Paukenschlag
am Donnerstag
No. 10 /2012
vom 15. März 2012

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Fahrende Züge

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Fahrende Züge
 
 
Lassen Sie mich mit Gedanken beginnen, die in Albert Einstein die Idee auslösten, seine - unser Weltbild revolutionierende - Relativitätstheorie zu entwickeln:
 
Albert Einstein verglich die Wahrnehmungen von Beobachtern und zeigte auf, dass für einen Beobachter, der sich in einem fahrenden Zug, in einem bewegten Fahrstuhl oder sonst innerhalb eines sich gleichförmig bewegenden Systems befindet, sich alles, was er innerhalb dieses Systems wahrnimmt, im Ruhezustand befindet, während die Welt außerhalb dieses Systems sich, relativ zu seinem Beobachtungspunkt, zu bewegen scheint.
 
Umgekehrt wird ein Beobachter außerhalb des Systems die Bewegung des Zuges oder des Fahrstuhls wahrnehmen, während er sich selbst in Ruhe wähnt.
 
Da es nirgendwo im Universum einen Punkt gibt, von dem sicher angenommen werden kann, dass er sich in absoluter Ruhe befindet, einen Punkt, auf den man also alle Bewegungen beziehen könnte, neigen wir Menschen dazu, das uns erkennbare Bezugssystem als fest, stabil und ruhend wahrzunehmen, solange es weder die Richtung ändert, noch seine Bewegung beschleunigt oder verzögert.
 
Um es zu verdeutlichen:
 
Wir leben auf einer blauen Kugel, die im Abstand von ungefähr 8 Lichtminuten innerhalb von 365,25 Tagen ein Mal um ihr Zentralgestirn kreist. Das entspricht einer Geschwindigkeit von rund 30 Kilometer pro Sekunde oder 107.000 Stundenkilometern.
 
Und wir merken nichts davon.
 
Wir merken nichts davon, weil alle unsere Bezugspunkte innerhalb dieses Systems "Erde" liegen und sich mit gleicher Geschwindigkeit in die gleiche Richtung bewegen, also stillzustehen scheinen.
 
Dieses Phänomen wirkt allerdings nicht nur in der Physik, es ist ein Grundprinzip der menschlichen Wahrnehmung, das letztlich auch als Erklärung für die Phänomene der Massenpsychologie herangezogen werden kann.
 
Immer dann, wenn eine große Zahl von Menschen bestimmte Vorgänge und Ereignisse in gleicher Weise bewertet, stellt sich für jeden Einzelnen das Gefühl der Ruhe ein, ganz egal, wie schnell die Vorgänge und Ereignisse sich entwickeln, ganz egal, in welche Richtung sie führen.
 
Sobald man sich in einem System von Gedanken und Aktivitäten so eingerichtet hat, dass man sich mit diesem System in gleicher Geschwindigkeit in die gleiche Richtung bewegt, fühlt man sich sicher, so sicher, wie im Schlafwagenabteil der Eisenbahn, das auf endlos verschweißten Schienen erschütterungsfrei durch die Nacht jagt.
 
Im Zeitalter der Massenkommunikation bedarf es nicht mehr des realen Kontakts mit anderen Menschen, um sich in ein ruhendes Gedanken- und Aktivitätssystem sicher eingebunden zu fühlen. Es genügt, dass Rundfunk und Fernsehen, Zeitschriften und Magazine das System als "ruhend und sicher" darstellen. Dann lassen wir in unseren Schlafwagenabteilen die Rollos herunter, schalten das Licht aus und schlafen.
 
Es interessiert uns nicht, was draußen auf der Strecke vor sich geht, es interessiert uns nicht, wer die Weichen stellt, auf denen der Zug durch die Nacht rast, es interessiert uns nicht. Der Zug ist für die Fahrzeit unser alleiniges Bezugssystem - und weil es draußen so dunkel ist, lohnt es sich auch nicht, aus dem Fenster zu schauen.
 
