Paukenschlag
am Donnerstag
No. 44 /2012
8. November 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Manuela Engl

Ich kann, ich kann, ich kann! (die legasthenie-freundliche Hochschule)

Ein Gastbeitrag von Manuela Engl manuela.engl@t-online.de

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Ich kann, ich kann, ich kann!

Preisgeld
für die „legasthenie-freundliche Hochschule“ Würzburg
.
 
 
 
Jedes Jahr zeichnet der Bundesverband für Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) Universitäten aus, die sich für Studierende mit Legasthenie besonders einsetzen.
Diesmal ging der mit 1.000 Euro dotierte Preis an die Universität Würzburg.
 
Herzlichen Glückwunsch!
 
 
Herzlichen Glückwunsch? Wofür?
 
Ach ja, dafür, dass sich eine Universität in ganz besonderem Maße den legasthenen Studierenden widmet. Und wie sieht dieses "Sich-legasthenen-Studierenden-Widmen"
im Klartext aus?
 
Laut Pressemitteilung des BVL unterstützt und berät an der Uni Würzburg die "Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischen Krankheiten", kurz KIS, Studierende mit Legasthenie.
 
Sie sorgt auch dafür, dass diese durch ihr Handicap keine Nachteile im Studium hinnehmen müssen. Insbesondere steht Legasthenikern mehr Zeit bei Prüfungen zu.
 
Zudem verlangt diese Uni für die Anerkennung einer Legasthenie kein amtsärztliches Attest - es genügen die Bescheinigungen aus der Gymnasialzeit, was nicht an jeder Universität üblich ist.
 
Dafür ist also der Preis gedacht.
 
(Unter anderem) dafür, dass diese Uni kein amtsärztliches Attest verlangt, wenn ein Studierender mit Legasthenie mehr Zeit bei den Prüfungen bekommen soll als seine Kommilitonen, die während ihrer Schulzeit das Glück hatten, das Lesen und Schreiben so zu lernen, wie es der "Norm" entspricht.

Mehr Zeit bei Prüfungen, weil die Studierenden mit Legasthenie mehr Zeit brauchen, um die Prüfungsaufgaben zu lesen und zu verstehen?
Mehr Zeit bei Prüfungen als Nachteilsausgleich, wie es so schön in der Fachsprache heißt. Ein Ausgleich eines Nachteils, der dadurch erfolgt, dass ein Studierender mehr Zeit bekommt, seine Prüfungen zu schreiben.
 
Ein Vorteil, den er gegenüber anderen Studierenden hat, weil er Legastheniker ist - und ihm mehr Zeit für die Bearbeitung aller Prüfungsaufgaben zugestanden wird.
Für alle Prüfungsaufgaben? Bekommt ein Studierender mit Legasthenie auch bei Aufgaben in Mathematik eine längere Bearbeitungszeit? Vermutlich ja.
 
Was ist Legasthenie eigentlich?
 
Auf der Suche nach einer "offiziellen" Definition wurde ich auf die Webseite des Bundesverbands für Legasthenie und Dyskalkulie geführt, der sich, wie er verlauten lässt, an die diagnostischen Leitlinien der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis hält, in denen Legasthenie als eine
 
genetisch bedingte Einschränkung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit
 
definiert wird.
 
Und von dieser Theorie sind in der Tat eine Hand voll Wissenschaftler überzeugt, nachdem sie ein Gen identifiziert zu haben glauben, das sie maßgeblich dafür verantwortlich machen.
 
Und wenn ein Gen dafür verantwortlich gemacht wird, dann scheint es keinen Ausweg aus der Misere zu geben. Dann muss man wohl oder übel mit allen Mitteln versuchen, den Nachteil, den ein Mensch dadurch hat, durch irgendwelche Regelungen zu mildern, nachdem man ja nicht so ohne Weiteres ein defektes menschliches Gen auswechseln kann, wie das bei einer defekten Sicherung in einem Auto ohne Aufwand möglich ist.
 
Hört sich vernünftig an.
 
Doch ist diese Legasthenie tatsächlich jene "unsichtbare Behinderung", wie sie von Professor Tiemo Grimm vom Institut für Humangenetik, selbst Legastheniker, bei der Preisverleihung an der Uni Würzburg benannt wurde?
 
Legasthenie - eine unsichtbare Behinderung.
Unsichtbar wie ein Gespenst?
Ein Hirngespinst?
 
 
Oder doch eher eine Krankheit?
Als Krankheit wurde sie, meines Wissens, noch nicht bestätigt. Oder doch?
 
"… Nachdem es sich bei beiden Teilleistungsstörungen (Legasthenie und Dyskalkulie, Anm. d. Verf.) um anerkannte Krankheiten im Sinne der ICD 10 (F 81) handelt, ist die Diagnose von den hierfür zuständigen Fachärzten zu treffen. (http://www.bvl-legasthenie.de/recht)"
 
Bei der Legasthenie handelt es sich demnach - entgegen der landläufigen Meinung - doch um eine anerkannte Krankheit, wenn man dem Rechtsgutachten auf der Seite des BVL vertraut. Da stellt sich mir die Frage, warum sich dann in der Regel
Krankenkassen gegen die Übernahme der Kosten einer Therapie sträuben und die Jugendhilfe stattdessen dafür zur Kasse gebeten wird.
 
Doch bleiben wir bei der Uni Würzburg, die den Preis bekommen hat.
 
