Paukenschlag am Donnerstag
No. 40 /2011
vom 6. Oktober 2011

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
49 Warum es fast allen immer schlechter geht
50 Jahresumbruch
1/2011 Rettung einer Illusion
2/2011 internes
3/2011 Diensleistungsgesellsch. 1
4/2011 Diensleistungsgesellsch. 2
5/2011 Diensleistungsgesellsch. 3
6/2011 Diensleistungsgesellsch. 4
7/2011 Warum es ist, wie es ist
8/2011 Der Untergang des Abendlandes
9 Theutschtest für Theutsche
10 Kam ein Wasserwerfer des Wegs
11 In jeder Hinsicht idiotengerecht
12 Aus den Tiefen des Bockshorns
13 Geld, das elende Missverständnis
14 Grundeinkommen à la Götz Werner
15 Dezentrale Energie / Speichertechnologie
16 Kernkraftwerksaktionäre
17 Dezentrale Energie /Speichertechnologie
18 Dezentrale Energieversorgung
19 Volks-
bewirtschaftungslehre
20 (nicht besetzt)
21 Die anonymen Wirtschaftskompetenzler
22 wieder nicht besetzt
23 Verschobene Spiele- verschobene Wahrnehmung 
24 Neues von Dr. Petschow
25 Fronleichnamsthema Steuersenkung
26 Empört euch!
27 Blick in leere Schädel - hilflos am Geld verzweifeln 
28 Die Billionenflut
29 Methylphenidat - die Wunderdroge
30 Die Gesundheit der Kinder
31 Die Gesundheit der Kinder II
32 Euro-Land ist abgebrannt
33 Internationaler Wettbewerb
34 Nicht belegt
35 Jens Bergers Kritik an der Zinskritik
36 Weiter so, meint das Verfassungsgericht
37 Kassandra-Rufe aus den USA
38 Worum es wirklich geht
39 Das eigentliche Bankgeheimnis
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

EUtopia

Europa - im Grunde eine Halbinsel am nordwestlichen Rand Asiens, durch das Mittelmeer von Afrika getrennt - ist ein Ergebnis erdgeschichtlicher Entwicklungsvorgänge. Dieses Europa hat eine nur grob abschätzbare Zahl von Menschengenerationen kommen und gehen sehen, Warmzeiten und Eiszeiten sind darüber hinweggegangen, ohne mehr als oberflächliche Spuren zu hinterlassen. Dieses Europa kann, solange die Erde nicht von Katastrophen kosmischen Ursprungs heimgesucht wird, weitere, unzählige Menschengenerationen kommen und gehen sehen.

Dieses Europa hat ein gigantisches, wenn auch nur locker zusammengefügtes Reich der Kelten hervorgebracht, dieses Europa war Bestandteil des Römischen Imperiums, es hat die kriegerischen Völkerwanderungen überstanden, die Überfälle der Hunnen, die Annektion weiter Teile durch die Mauren, es ist unter den Franken, beginnend mit Karl dem Großen, erstmals wirklich politisch zusammengewachsen, es stand lange Zeit unter der Oberherrschaft der katholischen Kirche, die ihren Einfluss bis heute nicht verloren hat, es hat in der Mitte des letzen Jahrhunderts die kriegerischen Expansionsgelüste Hitlers überstanden - und schüttelt nun den jüngsten Versuch, ein europäisches Großreich zu errichten, von sich ab.

 

Die schöne Utopie "Europa"

- die Utopie eines nach innen grenzenlosen Raumes mit der Möglichkeit aller Bürger, sich freizügig zu bewegen, anzusiedeln, wo immer sie wollen, mit dem Versprechen einheitlicher Gesetze und Normen, mit der Aussicht, auf diese Weise nie wieder Krieg unter europäischen Nachbarn erleben zu müssen, diese Utopie, die nach den schmerzhaften Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs in den Köpfen vieler Menschen wach wurde, ist durch die reale Entwicklung zur dystopischen Karikatur verkommen.

