Paukenschlag
am Donnerstag
No. 28 /2012
19. Juli 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Summertime Blues

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Summertime
Blues
 
Ich bin ein bisschen müde.
 
Ich erinnere mich an meine erlebnisreiche Zeit als Laiendarsteller bei den Feuchtwanger Kreuzgangfestspielen 1969 und 1970.
 
Eine Bühnenszene scheint in meiner Erinnerung auf:
 
Es ist Nacht, Wallenstein (Alexander Golling) berät sich mit Seni, seinem Astrologen, die Sterne stehen nicht günstig, und dann erhebt sich Wallenstein und sagt - im Abgehen - mit tiefer Müdigkeit:
 
 
"Ich denke, einen langen Schlaf zu tun,
 
denn dieser letzten Tage Qual war groß ..."
 
 
 
 
 
 
Nun, dem folgt ein Getümmel - hinter der Bühne.
Wallenstein wird ermordet.
 
 
 
 
Das Publikum verharrt sekundenlang schweigend, dann geht das Licht an, der Applaus brandet auf, und der frisch umgebrachte Wallenstein verneigt sich dankbar ganz vorne
an der Rampe.
 

 
Als ich heute Morgen, nach einer langen und zugleich sehr unruhigen Nacht wie gerädert aufgestanden bin, entdeckte ich zwischen dem zweiten und dem dritten Kaffee, dass schon wieder Donnerstag ist.
 
Dass ich schon wieder raus soll, auf diese Bühne, Szene für Szene durchspielen, um am Ende wieder keinen anderen Wunsch zu haben, als einen langen Schlaf zu tun.
 
Ich beschloss, diesen Rhythmus zu durchbrechen.
 
 
 
Heute einmal nicht mit den gewohnten Sätzen zu beginnen,
      WALLENSTEIN.
      Laß es jetzt gut sein, Seni. Komm herab.
      Der Tag bricht an, und Mars regiert die Stunde.
      Es ist nicht gut mehr operieren. Komm!
      Wir wissen gnug.
      SENI.
      Nur noch die Venus laß mich
      Betrachten, Hoheit. Eben geht sie auf.
      Wie eine Sonne glänzt sie in dem Osten.
 

 

 
 
 
Nicht im Wallenstein'schen Trotz dem kaiserlichen Brief mich widersetzen,
       
      WALLENSTEIN.
      Du wurdest abgeschnitten auf dem Marsch,
      Von Hessischen umringt und schlugst dich durch,
      Mit hundertachtzig Mann durch ihrer tausend.
      GEFREITER.
      So ists, mein General.
      WALLENSTEIN.
      Was wurde dir
      Für diese wackre Tat?
      GEFREITER.
      Die Ehr, mein Feldherr,
      Um die ich bat, bei diesem Korps zu dienen.
      WALLENSTEIN wendet sich zu einem andern.
      Du warst darunter, als ich die Freiwilligen
      Heraus ließ treten auf dem Altenberg,
      Die schwedsche Batterie hinwegzunehmen.
      ZWEITER KÜRASSIER.
      So ists, mein Feldherr.
      WALLENSTEIN.
      Ich vergesse keinen,
      Mit dem ich einmal Worte hab gewechselt.
      Bringt eure Sache vor.
      GEFREITER kommandiert.
      Gewehr in Arm!
      WALLENSTEIN zu einem dritten gewendet.
      Du nennst dich Risbeck, Köln ist dein Geburtsort.
      DRITTER KÜRASSIER.
      Risbeck aus Köln.
      WALLENSTEIN.
      Den schwedschen Oberst Dübald brachtest du
      Gefangen ein im Nürenberger Lager.
      DRITTER KÜRASSIER.
      Ich nicht, mein General.
      WALLENSTEIN.
      Ganz recht! Es war
      Dein ältrer Bruder, der es tat – du hattest
      Noch einen jüngern Bruder, wo blieb der?
      DRITTER KÜRASSIER.
      Er steht zu Olmütz bei des Kaisers Heer.
      WALLENSTEIN zum Gefreiten.
      Nun so laß hören.
       
