Paukenschlag
am Donnerstag
No. 23 /2012
14. Juni 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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    Der Tag X
     
    Seit vielen Jahren wird immer wieder die Frage gestellt:
    .
    • Wann ist es so weit?
    • Wann bricht alles zusammen?
    • Wann kommt der Crash?

     

    Letzte Woche kam sie wieder, diese Frage, und zugleich die Bitte, einen Paukenschlag daraus zu machen, in dem nicht nur steht, wann es so weit sein wird, sondern auch, wie man sich am besten darauf vorbereiten könne.
     
    Die andere Frage, die in diesem Zusammenhang auch immer wieder gestellt wird, lautet:
    .
    • Wie lange lassen sich die Menschen das noch gefallen?
    • Wann kommt der Aufstand, der Generalstreik, die Revolution?
     
    Und schlussendlich mag ich auch noch die dritte Frage in den Raum stellen, die in allen möglichen Formulierungen auftaucht, sich aber leicht auf den Punkt bringen lässt:
    .
    • Sind die da oben alle korrupt, oder einfach nur unfähig?
     
     
     
    Auf alle drei Fragestellungen mag ich heute antworten. Denn sie hängen so eng miteinander zusammen, dass sie so wenig unabhängig voneinander betrachtet werden können, wie das Geldsystem und die Eigentumsordnung.
     
    Vorausschicken will ich, dass es sich bei diesen Antworten um nichts als meine persönliche Meinung handelt. Eine Meinung, die sich aus tausenden von Informationen und deren Bewertung herausgebildet hat, eine Meinung, die stark beeinflusst ist von den Antworten, die ich mir auf die Frage: "Wem nützt es?" gebildet habe.
     
    Eine Meinung, die - was die darin enthaltenen Prognosen betrifft - darauf abzielt, von den heute beobachtbaren Geschehnissen über eine möglichst geschlossene und in sich logische Argumentationskette zu einem Ergebnis zu gelangen.
     
    Es ist meine Meinung.
    Eine Meinung, der Sie sich nicht blind anschließen sollten.
     
    Sie haben andere Erfahrungen, andere Kenntnisse, die mir fehlen.
    Sie sind optimistischer oder pessimistischer, Sie glauben an den Sieg der Gerechtigkeit und das Gute im Menschen mehr oder weniger als ich, das ist alles gut, es ist alles kein Grund, für eine hitzige Diskussion.
     
    Meine Absicht ist es, mit diesem Aufsatz zum Nachdenken anzuregen, Sie dazu zu bringen, Ihre Meinung, Ihre Sorgen und Ängste, Ihren Optimismus auf den Prüfstand zu stellen - und darüber mit möglichst vielen Menschen ernsthafte und lösungsorientierte Gespräche zu führen.
    .
    .
        Es ist nicht die Zeit,
         
        sich unter den Menschen guten Willens
        endlos weiter um die Details
        einer unerreichbaren Vollkommenheit
        zu streiten.
         
        Es ist weder die Zeit,
        des erbitterten Rechthaben-Wollens,
        noch die Zeit
        des sorglos unbekümmerten Philosophierens.
         
        Es ist höchste Zeit.

     

     
     
    Höchste Zeit, endlich die Kräfte zu bündeln, statt kräftezehrende Lagerkämpfe zu führen.
     
     
    Divide et impera!
     
    Das ist es, was wir erleben.
     
     
    Das ist die Situation, in die wir hineingetrieben werden, jede Woche ein Stück weiter, im Großen, wie im Kleinen.
     
    Wir werden angehalten, uns zu positionieren, und zwar gegeneinander, nicht gegen die Bedrohung, die uns alle betrifft, sondern jeweils gegen die Vorstellungen aller anderen, die von unserer eigenen Vorstellung abweichen.
     
    Damit werden wir beschäftigt, darin dürfen wir uns austoben und uns dabei insgesamt neutralisieren.
     
    Beispiele?
     
    Die Mitte,
     
    eine wohlig-warme Gemeinschaft selbstgerechter Geister,
    umworben von den Parteien der Mitte,
     
    in sich gespalten
     
    in Konservative,
    Erzkonservative,
    Liberale,
    Soziale und
    Sozialistische.
     
    Die Mitte, ihrerseits in erbitterter Abgrenzung gegen alles, was ihrer Definition
    von Mitte nicht genügt, angefeindet von jenen, die sich von der Mitte ausgeschlossen,
    an die Ränder gedrängt fühlen, nach
     
    links- und rechtsaußen,

    Diese wiederum, in erbitterter Feindschaft alte Fehden aus mehr als hundert Jahren immer wieder neu austragend,
     
    mehr dem Wunsch, endlich zu siegen, geschuldet,
    mehr dem Wunsch, den Gegner endgültig zu schlagen, folgend,
     
    als daran zu denken, die eigenen Ideale aus der Mottenkiste zu holen, sie den Umständen der Zeit anzupassen, und dann nach Gemeinsamkeiten zu suchen, die es wahrhaftig in großer Zahl gibt.
     
    Warum müssen Rechte immer wieder zu provozierenden Demonstrationen aufrufen, warum müssen Linke sich diesen Demonstrationen kampfbereit in den Weg stellen?
     
    Doch nur,
    um der Staatsgewalt Gelegenheit zu geben,
    mal auf diese, mal auf jene einzudreschen,

    um den Medien Gelegenheit zu geben, beide Seiten als Krawallmacher und ewig Gestrige darzustellen
     
    und damit einen Teil der notwendigen Diskussion durch das Aufkleben von
    Etiketten: "Schwarzer Block"," Braune Brut", "Linke Radikalinskis", usw.,
    schlicht und einfach vom Tisch zu wischen.
     
     
    Der Keil, der gerade zwischen
     
    Nord- und Südeuropäer
     
    getrieben wird, mit der Folge, dass Griechen und Deutsche sich gegenseitig als voneinander ausgebeutet wahrnehmen,
    führt dieser Keil hin zur Problemlösung, oder doch eher in die Irre?
     
     
    Der künstlich in die Bevölkerung getragene Hass und Neid zwischen den
     
    Generationen,
     
    gegründet auf der Lüge, die Alten beuteten die Jungen aus, bzw. die Jungen hätten keine Ehrfurcht mehr vor der Lebens- und Aufbauleistung der Alten,
     
    hilft uns das zu erkennen, wer das Rentenproblem geschaffen hat,
    oder lenkt es den Zorn der Gerechten nur auf sich selbst zurück?
     
     
    Die geschönten Statistiken zur
     
    Arbeitslosigkeit,
     
    und die manipulative Berichterstattung darüber, dazu die Propaganda, es fehlte an Fachkräften - und die heuchlerische Klage darüber, ein Großteil der Jugendlichen käme nicht berufstauglich aus den Schulen - zeigt uns das, wo die Schuldigen sitzen, oder werden hier bloß die Opfer stigmatisiert?
     
    Groß aufgemachte Berichte über Sozialschmarotzer, garniert mit zündelnden Worten, wie: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", denen gegenübergestellt der Reichtum und Luxus derjenigen, die sich als wahre Leistungsträger und Eliten feiern lassen, hilft uns das, die strukturellen Probleme unserer Gesellschaft zu erkennen?
     
    Nein, es hat nur zum Ziel, dem Sprichwort: "Jeder ist seines Glückes eigener Schmied", jenen fatalen Sinn zu geben, mit dem zu jenem stetigem Kampf, jeder gegen jeden, harmlos "Wettbewerb" und "Wettbewerbsfähigkeit" genannt, aufgerufen wird, weil es schon immer ein Genuss war, den Gladiatoren in der Arena zuzusehen, wie sie sich gegenseitig auf möglichst spektakuläre Weise umbringen, um am Ende der Lustbarkeit den gnädig erhobenen Daumen derer zu sehen, die ihren Spaß daran hatten.
     
     
    Ich bin mit diesem Aufsatz noch nicht beim Anfang angekommen, und habe schon so viele Worte gemacht, will aber auch noch jene Spaltung erwähnen, die uns vielleicht am längsten und am unsinnigsten prägt, die Spaltung der
     
    Religionen.
     
    So es "einen" Gott gibt,
    so dieser die Welt als seine Schöpfung betrachtet und sie liebt,
    mit allem, was darauf und darin ist,
     
    warum dürfen dann jene Menschen, die seinen Willen erfüllen wollen,
    dies nicht gemeinsam tun?
     
    Warum sind Kleinigkeiten in der Auslegung uralter, vielfach fehlübersetzter Texte Grund genug, die Menschheit in mehr oder minder fanatische Gruppen und Abspaltungen zu teilen und sie mit mehr oder minder psychischer und physischer Gewalt aufeinander zu hetzen?
     
    Warum können, warum dürfen (!), die Menschen, die doch alle nur ihr kleines Glück in der Familie, die Erfüllung im Beruf und vielleicht die Möglichkeit suchen, ein bedeutsames Werk zu hinterlassen,
     
    warum dürfen sie dies nicht - jeder für sich - auf die Weise tun, die sie für richtig und angemessen erachten?
     
     
    Divide et impera!
    Teile und herrsche.
     
    Und da, wo sich dieses Geteilt-Sein abgeflacht hat, wo es die Betroffenen ermüdet hat, wo man beschlossen hat, nicht mehr mitzumachen, entfaltet es immer noch eine nachhaltige Spätwirkung.
     
    Der Mensch ist der Auseinandersetzung müde, mag nur noch seine Ruhe, zieht sich zurück, richtet sich ein, bringt Mitläufertum oder Null-Bock-Generationen hervor, ist frustriert von ewigen, ergebnislosen, kräftezehrenden Kämpfen und lässt nicht nur den lieben Gott einen guten Mann sein, sondern auch "die da oben" machen, was sie wollen, weil sie ja sowieso machen, was sie wollen.
     
    Der Nichtwähler tritt auf die Bühne, hat wohl hie und da auch seine Meinung, ist es aber überdrüssig sie zu sagen, weil sie ungehört bleibt oder ihm - in der Einsicht in die Unerreichbarkeit seiner Vorstellungen - schlicht die Luft wegbleibt.
     
    Eine dumpfe Masse abgestumpften Volkes, von Bild, BamS und Glotze mit Stimmungen gefüttert, die anschließend von Demoskopen wieder als Volkesmeinung abgefragt und in legitimierte Politik umgesetzt werden, das ist das Ideal jedes Herrschenden, das gibt ihm die Freiheit, seine eigenen Vorstellungen auszuleben, das ist ein Zustand, der - einmal erreicht - nie wieder anders werden darf.
     
    Und so keimt mitten im angestrebten Ideal auf einmal die nackte Angst auf.
     
    Was, wenn da unter den Millionen doch einer ist,
    wenn sich Gruppen bilden, die im Geheimen agitieren,
    aufstacheln, Änderungen fordern?
     
    Was, wenn da ein unentdeckter Funke, angefacht vom Windhauch der Geschichte, plötzlich zur hellen Flamme wird und das ganze korrupte, ausgetrocknete System der Herrschaft in Brand zu setzen droht?

    Je ungerechter eine Gesellschaft konstruiert ist, desto stärker bedarf sie der Kontrolle und Überwachung, der Denunzianten und der Repression, um die Herrschaft zu erhalten.
    Und das ist nicht nur in Diktaturen, in Feudalsystemen, in Monarchien so, sondern auch in Republiken und Demokratien.
     
    So wird die Angst der Nutznießer in eine allgemeine Angst umgewandelt, die sich lähmend übers Land legt.
     
    Und je weniger die Menschen wagen, sich öffentlich zu äußern, sich zurückziehen in ihre Häuser und Freundeskreise,
     
    desto größer wird die Angst,
    da könne sich irgendwo etwas Bedrohliches zusammenbrauen,
     
    desto ausgefeilter,
    rücksichtsloser und totaler wird der Überwachungsstaat ausgebaut.
     
    Irgendwann erscheint dann selbst die hochgerüstetste Polizei als nicht mehr ausreichend. Richtige Soldaten müssen her, mit schweren Waffen, und auf alles schießen, was sich aus den Löchern wagt.
     
    So hat man Aufstände noch immer niedergehalten - und zugleich die Rechtfertigung für noch härtere Repression, für Folter, für Staatsmord ohne Gerichtsurteil und für die Einebnung ganzer Stadtviertel und Ortschaften gefunden.
     
    Die Geschichtsbücher sind voll davon.

