Paukenschlag
am Donnerstag
No. 25 /2012
4. Juli 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Druckversionen: Manuela Engl
Ein Stich in die Euro-Rettungs-Blase

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    Ein Stich
    in die Euro-Rettungs-Blase
     
     
     
    Waren es vor fünf Jahren die Spekulations- und Kreditblasen, deren Platzen die Märkte erbeben ließ, so wächst jetzt, kräftig befeuert vom EU-Kommissariat, der EZB und den Regierungsmehrheiten der Euro-Staaten eine noch gigantischere Blase heran: Die Euro-Rettungs-Blase.
     
     
    Die Begründungen dafür, einen 100-Milliarden-Scheck nach dem anderen auszustellen, setzen sich aus einem ganzen Bündel bloßer Behauptungen zusammen, die allesamt einer ernsthaften Prüfung nicht standhalten.
     

    Die am häufigsten genannten lauten:
     
    • Wenn der Euro fällt, zerfällt Europa.
    • Wenn der Euro fällt, sind die Folgen unabsehbar.
    • Wenn der Euro fällt, wird das viel teurer als ihn zu retten.
    • Wenn der Euro fällt, bricht der deutsche Export ein.
    • Wenn der Euro fällt, sind unsere Kredite und Bürgschaften verloren.
    • Wenn der Euro fällt, brechen unsere Banken zusammen.
    • Wenn der Euro fällt, löst das eine Weltwirtschaftskrise aus.
     
    Kurz: Ohne Euro droht die Apokalypse.
     
     
     
    Was davon ist wirklich wahrscheinlich?
     
     
    Zunächst einmal wäre es nützlich, die braven Euro-Retter würden ihre Behauptungen etwas differenzieren und auf unterschiedliche Szenarien anwenden.
     
    Szenarien, die einerseits
     
    • den Austritt schwacher Euro-Staaten aus dem Euro-Verbund, oder
    • den Austritt der stärksten Volkswirtschaft(en) aus dem Euro-Verbund,
      oder
    • die vollständige Auflösung der Währung Euro
     
    beschreiben und andererseits folgende Varianten, nämlich
     
    • die vollständige Umrechnung aller Schulden und Guthaben in den betroffenen Ländern auf die Nachfolgewährung, bei Beibehaltung aller vertraglichen Regelungen und Gesetze, denen die Finanzwirtschaft derzeit unterworfen ist, oder
    • die teilweise Abwertung von Schulden und Guthaben in den betroffenen Ländern, ebenfalls bei Beibehaltung aller relevanten vertraglichen Regelungen und Gesetze, oder
    • eine echte Währungsreform, mit der die Hoheit über das Geld an die Nationalstaaten zurückfällt
     
    berücksichtigen.
     
     
    Das ergibt - schon bei dieser groben Differenzierung - eine Matrix mit 9 Feldern, von denen jedes einzelne eine Handlungsalternative zur alternativlosen "Euro-Rettung" aufzeigt.
     
    Keine dieser Handlungsalternativen
     
    • entpuppt sich als eine "viel teurere" Lösung,
    • keine hat verheerende Auswirkungen auf den deutschen Export,
    • keine führt zum Zusammenbruch "unserer" Banken,
    • keine hat das Potential, eine Weltwirtschaftskrise auszulösen.
     
     
     
     
    Die Argumentation
     
    Die bisher eingegangenen Verpflichtungen, die gewährten Kredite und Bürgschaften, sind Fakt.
     
    Ein faktischer Zwang, diese Verpflichtungen einzugehen, bestand allerdings nie.
     
    Man hätte "Griechenland als Chance verstehen", das Spiel der Märkte schon vor zwei Jahren platzen lassen, damit ein klares Signal gegen die Spekulation setzen und das Risiko der Gläubiger, Forderungen abschreiben zu müssen, einfach eintreten lassen können.
     PaD 15/2010 Griechenland als Chance verstehen
     
    Das hat man nicht gewagt und in einem halsbrecherischen Pokerspiel - Naive gegen Profis - den Einsatz immer weiter erhöht.
     
