Paukenschlag am Donnerstag
No. 35 /2011
vom 01.09.2011

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer - behutsam redigiert von Manuela Engl

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Jens Bergers Kritik an der Zinskritik

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
49 Warum es fast allen immer schlechter geht
50 Jahresumbruch
1/2011 Rettung einer Illusion
2/2011 internes
3/2011 Diensleistungsgesellsch. 1
4/2011 Diensleistungsgesellsch. 2
5/2011 Diensleistungsgesellsch. 3
6/2011 Diensleistungsgesellsch. 4
7/2011 Warum es ist, wie es ist
8/2011 Der Untergang des Abendlandes
9 Theutschtest für Theutsche
10 Kam ein Wasserwerfer des Wegs
11 In jeder Hinsicht idiotengerecht
12 Aus den Tiefen des Bockshorns
13 Geld, das elende Missverständnis
14 Grundeinkommen à la Götz Werner
15 Dezentrale Energie / Speichertechnologie
16 Kernkraftwerksaktionäre
17 Dezentrale Energie /Speichertechnologie
18 Dezentrale Energieversorgung
19 Volks-
bewirtschaftungslehre
20 (nicht besetzt)
21 Die anonymen Wirtschaftskompetenzler
22 wieder nicht besetzt
23 Verschobene Spiele- verschobene Wahrnehmung 
24 Neues von Dr. Petschow
25 Fronleichnamsthema Steuersenkung
26 Empört euch!
27 Blick in leere Schädel - hilflos am Geld verzweifeln 
28 Die Billionenflut
29 Methylphenidat - die Wunderdroge
30 Die Gesundheit der Kinder
31 Die Gesundheit der Kinder II
32 Euro-Land ist abgebrannt
33 Internationaler Wettbewerb
34 Nicht belegt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Jens Bergers Kritik
an der Zinskritik

 

Am 23. August erklärte Jens Berger in den und für die Nachdenkseiten:

Wir halten die Zinskritik für einen Irrweg,
der nur von den eigentlichen Problemen ablenkt.

Ich erhielt daraufhin sehr viele Zuschriften, in denen ich gebeten, auch aufgefordert wurde, dazu doch Stellung zu nehmen. Das will ich nun gerne tun.

Ärgerlich ist, dass Jens Berger es für notwendig erachtete, seiner sachlichen Kritik einen bösen und vollkommen unsachlichen Satz voranzustellen, einen Satz, mit dem er der großen Mehrzahl der Zinskritiker- ohne auch nur ein ernsthaftes Argument vorgetragen zu haben - eine antisemitische Grundhaltung vorwirft.

Zitat:

Diese Kritik war und ist jedoch meist keine ökonomische Kritik, sondern vielmehr eine Kritik an der ungleichen Verteilung des Vermögens und der Macht der Vermögenden, oft durchmischt mit einem religiösen, völkischen, ja antisemitischen Grundton.

 

Was will er seinen Lesern mit diesem einleitenden Schlag mit der großen Keule suggerieren?

  • Dass er sich mit der Zinsthematik nur widerwillig abgibt, aber den starken Drang verspürt, diesem "braunen" Gedankengut ein paar aufklärerische Worte entgegenzustellen?
  • Dass der geneigte Leser nach diesem Satz eigentlich schon aufhören kann, weiterzulesen, weil das Wichtigste damit bereits gesagt ist und der Rest nur noch Detailkram für interessierte Laien ist?
  • Dass Zinsnehmen ein Akt ist, der den Unterschied ausmacht, zwischen jenen guten Reichen, die - ohne zu fragen, wer den Segen erarbeitet - den sie sich mit ihren Zinseinkünften erkaufen können, ihr Wohlleben führen, und jenen schlechten Armen, die gerechterweise immer in jemandes Schuld stehen?
  • Dass egoistischer Kapitalismus die natürliche Form des Wirtschaftens auf dieser Welt ist, während alle Formen eines nicht auf Gewinn und Ausbeutung bedachten Wirtschaftens als überholte, antiquierte Form des Zusammenlebens anzusehen sind?

 

Doch mag ich diese Einleitung nicht zu ernst nehmen. Für viele Menschen gehört es zu den antrainierten Reflexen, sich immer und überall erst einmal von allem distanzieren zu müssen. Ein Reflex, der aus einer tief sitzenden Angst entsteht, sich mit jenen dogmatischen Behauptungen auseinander zu setzen, die - aus welchem Grund auch immer - die Grenzen des zulässigen Denkens markieren.

