Paukenschlag
am Donnerstag
No. 32 /2012
16. August 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Hartz-Hartz-Hurra! 10 Jahre im Albtraum

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Hartz-Hartz-Hurra!
10 Jahre im Albtraum
 
Die Medien geben sich alle Mühe, in diesen Tagen ein zehnjähriges Jubiläum zu zelebrieren. Ja, es hat Härten gegeben, ja, die Arbeitslosigkeit ist nicht innerhalb von drei Jahren auf zwei Millionen halbiert worden, aber immerhin stehen wir jetzt bei nur noch drei Millionen und außerdem: Dank Hartz IV stehen wir nun in der Krise innerhalb Europas am allerbesten da.
 
Und das ist der Erfolg, der zu feiern ist, dass es "Deutschland" heute besser geht als den Griechen, den Spaniern, den Italienern, den Iren, den Franzosen.
 
Hartz-Hartz-Hurra!
 
Dass der Erfolg der Hartz-Gesetze, der angeblich an der Arbeitslosenstatistik abgelesen werden kann, nur deshalb zustande kommen konnte, weil die Arbeitslosenstatistik in einem Maße verändert wurde, das jeden Vergleich der Arbeitslosenzahlen von damals mit den heutigen unmöglich macht, das geht im Jubelgetöse unter.
 
Dabei fing die Geschichte der Etablierung des Niedriglohnsektors genau damit an, dass man Bernhard Jagoda, den damaligen Chef der Bundesanstalt für Arbeit mit Vorwürfen überhäufte, er habe seine Statistik manipuliert, und ihn daraufhin in die Wüste schickte.
 
Das war zu einem Zeitpunkt, als die Teams, die - weitgehend finanziert von der Bertelsmann-Stiftung - ihre Arbeit an den Modulen zum Aufbrechen des deutschen Arbeitsmarktes noch in aller Stille und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit vorantrieben.
 
Mir ist das damals aufgefallen:
 

Von: "EWK_...der_Unternehmerberater" <EWKberater@knuut.de>
An: <leserbriefe@spiegel.de>
Betreff: jagoda und die Statistik
Datum: Donnerstag, 14. Februar 2002 16:50

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Chor derer, die die unzulässige Kosmetik an einer völlig unwichtigen Sekundärstatistik zum Anlaß nehmen, um die Generaldebatte über die Arbeitslosenversicherung zu eröffnen, singt zu laut und zu falsch, um uneingeschränkten Applaus zu verdienen!

Der folgende Text transportiert eine abweichende Meinung. Sollte es wirklich die einzige sein?

Mit freundlichen Grüßen
Egon W. Kreutzer

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Schwer vermittelbar

Pharisäer! Heuchlerisch stürzt sich die Meute auf Jagoda und seine Vermittlungszahlen, als würden bei einer weniger geschönten Sekundärstatistik heute nicht 4,3 Millionen Arbeitsplätze fehlen, sondern nur die Kanzlerzahl von 3,5 Millionen oder gar noch weniger.

Bernhard Jagoda hat seit Jahren einmal pro Monat die Summe derjenigen Menschen bekanntgegeben, die nach den Kriterien der Sozialgesetzgebung zum jeweiligen Stichtag als "arbeitslos" anerkannt waren.

Wer hat sich darum gekümmert, ob damit nun alle Arbeitslosen, oder nur die Bezieher von Arbeitslosengeld oder vielleicht auch arbeitssuchende Sozialhilfeempfänger erfaßt sind? Wir alle haben die offizielle Zahl der Arbeitslosen als die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen akzeptiert und uns damit der Notwendigkeit enthoben, den Wahrheitsgehalt inoffizieller Schätzungen von 5,5 oder 6 oder gar 9 Millionen Arbeitslosen zu überprüfen.

Medien und Politik haben diese Tabuzone nie verletzt! Die Tatsache, daß in der Gesamtzahl nur ca. 1,5 Millionen Langzeitarbeitslose enthalten sind, zwingt zu der Annahme, daß unter den 2,5 Millionen Kurzzeitsarbeitlosen eine muntere Fluktuation herrscht. Da kommen Jahr für Jahr Millionen neuer Arbeitsloser dazu und Millionen ehemaliger Arbeitsloser finden wieder Arbeit.

Wenn uns allerdings noch vor wenigen Wochen jemand gefragt hätte, ob denn alle Einstellungen von den Arbeitsämtern vermittelt würden, dann hätten wir nach kurzer Rücksprache mit unserer allgemeinen Lebenserfahrung erklärt, daß sicherlich auch die Arbeitsämter vermitteln, daß die meisten Arbeitslosen aber aufgrund eigener Initiative einen neuen Job finden würden und hätten nach dieser zutreffenden Aussage ohne jegliche Aufregung wieder zur Tagesordnung übergehen können.

Wenn unsere gesamte mediale Öffentlichkeit, einschließlich der versammelten Politprominenz nun plötzlich und unerwartet mit einem Aufschrei des Entsetzens davon Kenntnis nimmt, daß ein vermutlich frustrierter Revisor herausgefunden und verkündet hat, die Zahl der statistisch ausgewiesenen Vermittlungen entspräche nicht der Zahl der tatsächlichen Vermittlungen, dann fragt man sich verwundert:

Worum geht es da eigentlich?

Die Effizienz der Arbeitsvermittlung entscheidet sich doch nicht erst in ihrer statistischen Erfassung, sondern in der Tätigkeit der Vermittler, und die Erfolgsaussichten der Vermittler werden um so geringer, je mehr die Arbeitgeber den Nachweis des so lautstark beklagten Facharbeitermangels schuldig bleiben und offene Stellen nicht melden.

Mit dem sogenannten Vermittlungsskandal wird doch nur ein neues Kapitel jener Legende geschrieben, die die Unternehmerschaft von jeglicher Verantwortung für die andauernd hohe Arbeitslosigkeit entbindet und als wahre Schuldige die Arbeitslosen selbst entlarvt, die sich mit ihrem vermeintlichen "Recht auf Faulheit" den immer noch viel zu schlaffen Vermittlungsversuchen der Arbeitsämter entziehen, anstatt das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, wie es ihre Pflicht ist.

Es mag großen Reformbedarf im Hause Jagoda geben, gar keine Frage. Wer nun aber diese maßlos übertriebene Statistik-Farce zum Vorwand nimmt, um im Handstreich die Vermittlung zur privatisieren und womöglich die Kosten dafür auch noch durch Leistungskürzungen zu finanzieren, der bringt etwas mehr Neoliberalismus auf die Tagesordnung, als es dem sozialen Frieden in unserem Lande zuträglich ist.

 

 
Und was ich damals nur vermutete, dass Jagoda gehen musste, um jenen neuen, kalten Wind ungehindert wehen lassen zu können, der nun aufkommen sollte, das ist für mich inzwischen zur Gewissheit geworden.
 
Jagoda war sicherlich in Vorgespräche eingebunden. Höchstwahrscheinlich hat er sich geweigert, sich an den geplanten, verfälschenden Änderungen der Statistik zu beteiligen die Solidarkasse der Arbeitslosenversicherung zur Plünderung freizugeben. Das hat ihm die Brandmarkung als Statistikfälscher eingetragen und so seinen Abgang erzwungen.
 
Ich kann mich irren, doch das halte ich für äußerst unwahrscheinlich.
 
Das war im Februar 2002.
 
Ende Juni sickerten dann erste Ideen aus der Konzeptschmiede in die Öffentlichkeit. Wahre Wunderdinge wurden verheißen. Peter Hartz gelangte in die Medien - und was da erzählt wurde, schon bevor die damals so genannten Module ihre endgültige Fassung erhielten, das klang so wunderschön, dass es gar nicht wahr sein konnte.
 