Die Uni Würzburg setzt sich also dafür ein, dass es legasthenische Studenten mit ihrer "unsichtbaren Behinderung" (lt. Professor T. Grimm) bei ihr besser haben. Und als angenehmer Nebeneffekt bleibt ihr dadurch erspart, sich mit der Rechtsprechung zum Prüfungsrecht großartig auseinander setzen zu müssen, die besagt:
 
Zitat:
 
"Die Legasthenie ist von der Rechtsprechung zum Prüfungsrecht in den vergangenen Jahren mehrfach als Behinderung bestätigt worden. Ausgehend von dem aus Art. 3 Abs. 1 GG abgeleiteten Grundsatz der Chancengleichheit im Prüfungswesen steht dem betroffenen Schüler ein Anspruch auf Nachteilsausgleich zu. Daneben ist aber auch aus Art. 3 Abs. 2 Satz 2 GG ein Anspruch auf Notenschutz abzuleiten, da sonst die behinderungsrelevanten Auswirkungen - wie eben die mangelhafte Rechtschreibleistung - nicht ausreichend kompensiert werden."
(http://www.bvl-legasthenie.de/recht)
 
 
Und so bedarf die Störung, die angeblich genetisch bedingt ist, keiner weiteren Beachtung, weil ja der Nachteil, der daraus entstehen könnte, u.a. durch eine Verlängerung der Arbeitszeit bei Prüfungsaufgaben ausgeglichen wird, und das vollkommen ohne amtsärztliches Attest.
 
Der Behinderung wird somit Rechnung getragen - auch nach SGB IX 8 § 2 Abs. 1:
 
"Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem
für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben
in der Gesellschaft beeinträchtigt ist."
 
 
Alle Beteiligten
sind nun glücklich und zufrieden - müsste man meinen.
 
  • Doch was geht in einem Menschen vor, der keinen besonders guten Zugang zur Welt der Buchstaben hat?
  • Was geht in einem Menschen vor, der große Mühe zu haben scheint,Texte - samt ihrer semantischen Struktur - inhaltlich zu erfassen und der Wörter nicht normgetreu zu schreiben vermag?
  • Was geht in einem Menschen vor, der bereits in den ersten Jahren
    seiner Schulzeit erlebt hat, dass irgendetwas bei ihm nicht stimmt?
  • Was geht in einem legasthenischen Menschen vor?
  • Wie geht ein legasthenischer Mensch damit um?
 
 
Ich weiß es nicht.

Ich kann es nicht wissen, weil ich selbst nie am eigenen Leib erlebt habe, wie es sich anfühlt, ein defektes Gen in mir zu tragen, das mir das Tor zur wundervollen Welt der Buchstaben versperrt.
Ich weiß es nicht, doch ich habe in den letzten Jahren sehr viele junge Menschen und einige erwachsene Menschen kennen gelernt, die als Legastheniker diagnostiziert sind. Menschen, die den Stempel des Legasthenikers in der Tasche haben. Menschen, die nach meinen Recherchen als Behinderte gelten, zumindest im Prüfungsrecht.
 
  • Menschen, die sehr feinfühlig die Welt um sich herum beobachten,
  • Menschen, die kreativ ihre Welt gestalten,
  • Menschen, die sich auszeichnen durch ihr räumliches Vorstellungsvermögen,
  • Menschen, die Lust am Planen und Organisieren haben,
  • Menschen, die sehr gerne im Team arbeiten - und darin Meister sind.
  • Menschen, die sich für andere einsetzen und Empathie entwickeln können.
  • Menschen - mit einem ganz besonderen Wahrnehmungssystem.

Doch all diese Fähigkeiten laufen Gefahr, nach und nach, je länger diese Menschen in der Schule unterrichtet werden, überlagert zu werden von einer Diagnose, die befähigte und begabte Menschen als Behinderte abstempelt, sie beschämt und in eine Schublade drängt, aus der sie in der Regel aus eigener Kraft nicht mehr so ohne Weiteres herauskommen.

Es sei denn, sie begegnen Menschen, die erkennen, dass hinter dieser Diagnose etwas im Verborgenen bleibt, das sie daran hindert, richtig Lesen und Schreiben zu lernen.
 
Mag sein, dass eine Hand voll Forscher bei ihren Untersuchungen ein Gen gefunden haben, das andere Menschen mit einem ähnlichen legasthenischen Erscheinungsbild ebenfalls haben. Doch das darf meines Erachtens keinesfalls dazu führen, diesem Gen die Verantwortung und die Macht zu übertragen, Kindern das Lesen und Richtigschreiben zu erschweren.
 
Unser Hirn ist plastisch, formbar und bis ins hohe Alter in der Lage zu lernen.
 
Das menschliche Gehirn kann wunderbar kompensieren, es kann jederzeit neue Neuronenverschaltungen bilden, sofern das, was es lernen soll, einen Sinn hat, und sofern das, was gelernt werden soll, in einer Lernumgebung gelernt werden kann, in der sich der Lernende wertgeschätzt, geborgen und aufgehoben fühlt.
 
Und wie fühlen sich Kinder in der Schule, denen offenbart wurde, dass etwas bei ihnen nicht stimmt?
 
Jedes Gehirn lernt so, wie man es mit Begeisterung benutzt.

Diese Botschaft sendet Hirnforscher Gerald Hüther seit Jahren, und bei einigen Menschen ist sie bereits angekommen.
Der Mensch lernt ganz unabhängig davon, welche Gene er in seinem physischen Körper beherbergt. Ich wage das zu behaupten, nachdem es mittlerweile jungen Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) gelungen ist, das Abitur zu machen und zu studieren. Menschen, von denen die konservative Wissenschaft annimmt, dass sie weitgehend unfähig wären, überhaupt irgendetwas zu lernen.
Menschen, deren Leidensgenossen jahrzehntelang in besonderen Schulen "beschult" wurden, oder gar als unbeschulbar galten - und Jahr für Jahr den Beweis erbrachten, nicht richtig lernen zu können.
 
Woran könnte das gelegen haben, dass diese jungen Menschen trotz Beschulung nicht lernen konnten - und es anderen jungen Menschen mit Down-Syndrom gelungen ist, das Abitur zu machen?

Trotz Beschulung - oder wegen Beschulung?
 
Wofür sie tatsächlich unbegabt sind, das sei der Frontalunterricht, stellt Gerald Hüther fest. Sie seien jedoch sehr zugänglich für eine Art Potentialentfaltungskunst. "Es braucht jemanden, der ihnen nichts eintrichtern, sondern etwas aus ihnen herausholen will", erklärt der Hirnforscher.
 