    Und das aktuelle Zeitgeschehen kann da nur mit den Worten:
     
    "Wer Augen hat, zu sehen, der sehe.
    Wer Ohren hat, zu hören, der höre!",
     
    zur aufmerksamen Betrachtung empfohlen werden.
    Alles nur wenige Flugstunden weg.
     
    Die Welt ist klein.
     
     
     
     
    Wird es also einen Aufstand, eine Erhebung, einen Umsturz, eine Revolution geben, in Deutschland?
     
    Meine Antwort ist "nein",
    und einschränkend mag ich hinzufügen, "nicht, bevor alles zu spät ist".
     
     
    Ganz Rechte und ganz Linke hat man im Griff.
     
    Ich will nicht behaupten, dass sie in allen ihren Aktivitäten letztlich durch Unterwanderung der Geheimdienste längst vollkommen fremdgesteuert sind, aber doch so weit, dass über jedem Anlauf, eine solche Partei per höchstrichterlicher Entscheidung aufzulösen, das Damoklesschwert der Offenbarung des eigenen Einflusses hängt,
     
    zumindest so weit, dass man über jeden Plan, jede Zielsetzung genauestens im Bilde - und zugleich in der Lage ist, die Ausführung genau so weit zuzulassen, wie dies zur Aufrechterhaltung des Stimmungsbildes der Restbevölkerung erwünscht ist.
     
    Wer von NPD, DVU und anderen braunen Gruppierungen den auslösenden Funken erwartet, wird lange warten müssen,
     
    ebenso wie diejenigen, die meinen, es könnte ein ausreichend starker Impuls aus der Ecke kommen, wo sich extreme marxistisch-leninistisch-kommunistisch-maoistische Häuflein zusammenrotten, um der Reinheit ihrer Ideologie zu frönen.
     
     
    Und dabei sind das diejenigen, die immer noch wissen, dass und wie sie beobachtet werden, die sich aller möglichen konspirativen Techniken bedienen, um möglichst viel geheim zu halten, doch es hilft wenig.
     
     

    Diejenigen, die den Wandel, der sich in unserer Gesellschaft seit dreißig Jahren mit wachsendem Tempo vollzieht am stärksten am eigenen Leibe spüren,
     
    die Arbeitslosen, die Hilfeempfänger, die Altersarmen,
     
    die sind alle viel zu viel mit dem eigenen Überleben beschäftigt, stehen unter der Totalkontrolle der Argen und Job-Center, dürfen sich von ihrem Wohnort nur mit Erlaubnis entfernen, weil sich ihr Fallmanager sonst um ihr Wohlergehen und ihre Arbeitsbereitschaft sorgen müsste, und so überlegen sie sich dreimal, wofür sie die Almosen ausgeben, die man ihnen zubilligt, und gehen dann kilometerweit von Sonderangebot zu Sonderangebot, bis zum Ende des Geldes.
     
    Da bleibt für alles, was man bräuchte, um sich zu organisieren, nichts übrig,
    nicht einmal Zeit.
     
    Wer also erwartet, es käme zu einem Aufstand der ausgemusterten Sklaven,
    der wird lange warten können.
     
     
    Und der große Rest?
     
    Sehen wir uns doch um.
     
    Der große Rest ist entweder damit beschäftigt, im "Wettbewerb" - jeder gegen jeden - das eigene Abrutschen so lange wie möglich hinauszuzögern, oder damit, sich im Lichte des eigenen Wohlstands zu sonnen und sich, ganz im Sinne der Propaganda, für gut, für sehr gut, für besser, für den schönsten aller "Eliteriche" zu halten.
     
    Ein Großteil davon geht wählen,
    damit alles bleibt, wie es ist.

    Ein anderer Teil geht nicht wählen,
    weil sowieso alles bleibt, wie es ist.
     
    Viele zahlen Mitgliedsbeiträge an den ADAC, ohne je auch nur in die Nähe eines beschlussfassenden Gremiums zu kommen,
    andere zahlen an den DFB,
     
    immer weniger zahlen Gewerkschaftsbeiträge,
     
    ein paar unterstützen mit ihren Mitgliedsbeiträgen
    politische Parteien aus dem "wählbaren" Spektrum.
     
    Aus. Ende. Amen.
     
    Da geht nichts.
    Da ist nichts zu erwarten.
     
     
    Und es ist gut, dass kein blutiger Aufstand zu erwarten ist.

    Schlecht ist, dass es für friedliche Formen des Systemwandels keine Hoffnung gibt.
    Was da aufkeimt, wird totgeschwiegen,
    durch massenhafte Propaganda schlicht niedergedrückt,
    der öffentlichen Wahrnehmung entzogen,
    zur Not lächerlich gemacht,
    oder gleich in jene Ecke geschoben,
    in der alles angewidert zur Schau gestellt wird, was "pfui" ist.
     
    Das geht ganz fix.
     
    Und dann darf Herr Sarrazin wieder ein Buch schreiben,
    in dem er ein bisschen von einer Stimmung aufnimmt,
    und darf dafür öffentlich abgewatscht werden,
    damit auch jeder weiß,
    wo die Grenze liegt,
    zwischen dem,
    was in diesem Lande gedacht werden darf,
    und was nicht.
     
    Es ist so einfach.
     
     
     
    Damit scheint die Antwort auf jene andere Frage:
     
    "Sind die korrupt oder unfähig",
     
    schon gegeben zu sein.
     
     
    Wenn das alles, so wie vorher beschrieben, geplant und beabsichtigt ist, dann kann es doch gar nicht anders sein, dann müssen sie korrupt sein.
     
    Wären sie nur unfähig, könnte das nicht gelingen.
     
     
    Das ist mir allerdings zu holzschnittartig gedacht, typisch schwarz-weiß, ohne jeden Grauton, da kommt schon wieder dieses Divide et impera zum Vorschein. Je krasser die Gegensätze gemalt werden, desto leichter kann man die Anhänger unterschiedlicher Meinungen auseinander halten und aufeinander hetzen.
     
    Nein.
    .
        Sie sind nicht alle korrupt.
        Sie sind nicht alle unfähig.

     

    Ich unterstelle, die meisten halten das, was sie sagen, beschließen und tun, für das einzige, was sie nach bestem Wissen und Gewissen, unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände, in der Lage sind, zu sagen, zu beschließen und zu tun.
     
    Natürlich gibt es unter 1000 Politikern sicherlich auch einen oder zwei abgefeimte Schurken.
     
    Natürlich gibt es unter 1000 Politikern sicherlich auch einen oder zwei, die wirklich nicht die notwendigen geistigen Voraussetzungen für das mitbringen, wofür sie gewählt wurden.
     
    Das ist normal, das ist menschlich, das wäre nur dann gefährlich, wenn eine von diesen Ausnahmefiguren durch einen sonderbaren Umstand in die Lage käme, über die Richtlinien der Politik zu bestimmen. Ansonsten darf man ruhig auch hier von einem Selbstreinigungsprozess ausgehen. Wenn sich auch Krähen untereinander kein Auge aushacken, wer ihnen, als Gemeinschaft gefährlich werden könnte, den jagen auch Krähen aus ihrem Schwarm.
     
     
    Die Ursache ist viel trivialer.
     
    Im Bereich der Technik heißt es:
    .
          Komplexe Systeme neigen dazu,
          an ihrer eigenen Komplexität zu kollabieren.
     
     
    Ich habe das hautnah miterlebt.
     
    In den frühen 80er Jahren entwickelte Siemens das digitale Telefonsystem EWSD, das wir heute noch als ISDN kennen und benutzen. Ich war als Projektmanager für den Softwarebereich fast von Anfang an dabei und habe ein bisschen dazu beigetragen, dass das erste Ortsamt dieser Technologie (Sunninghill Park, hieß es) pünktlich in Südafrika aufgebaut und einige Monate nach der offiziellen Einweihung auch wirklich in Betrieb gehen konnte.
     
    Neben der reinen Telefonietechnik, also der Fähigkeit, Gespräche von einem A-Teilnehmer zum richtigen B-Teilnehmer durchzuschalten, dabei Gebühren zu erfassen, die Belastung des Netzes zu messen und darauf entsprechend zu reagieren, neben der Wartungstechnik, die z. B. das Einrichten neuer Anschlüsse ermöglicht, gab es da auch die so genannte "Sicherheitstechnik". Ein Selbstüberwachungssystem für Hard- und Software, das Ausfälle von Baugruppen, wie auch sich aufhängende Software-Module erkennen und über abgestufte Schritte, bis hin zum totalen Neustart des gesamten Amtes, die notwendigen Korrekturmaßnahmen automatisch auslösen sollte, um die dem Kunden zugesagte hohe Betriebssicherheit mit ganz minimalen Ausfallzeiten zu garantieren.
     
    Nun, das war der Grad an Komplexität,
    der das System regelmäßig zum kollabieren brachte.
     

    Es war sicherer, die Anlage mit deaktivierter, noch besser, mit gar nicht installierter Sicherheitstechnik in Betrieb zu nehmen, als die Sicherheitstechnik zu aktivieren.
     
    Gut, auch das hat man mit der Zeit zu beherrschen gelernt - doch genau dieses Problem taucht in allen komplexen Systemen in der einen oder anderen Form immer wieder auf, bis das System ausgereift - und damit in der Regel vom Fortschritt der Technik schon wieder überholt ist.
     
    Dass ich meine Rolle als Projektmanager hier erwähne, hat jedoch noch einen anderen Grund.
     
    Um überhaupt herausfinden zu können, was in diesem System funktioniert und was nicht, welche Störungen durch welches Subsystem ausgelöst wurden, welche Folgen dies für die Gesamtfunktion hatte, stand ich vor der Wahl,
    .
    entweder Tonnen von Spezifikationen zu lesen (und damit habe ich mich auch eine Zeitlang herumgeschlagen),
     
    oder mich einfach gutgläubig auf das einzulassen,
    was mir die Spezialisten dazu erzählen.

     

    Es waren ungefähr 2000 Softwareentwickler beteiligt, etwa ein Drittel davon in Boca Raton, Florida, einige hundert in Wien, der große Rest in München.
     
    Unmöglich, im Augenblick des Auftretens eines gravierenden Problems mit dem Entwickler Kontakt aufzunehmen, der jene paar Zeilen Code geschrieben hatte, die das Problem auslösten - zumeist wurde selbst das erst sehr viel später herausgefunden.
     
    Mit wem sprach ich also?
    Worauf stützte ich meine Meinung, meine Entscheidungen ab?
     
    Das waren vielleicht zwei Dutzend Menschen, die Vorgesetzten der Vorgesetzten derjenigen, die sich im Detail auskannten.
     
    Was bei mir ankam, waren stark gefilterte Informationen, zumeist auch noch möglichst positiv gefärbt, gemischt mit Mutmaßungen darüber, wo die Ursache liegen könnte (überall, nur nicht bei mir),
     
    und diese Informationen bezogen sich auch nicht auf Details, sondern auf ganze Pakete von Programm-Modulen, von denen auch ich nur ungefähr wusste, wie sie im
    "Gut-Fall" auf den Input, den sie im "Gut-Fall" bekommen sollten, mit ihrem spezifischen Output zu reagieren hatten.
     
    Da wird man pragmatisch,
     
    trifft Entscheidungen aufgrund von Empfehlungen,
    aufgrund von Meinungsbildungen über Wahrscheinlichkeiten,
    die in großen Besprechungsrunden entstehen,
    denkt am Ende nicht mehr daran, was der Kunde eigentlich wollte,
    sondern nur noch daran, wie man zum geforderten Termin mit einer Anlage beim Kunden antritt, der nicht auf den ersten Blick anzusehen ist,
    welche Macken da noch drin stecken,
     
    und man denkt schon darüber nach,
    auf welche Weise es gelingen könnte,
    zwangsläufig auftauchende Fehler "argumentativ" zu überspielen …
     
    Alles richtig machen zu wollen, ein perfektes Produkt auszuliefern und in Betrieb zu nehmen, hätte bedeutet, den Auftrag wegen unerträglicher Terminüberschreitung wieder abgeben zu müssen.
     
    Und, was noch hinzukommt:
     
    Viele Fehler und Macken wurden überhaupt erst dadurch gefunden und konnten nur dadurch behoben werden, dass die Anlage im realen Betrieb zeigen musste, was sie konnte.
     
    Testumgebungen, so ausgefeilt sie auch immer sein mögen, bringen nur die Fehler ans Licht, an die man vorher gedacht hat …
     
     
    So,
     
    und nun stelle ich mir Angela Merkel vor,
     
    jene Frau, die mit ihrer Politik die Lebensumstände von rund 80 Millionen Deutschen zu gestalten hat, die zudem in Europa und in der gesamten westlichen Welt als einflussreiche Stimme gilt und ihre außenpolitischen Entscheidungen stets im Einklang mit der innenpolitischen Entwicklung halten sollte.
     