Ich verglich diese Ankündigungen seinerzeit mit den Ankündigungen eines großen Magiers, dessen Tricks die Welt begeisterten:
 

 Von: "EWK_...der_Unternehmerberater" <EWKberater@knuut.de>
An: <leserbriefe@spiegel.de>
Betreff: Spiegel 26/2002, Zuckerbrot und Peitsche
Datum: Montag, 24. Juni 2002 13:00

Sehr geehrte Damen und Herren,

im folgenden ein "schrecklicher Gedanke" zu den Plänen der Hartz Kommission. In der Hoffnung, mir damit einen Ehrenplatz in der Reihe der "sozialdemokratischen Bedenkenträger und Blockierer" erwerben zu können, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

Egon W. Kreutzer

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Die Peter-Hartz-Show

David Copperfield schaffte es einst, die amerikanische Freiheitsstatue verschwinden zu lassen.

Obwohl alle Zuschauer wußten, daß die weltberühmten 225 Tonnen Stahl und Kupfer ihren Platz auch nicht für einen winzigen Augenblick verlassen würden, war ihnen die perfekte Illusion einen hohen (Eintritts-) Preis wert.

Nun schickt sich Peter Hartz an, ein ähnliches Kunststück zu vollbringen und die ersten Kommentare aus allen politischen Lagern lassen darauf schließen, daß die Peter-Hartz-Show ihre zahlenden Zuschauer finden wird.

Innerhalb von drei Jahren will der VW-Mann die Hälfte der Arbeitslosen rückstandsfrei aus den Statistiken verschwinden lassen - hauptsächlich per Umbenennung.

  • Der Arbeitslose wird zum Angestellten des Leih-Arbeiter-Amtes umbenannt und erhält Angestelltengeld(?); schon sind 780.000 + 450.000 Arbeitslose raus aus der Statistik.
  • Der Schwarzarbeiter heißt künftig Ich-AG und zahlt weiterhin weder Sozialversicherungsbeiträge noch die reguläre Einkommensteuer und schon sind wieder 500.000 Arbeitslose verschwunden.
  • 230.000 ältere und Langzeit-Arbeitslose werden (weg mit dem Tabu!) von vornherein als "Chancenlose" bezeichnet und brauchen deswegen auch nicht mehr gezählt zu werden.

Der Plan ist so brillant, daß man sich unwillkürlich fragt, warum Peter Hartz die Arbeitslosen damit nur zur Hälfte verschwinden lassen will.

Doch den ersten 50 Prozent folgt wohl noch der eigentliche Trick des Magiers aus Wolfsburg, der finale Paukenschlag in der Sinfonie für Butterbrot und Peitsche.

Bei den 2 Millionen, die nach drei Jahren des Aussortierens immer noch als Arbeitslose in der Statistik erscheinen, kann es sich nämlich um nichts anderes mehr handeln, als um den lange vermuteten Bodensatz von Faulenzern und Drückebergern.

Umbenennung, fertig!

PS
Der Trick läßt sich, mit kleinen spezifischen Anpassungen, ebenso anwenden, um die Probleme in der Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung verschwinden zu lassen. Wir werden es erleben!

 
Und das war immer noch rund zwei Monate vor dem offiziellen Geburtstag der Hartz-Reformen, der in diesen Tagen wieder gefeiert wird.
 
Am 12. August 2002 mahnte der damalige Bundeskanzler Schröder die Öffentlichkeit, Hartz zu zerreden, bevor das Reformwerk tatsächlich öffentlich gemacht wird. Dabei waren zu diesem Zeitpunkt die meisten der Pläne längst in der öffentlichen Diskussion angekommen.
 

12. August 2002

 

Hartz zerreden?

Niemals!

 

Visionäre Gedanken von Egon W. Kreutzer
im Vorgriff auf die immer noch geheimen Module

Reden wir lieber über das, was Hartz vergessen - oder doch zumindest nicht angefaßt hat. Denn trotz der einprägsamen Zahl von dreizehn sogenannten Modulen ist längst nicht alles bedacht, längst nicht alles angepackt worden, was dazu beitragen könnte, Arbeit zu schaffen.

Hartz hat, daran will ich gar nicht kritteln, ein hervorragendes Konzept entwickelt, dessen Realisierung die Arbeitsverwaltung in die Lage versetzen wird, ihre ureigensten Aufgaben unter den Bedingungen von Voll- und Überbeschäftigung effizientest wahrzunehmen.

Diese besseren Zeiten werden wiederkommen und erst dann werden auch die letzten Zweifler begreifen, welches Potential wirklich in den Vorschlägen der Hartz Kommission steckt. Es wird dann fast wieder so sein, wie in den sechziger und siebziger Jahren, als der Wirtschaftswundermotor brummte und die Wirtschaft in eigener Initiative (das kann man sich heute kaum noch vorstellen!) dafür sorgte, daß auch noch der letzte arbeitsfähige Mittelmeeranrainer gegen gutes Geld angeworben, herangekarrt, untergebracht und soweit qualifiziert werden konnte, wie es die Steigerung des deutschen Wirtschaftswachstums verlangte.

Aber es gibt keinen Grund, mit der Umsetzung der Kommissionsvorschläge so lange zu warten, bis die Vollbeschäftigung zurückgekehrt sein wird! Wir können und wir sollten jetzt schon üben, damit wir die Instrumentarien auch wirklich beherrschen, wenn sie einen Sinn machen.

Schließlich treten auch so schon ganz nette Effekte auf:

Der Druck auf den einzelnen Arbeitslosen,
der unter anderem mit neuen Zumutbarkeitsregeln verbunden ist, wird konjunkturelle Impulse im Verkehrswesen setzen. Das bringt Umsätze am Bahnschalter und an der Tankstelle, beim TÜV und beim Reifenhändler und auch im Übernachtungsgewerbe, wenn vier Millionen Menschen sich alle paar Tage zwecks Vorstellungsgespräch zum entgegengesetzten Ende der Republik aufmachen. Ich könnte mir vorstellen, daß alleine dadurch ein Wachstumsimpuls in zweistelliger Milliardenhöhe ausgelöst wird, wenn man die Vorschriften nur so hart anwendet, wie man es jetzt verspricht.

Und dann die Sache mit der Leiharbeit.
Der Staat stellt die Leute ein und vermittelt sie an jeden, der sie haben will. Das ist endlich die ethisch einwandfreie Ausprägung des Sklavenhandels im Zeitalter des Leasingvertrages. Da hat jeder seinen festen Job, nur halt mit wechselnden Aufgaben und der Auftraggeber muß meistens noch nicht einmal dafür bezahlen, weil er doch einen sozialen Dienst an den armen Arbeitslosen leistet, die eine moralische Aufrichtung erfahren, wenn sie wieder einmal schnuppern dürfen, wie Fabrikluft riecht, während die ehemalige Stammbelegschaft schon vor dem Wirksam werden der Kündigung in die Gebräuche des Staatsverleihs eingewiesen wird. Natürlich wird keiner einen Arbeitslosen umsonst bekommen, wenn er ihn innerhalb der letzten 3 Wochen selbst entlassen hat, aber wofür gibt es denn Schachtelbeteiligungen?

Wenn auf diese Weise nur jeder vierte Arbeitslose einmal im Jahr für einen Monat arbeiten kann, dann spart das der Wirtschaft einen zweistelligen Milliardenbetrag an Personalkosten. Das schafft Exportchancen!

Aber das ist noch längst nicht alles.
Jeder, der sich bisher mit schlechtem Gewissen ein paar Euro schwarz dazu verdient hat, kann sich als ICH-AG jetzt so oft erwischen lassen, bis ihm jährliche Einnahmen von mehr als 25.000 Euro nachgewiesen sind. Aber das wird niemand kontrollieren können und so kommt es statistisch gesehen zur vollständigen Abschaffung der Schwarzarbeit, durch die nach Aussagen der Handwerksverbände immerhin jährliche Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe entstanden, die es Hartztseidank in Zukunft nicht mehr geben kann.

Kein Wunder, daß mit der Schwarzarbeit auch das Schwarzgeld abgeschafft werden soll. Man muß sich mit seinem Schwarzgeld nur die modernen Ablaß-Floater kaufen und sich den Einsatz ein paar Jahre lang verzinsen lassen, bis das ganze schöne Geld völlig reingewaschen wieder zurückgegeben wird.

Amnestie, Amnestie!