      GEFREITER.
      Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen,
      Der uns –
      WALLENSTEIN unterbricht ihn.
      Wer wählte euch?
      GEFREITER.
      Jedwede Fahn
      Zog ihren Mann durchs Los.
      WALLENSTEIN.
      Nun denn zur Sache!
       
      GEFREITER.
      Ein kaiserlicher Brief kam uns zu Handen,
      Der uns befiehlt, die Pflicht dir aufzukünden,
      Weil du ein Feind und Landsverräter seist.
      WALLENSTEIN.
      Was habt ihr drauf beschlossen?
      GEFREITER.
      Unsre Kameraden
      Zu Braunau, Budweis, Prag und Olmütz haben
      Bereits gehorcht und ihrem Beispiel folgten
      Die Regimenter Tiefenbach, Toscana.
      – Wir aber glaubens nicht, daß du ein Feind
      Und Landsverräter bist, wir haltens bloß
      Für Lug und Trug und spanische Erfindung.
       
      Du selber sollst uns sagen, was du vorhast,
      Denn du bist immer wahr mit uns gewesen,
      Das höchste Zutraun haben wir zu dir,
      Kein fremder Mund soll zwischen uns sich schieben,
      Den guten Feldherrn und die guten Truppen.
       
       
      WALLENSTEIN.
      Daran erkenn ich meine Pappenheimer.
       

 

 
Nein, heute mag ich frei sein.
 
 
So frei, zu sagen, welche Last es ist, Tag für Tag, Woche für Woche, jahrein, jahraus etwas sagen, schreiben zu müssen,
 
frei von der Last, einem Publikum gefallen zu wollen, das das Drama liebt, und tief berührt am Ende applaudiert.
 
Verdammt noch mal, ich bin kein Schauspieler.
Ich habe diese Rolle nicht auswendig gelernt.
 
Ich trete jeden Tag von Neuem an, mit leerem Kopf.
 
Und arbeite, denke, formuliere, argumentiere - während rings um mich an mir gezerrt und gezogen wird, während alltägliche Pflichten rufen und nur allzu oft vernachlässigt werden, während ich mir - wie Wallenstein - im Kampf gegen eine viel zu große Übermacht, doch nicht erlauben kann, dem ganzen zu entfliehen und mich still aufs Altenteil zu setzen. So werf ich weiter gute Zeit der längst vergeudeten nach und hoffe auf ein Wunder.
 
Heute mag ich frei sein - und weiß doch gar nicht, was das ist.
 
Ich seh den bunten Schmetterling von Blüte zu Blüte flattern, seh ihm nach, mit einem unbestimmten Sehnen. Einmal so unbeschwert vom Wind mich treiben lassen ...
 
Dann ist er weg.
 
 

 
Nein, das ist keine Depression.
Das ist kein Burnout.
 
Ich werde weiter Paukenschläge und Tageskommentare schreiben.
 
 
Nur heute nicht.
 
Ich werde auch weiter möglichst alle Fragen beantworten, mich auf alle Diskussionen einlassen, die an mich herangetragen werden - und gebe hier, statt eines Paukenschlags, einen kleinen Auszug dessen, was ich in dieser Woche so alles geantwortet habe. Gedanken, die normalerweise unveröffentlicht bleiben.
 
 
Ein Mailwechsel zum letzten Paukenschlag - Miete und Nebenkosten,
nur meine Antworten:
 
 
Sehr geehrter Herr W.,

es ist immer schwierig, einen Sachverhalt ohne zwei Regalmeter Statistik darzustellen.

Und wenn es um Zahlen geht, ist es doppelt schwierig, wenn man der Lesbarkeit zuliebe mit Durchschnittswerten operiert, die natürlich im konkreten Fall nur selten genau treffen.

Also kann ich Ihren Unmut gut nachvollziehen.

