Paukenschlag am Donnerstag
No. 7/2011
vom 17.2.2011

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Warum es ist, wie es ist

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
49 Warum es fast allen immer schlechter geht
50 Jahresumbruch
1/2011 Rettung einer Illusion
2/2011 internes
3/2011 Diensleistungsgesellsch. 1
4/2011 Diensleistungsgesellsch. 2
5/2011 Diensleistungsgesellsch. 3
6/2011 Diensleistungsgesellsch. 4
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Warum es ist, wie es ist

Nach vier Teilen "Dienstleistungsgesellschaft" (der fünfte folgt noch), wird ein frisch- frech-fröhlich-freies Intermezzo mit zynisch-sarkastisch-ironischer Prägung notwendig.

Der Großputz im Großhirn entspricht in seiner wohltuenden Wirkung dem Frühjahrsputz im Haus - wer sich der Prozedur nicht regelmäßig unterzieht, erstickt, vollgemüllt mit allerlei Unfertigem, allerlei Zerfallendem und allerlei voll und ganz Überholtem.

So stellt sich bei kurzem Nachdenken schon heraus, dass selbst der Titel dieses Aufsatzes dringend der Ausmistung bedarf, enthält er doch in jedem einzelnen Wort so viele unfertige Fragen, zerfallende Seinsvermutungen und überholte Gegenwartsbezüge, dass er einen echt ankotzt.


Warum

Ein saublödes Wort ohne jegliche Existenzberechtigung. Ein Wort, dessen Verwendung die vorsorgliche Unterbringung in der geschlossenen Anstalt oder gleich die - nicht erst nach, sondern bereits vor dem Urteil auszusprechende - lebenslange Sicherheitsverwahrung zwingend nach sich ziehen sollte.

"Warum", ein Wort aus dem Sprachschatz von Aufrührern, Volksverhetzern, Terroristen, Berufsverbotsbelegten und an eigener Unfähigkeit Verzweifelnden, steht in krassem Widerspruch zur bahnbrechendsten philosophischen Erkenntnis des 21. Jahrhunderts:

Zur Welt und allem, was in ihr geschieht, gibt es keine Alternative.

Daran ändert auch das heimtückischst in die Diskussion geworfene "Warum" nichts.
"Warum" führt zur gezielten Verwirrung des Gefragten. Und weil sich diese Verwirrung im Gehirn abspielt, was zweifelsfrei als Körperteil angesehen werden kann, sollte jede Anwendung eines "Warum" als Akt strafbarer, vorsätzlicher Körperverletzung verfolgt werden.

 

es

Überflüssige Bezeichnung eines Neutrums.

Wo nicht Mann, nicht Frau; nicht Dame, nicht Herr, nicht er, nicht sie, nicht Stier, nicht Kuh bezeichnet werden, beginnt das Reich des "es".

"Es", das Kind - welch gleichmacherischer Unfug!
Wer Klarheit liebt, spricht von Jungen und Mädchen, von ihm und ihr, aber doch nicht vom süßen kleinen "es"!
Der Herd - die Spülmaschine, der Baum - die Blume, der Himmel - die Erde, der Papst - die Sünderin.

"Es" kann nur als die Verweigerung der Präzision, als Vernebelung, als Ausflucht verstanden -- und muss daher verachtet werden.

 

Warum_es

Die Kombination der ausgefuchst gemeinen, weil die Ordnung der Welt infrage stellenden Frageformel "WARUM" mit einem nebulösen Bezug auf jenes - nicht Fisch, nicht Fleisch; nicht Östrogen, nicht Testosteron; nicht Faust, nicht Gretchen - "ES", muss nicht nur als klares und unwiderlegbares Indiz für die Zugehörigkeit zur terroristischen Vereinigung verbohrter Ursachenfetischisten angesehen werden, sondern zugleich als Beweis für ein Ketzertum, zu dessen Ausrottung vor gar nicht langer Zeit noch Scheiterhaufen erlaubt waren, bis die, infolge der verheerenden Zunahme des "ES" eingetretene Verweichlichung, die direkte und finale Gegenwehr unmöglich gemacht hat.

 

ist

"IST" darf von Kaufleuten - alljährlich bei der Bestandsaufnahme auf einen Zeitpunkt bezogen - dem SOLL gegenübergestellt werden. Ein Zeitpunkt hat aber, wie jeder Punkt, keine Ausdehnung. Ein "IST" als stabiles Sein existiert nicht. Nur die Veränderung existiert.

Wer ein vorgeblich - irgendwann in der Vergangenheit, und läge sie noch so kurz zurück - erfasstes "IST" als Zustand der Gegenwart vorgibt zu kennen, lügt.