Hartz verzeiht alles.
Auch wenn ein Arbeitgeber versehentlich versäumt hat, einen in die Jahre kommenden Mitarbeiter rechtzeitig zu entlassen, soll ihm dieser Fehler jetzt verziehen werden. Wozu soll der Kündigungsschutz für die alten Säcke auch gut sein? Die können doch wirklich zum Job-Center, und sich so lange zu Weihnachten als Leihbischof und zu Ostern als Leihhase vermitteln lassen und zwischenzeitlich unter Aufsicht des Vermittlers Bewerbungen schreiben, bis sie endlich begreifen, daß die kräftig gekürzte Rente, die ihnen winkt, in Wahrheit ein Segen ist, gegen diesen Druck, dem der alte und teure und ewig kranke Drückeberger Dank Hartz jetzt ausgesetzt werden kann. Die Wirtschaft rechnet mit Entlastungen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Durch die Zusammenlegung aller kommunalen Ämter im Arbeitsamt werden alle Arbeitslosen und auch diejenigen Bürger, die noch Arbeit haben, ohne aufwendige Umschulungsmaßnahmen auf ihre Zukunft als Sozialhilfeempfänger vorbereitet.

Aber die Sozialhilfe wird auch nie wieder dieser allesverschlingende Höllenschlund sein, der sie früher einmal war. Wer nichts leistet, der bekommt auch keine Leistung und leisten kann jeder, die Verleihsoftware weiß immer, welcher shareholder gerade einen Facharbeiter, einen Computerspezialisten oder einen Vorstand braucht und sie verleiht sie gerne, denn in ihren ersten Programmzeilen ist unlöschbar festgehalten,

daß es die Arbeitskosten sind, die den Standort Deutschland ruinieren und daß es notwendig ist, die Arbeitskosten der Republik zu senken, zu senken, zu senken ...

Und wenn dann die Arbeitskosten bei Null angekommen sind, dann haben wir zwangsläufig wieder Vollbeschäftigung und dann hat es sich gelohnt, die Sache mit den dreizehn Modulen, oder?

Nun ja, das muß nicht sein. Es könnte sein, daß in einem anderen Land ein anderer Hartz auf die Idee kommt, daß jeder, der arbeiten darf, für dieses Vergnügen eine Art Eintrittsgeld zu zahlen hätte, bei vollem Lohnverzicht, versteht sich.

Damit wäre bei uns der Faktor Arbeit im internationalen Vergleich auf einen Schlag wieder so teuer, daß sich Arbeit in Deutschland für die Arbeitgeber schon wieder nicht mehr lohnt.
Daß es da einen Bedarf gäbe, interessiert niemanden. Bedarf gäbe es auf der ganzen Welt so viel, daß wir auf Jahrzehnte die Vollbeschäftigung ausrufen könnten, aber wo Käsescheiben und Kühlschränke, Kinokarten, Knäckebrot, Kraftfahrzeuge und Kunststoffflaschen keine Gewinne abwerfen, da gibt es sie nicht.

Das gilt für Namibia und für Sachsen-Anhalt.

Weil Globalisierung ist.

 

 
Leider haben sich die Gewerkschaften diese Gedanken damals nicht zu eigen gemacht.
 
Sie ließen sich einlullen, von der Hoffnung auf die verheißene Zunahme der Beschäftigung, die damit verbundene Zunahme der gewerkschaftlich Organisierten und eine größere Machtfülle in künftigen Tarifverhandlungen. Widerstand von dieser Seite gab es keinen, ein paar kleine Korrekturen wünschte man sich, aber insgesamt konnte sich Gerhard Schröder der Zustimmung seiner Partei und der Gewerkschaften sicher sein.
 
Ein politische Opposition im Bundestag gab es nicht. Da freute man sich darüber, dass die Sozialdemokratie bereit war, die Drecksarbeit zu erledigen und ermahnte zur vollständigen und schnellen Umsetzung.
 
Deutschland war über eine sechsmonatige Medienkampagne im wahrsten Sinne des Wortes sturmreif geschossen. Nun konnte die Meute der Global Player Einzug halten und den Standort besetzen - und dazu wurde feierlich in die Kirche eingeladen ...
 
Doch dann kam erst die große Flut:
 

19.08.2002

 

Hochwasser statt Hartz

ein Kommentar von Egon W. Kreutzer

Schlimmer hätte es für Gerhard Schröder und seine Regierung nicht kommen können. Die als großes Ereignis im sakralen Raum vollzogene Übergabe des Kommissionsberichtes fand kaum öffentliches Interesse, der erhoffte Schub in den Umfragen bleibt aus.

Dafür gibt es aber mehr Gründe als das verheerende Hochwasser, das - mit Recht - das Medien- und Publikumsinteresse auf sich gezogen hat.

1. Die fatale Einigkeit

Der Bericht war noch längst nicht fertig, als SPD und Grüne bereits erklärt hatten, daß alle Elemente der Vorschläge schnellstmöglich umgesetzt werden sollten.
Wann, so fragt man sich, fand die Prüfung der Vorschläge statt, wann haben sich Kabinett, Fraktionen und Parteien damit befaßt?

Weil sich auf diese Frage keine plausible Antwort finden läßt, liegt der Verdacht nahe, es handele sich um ein abgekartetes Spiel, bei dem entweder die Lösungen als Vorgaben in den kreativen Prozess eingebracht worden waren, oder bei dem weit im Vorfeld die Zusage gegeben worden war:

"Es ist egal, was 'rauskommt, Hauptsache, es kommt pünktlich!"

2. Die fatale Rolle der Opposition

Auch wenn alle Welt nur noch vom Kandidaten und vom Kompetenzteam spricht, Aufgabe der Opposition ist es, die Regierung zu kritisieren. Die gewundenen Kommentare (Stoiber) und die unsachliche Argumentation (Merkel) von CSU und CDU machen klar, daß die Opposition zwar schimpfen, heucheln, spötteln und verleumden kann, aber zu einer profunden Kritik nicht in der Lage ist, was daran liegen mag, daß es einen eigenen Entwurf, an dem man sich sicher orientieren könnte, nicht gibt.

3. Die Desinformation des Wahlvolkes

Es ist Tradition in unserem Lande, jegliche Schwäche der Wirtschaft denen anzulasten, die als Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger auf Leistungen der Solidargemeinschaft angewiesen sind.

Daß mit dem Hartz Papier Druck auf den einzelnen Arbeitslosen ausgeübt werden soll, wird stolz verkündet.

Daß es keine Arbeit gibt, weil Arbeit derzeit nur in unzureichendem Maße organisiert wird, liegt hochgradig daran, daß das erforderliche Kapital nach höheren Renditen sucht, als sie in der realen Wirtschaft nachhaltig zu erzielen sind; doch diese Fakten werden totgeschwiegen.

Die Blase der Börsenspekulation, deren heiße Luft immer noch zischend entweicht, während die Gewinner längst dabei sind, die Immobilienmärkte leerzukaufen, zeigt doch, wo das Geld geblieben ist, das die Banken unter dem Vorwand von Basel II zur Schaffung von Arbeitsplätzen nur höchst ungern herausgeben.


Doch dem Wähler wird erklärt, es müßten nur die Arbeitskosten sinken - und das sei zu schaffen - dann ginge es in Deutschland wieder aufwärts. Allerdings müßten die vier Millionen Arbeitsunwilligen endlich gezwungen werden, flexibel und mobil im Niedriglohnsektor zu malochen.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
"Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II" von Egon W. Kreutzer

Alles zusammen ergibt genau das gewünschte Ergebnis:

Die Menschen wissen, daß hartzige Zeiten anbrechen und sie wissen, daß es weit und breit keinen Politiker geben wird, der sie vor Sozialabbau und Zwangs-Leih-Arbeit, vor Niedrigstlöhnen und Arbeitgeberwillkür schützen wird.

Daher ist der tatsächliche Inhalt der Kommissionsvorschläge, ebenso wie die Logik der Argumentation oder die Überprüfung der Gültigkeit von Prognosen und Schlußfolgerungen keinen Augenblick des Innehaltens und Nachdenkens wert.

Nichts sehen, nichts hören und um Gottes Willen den Mund halten.

Wer wird den Mut finden, den Menschen zu sagen, daß uns zur Vollbeschäftigung nichts fehlt, außer Geld und der Bereitschaft zur Arbeitszeitverkürzung?