    "Die Märkte" sind mitgegangen. Nun liegen Portugal und Spanien, sogar Italien neben Griechenland als "Pfänder" auf dem Spieltisch - und sollen durch ESM und Fiskalpakt in Geld-Schulden umgewandelt werden, womit die bereits feststehenden Verlierer ihre Pfänder einlösen wollen.
     
    Nur Spielsüchtige glauben daran, in der nächsten Runde ganz bestimmt alles zurück und noch viel mehr oben drauf zu gewinnen, wenn sie nur einmal noch alles auf eine Karte setzen.
     
    Ich möchte in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, dass die bisher eingegangenen Verpflichtungen, die gewährten Kredite und Bürgschaften nichts anderes sind, als Zahlen in Computern.
     

     

      Spielt man das wunderbar realitätsnahe Spiel "Monopoly" über die Pleite des ersten Mitspielers hinaus weiter, indem man diesem Kredite gewährt, solange, bis nur noch ein Spieler keine Schulden hat, ergeben sich - je nachdem wie lange man dieses unsinnige Spiel dann noch fortsetzt - gigantische und immer weiter wachsende Forderungen des längst feststehenden Gewinners gegenüber allen seinen Mitspielern.
       
      Doch es bleiben nur Zahlen auf einem Notizblock.
       
      Alle Straßen, Häuser, Hotels, Bahnhöfe und Elektrizitätswerke sind doch schon in seinem Besitz. Und die Spielgeldscheine liegen auch längst alle auf seinem Haufen.
       
      Was also soll das Weiterspielen?
       
      Irgendwann wird es denen, die nur würfeln und von Feld zu Feld ziehen, um ihre Schulden von Runde zu Runde zu erhöhen, zu blöd.
       
      Das Spiel ist aus.
       
      Spielbrett, Figuren, Würfel, Spielgeld und Karten aller Art werden wieder in den Karton gepackt.
       
      Außer Zeit hat keiner etwas verloren.
     
     
    Nun handelt es sich in der Realität allerdings nicht um ein Spiel, sondern um bitteren Ernst.
     
    Dieser bittere Ernst bringt es mit sich, dass die Betreiber der legalen Spielhölle Mittel und Wege gefunden haben, ihre Forderungen einzutreiben. Dieser bittere Ernst bringt es auch mit sich, dass diejenigen, die bereits bis auf das letzte Hemd ausgezogen sind, gute Miene zum bösen Spiel machen, sich immer neue Kredite gewähren lassen und sich immer strengeren Regeln (Schuldenbremse, Spardiktat, Entlassungen von Beamten, Kürzung von Löhnen und Renten, usw.) unterwerfen, weil sie die Lösung ihrer Probleme nur innerhalb des Systems "Spielhölle" suchen und nicht auf die Idee kommen, den engen Rahmen dieses Systems zu verlassen.
     
    Spielsucht ist nun mal irrational und nur schwer therapierbar.
     
     
    Mit den folgenden Ausführungen will ich zeigen, dass dieses System durchaus überwunden - aber eben nicht mit seinen eigenen Mitteln und Methoden geschlagen werden kann.
     
     
     
    Szenario 1
     
    Schwache Volkswirtschaften verlassen den Euro
     
    Die Folge für den Binnenmarkt solcher Staaten:
     
    Die nun wieder zuständige landeseigene Zentralbank sorgt mit ihrer Geldpolitik dafür, dass die neue Währung von den privaten Banken in einem Umfang zur Verfügung gestellt wird, der ausreicht, um die möglichen Transaktionen im Binnenmarkt als Zahlungsmittel zu unterstützen.
     
    Die möglichen Transaktionen entsprechen der Ausschöpfung der gesamten Leistungsfähigkeit einer solchen Volkswirtschaft. Das heißt, das Angebot an "Arbeit" und der Bedarf an Dienstleistungen, Konsum- und Investitionsgütern gleichen sich aus, die Arbeitslosigkeit fällt auf das unvermeidliche, fluktuationsbedingte Maß, ein breites Masseneinkommen ermöglicht den Absatz der Angebots.
     
    Ein Zustand der "Markträumung" tritt ein.
     
    Alles was bisher alleine wegen fehlender Liquidität nicht abgesetzt oder gar nicht erst angeboten wurde, findet seinen Abnehmer. Die Binnenwirtschaft prosperiert, die Einnahmen des Staates (Steuern und Sozialbeiträge) steigen.
     