Und genau darum geht es: Wir brauchen Menschen, die unsere Schüler begleiten, um das, was an Potential in ihnen vorhanden ist, herauszuholen.
Herausholen - anstatt Eintrichtern, um es kurz zu sagen.
 
Jedes Kind kommt mit einer unglaublichen Entdeckerlust auf die Welt. Jeder, der Kinder hat, oder mit Kindern zu tun hat, weiß, mit wie viel Spaß und Freude Kinder sich selbst und die Welt um sie herum entdecken und erforschen.
 
Entscheidend ist, in welcher Lernumgebung gelernt wird, damit die Lust auf das Lernen bestehen bleiben kann.
 
Ein kleines Kind kann sich noch begeistern - und auf diese Begeisterung kommt es an. Kleine Kinder haben Lust am Lernen, sie lernen täglich Neues hinzu, ohne unterrichtet zu werden. Es genügt ihnen, dass da jemand ist, der sich mit ihnen über das, was sie gerade wieder neu entdeckt haben, freut.
 
Es bedarf keiner Belohnung, es bedarf keiner extrinsischen Motivation, denn das Kind "belohnt" sich selber, indem es sich begeistert und dadurch selbst die Botenstoffe im Gehirn ausschüttet, die dieses Glücksgefühl in ihm hervorrufen.
 
Und was heißt das nun für die Menschen, die sich mit LRS oder gar Legasthenie konfrontiert sehen?
 
Das heißt, dass diese Menschen etwas brauchen, das ihnen im Laufe der Zeit, aus welchen Gründen auch immer, abhanden gekommen ist. Sie brauchen für ihre persönliche Entwicklung jemanden, der ihnen den Weg zeigt, wie sie sich wieder - wie ein kleines Kind, das seine ersten Schritte macht - begeistern können. Begeistern für das Lesen und begeistern für das Schreiben.

Bei Kindern ist es wie bei Erwachsenen: Die Bereitschaft, sich auf etwas Neues einzulassen, etwas Neues auszuprobieren, wächst mit dem Vertrauen, mit dem sie sich in die Welt hineinwagen.
 
Jede Art von Verunsicherung, von Angst und Druck erzeugt in ihrem Gehirn eine sich ausbreitende Unruhe und Erregung, die hemmend wirkt. Unter Angst, Druck und Verunsicherung können die dort über die Sinneskanäle eintreffenden Wahrnehmungsmuster nicht mit den bereits abgespeicherten Erinnerungen abgeglichen werden. Es entsteht eine Blockade.
 
Es kann in einem derartigen Zustand nichts Neues mehr hinzugelernt und im Gehirn verändert werden, weil das damit einhergehende Durcheinander im Kopf so groß werden kann, dass auch bereits Erlerntes nicht mehr erinnert und genutzt werden kann. Das einzige, was unter Angst und Druck noch funktioniert, das sind ältere,
sehr früh entwickelte und sehr fest eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster.
Das Kind fällt dann zurück in solche Verhaltensweisen, die immer dann aktiviert werden, wenn es anders nicht mehr weitergeht:
 
 
  • Angriff (schreien, schlagen),
  • Verteidigung (nichts mehr hören, sehen, wahrnehmen wollen, stur bleiben, Verbündete suchen) oder
  • Rückzug (Unterwerfung, Verkriechen, Kontaktabbruch).
 
So erklärt es Hirnforscher Gerald Hüther in seinem Buch "Auf Schatzsuche bei unseren Kindern" (Jirina Prekop/Gerald Hüther, Kösel Verlag).
 
Interessant. Sehr interessant.
 
Denn genau diese Verhaltensweisen finden wir in sehr ähnlicher Form in den offiziellen Diagnoseplänen für Legasthenie! Verhaltensweisen, die Kinder nicht mitbringen,
sondern die sie offensichtlich erst entwickeln, weil sie sich einem Druck und einer Angst ausgesetzt sehen.
 
 
Psychische Störung
als Begleiterscheinung von Legasthenie?
.
Damit eine Therapie von der Jugendhilfe (Landratsamt) übernommen wird, muss nachgewiesen sein, dass sich das Kind aufgrund seiner "Behinderung" nicht in die Gesellschaft einzugliedern vermag. Es muss zudem eine psychische Störung mit nachgewiesen sein, sonst greift der Absatz mit der Eingliederung nicht.
Das heißt im Klartext: Es reicht nicht aus, NUR die Buchstaben zu verdrehen oder nicht so recht lesen zu können, es MUSS eine psychische Symptomatik mit dabei sein - dann hat eine Familie Aussicht auf die Kostenübernahme einer Therapie.
Und sollte noch keine psychische Störung erkennbar sein, dann wird unter Umständen dem Kind eine angedichtet werden müssen, damit es in die Gunst einer kostenfreien Therapie kommt. Ansonsten haben die Eltern die Kosten in voller Höhe selbst zu tragen, weil diese "Behinderung" zwar als Behinderung im EU-Behindertenrecht aufgeführt ist, jedoch nicht als Krankheit definiert ist, entgegen dem Rechtsurteil, das vom BVL veröffentlicht wurde.

Wäre sie eine Krankheit, diese Buchstaben-Behinderung, dann müssten die Krankenkassen für die Kosten einer Therapie aufkommen.

Buchstaben verdrehen, nicht vernünftig lesen können, Buchstaben auslassen, viele Rechtschreibfehler machen - all das kann, wie behauptet wird, therapiert werden, doch die Kosten dafür tragen die Eltern, sofern keinerlei Begleitsymptome psychischer Art nachgewiesen werden können.

Etwas anders gestaltet sich die Kostenübernahme bei Behandlungen mit "Pillen".
Die sind umsonst. Medikamente zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit - und wenn dann noch AD(H)S dazu kommt, dann eben Ritalin & Co. - diese Kosten tragen die Krankenkassen, ohne groß nachzufragen.