Wer wird den Mut finden, den Menschen zu sagen, daß es die gleichen Interessenvertreter sind, die einerseits das Geld horten und in wilden Spekulationswellen um den Globus treiben, anstatt es der realen Wirtschaft als Tauschmittel zur Verfügung zu stellen und die andererseits gegen die Arbeitszeitverkürzung wettern, als sei Freizeit ein Teufelswerk?

Ich fürchte, vor dem 22. September wird das nicht mehr thematisiert.
Unter anderem auch deshalb, weil die öffentliche Aufmerksamkeit vom Hochwasser und seinen Folgen beansprucht wird.

 

 
Kaum vier Wochen später übernahm die Unternehmensberatungsgesellschaft McKinsey, als Teil der Koalition der Willigen das Ruder in der Bundesanstalt für Arbeit.
 
Auch das blieb von der Öffentlichkeit wieder weitgehend unbemerkt und veranlasste mich zu einem warnenden Kommentar:
 

17.9.2002

 

Der Wolf und die sieben Geißlein,
oder
"Achtung! Die Mc Kinseys sind im Arbeitsamt!"

Ein Kommentar von Egon W. Kreutzer
zur Einschaltung des Beratungsunternehmens Mc Kinsey bei der Gestaltung der Personal-Service-Agenturen

Die Hartz Kommission hat vor vier Wochen ihren Abschlußbericht vorgelegt. Nun denken offenbar andere weiter. Gerster und Riester, das erscheint noch selbstverständlich.

Über die Bertelsmann-Stiftung wundert sich nur, wer nicht bemerkt hat, daß die Arbeit der Hartz-Kommission von eben dieser Stiftung intensiv begleitet wurde.

Aber daß nun ausgerechnet das Beratungsunternehmen Mc Kinsey über die Ausgestaltung der Personal Service Agenturen nachdenkt (SZ vom 17.9. Seite 6), ist mehr als verwunderlich, es ist eigentlich ein Skandal.

Mc Kinsey Partner Kraljic, Duzfreund von Peter Hartz, saß zwar schon mit in der Kommission und hat am Konzept mitgewirkt, wohl auch kaum, ohne auf die Ressourcen seines Unternehmens zurückzugreifen, doch wenn man sieht, welche Umsätze dem Berater jetzt bei der Reorganisation der Bundesanstalt für Arbeit und der Gestaltung der Personal Service Agenturen winken und welche inhaltliche Einflußnahme sich damit für ein Unternehmen eröffnet, das "soziale Sicherheit" immer nur als "Lohnzusatzkosten" buchstabiert, dann sollten verantwortungsbewußte Sozialpolitiker aller Fraktionen schnellstens die Notbremse ziehen!

Mc Kinsey und andere Vorreiter der Verbetriebswirtschaftung der Gesellschaft haben in den letzten Jahrzehnten ganz intensiv und erfolgreich daran gearbeitet, die Renditen ihrer Klienten zu verbessern. Dies gelang in fast allen Fällen in erster Linie durch Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten.

Dadurch wurde eine Spirale in Gang gesetzt, die von Runde zu Runde ein immer weiteres Ausdünnen der Belegschaften, eine stetige Rücknahme von sozialen Errungenschaften, die Zunahme von Leistungsdruck und Überstunden und den inzwischen schmerzlich wahrnehmbaren Verlust von Binnenkaufkraft nach sich zog.

Daß wir uns nicht mißverstehen:

Wirtschaftlicher Fortschritt ist nicht schlecht.

Mit geringerem Aufwand mehr und Besseres zu erzeugen, das nähert uns Schritt für Schritt einem Fernziel der Menschheit an, nährt und stärkt die Gewißheit, daß wir dem Schlaraffenland, dem Paradies auf Erden in kleinen Schritten näher kommen könnten.

Aber leider haben Mc Kinsey & Co. in der Vergangenheit immer dafür gesorgt, daß die Arbeitnehmer (Arbeitslose eingeschlossen) von den Segnungen des Fortschritts, vom neuen Paradies ausgeschlossen blieben.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
"Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II" von Egon W. Kreutzer

 

Mc Kinsey ist weltmeisterlicher Tipgeber für die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten.

Wäre es anders, gäbe es den gesuchten Profitsteigerungsberater nicht. Aber soll nun ausgerechnet dieses Unternehmen, das unbestreitbar maßgeblich zur Vernichtung von Millionen von Arbeitsplätzen mit beigetragen hat, das maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, daß die Zahl der Beitragszahler in der Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung so bedrohlich zurückgegangen ist, jetzt für ein millionenschweres Honorar vom Staat damit beauftragt werden, das Feinkonzept für die Hartz'schen Personal-Service-Agenturen zu entwickeln?

Nur weil Mc Kinsey nach einer Vorstudie die fragwürdige Behauptung aufstellt, Leiharbeit schaffe feste Arbeitsverhältnisse?

Auch wenn das so klingen soll: Durch die Übernahme eines Leiharbeiters entsteht kein Arbeitsplatz!

Es ist doch reiner Zynismus, wenn Mc Kinsey erklärt, bei einem Verdrängungseffekt von 50% (2 Leiharbeitsplätze vernichten einen festen Arbeitsplatz), sei der Weg in die Leiharbeit bei positiver Beschäftigungsbilanz noch kostenneutral.

Dabei wird doch nur unterstellt, daß die Leiharbeiter nur zur Hälfte tatsächlich verliehen werden, denn jeder verliehene Leiharbeiter verdrängt ein festes Beschäftigungsverhältnis, weil er zwangsläufig eine Stelle einnimmt, die sonst ein Festangestellter (auch mit Probezeit oder Befristung!) ausfüllen könnte. Herrliche Zeiten für Unternehmer, wenn man den Arbeitslosen nicht mehr einstellen und entlohnen muß, weil man ihn vom Staat als Leiharbeiter fast geschenkt bekommt.

Doch kostenneutral ist das Ganze nur bei einer statischen Betrachtung. Im Gefolge der vom Staat geförderten Billig-Konkurrenz einer fast beliebig rekrutierbaren Zwangs-Leiharbeiterschaft muß das Lohnniveau in Deutschland innerhalb kurzer Zeit insgesamt sinken - mit allen negativen Folgen für die Staatskassen.

Es kann gar nicht anders. Das rechnet Ihnen jeder Mc Kinsey Junior Consultant, wenn's sein muß auch ganz ohne Laptop, an fünf Fingern vor. Und einen Weg zurück wird es nie mehr geben, weil wir uns den nicht mehr leisten können, wenn weite Teile des Beitragsaufkommens der Arbeitslosenversicherung erst einmal dauerhaft unter den Consultants und den privaten Betreibern der PSA's aufgeteilt sind.

Hartz und seine Kommission, das war eine lustige Posse, ein mit großem Pomp inszenierter Taschenspielertrick, um die Arbeitslosenstatistik künftiger Jahre zu retuschieren, weit mehr und weit unverschämter als unter Jagodas Führung, der es zwar zuließ, daß Vermittlungserfolge aufgebauscht wurden, aber die bewährte Zählweise für die Gesamtzahl der Arbeitslosen kontinuierlich beibehielt.


Doch wenn jetzt der Wolf "Mc Kinsey" gebeten wird, nach Kräften mitzuhelfen, die vier Millionen Geißlein zu halbieren, dann wird aus einem harmlosen Wahlkampfspektakel unversehens blutiger Ernst.

Mc Kinsey würde doch auf Basis rein betriebswirtschaftlicher Erwägungen vermutlich auch den Wiedereinstieg in den Sklavenhandel befürworten und ein juristischer Gutachter, der mögliche rechtliche und moralische Bedenken dagegen entkräftet, wäre wohl auch zu finden.

Die von Mc Kinsey zu schaffende PSA ist zweifellos ein großer Schritt auf dem Weg dorthin. Viel mehr als der Schutz der grundgesetzlich garantierten Menschenrechte wird dem Arbeitslosen künftig nicht mehr bleiben. Hoffen wir, daß sich das Opfer lohnen wird und wenigstens die Aktienkurse wieder steigen.