Wir sitzen in einem Zug, der sich rasend schnell auf einen neuen, schrecklichen und in seinen Dimensionen noch gar nicht abschätzbaren Krieg, vielleicht auf den dritten Weltkrieg zubewegt, und nehmen diese Bewegung nicht wahr, weil die deutschen Soldaten, die rings um die Welt im Auslandseinsatz sind, ebenso zum Inventar dieses Zuges gehören, wie die US-amerikanischen Soldaten, die rings um die Welt im Auslandeinsatz sind und dabei nicht eben zimperlich vorgehen. Sie werden mit dem Zug, in dem wir alle sitzen, in Richtung Iran und in Richtung Syrien transportiert, es irritiert uns nicht, es ist das gewohnte Bild ...
 
Wir sitzen in einem Zug, der sich rasend schnell auf eine gigantische Weltwirtschaftskrise zubewegt. Als die Banker zugestiegen sind, und sich der Zug auf einem neuen Gleis in Bewegung setzte, hat uns das noch verwundert und erschreckt, inzwischen ist uns der Prozess der Bankenrettung so zur Selbstverständlichkeit geworden, dass wir mit jedem neuen Rettungspaket, das aufgelegt wird, nicht anders umgehen, als mit dem Servierwagen, der sich in unserem Zug von Abteil zu Abteil bewegt. Es ist wieder einmal Zeit, einen Kaffee zu nehmen, ein Sandwich zu verzehren. Gut, dass in unserem Zug für das Wohl der Passagiere gesorgt wird.
 
Dass mit jedem Kilometer, den dieser Zug sich fortbewegt, ohne dass wir es wahrnehmen, die Potenz der drohenden Geld- und Schuldenlawine wächst, dass sie unweigerlich abgehen und alles, was wir an Wirtschaft und Wohlstand gewohnt sind, mit sich reißen wird, nehmen wir nicht wahr. In unserem Zug werden Rettungspakete serviert, absurde Verträge geschlossen, wie ESM, und wir sind's zufrieden.
 
Wir sitzen in einem Zug, der sich rasend schnell auf eine Entdemokratisierung der Welt zubewegt. Wir nehmen es nicht wahr. In unserem Zug finden regelmäßig Wahlen statt. Was die Gewählten dann tun, können wir nicht beeinflussen. Das gehört zu unserem Basiswissen. Und bis jetzt ist alles gut gegangen, denn alle, die in diesem Zug sitzen, sind dieser Meinung und bestätigen damit, dass ja gar nicht passiert. Dass unsere Rechte fortlaufend beschnitten werden ist ein Prozess, an den wir gewöhnt sind. Wir würden uns wundern, wenn dieser Prozess plötzlich aufhören würde, wir würden uns wundern, wenn er sich ruckartig beschleunigen würde, aber so lange sich alles im gewohnten, gleichmäßigen Tempo vollzieht, da ist ACTA doch nur die konsequente und notwendige Weiterentwicklung, da ist die zunehmende Überwachung doch ein Bestandteil der Sicherheit und der Ruhe, da wird kontinuierlich daran gearbeitet, und diese Kontinuität ist es, die uns das Gefühl gibt, es geschähe doch gar nichts.
 
Wir sitzen in einem Zug, der sich rasend schnell auf die Vernichtung der natürlichen Ressourcen zu bewegt, durch immer weiter fortschreitenden Raubbau einerseits und immer weiter fortschreitende Vergiftung und Verseuchung andererseits. Wir nehmen das wahr, und es sind feststehende Koordinaten in unserm Weltbild, in unserem heilen Zugabteil. Das gehört dazu, das war immer schon so, wo gehobelt wird, fallen Späne, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Wir würden erschrecken, wenn es einmal ein Jahr lang kein neues Handy-Modell auf dem Markt gäbe. Wir würden erschrecken, wenn es nicht gelänge, den Zugriff auf "seltene Erden" zu sichern, wir würden erschrecken, wenn die Müllabfuhr eingestellt würde, weil wir uns wohl fühlen, in der Gewissheit, dass wir uns um Ordnung und Sauberkeit in unserem Abteil nicht zu kümmern brauchen. Dienstbare Geister, die das erledigen, gibt es. Wo die den Müll hinschaffen - interessiert es uns?
 