Wo einst die Ideale der Freiheit hochgehalten wurden,

wächst ein Überwachungsapparat heran, der Orwells erschreckende Visionen längst hinter sich gelassen hat. Die Grundrechte auf freie Meinungsäußerung, auf Unverletzlichkeit der Wohnung sind ebenso ausgehöhlt wie die Versammlungsfreiheit.

Wo einst demokratische Ideale hoch im Kurs standen,

hat die mit tausenden von Fangarmen ausgestattete, von wahrer Demokratie weit entfernte Bürokraten- und Technokraten-Krake der Räte- und Kommissarsherrschaft die nationalen Verfassungs- und Rechtssysteme ausgehöhlt, so dass das wahre Herrschaftssystem vom Bürger weder wahrgenommen, noch verstanden und schon gar nicht mehr wirksam kontrolliert und beeinflusst werden kann.

Wo es einst darum ging, den Wohlstand zu mehren,

geht es heute nur noch darum, den Fetisch Wachstum hochzuhalten und dieses "Wachstum" ständig zu beschleunigen. Dass unter diesem "menschen-gemachten" Wachstumszwang Millionen von Europäern zur Arbeitslosigkeit verdammt sind, dass Millionen zu oft unerträglichen Bedingungen zu Niedriglöhnen schuften müssen, um sich notdürftig am Leben zu erhalten, dass die Solidarität mit den Schwachen der Gesellschaft aufgekündigt wurde, dass der Staat sich - um wachstumshinderliche Steuerlasten zu vermeiden - sogar aus seinen ureigensten Aufgaben mehr und mehr zurückzieht, dass man nicht davor zurückscheut, Wachstumschancen durch massive Wertevernichtung erst zu schaffen (z.B. durch so widersinnige Aktionen wie Abwrackprämie oder Glühbirnenverbot), wird hingenommen, ja mit Macht forciert, um auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig zu sein und sich dort das Wachstum zu holen, das im heimischen Markt von einer mehr und mehr ausgebeuteten Bevölkerung zwar produziert, aber mangels ausreichender Einkommen gar nicht mehr genutzt und konsumiert werden kann.

Wo einst eine Gesellschaft Gleicher, Gleichberechtigter propagierte wurde,

in der das Streben nach Glück für jeden einzelnen ein unabdingbares Menschenrecht war, erleben wir heute - vom Kindergarten bis ins hohe Alter - den Aufruf zur gnadenlosen Konkurrenz. Wer in welche Schule darf, wer zum Abitur gelangt, wer einen Studienplatz ergattert, wer den Einstieg in einen Job findet, wer befördert werden will - muss gegen andere konkurrieren, sie aus dem Feld schlagen, denn Platz ist überall nur noch für die härtesten und spitzesten Ellenbogen, für diejenigen, die sich immer wieder rücksichtslos durchsetzen, bis sie entweder wie Fettaugen oben schwimmen, oder selbst aus dem Feld geschlagen werden. Medizinische Betreuung ist zur Frage des Geldbeutels geworden, also zur Frage des Durchsetzungsvermögens, die Alterssicherung, einst als umlagefinanziertes System konzipiert, ist eine Frage des Geldbeutels geworden, also zur Frage des Durchsetzungsvermögens.

Wo es einst hieß: "Nie wieder Krieg"

steht nun die Pflicht zur Stärkung der militärischen Kraft in jenen Verträgen, die sich die Machthaber der EU statt einer Verfassung gegeben haben. Wo einst die Menschenrechte hochgehalten wurden und die Todesstrafe verpönt war, ist der Einsatz militärischer Mittel bei "Aufständen" erlaubt, denkt man laut und schamlos über den Einsatz von Drohnen nach, um gezielt Menschen, ohne Gerichtsverfahren, ohne Anwalt, ohne die Chance auf Verteidigung zum Tode verurteilen und dieses Urteil selbstherrlich vollstrecken zu können. Wo es einst hieß, von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen, hat sich der drittgrößte Waffenexporteur der Welt etabliert und giert danach, mehr und mehr auch in Spannungsgebiete zu liefern, denn dort ist schließlich das größte Wachstumspotential zu finden.


