Paukenschlag
am Donnerstag
No. 13 /2012
(2 Tage verspätet) vom 7. April 2012

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Günter Grass

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Günter Grass


Ein großer Autor hat ein friedliches Gedicht geschrieben.


Wohl wissend, dass man ihn deshalb und dafür in der Luft zerreißen wird.

Wohl wissend, dass die Debatte über dieses Gedicht lange anhalten wird.

Wohl wissend, dass nur über diese Debatte die Aufmerksamkeit für sein Gedicht erreicht werden kann, die er sich wünschte.


Die einhellige Verurteilung seiner lyrischen Meinungsäußerung, die er inzwischen selbst als "Hordenjournalismus" bezeichnet hat, droht nun allerdings, den Zweck und das Ziel seiner Verse ins Gegenteil zu verkehren.

Ein Gulliver im Land der Zwerge hat seine Fesseln zerrissen - doch David mit der Schleuder hält ihn für Goliath und macht ihn nieder, nur weil er aufgestanden ist, sich aufrecht hingestellt und in freundlicher Versform gesagt hat, was er glaubte, sagen zu müssen.


Die Kritik an der Politik der Israelischen Regierung, die Kritik an der Hörigkeit der USA gegenüber Israel und die Kritik an der deutschen Unterstützung dieser Politik durch die zum Teil kostenlose, zum Teil bezuschusste Lieferung von Rüstungsgütern an ein Land, dessen übersteigerter Wille zur präventiven Selbstverteidigung nun wirklich nicht bestritten werden kann, ist im allgemeinen Aufruhr gegen Günter Grass, dem nun von der veröffentlichten Meinung zum Alt-Antisemiten Gestempelten, vollkommen untergegangen.


Ist es denn unmöglich, das reale Verhalten eines Staates auch dann nüchtern und ohne Vorbehalte zu erkennen und zu benennen, wenn dieser Staat Israel heißt?


Unmöglich ist es nicht.

Allüberall im Lande spricht man hinter vorgehaltener Hand über den Umgang Israels mit den Palästinensern.

Allüberall im Lande spricht man hinter vorgehaltener Hand über die unerträgliche Empfindlichkeit des Zentralrats der Juden in Deutschland, der jede kleinste Kritik an Israel aus dem Stegreif zum unmittelbar bevorstehenden neuen Holocaust aufbauscht.

Allüberall im Lande äußert sich Unmut über die fortdauernde Unterstützung des Staates Israel und seiner Bürger aus deutschen Steuermitteln.

Doch wie zu Zeiten von Gestapo oder Stasi herrscht allüberall im Lande Angst, die privat geäußerte Meinung könnte öffentlich werden.

Und dass diese Angst berechtigt ist, zeigt sich am Beispiel Günter Grass überdeutlich.


Der Mann ist prominent. Sein literarisches Werk ist großartig und weltweit anerkannt.

Doch ein paar Verszeilen mit mäßiger Kritik an Israel machen all das vergessen.

 

Zu Recht?

 

Ganz gewiss nicht.

Es kommt mir vor, als sei mit unseren Politikern und Journalisten das geschehen, was Pawlow mit seinen Hunden machte. Er hat diese Tiere darauf konditioniert, auf den Klang eines Glöckchens hin so intensiv Speichel zu produzieren, wie es normalerweise nur geschieht, wenn duftendes Futter in ihre Nähe gebracht wird.

Günter Grass hat mit seinen Zeilen dieses Glöckchen berührt.

Sein Gedicht ist frei von jeglichem Antisemitismus, frei von Judenhass, frei von nationalsozialistischem oder faschistischem Gedankengut, und dennoch verhalten sich alle, denen es möglich ist, ihre Meinung öffentlich weithin hörbar zu verbreiten, als habe ein rechtsnationales Bündnis in Deutschland bei den Bundestagswahlen die Zweitdrittelmehrheit erreicht.

Das ist der eigentliche Skandal.