    Die außenwirtschaftlichen Folgen:

    Die neue Währung wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gegenüber dem Euro deutlich abgewertet auf den Devisenmärkten erscheinen.
    Damit steigen die Exportchancen aufgrund des Kursvorteils massiv an, zudem wächst die Attraktivität von Ländern, die sich Touristen öffnen, ganz erheblich.
     
    Die Zahlungsströme aus dem Ausland werden so - in Euro gerechnet - mindestens in der gleichen Höhe bleiben wie bisher, vermutlich aber ebenfalls deutlich ansteigen.
     
    Durch die Ausschöpfung des Leistungspotentials der Volkswirtschaft wird es so möglich,
    bei stabilen und wohlstandsfördernden Verhältnissen im Binnenmarkt, also ohne jedes erzwungene Kaputtsparen, die für den Import erforderlichen Devisen zu erwirtschaften. Damit ist auch das deutsche Argument, dann Exportmärkte zu verlieren, aus der Welt. Im Gegenteil, bei mindestens gleichbleibendem Export werden sich die Importe aus diesen Staaten massiv verbilligen.
     
     
    Vermögen, Schulden und Zahlungsbilanz:
     
    Lässt man sämtliche in Euro bestehenden Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Schuldnern und Gläubigern in Euro (und anderen Fremdwährungen) stehen, was durchaus möglich ist, so ändert sich am Vermögen von Gläubigern und Schuldnern zum Umstellungszeitpunkt definitiv nichts.
     
    Gute, werthaltige Positionen bleiben gute, werthaltige Positionen, schlechte, weitgehend wertlose Positionen bleiben schlechte, weitgehend wertlose Positionen.
     
    Die wiedergewonnene Fähigkeit, die eigene Wirtschaft durch Zuführung der erforderlichen Liquidität zu beleben und die wechselkursbedingte Verbesserung der Exportchancen führen jedoch mittelfristig nahezu zwangsläufig dazu, dass die Forderungen der ausländischen Gläubiger an Wert gewinnen, weil die Fähigkeit zur Bedienung der Kredite wächst.
     
    Wurden die Forderungen (die Zahlen in den Computern) gegenüber solchen schwachen Euro-Ländern von den Gläubigern bis dahin realistisch abgeschrieben - und nicht zur Bilanzkosmetik mit unrealistisch hohen Werten ausgewiesen - werden sie ab der Umstellung wieder einen Wertzuwachs erleben. Und selbst wenn sie nicht abgeschrieben wurden, wird sich die Differenz zwischen Buch- und Realwert ab dann verringern.
     
    Wo also liegt das Problem?
    Wer verliert etwas, was nicht sowieso schon verloren war?
     
     
    Selbst in dieser für das die Euro-Gemeinschaft verlassende Land ungünstigsten Variante handelt es sich um eine klassische "Win-Win-Situation".
     
     
    Allerdings ist es für alle Seiten noch günstiger, wenn mit dem Wechsel zur nationalen Währung auch ein Schuldenschnitt bei den Euro-Schulden erfolgt.
     
    Denn:
     
    Damit würde sich die Belastung der Volkswirtschaft durch die weiterhin bestehende Pflicht zur Bedienung der Altschulden vermindern und damit die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend verbessern.
     
    Und genau das ist es doch, was von den schwachen Ländern immer verlangt wird,
    ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.
     
    Wem würde es schaden, wenn die Altschulden gegenüber dem Schuldner nicht mehr zum ursprünglichen Nominalwert geltend gemacht würden, sondern stattdessen zum realistisch noch erzielbaren Buchwert nach den bilanziellen Abwertungen?
     
    Ja, das (realistisch uneinbringliche) Schuldenwachstum durch Zinsforderungen würde verringert. Gläubiger müssten auf zusätzliche (aber faktisch uneinbringliche) Forderungen verzichten. Die Zahlen in den Computern würden etwas kleiner ausfallen, doch dies alles nur auf dem Papier. Wie beim überzogenen Monopoly-Spiel - eine massive Selbsttäuschung ohne jeglichen realen Wert.
     