Für mich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob das Schreib- und Leseproblem am Anfang steht - und sich dann seelische Probleme mit der Zeit einstellen, oder ob erst ein seelisches Ungleichgewicht da war - und die Kinder deshalb eines dieser Buchstaben-Symptome entwickeln, um auf ihren ungelösten seelischen Konflikt aufmerksam zu machen.

Eine Frage, auf die ich allerdings auch noch keine Antwort gefunden habe.
 
Jedenfalls brauchen wir, und das sehe ich klar vor meinen Augen, eine Beziehungskultur, in der wir uns - egal ob mit oder ohne Legasthenie - ohne Angst und permanentem Druck entwickeln können.

Statt:

immer höher, immer schneller, immer weiter,
immer besser, immer wettbewerbsfähiger,
 
brauchen wir
.
Wertschätzung, Geborgenheit, Vertrauen
in uns selbst und Vertrauen in unsere Mitmenschen.

 

 
Und was erfahren viele der legasthenen Kinder in der Schule? Sie erfahren Angst und Druck, Beschämung und Machtlosigkeit. Machtlos der Legasthenie, der Dyskalkulie oder der LRS ausgeliefert zu sein. Unter dieser Machtlosigkeit leiden sowohl die Kinder als auch die Eltern.
 
Jedes Kind lernt in den ersten Lebensmonaten voller Begeisterung. Kein Kind braucht einen Sprachunterricht, um die Muttersprache so zu lernen, damit es sich verständigen kann. Kein Kind braucht im ersten Lebensjahr einen Erste-Schritte-Lauflern-Kurs, um seine ersten Schritte zu tun. Alles scheint sich entspannt entwickeln und entfalten zu dürfen.
 
Doch dann kommen die Kinder in den Kindergarten und werden Tag für Tag gemustert, ob sie denn auch wirklich auf dem Stand von Gleichaltrigen sind. Da fängt es schon an.
 
Die Angst der Eltern wird geschürt, ihr Kind könne der Entwicklung nachhinken. Dabei entwickelt sich jedes Kind, sofern es in einer Umgebung aufwächst, in der es Halt und Geborgenheit erfährt, nach seinem inneren Plan ganz von alleine.
Die Förderflut überschwemmt bereits im Kindergartenalter die Kleinen, und später mündet die Förderflut dann in eine regelrechte Förderwut und Förderangst.
 
 
Das Geschäft mit der Angst
 
Ein Geschäftsmodell, das äußerst erfolgreich zu sein scheint. Erfolgreich in dem Sinne, dass Eltern vor lauter Angst, die ihnen über die Medien gemacht wird, nur noch daran denken, wie sie ihr Kind am besten für die Schule vorbereiten könnten, damit es dem, was da verlangt wird, auch ja gerecht werden kann.
Und sobald den Eltern im Kindergarten erzählt wird, ihr Kind hätte da eine kleine Schwäche, geraten sie in die Therapie-Mühle. Sie schleifen ihre Kinder von einem Therapeuten zum anderen, von einem Förderkurs zum anderen, geben sehr viel Geld dafür aus, nur weil ihnen eingeredet wurde, ihr Kind wäre nicht "normal".
 
Plötzlich haben nicht nur die Kinder ein Problem, sondern auch noch die Eltern, die sich Sorgen um ihren Nachwuchs machen.
Wobei die Kinder, genau betrachtet, in den seltensten Fällen, bevor ihnen jemand erzählt hat, dass sie ein Problem hätten, bei sich selbst eins wahrgenommen hätten.
 
Wer kann nun diesen Teufelskreis durchbrechen?
 
Sind es die Eltern, die in erster Linie für die gesunde Entwicklung ihrer Kinder verantwortlich sind? Meinem Verständnis nach: ja!
Insbesondere die seelische Gesundheit, als Grundlage für eine gesunde Entfaltung der Persönlichkeit, liegt in erster Linie in den Händen der Eltern. Doch viele Eltern geben die Verantwortung dafür bereits wenige Monate nach der Geburt an staatliche Einrichtungen ab. Sei es, weil sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation wieder in das Berufsleben zurückkehren müssen, sei es, weil sie den Förderprogrammen staatlicher Einrichtungen mehr vertrauen als sich selbst.

Eine Entwicklung, die ich als sehr bedenklich wahrnehme.
 
Wir brauchen wieder Eltern, die auf ihr Bauchgefühl hören. Eltern, die Zeit für ihre Kinder haben und ihnen den Halt und die Geborgenheit bieten können, die notwendig ist, damit diese sich gesund entwickeln können. Eltern, die eine Bindung zu ihren Kindern aufbauen können, und eben keine Eltern, die aus Angst, ihr Kind könnte zuhause nicht genug gefördert werden, ihr Kind einer Kinderkrippe überlassen.
.
Was ein Kind in den ersten drei Lebensjahren braucht, und in diesem Punkt ist sich die Wissenschaft weitgehend einig, ist eine feste Bezugsperson, damit das Fundament für eine gesunde Entwicklung gebaut werden kann.
 
 
Schwäche - Stärke
 
Unsere Wahrnehmung des Problems wird geprägt von den dafür verwendeten Begrifflichkeiten. Und mit diesen Begrifflichkeiten wird das Denken gelenkt und verengt.
 
LRS - die Abkürzung hat es in sich.
 
Lese-Rechtschreib-Schwäche oder Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit, so lautet die offizielle Bezeichnung für das, was die Kinder bedrückt. Bedrückt, weil ihnen eine Schwäche attestiert wird - und das Bewusstsein, eine Schwäche zu haben, schwächt die Kinder noch mehr.
 
Taufen wir doch einfach diese Abkürzung um!
 
Sprechen wir in Zukunft von einer "Lese-Rechtschreib-Stärke", die einfach mehr Beachtung braucht, weil sie zwar vorhanden, aber noch nicht so groß und stark ist, wie sie gerne möchte.
 
Der Blickwinkel ändert sich damit vollkommen.