Daher nun die Auseinadersetzung mit den vorgetragenen Sachargumenten:

Dem ist vorauszuschicken, dass Berger konsequent jegliche Überlegung um den Begriff "leistungsloses" bzw., wie ich es seit einiger Zeit mit gutem Grund nenne, "nicht leistungsadäquates" Einkommen konsequent vermeidet. Dies fällt allerdings nur dem auf, der darauf achtet.

 

Schuldzins und Zinsertrag

Berger These 1:

Zins ist für den Unternehmer der Preis für eine Ertragsverbesserung durch Investition, für den privaten Haushalt der Preis für den Nutzen einer "vorgezogenen" Anschaffung.

Da hat Herr Berger Recht. Jedenfalls solange, wie man den Zins als gottgegeben hinnimmt und ihn nicht infrage stellt.

Stellt man sich jedoch die Frage,

warum eine Familie, die sich ein Eigenheim errichtet, dafür nicht nur die Kosten für den Baugrund und die eigentlichen Baukosten durch eigene Arbeit erst verdienen (nach Steuern) und dann an Grundeigentümer und die am Bau beteiligten Unternehmer bezahlen soll,

sondern, je nach anteiliger Kreditfinanzierung, Zins- und Tilgungskonditionen, zusätzlich soviel Geld erwirtschaften muss, wie erforderlich wäre, ein weiteres Haus, unter ungünstigen Umständen sogar noch deutlich mehr, zu errichten,

dann folgt unmittelbar die weiterführende Frage: "Wofür eigentlich?", bzw. "Womit rechtfertigt der Kreditgeber seine Forderung, ihm - nur für die Zurverfügungstellung des Zahlungsmittels - den Gegenwert eines ganzen Hauses zu überlassen?

Berger These 2:

Wer keine Zinsen zahlen will, dem steht als Alternative die Möglichkeit offen, das benötigte Kapital anzusparen.

Da hat Berger wieder Recht, jedenfalls wenn man die Tatsache unterschlägt, dass "Sparen" oder besser "Horten" ein Vorgang ist, bei dem der Realwirtschaft Zahlungsmittel durch "Stilllegung" entzogen werden.

Würden alle Häuslebauer erst einmal sparen, und nicht daran denken, einen Kredit zu nehmen, bräche ziemlich schnell eine ziemlich heftige Deflation aus, es sei denn, es fänden sich andere Schuldner, die dafür sorgen, dass die durch Sparen stillgelegte Liquidität der Wirtschaft wieder zur Verfügung steht.

Es ist eben nicht so, dass, indem Sparguthaben bei der Bank angelegt werden, die Liquidität bereits wieder verfügbar ist. Erst ein neuer Kredit bringt das Geld wieder in Umlauf.

 

Zusammenfassung zu Bergers Thesen 1 und 2:

Berger hat den zinskritischen Ansatz schon von der Kreditnehmerseite her nicht verstanden. Er meint, der Vorteil ein Haus bewohnen, eine Maschine nutzen zu können, müsse mit (hohen) Kosten belegt werden.

Ich meine, dass der Hausbau des Privathaushaltes und die Investition des Unternehmers zunächst einmal rein positive Effekte hervorbringen.

Es wird damit den Bauunternehmen und Maschinenfabriken, vor allem aber auch deren Mitarbeitern die Gelegenheit gegeben, ihre Leistungsfähigkeit auszuschöpfen und damit wiederum jenes Zahlungsmittel zu erwerben, was sie selbst befähigt zu investieren und zu konsumieren.

Je höher die vom Kreditzins bestimmte Rentabilitätsschwelle liegt, desto weniger wird investiert und gebaut - lässt man die über viele Jahre in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts übliche "Inflationsspekulation" außer Acht.

Nicht zinsbelastetes Wohnen ermöglicht dem Privathaushalt mehr materiellen Wohlstand, von dem wiederum Beschäftigungsimpulse ausgehen.

Nicht zinsbelastetes Produzieren ermöglicht dem Unternehmen entweder höhere Gewinne oder günstigere Preise, die sich genauso im Wettbewerb untereinander bilden, wie sie sich bei gleicher Zinslast bilden.

Allerdings wäre der Kostenvorteil der vollständig oder hochgradig eigenkapitalfinanzierten Unternehmen dahin - was aber nur dazu führt, dass gleiche Leistung bei gleichen Kenntnissen und Fähigkeiten (= gleiche Kosten) auch zum gleichen Ertrag führt. Ist das falsch?