Wenn Sie sich aber das Beispiel genauer ansehen, dann ist da nicht die im
- regelmäßig zu teuer bezahlten - Eigenheim vermietete Einliegerwohnung angesprochen, auch nicht die - regelmäßig viel zu teure Eigentumswohnung, die man sich als Altersvorsorge vom Munde abspart, wobei die Mieteinnahmen lediglich helfen, die laufenden Zins- und Tilgungslasten zu mindern, sie aber nur selten wirklich ausgleichen, sondern ein klassischer Mietswohnungsbau.

Es ist auch weder München noch Buxtehude angesprochen, sondern eine noch einigermaßen funktionierende, größere Stadt.

Und dafür sind sowohl die Baukosten als auch die Mieten bei Erstbezug einigermaßen
realistisch.

Dass für Wohnungen aus dem Bestand diese Mieten kaum erzielt werden können,
ist überhaupt nicht die Frage, doch: Jedes Haus war einmal neu und wurde erstmals
bezogen.

Doch diese Diskussion kann abgekürzt werden, wenn man von den Zahlen zurückkehrt
zum Grundsätzlichen.

Wer das Vermietgeschäft professionell betreibt, wird nur dann bauen, wenn sich
die Investition auch rentiert.

Dies ist nicht der Fall, wenn die laufenden Kosten des Objekts die laufenden
Einnahmen übersteigen. Dann wachsen nämlich die Schulden - und am Ende steht
die Pleite.

Die Rendite im Vermietgeschäft speist sich im wesentlichen aus drei Quellen, als da sind:

1. Der Einnahmeüberschuss aus den laufenden Mieten,
2. Die Erlöse aus der Umwandlung preiswert erstellter, vermieteter Wohnungen in
teure Eigentumswohnungen, oder
3. die vom Substanzwert unabhängige Wertsteigerung von Immobilien,
die in der Mehrzahl der Fälle deutlich über den Inflationsausgleich hinausgeht.

Der Einnahmeüberschuss aus den laufenden Mieten ist dabei wieder maßgeblich für die Feststellung des Verkehrswertes, also der Verkaufspreise von Immobilien.

Schlecht vermietete Wohnungen, die keine Rendite bringen und auch für die Zukunft
keine Rendite erwarten lassen, erzielen deutlich niedrigere Verkaufspreise.

Also lassen sich letztlich alle drei Renditequellen darauf zurückführen, dass die
Mieteinnahmen möglichst deutlich über den laufenden Kosten liegen und so über einen
überschaubaren Zeitraum, ob es nun im Einzelfall 12 oder 15 oder 18 Jahre sind ist dabei vollkommen gleichgültig, aus dem Mietüberschuss die vollständige Tilgung des investierten Kapitals erreicht wird.

Sie sprechen die vielen Mietshäuser an, die zum Verkauf stehen - und dass die keiner will.

Dafür gibt es einen ganz wesentlichen Grund:

Die Häuser stehen da, wo es für ihre Größe und Ausstattung nicht mehr genügend Mieter gibt, und/oder sie sind zu klein - oder zu wenige am Platz - um sie kostengünstig bewirtschaften zu können.

Aber da muss man ja auch nicht unbedingt noch ein Mietshaus hinstellen.

Last but not least - habe ich doch auch hinreichend deutlich gemacht, dass ich nicht
die Vermieter verdamme, schon gar nicht die kleinen, sondern das Wirtschafts- und
Finanzsystem, dass genau diese Form der Wohnraumbereitstellung und Eigentums-
bildung auf Kosten der Mieter hervorbringt.

Es sind Szenarien denkbar, in denen die Mieter nach 15 Jahren Eigentümer ihres
Hauses sind, ohne in der Zeit ein zweites Haus für die Bank erwirtschaftet haben zu müssen.

Nun hoffe ich, wir sind uns auch in dieser Frage wieder ein bisschen näher gekommen.

Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer
 
 
 
Ich mag noch einen Satz zur Altersvorsorge sagen,
weil genau dies den schmalen Grat darstellt, zwischen gutem, friedlichem Eigentum
und dem problematischen aggressiven Eigentum.

Wer Geld in eine Immobilie investiert,
erwartet ja nicht nur, dass er damit seine Altersversorgung aufbessert,
er erwartet zugleich, dass das Eigentum an der Immobilie an seine
Erben übergehen wird, die dann daraus ein Einkommen beziehen,
für das sie nie etwas angespart haben.

Der gute Papa, heißt es dann, der hat für uns gesorgt.

Bis dahin ist aber das Haus durch die Mieter längst abbezahlt,
jedenfall wenn der Erblasser lange genug gelebt hat.

Auch hier ist wieder der Zins, der Mietzins, in diesem Fall,
das Vehikel, über das nicht leistungsadäquate Einkommen generiert werden.

Ich habe nichts gegen Alterssicherung, aber warum kann sich das Haus nicht
allmählich aufzehren? Warum gehört es ihm immer noch, wenn die Mieter es zum zweitenMal bezahlt haben und sein Alter gesichert war?

Warum gehört es den Erben immer noch, wenn die Mieter es zum dritten Mal bezahlt haben?

Das ist Eigentum, das nicht selbst genutzt wird, auch nicht als Quell der Altersversorgung, sondern nur noch dazu dient, anderen die Nutzung vorzuenthalten, es sei denn, sie zahlen dafür.

Der große Gedanke, von dem ich komme, heißt: Die Welt gehört uns allen.
Eigentum, das nicht genutzt wird, sondern Teilhabe verhindert oder nur gegen Gebühr erlaubt, spiegelt das Monopoly-Prinzip wieder. Am Ende ist einer reich und alle anderen sind arm.

Ich weiß, der Gedanke ist problematisch,
doch es lohnt sich, ihn einmal selbst zu denken.

Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer
 
 
Guten Morgen, Herr W.,

es ist das (imperiale) römische Recht, das diesen Eigentumsbegriff hervorgebracht und bis in unsere Tage erhalten hat.

Doch Alter und Tradition alleine sind nicht Indiz dafür, dass etwas, das funktioniert, auch wirklich gut und für alle befriedigend funktioniert.

Es wird Zeit, sich auch wieder einmal mit anderen Gedanken zu beschäftigen, und es zeigt sich immer wieder, dass neue Gedanken und Ideen durchaus die Kraft haben, sich gegen beharrende, weil profitierende Kräfte durchzusetzen.

Mit Ihrem letzten Satz geben Sie mir die Gelegenheit, auf einen älteren Aufsatz hinzuweisen, dessen Grundgedanke ich in "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band IV - Eigentum und Teilhabe" ausführlich begründet und die Umsetzungsmöglichkeiten detailliert beschrieben habe.


http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Grundlagen16.html

Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer
 
Nun Antworten auf eine sehr ausführlich begründete Aufforderung, ich möge an einer neuen Verfassung für Deutschland mitarbeiten:
Sehr geehrte Frau S.,
 
Ihr Wunsch, eine neue Verfassung für Deutschland zu erarbeiten und zur
Diskussion zu stellen, ist verständlich, und Ihr Engagement, diesen Prozess anstoßen zu wollen, ehrt Sie.
Dass ich mich in dieser Thematik eher zurückhalte, hat zwei wesentliche
Gründe:
 
1. Hat sich das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland aus einem
besatzungrechtlichen Provisorium heraus über die Jahre zu einer gelebten und (einigermaßen) richtungsweisenden Verfassung gewandelt, weil es
- wenn auch stillschweigend - von der Mehrheit der Bevölkerung anerkannt
wurde.
Später dann wurde dieses Grundgesetz, wann immer die erforderliche 2/3-Mehrheit im Bundestag verfügbar war, mehr und mehr ausgehöhlt, und wo die verfassungsändernde Mehrheit nicht verfügbar war, genügten einfache Gesetze, um den Bestand der Grundrechte zu schmälern.
 