Jeder kann seine Stärken ausbauen. Doch wenn jemandem eingeredet wird, dass er eine Schwäche hat, und dass er deshalb sogar von der Bewertung seiner Leistungen befreit wird, um später keinen Nachteil in der Berufswahl zu haben, dann löst das ein Dilemma aus.
Das Kind erlebt, dass ihm eines seiner Grundbedürfnisse, das Wachsen-Wollen, genommen wird. Statt ihm zu helfen, seine real vorhandenen Schwierigkeiten aufzulösen, wird es mit dem Zuckerl "Nachteilsausgleich" zur Aufgabe, zur Resignation ermuntert.
 
Es erfährt, dass es ihm nach Ansicht aller Koryphäen niemals gelingen wird, mit jenen 26 Symbolen, die in verschiedensten Kombinationen unterschiedlichste Wörter, Begriffe und Botschaften vermitteln, sicher und ganz selbstverständlich umzugehen.
 
Gäbe es in der Welt keine Buchstaben, bliebe ihnen diese leidvolle Erfahrung erspart, müssten sich nicht herumquälen, …
 
Eine Erfahrung, die für ein Kind sehr schmerzlich ist, und für die daran Beteiligten ebenfalls. Doch mit dieser Erfahrung treten sie ein in den Kreislauf der Legasthenie, lernen ihre Schwäche zu kultivieren und zu ihren Gunsten zu instrumentalisieren.
 
… und Interessenvertreter unterschiedlichster Herkunft kochen ihr Süppchen daran.
 
 
 
Was können wir tun?
 
Sobald unsere Kinder wieder erfahren dürfen, was es alles zu entdecken gibt, kommt das Bedürfnis von alleine, noch mehr entdecken (= lernen) zu wollen. Und sobald Kindern gestattet wird, auch ihren natürlichen Bewegungsdrang auszuleben, der ja auch ein Lernen ist, verbessern sich auch ihre geistigen Fähigkeiten.
 
"Nur wer das richtige Gefühl für seinen Körper entwickelt, kann auch seine kognitiven Potentiale entfalten. Erste Studien beweisen das: Grundschüler, die besonders gut in Mathe sind, können auch besonders gut balancieren. Der Mensch erwirbt die Voraussetzungen für das dreidimensionale und abstrakte Denken, für die Mathematik, indem er seinen Körper in der Balance zu halten lernt. Sobald ein Kind vor einem Fernseher sitzt, spürt es den Körper nicht mehr. Es wird nicht krabbeln, nicht umher springen, nicht balancieren, schon gar nicht auf Bäume klettern. Das ist gestohlene Körperlernzeit."
link
 
Kinder müssen im Leben möglichst viele Herausforderungen meistern, damit die wichtigsten Vernetzungen im Hirn entstehen. Kinder brauchen also eine Welt, in der es möglichst interaktiv zugeht. Und zwar nicht in der Virtualität, sondern in realen Lebenszusammenhängen.
 
An erster Stelle der Möglichkeiten, für positive Veränderungen zu sorgen, steht daher die Notwendigkeit, zusammen mit den Kindern
 
  • ein neues Selbstbild zu erarbeiten,
  • Selbstvertrauen zu gewinnen und
  • Schritt für Schritt zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es für alles eine Lösung gibt.
 
Alten Schwierigkeiten mit neuem Selbstvertrauen zu begegnen, ist der beste Weg, das Gefühl der Machtlosigkeit, in dem sie sich gefangen fühlen, Schritt für Schritt abzubauen. Der Weg zur eigenen Stärke und zu den persönlichen Potentialen wird jedoch nur dann frei, wenn Kindern und Jugendlichen erlebbar gemacht wird, was ihnen alles gelingen kann.
 
 
 
Mit allen Sinnen lernen
 
Das scheint in unseren Regelschulen ein Anspruch zu sein, dem noch nicht alle gerecht werden. Jeder Sinn ist zugleich ein eigener "Lernkanal".
 
Dass nicht alle Kinder die gleichen Inhalte über die gleichen Lernkanäle gleich gut aufnehmen, ist wissenschaftlich erwiesen. Genauso, wie erwiesen ist, dass jeder Mensch schon im ersten Lebensjahr seinen "bevorzugten" Lernkanal unbewusst auswählt.
 
Kinder, die den auditiven (hören) oder visuellen (sehen, beobachten) bevorzugen, werden sehr wahrscheinlich mit dem Lernstoff, der in den Schulen überwiegend visuell und auditiv angeboten wird, zurechtkommen.
 
Kinder, die ihre Wahrnehmung bevorzugt auf den kinästhetischen Kanal ausrichten, die also im wahrsten Sinne des Wortes be-greifen wollen, um begreifen zu können, bleiben bei dieser Form der Wissensvermittlung fast zwangsläufig zurück.
 
Allerdings sind sie nicht die einzigen, die unter dieser Form des auditiv-visuellen Unterrichts leiden. Die Fähigkeit des "Begreifens", die Übertragung theoretischen Wissens in die Realität, wird auch bei denen nicht entwickelt, die ihre Schulzeit mit guten Noten abschließen und dann zu der (falschen) Erkenntnis gelangen, dass sie das Gelernte im Leben nicht gebrauchen können, weil sie zu wenig geübt haben,
es praktisch anzuwenden.
 
Die Idee, Kinder bereits im Kleinkindalter über Tablet-Computer Lernerfahrungen machen zu lassen, birgt die Gefahr in sich, dass motorische Defizite vorprogrammiert sind. Bei einem Bilderbuch hat ein Kind ein Medium, in dem es blättern kann. Eine motorische Fähigkeit, die das Kind über das Berühren einer kalten zweidimensionalen Glasplatte eines Tablets kaum entwickeln kann.
 
 
Wege aus dem Dilemma
 
Ein wichtiger Schritt, die Legasthenie zu überwinden, besteht deshalb darin, Erstklässler die Buchstaben des Alphabets aus Knetmasse formen zu lassen.
Knetmasse ist ein dreidimensionales Medium. Man kann kreativ damit umgehen und sie mit nichts als den eigenen Händen bearbeiten.
 