GEAB / LEAB, ein einflussreicher und mir immer dubioser erscheinender Think-Tank, befasst sich in seinem Bulletin No. 57 ausführlich mit der Krise des Euro und kommt zu dem Schluss, dass Europa aus dieser Krise gefestigt, mit neuen Strukturen und (so nenne ich das:) "zentralistischer" hervorgehen und damit in der globalen Konkurrenz bessere Chancen haben wird.

Das liest sich da so:

(...)

Was an der Wall Street und der Londoner City Panik auslöst, sind die Lehren, die die Regierungen und die Menschen in Euroland aus drei Jahren Krise und den untauglichen Versuchen zu ihrer Bekämpfung ziehen.

Euroland in seiner Struktur und seiner Diversität bietet ein Diskussionsforum, für das es bei den amerikanischen und britischen Eliten und in der angelsächsischen Öffentlichkeit keine Entsprechung gibt. Denn aus diesem Forum erwachsen
Innovation und Kreativität. Und genau das stört Wall Street und City, die daher versuchen, den Mehrwert des Diskussionsforums zu sabotieren, indem sie es mit Panikkampagnen beschäftigen möchten, z. B. über das bevorstehende Ende des Euro, oder indem sie es als Zeitverschwendung verhöhnen, an dem man sehen könne, dass Euroland ineffizient und unfähig zur Krisenbekämpfung sei. Angesichts der absoluten Lähmung des politischen Systems in Washington ist dies eine erstaunliche Chuzpe.

Dabei ist es doch gerade die Existenz dieses Diskussionsforum, das den Euroländern ermöglicht, eine dauerhafte Lösung der Krise zu erarbeiten. Es ist ein Wesenselement der europäischen Integration, wo unterschiedliche
Lösungsansätze sich konfrontieren, bis am Ende ein Kompromiss gefunden wird. Und Kompromisse kommen immer zu Stande, wie man an den sehr schwierigen und wichtigen Entscheidungen sieht, die seit Mai 2010 getroffen
wurden. In diesem Diskussionsforum agieren eine Vielzahl von Teilnehmern, die aus 17 verschiedenen Ländern mit 17 öffentlichen Meinungen kommen sowie aus mehreren Gemeinschaftsinstitutionen (24). Und Ideen entstehen aus
der Konfrontation der Meinungen.

Der griechische Philosoph Heraklit sagte schon vor 2500 Jahren, dass in der
brutalen Konfrontation der Ideen « einige zu Göttern wurden, andere zu Menschen; einige zu Sklaven, andere zu freien Männern ». Die Menschen Eurolands werden nicht zulassen, dass diese Krise sie zu Sklaven macht; daher
sind die inner-europäischen Debatten notwendig und nützlich. In nur drei Jahren, von 2008 bis 2011, haben sie insbesondere drei wichtige Grundsteine für die Zukunft gelegt:

- der Prozess der europäischen Integration wurde dank Euroland wiederbelebt. Euroland ist heute auf dem Weg zu einer politischen Union. Wir gehen davon aus, dass sich diese Vision ab 2012 konkretisieren wird, und dass bis 2015
ein Referendum durchgeführt werden wird, mit dem über die Bildung einer politischen Union in Euroland entschieden werden soll (25).


- Zwei einfache Ideen sind dabei, sich bei den Eliten und den öffentlichen Meinungen in Euroland durchzusetzen:


1. Die Rettung von privaten Banken trägt nichts zur Überwindung der Krise bei.


2. Es ist unabdingbar, dass die « Märkte », was nichts weiter ist als eine Umschreibung der großen Finanzinstitute von Wall Street und der City, für ihre Risiken einstehen und nicht weiter darauf vertrauen können, von den
Regierungen gerettet zu werden.