    Ein einzelner Mensch,
     
    der einer ganzen hochkomplexen Welt voller Probleme gegenübersteht, deren Ursachen nur selten im Bereich der Physik liegen, dem einzigen Fach, in dem sie zum Zeitpunkt ihres Studiums auf der Höhe der Kunst gewesen sein mag.
     
    Was bleibt ihr anderes übrig, als sich auf den Rat eines kleinen Kreises von Experten zurückzuziehen, Probleme nur noch als Überschriften wahrzunehmen, ihr ganzes Regieren als das Unterfangen anzusehen, eine gigantische "Black-Box" voller unbekannter Vorgänge, möglichst ohne großen Schaden anzurichten, über die Legislatur zu bringen und dabei so lange an den wenigen ihr zugänglichen Schrauben zu drehen, bis vorne herauskommt, was erwartet wird, obwohl das, was hinten hineingeschoben wird, vollständig außer Kontrolle, ja außerhalb des Sichtfeldes liegt.
     
    Es ist leicht, jemandem Unfähigkeit vorzuwerfen, es ist leicht, Unwissen aufzudecken, das kann jeder, der sich irgendwo einmal ein Häufchen Fachwissen angeeignet hat, doch es ist unendlich schwer, die Rolle des Generalisten, die vom deutschen Bundeskanzler gefordert wird, so auszufüllen, dass am Ende das herauskommt, was er beim Ablegen des Amtseides geschworen hat.
     
    Die Fähigkeiten, die dafür gefordert werden, liegen darin,
    .
    • die richtigen Berater auszuwählen,
    • eigene Ziele zu formulieren und richtig zu kommunizieren.
    • Sie liegen darin, andere Menschen begeistern, inspirieren und motivieren zu können.
    • Sie liegen darin, zu ermöglichen, dass sich möglichst vieles, von dem Guten, das vorhanden ist, entfalten kann,
    • und sie liegen darin, auch aus dem Bauch heraus ganz früh zu erkennen, welcher Weg aussichtsreich und welcher Weg eher gefährlich und chancenlos ist.

     

     
    Diese Fähigkeiten zu entwickeln, erfordert die Möglichkeit,
    auf dem Weg zur Meisterschaft
    möglichst viele Fehler machen zu können und daraus zu lernen.
     
    Und genau das ist in unserer Kultur nicht mehr vorhanden.
     
    Oft genügt ein einziger Fehler, um in diesem Kampf, jeder gegen jeden, für lange Zeit auf der Ersatzbank sitzen zu müssen.
     
    Die Lösung, die allgemein die besten Aussichten bietet, diesem Schicksal zu entgehen, heißt:
    .
    • möglichst nie so konkret werden, dass einen eine Schuldzuweisung tatsächlich treffen könnte, und
    • Fehler niemals zugeben.
     
     
    Das wiederum führt dazu, dass Fehlentwicklungen nicht gestoppt, sondern in sturem Beharren weitergeführt, ja noch ausgeweitet werden müssen. Hat ein Löffel Salz nicht genügt, um den Kaffee zu süßen, dann nehmen wir eben noch einen zweiten, und im Zweifelsfall probieren wir es am Ende mit einem ganzen Pfund.
     
    Dass man eigentlich Zucker hätte nehmen sollen, das zuzugeben, hätte nur Hohn und Spott zur Folge - und das vorzeitige Ausscheiden, aus einem Rennen, bei dem es letztlich um überhaupt nichts geht.
     
    Um nichts, als um das eigene Ego.

    Hätte ein Spitzenpolitiker tatsächlich mehr zu fürchten, als im schlimmsten Falle erklären zu müssen: "Ich trete zurück", wir hätten womöglich Politiker, die leichter vom falschen auf das richtige Gleis wechseln könnten.
     
    Doch worin sollte eine Strafe für schädliche Politik bestehen?
     
    Das private Eigentum als Pfand nehmen?
     
    Wo ist so viel?
     
    Wenn es bei der Euro-Rettung um Billionen geht,
    wer kann dafür noch mit Häuschen und Bankkonto
    hinreichend in Haftung genommen werden?
     
    Drakonische Strafen? Gefängnis, Zuchthaus, Zwangsarbeit, Todesstrafe?
     
    Wem hilft das?
     
    Kluge Köpfe lassen die Finger von solchen Himmelfahrtskommandos.
     
    Es bliebe also nur der andere Weg:
     
    Die gesamtgesellschaftliche Abkehr von permanenter, boshafter Kritik, hin zu einer Fehlerkultur, die in jedem gemachten Fehler die Chance sieht, diesen nicht mehr wiederholen zu müssen.
     
    Die Abkehr von Konkurrenzdenken und Futterneid, hin zu einem wahren Miteinander,
    die Abkehr von Schwindel und Lüge, hin zu Offenheit
    und zu dem Mut, um Nachsicht und Hilfe zu bitten.
     
    Doch so weit ist die Menschheit insgesamt noch nicht.
     
    So weit ist Europa nicht,
    so weit ist Deutschland nicht,
    so weit ist kein Bundesland,
    so weit ist kaum eine Gemeinde.
     
    Ansätze im Kleinen gibt es überall. Viele Familien funktionieren so, Freundeskreise,
    auch manche Gruppen von Arbeitskollegen, Teams, Forschungsgruppen, Tauschkreise - doch sobald der Kreis größer wird, ist unser Handeln von Misstrauen begleitet, oft auch von Missgunst, und der Teufelskreis findet neue Nahrung.
     
    Wir haben also genau die Politiker,
    die unserem gesamtgesellschaftlichen Entwicklungsstand entsprechen.
     
    Sie sind weder alle korrupt, noch alle unfähig Sie tun das, was sie können, auf der Basis der Informationen, die sie erhalten, und sie reden und handeln so, dass ihnen möglichst nie ein Fehler nachgewiesen werden kann.
     
    Und wenn doch, dann werden sie nicht müde, darauf zu beharren, es sei kein Fehler gewesen, es habe an der zögerlichen Umsetzung, an zu wenigen Mitteln, an zu vielen Änderungen und Korrekturen, auf die man sich habe einlassen müssen, um die notwendige Zustimmung der Opposition zu erhalten, gelegen, nur nicht am eigenen Denken, an der eigenen Entscheidung, am eigenen Tun.
     
    Und wir haben Politiker,
    .
    • die kaum in der Lage sind, zu begeistern, zu inspirieren, zu motivieren,
    • die kaum in der Lage sind, die richtigen Berater auszuwählen,
    • die sich scheuen, eigene Ziele konkret zu formulieren und ausführlich zu kommunizieren,
    • die kaum in der Lage sind zu ermöglichen, dass möglichst vieles, von dem Guten, das vorhanden ist, sich entfaltet,
    • die zwar vielleicht in der Lage sind, frühzeitig aus dem Bauch heraus zu erkennen, welcher Weg aussichtsreich und welcher Weg eher gefährlich und chancenlos ist,
    • die aber dennoch den einmal eingeschlagenen Weg so lange zwanghaft weitergehen müssen, wie sie im Amt sind,
    .
    weil ihre größte Furcht darin besteht, eines Fehlers überführt zu werden.

     

     

    Wenn wir also auf dem Weg in den Crash sind, und das sind wir ohne Frage, wird es mit den jetzt Regierenden nicht gelingen, einen anderen Weg zu beschreiten, bevor nicht das Ziel erreicht ist.
     
     
    Und weil unsere Opposition ebenfalls keine Fehler machen darf, also das von den Experten und Beratern für richtig Gehaltene, mangels eigener Fachkenntnis nicht bezweifeln darf, wird daran auch ein Regierungswechsel, mit der SPD an der Spitze nichts ändern, egal, ob dabei die FDP oder die Grünen oder FDP und Grüne mit an Bord sind.
     
    Selbst die Regierungsbeteiligung der Piraten oder der Linken würde daran - außer Marginalien - nichts ändern.
     
     
    Wann also kommt der Crash?
     
    Welcher Tag der Zukunft wird als der Tag X in die Geschichte eingehen?
     
     
    Ich halte diese Fragestellung inzwischen für falsch.
     
    Wir befinden uns auf einem abschüssigen Gleis. Es ist nicht mehr feststellbar, wann wir die letzte Weiche passiert haben, die uns noch einmal in die Waagrechte oder gar auf einen Aufstieg hin geführt hätte.
     
    Begonnen hat die Entwicklung in der Zeit, als die Sowjet-Union zerbrach, als die DDR der Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist, als Bundeskanzler Kohl den Mantel der Geschichte überzog und im Freudentaumel von blühenden Landschaften sprach, zugleich die Treuhand einsetzte, um die DDR dem westlichen Kapital zu unterwerfen und das produktivste Land des Ostblocks in eine Industriebrache umzugestalten.
     
    Auch Kohl musste sich auf Berater abstützen, durfte keine Fehler machen und schon gar keine zugeben - und Oskar Lafontaine lieferte ihm mit seinen Bedenken die Steilvorlage, erst recht alles so zu machen, wie es im konservativen Dunstkreis für richtig gehalten wurde, die DM sofort und uneingeschränkt einzuführen, Löhne und Gehälter jedoch unter Westniveau zu drücken und mit dem Solidarpakt Steuergelder West in oft sinnlose Prestigeobjekte Ost zu stecken, Gelder, die dann im wesentlichen wieder Investoren und Unternehmern West zugute kamen.
     
    Es folgte zweifellos als nächster Schritt die Einführung des Euros. Ohne jegliche wirtschaftliche Notwendigkeit, der Wunschvorstellung anhängend, die gemeinsame Währung würde schon dafür sorgen, dass in ganz Europa alles gut wird, gegen alle Bedenken ob der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unterschiede, gegen alle schon damals vorgetragenen Szenarien einer Entwicklung, wie sie durch die Wegnahme des Instruments der Währungssouveränität zwangsläufig in Erscheinung treten müssten.
     
     
    Danach kam Peter Hartz, in Kumpanei mit der Bertelsmann-Stiftung, auf die Idee, Gerhard Schröder die Agenda 2010 und seine Module zur Halbierung der Arbeitslosigkeit zu offerieren. Der Sozialabbau ging seinen Gang, und geht ihn immer noch, Deutschlands dadurch gestärkte internationale Wettbewerbsfähigkeit machte die Euro-Zone brüchig wie den Oberschenkelhals einer neunundneunzigjährigen Greisin.
     
    Die gleichzeitig beschlossenen Erleichterungen für den freien Fluss des Kapitals, die bedingungslose Öffnung für die Globalisierung und die rigorose Deregulierung des Finanzsektors öffneten die Tore, so wie weiland Troja seine Tore einriss, um das hölzerne Pferd voller gegnerischer Soldaten gegen die Warnungen Kassandras und Laokoons im Triumphzug in die Stadt zu führen.
     

    Um im Bild zu bleiben:
     
    Die Soldaten sind längst aus dem Bauch des trojanischen Pferdes heraus. Die Grenzen der Nationalstaaten wurden in internationalen Abkommen geschleift, die Aufgabe der Souveränität steht - in harmloser Umschreibung - inzwischen als Staatsziel im Grundgesetz. Das Oberste Gericht steht nicht mehr zur Bundesrepublik, sondern zur "Weiterentwicklung" Europas, und derweil schleifen die Plünderer und Brandschatzer ungehindert von jeglicher Gegenwehr ganz Europa.
     
    Wir haben sie hereingelassen, waren besoffen vor Freude, endlich auch im großen Spiel mitspielen zu dürfen, und schauen nun an die Fassaden der Unternehmen, mit (einst) deutschem Namen und sehen dahinter die ausländischen Anteilseigner.
    Es gibt keine Bundespost mehr, sondern einen international agierenden Konzern der Briefe und Pakete befördert und daneben eine Telekom, die sich einen Dreck darum schert, ob auch die Bürger auf dem flachen Land über schnelle Breitbandnetze ins Internet kommen, solange dies weder Aktienkurs noch Jahresgewinn nach oben treibt.
    Wir haben eine privatisierte Bahn, noch im Bundesbesitz, aber dabei, sich aller unrentablen Strecken und Dienste zu entledigen, um attraktiv für die "Investoren" zu werden.
     