Schließlich wurde, mit dem Beitritt der ehemaligen DDR zur BRD die
Verfassung mit der Befugnis ausgestattet, Souveränität zugunsten der EU
aufzugeben.
Dies alles ist nach verfassungsrechtlich wasserdichten Verfahren geschehen
und kann daher auch vom Verfassungsgericht nicht gekippt werden. Ein Großteil der in Deutschland in den letzten Jahren verabschiedeten Gesetze bestand nur noch in der Umsetzung von Brüsseler Kommissarsrecht in nationales Recht, wozu wir verpflichtet sind und bei Nichtumsetzung vor dem EuGH verklagt werden können.
Eine neue Verfassung, die unabhängig vom existierenden europäischen und
weltweiten Vertragsgeflecht entwickelt werden würde, ist derzeit gar nicht denkbar. Sie wäre ein Affront gegenüber allen Partnern in Europa und in der Welt. Sie bedeutete die Isolation Deutschlands und ganz erhebliche daraus resultierende Probleme.
 
Von daher hätte eine solche Verfassung gar keine Chance, nach regulären
demokratischen Regeln in Kraft gesetzt werden zu können - es sei denn, sie unterschiede sich nur in Marginalien von dem, was heute in der Realität vom Grundgesetz noch übrig ist.
 
2. Eine neue Verfassung bedarf zunächst einer Grundstimmung in der
Bevölkerung, die zwar auch aus Unmut über bestehende Verhältnisse, ganz überwiegend aber aus visionären Gedanken gespeist wird und sie bedarf der Zuversicht, diese "bessere Welt" erreichen zu können.
Davon ist in Deutschland nichts zu spüren.
 
Der Unmut ist zwar da, doch löst er nichts aus.
Das Beharrungsvermögen ist groß.
Visionen kommen nicht über kleine Kreise hinaus, die sich auf die
eine oder andere Idee stürzen, dort tatsächlich Bemerkenswertes
vervorbringen, aber eben leider in der breiten Bevölkerung keinerlei Resonanz finden.
 
Das ist zu einem Teil der Wirksamkeit der Massenmedien zuzuschreiben, zu
einem Großteil aber auch dem Desinteresse und/oder der Resignation der Menschen.
 
Vor diesem Publikum mit einer neuen Verfassung anzutreten, das ginge
zunächst einmal vollkommen unter - und gelänge es tatsächlich, eine Volksentscheidung über diese Verfassung herbeizuführen, es stünde zum gleichen Termin eine veränderte Verfassung der etablierten Parteien zur Diskussion
und vielleicht als dritte Möglichkeit, das bestehende Grundgesetz
unverändert beizubehalten.
 
Meines Erachtens sind wir als Gesellschaft weit davon entfernt, uns eine
neue Verfassung geben zu können.
 
So groß und so berechtigt dieser Wunsch auch bei einzelnen sein mag, es fände sich,
wenn es zum Schwur kommt, keine Mehrheit dafür.
So sehe ich meine Aufgabe weiterhin darin, über die real existierenden
Verhältnisse aufzuklären, erkennbare Fehlentwicklungen zu verdeutlichen und dabei die Frage "Wem nutzt es" im Auge zu behalten.
 
Und selbst dabei bin ich eher noch ein einsamer Rufer in der Wüste ...
Es ist der langsame, steinige Weg, doch m.E. der einzige, auf dem jenes
Bewusstsein erreicht werden kann, aus dem dann die Vision erwachsen kann, die einer neuen Verfassung die Gestalt gibt.
 
Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer
 
 
Sehr geehrte Frau S.,

ich schreibe zwischen Ihren Zeilen in
blau
 
Ich meine alle internationalen Verträge, denen Deutschland beigetreten ist,
von der Nato über die diversen Welthandelsabkommen bis zum Vertrag von
Lissabon. Diese alles stehen im Rang über dem Grundgesetz, weil sie
völkerrechtlich wirksam sind.