Wer Knetbuchstaben formt, betrachtet das Alphabet nicht länger als etwas Fremdes, sondern als etwas, was man selbst gemacht hat und das daher zu einem gehört.
http://www.legasthenie-adhs-dyskalkulie.com/die-davis-methode/
 
Die Davis®-Methode, des, wie ich meine, zu Unrecht diskriminierten Ronald D. Davis, vermittelt brauchbare Werkzeuge zur Überwindung von Legasthenie (Probleme beim Lesen und Schreiben), Dyskalkulie (Probleme beim Rechnen) und ADHS (Probleme bei der Aufmerksamkeitssteuerung).
 
Mit Hilfe dieser Methoden können Kinder und Erwachsene lernen, den mentalen Prozess zu steuern, der ihre besondere Wahrnehmung von Buchstaben und Wörtern verursacht, und dabei lernen, die "übliche" Form der Wahrnehmung unserer Schriftsymbole als nützliche Variante für Lesen und Schreiben für sich zu adaptieren.
 
Wenn ein Legastheniker erst einmal sicher ist, dass seine Wahrnehmungen korrekt sind, kann er auch die darunter liegende Ursache seiner Lernschwierigkeiten durch Methoden lösen, die auf seinem Vorstellungsvermögen und seinen kreativen Stärken aufbauen.
http://www.legasthenie-adhs-dyskalkulie.com/
 
Je mehr Wahrnehmungskanäle bei der Darbietung eines Stoffes angesprochen werden und je mehr Möglichkeiten angeboten werden, das Gelernte wiederzugeben, desto engagierter und motivierter arbeiten die Schüler.
 
Kinder lernen, indem sie sich bei allem Lernen die Fragen stellen:
 
"Worum geht es? - "Wozu ist das gut?"
 
Finden sie darauf keine befriedigenden Antworten, sind sie frustriert und äußern wahrscheinlich, dass sie sich langweilen, wobei diese Langeweile lediglich das vernebelt, was Kinder über sich selbst denken.
 
"Das ist blöd, muss ich das machen?"
ist oft gleichbedeutend mit:
"Ich fürchte, dass ich das nicht kann."
 
Wenn ein Unterrichtsthema einem Schüler "nichts bringt", liegt es in der Verantwortung des Lehrers, diesem Kind die Relevanz des Themas auf irgendeine ansprechende Weise nahezubringen. Das ist die Kunst des Lehrens!
 
Kenntnisse über die Wahrnehmungsverarbeitung werden Lehrern helfen, einige der typischen, sie frustrierenden Verhaltensweisen von Schülern als Hinweise auf deren Lernbedürfnisse zu interpretieren.
Schüler gewinnen Vertrauen in ihr eigenes Lernvermögen, wenn sie beim Lernen ihren dominanten Kanal einsetzen können und seine Stärke auch dann nutzen, wenn die weniger leicht zugänglichen Kanäle in einer Lernsituation gefordert sind. Lehrer müssen sich bewusst bleiben, welche Herausforderung eine Lernsituation für die zeitraubende Arbeitsweise des unbewussten Geistes bedeutet.
 
Wenn ein Lehrer auf seiner ureigenen traditionellen Lehrmethode besteht, bleiben nicht nur die Bedürfnisse vieler Schüler unberücksichtigt, es wird auch ihr Versagen begünstigt, Lehrer entfremden so gerade diejenigen Menschen von der Schule, denen sie besonders "dienen" sollten.
 
Unternehmen in aller Welt begreifen jedoch allmählich, dass es effektivitätssteigernd ist, wenn Leitende die Macht teilen.
 
 
Kontrolle abgeben - in den Dialog starten
 
Wenn Menschen heutzutage über Kinder oder Erziehung sprechen, landen sie regelmäßig bei dem Begriff "Kontrolle". Etwas kontrollieren zu wollen, das einem aus der Kontrolle geraten ist.

Es geht darum, wer außer Kontrolle geraten ist, wer sich unter Kontrolle hält oder die Kontrolle verloren hat. Klassenlehrer und Eltern kämpfen jahrelang darum, die Kontrolle auszuüben. Kinder kämpfen jahrelang, um ihr zu entgehen. Peter Senge, der Direktor des Center for Organizational Learning, sagt folgendes über Kontrolle:

"Hilflosigkeit, die Überzeugung, dass wir unsere Lebensumstände
nicht beeinflussen können, untergräbt den Drang zu lernen ebenso
wie die Überzeugung, dass irgendwer von irgendwoher unsere Handlungen diktiert. Umgekehrt wird Lernen wichtig, wenn wir wissen, dass unser Schicksal in unseren Händen liegt."
 
 
 
Weiterführende Gedanken:
 
Letzten Endes ist die gesamte Diskussion um die Ursachen von Legasthenie ein unsinniger Streit, der da seit Jahrzehnten geführt wird. Zeit und Geld wurden aufgewandt, für die "Kreation" möglicher Ursachen, von denen keine einzige bisher in einer Langzeitstudie belegt werden konnte.
 
Folge ist, dass die Diskussion zu Verwirrung bei den Betroffenen führt und in höchstem Maße Angst einflößt, der alle Beteiligten machtlos gegenüber zu stehen scheinen, ohne dass von der Wissenschaft bisher eine Lösungsmöglichkeit vorgestellt werden konnte, an der sich alle Beteiligten orientieren könnten.
 
Ich lege bewusst den Finger in die Wunde, denn diese Legasthenie-Hysterie greift tief in das Selbstwertgefühl jedes betroffenen Kindes ein und stellt eine massive Diskriminierung dar.
 
Der mechanistische Ansatz, den Menschen und sein Funktionieren zu begreifen, führt zu der Suche nach dem Gen, das die Legasthenie verursacht, bzw. maßgeblich dafür verantwortlich gemacht werden kann, dass das Lesen und Schreiben Schwierigkeiten bereitet.