    Wir stehen in Abhängigkeit von vier Elektrizitätskonzernen und deren Töchtern, die ihre Preise nach Belieben festlegen und gegen die Bundesnetzagentur klagen - und Recht bekommen - wenn etwas ihrem Gewinnstreben entgegensteht.
     
     
    Und wir haben diese Banken.
     
    Banken, die als systemrelevant eingestuft werden, weil wir nicht wissen, wo das Geld herkommen soll, wenn es die Banken nicht beschaffen.
     
    Wir hatten diese Banken, die jahrzehntelang als Blue Chips an den Börsen gehandelt wurden und den Anlegern fette Dividenden einbrachten, auch dann noch, als die ausgewiesenen Gewinne nur noch ausgewiesen werden konnten, weil die Aktiva maßlos überbewertet wurde,
     
    und wir haben ihnen gestattet, um sie zu erhalten,
    in der Bewertung ihrer Aktiva noch großzügiger zu werden und weiter Gewinne auszuschütten,
     
    weil niemand zugebend durfte, dass es ein Fehler war,
    die Herrschaft über das eigene Geld aufzugeben,
     
    dass es ein Fehler war, der Bundesbank nicht länger zu gestatten,
    per Ankauf von Staatsanleihen den Staat zu finanzieren,
     
    weil niemand zugeben durfte, dass es ein Fehler war,
    die komplette Geldschöpfung ausschließlich in die Hände privater Banken und deren Eigentümer zu legen.
     
    So haben also die Staaten ihre (?) Banken gestützt und sind damit selbst immer tiefer in die Schuldenfalle geraten, teils mit echten Schulden, teils mit Bürgschaften.
     
    (Und just am Wochenende haben die europäischen Finanzminister in einer gemeinsamen Aktion Spanien dazu überredet - ja, anders kann man das kaum nennen - Hilfen für die spanischen Banken anzufordern, 100 Milliarden, mal eben so.)
     
    Im Augenblick sind wir dabei, nicht mehr nur Banken, sondern Staaten und Banken zu retten, in der aberwitzigen Hoffnung,
     
    dadurch, dass wir uns Geld leihen, und es den Geldgebern der Schuldner, von denen wir es uns leihen, auch gleich wieder zurückgeben,
     
    könnten die rührselig werden und die Zinsen senken.
     
    Dieser Krug wird so lange zum Brunnen gehen, bis er bricht.
     
    Von Seiten der globalen Finanzwirtschaft besteht immer noch Interesse, die Staaten der Euro-Zone insgesamt noch tiefer in die Schulden zu treiben, um immer weiter wachsende Ansprüche gegen die Völker und die Volkswirtschaften zu gewinnen.
     
    Und es besteht kaum ein Interesse, diese Ansprüche durch Inflation entwerten zu lassen.
    Deshalb findet fast nichts von den Abermilliarden, die inzwischen in den Markt geworfen wurden - und das nicht nur in Europa! - seinen Weg in die Realwirtschaft.
     
    Im Gegenteil, dort werden die Sparzwänge immer härter, es fehlt an Steuer- und Beitragseinnahmen, und dass Deutschlands Steuerschätzer für Deutschland wieder einmal ein Plus ausgemacht haben, ändert am Gesamtbild nichts. Es zeigt nur, dass es in Deutschland noch ausbeutbare Reserven gibt, was den Druck auf Deutschland, sich den Eurobonds nicht länger entgegen zu stellen, in Erwartung eines einträglichen Raubzuges nur immer weiter erhöht, obwohl spätestens mit der Ratifizierung der ESM-Gründung sowieso keinerlei Hindernis besteht, von Deutschland abzufordern, was immer gewünscht wird.
     
    Ich habe schon früher des öfteren das Bild des Drachen gezeichnet, dem in regelmäßigen Abständen Opfer gebracht werden, damit er friedlich bleibt.
     
    Nun, das hat dem Drachen gut getan.
     
    Er hat Gesellschaft bekommen. Von überall auf der Welt sind uns neue Drachen zugeflogen, und mit der Zahl der gierigen Mäuler steigen auch die Anforderungen an Qualität und Quantität der Opfergaben.
     
    Es wäre aber ein Fehler, zuzugeben, einen Fehler gemacht zu haben, als niemand wagte, den ersten Drachen zu töten.
     
    Es ist doch all die Jahre gutgegangen. Wir hatten uns perfekt mit dem Drachen arrangiert. Der Drache hatte sein Opfer und wir unsere Ruhe.
     
    Alles rein quantitativ - an der bestehenden und gewohnten Ordnung ändert sich doch nichts.
     
    Jetzt müssen wir halt ein bisschen mehr Opfer bringen, mehr Drachen durchfüttern, das schaffen wir schon, vor allem wenn wir alle fest zusammenhalten, Wachstum über steigende Wettbewerbsfähigkeit generieren, und uns in europäischer Solidarität üben.
     
    Was hat das Füttern des Drachens mit europäischer Solidarität zu tun,
    frage ich mich an dieser Stelle.
     
    Ist es solidarisch, sich gemeinsam dem Schrecken ohne Ende hinzugeben?
     
     
    Solange niemand den Mut findet, die paar Drachen zu köpfen,
    ist das tatsächlich die Solidarität der Wahl.
    Ja.
     
    Noch gilt es als Fehler, zu behaupten, die Drachen seien leicht zu besiegen, man müsse es einfach nur einmal wagen.
     
    Gut, sie würden eine Weile noch um sich schlagen, Feuer speien, es würde Opfer kosten - doch danach hätte man seine Ruhe …
     
    Zu viele haben es sich mit den Drachen gut eingerichtet. Haben sich arrangiert, beziehen ihre Macht sogar daraus, damit drohen zu können: Wer nicht spurt, wird den Drachen zum Fraß vorgeworfen.
     
    Oh ja: "Lasst euch ohne Murren die Löhne senken, oder ihr fallt in Hartz IV", so einfach ist das heute.
     
    Und von ganz oben heißt es - sehr viel feinfühliger:
     
    "Wir fordern Augenmaß von den Tarifparteien",
     
    und hat doch die ganz und gar gleiche Bedeutung.
     
     
     
    Und so werden wir weiter opfern.
     
    Es wird auch weiter eine Einkommenspyramide unter den Beschäftigten geben, sonst stürbe ja der Wettbewerb, jeder gegen jeden. Doch das Niveau wird weiter sinken.
     
    Wer sagt denn, dass der Lebensstandard in Deutschland höher sein muss
    als der in China?
     
     
     
    Wir haben nach dem Krieg das Wirtschaftswunder erlebt, einen Aufschwung hingelegt, wie im Bilderbuch, doch jetzt ist der Zenit überstiegen. Im gesättigten Markt sind zusätzliche Gewinne ein Nullsummenspiel.
     
    Also kommt jetzt die Schraubzwinge "Schulden und Zinslast" dran. Die führt zur freiwilligen Selbstbeschränkung, wir sind zufrieden, mit dem, was die Drachen übrig lassen.
     
    Wir hungern ein bisschen, vielleicht,
    wir arbeiten mehr, so wir Arbeit haben,
    nehmen seltener Urlaub,
    sterben wieder ein bisschen früher
    und gehen vorher weniger zum Arzt.
     
    Alles für die Drachen.
    Als Dank, dass sie uns überhaupt am Leben lassen.
     
    Es gibt so viele Länder auf dieser Welt, deren Bevölkerung auf sehr viel niedrigerem Niveau lebt. An denen dürfen wir uns ein Beispiel nehmen. Als das begann, Ende der 70er Jahre, sollten wir von der Bescheidenheit der Japaner lernen - die Älteren erinnern sich noch daran.
     
    Die Talfahrt geht weiter. Es braucht keinen Crash.

    Die Trennung zwischen Arm und Reich strebt der Vollendung entgegen.
    Die Mittelschicht trocknet aus - und die Krähen oben scheinen sich geschworen zu haben, sich gegenseitig kein Auge auszuhacken, diesmal.
     
    Es sind ja auch gar nicht so viele.
    Vor kurzem gab es die Meldung, dass kaum mehr als 100 Aktiengesellschaften,
    die meisten davon Banken, die Welt beherrschen.
     
    Solange die Drachen gefüttert werden, brauchen sie sich untereinander nicht zerfleischen. So einfach ist das.
     
    Und solange es offizielle europäische Politik ist, den Drachen jeden Wunsch von den Augen abzulesen, solange das "Wohlwollen der Märkte" höher im Kurs steht, als das Wohlergehen der Bürger, solange wird sich daran nichts ändern.
     
    Es wird härter, Tag für Tag, Woche für Woche, doch Tag für Tag sterben auch welche, die sich noch an bessere Zeiten erinnern konnten und es kommen neue dazu, für die alles, was sie vorfinden, ganz normal und alternativlos ist. Wozu also aufregen, das Problembewusstsein stirbt aus. Ganz von alleine.
     
     
    Fazit:
     
    Die da oben können nicht anders,
    und unsere gesamtgesellschaftliche "Kultur" ist die Ursache dafür, dass sie auch nicht in der Lage sind, sich zu korrigieren.
     
    Der Crash kommt erst, wenn wir aufhören, die Drachen zu füttern.
    Er trifft zuerst die Drachen, unter denen es daraufhin ein Gemetzel geben wird.
    Er trifft auch alle, die sich mit den Drachen arrangiert haben.
    Er müsste jedoch keinen Ziegelstein und kein Zahnrad der Realwirtschaft treffen,
    würden wir uns nicht nur weigern, den Drachen weiterhin Opfer darzubringen, sondern ihnen darüber hinaus auch die Macht über die Produktionsmittel und die natürlichen Ressourcen entziehen.
    (Anti-Trust-Gesetze und Kartellamt haben das nicht zuwege gebracht, leider.)
     
    Ein Aufstand wird nicht kommen.
    Allenfalls nach dem Crash - und der wird nichts bewirken.
     
     
     
    Wie sich also persönlich vorbereiten?
     
    Kann man sich auf eine schleichende, chronische Krankheit vorbereiten, von der man bereits betroffen ist? Auf eine Seuche, von der die gesamte Bevölkerung bereits befallen ist?
     
    Vorbereitung ist da wohl ein unangebrachter Terminus.
     
     
    Die folgenden Gedanken befassen sich mit der Frage, wie jeder einzelne für sich die Symptome lindern und die Chance zu überleben, bis endlich eine wirksame
    Therapie gefunden ist, zu erhöhen.
     
    Ein Teil davon weist, bei Übertreibung, in die Illegalität, dessen bin ich mir bewusst und warne daher ausdrücklich davor, über die Grenzen der Freiräume hinauszugehen.
     
    In diesem Staat wird das geltende Recht noch immer durchgesetzt,
    und das kann schnell dazu führen, vom Regen in die Traufe zu kommen.
     
     
    Wenn wir davon ausgehen, dass es erklärtes Ziel ist, durch
    Überschuldung und Schuldendienst an die Ergebnisse
    der Arbeit und an vorhandene materielle Werte, insbesondere
    langlebige Sachwerte zu gelangen, dann kann die übergeordnete
    Maxime für jeden einzelnen nur lauten:
     
     
    Schulden meiden, Schulden abbauen.
     
    Dass mit den Schulden gleichzeitig das Geld weniger wird, weil es ja immer
    erst durch einen neuen Kredit wieder in den Kreislauf kommt, ist ein Problem, das es dabei zu berücksichtigen gilt.
     
    Ich kann jedem nur raten, spätestens jetzt damit zu beginnen, sich von bestehenden Schulden zügig zu befreien. Heuer die auf Pump gebuchte Urlaubsreise ausfallen zu lassen, ist besser als sich jahrelang nichts als Kartoffeln und Salz leisten zu können.
     
    Die Zinsen werden nicht so niedrig bleiben, wie sie es jetzt noch sind.
     
    Das auch als Warnung an jene, die heute Kredite aufnehmen, um z. B. Immobilien, oder - noch waghalsiger - Gold und andere Edelmetalle zu kaufen.

    Die (Real-) Einkommen werden weiter sinken,
    die Arbeitslosigkeit wird weiter zunehmen,
     
    der Schuldendienst wird immer schwieriger werden.
     
     
    Wer allerdings Geld übrig hat, sollte Wege suchen,
    aus dem Geld heraus zu kommen
    und in die Sachwerte einzusteigen.
     

    Eine so genannte "Währungsreform" ist nicht auszuschließen, und es ist
    prinzipiell besser, nach dem Währungsschnitt gehortete Waren anbieten zu können,
    als nach dem Währungsschnitt mit abgewertetem Geld einkaufen zu müssen.

