Paukenschlag
am Donnerstag
No. 21 /2012
31. Mai 2012


Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

keine Druckversionen

hoher Kontrast
reduzierter Kontrast
Kommentare lesen schreiben

Druckversionen: Manuela Engl

Ent ...

Impressum
Startseite
EWK-Verlag
Newsletter

ARCHIV PaD

 Paukenschläge 2012
Paukenschläge 2011
Paukenschläge 2010
 Paukenschläge 2009
 Paukenschläge 2008
 Paukenschläge 2007
 Weitere Kommentare
 Leserbriefe

 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 

 
 
 
 EWK-Verlag

 unser gesamtes Buchangebot

 Belletristik
  Kinder und Jugendbuch
 
Sachbuch Wirtschaft 

 Sachbuch Soziales

 Sprachkompetenz mit
LINGVA ETERNA

Paukenschläge 
 Michael Brückner - Uhren

 Lyrik

 Reise

 Humor
 
 Weihnachtsempfehlungen
 

 Gutscheine
 
 
 
 
 

Ent ...

 

Ent-, eine Vorsilbe. Ein Partikel des deutschen Wortschatzes.
Was kann man nicht alles per "ent-" von seinem Wesenskern trennen!
Spannend ist, was heute die Financial-Times schreibt,
dort jubelt man nämlich über die Ent-Deutschung der Deutschen Bank.
 
Wider die Deutschtümelei,
 
so ist der Aufsatz überschrieben, in dem
 
- ungeachtet der Tatsache, dass nun über viele Jahre ein Schwyzer die Deutsche Bank anführte -
 
der neue Vorstandschef "Anju Jain" und der immer internationaler werdende Kreis der Führungsriege als Faktum "wider die Deutschtümelei" über den grünen Klee gelobt werden.
 
 
Wenn nun das, was Ackermann mit der Deutschen Bank angestellt hat,
 
treuherzig beteuernd, kein Geschäft könne lukrativ genug sein, um damit den guten Ruf der Bank zu beeinträchtigen, Deutschtümelei gewesen sein soll, dann packt mich ob dieser Assoziation das Entsetzen.
 
Ist es Deutschtümelei, Geschäfte mit Streubombenherstellern (diese kleinen Spielzeugbomben, die vor allem noch lange nach dem Krieg die Kinder der Bekriegten verstümmeln) zu machen?
 
Ist es Deutschtümelei, an der Spekulation mit Nahrungsmitteln zu verdienen, ungeachtet der Tatsache, dass die Zahl der Hungernden und der Verhungernden auf diesem Planeten darauf mit "Wachstum" reagiert?
 
Ist es Deutschtümelei, in den USA als mächtiger Player die Hypotheken- und Immobilien- (Subprime-) Krise mit ausgelöst, an den Verbriefungen mit verdient zu haben, und mit dem Abschieben der Ramsch-Papiere - auch an deutsche staatliche Institute - sich als
unbelasteter Brachenprimus darzustellen, der danach nichts Besseres zu tun hat, als die Einwohner ganzer Stadtviertel mit zweifelhaften Unterlagen und zweifelhaften Treuhänderkonstruktionen in die Zwangsversteigerung zu treiben?
 
Wenn das Deutschtümelei gewesen sein soll, also diese letztlich doch zögerliche, selbstkritische, heimatverbundene, traditionswahrende Grundhaltung, die man den Deutschen gerne nachsagt, was kommt denn dann jetzt?
 
Die Ent-deutschung der Deutschen Bank geht jedenfalls jetzt gerade eben wieder einen großen Schritt weiter.
 
Doch war mit dieser, aus der Mottenkiste geholten Floskel von der Deutschtümelei, wirklich die Deutsche Bank alleine gemeint?
 
Ich hege da meine Zweifel.
 
Deutschtümelei, das ist in diesem Zusammenhang wohl ins Blatt gedruckt worden, damit es weitere Anwendung finden möge, damit sich Journalisten - soweit es die unter den Lohnschreibern noch gibt - mit diesem Wort anfreunden, es gegen die letzten Reste an Widerstand gegen die Einführung von Euro-Bonds in Stellung bringen, obwohl Regierung und Parlament (einschließlich weiter Teile der Opposition) doch das noch größere Übel, das Euro-Bonds so überflüssig machen wird, wie den Beifang der Hochseefischereiflotten, in sonderbarer Einigkeit herbeisehnen, nämlich Fiskalpakt und ESM.
 