 
Wieder zwei Wochen später erhob sich Peter Hartz in den Rang einer Gottheit und erklärte die unter seinem Namen veröffentlichten Konzepte zur Schaffung eines gigantischen Niedriglohnsektors mitten im reichen Deutschland zur Heiligen Schrift, zur Bibel für den Arbeitsmarkt.
 
Das ging mir nicht nur einen Schritt - sondern sehr viel zu weit, und ich kommentierte noch einmal mit kaum verhohlenen Zynismus:
 
 
 

02.10.2002

Heiliger Hartz!

Peter Hartz erklärt:
Kommissionsbericht = "Bibel für den Arbeitsmarkt"

ein polemischer Kommentar von Egon W. Kreutzer

Es fällt schwer, ernst zu bleiben, wenn Peter Hartz jetzt vollends abhebt und seinen Kommissionsbericht zur "Bibel" für den Arbeitsmarkt erklärt.

Das jedenfalls berichtet die "Netzeitung", die sich ihrerseits auf einen Artikel des "Stern" beruft, in einer Meldung vom 1. Oktober,

Im Nachhinein offenbart sich uns jetzt: Die Einordnung des Kommissionsberichtes in den Rang einer Heiligen Schrift steht in völligem Einklang mit der pompösen Verkündigungszeremonie im geweihten Raum des französischen Doms zu Berlin. Ohne jeden Zweifel kehrt in unseren Tagen das Sakrale zurück in die Niederungen der einst so profanen Politik, die von einigen wenigen ersehnte Wiedervereinigung von Staat und Kirche scheint unmittelbar bevorzustehen.

Doch der Normalbürger, dem seit der Zeit der Aufklärung nach und nach jeglicher Sinn für's Übersinnliche abhanden gekommen ist - von rudimentären Formen der Horoskop- und Wundergläubigkeit einmal abgesehen, steht dem beinahe schon blasphemischen Übermut eines Peter Hartz rat- und fassungslos gegenüber

Es kann doch wohl nicht angehen, daß wir, die wir weder an Parteiprogramme noch an Wahlprognosen glauben, jetzt ausgerechnet bei Androhung von Fegefeuer und Höllenqualen an einen Kommissionsbericht glauben müssen!

Oder vielleicht doch? Wandelt sich Deutschland schon wieder? Ist die immer noch junge Bundesrepublik mit ihrer parlamentarischen Demokratie schon dabei, in einer nächsten Stufe der Metamorphose die Erscheinungsform einer Religionsgemeinschaft oder eines Gottesstaates anzunehmen? Ist Peter Hartz in Wahrheit Prophet, Oberpriester und Großinquisitor zugleich?

Ist es nicht verwunderlich, daß ein so fanatischer Buchstabenglaube, wie er in dem Hartz'schen Anspruch aufscheint, sein Kommissionsbericht sei die unteilbare Wahrheit, ein in sich geschlossenes Gedankengebäude, ein Konzept, das nur dann die gewünschten Ergebnisse bringen könne, wenn es schnell, vollständig und buchstabengetreu (eins zu eins) zur Umsetzung gelange, sonst nur bei den Anhängern fundamentalistischer Glaubenslehren zu finden ist?

Mir scheint, der deutsche Arbeitsmarkt hätte ein robusteres Vehikel verdient, als diese dreizehn Module, die nach den Worten ihres Schöpfers schon dann nutz- und wirkungslos verpuffen, wenn auch nur eines der fragilen Glieder geringfügig verändert würde.

Es scheint leider tatsächlich ein Phänomen unserer Zeit zu sein, daß sich Politik immer mehr vom rationalen Kern der Probleme entfernt und versucht, das tumbe Volk mit mythisch-mystischer Emotionalisierung für ihre Ziele einzuspannen.

So wie im fernen Amerika George W. Bush begonnen hat, seinen Kampf gegen das irrationale "Böse" zu führen, wird nun hierzulande eine neue Glaubenslehre zum Heil des Arbeitsmarktes verkündet und gegen jeglichen Widerspruch vehement verteidigt. Sogar der gewählte weltliche Kanzler, den ich ansonsten übrigens sehr schätze, will eher jeglichen Widerstand brechen (was irgendwie nach Anwendung von Gewalt gegen Ketzer klingt), als sich in seinem festen Glauben an die Hartz-Bibel durch kritische Gedanken erschüttern zu lassen.

Es wird wohl nicht mehr lange dauern und man wird uns, um uns völlig zu überzeugen, in einem nächsten Schritt der Heilsverkündigung die ersten geheimen Berichte über das Geschehen der Offenbarung zukommen lassen - wie da, in einer tiefschwarzen Kommissionsnacht, als alles Hoffen und Ringen um eine Lösung längst aussichtslos und vergeblich erschien, plötzlich im sanften Schimmer des göttlichen Lichtes 13 in Stein gemeißelte Tafeln im Sitzungssaal auftauchten, die sogenannten Module. Der göttliche Wille hatte sich manifestiert, brauchte jetzt nur noch abgeschrieben, vervielfältigt und dem Volk verkündet werden.

Aber daneben muß noch etwas geschehen sein, denn Peter Hartz stößt uns bei fast jeder Einlassung auf ein weiteres, tiefes dunkles Geheimnis, dem er den Namen "Projektkoalition aller Profis der Nation" gegeben hat.

Diese Projektkoalition aller Profis der Nation, die wäre, neben der buchstabengetreuen eins zu eins Umsetzung des Gesamtkonzeptes die zweite Voraussetzung für das Gelingen, die "Arbeitslosenzahl" bis zum 30 Juni 2005 um zwei Millionen senken zu können.

Was kann Hartz damit meinen? Wen kann Hartz damit meinen?

Nun, Amateure meint er nicht. Profi ist schließlich nur, wer etwas beruflich, gewerbsmäßig, um des Geldes willen tut. Alle "Professionellen" der Nation zu einer Koalition zusammenzuführen, um ein Projekt voranzutreiben, das ist - nimmt man auch diesen Anspruch so wörtlich, wie Hartz ansonsten wörtlich ernst genommen werden will - eine unlösbare Aufgabe im Range der Quadratur des Kreises. Das ist nämlich, um den Gedanken zu illustrieren, nicht mehr und nicht weniger als die Forderung an jedermann, das demokratische Ringen um den besten Weg aufzugeben und sich, unabhängig von der eigenen Meinung, gläubig dienend dem unterzuordnen, was, von wem auch immer, als Wahrheit und einziger Heilsweg verkündet wird. Um solche Forderungen zu legitimieren, sind Bibel und Dom als bewährte Requisiten gerade recht, doch auch selbst die Kirche hat es nie geschafft, ihre inneren Kritiker vollständig zu überzeugen. Wie also sollte eine solche Koalition aller Profis der Nation jemals gelingen?

Wahrscheinlicher ist es daher, daß Hartz wieder einmal nur die Profis meint, die auch bisher schon mitgeholfen haben, den Bericht in die Welt zu setzen. Und weil diese Profis gewerbsmäßig und für Geld arbeiten, taucht eine Frage auf, die meines Wissens bisher öffentlich noch gar nicht erörtert wurde:

Was hat die Arbeit der Hartz-Kommission eigentlich gekostet und wer hat bezahlt?
Oder war es vielleicht wie bei den Amateuren? Nicht vergebens, aber umsonst.

 

Von diesem 2. Oktober 2002 an habe ich begonnen, meine Statistik der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland zu führen.
 