    Einen Grund zur Panik sehe ich allerdings noch nicht, es ist immer noch Zeit,
    gut zu wählen und reiflich zu überlegen.
     
    Für den einen mag ein Grundstück geeignet sein,
    für den anderen kann es gut sein, die eigene Heimwerkerausrüstung
    in Richtung "Autonomie" weiter auszubauen, und sich einen Vorrat
    an Material und notwendigem Kleinzeug zuzulegen, was durchaus
    auch der Grundstock für eine kleine Selbstständigkeit sein könnte,
    falls der eigene, ganz sicher geglaubte Arbeitsplatz, plötzlich doch auch
    wegfallen sollte.
     
    Der Möglichkeiten, übriges Geld sinnvoll zu investieren, gibt
    es viele, doch die sind eben von Einzelfall zu Einzelfall
    ganz unterschiedlich.
     
     
    Von den privaten Schulden kann sich (theoretisch) jeder befreien,
    von den Staatschulden nicht.
     
    Die Steuerschraube wird auch in Deutschland weiter angezogen werden.
    Zuerst wird es wieder die Mehrwertsteuer sein, dann die Lohnsteuer,
    auch Tabak- und Mineralölsteuer sind beliebt zur Aufbesserung der Staatskasse,
    und die Autobahnmaut wird auch kommen, zweifellos.
     
    Gut dran, wer da wenigstens Teile seines Bedarfs selbst erzeugen kann.
    Gut dran, wer Freunde hat, die etwas können, was man sonst teuer
    einkaufen müsste.
     
    Die Organisation von Tauschringen aller Art wird ein Ausweg aus
    der Steuerfalle sein.
     
    Nachbarschaftshilfe ist erlaubt, Preise kann auch jeder so festsetzen, wie er es für angemessen hält. Ja, man darf sogar selbstgebackenen Kuchen als Geschenk austeilen, halt nicht regelmäßig, und nicht in Erwartung einer Gegenleistung …
     
    Doch dies wird einer der Wege sein, wie man sich das Leben erleichtern, wie man auch als Arbeitsloser und Rentner etwas zum eigenen Lebensunterhalt beitragen kann, indem man sich in kleinen und engen Gemeinschaften einfach gegenseitig hilft und unterstützt.
     
    Warum nicht heute schon damit beginnen?
     
     
    Neben reinen Tauschringen sollten mit dem Zunehmen des Drucks der Krise
    auch die so genannten
     
    "Komplementärwährungen"
     
    mehr Zulauf und Akzeptanz finden. Wer keinen Euro hat, aber wenigstens einen Xyz-Taler, der kann damit kaufen und Handel treiben. Im Zweifelsfall natürlich
    steuerpflichtig, was auch wieder das gesetzliche Zahlungsmittel erfordert,
    doch ist es allemal besser, rings um den eigenen Kirchturm ein eigenes Zahlungsmittel emittieren und einsetzen zu können, als ganz auf den Euro angewiesen zu sein, der - wie vom großen Staubsauger eingezogen - dank größtmöglicher öffentlicher Sparsamkeit, immer seltener zu sehen sein wird.
     
    Und wenn sich die Regionalwährungshüter im Zuge der Krise freiwillig von
    unnötigem Ballast befreien, wie es z. B. eine Umlaufsicherung oder eine feste
    Bindung an den Euro, oder gar eine "Währungsreserve" in Euro darstellt,
    wenn sie sich also auf die Rheingold-Idee zu bewegen und Geld emittieren
    lassen, von ihren Mitgliedern, gegen nichts als deren Zusage, die Währung auch selbst wieder anzunehmen, dann könnte das helfen, eine Not, die aus reinem Geldmangel heraus geschaffen wird, ganz ordentlich zu überstehen.
     
    Zudem dürfte es sehr sinnvoll sein, sich in puncto Mobilität zu bescheiden.
    Autofahren ist zwar immer noch eine sehr schöne, sehr angenehme Art der Fortbewegung und für viele unabdingbar, um überhaupt zur Arbeits-
    stelle oder zum nächsten Einzelhandelsgeschäft zu gelangen.
     
    Doch diese Art der Fortbewegung ist teuer, wird immer teurer, und der Nachschub an Benzin und Diesel wird unsicherer.
     
    Statt also eines Tages vor geschlossenen Tankstellen zu stehen, oder
    auf die nächste Benzinzuteilung zu warten, ist es sinnvoll, sich schon
    heute die Frage zu stellen, was - vielleicht geringfügig teurer - auch
    auf kurzem Wege, zu Fuß oder per Rad, zu kaufen und zu erledigen
    sein könnte. Gesund ist es außerdem und es fördert die nachbar-
    schaftlichen Beziehungen.
     
    Größere Vorräte an Kraftstoff anzulegen, ist den meisten aufgrund bestehender Bau- und Brandschutzvorschriften nicht erlaubt.
     
     
    Dass der Staat von seinen Bürgern
     
    Zwangsanleihen
     
    einheben wird, ist ebenfalls nicht auszuschließen. Es kann also durchaus sein, dass Sie auf Ihr Haus eines Tages eine Hypothek aufnehmen müssen, um den Kreditbetrag an Vater Staat zu überweisen.
     
    Das ist aber kein Grund, jetzt das Haus aufzugeben und in eine Mietwohnung zu ziehen. Als Mieter trifft Sie das nämlich auch, weil diese Kosten natürlich auf die Miete umgelegt werden.
     
     
    Doch weil das nicht zwangsläufig so kommen muss und dem, sollte es soweit kommen, kein Normalsterblicher entkommen kann, ist es viel besser, das mietfreie Wohnen im Eigenheim zu genießen, so lange es möglich ist.
     
    Ob und wie stark Sie ihr Eigenheim oder ihre Mietwohnung gegen Einbruch und Diebstahl sichern sollten, kann nur jeder selbst entscheiden. Die Gefahr wird wachsen, weil einige ihr Glück in der Kriminalität suchen werden, und die Aufklärungsquoten werden nicht steigen, weil die Polizei meist anderes zu tun hat, als Wohnungseinbrüchen
    nachzugehen.
     
     
    Es gibt kein Patentrezept für den Crash,

    denn der kommt wohl nicht als ein punktuelles Ereignis am Tag X über uns, sondern langsam, jeden Tag ein Stück weiter, wie eine unendlich zähe Masse, aber dennoch unaufhaltsam.
     
    Auf dem Weg nach unten hilft es, Schulden abzubauen
    und übriges Geld in nützliche Anschaffungen zu investieren.
    Tauschringe, Regionalwährungen und Nachbarschaftshilfe ganz allgemein,
    werden an Bedeutung gewinnen. Die Strukturen dafür zu legen,
    ist sicherlich jetzt noch ein günstiger Zeitpunkt.
    .
    .
      Soweit meine persönliche Meinung zum Tag X.
       
      Sie haben andere Erfahrungen, andere Kenntnisse, die mir fehlen.
      Sie sind optimistischer oder pessimistischer, Sie glauben an den Sieg der Gerechtigkeit und das Gute im Menschen mehr oder weniger als ich, das ist alles gut.
       
      Und gut ist es auch, wenn Ihnen diese Einzelmeinung hilft, Ihre eigenen Argumente zu prüfen und bei allen sich bietenden Gelegenheiten noch sicherer dafür einzustehen.
          (Am Donnerstag um 5.09 Uhr schrieb mir Ulli Wandersleb-Münst, dass sich doch noch ein "ver-" im Text befindet. Nun heißt es hier, statt: "... noch sicherer zur vertreten", "... noch sicherer dafür einzustehen". Danke Ulli!)

       

       

     

    Und damit wünsche ich uns allen viel Glück,
    vor allem, dass die Bremsen der Achterbahn,
    auf der wir uns befinden, so gut funktionieren,
    dass wir nach der wilden Fahrt alle heil
    aussteigen und mit weichen Knien
    den Weg in den nächsten großen Zyklus finden.
     
     
    Ob unsere Nachkommen daraus lernen werden, ist ungewiss.
    Wir haben auch nicht gerade viel besser gemacht als unsere
    Vorfahren.
     
     

 

Sie suchen schon lange nach einer Gelegenheit, sich mit einer kleinen Geste für meine Gedanken zu bedanken?

Nun, ich mag Cappucino.

Wenn Sie Lust haben:
 
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(Ich freu mich natürlich auch, wenn Sie ein Buch aus dem EWK-Verlag kaufen.)

     

     
    Eine Besonderheit

    dieses Paukenschlags mag ich noch erwähnen:
     
    In diesem ganzen, langen Text erscheint kein einziges Mal die Vorsilbe "ver-".
     
    Haben Sie sie vermisst?
    Kamen Ihnen irgendwelche Sätze verkorkst vor?
    Ist Ihnen aufgefallen, dass ich aus dem "Ver-trauen der Märkte"
    das "Wohlwollen der Märkte" gemacht habe?
     
    Und welchen Grund kann dieser Verzicht auf die scheinbar so unschuldige
    Vorsilbe gehabt haben?
     
     
    Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf,

    die Frau mit dem für mich "unmerkbaren" Namen,
    hat in ihren Forschungen um die "Kraft der Sprache"
    festgestellt:

      Beinahe alle Wörter, die mit ver- beginnen,
      erzeugen unbewusst eine Illusion.
       
      "Verschenken" hat nichts mit einem liebevollen Geschenk,
      "verlieben" nichts mit wahrer Liebe,
      "verlegen" nichts mit legen zu tun.
       
      Sie folgert an einem Beispiel:
       
      "Schenken ist viel herzlicher als verschenken",
       
       

     

    und gibt dazu die Übungsempfehlung:
       
      Greife einige Ver-Wörter aus Deinem
      Wortschatz auf.
      Mache Dir bewusst, was Du mit ihnen
      bewirkten willst.
      Finde neue Formulierungen
      und nimm sie in Deine Sprache auf.
       
      Beobachte, was geschieht.
       
       

     

    Und diese Empfehlung gebe ich heute an Sie weiter.
     
    So, wie sie Manuela Engl vor einigen Monaten an mich weitergegeben hat, die "Mechthilds" Erkenntnisse für sich selbst - und mit bemerkenswertem Erfolg in zahlreichen schulischen und außerschulischen Projekten bewusst anwendet, um für einen achtsamen und wertschätzenden Umgang mit der Sprache zu sensibilisieren.
     
    Wie wär's, einfach mal bewusst auf die "Ver-Wörter" zu achten?
    Sie werden erleben, dass sich da etwas Neues entwickelt,
    etwas in ihrer eigenen Wahrnehmung dessen, was sie sagen (wollen),
    und etwas in den Reaktionen, die Sie auf ihre Aussagen in
    Gesprächen und Diskussionen, in Reden und Vorträgen, erfahren.
     
     
    Vieles mehr, was dazu beiträgt, die eigene Sprache wirkungsvoller
    zu gestalten, hat Frau von Scheurl-Defersdorf in Texten und
    Übungsmaterialien festgehalten.
     
     (Folgen Sie einfach diesem Link.)
     
     
     



     
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    Reaktionen auf diesen Paukenschlag


    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
     
    seit einigen Jahren lese ich mit Vergnügen, mit Sorge, mit Spannung, neue Erkenntnisse oder Bestätigung meiner eigenen Einschätzung erwartend und immer Ihre profunden Kenntnisse bewundernd die Paukenschläge. Halfen diese mir doch die aktuelle Lage entsprechend einzuschätzen.
     
    Leider muß ich in dem Paukenschlag -Der Tag X- vehement Ihrer Einschätzung deutscher Politiker widersprechen. Als inzwischen über 60jähriger, im mittlerem Management internationaler Unternehmen tätig gewesener Manager, sind mir NIE anständige, nicht korrupte, nicht kriminelle deutsche Politiker begegnet (Anders in Frankreich, Italien, Spanien).
     
    Es mag vielleicht sein, daß es ein paar Anständige geben mag, die fallen aber in der Masse nicht auf und die sind dann ganz klar einfach keine Entscheidungsträger. Ich denke auch nicht, daß die BRD sich wesentlich von Nigeria, Somalia oder Griechenland darin unterscheidet, im Gegenteil. Erschreckend ist, wie offen die Korruptionsforderungen in Verhandlungen gefordert werden.
    Erschreckend ist auch, wie billig Politiker zu kaufen sind. Oft reichen 3stellige Summen, um 6-stellige zu erzielen.
    Mfg
    Richard Roländer
     
    Anmerkung von Egon W. Kreutzer:
    Die namentliche Veröffentlichung dieses Kommentars wurde von Herrn Roländer auf Anfrage ausdrücklich autorisiert.