Ist das gelungen, ist Deutschland vollständig ent-mündigt.
 
Ist das nur Ent-Demokratisierung?
 
Oder ist es der vorletzte Schritt auf dem Weg zur völligen Ent-Rechtung?
 
Die Bundesregierung lehnt es bereits ab, die Zustimmung des Bundesrates zum ESM-Vertrag einzuholen, weil die Länder dabei keinerlei Mitsprachrecht hätten.
 
Das Mitspracherecht bezöge sich nur auf die Weiterentwicklung der EU.
ESM sei aber keine EU-Institution, ergo auch nicht zustimmungspflichtig.
 
Ein juristisches Konstrukt, diese Begründung, das an Infamität kaum zu überbieten ist.
 
Mit ESM werden noch weit mehr Hoheitsrechte der Mitgliedsstaaten aufgegeben, als bisher schon mit dem Vertrag von Lissabon aufgegeben wurden.
 
Mit ESM wird eine Institution mit allen diktatorischen Vollmachten ausgestattet,
die weder mit dem Anschein von demokratischer Legitimation ausgestattet ist, wie dies bei der EU noch für notwendig gehalten wurde, noch irgendeiner Gerichtsbarkeit unterworfen ist, wohl aber das Recht bekommen soll, die Mitgliedsstaaten auf Umsetzung ihrer unkontrollierbaren Beschlüsse zu verklagen.
 
Wenn es Deutschtümelei sein soll, sich wenigstens pro Forma noch gegen die Euro-Bonds zu stemmen, dann ist das eine schöne demagogische Figur.
 
Vorne wird Angela Merkel der Deutschtümelei bezichtigt und behält damit ihre guten demoskopischen Ergebnisse, während im Hintergrund der Bühne per ESM schlicht alles ausgehebelt wird, was in ganz Europa über die letzten 60 Jahre an Demokratie, Sozial- und Rechtsstaatlichkeit entwickelt wurde.
 
Ein weiterer, sehr subtiler Angriff auf die Deutschtümelei, findet sich in der Werbung, die seit Monaten geschaltet wird, ohne dass irgendwo sich Kritik regen würde.
 
Stellen Sie sich einfach vor, SIEMENS würde in den USA mit dem Spruch werben:
 
 
SIEMENS
 
Wir sind das S in den Vereinigten Staaten von Amerika.
 
 
Da wäre wohl was los.
 
General Elektrik wirbt allerdings ungerührt mit dem Slogan:
 
Wir sind das GE in GERMANY.
 
Ja, und nun darf man mir Deutschtümelei vorwerfen.
 
Aber bitte nicht die von Ackermann.
 

 
Ent-
 
Es tobt ein Bürgerkrieg in Syrien.
Die Rebellen drohen mit militärischer Eskalation.
Der neue französische Präsident hat Lust am Einmarschieren.
In den USA denkt man über einen Einsatz ohne UN-Mandat nach.
 
Assad soll entmachtet werden.
 
Ist ja auch ein relativ kleiner Staat.
Ist ja auch ein geostrategisch wichtiges Teil im Machpuzzle.
 
Wie in Afghanistan, im Irak, in Libyen
konnte man sich der kriegsvorbereitenden Einmischung in innere
Angelegenheiten nicht enthalten.
 
Ich frage mich immer wieder, ob es in Syrien nicht sehr viel friedlicher
zuginge, ob nicht sehr viel weniger Todesopfer zu beklagen wären,
gäbe es keine ausländische Unterstützung - mit Geld, Waffen und Indoktrination -
für jene "Rebellen", die - ebenso undemokratisch wie Assad - den Umsturz
herbeiführen wollen und damit die Rechtfertigung für den nächsten Einmarsch liefern.
 
Die Doktrin der Nichteinmischung in Innere Angelegenheiten souveräner Staaten war
eine kluge, wenn nicht gar weise Doktrin.
 