Ein Jahr später war die Zahl von einer Million vernichteten Arbeitsplätzen erreicht und ich wandte mich mit einem Offenen Brief an Peter Hartz:
 

 Egon W. Kreutzer, Schrobenhausener Str. 15, 86556 Kühbach-Unterbernbach

Offener Brief zum Stellenabbau in Deutschland
veröffentlicht im Internet unter http://home.knuut.de/EWKberater/Meinung/12793OffenHartz.html, als e-mail an den Verteiler meines Newsletters versandt, sowie dem Forum Demokratische Linke (Forum DL21) und dem LabourNet zur weiteren Veröffentlichung und Verbreitung angeboten am 01.10.2003

 

Herrn Dr. Peter Hartz
Volkswagen AG
Berliner Ring 2

38440 Wolfsburg

 

Unterbernbach, 1. Oktober 2003

Sehr geehrter Herr Dr. Hartz,

vor einem Jahr, am 1. Oktober 2002, fand ein Interview, das der Stern mit Ihnen geführt hatte, ein lebhaftes Medienecho. Sie erklärten darin, der Kommissionsbericht sei eine Bibel für den Arbeitsmarkt und würde man den Empfehlungen nur vollständig und ohne jeden Abstrich folgen, könne trotz der schlechten Konjunkturaussichten die Halbierung der Arbeitslosenzahl erreicht werden.
Zitat: «Ich bleibe dabei, dass wir mit einer Projektkoalition aller Profis der Nation die Zahl der Arbeitslosen bis zum 30. Juni 2005 um zwei Millionen senken können.»

Die großen und kleinen Profis der Nation kamen der Aufforderung, eine Projektkoalition zur Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zu bilden, jedoch nicht nach. Stattdessen übertrafen sie sich in immer neuen Ankündigungen weiteren Stellenabbaus und immer mehr und immer dreisteren Forderungen zum Abbau der sozialen Sicherungssysteme und der Sozialgesetzgebung unseres Landes.

Ich habe - angeregt und aufgeregt durch das eingangs erwähnte Interview - am 2. Oktober 2002 begonnen, über die in den Medien veröffentlichten Ankündigungen beabsichtigten bzw. drohenden Arbeitsplatzabbaus Buch zu führen und eine Liste der geplanten Arbeitsplatzvernichtung auf meiner Homepage zu veröffentlichen.

Gestern um 23.00 Uhr stand der Zähler bei 1.007.054 Jobs, deren Abbau von eben diesen Profis der Nation im Laufe der letzten 12 Monate beschlossen und verkündet wurde.

Zu den jüngsten Meldungen gehört auch der am 24.9. angekündigte Verlust von 170 Arbeitsplätzen bei Faurecia in Peine, der damit begründet wird, dass Zulieferteile für den neuen Golf künftig aus Polen kommen werden.

Die aktuelle Liste mit den jeweils neuesten Meldungen ist im Internet unter http://home.knuut.de/EWKberater/Meinung/12700cFrame-SetAlmanach.html zu finden.
Sie ist ein Dokument der fortwährenden und fortschreitenden Fehlentwicklung auf dem Arbeitsmarkt und könnte allen Volkswirtschaftsprofessoren, Parteivorsitzenden, Wirtschaftsministern und anderen Sonntagsrednern, die immer noch in längeren Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeiten das Mittel der Wahl zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sehen, helfen, aus ihren theoretischen Höhenflügen im eingeschränkten Erkenntnisraum neoliberaler Heilslehren auf den Boden der Realität zurückzufinden.

Sie, Herr Dr. Hartz, haben inzwischen selbst erfahren müssen, dass die Hoffnung, welche Sie in die "volkswirtschaftliche Loyalität" der Entscheidungsträger der globalisierten deutschen Wirtschaft gesetzt hatten, unbegründet war und dass Ihr Aufruf zur gemeinsamen Anstrengung mit kaltem Lächeln ignoriert wurde.

Sie haben inzwischen aber auch erkennen können, dass - entgegen aller Versicherungen Ihrer damaligen Berater und Kommissare - jede Maßnahme zur beschleunigten und verbesserten Vermittlung Arbeitsloser ihr zwangsläufiges Ende an der letzten unbesetzten Stelle finden muss, dass alle Versuche, Arbeitslose durch Umetikettierung unkenntlich zu machen, scheitern müssen, wie auch der Versuch, immer mehr Beschäftigte durch immer billigere Arbeitskräfte aus dem Pool der Arbeitslosigkeit zu substituieren, nur zur Beschleunigung der Fluktuation, zu einer unter dem Risiko von Qualitätsverlusten erkauften Senkung der Personalkosten, nicht aber zur Verminderung der Arbeitslosigkeit führen wird.

Es wäre, mit Verlaub, an der Zeit, dass Sie sich mit diesen ernüchternden Erkenntnissen erneut zu Wort zu melden.

Es wäre an der Zeit, weniger auf Meinhard Miegel zu hören und stattdessen zu versuchen, die Gedanken eines Heiner Flassbeck zu verstehen.

Es wäre an der Zeit, die totale Verbetriebswirtschaftung des politischen Denkens als selbstmörderischen Irrsinn vom Rang eines Lemmingszuges zu brandmarken und stattdessen die nicht profitorientierten Leistungen des Staates wieder ihrer Bedeutung entsprechend zu würdigen und zu schützen.

Die nach Ihnen benannte Kommission ist mit den Vorschlägen, denen Sie Ihren guten Namen geliehen haben, längst gescheitert. Die Ablehnung der nach Ihnen benannten Gesetze durch den Bundesrat ist beschlossene Sache. Doch leider entspringt diese Ablehnung weder dem Wunsch nach Umkehr noch wenigstens dem Verlangen nach einer Richtungskorrektur, sondern lediglich dem ungestümen Drang, vom vermeintlich gemächlichen Trab schnellstmöglich in einen halsbrecherischen Galopp zu wechseln.

Ich habe die Arbeit der "Hartz-Kommission" mit einiger, bisweilen sehr boshafter Polemik begleitet und dabei gehofft, dass sich nach vielen großen Ankündigungen, selbst noch nach der Weihestunde im sakralen Raum, letztlich doch ein vernünftiger, gemäßigter und sozial gerechter Weg öffnen würde, wenn nur erst die Aufgeregtheiten des Wahlkampfes verebbt wären und die Wirtschaft sich von kurzlebiger Stimmungsmache ab- und ihren ureigensten Aufgaben zuwenden würde.

Es ist anders gekommen und nur immer weiter abwärts gegangen, weil der geringe Widerstand gegen die Vorschläge der nach Ihnen benannten Kommission dazu ermunterte, die Schmerzgrenzen auszuloten. Ich fürchte, daß es zu spät sein wird, das Ruder herumzureißen, wenn eben diese Schmerzgrenze in voller Fahrt durchbrochen wird.
Daher bitte ich Sie heute:

Sehr geehrter Herr Dr. Hartz,

falls Sie im letzten Jahr Erkenntnisse gewonnen haben, aus denen heraus Sie heute zu anderen Urteilen und anderen Vorschlägen kommen, als sie von der Kommission vorgelegt und von der Regierung in Gesetzestexte gegossen wurden, dann vergessen Sie bitte jegliches selbstauferlegte "Schweigegelübde" und melden Sie sich zu Wort. Unser Land braucht - weit über die tagesaktuelle Debatte hinaus - tiefere Einsichten, bessere Vorschläge und loyale, aber selbstbewusste Diener.

Mit besten Grüßen

 

Egon W. Kreutzer

 

 
Peter Hartz hat darauf nicht geantwortet. Sein Sekretariat wies auf eine Veranstaltung hin, in deren Verlauf die bisher erzielten Ergebnisse beleuchtet und ggfs. Korrekturen erwogen werden sollten.
 
Als die Hälfte der von Peter Hartz für die Halbierung der Arbeitslosigkeit vorgesehene Zeit vergangen war, nach eineinhalb Jahren, schrieb ich einen zweiten Offenen Brief:
 

 Egon W. Kreutzer, Schrobenhausener Str. 15, 86556 Kühbach-Unterbernbach

Zweiter Offener Brief zum Stellenabbau in Deutschland
veröffentlicht im Internet unter http://home.knuut.de/EWKberater/Meinung/14005OffenerBriefHartz2.html, als e-mail an den Verteiler meines Newsletters versandt, sowie dem Forum Demokratische Linke (Forum DL21), dem LabourNet sowie dem Betreiber der Site "Feldpolitik" zur weiteren Veröffentlichung und Verbreitung angeboten am 12. Februar 2004

 

Herrn Dr. Peter Hartz
Volkswagen AG
Berliner Ring 2

38440 Wolfsburg

 

Freitag, 13. Februar 2004

Halbzeit

 

Sehr geehrter Herr Dr. Hartz,

Anfang Oktober 2002 erklärten Sie in einem vielbeachteten Interview mit dem Stern :

"Ich bleibe dabei, dass wir mit einer Projektkoalition aller Profis der Nation die Zahl der Arbeitslosen bis zum 30. Juni 2005 um zwei Millionen senken können."