(...)

zum vollständigen Text (pdf)

 

Diese Aussagen halte ich für einen Zweckoptimismus, dessen Ziel die Stützung und Aufrechterhaltung jener EUtopia ist, in der sich das internationale Kapital - unter der hübschen Bezeichnung "Global Player" und "ausländische Investoren" - wohlfühlt.

Weitgehend befreit von allen früheren Regulatorien, frei grenzüberschreitend zu agieren und sich seine Standorte nach den Kriterien der "Willigkeit" der Staaten, Subventionen auszuschütten und Steuerlasten abzuschaffen, auswählen zu können, das ist das Europa der Anleger. Nokia hat es in diesen Tagen erst wieder vorgemacht, und Nokia ist noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs ...

Was seit Mai 2010 in "Euroland" an Entscheidungen getroffen wurde, das passt nach meiner Auffassung überhaupt nicht zu der Prognose von GEAB, es würde sich die Erkenntnis durchsetzen, dass die Rettung privater Banken nichts zur Überwindung der Krise beitrüge.

Es ist doch das Gegenteil zu beobachten. Abermilliarden werden bewegt, um genau jene privaten Banken zu retten, und die jüngste Idee von Angela Merkel, nun doch einen Schuldenschnitt für Griechenland ins Auge zu fassen, aber gleichzeitig die davon möglicherweise betroffenen Banken durch staatliche Kapitalhilfen zu "retten" belegt doch, dass es auch in der Vergangenheit nie wirklich um die Rettung Griechenlands gegangen ist, sondern ausschließlich um die Vermögenssicherung der Anleger.

Philipp Rösler reist derzeit mit einer Wirtschaftsdelegation durch Griechenland, um die ihn begleitenden Unternehmer zu "Investitionen" in Griechenland zu ermutigen. Mit dem von EU, IWF und EZB in die Welt gesetzten Zwang zur Privatisierung, als Voraussetzung für weitere Finanzhilfen, wird es da so manches Schnäppchen, so manchen Sachwert zu erobern geben - wie gut, dass das Vermögen der potentiellen Investoren von den deutschen Steuerzahlern gegen jegliches Risiko versichert wird, also für die Schnäppchenjagd verfügbar bleibt.

Mit der Ankündigung der Möglichkeit des Schuldenschnitts werden die Griechenland-Anleihen fast von alleine in die Banken gespült, die sich jetzt billig versorgen, und anschließend von den Regierungen auf Kosten der Steuerzahler "rekapitalisiert" werden. Das Geld für Einkäufe in Griechenland geht also durch den Schuldenschnitt nicht verloren.

Das ist gut für die Banken und deren Klientel.

Es ist verheerend für die Menschen in ganz Europa.

Am Ende dieses Prozesses wird das Schuldenniveau von Dänemark bis Griechenland, von Lettland bis Portugal nach dem Prinzip der "Kommunizierenden Röhren" gleich hoch sein.

Am Ende werden alle Euro-Staaten von den Ratingagenturen "nahe Schrott" bewertet, am Ende werden die Zinsen für Staatsanleihen sich um die 10%-Marke einpendeln und an Tilgung wird weiterhin nicht zu denken sein, auch wenn das letzte Stückchen Volkseigentum verscherbelt ist, auch wenn die Mehrwertsteuer europaweit bei 29 Prozent ankommt und jede Form von Sozialhilfe aus Gerechtigkeitsgründen gestrichen wird und die Schwachen vollständig den sich in ihren Spenden sonnenden Wohltätern ausgeliefert sind.

Die Unruhe der Bürger in Europa wächst. Von Monat zu Monat, von Woche zu Woche nimmt sie zu. Sie äußert sich in Demonstrationen und Streiks, denn die Menschen spüren, dass da etwas vollständig aus dem Ruder gelaufen ist.