Dieser mechanistische Ansatz ist aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, weil dem Menschen, der einen Defekt hat, eine Reparatur - in welcher Form auch immer, gegen Entgelt angeboten werden kann.
 
Und wenn das nicht hilft, kann dem Betroffenen geraten werden, es weiter zu versuchen, immer und immer wieder, und im Zweifelsfall auch immer mehr von dem anzuwenden, was die Wirtschaft grade anzubieten hat, nachdem ihm bzw. seinen Eltern und Lehrern glaubhaft gemacht wurde, dass es sich bei ihm "halt um einen besonders schweren Fall" handle.
 
Da verspricht man den Menschen, die keinen Zugang und keine Zeit mehr haben für ihre Kinder, die "Instant-Lösung" für das Schulproblem.
.
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      Genetisch bedingt - da kann man nichts machen.
      Pech gehabt - gibt trotzdem gute Noten,
      weil wir die Behinderung berücksichtigen
      und uns für einen Nachteilsausgleich starkmachen.

 


Und für alle, die sich damit nicht so einfach abfinden wollen, haben wir unsere Repair-Kits im Angebot.
 
 

Der Markt boomt, die Menschen werden abhängig von Lösungen, die von außen an sie herangetragen werden, das Geschäft mit der Angst und der Machtlosigkeit prosperiert, und zurück bleiben Menschen, die ihr Leben von anderen gestalten lassen.
 
 
Mein ganzheitlicher Ansatz
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liegt darin, dass die Legasthenie als eine "besondere Wahrnehmung" ihren Platz hat und weiter ihren Platz haben darf, bei der jedoch die Ursachen von Schwierigkeiten, die auftreten, weder in einem Gen-Defekt noch einer sonstigen veranlagten Störung zu suchen sind, sondern in einem Mangel, der weder durch Pillen noch durch psychologische Therapie-Mätzchen behoben werden kann.
 
 
Es ist ein Ansatz, der die Entstehung und Auflösung von Schwierigkeiten zurückführt
 
  • auf Umfeld und Lebensumstände,
  • auf das Verhalten von Lehrern und Erziehern,
  • auf das Verhalten von Eltern - und
  • auf wirtschaftliche Zwänge, denen Familien z.T. unterworfen sind.
 
Ein Ansatz, der die Faktoren von Nähe, Geborgenheit, Wertschätzung, Zuwendung, Halt-Geben, Vertrauen und persönliche Freiheit in den Vordergrund stellt.

Ein Ansatz, mit dem man, zumindest in der "Gesundheitsbranche", keine großen Geschäfte machen kann, weil es, sofern eine Vielzahl von Menschen diesen Ansatz leben würden, keine Menschen mehr geben würde, die sich mit Mitteln von außen ihre Gesundheit erkaufen müssten.
 
Es würden Strukturen entstehen, innerhalb derer sich jeder Einzelne zum selbstbewussten und bewusst lebenden Erwachsenen entwickeln würde, der sein
Leben selbst in die Hand nimmt.
 
Mir geht es um die Menschen, die sich hilflos und machtlos ausgeliefert fühlen.
Ich will sie ermutigen. Ich will sie einladen, ihren Weg aus der Misere aus eigener Kraft zu gestalten.
 
Wenn der in unserer Gesellschaft eingeschlagene Weg unverändert weiter gegangen wird, werden noch mehr auffällige Kinder "entlarvt" werden.
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Kinder, die seelenruhig in ihrem Kindergarten spielen und darauf warten, bis jemand kommt, der ihren Eltern sagt, dass sie noch nicht reimen könnten, was, laut neuesten Meldungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) ein erstes Anzeichen dafür sein könnte, Legasthenie zu haben.
 
Aus dem "Nicht-Reimen-Können" im Kindergarten bereits eine signifikant gestörte Verarbeitung von Lauten und Buchstaben abzuleiten, und damit auf das ominöse "Legasthenie-Gen" zu schließen, ist in meinen Augen unverantwortliche Panikmache.
 
Zumal das Kind vielleicht noch nicht einmal mit Reimwörtern in Berührung gekommen ist, weil die Eltern und Erzieher es für wichtiger hielten, es Buchstaben schreiben und Zahlen ordnen zu lassen, damit es gerüstet ist für den Schulalltag, anstatt das Kind im freien Spiel sich selbst und sein spannendes Umfeld entdecken zu lassen.
 
Aus der Angst, die den Eltern schon sehr früh gemacht wird, erwächst langsam aber sicher mangelndes Vertrauen in sich selbst. Und den bitteren Preis für die Vielzahl von pseudowissenschaftlichen Ergebnissen zahlen die Familien selbst, die ihre Kinder bereits mit wenigen Monaten aus Sorge um eine rechte Förderung Erziehungseinrichtungen überlassen.
 
 
Weitere Gefahr
 
Die einseitig medizinische und psychologische Sichtweise könnte in letzter Konsequenz sogar zur Verabreichung von Medikamenten führen, um die Behandlung aller nur denkbar möglichen Ausprägungen von Lese-Rechtschreib-Auffälligkeiten medikamentös zu begleiten.
 
Der Fokus der wissenschaftlichen Forschung ist auf die Identifizierung von genetischen Auffälligkeiten gerichtet, die mit Legasthenie in Zusammenhang gebracht werden können.#
 
Und wer weiß, ob nicht schon an der Etablierung von medizinischen Programmen zur Frühintervention gearbeitet wird. Denkbar ist alles.
 
 
 
Wem nützt das Konstrukt Legasthenie?
 
Zum Abschluss stellt sich die Frage, wieso sich das Modell der Teilleistungsstörungen und das klassische Legasthenie-Konzept nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen und sich viele Gruppen darauf berufen, so zum Beispiel der "Bundesverband Legasthenie",
eine Interessenvertretung von Eltern "legasthenischer" Kinder, und darüber hinaus auch eine Reihe von Therapeuten und Lehrpersonen.
 