Dass sie von der UN aufgegeben wurde, mit der nicht zu Ende gedachten Argumentation: "Wenn ein Staat nicht mehr in der Lage ist, seine Bürger zu schützen, ist militärisches Eingreifen von außen zulässig, ja sogar geboten", hat die gezielte Herstellung solcher Situationen, die bereits ausgenutzt wurden und noch weiter ausgenutzt werden, doch erst geschaffen.
 
Hinterher ist dann Nation-building angesagt.
 
Was heißt das?
 
Es heißt nichts anderes, als die Ent-Afghanisierung Afghanistans, die Ent-Irakisierung des Iraks, die Ent-Libysierung Libyens, die Ent-Syrisierung Syriens, also das Ende möglichst aller nationalen Tümeleien.
 
Was da stattfindet ist eine Art Flurbereinigung unter den Nationalstaaten, die Enteignung der Nationalstaatlichkeit.
 
In vielen Gebieten dieser Welt werden die zusammengelegten Felder anschließend den Global Playern zur Bewirtschaftung überlassen. Die ehemaligen Grundbesitzer werden entschädigungslos in die abhängige Beschäftigung entlassen.
 
In Europa geschieht das Gleiche.
 
Nur die Waffen sind andere.
Es sind Verträge, die von Regierungen zu Lasten ihrer Völker und zugunsten weniger Profiteure geschlossen wurden.
 
Verträge, deren Einhaltung, da, wo es opportun erscheint, mit allen Mitteln durchgesetzt wird, die aber, an anderer Stelle, wo es opportun erscheint, ohne auch nur den Hauch eines Schuldgefühls gebrochen werden.
 
Die Geschichte der europäischen Währungsunion strotzt vor Beispielen für beide Vorgehensweisen.
 
Die Garantie, dass Länder des Euro-Raumes für die Schulden anderer Länder des Euro-Raumes niemals einstehen müssten (No Bail-Out), ist schlicht vergessen, doch wenn Spanien den Versuch unternimmt, sich an den eigenen Haaren aus dem Schopf zu ziehen, den eigenen Banken eigene Staatsanleihen als Sicherheiten zu überlassen, dann findet sich hurtig der EUGH zuständig und verbietet das.
 
Nee!
Spanien darf nur mit deutschen Staatsanleihen gerettet werden.
 
 
 
Um die geht es schließlich, bei allen Maßnahmen zur Rettung von Banken und Staaten in der Euro-Zone.
 
Trotz aller hämischen Sticheleien über die Deutschtümelei.
 
Doch wir Deutschen,
 
jedenfalls soweit wir in verantwortlichen politischen Positionen sitzen,
haben nichts anderes im Sinn,
als uns als gute Europäer zu beweisen.
 
Und was tut ein guter Europäer?
 
Er zahlt.
 
Und was tun die anderen Europäer?
 
Nein. Die nehmen nicht.
Die bekommen gar nichts, von dem was wir zahlen.
 
Die sparen.
 
Die haben zu sparen,
bis sie auch wieder zahlen können.
 
 
Ach ja, die Bilderberger beschließen wohl gerade,
wie es weitergehen soll.
 
 
Ent-Machten - fällt mir da ein.
 
Stell Dir vor,
es ist Bilderbergertreffen
und keiner geht hin?
 
 
Nun, dieser schöne Slogan hat den Pazifisten auch nichts gebracht.
Es finden sich immer genug, die hingehen.
Ob nun in den Krieg oder zu den Bilderbergern.
 
Und weil Soldaten nun mal definitiv keine Mörder sind,
und weil den Teilnehmern der Bilderbergertreffen
für ihr Treiben auch kein Paragraph ins Strafgesetzbuch
geschrieben wurde,
 
werden wir sie bei ihrer Rückkehr vom Einsatz loben und ehren
und auch gerne wiederwählen.
 
Was denn sonst.
 