    Zugleich würde sich die Abwertung der neuen Währung gegenüber dem Euro reduzieren,
    was auf die rein wechselkursbedingt gewachsene Wettbewerbsfähigkeit dämpfend wirken würde, wodurch die potentiell möglichen Marktverzerrungen geringer ausfallen,
    was wiederum allen zum Vorteil gereicht.
     
     
    Ideal:
     
    Die Geldversorgung des Landes erfolgt direkt durch die Zentralbank, wobei primär die Ziele
     
    • stets mindestens ausreichende Liquidität in der Sphäre der Realwirtschaft,
    • Förderung gesamtgesellschaftlich wünschenswerter Projekte durch
      zins- und tilgungsfreie Anschubfinanzierung,
    • dauerhaft niedriges Zinsniveau (Verwaltungskosten + Ausfallrisiko),
    • Abschöpfung inflationsgefährdender Liquidität in engem Zusammenwirken mit dem Fiskus
     
    angestrebt und realisiert werden.
     
    Damit würden die nicht leistungsadäquaten Zinsgewinne der Banken, ihrer Einleger und Anteilseigner als Kostenfaktor eliminiert.
     
    "Kapitalflucht", eine auch so schon weit überschätzte Gefahr, könnte keinerlei Probleme mehr auslösen, die Finanzierung auch "nicht rentabler", dennoch wünschenswerter Vorhaben wäre jederzeit gesichert und das Preisniveau könnte durch einfache Regelungseingriffe relativ stabil gehalten werden.
     
    Wachstum ergäbe sich aus Leistungsvermögen und Leistungswillen, sowie den tatsächlichen Bedürfnissen - nicht mehr aus jenem Zwang heraus, der im herrschenden Finanzsystem letztlich nur von den immer weiter wachsenden Zinsforderungen ausgelöst wird.
     
     
     
     
    Szenario 2
     
    Starke Volkswirtschaften verlassen den Euro
     
     
    Im Grunde ist dieses Szenario dem Szenario 1 sehr ähnlich. Der Unterschied ist der, dass nun die Starken eine neue Währung bekommen, während die alten - scheinbar immer noch im Euro - durch diesen Schritt erleben werden, dass ihr "guter alter Euro" gegenüber dem Rest der Welt rasant abwertet.
     
    Für die Stärksten dürfte sich die Parität zum Dollar und anderen wichtigen Währungen kaum verändern, wenn sie den Euro-Raum verlassen. Der massive Aufwertungsdruck, der immer an die Wand gemalt wird, ist durch nichts zu begründen. Wenn es zu Aufwertungen kommt, dann werden die moderat sein, denn es fällt nichts anderes weg als die künftige Mithaftung für weitere Schulden der Schwächeren. Bereits übernommene Kredite und Bürgschaften blieben als Mühlstein am Hals des Kurses der neuen Währungen hängen.
     
    Natürlich wird es zu Beginn an den Devisenmärkten zu einigen, eventuell auch heftigen Schwankungen kommen, weil unterschiedliche Spekulationsstrategien dies so wollen, doch spätestens nach 12 Monaten ist diese Luft raus.
     
    Nun etwas detaillierter:
     
     
    Die Folge für den Binnenmarkt solcher Staaten:
     
    Die Loslösung aus den Fesseln der Euro-Verträge wird den ausgetretenen starken Staaten neue Möglichkeiten eröffnen, ihre Volkswirtschaft, unabhängig von Kommissarsgelüsten und EZB-Absichten, auch unabhängig von einem so genannten Euro-Gruppen-Chef, so mit Liquidität zu versorgen, wie das erforderlich ist.
    Zudem kann - frei von der Sorge, mit wie vielen Zig-Milliarden der eigene Haushalt durch die Bürgschaft für fremde Schulden noch belastet werden wird - selbst bei hartleibigen Verfechtern eines strikten Sparkurses, ein gewisser haushaltspolitischer Freiraum gewonnen werden, der vor allem der eigenen Bevölkerung zugute kommen könnte.
     
