paukenschlag
am Donnerstag
No. 45 /2012
15. November 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Rechts-Extremismus - das Thema der Woche

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Rechts-Extremismus
das Thema der Woche


Die Schlagzeile:
.
"Jeder 7. Ostdeutsche hat ein
(wahlweise: fast jeder 6. Ostdeutsche)
geschlossenes rechtsextremes Weltbild"
 
haben wir einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zu verdanken.
 
Die hatte die Uni-Leipzig mit einer Studie über den Rechtsexextremismus in Deutschland beauftragt. Die Datenerhebung wurde vom Meinungsforschungsinstitut USUMA (Berlin) durchgeführt.
 
Nun, das ist starker Tobak.
 
 
Zu klären ist zunächst einmal, was die Verfasser der Studie unter einem "geschlossenen rechtsextremen Weltbild" verstehen - und da stehen einem schon die Haare zu Berge:
 
Sechs Hauptkriterien beschreiben ihrer Meinung nach das vollständige (geschlossene) rechtsextreme Weltbild:
.
  • Befürwortung einer rechtsautoritären Diktatur
  • Chauvinismus
  • Ausländerfeindlichkeit
  • Antisemitismus
  • Sozialdarwinismus
  • Verharmlosung des Nationalsozialismus
 
 
Diese Beschreibung hat ihre Tücken, und die liegen einerseits darin, dass die vier Kriterien Chauvinismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und Sozialdarwinismus im Kern identisch sind, und andererseits darin, dass sie sich mit den von USUMA gestellten, unsäglich plumpen Fragen praktisch nicht erfassen lassen.
 
Schon gar nicht dann, wenn der Befragte "arglos" antwortet, also nicht davon ausgeht, dass seine abstrakten Überlegungen, die ihn - vollkommen unabhängig von seiner politischen Ausrichtung - antworten lassen, hinterher ausschließlich unter dem Gesichtspunkt des Rechtsextremismus ausgewertet werden.
 
Dieses Dilemma beginnt mit der ersten Behauptung, zu der die Befragten - wie zu allen weiteren Behauptungen - mit den Auswahlmöglichkeiten:
.
    - lehne ich völlig ab
    - lehne ich überwiegend ab

    - stimme teils zu, teils nicht

    - stimme überwiegend zu
    - stimme voll und ganz zu

Stellung beziehen sollten.
 
Bei genau der Hälfte der 18 Fragen komme ich zu dem Schluss, dass diese nicht geeignet sind, ein rechtsextremistisches Weltbild aufzuspüren:
 
 
01 Im nationalen Interesse ist unter bestimmten Umständen eine Diktatur die bessere Staatsform.
 
Wer sich an die alten Römer erinnert, die sich aus guten Gründen der Institution des Diktators auf Zeit bedienten, wird hier leicht dazu neigen, voll und ganz zuzustimmen.
Schließlich bezieht sich die Frage explizit auf "bestimmte Umstände", die hier leider nicht näher bestimmt wurden.
 
Und wer schon einmal Gelegenheit hatte, die Artikel 115a bis 115l GG zu lesen, wird feststellen, dass dort - für den Verteidigungsfall - also "unter bestimmten Umständen" ein Regieren beschrieben wird, dass, wenn auch mit einigen einschränkenden Klauseln verziert, durchaus an eine Diktatur erinnert.
 
Von der damit im Zusammenhang stehenden Notstandsgesetzgebung gar nicht zu reden.
 
Sind nun aber diejenigen, die diese Artikel ins Grundgesetz eingefügt haben, auch nur im Geringsten verdächtig, ein rechtsextremes Gedankengut zu vertreten?
 
Sind sie nicht. Ihre Gedanken entstammen hehrsten demokratischen Grundideen, destilliert über dem Bunsenbrenner des Sachzwangs.
 
Doch das Dilemma setzt sich fort.
 