Berger offenbart schon mit seinen ersten Aussagen, dass er das Kreditgeld- und vor allem "Zinsschuldsystem" als eine Art "naturgesetzlicher Notwendigkeit" ansieht, und dass er keineswegs gewillt ist, auf Argumente einzugehen, die maßgebliche Veränderungen am Geldsystem einfordern. Dass Geld überhaupt nur durch Kreditvergabe in die Welt kommt, klammert Berger systematisch und manipulativ aus.

Wie einseitig und eng seine Denkweise ist, zeigt sich auch an folgender Passage:

Für viele Privatleute ist die Kreditfinanzierung dabei die einzig realistische Variante, will man sein Eigenheim nicht erst mit Beginn des Rentenalters beziehen.

Und:

Die Abzahlung einer Hypothek erstreckt sich häufig über einen Zeitraum von 28 Jahren. Natürlich ist das Vorziehen dieser Investition nicht kostenlos, ansonsten gäbe es wohl niemanden, der sein Geld über einen langen Zeitraum für eine solche Investition bereitstellt. Für die Möglichkeit, sein Eigenheim bereits zu nutzen, lange bevor man es komplett bezahlt hat, muss man – ebenso wie der Unternehmer – einen Preis bezahlen. Diese Prämie ist jedoch keine „Zinsknechtschaft“, sondern die freiwillig entrichtete Zahlung für den gewonnenen (vorgezogenen) Nutzen. Wer den Zins verbieten will und den Menschen somit die Möglichkeit auf einen Kredit nehmen will, nimmt ihnen auch die Möglichkeit, Investitionen, die ihnen sinnvoll erscheinen, zeitlich vorzuziehen. Der Besitz eines Eigenheims wäre somit de facto ein Privileg für Erben und Spitzenverdiener – ein Zusammenhang, der von Zinskritikern gerne verschwiegen wird.

 

Damit unterstellt Berger, die Zinskritik sei zugleich eine Kreditkritik. Dies ist aber falsch. Da Geld in unserem System ausschließlich durch Kreditvergabe entsteht - und das ist ein gutes Prinzip - ist der, nach Maßstäben der Bonität gewissenhaft vergebene Kredit, das Mittel der Wahl, Leistungsfähigkeit frühzeitig abzurufen und die Wirtschaft am Laufen zu halten. Warum Kredit, über die (geringfügigen) administrativen Kosten der Kreditvergabe und über das - bei vernünftiger Kreditgewährung geringe - Ausfallrisiko hinaus, auch noch hohe, eben nicht mehr leistungsadäquate Einkommen für die Kreditgeber hervorbringen soll, das ist die erste, wesentliche und wichtige Fragestellung einer fundierten Zinskritik.

 

Bergers These 3:

Für den Kreditgeber entsteht die Grundlage seiner Zinsforderung durch

  • den Wunsch, einen Inflationsausgleich zu erhalten,
  • durch das Bedürfnis, mögliche Kreditausfälle zu kompensieren und
  • seinen vermeintlichen Anspruch einen Preis für das Warten nehmen zu dürfen.
In seiner weiteren Argumentation strickt Berger aus diesen Argumenten die Behauptung:
  • Es ist vollkommen normal, dass ein Teil der Kredite nicht bedient werden kann. Um diese Ausfälle zu kompensieren, erhebt der Kreditgeber daher einen risikoabhängigen Aufschlag, der die Zinshöhe mitbestimmt. Gäbe es nur einen Einheitszins oder gar keinen Zins, würde wohl niemand sein Geld an ein ertragsschwaches Unternehmen oder eine Person mit Zahlungsschwierigkeiten verleihen.

 

Berger hat damit nur zu einem sehr geringen Teil Recht.

Erstens, was den Inflationsausgleich betrifft, so ist die Bankbilanz von inflationären Einflüssen frei.

Der Akt der Geldschöpfung der Geschäftsbanken vollzieht sich so, dass gleichzeitig eine Vermögensposition der Bank und eine Verbindlichkeit der Bank dargestellt werden. Die Vermögensposition besteht in der durch den Kredit begründeten Forderung an den Kreditnehmer, die Verbindlichkeit besteht darin, dass dem Kreditnehmer auf dessen Konto die Kreditsumme gutgeschrieben wird, was die Bank verpflichtet, diese Summe herauszugeben (Barauszahlung oder Überweisung), wenn der Kreditnehmer entsprechend darüber verfügt.