    Speziell Deutschland würde - und das ist die Kehrseite der Medaille - in einem solchen Fall, solange es von CDU/CSU/FDP/SPD und Grünen in welcher Konstellation auch immer regiert wird, weiterhin versuchen, die Stellung als Exportweltmeister zu behaupten und diese auch gegen den Wettbewerbsvorteil der vereinigten, in der Euro-Zone gebliebenen Schwachwährungsländer auszubauen, was durchaus noch für eine ganze Weile zu weiteren Einschnitten ins soziale Netz führen und den Binnenmarkt noch weiter schwächen würde.
     
    In dieser Situation höre ich dann diejenigen, die jetzt die DM wieder wollen, lautstark nach der Rückkehr zum Euro rufen.
     
    Doch dahinter steckt ein massiver Denkfehler - oder vielleicht auch nur Denkfaulheit.
     
    Die Entwicklung Deutschlands zum Billiglohnland ist weder vom Euro verursacht, noch wäre die Fortführung dieser Entwicklung einer DM 2.0 anzulasten, diese Entwicklung ist einzig Ziel und Folge einer Politik, deren Betrachtungsweise "das deutsche Volk", wenn es darum geht, seinen Nutzen zu mehren, auf jene kleine Gruppe reduziert, in deren Händen 80 Prozent des gesamten Vermögens der Deutschen liegen.
     
    Mit der Rückkehr zu einem Kurs der sozialen Marktwirtschaft im Sinne von Ludwig Erhard, die nun weißgott nicht geeignet war und ist, kommunistische Gleichmacherei-Träume zu verwirklichen, sondern pures volkswirtschaftliches Kalkül mit dem Ziel nachhaltig stabiler Verhältnisse,
     
    und der Rückkehr zu einer DM in der Obhut der Deutschen Bundesbank, könnten wir schnell den verloren gegangen Wohlstand der gesamten Gesellschaft wieder aufholen und in weite Zukunft hinein steigern.
     
    Für Frankreich könnte ich mir - nach einem Euro-Austritt - eine solche Politik durchaus vorstellen. Für Deutschland leider auf absehbare Zeit nicht.
     
    Wie auch immer: Der Austritt der Starken aus der Euro-Zone würde diese Staaten bzw. Volkswirtschaften nichts kosten, was nicht schon vorher an Verpflichtungen eingegangen wurde.
     
    Die Schwachen hingegen könnten sich fühlen, als hätten sie selbst den Euro verlassen, denn ihr Euro ist mit dem Austritt der Starken zu einer ganz anderen Währung geworden.
    Eine Währung, in der ein ESM und ein Fiskalpakt zwar immer noch eine strangulierende Wirkung entfalten würden, doch kann ich mir vorstellen, dass die Schwachen alleine, wenn sie gezwungen sind, sich aus eigener Kraft zu retten, diese Instrumente gar nicht mehr wollen würden. Es ist ja keiner mehr da, der in der Lage wäre - und erpressbar dazu - sich ihrer Probleme mit immer neuen Geldspritzen anzunehmen.
     
    Und natürlich kommen durch den Euro-Austritt der Starken auch auf die Schwachen keine Kosten und Lasten zu, die nicht vorher bereits bestanden hätten.
     
    Ihre Exportchancen wachsen, und je weniger sie sich den zentralistischen Regeln der Euro-Bürokratie beugen, desto besser kann in diesen Ländern auch die Binnenkonjunktur wieder angekurbelt werden.
     
     
     

    Die außenwirtschaftlichen Folgen:

    Die neue Währung der Starken wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gegenüber dem Dollar und anderen Fremdwährungen - wie oben bereits ausgeführt - nach einer Achterbahnfahrt auf die bisherige Euro-Dollar-Schwankungslinie zurückkehren.

    Die Exportchancen außerhalb des Rest-Euro-Raumes bleiben also unverändert, die Exporte in den Rest-Euro-Raum könnten, bei Fortsetzung der repressiven Geldpolitik dort, etwas leiden, doch das ist sowieso nur der geringste Teil der deutschen Exporte.
     
     
    Die Zahlungsströme aus dem Ausland werden so - in Euro gerechnet - in etwa in der gleichen Höhe bleiben wie bisher, und dem weiteren Ausbau des Exports steht die neue Währung in keiner Weise im Wege.
     