Die Behauptung mit der laufenden Nummer 03 könnte - abgesehen davon, dass man "Deutschland" durch "Bayern" ersetzen müsste, aus einer Wahlkampfrede der CSU stammen.
 
03 Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert.
 
 
Niemand fragt bei dieser Umfrage, ob diese Partei eine rechte Partei sein sollte. Es wird von den Auswertern schlicht unterstellt, dass eine einzige starke Partei gar nicht anders als rechtsextremistisch sein kann.
 
 
Frage 04, das gleiche Problem:
 
04 Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert.
 
Wer hier nicht rein gewohnheitsmäßig beim Wörtchen "Führer" erstarrt, sondern sich den Kern der Frage anschaut: "Zum Wohle aller", der kann gar nicht anders, als hundertprozentig zuzustimmen, es sei denn, sein eigener Egoismus fühlt sich im Koalitionsgemauschel mit Klientelparteien besser aufgehoben.
 
Und ist es nicht die Propaganda der CDU, die Angela Merkel als genau jene Führungsfigur darstellt, die Deutschland, zum Wohle ganz Europas, mit starker Hand regiert?
 
Steht die CDU damit im Verdacht, ein rechtsextremistisches Weltbild zu pflegen?
 
 
Und dann kommen das freie Spiel der Märkte, der Neoliberalismus und das Glaubensbekenntnis der Republikaner in den USA dran:
 
 
05 Wie in der Natur sollte sich in der Gesellschaft immer der Stärkere durchsetzen
 
Ja, warum werden wir denn aufgerufen, stets unsere Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern? Damit sich die Schwächeren durchsetzen?
 
Warum heißt der Slogan "Leistung muss sich wieder lohnen"?, wenn es nicht der Aufruf an die Stärkeren ist, sich durchzusetzen?
 
Warum werden denn - auch in Deutschland - die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer? Doch nur, weil sich die Stärkeren durchsetzen, und weil die Stärkeren mit der Gesetzgebung im Sozial- und Arbeitsrecht seit spätestens 2002 von der Politik dazu ermuntert wurden, sich noch rücksichtsloser durchzusetzen, als sie das ohnehin schon taten.
 
Und warum marschiert die Troika in Griechenland ein und aus, warum muss Portugal sich an den Rand des Ruins sparen? Doch nur, weil sich eben auch in Europa die Starken schlicht durchsetzen.
 
Und wer dagegen die Stimme erhebt, der wird als "Gutmensch" oder "Sozialutopist" belächelt.
 
Sind alle, die sich in diesem unserem Lande vom gelebten Sozialdarwinismus hemmungslos nach oben tragen lassen, Rechtsextremisten?
 
 
Und weiter geht's, jetzt mit der Frage nach dem Rechtsextremismus des Innenministers:
 
06 Die Ausländer kommen nur hierher, um unseren Sozialstaat auszunutzen.
 
Diese höchst undifferenzierte Behauptung kann eigentlich nur mit "teils, teils" beantwortet werden. Es gibt sie, sagen jedenfalls verantwortliche Minister in der amtierenden Regierung: Solche die nur deshalb herkommen, und die deshalb in der kurzen Zeitspanne zwischen Einreise und Abschiebung keinesfalls "verwöhnt" werden dürfen.
 
Es gibt sie, und die EU wehrt sich an ihren Grenzen massiv dagegen, mit eigenen "Seestreitkräften" zur Abwehr sog. Boatpeople. FRONTEX, heißt der Verein, und der Name klingt schon so, wie die Truppe gemeint ist ...
 
Wer will denn in Deutschland nicht alles die Zuwanderung regulieren und begrenzen?
Und mit welcher Begründung? Ja, weil es die Sozialsysteme nicht tragen, wenn wir alle reinlassen, die reinwollen. Erklärte Politik. Warum müssen ausländische Experten ein Mindesteinkommen im Arbeitsvertrag stehen haben, wenn sie die Arbeitserlaubnis wollen?
 