Mit der vollständigen Tilgung des Kredits wird einerseits die Forderung der Bank aufgehoben, andererseits wird aber auch das ursprünglich geschöpfte Geld (in gleicher Höhe) wieder in jenes Nichts aufgelöst, aus dem es entstanden ist.

Ein einziges einfaches Beispiel dafür:

Überweist ein Arbeitgeber das Gehalt seines Angestellten auf dessen überzogenes Konto, so verschwindet der Teil der Überweisung, der notwendig ist, um den Negativsaldo des Kontos auszugleichen rückstandsfrei aus der Welt. Es ist nirgends mehr aufzufinden. Das habe ich in der Vergangenheit in meinen Online-Texten über das Geld, vor allem aber auch in "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III - Über das Geld" ausführlich und detailliert dargelegt.

 Link zu Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre

Wozu also benötigt die Bank einen Inflationsausgleich? Sie stellt ihrem Kreditkunden lediglich eine bestimmte Menge - vorher nicht vorhandenen - Zahlungsmittels bis zur Tilgung zur Verfügung. Dieses Geld war nie Eigentum der Bank, auch nicht Eigentum ihrer Sparkunden, daher kann daraus beim besten Willen kein Anspruch auf einen Inflationsausgleich abgeleitet werden.

 

Zweitens, was die Risikoprämie betrifft, so ist diese eine gerechtfertigte Forderung.

Keine oder unvollständige Tilgung mindert das Betriebsergebnis der Bank. Das Risiko des Kreditausfalls ist bei vernünftiger Kreditvergabe jedoch gering und bewegt sich deutlich unterhalb der 1-Prozent-Marke.

 

Drittens, was die Prämie für das Warten betrifft, so ist dies ein Hirngespinst.

Der Bankkredit stellt frisches, zusätzliches Geld zur Verfügung. Es handelt sich nicht um Ersparnisse, für die Konsumverzicht geleistet wird. Niemand hat hier Geld verliehen, niemand verzichtet für die Zeit der Ausleihung auf Konsum oder Investitionen.

Dass dies beim Privatkredit anders ist, ist nicht relevant. Man kann außerdem davon ausgehen, dass auch der private Geldverleiher nicht wirklich "verzichtet" oder "wartet". Die meisten Großgläubiger (also auch die großen Einleger der Banken) wissen gar nicht, was sie anders mit ihrem Geld anfangen sollten, als es zu verleihen.

Dass große Vermögen, die ja nur dadurch entstehen können, dass jemand stets und in großem Ausmaß für seine Leistungen mehr gefordert hat, als er für die Leistungen anderer zu geben bereit war, dass dahinter stets die gesellschaftlich fragwürdige Ausnutzung günstiger Positionen steht, dass große Vermögen also letztlich nur durch ungezügelt ausgelebten Egoismus entstehen können, das sollte m.E. nicht auch noch dadurch belohnt werden, dass für dieses unnütz auf Bankkonten geparkte Geld Habenzinsen gezahlt werden.

Und wenn dies doch geschieht, weil den Banken durch diese Einlagen die Möglichkeit gegeben wird, damit eigene, rentable Geschäfte zu finanzieren, dann darf das nicht gleichzeitig den Kreditnehmern, die mit dem Passiv-Geschäft der Banken nicht das Geringste zu tun haben, als Argument für die Einforderung weit überhöhter, also weit über Risiko und administrativen Aufwand hinausgehender Zinsen eingesetzt werden.

 

Nachdem Jens Berger auf diese Weise das Umfeld von Geld, Kredit und Zins mit seinen Ausführungen hinreichend vernebelt hat, kommt er endlich zum Kern und befasst sich mit den vermeintlichen Irrtümern der Zinskritiker.

 

Irrtümer der Zinskritiker

Hier schwingt er nicht mehr die Antisemitismus-Keule, hier beginnt er mit dem feinen Spott des arroganten Besserwissers. Das liest sich dann so:

Die meisten Argumente und Anekdoten, die von Seiten der Zinskritiker kommen, fallen bei näherer Betrachtung wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Als Beispiel verwendet er die Geschichte vom Josephspfennig, jenes Beispiel, an dem die Exponentialfunktion des Zinses besonders drastisch nachgewiesen werden kann, löst sich dann aber nicht von diesem Extremfall, sondern behauptet, alle Einflüsse, die das permanente Anwachsen eines Vermögens über zwei Jahrtausende schmälern, hätten ihre Gültigkeit auch in kürzeren Betrachtungszeiträumen. Eine unwürdige Argumentation.