Wir sitzen in einem Zug, in dem uns Rote Listen aussterbender Tierarten zum Tee serviert werden. Wir nehmen es zur Kenntnis, und würden uns nur wundern, wenn diese Listen ausblieben, oder wenn wir uns eines Tages selbst darauf entdecken müssten.
 
Doch da ist vorgesorgt.
 
Die Nachrichten, die uns über die Bordlautsprecher vermittelt werden, weisen zwar hin und wieder auf Gefahren hin, doch sie bringen auch stets die Rezepte für die Gefahrenabwehr mit.
 
Da wird eine Vogelgrippe Epidemie serviert - und dazu zugleich Milliarden von hilfreichen Pillen und Injektionsspritzen.
 
Da wird die Erderwärmung serviert - und dazu zugleich Vorschriften zur Wärmedämmung von Gebäuden und zum CO2-Ausstoß von Kraftfahrzeugen, garniert mit einem Glühbirnenverbot.
 
Da wird der Terrorismus serviert - und dazu zugleich ein ganzes Bündel vorsorglicher Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich prophylaktischer Angriffskriege.
 
Da wird die Schuldenkrise serviert - und dazu ein ganzes Bündel neuer Schulden, die wir gerne auf uns nehmen sollen, weil es alternativlos ist.
 
Wir hören ja schon gar nicht mehr hin, solange sich dies alles immer wieder wiederholt. Dass der Zug mit jeder Wiederholung ein ganzes Stück weitergefahren ist, dass wir uns längst nicht mehr da befinden, wo wir eingestiegen sind, dass wir womöglich längst weit über das Ziel hinausgeschossen sind, dass wir in jeder Sekunde dem "Point of no Return" näher kommen, bemerken wir nicht.
 
 
 
Als ich am Morgen überlegte, was ich heute im "Paukenschlag am Donnerstag" thematisieren könnte, die Nachrichten sichtete und feststellte, es bewegt sich nichts, es gibt nichts, was aufzugreifen sich lohnt, es ist alles so wie gestern, vorgestern, vorvorgestern, da merkte ich, dass ich in der Gefahr schwebte, selbst in diesen Zug mit einzusteigen, den Rollo herunterzulassen und die Augen zu schließen, die Augen zu verschließen, vor der Tatsache, dass die Kontinuität der Verschlechterung nicht Stillstand der Verschlechterung ist.
 
So versuche ich nun weiter vor dem Zug herzurennen, zu erkennen, wo die Reise hingeht, und, so gut es geht, draußen neben der Strecke Warnschilder aufzustellen, in der Hoffnung, dass der eine oder andere doch hin und wieder einen Blick aus dem Fenster wirft, und nicht nur die Schilder erkennt, sondern auch wahrnimmt, durch welch unwirtliche Gegend der Zug rast. In der Hoffnung dass dieser Eine auch die anderen im gleichen Abteil darauf aufmerksam macht, dass die Ruhe, in der sie sich wähnen, trügerisch ist, dass sie allesamt in eine Richtung gefahren werden, die ihnen unheimlich erscheint.
 
Und ich hoffe, dass dann irgendjemand den Vorschlag macht, die Notbremse zu ziehen, statt dazu aufzufordern, in Panik aus dem fahrenden Zug zu springen, nach dem Motto: Lieber tot als ...
 
Anhalten, Innehalten, wirklich zur Ruhe und zur Besinnung kommen - und dann den Versuch unternehmen, das Ziel der Reise und die Geschwindigkeiten neu und selbst zu bestimmen, das ist das, was Not tut. Besser heute als Morgen.
 
Dass die Bahn, in der wir sitzen, in Privateigentum ist, sollte uns davon nicht abhalten, die Notbremse zu betätigen.
 
Selbst wenn dadurch der Gewinn der Eigentümer geschmälert und Schadensersatzansprüche erhoben würden.
 
 
Eigentum verpflichtet, steht im Grundgesetz - und wird diese Pflicht nicht wahrgenommen, dann handelt es sich um einen verfassungswidrigen Gebrauch des Eigentums.
 