 

Warum_es_ist

Die Wahrheit hinter dieser verlogenen und verwirrenden Fragestellung zu erkennen, scheint schon vollkommen unmöglich. Sprache als Instrument der Geistesverwirrung gaukelt die belastbare und gegenwärtige Stabilität eines "ist" vor, um zugleich jegliche Kontur dieses "ist" durch das nebulöse "es" zu verwischen und diesen Popanz dann heimtückisch zu hinterfragen, mit der unverkennbaren Absicht, einen Schuldigen zu finden, als könne in einer Welt ohne Alternative, wie der unseren, Schuld existieren. Man will mit solchen teuflischen Versuchungen des Geistes nur vergessen machen, dass Jesus die Schuld der Welt auf sich genommen und davongetragen hat. Ketzerei und Aufruhr!

 

Wie

Gegen "wie" wäre nichts einzwenden. Hätte der Versucher sein perfides "wie" nicht in diesen Kontext gesetzt.

"Wie" erkundigt sich nach Eigenschaften, "wie" setzt zudem vergleichend gleich,

"wie ...!" kann aber auch Ausruf erstaunenden Unverständnisses sein, also die Grundstimmung der Bevölkerung treffend zum Ausdruck bringen.

"Wie" lang, "wie" breit, "wie" hoch; "wie" reich, "wie" gütig, "wie" barmerzig;
"Wie" ermöglicht Abstufungen und das analytische "Begreifen" der Welt.

"Wie" ermöglicht die Erkenntnis der unendlichen Vielfalt der Erscheinungen, der menschlichen Charaktere, der Vorgänge und Abläufe, im Kleinen, wie im Großen, auf Erden, wie im Himmel - hinterfragt sie aber nicht!

In der unseligen Kombination jedoch:

"Warum es ist, wie es ist"

wird ungeniert der Eindruck erweckt, die gesamte Schöpfung und - die im Plan der Schöpfung vorgesehene Entwicklung (von Ketzern "Evolution" genannt) - ließe sich auf eine noch unbekannte, womöglich unendliche Auswahl noch unbekannter möglicher Ursachen zurückführen

- und der Plan der Schöpfung, der sich bis zur heutigen Alternativlosigkeit ununterbrochen, und, von ausdehnungslosen Zeitpunkten abgesehen, zu keiner Zeit ein greifbares "ist" herbringend, vollzieht, wird dem tumben Denken von Krethi und Plethi zum Fraß vorgeworfen.


Dabei geht es doch ganz leicht auch ohne "warum", "es" und "ist", selbst ohne "wie",
was der vorstehende Text beweist.

Prüfen Sie nach.


Der nachstehende Text ist einer von vielen ernsthaften Versuchen, zu erklären,
warum es ist, wie es ist. Ich finde, da ist viel Wahres dran:

Hallo Herr Kreutzer.

Ich möchte einen Gedanken erwähnen, der in den Zuschriften IMO fehlt:

Mit ihrer Dienstleistungsgesellschaft beschreiben Sie einen konkreten
Lösungsweg. Dies passt einigen nicht, weil sie ihren eigenen
Lieblingslösungsweg haben.

Solange Sie nur kritisieren wird Beifall geklatscht (und verlinkt).

Ihr Lösungsweg wird nicht (oder weniger) bejubelt, gelesen und verlinkt, weil er als Konkurrenz gesehen wird.

Wir leben in einer "The-Winner-Takes-It-All"-Gesellschaft und diese
Menschen haben das so verinnerlicht, dass ein Ideen-Pluralismus ihnen
Angst macht. Das geht so weit, dass die offizielle "Alternativlosigkeit"
kritisiert wird, aber durch eine eigene "Alternativlosigkeit" ersetzt
wird.

Ich habe ja auch meinen eigenen Lieblingslösungsweg
(http://www.koudela.net/papers/tkmk.pdf) und könnte Ihnen mit Inbrunst
erzählen, warum gerade dieser der Beste ist.

Wir müssen den Pluralismus,
der für eine gelebte Demokratie notwendig ist,
erst wieder lernen.

Dann hat vielleicht die Demokratie und das Allgemeinwohl in der Gesellschaft
eine Chance.

Allgemeinwohl geht vor Eigenwohl... das sollte auch für den Wettstreit
der Ideen gelten. Mit der "egoistischen" Idee legen wir einer besseren
Gesellschaft nur unnötig Steine in den Weg.

Beste Grüße,
Thomas Koudela

(Thomas Koudela ist unter anderem Autor des Sachuchs "Entwicklungsprojekt Ökonomie - Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus", das im EWK-Verlag erschienen ist. Sie finden es in der linken Bücherspalte, recht weit unten.)



Damit hoffe ich zur Freude vieler Leser wieder einmal einen Text abgeliefert zu haben, der weder zu lang noch zu kompliziert, keineswegs oberlehrerhaft und auch, weil eher zeitlos, nicht zu utopisch sein kann.