     
     
    Vermögen, Schulden und Zahlungsbilanz:
     
    Lässt man sämtliche in Euro bestehenden Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Schuldnern und Gläubigern in Euro (und anderen Fremdwährungen) stehen, was durchaus möglich ist, so ändert sich am Vermögen von Gläubigern und Schuldnern zum Umstellungszeitpunkt definitiv nichts.
     
    Gute, werthaltige Positionen bleiben gute, werthaltige Positionen, schlechte, weitgehend wertlose Positionen bleiben schlechte, weitgehend wertlose Positionen.
     
     
    Wo also liegt das Problem?
    Wer verliert etwas, was nicht sowieso schon verloren war?
     
     
    Die bisherigen Gedanken zum Euro-Austritt der Starken zeigen allerdings, dass dies, gegenüber dem Euro-Austritt der Schwachen, von den positiven Folgen her eine deutlich abgeschwächte Lösung wäre.
     
    Denn:
     
    Sie befreit zwar die Starken von der Mithaftung für die Schulden der Schwachen, stärkt jedoch die eigene Wettbewerbsfähigkeit nicht und würde, speziell auf Deutschland bezogen, zu einer weiteren Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Großteils der Bevölkerung hinauslaufen.
     
    Die Schwachen hätten andererseits die notwendigen nationalen Freiheiten durch den Verbleib in einem insgesamt geschwächten Euro-Verbund nicht zurückgewonnen.
    Womöglich entstünde dabei jener Druck, der zur Bildung eines so genannten "Kern-Europa" führen könnte, ein Kern-Europa, in dem man aus der Not heraus begreift, dass es gilt Synergien zu nutzen und gemeinsame Ziele zu finden gilt, um mit gemeinsamen Strategien und vereinten Kräften aus der Misere herauszukommen.
     
     
     
    Ideal:
     
    Keines der starken Länder käme nach dem Austritt aus dem Euro auf die Idee, Währung und Finanzsystem grundlegend zu ändern. Man ist ja, glaubt man, gut damit gefahren und hält die Befreiung von der Last der übrigen Mitgliedsländer bereits für die Lösung des Problems.
     
    Die Installation eines fairen, weil neutralen Geldsystems, die ich als das Ideal ansehe,
    wird folglich mit diesem Schritt weder von den Starken freiwillig gegangen, noch von den Schwachen, solange sie unter Brüsseler Euro-Kuratel stehen, gegangen werden können.
     
     
     
     
    Szenario 3
    Die vollständige Auflösung der Währung Euro
     
     
     
    Der radikalste Schritt -
    und doch weit weniger radikal als die Einführung des Euro ...
     
     
    Mit dem Euro wurden die Euro-Staaten in ein gemeinsames Korsett gepresst. Das gab anfänglich eine attraktive Figur, fing dann aber doch an allen Ecken und Enden an zu klemmen, zu kneifen und zu zwicken - und schnürte am Ende der gesamten Euro-Zone die Luft ab.
     
    Wird dieses Korsett geöffnet, werden alle wieder atmen können, nichts zwickt mehr, nur die schöne (Kunst-) Figur, die immer nur etwas vortäuschte, was nie vorhanden war, ist wieder dahin.
     
    Gefangennahme und Befreiung sind von der Wirkung her gleich radikal, doch wer ließe sich nicht lieber befreien als gefangen nehmen?
     
    Von daher war das Geschwätz von der Unumkehrbarkeit der Währungsunion schon immer ein Glaubenssatz, der das Dasein im Jammertal mit der Hoffnung aufs Paradies versüßen sollte. Und dieses verheißene, aber nie wirklich in Angriff genommene Paradies, das war die alte, schöne Vision eines Europas, das Schritt für Schritt, in einem menschengerechten, also sehr langsamen Tempo, zu einem wirklich - mit Herz und Verstand vereinten Europa wird, statt zu einem idealen Mega-Standort für Global Player.
     
     
    Die Folgen für die nationalen Binnenmärkte:
     
    Zur allgemeinen Überraschung würden sich durch den Verzicht auf den Euro die Binnenmärkte der Einzelstaaten schneller in puncto Prosperität und Beschäftigung angleichen, als es mit dem Euro möglich war.
     