Eine mögliche Antwort:
 
Dieses Konzept hat einerseits eine entlastende Funktion für die
 
Beteiligten: Wenn es sich um eine Teilleistungsschwäche handelt, ist keiner schuld und niemanden trifft Verantwortung.
 
Lehrpersonen können sich von Schuldgefühlen befreien, wenn sie die Ursachen für schulische Leistungsprobleme in Defekten des Kindes sehen (z. B. in der neu erfundenen Dyskalkulie) und ihre Verantwortung für das Lesen- und Schreibenlernen des Kindes an außerschulische Instanzen delegieren können.
 
Auch für Eltern ist dieses Konzept nützlich, weil Krankenkassen für eine Therapie von Wahrnehmungsstörungen bereitwilliger zahlen als für ein Lese- und Rechtschreibtraining.
 
Ferner dient dieses Konzept als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme auch standespolitischen Interessen, indem es bestimmten Berufsgruppen eine zahlungswillige Klientel beschert.
 
 
 
Fazit:
 
Unsere Kinder werden nach und nach an die herrschenden Unterrichtsmethoden angepasst. Und passt ihnen das nicht, weil sich ihr Inneres meldet, dann haben sie eine Störung. Eine Wahrnehmungsstörung.
 
Und diese Störung wird dann therapiert.

Und nachdem man das individuelle Wahrnehmungssystem gar nicht therapieren kann, entwickeln die Kinder psychische Störungen.
 
Ein Umdenken ist notwendig, damit die Not, in der sich diese Kinder befinden, ein Ende nimmt.

Das Kind wieder in den Mittelpunkt der Pädagogik stellen, damit es als Einheit von Körper, Geist und Seele die Herausforderungen, die das Leben für uns bereithält, mit Freude annehmen kann.
 
Unsere legasthenen Kinder sind nicht behindert, sie werden behindert.
Behindert daran, auf ihre individuelle Art zu lernen. Entscheidend für das Lernen sind weder genetische Dispositionen noch sonst irgendwelche Defekte. Entscheidend sind die gemachten Beziehungserfahrungen mit anderen Menschen, die darüber bestimmen, welches Ausmaß an Konnektivität im Gehirn herausgeformt und stabilisiert werden kann. Jede ungünstige Beziehungserfahrung führt unweigerlich zur Entwicklung einer ungünstigen inneren Haltung, die jedoch dank der Formbarkeit unseres Gehirns später durch günstige Erfahrungen überspurt werden kann.
 
 
Lernen,
sich entwickeln, sich entfalten,
die Welt entdecken und erforschen …
 
In jedem Kind schlummern Begabungen, die nur noch darauf warten, dass sie entfaltet werden dürfen. Jedes Kind lernt - wenn man es nur lässt.
So kann sich jedes Kind zu einem Menschen entwickeln, der die Welt mitgestalten kann und mitgestalten will. Öffnen wir die Türen für unsere Kinder, damit sie sich entfalten können. Nehmen wir selbst die Verantwortung in die Hand, damit unsere Kinder wieder was in die Hand nehmen!
 
Wenn die Schwierigkeiten, die ein Kind beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat, einer Krankheit oder Behinderung zugeschrieben werden, lenken wir von dem ab, worauf uns diese Schwierigkeiten noch hinweisen können: auf Defizite im gesellschaftspolitischen und bildungspolitischen Bereich.
 
Der Preis für die "Legasthenie-freundlichste Universität" wurde gefeiert.

Der Legasthenie freundlich gestimmt, machen sich Schulen und Universitäten auf den Weg. Sie werden geehrt, sie werden gefeiert, und glauben fest daran, den Betroffenen mit ihrer Freundlichkeit, Nachteilsausgleiche zu gewähren, etwas Gutes zu tun und so ihren Teil dazu beizutragen, der Chancengleichheit auf dem Bildungssektor ein Stück näher zu kommen.
 
Geht die Entwicklung in dieser Lern-Behinderungs-Form weiter, dann werden wir uns in absehbarer Zeit von diplomierten Behinderten umgeben sehen, deren wahres Potential noch in ihnen schlummert.
 
 
 
Manuela Engl
 
manuela.engl@t-online.de
 

 
Literatur und weiterführende Links:
 
http://www.legasthenie-adhs-dyskalkulie.com/die-davis-methode/
http://www.a-bis-z.ch/Grundlagen-der-Davis-Methode.pdf
http://www.legasthenie-adhs-dyskalkulie.com/
http://www.rsb-borken.de/fileadmin/Downloads/LRS/Valtin.pdf
http://www.bvl-legasthenie.de/legasthenie/definition
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-017_S1_Umschriebene_Entwicklungsstoerungen_schulischer_Fertigkeiten__F81__11-2006_11-2011_01.pdf
http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/kritik-am-schulsystem-huether-will-gymnasium-und-lehrplaene-abschaffen-a-850405.html
http://bildungsklick.de/a/76996/rechnenlernen-beginnt-im-saeuglingsalter/
http://bildungsklick.de/a/77180/lautes-vorlesen-hilft-bei-lese-rechtschreibschwierigkeiten/
http://www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/zeitschriften/geo-kompakt-interview-gerald-huether/index.php
http://www.gerald-huether.de/populaer/veroeffentlichungen-von-gerald-huether/texte/begeisterung-gerald-huether/index.php
 
 
 
Jirina Prekop; Gerald Hüther: Auf der Schatzsuche bei unseren Kindern, Kösel-Verlag
Dawna Markova: Wie Kinder lernen, VAK-Verlag
Ronald D. Davis: Die unerkannten Lerngenies, Ariston-Verlag
Christina Buchner: Neues Lesen - neues Lernen, vom Lesefrust zur Leselust, VAK-Verlag
Jesper Juhl: Was Familien trägt, Beltz-Verlag
Helmut Zöpfl: Gut gelaunt erziehen, Rosenheimer Verlagshaus
Gerald Hüther: Was wir sind und was wir sein könnten, Fischer-Verlag
 

 
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