Trotzdem wird es noch einen fünften Teil zur

"Dienstleistungsgesellschaft - Utopie mit Charme"

geben, weil die einzelnen Argumentationsstränge bis jetzt noch nicht wirklich zusammengeführt sind.

Thomas Koudela hat Recht, wenn er sagt:

Wir müssen den Pluralismus,
der für eine gelebte Demokratie notwendig ist,
erst wieder lernen.

Das entspricht leider auch den Erfahrungen mit dem so hoffnungsfroh gestarteten Projekt

"Aktion Staatsziel"

Von den fünf Arbeitsgruppen, die im letzten Jahr an den Start gingen, um jeweils einen Teilaspekt der Staatszielformulierung zu erarbeiten, sind vier sang- und klanglos untergegangen.

Nur eine Gruppe hat es geschafft, bis zum Etappenziel durchzuhalten und steht nun vor der Enttäuschung, für die übergreifende Abstimmung weder zu diskutierende Ideen noch Diskussionspartner zu finden.

Die Tatsache, dass selbst freiwillig angetretene, hochmotivierte Menschen daran scheitern, sich auf ein Ziel hin zu organisieren und sich auf den bestmöglichen Kompromiss zu einigen, ist immer wieder erschütternd.

Es ist eben einfacher, über einen vorliegenden Entwurf, eine Idee, ein Konzept, zu diskutieren und sich auf Abstriche und aufzusattelnde Rucksäcke zu einigen, als von Grund auf Neues zu entwickeln.

Wenn ich mit Vorschlägen und zum Teil weit ins Detail hinein entwickelten Vorschlägen auftrete, zu allererst waren das meine Vorschlägen zur Reform des Gesundheitswesens aus dem Jahre 2002 (Link zum Konzept), dann nicht, weil ich davon überzeugt wäre, damit das Gelbe vom Ei gefunden zu haben, sondern um der notwendigen Diskussion eine Basis zu geben, falls es denn gelingt, den Pluralismus, der für eine gelebte Demokratie notwendig ist, wieder zu erlernen.

Dass ich eine umfassende, und wie ich meine, in sich geschlossene Gesamtkonzeption entwickelt habe, die ausgehend von den Sachzwängen des Wirtschaftens in Unternehmen aller Größenordnungen und von den vom real existierenden Kapitalismus geschaffenen Gegebenheiten, zu einem sogenannten "Credo der Vernunft" führt und von da aus wiederum zu recht konkreten Vorstellungen kommt, wie die Ziele einer Wirtschafts-, Geld- und Bodenreform aussehen könnten und wie eine erfolgreiche Realisierung ins Werk zu setzen wäre, wissen fast alle Leser meiner Paukenschläge.

Die vier Bände von "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre" enthalten alles, was ich dazu zur Diskussion stellen kann.

Vielleicht findet sich ja doch irgendwo ein Nest - ähnlich dem Nachdenkseiten-Stammtisch - wo sich Menschen zusammenfinden, die gerne zielgerichtet darüber diskutieren würden, anstatt sich weiterhin an "unbelehrbaren" Freunden und Bekannten aufzuarbeiten.

Nehmen Sie einfach die Gelegenheit wahr und schreiben Sie Ihren Namen, den Ort, in dem Sie wohnen und Ihre E-Mail-Adresse in mein Gästebuch, (zum Gästebuch), verbunden mit einem Hinweis auf Ihre Interessenschwerpunkte. Vielleicht finden sich ja hier und da ein paar Utopisten zusammen.

Sollte sich jemand finden, der bessere Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme anzubieten hat, dann veröffentliche ich gerne die entsprechenden Links.

 

 

 

 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Hallo Herr Kreutzer,

zu Ihrer Idee mit dem Stammtisch möchte ich sagen: Ich finde es auf Dauer unbefriedigend, mit gleichgesinnten Menschen über die Idee einer neuen Gesellschaftsform zu reden. Das ist wie ein hermetischer Raum. Im Gegensatz dazu: In Gesprächen mit Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen stelle ich oft nach Monaten fest, daß Ansichten sich bewegen. Wenn manche dann zugestehen, daß nicht alle Hartz IV’ler faul sind, nicht jeder Arbeit findet, der auch will und dafür ausreichend bezahlt wird und vielleicht auch mal erwogen wird (selten), daß man Superreiche zur Finanzierung der Gesellschaft einbezieht, dann denke ich: es lohnt sich. Steter Tropfen höhlt den Stein. Viele Ihrer Paukenschläge (und auch von G. Flegelskamp) sind mir Anregung für Gespräche.

Sich an scheinbar ‚unbelehrbaren Menschen‘ über Jahre abzuarbeiten, ist vielleicht enervierend aber es funktioniert trotzdem.





Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Blechtrommel!

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