Ein Jahr später, am 2. Oktober 2003, habe ich mich mit einem offenen Brief an Sie gewandt und um eine aktuelle Einschätzung der eingetretenen und noch zu erwartenden Wirkungen der nach Ihnen benannten Gesetze gebeten. Eine konkrete Antwort blieb aus, stattdessen erhielt ich aus Ihrem Hause den Hinweis auf eine öffentliche Veranstaltung in Berlin, die zum einjährigen Vorliegen der Vorschläge eine Zwischenbilanz gezogen habe, deren Ergebnisse ich bei Prof. Schmid oder Prof. Jann anfordern könne.

Am 25. November 2003 teilte mir das Institut des Prof. Schmid mit, dass in diesem Jahr (2003) nicht mehr mit der Veröffentlichung des Berichtes "1 Jahr Kommission Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" gerechnet werden könne. Ich habe ihn bis heute nicht erhalten. Was bleibt mir anderes übrig, als mich erneut an Sie persönlich zu wenden?

 

Die Hälfte der verfügbaren Zeit ist verstrichen, doch Fortschritte sind nicht zu erkennen.

Seit dem 2. Oktober 2002 - und das sind heute genau 500 Tage - führe ich eine Statistik über Arbeitsplatzvernichtung und Stellenabbau in Deutschland. Bis zum 30. Juni 2005 bleiben weitere 503 Tage, um den von Ihnen versprochenen Abbau der Arbeitslosigkeit in die Wege zu leiten. Ziemlich genau ein Jahr nachdem Sie meines Wissens letztmals öffentlich bekundet haben, es sei möglich, die Zahl der Arbeitslosen bis zum 30. Juni 2005 um 2 Millionen zu senken, hatte die Zahl der in Deutschland zum Abbau freigegebenen Arbeitsplätze die Millionengrenze übersprungen. Seitdem sind wieder vier Monate vergangen.

Am fünfhundertsten Tag der Zählung - zur Halbzeit also - verzeichnet meine Statistik mehr als 1.570.000 abgebaute bzw. zum Abbau vorgesehene Arbeitsplätze.

Den jeweils aktuellen Stand dieser Statistik finden Sie, wenn Sie diesem Link folgen. Meine Statistik gibt keinen Hinweis darauf, dass sich das Tempo des Stellenabbaus vermindern würde, im Gegenteil, die bekannt gewordenen Personalplanungen der Unternehmen und der öffentlichen Arbeitgeber weisen eindeutig auf einen weiter beschleunigten Stellenabbau und damit - trotz Ich-AG und Mini-Jobs - auch auf eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit hin.

Soweit zu meiner Statistik, die zwar in ihrer Art einzigartig, aber durchaus nicht die einzige Statistik zum Thema ist.

Das über jeden Zweifel erhabene Statistische Bundesamt sagt uns, die Beschäftigung sei rückläufig. Die Bundesagentur für Arbeit weist derzeit rund 4.6 Millionen Arbeitslose aus und die begleitenden Meldungen aus den Medien legen die Annahme nahe, dass die den Zahlen aus dem Jahr 2002 vergleichbare Arbeitslosenzahl wohl eher bei 6 Millionen liegen dürfte, würde sie weiterhin nach der Zählweise aus den Zeiten Jagodas und unter Verzicht auf jene neuen, rigiden Maßnahmen zur Aberkennung des Arbeitslosen-Status, die Florian Gerster eingeführt hat, ermittelt.

Da ich annehme, dass Sie die offziellen Zahlen nicht bestreiten wollen, erlaube ich mir die Frage:

Warum, Herr Dr. Hartz, melden Sie sich zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr zu Wort?

Glauben Sie wirklich, mit der bloßen Ablieferung der Konzepte sei der Job getan? Glauben Sie wirklich, alle Umsetzungsprobleme könnten ausschließlich auf Unfähigkeit oder Unwilligkeit der mit der Realisierung beauftragten Menschen zurückgeführt werden? Oder glauben Sie an die finsteren Mächte und an die vom Kanzler immer wieder bemühten, ominösen "Veränderungen in den ökonomischen Grundlagen", die selbst der eigenen Partei nicht zu vermitteln waren?

Sehen Sie inzwischen nicht auch die tatsächlich vorhandenen Schwächen der Konzepte?

 

Meine Prognosen in Bezug auf die Wirkung der sog. "Hartz-Konzepte" sind bisher weit gehend eingetroffen.

Die allererste stammt vom 24. Juni 2002 und nahm den von Anfang an erkennbaren Plan einer in erster Linie "statistischen" Problemlösung auf's Korn. Die letzte stammt vom 2. Oktober 2002 und erklärt, dass es unmöglich sein wird, eine funktionierende Projektkoalition aller Profis der Nation herzustellen. Alle von mir verfaßten Kommentare zum Hartz-Konzept sind über den hier gesetzten Link zu erreichen.

Glauben Sie mir, es freut mich wirklich nicht, Recht behalten zu haben, aber niemand kann übersehen, dass Ihre Prognosen nicht eingetroffen sind und dass das große Ziel des Abbaus der Arbeitslosenzahlen auch nicht annähernd erreicht werden kann.

 

 

Ich appelliere daher erneut an Sie:

Sehr geehrter Herr Dr. Hartz,

falls Sie inzwischen neue Erkenntnisse gewonnen haben, aus denen heraus Sie heute zu anderen Urteilen und anderen Vorschlägen kommen, als sie von der Kommission vorgelegt und von der Regierung in Gesetzestexte gegossen wurden, dann melden Sie sich zu Wort!

Es ist höchste Zeit, alle Kraft darauf zu konzentrieren, Deutschland als jenen demokratischen und sozialen Bundesstaat zu erhalten, den die Verfassung gebietet. Wir dürfen nicht weiter tatenlos zusehen, wie Deutschland endgültig zum beliebigen Standort für die Geschäfte "vaterlandsloser" Global Player verkommt, oder diesem Trend sogar noch Vorschub leisten.

Es wäre schön, Sie - nach allen Mühen und Plagen, nach allen Irrungen und Wirrungen, nach allem Streit und aller Polemik - auf der Seite der Verteidiger des Artikel 20, GG zu wissen.

 

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer

 

 
 
Nun, wir wissen alle, was mit Peter Hartz geschehen ist. Wie vor ihm Jagoda wurde auch er geschasst. Wie vor ihm Jagoda wurde auch ihm etwas zum Verhängnis, was eine von den Medien geschürte Abscheu der Bevölkerung hervorrief - und seit dem ist Peter Hartz, wie einst Lee Harvey Oswald, als Mörder des deutschen Sozialstaats benannt - und abgeschossen worden.
 
Wer sonst beteiligt war, wäscht sich die Hände in Unschuld - und Gerhard Schröder grüßt aus dem Gazprom-Chefsessel und gibt den aktuell agierenden Politikern Ratschläge und Ermahungen mit auf den Weg.
 
 
Die oben erwähnte Statistik der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland habe ich acht lange Jahre geführt. Insgesamt habe ich darin Meldungen über Insolvenzen, geplanten und durchgeführten Arbeitsplatzabbau in inländischen Unternehmen einzeln aufgeführt, die insgesamt die Zahl von 6,353 Millionen vernichteter Arbeitsplätze erreichten.
 
Dass etliche davon als Leiharbeitsplätze, als Teilzeitbeschäftigungen und Mini-Jobs wieder entstanden sind, ist allgemein bekannt, hat aber keineswegs zur Minderung der Arbeitslosigkeit beigetragen - und es hat keinesfalls dazu beigetragen, dass der Anteil des Faktors Arbeit im Bruttosozialprodukt gestiegen ist. Im Gegenteil
 
Dass wir nun, in der sogenannten Euro-Krise besser dastehen als unsere europäischen Nachbarn ist übrigens auch ein schlechter Witz, über den leider nur selten gelacht wird.
 
Wer stand denn in Europa vor 10 Jahren besser da als Deutschland?
 