    Eine eigene Währung in eigener Verantwortung zu emittieren und damit an den Devisenmärkten ein Optimum zwischen den Bedürfnissen von Export und Import herbeizuführen, mit dem Ziel ausgeglichener Handelsbilanzen bringt allen Schwachen die Möglichkeit viel mehr für den Binnenmarkt zu tun als unter dem Euro.
     
    So werden in allen ehemaligen schwachen Euro-Ländern die Arbeitslosenzahlen sinken, die Realeinkommen steigen und damit die Steuereinnahmen ebenfalls.
     
    Je stärker ein Land der Euro-Zone war, desto geringer fällt dieser positive Effekt aus,
    in Deutschland wird er sich - bei Beibehaltung der herrschenden Politik - eher sogar ins Gegenteil verkehren. Dass das nicht so sein muss, könnten die Wahlberechtigten bei der nächsten Bundestagswahl zum Ausdruck bringen.
     
     
    Die außenwirtschaftlichen Folgen:
     
    Den Schwachen wird es gelingen, ihre Position auf den Weltmärkten zu verbessern, so wie in Szenario 1 beschrieben.
     
    Die Starken werden einen Teil ihrer Importe preiswerter beziehen können, werden aber das weitere Wachstum eines volkswirtschaftlich unsinnigen Exportüberschusses gegen den wechselkursindizierten Wettbewerbsvorteil der Schwachen aufrecht halten können.
     

    Vermögen, Schulden und Zahlungsbilanz:
     
    Mit der Auflösung der Währung Euro werden sich an den Finanzmärkten erhebliche Verwerfungen ergeben.
     
    Da aber keiner der ehemaligen Euro-Staaten mehr gezwungen ist, sich seine Liquidität von internationalen, so genannten Investoren zu borgen, sondern selbst in der Lage ist, die eigene Währung in der erforderlichen Menge zu emittieren, werden die einzelnen Volkswirtschaften davon nur in dem Maße tangiert, wie ihre Importe die Exporte - gerechnet in Dollar - übersteigen.
     
    Das kann bei den Schwächsten für eine Weile zu Engpässen führen, wird aber, durch die verbesserten Exportchancen - nach einer turbulenten Übergangsphase - überwunden sein.
     
    Einige Länder werden den Gläubigern einen Schuldenschnitt anbieten - und diese werden nach zähen Verhandlungen zustimmen, weil es immer noch besser ist, das Mögliche zu erhalten, statt weiter das Unmögliche zu fordern.
     
    Die Folgen für die Gläubiger, soweit sie in den starken Ländern sitzen, können sich zu
    "Buchverlusten" in mehrstelliger Milliardenhöhe summieren.
     
    Nun zu dem Drohgespenst, das immer wieder an die Wand gemalt wird, es wäre auch die Altersversorgung vieler Bürger betroffen.
     
     
    Was hilft es denn dem deutschen privaten Renten- oder Pensionsfonds, wenn in seinen Büchern uneinbringliche Forderungen stehen? Davon kann er weder Renten noch Pensionen überweisen.
     
    Was hilft es der deutschen Lebensversicherung, wenn in ihren Büchern Schrottpapiere stehen? Die sind so und so nicht zu dem Geld zu machen, das früher einmal ihren Nominalwert darstellte.
     
    Die Verluste, die an die Wand gemalt werden, sind doch längst eingetreten.
    Durch die Auflösung der Währung Euro wird das nur schneller und deutlicher erkennbar.
     
    Geld vermehrt sich nicht.
    Geld arbeitet nicht.
     
    Geld trägt zwar Zinsen, doch die sind, wenn das wirtschaftliche Wachstum mit der exponentiellen Zinseszinsfunktion nicht mithält, eben auch nur wertlose Zahlen in Computern, so wie die Schuldenstände beim endlos gespielten Monopoly.
     
    Das würde mit der Auflösung des Euro offenbar - aber es würde keinen Staat etwas kosten, es sei denn, er geht weiterhin davon aus, er sei zum Vermögenswahrer der
    Gläubiger berufen.
     
     
    Ideal:
     
    Die Auflösung der Währung Euro bringt für alle Mitgliedsstaaten die Befreiung aus dem gemeinsamen Korsett.
     