Sie müssten aber, zur Schaffung einer wirklich originären Verfassung,
zur Disposition stehen - und ggfs. im Rahmen dieser dann beschlossenen
neuen Verfassung mit neuen, verfassungskonformen Texten und Inhalten
neu verhandelt werden.
 
 
 
An den Menschen vorbei ist überhaupt nichts übers Knie gebrochen worden.
Die Menschen hatten Gelegenheit, diese Vereinbarungen wahrzunehmen,
doch ihr Interesse reichte dafür nicht aus.
Nicht einmal die Abgeordneten des Deutschen Bundestages zeigten genug
Interesse, um die EU-Verfassung zu lesen und zu verstehen. Sie waren einfach
nur dafür, weil man ihnen gesagt hatte, dass sie dafür zu sein hätten.
 
 
Es ist nicht gut, depressiv zu werden, es ist aber auch nicht gut, die
eigenen Einflussmöglichkeiten zu überschätzen. Politische Prozesse
von der Tragweite, die Sie anstreben, brauchen Zeit, viel Zeit, und
damit viel Geduld und Zähigkeit. Es ist nicht ein Denken in Tagen
oder Monaten erforderlich, sondern ein Denken in Jahrzehnten.



I
ch hab vor nicht allzulanger Zeit mal einen Aufsatz über den Zustand des
Grundgesetzes geschrieben:
http://www.egon-w-kreutzer.de/0PaD2012/8.html
 

Die Demokratie ist etwas sehr Sonderbares.
Darüber will ich mich hier nicht auslassen, das führt zu weit. Nur so viel:
Mir fällt auch nichts Besseres ein, was heißt, dass wir sie behalten, aber
weiter gestalten sollten.
       
 
Bleibt mir nur, auch Ihnen zu danken, dass Sie sich mit so viel Mut
und Engagement in dieses Abenteuer stürzen, und Ihnen die Geduld
zu wünschen, dies so lange es dauert durchzuhalten.

Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer
 

 
Da hatte jemand einen Brief an die GEZ geschrieben und darin begründet, warum er keine Gebühren mehr zahlen will. Der Brief wurde an mich weitergeleitet, mit der Frage:
 
"Kann es sein, dass wir auch für das verantwortlich sind, was wir nicht tun?"
 
Nein, das kann nicht sein.

Verantwortlich sind wir nicht für das, was wir nicht tun,
sondern allenfalls für das, was wir unterlassen.

Das erklärt sich schon alleine daraus, dass die Gelegenheiten
etwas zu tun, schier unendlich sind,
unserer Möglichkeiten, etwas zu tun, jedoch eng begrenzt.

Was Sie hier weitergeleitet haben, ist purer Aktionismus ohne
Sinn und Verstand und noch dazu falsch adressiert.

Es ist nämlich nicht die Windmühle GEZ, die uns bedroht,
es ist die Akzeptanz des übergeordneten Systems,
das diese Windmühlen hervorbringt.

Die GEZ und alles was sie tut, steht auf der stabilen Grundlage
eines vom Deutschen Bundestag verabschiedeten und immer
wieder in die gleiche Richtung fortgeschriebenen Gesetzes.

Da kann man an den Sockel der Mühle pinkeln, so oft man will,
die Flügel drehen sich weiter.

Das zum Grundsätzlichen.

Im Kleingedruckten mag ich darauf hinweisen, dass - bei aller berechtigten
Kritik (und davon gibt es viel) - die gebührenfinanzierten öffentlich rechtlichen
Sender qualitativ immer noch Klassen über dem stehen, was uns private werbefinanzierte oder ebenfalls (freiwillig) gebührenpflichtige Medien anbieten.
Und ich weiß, dass ARD und ZDF irgendwie finanziert werden müssen.
Tendenziell bewegen sich die Gebühren immer mehr auf eine allgemeine Steuer zu. Praktisch gibt es immer noch einen Riesenunterschied.