Wer war denn vor 10 Jahren Exportweltmeister?
 
Alles, was die Hartz-Reformen erreicht haben, ist eine massive Umverteilung von unten nach oben. Die Folge der in Deutschland veranstalteten, so genannten Reformen hat dazu geführt, dass es ganz Europa, einschließlich Deutschland, schlechter geht.
 
Jedenfalls dann, wenn man unter Europa und Deutschland nicht die dort ansässigen Konzerne versteht, sondern die Menschen, jedenfalls dann, wenn man das immer weitere Aufklaffen der Schere zwischen Arm und Reich nicht als Erfolg ansieht, wie es uns in diesen Tagen mit der Aufforderung zum Jubel über "10 Jahre Erfolgsstory" von den Medien eingeredet wird.
 

 
Ich weiß, ich habe Ihnen mit diesem langen Paukenschlag wieder einmal viel zugemutet.
Nicht alle werden bis zu diesen Schlusszeilen mitgelesen haben, doch für die, die sich in diesen Aussagen wiedergefunden haben, die auch heute keinen Grund zum Mitfeiern sehen, habe ich noch einige Hinweise auf weiterführende Literatur aus dem EWK-Verlag.
 
Lassen Sie mich mit der jüngsten Neuerscheinung beginnen:
 
ABFALL, von Nicole Eick, schildert in Form eines beeindruckenden Romans, eines wahren Sozialkrimis, die Lebenswirklichkeit in den Ghettos der Hartz-IV-Empfänger.
 
Sage niemand: "Das habe ich nicht gewollt!".
Es war absehbar, und es war Absicht.
 
Was ist ein Menschenleben wert?
Nicole Eick stellt diese Frage zwischen den Zeilen ihres Erstlingswerkes, während sie die Geschichte von Kathrin erzählt. Kathrin, die hochschwangere Fünfzehnjährige, vom Freund der Mutter immer wieder missbraucht, bringt mitten im Elend des Hartz-IV-Lebens ihr Kind zur Welt.
Das Kind wird gefunden. Lebend. Von einem Obdachlosen, der in den Mülltonnen nach Brauchbarem sucht. Nun kümmern sich Sozialstation und Polizei um das, was ein "Fall" geworden ist. Das Leben des Menschleins ist wertvoll geworden. So wertvoll, dass die, die es weggeworfen hat, gesucht und bestraft werden muss.
Nicole Eick kann diese Geschichte so authentisch erzählen, weil ihr Beruf sie über viele Jahre mitten hinein in das führte, was meist kaltherzig "Soziale Brennpunkte"
genannt wird. In diesem Milieu lässt sie "ihre Kathrin" den bitteren Kampf ums Leben und um ein bisschen Glück führen. Sie nennt ihr Buch bescheiden einen "Sozialkrimi".
 
Ja, es ist ein spannender Krimi, doch es ist weit mehr.
ABFALL ist ein aufrüttelnder gesellschaftskritischer Roman, der unserer Gesellschaft nicht nur einen Spiegel vorhält, sondern ihr auch die Frage stellt, ob die individuelle Schuldzuweisung nicht doch nur das einfachste Mittel ist, von unser aller Verantwortung als Gesellschaft abzulenken. Eine Verantwortung, der wir mit Jugendamt und Babyklappe noch lange nicht gerecht werden.
 
Ein Buch mit allen Voraussetzungen zum Bestseller.
 
(zum Online-Shop "Belletristik" im EWK-Verlag)
 
 
Lange vorher hat eine "Bewerbungstrainerin", die es nicht mehr ausgehalten hat, die ihr per Verordnung einer Maßnahme zugewiesenen Arbeitslosen
sinnlos zu schikanieren, einen erschütternden und aufregenden Bericht über ihre Erlebnisse und Erfahrungen in dieser Funktion geschrieben.
 
Im Dschungel der Maßnahmen
 
Isabel Horstmann zeigt auf, dass die Grenzlinie zwischen wirklicher Förderung und bloßer Schikane längst nicht mehr zu erkennen ist. Sie erläutert die Mittel und Methoden der Arbeitsberater und Fallmanager, analysiert die dahinter stehenden Strategien und stellt die Frage, nach den Nutznießern.

Die arbeitslose Bewerbungstrainerin, die bei Androhung erheblicher Leistungskürzungen gezwungen wird, ein Bewerbungstraining zu besuchen, gehört wohl nicht dazu - und die Unternehmen, die sich der Flut unsinniger Bewerbungen gar nicht mehr erwehren können, auch nicht.

Der Nutzen vieler "arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen" muss nach der Lektüre dieses Buches ernsthaft in Frage gestellt werden.
 
(zum Online-Shop "Sachbuch Wirtschaft" im EWK-Verlag)
 
Erwähnen mag ich in diesem Zusammenhang auch Freimut Kahrs, der eine grundsätzliche Abrechung mit unserer "libertären", angeblich "freiheitlichen" Gesellschaft vorgenommen hat und nachweist, dass unsere Freiheit in fast allen Lebensbereichen nur darin besteht, uns dem zu beugen, was andere für uns vorgesehen haben, oder zwischen den Möglichkeiten zu wählen, die andere uns vorlegen.
 
Lebenslüge Freiheit

Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Krise. Viele Wissenschaftler, Wirtschaftsführer und Politiker stehen vor einem Rätsel.
Deregulierung und Flexibilisierung haben nicht Wachstum und Vollbeschäftigung, sondern Finanzcrash und Wirtschaftskrise herbeigeführt.
Freimut Kahrs beschreibt diejenigen Einflussfaktoren, die in der wirtschaftspolitischen Diskussion gerne vernachlässigt werden, obwohl sie unsere Gesellschaft entscheidend geprägt haben. Als Diplom-Volkswirt kennt er die theoretische Argumentation der etablierten Wirtschaftswissenschaft und deren Schwächen; als Unternehmensgründer hat er die Herausforderungen der Praxis analysiert. Aus dieser Perspektive entwickelt er die Grundzüge einer besseren ökonomischen und gesamtgesellschaftlichen Ordnung - die Freiheit wieder erlebbar macht.
 
(zum Online-Shop "Sachbuch Wirtschaft" im EWK-Verlag)
 

 
... und falls Sie sich im Urlaub nicht auch noch mit Problemen herumschlagen wollen, hier ist für Sie

 

 
Der Schmöker!
 
Leichte, unterhaltsame Lektüre aus dem EWK-Verlag:
 
 

 

Was passiert, wenn eine junge, freizügig denkende Frau und ein "sonderbarer Heiliger" namens Paul aufeinander treffen?

 

Es entwickelt sich eine absolut skurrile Geschichte, bei der man aus dem Schmunzeln kaum herauskommt.

 

Rainer Buck,
44 Tage mit Paul

 

 

Jemanden kennenlernen, sich verlieben, am Bahnsteig, beim Warten auf den Zug - geht das?

Ja.

Wenn man sich traut.
Und Liebe kann so schön sein!

 

 

David Dejori
Bari - Gleis 4

 

 

Wenn "eine"
eine Reise tut ...

 

Kunterbunte Geschichte
einer Russlandreise. Fernab vom touristischen Massenbetrieb.

 

 

Marion Bialloblotzky
Autos, Hühnchen
und ein bisschen Russland

 

 

Nachts im Wald ...

Das letzte Halali für einen Jäger.

Wird Kommissar Eichen dem Täter auf die Spur kommen?

Na klar!

Aber bis dahin herrscht Hochspannung im Eifel-Krimi.

 

Winfried Pohl
Erlegte Jäger

 

 

Grausame Morde auf Juist.

Immer wieder schlägt der Mörder zu - höchste Gefahr, auch für den Ermittler, der selbst als Opfer ausersehen ist.

Wie lange wird es dauern,
bis die Insulaner und die Urlaubsgäste wieder ruhig schlafen können?

Dieter Ebels
Die Bestie von Juist


 
 
 
 
 
Der zweite Sammelband
 
Paukenschläge
aus den Jahren
2009 bis 2011 ist lieferbar.
 
 
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Der Online-Shop des EWK-Verlags ist nur einen Mausklick entfernt.

 

 

 

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