    Hallo Herr Kreutzer,

    ich lese gerade das Buch "Menschenkinder" von Herbert Renz-Polster. Ich möchte gerne daraus einen Satz zitieren, der viel zu denken gibt:

    "Jeder verhält sich in seiner Rolle rational - und doch geht das System insgesamt in die falsche Richtung."

    Es handelt sich in diesem Buch um die gesellschaftliche Situation von Kindern in der modernen Welt, kurz um die Krise der Kindheit. Es steht wirklich schlimm um unseren Nachwuchs... Doch während die Regierung von heute auf morgen hunderte Milliarden Euro in die maroden (aber natürlich systemrelevanten, wie denn sonst!) Banken pumpt, wird rein gar nichts für das Wohlergehen unseres Nachwuchses getan. Es werden jahrelang hitzige Debatten geführt, um am Ende einen großen Durchbruch seinem Fußvolk zu verkünden: Das Kindergeld soll doch um satte 10 Euro angehoben werden. Ihr habt gesehen, dass wir für euch wie die Löwen gekämpft haben und nun feiert ihr, Narren, und vergeßt nicht das Dankgebet zu sprechen!
    Die 10 Euro werden dann, übrigens, durch die Einführung einer neuen Steuer bzw. durch die Erhöhung einer bestehenden Steuer wieder eingezogen. Ist das nicht erfinderisch? Ist das nicht tückisch? Erfordert das nicht ein hohes Maß an Intelligenz, Schauspielkunst und moralischer Flexibilität?

    Unfähigkeit kann man unseren Politikern auf keinen Fall vorwerfen. Sie wissen ganz genau, welche Gesetze sie schnell und im Schulterschluss, ohne Murren und hitzige Debatten praktisch über Nacht verabschieden müssen (z.B. milliardenschwere Geschenke an die Banken, Fiskalpakt etc) und welche sie tot diskutieren müssen (aktuelles Beispiel - Betreuungsgeld für die Eltern). Kann man denn an diesem Beispiel nicht erkennen, wo die Prioritäten der Regierung in Sachen der Systemrelevanz liegen?

    Kinder, Eltern, Arbeitnehmer etc sind nicht systemrelevant und müssen sich immer wieder hinten anstellen. Mehr noch, sie werden permanent durch steigende Steuern erdrückt.
    PRIVATE BANKEN, diese komischen Einrichtungen, die nichts außer virtuellen Nullen produzieren, sind dagegen systemrelevant. Warum relevant? Für wen relevant? Für welches System relevant?

    Armut macht sich inzwischen breit in Deutschland, in einem der reichsten und produktivsten Land der Welt. Eine zufällige Fehlentwicklung oder ist vielleicht auch Armut systemrelevant?

    Wenn schon das Wohlergehen der Kinder, ihre Gesundheit, Psyche und Bildung nicht systemrelevant sind (einige Stichwörter dazu: Verblödung durch TV und Werbung, Sex, Gewalt, Alkohol, Moralverfall, minderwertige Bildung, fehlende Perspektiven etc) , in welchem System leben wir denn dann? Wen oder was beschützt dieses System und von wem?

    Fazit:
    "Jeder verhält sich in seiner Rolle rational - und doch geht das System insgesamt in die falsche Richtung."
    Hat der Kapitän das kleine Steuerruder in seiner Gewalt, so lenkt er damit das ganze Schiff. Jeder von seiner Mannschaft mag seine Funktion nach besten Wissen und Gewissen erfüllen, doch das hat keine Auswirkung auf die Richtung des Schiffes...

    Viele Grüße,
    Peter
    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
    ein Weg, die Komplexität und den Zentralismus bürokratischer Strukturen zu reduzieren, sind die
    Gedanken von Leopold Kohr.
    Manfred W. K. Fischer: "Bereits im September 1941 erschien im New Yorker Magazin "The Commonweal"
    ein Artikel Kohrs mit dem Titel "Disunion Now". Darin sprach er sich erstmals gegen den nationalen
    Größenwahn und für ein Europa der Kantone aus. Die nationalstaatlichen Einigungsprozesse der
    Vergangenheit hätten nur imperiale Großmächte hervorgebracht, die sich gegenseitig in den Haaren
    lägen, so Kohr damals. Anfang der 1950er Jahre vollendete Kohr dann sein Hauptwerk "The Breakdown of
    Nations" (Das Ende der Großen). Erst 1957 wurde das Buch in London veröffentlicht. Ein Indiz dafür,
    dass Kohr mit seinen Ideen seiner Zeit weit voraus gewesen ist.
    Nach Kohrs Ansicht lag/liegt das Wohl des Menschen nicht im permanenten wirtschaftlichen Wachstum,
    sondern in der Rückkehr zum "menschlichen Maß". Er behauptete, dass hinter allen Formen des sozialen
    Elends eine einzige Ursache stünde: etwas (Staat, Wirtschaftseinheit, Betrieb, Institution) sei zu
    groß geworden. Um dies zu untermauern, wies er auf die Analogie der Saurier hin, die ebenfalls an
    ihrer Größe zugrunde gegangen seien. Jede Vereinigung zu einer größtmöglichen Einheit sei die
    Vorstufe zum Verfall, so Kohr weiter. Als Beispiel führte er bereits damals einen Vielvölkerstaat
    wie die UdSSR an – heute längst in kleinere Einheiten zerfallen. Ein Staat sollte eine
    Bevölkerungsgröße von 12 bis 15 Millionen Menschen nicht übersteigen, denn dann würde er seine
    reibungslose Funktionsfähigkeit verlieren. Der Kontakt der Staatsspitze zur Bevölkerung wäre nicht
    mehr optimal gewährleistet."
    Auf http://dzig.de/Aufloesen-der-BRD-Bilden-von-sieben-EU-Mitgliedern gehe ich unter dem Thema "BRD
    auflösen, sieben EU-Mitglieder gründen" darauf ein, wie ein Ausstieg aus der Staatverschuldung
    möglich ist. Damit bleiben die Schulden bei denen, die sie einfordern.
    Freundliche Grüße
    Hans Kolpak

    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
    lesenwerter Beitrag, der unsere Situation erhellt.
    Eine kleine Anmerkung: Das Sprichwort "Divide et impera" ist mit ">Teile und herrsche" zu positiv übersetzt.
    Korrekt ist doch sinngemäß "Trenne bzw, spalte und herrsche" gemeint!
    Mit freundlichen Grüßen,
    M. Wagner

    Hallo Wolfgang,
    vielen Dank für diesen wunderbaren Paukenschlag!
    Das ist mal wieder ein Beweis dafür, wie einzigartig deine Texte sind!
    So klar und schlüssig, und so verständlich eingängig und plausibel formuliert – einfach toll!!!
    Die Vorsilbe ver-:
    OK, das mit dem „verlieben“ ist sicher „individuell“. Ich spreche da auch nur aus eigener Erfahrung, dass ich immer noch verliebt bin, obwohl ich gleichzeitig behaupten kann, dass diese Liebe so unmissverständlich und tief ist, und dass sie nie einen Zweifel erfahren hat, und das sie bereits über 25 Jahre lang besteht…bla bla, das hat für mich etwas magisches, das ich eigentlich gar nicht beschreiben kann.
    Sicher ist die Vorsilbe ver- in der praktischen Anwendung unbewusst und bewusst unterschiedlich zu deuten. Wenn man bewusst damit umgeht braucht es vermutlich mal wieder einen devoten Vokabelimporteur der in der gleichen Währung tauschen kann, sonst führt das nicht gerade zu Konvergenzen. Aber Spaß beiseite!
    Wenn „Vertrauen“ auch nur eine Illusion ist – dann habe ich in der Tat ein Problem in der jeweiligen Situation ein passendes Synonym zu finden.
    Doch nun zum Thema:
    Die ganze Tragweite dieses Paukenschlages lässt sich wohl nur erahnen.
    (Schön das du die Fehlerkultur erwähnst…)
    Deine Beschreibung der Lage ist richtig. Es stellt zwar nur deine Ansicht dar, wie du sagst. Es ist aber genau das, was ich auch sehe. Trotzdem gibt es da gewisse Unterschiede die ich aufzeigen möchte.
    Du hast deutlich gemacht, dass Systeme in unterschiedlicher Art und Weise funktionieren. Je komplexer ein System wird, desto unüberschaubarer ist es. Am Ende müssen wir uns mit Kompromissen zufrieden geben, die zwar das System aufrechterhalten, die aber mit den ursprünglichen Zielen wenig bis gar nichts zutun haben. (Von einem „Chaos“ spreche ich nicht gern, weil das nur ein Ausdruck unserer beschränkten Wahrnehmung ist.)
    Diese These könnte man beliebig anwenden und auf verschiedene Systeme übertragen. Nur kleine und relativ einfache Hilfssysteme funktionieren und tun was sie sollen. Sobald man die weiteren, komplexen Zusammenhänge verfolgt, gerät man in ein unüberschaubares „Datennetz“, das die jeweils Verantwortlichen nicht mehr durchschauen können.
    Hier ist der Drops bereits gelutscht!
    Der Grund dafür ist recht einfach.
    An irgendeiner Stelle ist jemand falsch abgebogen und hat dann, aus welchen Gründen auch immer, die Kurve nicht mehr gekriegt. Auch das beschreibst du in deinem Text.
    Wo ist also der Ansatz, wo ist der Punkt um den wir unsere Kreise ziehen müssen?
    Nun, in einer Gesellschaft in der die Wahrnehmung auf eine freiheitliche demokratische Ebene fixiert ist, was aber lediglich ein Trugbild ist, bleibt uns nur noch die Besinnung auf unsere ureigenen Instinkte.
    Wir müssen Gefühle und Werte ansprechen, die eines Menschen würdig sind und keiner materiellen Belohnung oder Abhängigkeit bedürfen.
    Eine Fehlerkultur wäre ein Werkzeug, das uns nach vielen jahrtausenden mal wieder ein Stück weiter bringen könnte. Die Menschen, die Gesellschaften, leben wie du sagst in Zyklen, die alle Jahrzehnte oder Jahrhunderte wieder eine Wende herbeiführen. Das ist so etwas wie ein Beweis, der uns zeigt, dass wir immer noch nicht begriffen haben, wie „Leben“ funktioniert. Aber woran liegt das?
    Die Verantwortlichen, die Verursacher allen Übels in unserer Gesellschaft sind nicht die jeweils herrschenden Kräfte. Das wäre zu einfach – zu kurz gegriffen. Es böte zwar ein einfaches und eindeutiges Feindbild, aber das wäre genau eines dieser Systemelemente, die uns heute schon glauben lassen, wir könnten mit einem Aufstand oder einem Crash alles ändern.
    Der erste Hebel an dem wir ansetzen müssen, ist das kleinste Mitglied der Gesellschaft. Das Individuum Mensch. Schon vor der Geburt wird dieser Mensch durch Umwelteinflüsse geprägt und muss sich dann in einer unglaublichen Anstrengung und Belastung auf diese Welt zwängen. Dabei hat allein der Zufall entschieden in welcher Gesellschaft er landet und es ist oft leicht vorherzusagen, was später einmal aus ihm wird. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.
    Die Gesellschaft muss lernen Ihre Menschen von Geburt an offen und ihren Talenten entsprechend zu erziehen. Ob dies nun idealer weise in einer klassischen Familie, oder in ähnlicher Form geschieht, ist dabei völlig egal.
    Die Fehlerkultur ist das Entscheidende. Das Fehler gemacht werden, nein, das Fehler passieren ist normal. Es gehört zur menschlichen Natur und zum Lernprozess dazu.
    Allein die Beurteilung und Bewertung, also der Umgang mit diesen Fehlern ist entscheidend. Verstehen und Lernen mit Toleranz und Liebe. Zuhören und Lehren mit Verstand und Liebe.
    All das setzt weder eine Umstellung der Systeme voraus, noch einen Aufstand oder Crash.
    All das können wir schon heute tun.
    Jetzt, in dieser Minute.
    Und die Gesellschaft wird sich verändern.
    Und die Systeme werden sich verändern.
    Bis die Tage
    Stefan Neumann

    Hallo Herr Kreutzer.
     
    Sie hoffen, dass eines Tages jemand den Drachen köpft. Ich frage: Wer oder was ist dieser Drache?
     