Doch nur, um genau dem vorzubeugen, was da oben so plump als Behauptung hingeschrieben wird, um daran rechtsextremes Gedankengut festzumachen.
 
 
Und dann die Hammer-Suggestiv-Frage:
 
07 Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß.
 
(Suggestiv, weil mit dieser Frage behauptet wird, dass der Einfluss "der Juden" in der Vergangenheit tatsächlich zu groß war, und diese Aussage vom Antwortenden, egal wie seine Antwort ausfällt, praktisch bestätigt werden muss. Wer also antwortet, sagt zugleich: "In der Vergangenheit war der Einfluss der Juden zu groß." Eine grottenschlechte, ja geradezu fiese Fragestellung!)
 
Auch zum Einfluss "der Juden" würde ich als Befragter gerne sehr viel differenzierter antworten. Einmal nicht auf die Juden, als Angehörige eines Volksstammes oder auf die diesen Volksstamm einende Religion bezogen, sondern auf den Staat Israel und vor allem seine derzeitige Regierung, die einen ganz erheblichen Einfluss auf das Weltgeschehen hat, was in Anbetracht der eher kleinen Zahl der Israelis durchaus - im Vergleich zum "Gewicht" anderer Staaten - als zu großer Einfluss wahrgenommen werden kann.
 
Dann - frei von jeglichem Antisemitismus - auf einige ganz bestimmte Menschen jüdischer Abstammung bezogen, deren Einfluss auf die Weltwirtschaft und auf die Weltfinanzen so erheblich ist, dass - unterlägen sie nationalem Kartellrecht - die Entflechtung des Imperiums dringend angezeigt wäre.
 
Und letztlich darauf bezogen, dass die große Mehrheit der Israelis, solange sie nicht als fanatische Fundamentalisten auftreten, liebe, nette Menschen sind, die - wie die meisten Menschen auf dieser Welt auch - überhaupt keinen Einfluss auf irgendwas haben.
 

Frage 08 - ein Spiel mit dem Nationalgefühl
 
 
08 Wir sollten endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl haben.
 
Herrschaftszeiten!

Endlich wieder.
Mut.
Stark.
 
Ja, wenn man die Frage so stellt, und dann angekreuzt wird: "Stimme ich überwiegend zu", dann kann man das als "übersteigerten Nationalismus" werten, vor allem, wenn man sich dabei an den Antworten der Bürger anderer Staaten orientiert.
 
Stellte man diese Frage Franzosen oder Engländern, US-Amerikanern oder Italienern, und es würde darauf mit "volle Zustimmung" geantwortet, dann könnte das zu Recht unter der Rubrik "Chauvinismus" Punkte bringen.
 
In Deutschland, wo die Bundesflagge außer am Volkstrauertag und bei Fußballweltmeisterschaften nicht auf den Straßen zu sehen ist, in Deutschland, wo der Nationalfeiertag nicht einmal ein arbeitsfreier Tag ist, wo nur wenige Deutsche, die mit ansehen, wie der Staat sich anschickt, sich in dem Konstrukt EU freiwillig aufzulösen, dagegen Einspruch erheben, sollte diese Einstellung eher als
eine Art Bekenntnis zum Grundgesetz angesehen werden, denn als Rechtsextremismus.
 
 
Und Frage 12 schlägt in die gleiche Kerbe:
 
12 Was unser Land heute braucht, ist ein hartes und energisches Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland.
 
 
Und seit Struck, zu Guttenberg und Horst Köhler wissen wir, dass genau dies wieder zum Inhalt deutscher Politik gehört, und zwar nicht nur auf diplomatischem Wege, sondern auch in der berüchtigten Form der Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln.
 
Kampfeinsätze der Bundeswehr und gesamteuropäische Spardiktate "Made in Germany", haben Angela Merkel zu einer der unbeliebtesten Personen in den europäischen Südstaaten gemacht - und nicht nur da.
 