 
Wider die Deutschtümelei - der Artikel in der Financial Times "Deutschland" .-))
 
 
 
 



 
    Sicher surfen auf
    egon-w-kreutzer.de
     
    Mit dem Original Facebook-Button nutzt FB die Gelegenheit, Ihre Nutzerdaten abzugreifen, sobald Sie eine solche Seite betreten. Hier entscheiden Sie mit dem Anklicken des Links recht selbst, ob Sie sich mit "Gefällt mir" für Facebook sichtbar machen wollen.

  

 
 
 


nach oben  Newsletter bestellen

 
 
 
 
 
 
 
Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,
 
so ein Paukenschlag - und ich hatte gerade so gute Laune.
Jetzt bleiben nur noch zwei Fragen offen:

erstens - die leitenden Angestellten dieser "internationalen Geldinstitute" sind doch samt Staatsangehörigkeit egal. Interessant wären die Namen und Staatsangehörigkeiten derjenigen, die sich an der Beute dieser Raubzüge fettfressen. Könnte es sein, daß derartige FT-Artikel gezielt von diesem interessanten Thema ablenken sollen?
 
zweitens - weshalb lehnt es Angela Merkel denn ab, den Bundesrat zu befragen? Die dort sitzenden SPD-Parteibuchträger sind doch noch williger und unterwürfiger als die Funktionärsnasen in den eigenen Reihen... .
 
Und dann noch eine Beobachtung. Thilo Sarrazin verdient eine Menge Geld, indem er Bücher schreibt, die in vielen, vielen Einzelexemplaren von vielen Millionen Menschen gekauft werden. Anscheinend schreibt Sarrazin etwas, was diese vielen, vielen Einzelmenschen interessiert.
Peer Steinbrück verdient eine Menge Geld, indem er - wiewohl strenggenommen fachlich ein Laie - vor Bankvorständen u. ä. Ansprachen hält. Weshalb werden ihm für seine Vorträge, denen mangels Forschungstätigkeit oder Erfahrung in der freien Wirtschaft jeder Neuigkeitswert abgehen dürfte, so viel Geld gezahlt? Wessen Interesse stellt sich in diesen Zahlungsflüssen dar, und könnte dieses Interesse richtigerweise konträr zu demjenigen liegen, welches der Bürger hat, der diesen Herrn wählen soll?

Mich entsetzt die Ahnung, daß heutzutage einem Thilo Sarrazin mehr am Allgemeinwohl liegt als denen, die unter dem Deckmantel einst anständiger Parteien gegen das eigene Volk agieren und daraus noch nicht einmal ein Geheimnis machen.
 
Jetzt bin ich deprimiert.
Trotzdem danke fürs Wieder-auf-die-Pauke-hauen.
Grüße aus Berlin, Maria von der Heydt

Deutschtümelei?? Ackermann??
Was’n Blödsinn!!
Mit schwammigen Begriffen bekommt man ja einen Artikel hin und ganze Bücher.
Was könnte denn mit dieser „-tümelei“ etwa gemeint sein? Vielleicht ist jemand, der penetrant, engstirnig und hausbacken auf sein Deutschtum hinweist, ein Deutschtümler.
Mir ist nicht aufgefallen, daß Herr Ackermann jemals auf sein Deutschtum hingewiesen hätte, schon gar in prononcierter Weise.
Konnte er ja auch vielleicht schlecht, trotz seines deutschklingenden Namens.
Als Chef eines internationalen Konzerns vertritt man Interessen, und es wäre interessant, darüber nachzudenken, ob Herr Ackermann vielleicht auch andere Interessen vertreten haben könnte, als jene seiner Dienstherren, der Aktionäre. Die Interessen des Deutschtums, des Deutschen Volkes (Grundgesetz) oder die der BRD, hat er bestimmt nicht vertreten.
Denn wer selektiv bestimmte Interessen vertritt, der schließt andere aus. Das ist so bei Interessensvertretern.
Und wenn wir jetzt Herrn Ackermann von dem Verdacht befreien können, ein „Deutschtümler“ zu sein, was kann der Artikelschreiber eigentlich gemeint haben?
Vielleicht war das ja nichts weiter als seine tägliche Dosis an „Antigermanismus“, die er los werden mußte.
Gunther Kümel.

Hallo Herr Kreutzer,

 

 

 

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

u
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits