Paukenschlag am Donnerstag
No. 4 /2012
vom 26. Januar 2012

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Die Kinderarmuts-Rückgangs-Lüge

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Die
Kinderarmuts - Rückgangs - Lüge

     

    Jubelmeldungen allenthalben.

    Die Gesellschaft für Konsumforschung meldet wieder einmal, die Kauflaune der Deutschen sei ungebrochen.

    Eine Meldung, wie sie oft genug ein paar Monate später von den Zahlen des Statistischen Bundesamtes widerlegt wurde.

    Es läge an der Zunahme der Beschäftigung - und an der nachlassenden Inflation, und daran, dass die Zinsen so niedrig seien, dass sich Sparen kaum noch lohne. Vor allem hätten die Konsumenten Immobilien, Autos und Möbel im Visier.

    Woher der Run auf die Immobilien kommt, ist wohl hinlänglich klar - da ist die Angst vor dem Kaufkraftverlust des Euro bei den Gutbetuchten die treibende Kraft. Bei Autos und Möbeln mag das gleiche Motiv dahinterstehen, halt bei denen, die sich noch als Mittelschicht fühlen.

    Die GfK-Zahlen zum Konsumklima


    Die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen in ihren Glaskugeln die allerbesten Aussichten für die deutsche Wirtschaft.

    Vor allem das ZEW überschlägt sich geradezu vor lauter Freude, die besten Aussichten aller Zeiten prognostizieren zu können.

     Die jüngste ZEW-Prognose

     

    Die Krönung aber ist die frohe Kunde,
    dass die Kinderarmut
    so kräftig zurückgegangen ist.

    Waren im September 2006 noch knapp 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren auf Hartz IV angewiesen, so waren es fünf Jahre später, im September 2011 nur noch etwa 1,64 Millionen.

    Dass die Medien aus der Differenz zwischen "knapp 1,9" und "rund 1,64" einen Rückgang um glatte 300.000 machen, statt von "rund 250.000" zu sprechen, was eine korrekte Aussage über die Differenz wäre, sei nur am Rande erwähnt.

    Dass nicht nur Kinder, die von Hartz IV leben, aufgrund der Einkommens- und Lebensverhältnisse ihrer Eltern als "arm" gelten dürften, was ebenfalls keine Erwähnung findet, sei auch nur am Rande erwähnt.

    Dass dann schnell noch nachgelegt wird, welches Bundesland im Wettstreit um die Senkung der Kinderarmut die Nase vorn hat, mit Bayern an der Spitze und Berlin als Schlusslicht, ist eher peinlich, weil es einfach vom Kern der Sache ablenkt, indem die statistische Aussage durch noch ein bisschen zusätzlicher Zahlenspielerei den Eindruck größerer Seriosität erhält.

    Denn nur wenn die Zahlen größtmögliche Seriosität, Genauigkeit und Detaillierungsgrad aufweisen, wird den daraus gezogenen Schlüssen auch Glauben geschenkt - und die gezogenen Schlüsse sind nun mal wichtig, für die Stimmung im Lande, das dabei ist, sich mit Schuldenbremse und Haushaltsdisziplin im Gepäck, alternativlos in immer tiefere Schulden zu stürzen - um die Gläubiger der Euro-Zone bei Laune zu halten.

     

    Also heißt es ohne Scheu vor dem Odeur des Eigenlobs:

     

    "Weniger Kinder in Hartz IV bedeutet,

    dass es den Jobcentern gelungen ist,

    ihre Eltern in Beschäftigung zu integrieren.

    Die Chance, eine Arbeit zu finden,

    ist heute deutlich besser als vor drei oder vier Jahren.

    Auch Langzeitarbeitslose oder Geringqualifizierte

    profitieren verstärkt

    von der Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes."

     

    Und das sagt einer, der es besser wissen könnte, nämlich das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt.

    Die Jubelmeldung 

     

    Wahr ist,

        dass es 2006 einfach sehr viel mehr Kinder
        unter 15 Jahren gab als 2011.

        In den Zahlen für 2006
        sind die Geburtsjahrgänge von 1991 bis 2006
        enthalten.

        In den Zahlen für 2011
        sind die Geburtsjahrgänge von 1996 bis 2011
        enthalten.

        Herausgefallen sind also die 5 Jahrgänge
        1991 bis 1995 mit insgesamt rund 4,0 Millionen
        Neugeborenen.

        Hinzugekommen sind die 5 Jahrgänge
        2007 bis 2011 mit insgesamt rund 3,4 Millionen
        Neugeborenen.

        eine Grafik in der ZEIT

        (weitere Infos - Jahre 2010 und 2011 - beim Statistischen Bundesamt)

         

    Wahr ist,

        Dass die Zahl der Kinder unter 15 Jahren von
        2006 bis 2011 um rund 600.000 zurückgegangen ist.

    Wahr ist auch,

        Dass dieser Rückgang der Geburtenzahlen eine Folge der Wirtschafts- und Sozialpolitik ist, der immer mehr Menschen in Armut, Armutsrisiko und große Zukunftsangst gestürzt hat.

        Wer nimmt da noch das "Armutsrisiko Kind" auf sich?

        Wer will noch Kinder in die Welt setzen, wenn er fürchtet, sie müssten unter unwürdigen Bedingungen in Armut aufwachsen?

        Wahr ist auch, dass trotz aller Beteuerungen, Kinder seien unsere Zukunft, immer weniger für die Kinder getan wird, stattdessen ein erbärmliches Ringen um 5 Euro pro Monat im Regelsatz aufgeführt wurde, und statt mehr Geld für die armen Kinder lieber Gutscheine für Sachleistungen in die Welt gesetzt wurden, die kaum angenommen werden, weil der Gutschein eben regelmäßig nicht reicht, um die Kosten für die Inanspruchnahme der Leistung zu decken.

     

    Fühlen Sie sich jetzt veralbert, belogen, desinformiert?

    Dann hat dieser Paukenschlag seinen kurzfristigen Zweck erfüllt.

    Und wenn er längerfristig zum Selberdenken anregt,

    dann auch seinen Endzweck.

     

     

    Ein kleiner Nachtrag vom 27. Januar

    Ein Leser des Paukenschlags, der sich auf den Seiten des Statistischen Bundesamtes besser auskennt als ich, half mir die Zahlen zu finden, die
    ich eigentlich benötigt hätte, nämlich die Zahlen der Wohnbevölkerung
    nach Lebensalter, statt die Zahlen der Geburten pro Jahrgang.

    Die gibt es allerdings wieder nur bis 2010.

    2011 ist noch nicht in die Statistik aufgenommen.

    Rechnet man die Abnahme der Kinder unter 15 nur bis 2010, so haben die unter 15-jährigen nicht um 600.000, sondern nur um 500.000 abgenommen. Führt man allerdings die nahezu kerzengerade Linie des Rückgangs einfach weiter, dann
    dürfte für 2011 die Zahl der Kinder unter 15 Jahren gegenüber 2006 um rund
    550.000 abgenommen haben.

     

 

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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