Natürlich benennt man das immer nicht immer so offen, wie Horst Köhler, der wohl u.a. auch deshalb den Großen Zapfenstreich zu hören bekam, doch wie heißt es so schön in der Heiligen Schrift der Christen: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.
 
 
Frage 15 - hatten wir nicht mal eine Abtreibungsdebatte?
 
15 Es gibt wertvolles und unwertes Leben
 
 
Wenn der Bauer im Märzen mit dem Traktor übers Feld fährt und seine Pestizide und Insektizide versprüht, dann ist diese Frage für einen Großteil der Politiker eindeutig mit "ja" beantwortet. Sonst müssten sie es verbieten.
 
Wenn ungeborenes Leben Kraft Gesetz weniger Schutz genießt als geborenes, dann haben die Gesetzgeber diese Frage mit der Fristenlösung (und auch mit der medizinischen Indikation) klar mit "ja" beantwortet.
 
Wenn ich das Pfauenauge mit Freude flattern sehe und die Stechmücke erschlage, dann habe auch ich diese Frage für mich beantwortet.
 
Wenn - und jetzt kommen wir zum Sozial-Darwinismus - der hohe Politiker von Personenschützern auf Schritt und Tritt begleitet wird, während auf nächtlichen Bahnhöfen schutzlose Passanten erschlagen werden, weil kein Geld da ist, um dort
Polizeipräsenz zu zeigen, dann ist diese Frage auch beantwortet.
 
Über Kundus muss in diesem Zusammenhang gar nicht gesprochen werden, das war im Krieg, und so falsch die Entscheidung des deutschen Obersten auch war, er hat ja nur abgewogen zwischen der Gefahr für das Leben der Soldaten im deutschen Heerlager und - na ja - zwischen der Gefahr für das Leben der Zivilisten an den
Tankfahrzeugen. An so abstrakte Begriffe wie "wertes und unwertes Leben" hat er in dieser Stresssituation nicht gedacht. Garantiert nicht. Und wahrscheinlich wäre ihm der Gedanke auch nicht gekommen, wenn er mehr Zeit gehabt hätte. Schon deshalb nicht, weil er kein rechtsextremes Weltbild hat und folglich in solchen Kategorien gar nicht zu denken vermag.
 
 
 
Soweit meine "Impressionen" zu 9 von insgesamt 18 Fragen.
 
Die weiteren 9 Fragen zielen tatsächlich auf jene Form rechtsextremistischen Gedankengutes, die als problematisch angesehen werden muss - und sie sind zum Teil sogar so gestellt, dass die Zustimmung dazu strafrechtlich verfolgt werden könnte,
 
In der folgenden Tabelle ist zu den übrigen 9 Fragen jeweils die Gesamtzahl der befragten Ostdeutschen dokumentiert, die dazu volle Zustimmung signalisierten, denn hier liegt eine weitere Problematik dieser Studie, die ich damit verdeutlichen möchte.
 
Um aus einer Stichprobe, und sei sie noch so sorgfältig ausgewählt, von 486 Befragten auf die politische Einstellung von rund 12,5 Millionen wahlberechtigten Ostdeutschen zu schließen, muss ein relativ großer Stichprobenfehler schon im Ergebnis jeder Einzelfrage toleriert werden.
 
Meines Erachtens wäre für diese Studie, selbst bei optimaler Frageformulierung, eine Stichprobe von mindestens 1.000, besser 2.000 befragten Ostdeutschen erforderlich gewesen.
 
Auf der Basis der gestellten Fragen, der vorgegebenen Auswahlmöglichkeiten (sowie deren Gewichtung) und der Größe der Stichprobe
 
müsste die korrekte Aussage der Studie lauten:
    • Mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent
    • zeigen mindestens 15,1 Prozent
    • aber höchstens 16,4 Prozent der Ostdeutschen
    • in allen untersuchten Kriterien
    • tendenziell rechtsextremistische Einstellungen.

 

 
 

 Befragt wurden insgesamt 486 Ostdeutsche
 Behauptung / Fragestellung Anzahl der befragten Ostdeutschen, die dem voll zustimmten

02 Ohne Judenvernichtung würde man Hitler als einen großen Staatsmann ansehen.

Das ist Blödsinn. Als großer Staatsmann geht in die Annalen ein, wer den letzten Krieg seiner Amtszeit gewonnen hat.

 4

11 Die Verbrechen des Nationalsozialismus sind in der Geschichtsschreibung weit übertrieben worden.

Wer von den Befragten kennt schon die Geschichtsschreibung, und wer kann sich dieses Urteil erlauben? Eine reine Glaubensfrage.

10

18 Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten.

Bestimmt. Auch der Stalinismus hatte seine guten Seiten, selbst der Kapitalismus hat gute Seiten. Aber wer freut sich schon über die Brennnesselwildnis hinterm Haus, nur weil dazwischen auch ein Gänseblümchen blüht?

14 

13 Die Juden arbeiten mehr als andere Menschen mit üblen Tricks, um das zu erreichen, was sie wollen.

Die Einfalt dieser 18 ist erstaunlich.

18

17 Die Juden haben einfach etwas Besonderes und Eigentümliches und passen nicht so recht zu uns.

Und wer von diesen 19 kennt Juden persönlich?

19

09 Eigentlich sind die Deutschen anderen Völkern von Natur aus überlegen 

Diese 25 sollten ihren Urlaub mal außerhalb von Touristenghettos verbringen.

25

14 Das oberste Ziel der deutschen Politik sollte es sein, Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht.

Eigentlich auch eine saublöde Frage. Wie viel Macht und Geltung steht Deutschland denn zu? Genau betrachtet kann man dazu sogar ja sagen, vielleicht nicht unbedingt als "oberstes" Ziel ...

33

10 Wenn Arbeitsplätze knapp werden, sollte man die Ausländer wieder in ihre Heimat zurückschicken.

Darüber haben sich ehrenwerte Wirtschaftsbosse und Politiker über lange Jahre heftig den Kopf zerbrochen.

64 

16 Die Bundesrepublik Deutschland ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet.

Und das stammt beinahe wörtlich vom SPD-Mann und Bestseller-Autor Tilo Sarrazin.

 72
Geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild laut Studie: 15,8 % von 486 Befragten 

77

 
 
Ich meine, man sollte die Zahlen dieser Studie schnell wieder vergessen.
 
Es gibt in ganz Deutschland rechtsextremistisches Gedankengut. Das wird - auch im Internet - massiv, zum Teil recht subtil, verbreitet.
 
Dass es - und da mag ich der Studie nicht widersprechen - über die Jahre hinweg eine Verstärkung dieser Tendenz gegeben hat, ist bedenklich, hat seine Gründe, jedoch nicht in der steigenden Attraktivität des rechtsextremistischen Gedankengutes, wie es die Verfasser im "Kleingedruckten" auch aussprechen, sondern in der immer weiter sinkenden Attraktivität der realistischen Lebensentwürfe von Menschen, die sich von Staat und Gesellschaft ins wirtschaftliche und soziale Abseits gedrängt sehen.
 
Es ist die bittere Erkenntnis einer nachhaltigen Aussichtslosigkeit, die Menschen dazu bringt, ihr Heil da zu suchen, wo es ihnen noch versprochen wird. Und die Bereitschaft, ein gutes, humanitäres Wertesystem über Bord zu werfen und radikaleren, pragmatischen Lehren anzuhängen, wächst mit jedem Tag, an dem sie feststellen müssen, dass sie als "die Guten" am Ende "die Dummen" sind.
 
 
In dieser wirtschaftlichen und sozialen Misere, die Ostdeutschland weit stärker trifft als weite Teile der alten Bundesländer, ist nichts anderes als Radikalisierung zu erwarten. Und das ist fürwahr kein typisch deutsches Problem.
 
Es ist ein Problem, das überall da auftritt, wo die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr als "Leistungsunterschied" sondern als "Verteilungsungerechtigkeit" wahrgenommen wird.
 
Dieses Problem kann durch Sicherstellung des Existenzminimums, durch massive Propaganda und repressive Maßnahmen lange unter Kontrolle gehalten werden.
 
Für seine Auflösung gibt es nur zwei Wege: Die Wiederherstellung des sozialen Friedens durch höhere Verteilungsgerechtigkeit, oder die Auflösung des Herrschaftssystems.
 
Mit Verbotsverfahren gegen Parteien, mit Einschränkung der Versammlungs- und Meinungsfreiheit und zunehmender Überwachung wird der Druck im Kessel nur erhöht.
 
Die Menschen, die heute dazu neigen, sich ein extremistisches Weltbild zuzulegen, brauchen dringend das Angebot einer "Demokratischen Alternative".
 
Und diese demokratische Alternative können sie weder in der Lebensleistungsrente erkennen, noch in den Milliardenfluten zur Euro-Rettung. Diese demokratische Alternative erkennen sie nicht in den Sanktionen der Job-Center und Argen und nicht im Gerangel um angemessene Hartz-IV-Sätze, sie erkennen sie nicht in den ständig steigenden Kosten der Lebenshaltung und nicht in den Gewinnen der großen Konzerne, nicht in einer fernen Brüsseler Bürokratie und nicht in der Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück.
 
Es ist so viel die Rede vom braunen Sumpf.
 
Ich mag ein anderes Bild entwerfen:
 
Ist es nicht im Grunde so, dass vielen Menschen Dank Agenda 2010 und Hartz-Gesetzen das Wasser bis zum Halse steht, während der Grund, auf dem sie stehen, immer weiter nachgibt?
 
Sollen die nun die Hand, die sich ihnen hilfeversprechend entgegenstreckt, ausschlagen, nachdem sich alle anderen Hände weit in ihre geschützten Komfortzonen zurückgezogen haben?
 
 
Ohne eine wahrhaftige, ernst gemeinte, tatkräftige und vor allem wählbare "demokratische Alternative" wird der Trend sich fortsetzen.
 
In ganz Deutschland und in ganz Europa.
 
 
 
 
 
 
 