    Wenn wir das, was geschieht, als Wirkung verstehen – was ist dann die letzte Ursache?
    Wenn wir nüchtern denken, werden wir feststellen, dass all unser Handeln von Gedanken abhängig ist – und diese Gedanken von der Klarheit unseres Kopfs. Unseres »Geistes«, sagte man früher. Unseres Bewusstseins, könnte man sagen.
     
    Den Drachen zu köpfen wäre also ein Akt, den wir am Bewusstsein vornehmen müssten.
     
    Nun, wenn ich mit Bewusstsein etwas anstellen möchte, müsste ich mir Klarheit darüber verschaffen, was Bewusstsein ist.
    Der Westen weiß bis heute sehr wenig, was Bewusstsein ist: Er studiert im Wesentlichen nur das, was im Bewusstsein geschieht.
    Anders der Osten und hier dessen älteste Tradition: die alte Kultur der Veden. (Der vedischen Kultur entstammen die Upanishaden, die Bhagavad Gita, das Ramayana, der Rik Veda, der Ayurveda: um nur einiges zu nennen.)
     
    In dieser Kultur wird Bewusstsein als ein Feld beschrieben, an dem wir lediglich teilhaben, das dank unseres Gehirns in uns "nur" aufleuchtet: Von Natur aus sei Bewusstsein aber eben nicht individuell, sondern universell, kosmisch.
     
    Seit längerem wird im Westen diskutiert, ob dieses unverselle Feld nicht sogar Basis der bekannten vier Fundamentalkräfte der Physik sei: Gravitation, Schwache und Starke Wechselwirkung, Elektromagnetische Kraft.
     
    Wie dem auch sei: Was wäre, wenn wir Menschen, da wir offenkundig Zugang zu diesem Bewusstseinsfeld haben, uns in die Lage versetzten, auf dieses Bewusstseinsfeld direkt einzuwirken – so, dass alle anderen Menschen davon profitieren? Auch diejenigen, die von diesem Konzept noch nichts wissen (oder wissen wollen)?
     
    Die vedischen Texte beschreiben genau dies: Einflussnahme auf das universale Bewusstseinsfeld zum Zweck der Transformation des Denkens, Fühlens und Handelns der Menschen in näherem oder weiterem Umkreis.
     
    Aus meiner Sicht ist das unsere allerletzte Option. Beschritten wird sie derzeit an mehreren Orten, vornehmlich im Herkunftsland dieser Überlieferung, in Indien (Website hier).
     
    Alles andere, was wir versuchen können, wird weiter enorm viel Zeit kosten, wird weiter extrem mühselige, langwierige Lernprozesse bei Millionen Menschen voraussetzen – Mühen und Fristen, die wir uns aus meiner Sicht nicht mehr leisten können.
     
    Ihre "Alternative", den Crash, auch diesen wieder, einfach auf uns zukommen zu lassen und uns mit ihm, wie Sie das schön beschrieben haben, zu arrangieren, wäre, für sich allein genommen, für mich kein Weg. Denn er erzeugt weiter unendliches Leid.
     
    Hochachtungsvoll
    Jochen Uebel
    Lieber Herr Kreutzer,
    Sie beschreiben ganz nüchtern den Stand der Dinge im Euroland Deutschland sehr gut; zum Ende hin mit Tips, wie man mit Schulden und Guthaben umgehen könnte/sollte. Weil die Tips sich vor allem an Leute mit ausreichendem Familieneinkommen oder Vermögen wenden, zu denen ich meine Familie ja auch rechnen muß, möchte ich kurz eingehen auf die Menschen, die, nicht nur in unserer Gesellschaft, unter den hier und jetzt herrschenden Verhältnissen leiden und keine Freiheit haben, sich auf den Crash vorzubereiten.
    Es finden sich möglicherweise sogar Menschen auf der Erde, die einen unerwarteten Vorteil davon haben könnten, wenn das hiesige Wirtschafts- und Finanzsystem den Bach runtergeht. Welche Folgen hat denn unser jetziges Wirtschaftsleben auf die Bewohner von Tuvalu, Bangladesch, vielen afrikanischen Ländern? Wie geht es denen, wenn hier erst mal haltgemacht wird - und danach?
    Wenn man hierzulande bewußt lebt, den Crash kommen sieht und das Beste daraus machen möchte, könnte man bedenken, daß mit dem eigenen Verhalten auch die Gegenwart und Zukunft von Menschen weit weg beeinflußt wird, und bewußt darauf hinarbeiten, daß es denen mal besser geht. Konkret: "Überflüssiges" Geld in ärmere Länder und soziale Bereiche lenken und in Erneuerbare Energien investieren, damit nach dem Crash nicht wieder mit dem alten Energiesystem und der alten Ungerechtigkeit der gleiche Mist noch einmal aufgezogen wird. Denn nach dem Finanz- und Wirtschaftscrash steht immer noch der Klimacrash an, dem nicht so leicht mit dem Kauf eines Hauses oder eines Goldbarrens begegnet werden kann. Und dieser Crash kommt GANZ LANGSAM und wird wahrscheinlich nicht friedlich ablaufen.
    Sonnige Grüße!
    Georg Nowak

    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
    selbst wenn er denn käme, der Tag X, ich fürchte ihn nicht.
    Ich habe als Kind in den Kellern von Hannover gesessen als über uns die Bomben explodierten.
    Bin in Holzschuhen und viel zu weiten Klamotten durch die Trümmerberge gelaufen, die vormals Straßen waren.
    Habe Onkel, Vettern und meinen geliebten Vater in den Kämpfen des II. Weltkrieges verloren. Die Wohnung und all unsere Habe sowieso.
    Habe bei fremden unwilligen Menschen Obdach suchen müssen und mir und meiner Mutter aus getrockneten Steckrüben Suppe gekocht und Brot, welches nicht mehr zu verkaufen war, beim Bäcker erbettelt.
     
    Mit meinen Großeltern lebte ich danach einige Jahre in einem 20qm großen Zimmer. Machte eine Lehre, arbeitete 12 Stunden am Tag, Samstags immer, Sonntags wenn der Chef es wollte.
    Aber nach dem großen Zusammenbruch des Nazi-Reiches gab es für den, der es wirklich wollte, eine bessere Zukunft. So auch für mich.
    Das Leben verläuft anscheinend in Sinuskurven. Nach einem tiefen Tal folgt der Aufstieg. Danach ist man im Zenit, verharrt eine Weile, dann senkt sich die Kurve langsam bis zur rasanten Talfahrt. Ich durfte das alles erleben. Dafür danke ich Gott. (siehe Hiob).
     
    Nun werde ich bald anderen Menschen Platz machen in der Hoffnung, dass diese es genaus so wie wir damals packen werden. Der Mensch hat schon vieles erlitten. Er wird sich auch aus dem kommenden Talboden herausarbeiten.
     
    Seit ich Ihnen das letzte Mal schrieb, es war im Jahr 2007, hat sich meine Ansicht über das Leben geändert. Damals war ich pessimistisch, heute bin ich hoffnungsvoller.
    Ich danke Ihnen für Ihre aufschlussreiche Analyse.
    Mit freundlichen Grüßen
     
    Horst A. Düe
    Sehr geehrter Herr Kreutzer
     
    Ich kann Ihnen weitgehend zustimmen.
    Allerdings gehe ich nicht von Fehlern in dem Maß aus, sondern von bewusstem Handeln, dem ein Ziel zugrunde liegt. Das Ziel ist starke Reduzierung, Kontrolle und Sklavenhaltung der Menschheit - wobei die Sklavenhaltung schon fast vollendet ist.
    Unter den Gesichtspunkten, macht das Handeln der Machtinhaber Sinn und ist alles andere als fehlerhaft. Im Gegentum, es ist zielführend.
    Ihre Sorge einer Geldentwertung oder dergleichen teile ich nicht.

    Es sind weltweit ca. 350 Familien die ca. über 50% des Barvermögend verfügen.
    Die physischen Besitztümer kann man nur annähernd erahnen...
    Diese Clans werden nicht zulassen das ihr Vermögen derart geschmälert wird, auch unter dem Aspekt nicht, daß sie hernach alle Möglichkeiten hätten, recht schnell wieder auf den alten Stand zu kommen.
    Diese Angst der Geldentwertung, des Crash, dient u.a. der Ablenkung von den eigentlichen Zielen. Sie ist nichts weiter als ein gewaltiges Steuerungselement.
    Wenn das Volk erst mal sein Rrspartes, sein kleines Vermögen "investiert", ausgegeben hat, landet es in welchen Taschen? Eine dann folgende Enteignung wäre äußerst wirkungsvoll, da ja nennenswerte Geldbeträge nicht mehr vorhanden sind...
     
    Sonnengruß
    Pede
    Hallo Herr Kreutzer,
     
     
     
    vielen Dank für diesen Paukenschlag, er lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und ist ein nüchternes Fazit der verfahrenen Karre auf der wir alle sitzen.
    (Hier habe ich das ver- bewusst gewählt, weil es tatsächlich passt.) Und die zähe Masse die Sie beschrieben ist nicht ganz so zäh wie angenommen sondern immerhin so flüssig, dass sie einen Pegel bildet der die gesellschaftliche Hierarchie von unten nach oben langsam ertränkt. So mag es Menschen mit einiger finanzieller Bewegungsfreiheit gelingen ihre Schulden ab zu bauen. Ich betreibe diesen Sport seit Jahren und erfahre immer wieder Rückschläge.
    Ich finde mich alle paar Jahre wieder an dem Punkt, an dem ich angefangen habe. Angefangen hat dieser Rythmus mit meiner Fixierung auf eine berufliche Ausbildung. Direkt nach der Umschulung fiel ich von einem Tag auf den anderen in Hartz 4. Eigentlich war für mich dann ein finanzielles Durchstarten zwecks Familiengründung geplant. 200 Bewerbungen verpufften wirkungslos weil die Telekom den nicht mehr zahlbaren Telefonanschluss sperrte und ich nicht mehr erreichbar war. Meine Hochzeit war schon bestellt. Das hiess Dispokredite über den Anschlag hinaus überziehen um Lebensgrundlagen zu zahlen.
     
     
    Seitdem gab es immer wieder Beschäftigungen über Zeitarbeit, anschließend befristete Verträge und den Auslauf dieser Verträge. Das Auto das ich mir zur Wahrnehmung von Arbeitsbnageboten zulegte war regelmäßig der Teil meiner Kosten, der mich in den tiefen Schuldenkeller zurück brachte. Ich bin momentan dabei mich aus der fachlichen Festlegung, die mir seitens der Ämter und anderer Behörden seit meinem erfolgreichen Abschluss auferlegt wird, frei zu strampeln.
     
    Ich werde bestimmt auf einem niedrigeren finanziellen Niveau leben als zuvor, aber dieses Niveau wird von mir und meinen Fähigkeiten und meinen Entscheidungen bestimmt. Diese Entscheidungsfreiheit, die ich vor meiner Umschuliung jahrelang genoss, ist ein wesentlicher Faktor zum Erhalt meiner Gesundheit. Der ständige Druck in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen macht jeden krank. (Gibt es ein Wort ohne "Ver" für Beschäftigungsverhältniss?)
     
    (Die Vorsilbe ver ist eigentlich an diesen Bedeutungen unschuldig, schließlich ist dann auch ein verderben eine Illussion ebenso wie ein Verhältniss was ja schon wieder etwas positives in sich birgt, oder?)
     
    Ich befinde mich ausf dem Weg aus der starren Struktur eines mehr und mehr hohl drehenden Beschäftigungsapparats auf dem Weg zurück in die flexiblen lebens und Arbeitswelten ohne Netz und doppelten Boden, in denenich einen Großteil meines Lebens gelebt habe und in denen ich gesund war und stark. Es wird schwieriger werden wieder in diesen Fluß zu kommen, da ich jetzt krank bin und nicht mehr so stark. Ich habe meine Vorstellungen nicht in einen so wunderbaren text wie den ihren gegossen, wohl aber in ein Projekt, das sich 10000 € Haus nennt und versucht auch den Unbegüterten unserer Gesellschaft einen Weg in eine postindustrielle Postservicegesellschaft zu ebnen. dieses Projekt sieht eine allianz zwischen den Armen auf der politischen Ebene, den Kommunen mit den ärmeren Teilen der Bevölkerung vor um die Bildung einer neuen Lebensform mitten aus der Alten heraus zu fördern. ich habe Sie bestimmt schon einmal auf mein Projekt hin angesprochen. da ich mich momentan aber in einer Konkretisierung dieses Projekts befinde, suche ich Expertenrat und Coaching.
     