Viele verstehen die Zusammenhänge nicht, aber immer weniger glauben und vertrauen dem, was von Regierungen und regierungsfreundlichen Massenmedien an Begründungen und alternativlosen Handlungszwängen verbreitet wird.

Und wenn auch die Ursachen der Schuldenproblematik immer noch vorwiegend in der Disziplinlosigkeit der Bevölkerung der Hauptschuldnerländer gesucht werden, statt bei den Profiteuren dieses Wirtschaftskriegs gegen die Bevölkerung Europas: Die Solidarität unter den Euro-Ländern bröckelt massiv, Stammtisch und Politiker rücken näher zusammen, der Idee, Griechenland aus dem Euro zu entlassen wird die Idee folgen, Deutschland möge aus der gemeinsamen Währung austreten.

Der Euro - bei Licht besehen - die ohne Not per Kaiserschnitt ans Licht geholte Frühgeburt - liegt, nach anfänglich scheinbar erfolgreicher Entwicklung, nun auf der Intensivstation.

Lebensunfähig und von der ständigen Versorgung mit immer neuen Blutkonserven abhängig, führt seine Erhaltung zur Ausblutung, zur Anämie des gesamten Eurolandes.

 

Der Euro ist uns zur Unzeit übergestülpt worden.


Eine gemeinsame Währung einzuführen, lange bevor wirtschaftliche, soziale und politische Verhältnisse - vernünftig, und im Sinne der alten "Utopie Europa" - erreicht wurden, war ein Fehler, den weitblickende Menschen schon damals erkannten und davor warnten.

Doch die Ungeduld und die Gier haben über die Vernunft gesiegt. Die Aussicht auf Wachstum, auf das Wachstum der Gewinne in einem gewaltigen Markt mit gewaltigem "Aufschuldungspotential" hat die Lobbyisten nicht ruhen lassen, bis der Euro da war.

Die Chance, mit dem Euro ein besseres, neutrales, auf ausreichende Geldversorgung der Realwirtschaft ausgelegtes Geldsystem zu schaffen, wurde nicht einmal vom Ansatz her in Erwägung gezogen, im Gegenteil, die EZB hat sich nur noch um die Geldwertstabilität zu kümmern, Vollbeschäftigung und gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht sind seit der Euro-Einführung keine Aufgaben der Währungshüter mehr.

Nun haben wir die Schuldenkrise - deren Ursache darin liegt, dass das zur Tilgung erforderliche Geld den Märkten der Realwirtschaft durch (unberechtigt hohe) Gewinne entzogen und von den Finanzmärkten aufgesaugt wurde.

Auf die eingefahrenen Gewinne, auf die daraus geschöpften Vermögen mögen die Vermögenden natürlich nicht mehr verzichten.

Hätte die Politik noch die Kraft, die Situation objektiv zu betrachten, es gäbe keinen Grund, Banken und Großanleger aus den selbstverschuldeten Problemen zu retten.

Dazu schrieb ich in meinem gestrigen Tageskommentar:

Es ist und bleibt unverständlich.

Was an den Banken unverzichtbar ist, das ist die Aufrechterhaltung des Zahlungsverkehrs und die Kreditversorgung der Realwirtschaft.

Warum also nicht die Banken krachen lassen und im Zuge der Insolvenz das dafür benötigte Personal und die technischen Einrichtungen durch den Staat übernehmen und fortführen?

Kleine Anleger sind durch den Garantiefonds geschützt, und wenn der nicht reicht - für die kleinen Anleger - dann kann der Staat diese direkt unterstützen. Das kommt allemal billiger als Schrottpapiere und Spekulationsmüll mit zig-Milliarden, womöglich mit Billionen, zu retten.

Mein Gott!