 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Hallo Wolfgang,
vielen Dank für die Auflösung dieser bescheuerten Umfrage!
Ismen sind ja an sich Glaubensbekenntnisse. Es sind abstrakte, theoretische Gebilde, die wir in unseren Beschreibungen mit Leben füllen wollen.
Ja, wir wollen sie mit Leben füllen, wir versuchen es.
Aber es gelingt nicht.
Diese Umfrage ist, wie die meisten anderen natürlich auch, zielgerichtet. Es geht natürlich nicht um die genannten Ismen, Rechts oder Links, sondern um die Ausrichtung der Meinung in eine vorbestimmte Richtung.
Es geht um die Festigung der Maßnahmen zur weiteren Entmachtung des Souveräns. Die Richtung ist längst vorbestimmt und das Mittel, das auch hier wieder greift, ist die Angst. Ein bisschen Rechts ein bisschen Terror. Dazu eine Dokumentation im Radio oder im Fernsehen über Drohnen und wie gut sie doch funktionieren um Terrorzellen auszuschalten. Dann ein Bericht über die Gefahren aus dem Internet und wie einfach es ist ganze Städte auszuschalten. Und nebenbei wird ein Gesetz beschlossen, das wieder ein Stück unserer Freiheit ad absurdum führt. Die Sicherheit geht vor, ja, ja!
Die Darstellung in dieser extremen Plumpheit, ist ein Beweis für die außerordentliche Macht der herrschenden Organe, und die 486 Menschen, die hier vorgeführt werden, sind ein wahrhaft billiger Preis für so eine Meldung, die uns schockiert und nachdenklich stimmt.
Und wieder ein Beweis für die Suche, für die Sucht nach Bestimmung.
„Wir müssen das Kind beim Namen nennen!“
Warum?
Haben wir Angst zu vergessen, dass es unser Kind ist?
Haben wir etwa Angst zu vergessen was ein Kind ist?
Keiner der genannten Begriffe und Ismen bezeichnet das, was ich in diesen Dingen sehe.
Keiner beschreibt auch nur annährend den Zustand in dem wir uns befinden.
Ismen sind abstrakte, theoretische Gebilde, die wir in unseren Beschreibungen mit Leben füllen wollen. Diese Beschreibungen beziehen sich jedoch nicht auf die Zukunft und können deshalb auch nicht zu einer Änderung führen. Rechtsextremismus, Linksextremismus, Sozialismus, Liberalismus, Kapitalismus, Katholizismus, Militarismus, Anarchismus…
Sie sind geprägt und vorbelastet und werden benutzt um einen bestimmten Zustand der Gesellschaft, zumindest einen Teil der Gesellschaft zu beschreiben. Sie gehören in die Geschichtsbücher und Analen der Menschheitsgeschichte und sind nicht geeignet eine Diskussion um die Einstellung einer Gesellschaft auszulösen.
Aber worüber soll man denn sonst reden?
Es gibt allgemein anerkannte Grundsätze auf die man sich stützen kann. Sie werden oft ignoriert und übergangen. Aber wir sollten uns auf solche bewährten moralischen Instanzen verlassen können und sie auch einfordern. Sie sind in den Menschenrechten definiert und allgemein gültig.
Wir müssen Klage erheben und uns auf unsere ureigenen Instinkte berufen. Dann sind in der Tat alle Ismen überflüssig und ausgeschlossen. Dann kann uns auch eine allzu plumpe und dumme Befragung nicht mehr stoßen.
Fehlende Bildung? Fehlendes Selbstbewusstsein? Fehlendes Wissen?
Was hätte denn eigentlich passieren müssen?
Eigentlich hätte jeder der Befragten sagen müssen: „Also, entschuldigen Sie mal bitte, was stellen Sie mir hier für dumme Fragen? Das muss man doch viel differenzierter sehen!“
Oder einfach nur: „Wollt Ihr mich hier verarschen oder was???“
Fehlende Bildung – fehlendes Selbstbewusstsein - fehlende Erkenntnis.
Aber getz ma Butter bei de Fische!
 
Dat mit der Nazikacke is auch noch nich soooolange her! Die andern wissen dat allet noch genau! Denen geht die Muffe doch eins zu tausend! Aber ma ehrlich, dat unser deutsche Land schon längs stärker und mächtiger is als zu den Hitler seine Zeit, dat is doch kein Geheimnis mehr. Da brauchse dich doch nur ma die ganze Exportiererei anzugucken. Ich sach nur eins! Der Spanier und der Italiener sind ja au nich bekloppt. Wenn die dat ma spitz kriegen wie dat wirklich so läuft inne europäische Union dann is aber nix mehr mit Uni! Dann is Unisono seine Mudda, wie mein Neffe sagen würde!!! Die sagen doch heute schon, dat unser Angela vermutlich der olle Adolf seine Tochter is. Und watt willse machen wenn dat ma so richtich inne Menschen drin is? Dann gibbet nix mehr mit Mallorka und Ballermann! Dann machen die irgendwann die Grenze dicht! Da wirsse bespuckt und getreten am Flughafen, ja sicher!!! Und allet nur weil die Bekloppten da oben den Schuss nich gehört haben…boah glaubse! Die sollen bloß zu sehn, datt se die ganze Scheiße noch vorher im Griff kriegen…ich hab nämmich schon gebucht…!
Bis die Tage
Stefan Neumann


Mal wieder ein wertvoller Beitrag zur (hoffentlich) öffentlichen Diskussion.
 