    Sie wären mein Mann, wenn ich sie bezahlen könnte, das kann ich aber nicht. Trotzdem lade ich Sie ein, einen Blick auf meine endlich existierende Webseite http://10000-euro-haus.de zu werfen. Sie ist noch im Aufbau und ich arbeite zur Zeit an der Strukturierung. Sie sollte aber schon ein ungefähres Bild des Projekts vermitteln.
     
    Dazu noch eine Anmerkung: ich bin im Norden Bayerns geboren und aufgewachsen, in direkter nachbarschaft zum hessischen Rhein-Main-Gebiet. Seitdem habe ich in völlig verschiedenen Gegenden Deutschlands gelebt und stelle immer merh fest, dass Bayern im Vergleich zu den meisten Bundesländern ein Hort des Wohlstands und der relativen Sicherheit ist. Meine Erfahrungen hierzu beruhen auf lebensabschnitten die ich in Sachae´sen udn thüringen In Scheswig Holstein, in Niedersachsen und aktuell In NRW verbracht habe. Die Zustände, die sie in ihrer bayrischen Umgebung sehr früh wahrnehmen sind in anderen Bundesländern längst viel deutlicher sichtbar, so dass es nur wenig Vorausschau braucht um sie auch hier zu entdecken.
     
     
    Freundliche Grüße aus Köln,
     
    Egon Hauck
    ________________________________________________________
     
    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
    über das Gelbe Forum bin ich auf Ihre Seite geraten.
    Auch ich war bei Siemens und habe in Bruchsal gelernt. In der ZU in München habe ich über Komplexität und Systeme gelernt. Dort bin ich auf Zusammenhänge gestoßen, die Vester, Frederic und Malik, Fredmund vorbereitet und verarbeitet haben.
     
    Heute zeigt sich die Richtigkeit dieser frühen Warner.
    Sie nennen viele dieser Zusammenhänge. Doch an einer Stelle möchte ich Sie dringend warnen, gerne können Sie darüber mit mir in Mailverkehr gehen, über das Forum möchte ich es nicht.
     
    Sie raten zu einer Abkehr von Geldwerten und einer Investition in Sachwerte.
    Das ist für ein Inflationszsenario richtig, aber die logische Folge unserer Situation liegt in der Deflation und dort gilt: Bargeld lacht, ggf. in verschiedenen Währungen, aber insbesondere muss man raus aus Sachwerten,
    Immobilien, Gold, Aktien.
     
    Wenn Sie das Thema interessiert, ein lebendiger, wenngleich etwas unübersichtlicher Blog ist der von Malik, dort werden gerade dieser Tage auch einige Details genannt, die Malik früher eher noch nicht explizit
    sagte.
     
    Viele Grüße
    Lutz Gerwig
     

    Guten Morgen Herr Kreutzer,
     
    Nach dem Waldbrand ist die Artenvielfalt am höchsten. Die einjährigen Pionierpflanzen zeichnen sich dabei durch besonders schnelle Aufbauleistung und große Vielfalt aus. Nach und nach setzen sich aber die langlebigen Holzgewächse durch. Natürlich sind die Blumen und Wildkräuter schön, und der ungeschützte Boden wurde schnell wieder mit Pflanzen bedeckt, was sehr wichtig ist, aber Pionierpflanzen sind nicht die beste Ressourcennutzung. Nur Sträucher und Bäume können bis zum Grundwasser vordringen.
     
     
    Der Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg hätte in eine gesteuerte Wirtschaft überführt werden müssen. In der bayrischen Verfassung steht dazu
     
    http://www.bayern.landtag.de/cps/rde/xbcr/landtag/dateien/Bayerische_Verfassung_Lesezeichen_BF.pdf
     
    Artikel 155 Bildung von Bedarfsdeckungsgebieten
    Zum Zweck einer möglichst gleichmäßigen Befriedigung der wirtschaftlichen Bedürfnisse aller Bewohner können unter Berücksichtigung der Lebensinteressen der selbständigen, produktiv tätigen Kräfte der Wirtschaft durch Gesetz besondere Bedarfsdeckungsgebiete gebildet und dafür Körperschaften des öffentlichen Rechts auf genossenschaftlicher Grundlage errichtet werden. Sie haben im Rahmen der Gesetze das Recht auf Selbstverwaltung.
     
     
    Artikel 156 Kartell- und Konzernverbot
    Der Zusammenschluss von Unternehmungen zum Zwecke der Zusammenballung wirtschaftlicher Macht und der Monopolbildung ist unzulässig. Insbesondere sind Kartelle, Konzerne und Preisabreden verboten, welche die Ausbeutung der breiten Massen der Bevölkerung oder die Vernichtung selbständiger mittelständischer Existenzen bezwecken.
     
     
    Das Kapital ist wie ein Kunstdünger - schnelles Wachstum aber kein Stoffkreislauf. In der BRD ist es versäumt worden, Holzgewächse zu pflanzen und den Kunstdünger zurück in den Schrank zu stellen, als die Aufbauleistung getan war.
     
    Eine Entwicklung ist abgeschlossen, wenn die primitive Lösung durch die komplexe Lösung und dann durch die einfache Lösung ersetzt wurde.
     
    Wir sind auf der Stufe der komplexen Lösung und fallen teilweise in die primitive Lösung zurück. Es ist primitiv, wenn Menschen unterversorgt am Rande der Gesellschaft vor sich hindämmern.
     
     
    Gruß Ulf Erben
     

    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
    Sie schildern in diesem PaD recht eindrucksvoll die Unfähigkeit der Politiker, geeignete Massnahmen zum sog. 'Wohl des Volkes' zu beschliessen und einzuleiten. Da erhebt sich bei mir die Frage, nach welchen Richt-, bzw. Leitlinien die tatsächlich ergangenen Beschlüsse gefasst wurden. Gemessen an den sichtbaren Ergebnissen sind sie fast ausnahmslos gegen das 'Wohl des Volkes' ergangen.
    Was sind das also für Richtlinien, die von der sog. 'Kanzlerin' angebl. vozugeben sind. Und wer wäre denn befugt, dieser Kanzlerin vorzuschreiben, in welche Richtung sie ihre politischen Vorgaben zu orientieren hätte - gegen das 'Wohl des Volkes'?
    Das sind doch m.E. wesentliche Fragen zur Aufdeckung der wirklichen politischen Herrschaft. Was die Ergebnisse der Weiterentwicklung der gegenwärtigen Lage anbelangt, haben Sie sicher eine eindrucksvolle Schilderung gegeben, ob aber jetzt noch Hoffnung auf eine Richtungsänderung hin zu einer günstigeren Entwicklung besteht bleibt fraglich.
    Die Talfahrt - ohne Bremse - beschleunigt sich selbstverständlich, und der evtl. Versuch über eine Weiche die Richtung zu ändern wird immer aussichtsloser. Denn ab einer bestimmten Geschwindigkeit wird der Zug in der Kurve aus dem Gleis kippen.
    Viele Grüsse
    W. Heber


    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
    In Vielem, was Sie an Menschlichem in dieser Pauke sagen, haben Sie natürlich recht, und das „Divide et Impera!“ regiert uns allenthalben.
    Und die Ratschläge, die Sie denen geben, die sich vor dem Crash werden ducken müssen, sind auch goldrichtig.
    Schön, daß Sie auch in unseren Politikern Menschen erkennen, die ein wenig fehlbar, aber eben auch nur Menschen sind.
    Recht offenkundig, daß von jeder Politikergruppe Fehler gemacht worden sind, und Sie bieten als Antwort auf das „Wieso eigentlich?“ zwei Lösungen an: Sind die Politiker „korrupt“ oder schlicht „unfähig“? Und als übergeordnete Lösung bieten Sie an, das System sei derart komplex geworden, daß man, als fehlbarer Mensch, eben nur noch Fehler machen könne.
    Diese Erklärungen könnte man komplementieren.
     
    Wenn denn das System für die bestehenden Steuerungsmethoden zu komplex geworden ist, hat dann nicht einer der Verantwortlichen dies erkannt, da es doch auf der Hand liegt? Und erweiterte Steuerungsmöglichkeiten, Methoden, Experten gesucht und gefunden? Etwa einen Expertenrat, der einem jeden Ministerium zugeordnet ist, oder die Übertragung des betrieblichen Prinzips des „Verbesserungsvorschlags“, so daß jeder Bürger Vorschläge machen kann?
    Und, zweitens:
     
    Alles spricht dafür (Sie auch), daß es da jemanden gibt, der durch „Teilen und Herrschen“ durch „Brot und Spiele“ eine Agenda durchsetzen will. Steht denn diese Agenda im Einklang mit dem Staatsziel des GG: „…den Nutzen des Deutschen Volkes zu mehren, Schaden von ihm zu wenden…“?? Oder kennt am Ende kaum einer die Agenda derer, die uns durch „Teilen“ zu „beherrschen“ suchen?
    Wenn das so ist, wie es scheint, dann gibt es neben Inkompetenz, Korruption und der Komplexheit des Systems noch eine weitere Möglichkeit, zu erklären, warum denn seit langem alles schief läuft, obwohl es doch ganz gut aussah, zeitweise.
     
    Es kann doch sein, daß die vielen auftretenden Fehler und Fehlentscheidungen eine Tendenz haben, daß eine GG-widrige Agenda von der Korruptheit und Inkompetenz unserer Politiker Gebrauch macht, die Schwachstellen des wahrlich unvollkommenen Systems, in das die Politiker und wir alle eingebettet sind, instrumentalisieren.
     
    Es kann doch sein, daß die Unvollkommenheit des Systems nicht notwendig und der menschlichen Unzulänglichkeit geschuldet ist, sondern als Sollbruchstellen von jenen eingebaut wurden, die uns in dieses System hineingesteckt haben. Um die Frage zu beantworten, müßte man sich vielleicht überlegen, woher das denn eigentlich kommt, dieses System, das uns so fest im Griff hat.
    Man müßte die Fragen lösen:
     
    • WORIN BESTEHEN DENN DIE GRÖSSTEN FEHLER?
    • WEM NÜTZT, WAS UNS GESCHIEHT?
    • WER IST ES, DER UNS BEHERRSCHT; OHNE DASS WIR GEFRAGT WERDEN?
      UND MIT WELCHEM ZIEL WIRD DIE HERRSCHAFT AUSGEÜBT?
      Und:
    • GIBT ES DENN GAR NICHTS, WAS WIR TUN KÖNNEN, UM ERKANNTEN FEHLERN ENTGEGENZUWIRKEN?
    Es stimmt schon, möglicherweise sind die Kräfte, die uns im Griff haben, über alle Maßen übermächtig.
    Dagegen ist zu sagen: „Gegen Atomwaffen hilft nur der Dolch. Gegen Atomwaffen hilft der Dolch!“
    Noch etwas ist zum kommenden Crash zu sagen.
    Vielleicht könnte man ja die Hoffnung haben, er würde doch nicht ganz so schlimm?
    Diese Hoffnung könnte man haben, wenn es sich nur darum handeln würde, daß „unsere“ Politiker das restliche Vermögen der restlichen Deutschen den Banken fremder (und befreundeter) Länder „übereignet“ haben.
    Es ist jedoch schlimmer.
    Die Gesellschaft der Bewohner der BRD besteht heute aus einem Überhang an Menschen im erwerbsfähigen Alter. Unsere Produktivität und Wirtschaftskraft ist dementsprechend hoch, -heute, noch, muß man hinzusetzen. Denn wenn diese Jahrgänge in etwa 20 Jahren abtreten, folgen ihnen nicht zahlenstarke Jahrgänge nach, die dann die Alten und den Jungen durch Produktion erhalten könnten: Es folgt (fast) niemand nach. Die Jahrgänge, die dann erwerbstätig sein könnten, die wurden gar nicht geboren. Und, schlimmer: Eine Geburtenlücke vergrößert sich lawinenartig, exponentiell. Die fehlende Zahl junger Eltern führt zu einer noch größeren Zahl an Kindern, die nicht geboren werden, weil schon ihre Eltern nicht geboren wurden. Unsere Alterspyramide hat URNENFORM (http://www.sichere-rentenversicherung.de/Alterspyramide.php), die Überalterung und das Abtreten des gesamten Volkes ist nicht mehr aufzuhalten. Die Anwesenheit einer großen Zahl unproduktiver, ungelernter und von Transferzahlungen abhängiger Immigranten verschärft die Situation weiter.
    In zwanzig Jahren wird als glücklich gelten müssen, wer Kartoffeln und Salz zur Verfügung hat.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gunther Kümel.
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