Warum soll das Risiko, das die Hasardeure an den Börsen und Finanzmärkten Tag für Tag eingehen, nach den Jahren fetter Gewinne nicht auch einmal zu Verlusten führen? Es ist ein Nullsummenspiel, und wer dabei überzieht, ist nicht zu bedauern, wenn das Risiko eintritt.

Wer hat wen gezwungen, griechische Staatsanleihen zu kaufen? Wir Steuerzahler, die wir jetzt dafür bluten sollen?

Es ist nicht mehr zu verstehen.

 

Wird die Politik weiterverfolgt, die wir seit Beginn der ersten Finanzkrise in Euroland erleben, dann wird nicht nur Euroland, dann wird die gesamte EU auseinanderbrechen, weil die Bürger zu dem Schluss kommen: "Alles Übel, unter dem wir leiden, geht von den mit uns in einer Zwangsehe gehaltenen übrigen Euro- und EU-Staaten aus."

Dass dies ein Irrtum ist, dass das Übel nicht von den Ländern, nicht von den Menschen, noch nicht einmal wirklich von den Regierungen ausgeht, sondern von den Interessen des Kapitals, das Regierungen, Länder und Menschen in die Schuldenfalle getrieben hat, wird erst später erkannt werden.

Ob es dann wieder eine Chance gibt, für einen Vision von einem wirklich geeinten Europa, in dem Wohlstand und Friede herrschen, in dem das Streben der Menschen nach Glück nicht von unsinnigem Streben nach ziellosem Wachstum untergraben wird, das weiß ich nicht.

Ich hoffe es.

 

 

 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

Hallo Herr Kreutzer!
Und wieder ein sehr guter, wahrhaftiger Artikel, den ich spontan mit einem Artikel bei Alpenparlament.TV verbinde, den ich heute sah:
http://www.alpenparlament.tv/playlist/495-und-wenn-unter-keinem-huetchen-eine-kugel-ist
Mittlerweile gibt es doch wirklich viele, sehr anerkannte Menschen wie auch Sie, die die Hauptursache der ökonomischen Verwerfungen erkannt und publiziert haben. Unter diesen Menschen sind auch einige „richtige“ (vom Mainstream/ Öffentlichkeitsbewusstsein anerkannte) Schwergewichte aus verschiedenen Bereichen. Zusammen mit den anderen (überwiegend durch Internet bekannten) Schwergewichten ergäbe ein wie auch immer gearteter Zusammenschluss dieser Schwergewichte einen nicht zu übergehenden Einflussfaktor in Politik und Wirtschaft. Wenn ich das Internet betrachte, kann ich feststellen, dass alleine im deutschsprachigen Raum exponentiell steigend immer mehr Menschen mit der ökonomischen Systemanalyse befassen (was ja auch genau so logisch ist, wie die Schuldgeldvermehrung).
Eine Vernetzung und ein gemeinsames Statement solcher Schwergewichte würden meiner Meinung nach einen weltweiten Tsunami in kürzester Zeit auslösen.
Ich denke, die Menschen warten auf Wahrheit und Aufklärung. Leider hören die meisten nur auf die lautesten Stimmen, weshalb die leisen Rufer meist nur belächelt werden.
Wie denken Sie darüber?
Liebe Grüße
Michael lang

Lieber Herr Kreutzer,
Ich muss Ihnen wieder einmal sehr herzlich zu Ihren großartigen Beiträgen gratulieren!
 
Besonders dieser aktuelle über Europa deckt sich zur Gänze mit meiner Meinung und meinen Vorträgen. Damit sind auch die meisten TeilnehmerInnen inhaltlich einverstanden, nur weiß keiner, was er/sie tun soll.
 
Auf demokratischem Weg ist diesem System nicht mehr beizukommen...
Mit freundlichen Grüßen aus Wien
 
Christine Bauer-Jelinek
Wirtschaftscoach und Psychotherapeutin
 
www.macht-kompetenz.at
www.bauer-jelinek.at
 


Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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