Statt vernünftiger Würdigung des Sachverhalts, statt Argumenten, die sich mit der Kritik sachlich auseinandersetzen, wird uns ein bedingter Reflex dargeboten, das Ergebnis einer Konditionierung, man könnte es auch "Dressur" nennen, das bei ansonsten vernunftbegabten Menschen schlagartig das eigene Denken ausschaltet.

Soweit zur Debatte in Deutschland.

 

Nun zur Lage in Israel.


Seit Jahren fordert Israel, den Iran zu überfallen und seine Atomanlagen zu zerstören.

Seit geraumer Zeit erklärt Israel, dies gegebenenfalls im Alleingang zu unternehmen, sollten die USA sich weigern, diesen Waffengang mitzugehen.

Seit kurzem gibt es eine Bewegung in der Bevölkerung Israels, die sich offen gegen die Kriegsgelüste der Regierung stellt und im Internet der Bevölkerung des Iran versichert:

"Wir lieben euch. Wir werden euch nicht angreifen."

 

Diese Botschaft ist in der iranischen Bevölkerung auf Zustimmung gestoßen. Die Liebe wird zurückgegeben. Die Menschen in beiden Staaten artikulieren, dass sie keinen Krieg gegeneinander führen wollen. Auf beiden Seiten scheint die Angst vor dem Krieg, den die eigene Regierung vom Zaum brechen könnte, größer zu sein, als die Angst vor dem jeweils anderen Volk.

Das ist eine wunderbare Entwicklung.

Zeigt sie doch, dass im Zeitalter der weltumspannenden Kommunikation via Internet so etwas wie eine "Erbfeindschaft", die es einst ermöglichte, Deutsche und Franzosen zum gegenseitigen Abschlachten in die Schützengräben zu treiben, so leicht nicht mehr in die Köpfe einzuhämmern ist, obwohl die mediale Potenz des Staates und die Potenz der von privaten Interessen gelenkten Medien größer ist, denn je zuvor.


Wo also liegt das Problem?
Wer braucht warum den Krieg?

 

Eine Triebfeder ist sicherlich die Angst,
die aus der Macht geboren wird.


Und da werfe ich jetzt die USA und Israel in einen Topf.

Beide sind auf ihrem Spielfeld die militärisch absolut überlegene Macht. Das gibt ihnen einerseits das gute Gefühl, jeder Bedrohung gewachsen zu sein, jeden Gegner, der es wagen könnte, sie anzugreifen, mühelos zurückzuwerfen und sein militärisches Potential vollständig zu vernichten.
Doch zu diesem guten Gefühl gesellt sich sehr schnell ein sehr schlechtes Gefühl. In einem alten Sprichwort heißt es:

"So wie der Schelm ist, so denkt er von anderen."

Also denkt man in Washington und Tel Aviv:

"So wie wir auf die Idee gekommen sind, die mächtigste und unschlagbare Macht auf unserem Spielfeld zu werden, und so wie wir alle Anstrengungen unternommen haben und weiter unternehmen, dies auch zu bleiben, so könnten überall auf der Welt die bestimmenden Köpfe der Staaten auf die gleiche Idee kommen, ja es wäre sogar blöd von denen, hätten sie nicht den Plan, eines Tages selbst zur alles beherrschenden Macht zu werden. Das kann gar nicht anders sein."


Und so wird eine Unterstellung zur Gewissheit, so wird das eigene Denken und Handeln, da es ja das bestmögliche ist, zwangsweise auf alle anderen übertragen - mögen sie auch noch so friedfertig und harmlos erscheinen. Wer Weltbeherrschungsgelüste hegt, muss sich schließlich zwangsläufig bemühen, so lange wie möglich friedfertig und harmlos zu erscheinen, um nicht vorzeitig "entdeckt" und "gestoppt" zu werden.


Und diese Gewissheit, verbunden mit der natürlichen Arroganz der Macht, verlangt, dass alle potentiellen Gegner ständig schärfstens überwacht und kontrolliert werden. Und weil selbst die modernste Aufklärungstechnik noch irgendwo eine Lücke aufweisen könnte, verlangt man von jedem verdächtigten Staat, dass er von sich aus Einblick in seine Pläne und Vorhaben gewährt, dass er alles offenlegt, weil - und jetzt kommt das Totschlagargument - wer nichts zu verbergen hat, auch nichts zu befürchten braucht.


Wer sich da noch auf seine Souveränität beruft, und sich weigert, die Kontrolleure der Supermächte bei sich schnüffeln zu lassen, gerät schneller auf die Abschussliste als ein kapitaler Sechzehnender im bayrischen Staatsforst.


Wir sind am Übergang von der absoluten militärischen Überlegenheit zur absoluten Hegemonie.

Die Weltregierung lässt grüßen.

Und diese heraufziehende Weltregierung

- so wünschenswert die "Eine-Welt-Regierung" im Sinne des friedlichen Zusammenlebens aller Menschen im Grunde wäre -

nimmt, je näher sie kommt, immer mehr die Züge einer totalitären, kontrollwütigen, menschenverachtenden Herrschaft im Geiste einer alleinseligmachenden Ideologie an.

Wer dies erkennt, und vorsorglich sein Fähnchen in den Wind hängt, also zum Mitläufer oder zum Kollaborateur wird - hier verschwimmen in diesem Fall die Unterschiede - kann, bis zum bösen Erwachen, ruhig schlafen.

Zu Kontrollzwecken lässt die Herrschaft allerdings hin und wieder ein Glöckchen erklingen (z.B. indem man Günter Grass die Gelegenheit gibt, sein Gedicht in die Medien zu heben) - und obwohl es weit und breit nichts zu fressen gibt, setzt überall der Speichelfluss ein.

Weh denen, die da nicht freudig mitsabbern.

 

 

 

 

 


In einer kapitalistischen Demokratie herauszufinden, wer wessen Interessen vertritt, wer sich welchem "Wir" zugehörig fühlt, ist nicht so einfach.

In "Unsere Freiheit" habe ich einen Versuch unternommen, die Basis zu finden, auf der sich die Mehrheit der Demokraten versammeln könnte, um aus ihrer Lethargie herauszufinden.

...man kann sich dafür einsetzen.

 

 




Mehr über das Geld, den Kapitalismus, die Globalisierung finden Sie in

"Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre"

 Alles hier zu finden!

 

 

und dieses kurze Video habe ich aus aktuellem Anlass

hier noch eingefügt.

Es macht Hoffnung.
http://www.youtube.com/watch?v=mYjuUoEivbE

 

 

Eine Hoffnung, die auch Nicole Engbers in ihrem Buch

Der Hase Donnerstag und die anderen Tiere aus dem Wälchen hinter dem Mond

eindringlich ausgedrückt hat:

 

Eines Tages beschlossen die Waldbewohner,
dass sie in Frieden miteinander leben wollten.

Sie beschlossen das einfach so.
Von einen Tag auf den anderen.

Es war gar nicht so schwer,
weil es alle von ganzem Herzen wollten.

Und wenn man etwas von ganzem Herzen will,
dann klappt es auch.

 

und hier gibt es dazu eine schöne Leseprobe vom Anfang dieses Buches für Kinder ab fünf Jahren, ein Buch, dessen schöne, als Buntstiftzeichnungen gestaltete
Illustrationen die Kinder auch anregen, selbst zum Stift zu greifen,
ein Buch, dessen liebevoll und kindgerecht geschriebenen
Geschichten immer noch spannend genug
sind, um dieMotivation
zum Lesen zu
wecken.

 Leseprobe

Der Hase Donnerstag und die anderen Tiere
aus dem Wäldchen hinter dem Mond


(Leseprobe gestaltet von Manuela Engl)


 
 
 
 



 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

mit dem Glöckchen haben Sie die Situation ziemlich genau getroffen. Unsere Politiker wissen aus leidvoller Erfahrung, daß kritische Äußerungen zum Thema Israel und ähnlich gelagerten Themen einem politischen Selbstmord nahe kommen.
Also glaubt nahezu jeder, der öffentlich unter Beobachtung zu stehen glaubt, sich sofort davon distanzieren zu müssen.
So weit ist die "Freie Meinungsäußerung" in Deutschland gekommen!

Respekt vor Ihren Veröffentlichungen zu vielen Themen, an die sich andere Journalisten nicht herantrauen bzw. nicht die nötige Sachkenntnis haben. Machen sie weiter so!

Frohe Osterfeiertage



Sehr geehrter Herr Kreutzer,
als ausgebildeter und überzeugter Humanist
- habe ich nicht die Verantwortung für das zu übernehmen, was Politiker und ihre Handlanger im Dritten Reich angeordnet haben,
- aber die Pflicht übernommen, mich dafür einzusetzen, daß solche Verbrechen nie wieder angeordnet werden.
Also kritisiere ich laut und deutlich in meinem Umfeld jegliche Art von Krieg und Völkermord, denn nichts anderes ist Krieg, Mord an Menschen, fremden und deutschen, angeordnet durch Politiker und ihre Handlanger.
Sei es gegen/für: Jugoslawien, Afghanistan, „Palästina“.
Dennoch werde ich von meinem Umfeld nicht als Linker oder Antisemit beschimpft.
Mit welchem Recht machen dies jedoch die Politiker und ihre Handlanger mit jedem, der anders denkt als angeordnet? Siehe auch Günter Grass.
Wir hatten einst ein Reichspropagandaministerium, und heute? Wo ist der Unterschied?
Ich bin froh über jeden lauten Menschen, der wie Günter Grass nicht nur auf seinem Recht auf freie Meinungsäußerung besteht, sondern diese Meinung auch noch sachlich fundiert vertritt. Davon haben wir nicht genug. Aber leise Menschen, die der gleichen Meinung sind, haben wir sehr viele. Hoffentlich fassen Sie jetzt Mut und werden laut. Es ist nämlich viel zu leise hier in Deutschland. Das können wir besser.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Lesern Frohe Ostern.
Eugen J. A. Schmitz

Sehr geehrter Herr Kreutzer,
vielen Dank dafür, dass Sie dieses Thema aufgreifen und ja, ich sehe es ähnlich wie Sie.
 
Schon lange geht mir persönlich der Umgang und die Berichterstattung über den Iran auf die Nerven. Aber was sich der Staat Israel derzeit leistet, ohne hierzulande kritisch hinterfragt zu werden, ist ein Skandal ohnegleichen.
 
Unabhängig davon, ob man die Zeilen von Günter Grass als Gedicht bezeichnen sollte ( da habe selbst ich meine Zweifel ), so sind die Zeilen zumindest eine absolut gerechtfertigte und vor allem notwendige Meinungsäußerung abseits des volksverblödenden Mainstreams.
 
Endlich wagt es mal jemand die Politik Israels öffentlich zu kritisieren und was muss ich als Reaktion lesen?
Siehe hier:
 Link zum Hamburger Abendblatt


Nicht Günter Grass, sondern Sie Herr Lahnstein, verwechseln Ursache und Wirkung. Und genau dies möchte ich Ihnen Herr Lahnstein, hiermit mit Nachdruck ins Stammbuch schreiben. Noch sind wir nicht so weit, dass Sie Herr Lahnstein, Fakten verdrehen und unwidersprochen stehen lassen können. Ich widerspreche Ihnen Herr Lahnstein, wohl wissend, dass mein Wort nicht das Gewicht von Günter Grass erreicht, aber ebenfalls wohl
wissend, dass ich damit nicht allein stehe.
Mit freundlichen Grüßen; Peter Fischer

Hallo Herr Kreutzer,

 

 

 

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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