Und wir sind nicht Eigentum der Bahngesellschaft.
Wir sind die zahlenden Kunden, und haben weiß Gott nochmal ein Recht darauf,
selbst zu bestimmen, wo die Reise hingeht.
 
Zu hoch, für die Schlapphüte vom Verfassungsschutz, dieser Gedanke?
 
 
Aber doch nicht für Sie,
 
nicht für Dich!
 
 
 
 



 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,
 
ein schönes Bild mit dem fahrenden Zug. Und sicher gibt es auch Leute die darin sitzen.
 
Aber es gibt auch Leute, die schon aus dem Zug geschubst wurden und mit gebrochenem Stolz und Minimalrationen am Rand der Strecke liegen.

Dann gibt es die anderen, die in ihren wichtigen Jobs ganze Arbeit leisten, den Zug immer weiter, immer schneller in die Richtung schieben, die der große Steuermann vorgibt.
 
Nicht Frau Merkel: Die Finanzheinis sind es, die glauben, ihr Ideal einer totalen Ungleichheit wäre realistischer als das "kommunistische" Ideal der totalen Gleichheit. Beide Zustände sind extrem theoretisch, kaum zu kontrollieren und schon gar nicht auf Dauer aufrecht zu erhalten.

Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo dazwischen. Wenn einer alles hat und der Rest nichts: Das ist das uns vorgegebene Ziel und Ideal von Leistung, von Elitedenken, von Feudalisierung und Entdemokratisierung, von Sklavenhaltertum und dem Primat der Betriebswirtschaft über die Volkswirtschaft. Der einzige illusionäre Vorteil liegt bei denen die sich in der Elite wähnen können, doch klar ist, dass auch sie krank werden vor Angst, man könnte ihnen ihre Privilegien weg nehmen, dass auch sie deshalb genauso in die Leistungssklaverei einsteigen, natürlich zu anderen Löhnen, als die Zwangsarbeiter der "Wer-nicht-arbeitet-soll-auch-nicht-essen"-Philosophie. Es ist noch kein Aktionär verhungert.

Wenn wir andere einsperren, sperren wir uns aus. Wenn wir andere als Sklaven an uns binden, sind wir als Herren an sie gebunden. Jede erzwungene Ungleichheit zwischen den Menschen ist genauso albern und inhuman wie erzwungene Gleichheit. Qualitativ unterscheiden sich alle Menschen. das ist nicht schlimm, erst die Quantifizierung dieser Ungleichheit, die einem gierigen und skrupellosen Menschen Macht über andere Menschen und damit die Potenzierung seiner Macht, seiner Gier und seiner Ängste ermöglicht, macht diesen Zug zum Zug ins Nirgendwo.
 
Nur wenige Menschen haben Einsteins Theorie wirklich verstanden, nicht viel mehr haben sich die Mühe gemacht. Aber ist das nötig wenn du als unterster, mittlerer oder oberster ICE-Beschleuniger Dienst tust? Nein, ist es nicht.
 
Solange Menschen als "Humankapital" behandelt werden, solange die Bundesregierung Anreize schaffen will, dass man neue "Rentenzahler" (er)zeugt, solange Schüler einzig auf die Bedürfnisse der Industrie hin ausgebildet werden und nicht eine Vorstellung davon erhalten, was ein Mensch im Vollbesitz seiner Menschenrechte und bürgerlichen Freiheiten sein und bewegen kann, solange sind wir nur das Kanonenfutter für die Industrie und geben uns mit dem vorgestanzten öden Leben eines Buchhalters, eines Fabrikarbeiters und ewigen Opfers gieriger Behörden, oder des besser bezahlten braven Konsumenten zufrieden, weil wir Angst haben, dass es jenseits dieser Schafsgatter keine Wiese gibt. Aber diese Wiese gibts, allerdings außerhalb unseres Bezugssystems.
 
Solange wir Menschen in der Erziehung zu ausbeutbaren seelischen Krüppeln gemacht werden, solange kann man uns als Akkordarbeiter, als Sklaventreiber, als organisierte Schlächter benutzen.
Es ist kein Wunder, dass es in reicheren Gesellschaften mehr Kriminalität gibt. Sind doch die Tugenden, auf denen organisierte Kriminalität aufbaut, dieselben, die unser Staatswesen zusammenhalten und unsere Industriebetriebe, von unseren Fußballmannschaften gar nicht zu reden:
 
Bedingungslose Nibelungentreue, Fleiß unter Hintanstellung unserer eigenen Bedürfnisse.
 
Unsere Gesellschaft wird von denjenigen Menschen am stärksten beeinflusst, die am lautesten schreien, und leider nicht von denen, die am fundiertesten argumentieren, am tiefsten denken, am menschlichsten fühlen.
 
Eigentlich kann man das bürgerliche Experiment der Demokratie mal wieder für gescheitert erklären. Gescheitert, wie schon einmal in Rom, das auch einen Heerzug in den Untergang einer stabilen und nachhaltigen Entwicklung vorgezogen hat. Auch dort waren es die Brutalsten, Gierigsten und Lautesten, die die Peitsche schwangen. Und Rom war sehr nahe an dem komischen Ideal, dass alles einem gehört und den anderen nichts.
 
Auch Ludwig der XIV war sehr nahe daran, und danach klappte die Adelsherrschaft nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa zusammen wie ein Kartenhaus. Zwar immer wieder restauriert, aber nur dank inzwischen korrumpierter bürgerlicher Kräfte. Die paar bürgerlichem Idealisten, die mit ihren hehren Gedanken die Revolution befeuert haben, haben sie aber nicht gemacht.

Vielleicht war sie deshalb nicht so edel, hilfreich und gut, wie man sich das ausgemalt hatte. Fakt ist, dass in jedes nennenswerte politische Amt, das die Menschheit erfunden hat, sich nach kurzer Zeit ein machtgieriger Schreihals gedrängt und dieses Amt so korrumpiert hat, dass es besser gar nicht bestünde.
 
Was ist den Bankern Kant? Nichts.
 
Die Demokratie mitsamt all ihrer bürgerlichen Ideale verschimmelt bei lebendigem Leib. Und der Schimmel ist die Korruption, die alles durchsetzt. Aber der Schimmelpilz bekommt ja auch noch Ehrensold, einen Ehrensold, den sich anderswo 46 Hartz IV Empfänger teilen müssen. Hartz IV Empfänger, die wahrscheinlich nur wenig für ihre Lage können. Nun, der Schimmel gewinnt. Überall.
 
Mal wieder eine Tirade.
 
Ja, viele wissen darum, wie es um unsere Gesellschaft steht. Nur wenige ziehen die Konsequenzen. Sie suchen ihre Lösung aber außerhalb dieser Gesellschaft, weil hier längst alle Prozesse auf Gewinnoptimierung für immer dieselben getrimmt sind.
 
  • Sozialsystem? Nur wenn die Industrie daran verdient.
  • Medizinische Versorgung? Damit es den Pharmamultis gut geht.
  • Armee? Brauchen wir, damit die Rüstungsindustrie Gewinne macht.
  • Riester Rente? Die Banken freuen sich.
  • Etc.
 
Und da sich die großen Lebensmittelkonzerne mit ihren Genverseuchungen schleichend das Eigentum an Nahrungspflanzen sichern wollen, die Internetgrößen gerne die steuerbare Gesellschaft kreieren würden, die Geheimdienste Träume von einer totalen Überwachung träumen, oder noch besser, die auszuhorchenden Nazischläger zu richtigen Terroristen ausbilden, gleichzeitig aber gewählte Volksvertreter bespitzeln --- wo leben wir eigentlich? Wenn Stasioffiziere ihre Verhörtechniken zur Zwangsrekrutierung von Gebührenzahlern nutzen und sich dabei fast wie früher fühlen, wenn Behörden Bürger schikanieren und diese Frechheit als nationale Aufgabe verbrämen, da weiß ich, wo wir leben.
 
Und wenn ich die Notbremse fände, bzw. an sie herankäme, hätte ich sie längst gezogen.
 
Grüße aus Köln, Egon Hauck




Hallo Herr Kreutzer,

 

 

 

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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