Was mir als noch nicht Gesagtes immer wieder aufstößt, ist, dass sich Sozialdarwinismus in Kapitalsimus und Nationalsozialismus in keinster Weise unterscheiden, dass Elitedenken und Rassismus zwei Seiten ein und der selben Medaille sind.
Wer sich selbst zum Übermenschen stilisiert wird, um diese Fiktion zu realisieren, andere zu Untermenschen machen müssen. Neoliberalismus in der Wirtschaft bedingt Faschismus oder Nationalsozialismus auf der politischen Seite.
Weil im Neoliberalismus die Wirtschaft die Politik dominiert sammeln sich die Verlierer dieser Gesellschafts(un)ordnung auf der politischen Seite, während die erfolgreichsten Politiker anscheinend keinen anderen Daseinszweck sehen, als einen Frühstücksdirektorenposten in der Wirtschaft zu ergattern.
Die Verquickung dieser beiden politischen Strömungen sind wirklich zwei Seiten einer Medaille.

Was mir bei meiner Argumentation momentan hinderlich ist, ist das Fehlen eines
umfassenden Begriffs für totalitäre Systeme.
Diesen gibt es wahrscheinlich mit gutem Grund nicht. Könnte, oder müsste
man doch die seltsamen Organisationsformen amerikanischer Konzerne, die
sich nicht von denen einer X-beliebigen totalitären Hasstruppe unterscheiden, mit dem selben Ausdruck belegen können wie die politische Vernichtungsmaschine Hitlers, Stalins oder auch McCarthys.
Ich denke, ein
solcher Begriff würde viel Wahrheit in die öffentliche Diskussion bringen.
Der Gegenentwurf zu den straff organisierten Sturmtruppen wäre die korrupte und korrumpierende Seilschafterei europäischer Politik, die sich natürlich auch mit der Wirtschaft verflicht.
Beide Entwürfe gehen meilenweit an jedeer gesellschaftlichen Realität vorbei und sind
uneffektiv wenn es darum geht, etwas zum Guten der Menschheit, oder auch
nur der eigenen Bevölkerung zu schaffen. Parteien, in unserer heutigen Ausprägung eher dem die Korruption pflegenden Lager zugehörend, können aber auch anders. Sie können den Gegenpart, die streng hierarchische Vernichtungsmaschine genauso gut ausüben.
 
Aber können sie das was wir brauchen? Können sie wirkliche Probleme der Gesellschaft für die sie zu stehen glauben, erkennen und flexibel nach Lösungen suchen? Oder sind sie
nicht immer nur Spielball der Partikularinteressen besonders mächtiger Lobbyisten? Schließlich waren sie das im dritten Reich und sie sind es heute.
 
Ich sehne mich nicht nach einem "Führer". Ich sehne mich nach Diskussionen die konstruktiv sind, wo nicht einer den anderen "besiegen" will, sondern wo es eine gemeinsame Entwicklung von Ideen und deren gemeinsame Umsetzung gibt.
Wir leben in einer Welt, in der sich immer der lauteste Egoist durchsetzt.
Sollten wir das Geschreie nicht einfach diktatorisch verbieten? Dafür Fragen erlauben und ehrlich beantworten?
Wenn die Familie die Keimzelle unseres Staates ist, der an sich selbst den ernst gemeinten Anspruch stellt, dass er gerecht und sozial ist, wie müsste dann eine Familie strukturiert sein? Müsste so ein Staat nicht allen Bürgern die Möglichkeit geben, sich zu einem Individuum zu entwickeln, das in der Lage ist eigenverantwortlich zu denken und dann auch nach diesen Gedanken zu handeln?
Leider werden zur Zeit die Kinder selbst ernannter Eliten in dem Bewusstsein erzogen, dass sie "was Besseres sind". Kein Wunder dass diese Kinder sich dann mit zusammen geklauten Doktorarbeiten zu höchsten Ämtern berufen fühlen, während die Einsteins und Curies unserer Gesellschaft, weil ehrlich und selbstbestimmt, am selben Abgrund stehen, in den die Möchtegernelite unser Gemeinwesen hinein steuert.
 
Egon Hauck
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