    Sie bringt zugleich für jeden einzelnen Mitgliedsstaat, eine einzigartige Gelegenheit, sein Geldwesen zu reformieren.
     
    Ideal wäre es, wenn möglichst alle nun von den Zwängen der Märkte befreiten Staaten sich ein Geldwesen verordnen würden, dass die Geldversorgung des Staates und der Realwirtschaft soweit von den Geschäftsbanken unabhängig macht, dass Erpressung durch eine strategisch eingesetzte Kreditklemme nicht mehr möglich ist.
     
    Wie das gestaltet werden könnte, habe ich in der Vergangenheit immer wieder beschrieben.
     
    Eine konsistente Zusammenstellung findet sich in "Band III - Über das Geld" meiner "wahnwitzigen Wirtschaftslehre".
     
    Die "wirtschafts-philosophischen" Grundlagen finden sich in Band II - Globale Konzepte,
     
    und die notwendige Ergänzung einer Reform des Geldwesens durch eine Reform des Eigentumsrechts bilden den Kern von Band IV - Eigentum und Teilhabe.
     
     
    Fazit:
     
    Keines der betrachteten Szenarien bietet Anhaltspunkte dafür, dass eine Veränderung der Euro Zone irgendeinen der beteiligten Staaten oder den wirtschaftenden Subjekten ihre Volkswirtschaften einen Schaden zufügen würde, der über das hinausgeht, was an Schaden bereits angerichtet ist.
     
    Der bereits angerichtete Schaden ist allerdings ein fiktiver Schaden, er bezieht sich ganz überwiegend darauf, dass überbewertete Vermögenspositionen auf ihren realen Wert zurückgeführt, dass also bereits eingetretene Schäden sichtbar werden.
     
    Vermögensverluste, die nur auf dem Papier existieren, haben aber, wenn sie als das genommen werden, was sie sind, nämlich pure Fiktionen, keinen Einfluss auf die Fortexistenz des Leistungsvermögens der Volkswirtschaften.
     
    Derartige "Luft-Vermögen" zu retten ist unsinnig. Und wenn der Unsinn nur beendet werden kann, in dem die Euro-Zone, so wie sie heute existiert, durch den Austritt einzelner Länder verändert oder insgesamt aufgelöst wird, dann ist das das Mittel der Wahl.
     
    Die Fortsetzung jeglicher Art von Euro-Rettung ist nichts als die Aufrechterhaltung eines permanenten Schuldenwachstums im Euro-Raum.
     
    Es ist ein lange nach dem Ende weitergespieltes Monopoly, mit irrwitzigen Schulden, die niemand mehr bezahlen, und irrwitzigen Guthaben, von denen niemand mehr sich etwas kaufen kann.
     
    Es gibt die beschworenen "unabsehbaren" Folgen nicht.
     
    Die Folgen sind absehbar - und sie sind, je nach Szenario, mehr oder weniger positiv.
     
    Jedenfalls dann, wenn man die Mehrung des Nutzens der Völker zum Maßstab nimmt - und ich nehme mir heraus, diesen im Grundgesetz verankerten und im Amtseid zu schwörenden Maßstab einzufordern.
     
    Von der Regierung, die ihn bisher ignoriert.
     
    Vom Parlament, das ihn in großer Mehrheit gerade wieder ignoriert hat,
     
    und
    vom Bundesverfassungsgericht, das als letzte Instanz gefordert ist, die Euro-Rettungsblase mit einem beherzten Nadelstich zum Platzen zu bringen, wenn es verhindern will, dass wir im unauflöslichen ESM-Pakt auf alle Zeiten für die Aufrechterhaltung einer Fiktion bluten müssen.
     
     
     
     
     
     
     

     
     
     
     
     
    Der zweite Sammelband
     
    Paukenschläge
    aus den Jahren
    2009 bis 2011 ist nun lieferbar.
     
    Die Exemplare für die Subskriptionsbesteller
    sind bereits versandt.
     
    Wann erfüllen Sie sich Ihren Wunsch, den besten Paukenschlägen aus den letzten drei Jahren einen Ehrenplatz in Ihrem Bücherregal einzuräumen?
     
     
     
     
     
     
     
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