Steuerfinanzierung wäre tatsächlich Staatsfernsehen in Reinkultur - und, es gäbe, wie bei allen Steuern, keinen Bezug zwischen dem Aufkommen der Steuerart und der Verwendung.

Rundfunk- und Fernsehgebühren stehen Rundfunk und Fernsehen zur
Verfügung.

Man kann trefflich darüber streiten, ob die Gebühren nun verpulvert oder sinnvoll eingesetzt werden, doch das ist eine ganz andere Baustelle.

Eine Baustelle, die zum Beispiel über die direkte Ansprache der Mitglieder
der diversen Rundfunk- und Fernsehräte gestaltet werden könnte, die immerhin
als repräsentative Vertretung der gesamten Bevölkerung gedacht sind - und tatsächlich einen breiten - allerdings nach Parteienproporz bestimmten - Querschnitt der Bevölkerung darstellen bzw. "repräsentieren".

Da wäre ein Stück Basisdemokratie möglich.

Die GEZ mit solchen Briefen zu bombardieren,
löst dort allenfalls ein müdes Lächeln und volle Papierkörbe aus.

Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer

 
Ein anderer fragte mich, weil ich immer das Verhätnis zwischen BIP und den Brutto-Löhnen und Gehältern darstelle, aber nie sage, wo die andere Hälfte des BIP bleibt, ob das wirklich alles dem Kapital zufließt.
Sehr geehrter Herr T.,

wir kennen das BIP in seiner Summe, gegliedert nach den Wirtschaftszweigen, in denen es entsteht. Die Herkunftsseite ist vollständig, für meine Begriffe sogar
zu vollständig, weil da vieles drin ist, was nur der Aufblähung dient, vieles was auch nur geschätzt ist. Ich hab dazu mal einen langen, komplizierten Text geschrieben,
mit dem Titel "Das Signal von Meseberg".

http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/0PAD35.html


Die Betrachtung der Verteilungsseite ist jedoch dem Statistischen Bundesamt jene Akribie nicht wert.
So dass keine belastbaren Zahlen vorliegen, wer auf welche Weise welches Stück vom Kuchen für sich abschneidet.

Klar belegbar und unbestritten sind nur die Zahlen über die Brutto-Löhne und Gehälter einschließlich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung.

Und mit dieser Zahl operiere ich, weil sie eben eindeutig ist.


Dr. Dieter Petschow, der einen anderen Ansatz gewählt hat, den Geldströmen und damit den Gewinnen auf die Spur zu kommen, hat seine Erkenntnisse auch auf meinen Seiten veröffentlicht.

Seine Erkenntnisse sind noch viel erschreckender, doch bei aller Gewissenhaftigikeit, mit der er vorgeht, eben in einer "schnellen" Argumentation auch nicht verwendbar, weil man nämlich einige Tage braucht, um überhaupt zu verstehen, was er da eigentlich tut.


http://www.egon-w-kreutzer.de/Petschow/Einleitung.html


Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer

 
Und hier noch das vorläufige Ende einer schon sehr lange geführten Diskussion darüber, ob der Zins nun mit dem Kredit mitgeschaffen wird, oder nicht:
Lieber Herr E.,

Sie denken zu kompliziert - und kommen daher ins Grübeln, wenn ich ein ganz einfaches Beispiel konstruiere.

Für die Beweisführung, dass der Zins nicht mitgeschaffen wird, ist das Gewehr-Hasenbeispiel von seinen Elementen her ausreichend.

Den buchhalterischen Weg, den ich vorher aufgezeigt habe, konnten Sie nicht mitgehen, weil Ihnen dazu Kenntnisse fehlen, was kein Makel ist, sondern einfach Folge unterschiedlicher Ausbildungswege und beruflicher Stationen.

Ich wiederhole mich ungern, aber es kommt ganz maßgeblich darauf an, zwischen Geld und Forderungen auf Geld zu unterscheiden.

Und bei den Forderungen auf Geld ist zudem die Unterscheidung in terminierte und sofort fällige Forderungen wichtig.

Die Unterscheidung zwischen Giralgeld und Bargeld hingegen ist überflüssig, da alles Bargeld gegen Giralgeld von der Zentralbank "gekauft" bzw. "geliehen" wird und weil alles Bargeld auch unmittelbar von der Zentralbank gegen Gutschrift von Zentralgeld wieder angenommen wird.

Bargeld ist ein umlaufffähiger, anonymisierter Kontoauszug.

Bargeld und Giroguthaben sind immer Guthaben des Besitzers/Inhabers.

Es sind nie Forderungen der Bank. Es sind auch nicht anonymisierte Forderungen.

Dass diesen Forderungen Schulden gegenüberstehen, ist die andere Seite der Bilanz.

Sie können mit negativen Zahlen schlecht umgehen. Das erschwert die Verständigung leider weiter.

Versuchen wir es mit Besitz und Eigentum.

Die Aktiva der Bank zeigt den Besitz der Bank an.
Auch die Forderungen gegen Schuldner sind Besitz der Bank.

Die Passiva der Bank zeigt an, wer zu welchen Anteilen Eigentümer der Besitztümer der Bank ist, nämlich
 
a) die Bank selbst, mit ihrem Eigenkapital,
b) die Einleger der Bank mit ihren Einlagen und
c) die Gläubiger der Bank, mit den Krediten, die sie der der Bank gewährten, letztlich - in geringem Umfang -
d) die Lieferanten mit ihren Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegen die Bank.

Geldschöpfung durch Kredit:

Der Besitz der Bank wächst - und in gleicher Höhe tritt der Schuldner als Eigentümer seines Giroguthabens auf der Passiva in Erscheinung.

Die Bilanz ist länger geworden, doch am Vermögen der Bank hat sich per Saldo nichts geändert.


Zinserlöse:

Der Besitz der Bank wächst mit Einbuchung der Forderung.
Dem steht, wenn sonst nichts geschieht, ein gleich hoher
Bilanzgewinn der Bank gegenüber. Sie ist also Besitzer und Eigentümer der Zinsforderung zugleich.

Nur: Das ist noch kein Geld!!!!

Das ist lediglich eine Forderung auf Geld.

Zahlt der Schuldner, wird die Forderung als Besitzgegenstand aufgelöst und dafür die Liquidität (Kasse, Zentralbankkonto) in gleicher Höhe erhöht.

Der schon ausgewiesene Gewinn ist nun realisiert.

Das ist der Casus knacksus.

Der Schuldner muss die Liquidität beschaffen. Sie entsteht nicht durch die Einbuchung der Forderung!

Und dieses Geld kann nirgends anders herstammen als aus einem anderen Kredit, den wer weiß wer aufgenommen hat, der folglich auch wieder getilgt und verzinst werden muss.

Zahlt der Schuldner nicht, wird die Forderung irgendwann abgeschrieben, der Besitz der Bank reduziert sich, und damit, wenn sonst nichts geschieht, wenn keine andere Buchung dazu kommt, ist der zuletzt ausgewiesene Gewinn wieder verschwunden, das Eigentum der Bank ist geschrumpft.
 
Mehr mag ich Ihnen nicht zumuten.
 
Doch wenn Sie noch nicht genug haben, können Sie immer noch auf meine Hauptseite wechseln und die Tageskommentare nachlesen, die ich in den letzten Tagen geschrieben habe.

 
 


Ich bin ein bisschen müde.



 
 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
Der zweite Sammelband
 
Paukenschläge
aus den Jahren
2009 bis 2011 ist lieferbar.
 
 
Erfüllen Sie sich noch heute Ihren Wunsch,
 
den besten Paukenschlägen aus den letzten drei Jahren einen Ehrenplatz in Ihrem Bücherregal einzuräumen.
 
 
 
 
 
 
 
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