Jens Berger geht dann weiter zu einem, wie er sagt,

weiteren beliebten „Argument“ der Zinskritiker:

... dass der Zins zu einer exponentiellen Steigerung der Geldmenge führt. Dabei wird unterstellt, dass die durch Kredit geschöpfte Geldmenge zwar nach der Tilgung wieder verschwindet, der Zins aber in der Welt bleibt und da Geld bekanntlich über Kredite geschöpft wird, nur über neue Kredite bedient werden kann.

Und entgegnet dem mit diesen Ausführungen:

Die Geldmenge, die zur Bedienung der Zinsen benötigt wird, muss nicht geschöpft werden – sie ist vielmehr bereits vorhanden. Die Zinskritiker gehen implizit davon aus, dass die kreditvergebenden Banken die Zinseinnahmen horten. Das ist aber nicht der Fall. Ein Teil der Zinseinahmen fließt zum Beispiel in die Löhne und Gehälter der Bankmitarbeiter, ein Teil landet auf den Sparbüchern der Sparer, die der Bank ihr Eigenkapital zur Verfügung stellen, ein weiterer Teil fließt als Steuern an den Staat und die Gewinne werden entweder als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet oder reinvestiert. Aus volkswirtschaftlicher Sicht kreist das Geld – die Zinskosten des Kreditnehmers werden somit aus dem regulären Geldkreislauf gedeckt. Es besteht keine Notwendigkeit, Zinsen und Zinseszinsen durch immer neue Kredite zu bedienen und die Geldmenge bleibt durch den Zins weitestgehend unberührt.

 

Damit hätte Berger Recht, flössen tatsächlich alle Zinseinnahmen der Banken - auch über beliebig viele Umwege - am Ende vollständig und pünktlich zu den Fälligkeitsterminen wieder dahin, wo der Kreditnehmer seine Leistung anbietet, so dass er in die Lage versetzt würde, Zins und Tilgung aus seinen Einnahmen rechtzeitig zu bedienen.

Dem ist jedoch absolut nicht so.

Gehälter und sonstige Kosten des Bankbetriebes machen nur einen Bruchteil der eingeforderten Schuldzinsen aus, Geld, das auf den Sparbüchern der Sparer landet, steht für Zins und Tilgungszahlungen der Schuldner nicht zur Verfügung (wie denn?), dass Steuern an den Staat fließen, ist schon recht, doch auch der Staat gehört wieder zu den Zinsschuldnern, und wenn Aktionäre Dividenden erhalten und dieses Geld reinvestieren, also wieder zinstragend anlegen, dann kann davon ebenfalls kein Schuldner seine Zinsen zahlen.

Fakt ist, dass Zinsen in vielen Fällen nicht in die Kreisläufe der Realwirtschaft zurückfließen, sondern schlicht das angelegte Vermögen und damit die Zinsansprüche mehren.

Und um diese wachsenden Zinsansprüche über die Tilgungslast hinaus befriedigen zu können, ist es unabdingbar, dass dem größten Teil der Zinslast eine ständige Ausweitung des Kredits gegenübersteht.

Mehr Kredit - also mehr Guthaben/Forderungen und zwangsläufig mehr Schulden - bedeutet aber nicht, wie Berger suggeriert, dass die Geldmenge wachsen müsste. Im Gegenteil, jede Anlage von Geld außerhalb der sofort fälligen Girokonten mindert die Liquidität. Jede Tilgung, der kein neuer Kredit in gleicher Höhe folgt, mindert die Liquidität.

Das nächste Argument der Zinskritiker, das Berger mit spitzer Feder aufspießt, liest sich bei ihm so:

 

Wachstumszwang?

Ein weiterer populärer Irrtum der Zinskritiker besagt, dass Zinsen zu einem „Wachstumszwang“ führen und die Wirtschaft „unnatürlich“ aufblähen.

Jens Berger hält dies für einen Denkfehler, den er wie folgt begründet:

Nicht hohe, sondern niedrige Zinsen kurbeln die Konjunktur an. Wenn eine Notenbank den Leitzins senkt, werden vermehrt Kredite nachgefragt, was nicht nur die Geldmenge, sondern auch die Investitionssummen steigen lässt. Erhöht eine Notenbank den Leitzins, wirkt dies wie eine Konjunkturbremse.

 

Ja, und was hat das mit dem Argument der Zinskritiker zu tun?

Nichts!

Dass niedrige Zinsen die Wirtschaft entlasten, dass die Rentabilitätsschwelle dabei sinkt, das ist ein Effekt, der sich allgemein wohltuend äußert.

Dass Zinsen, egal in welcher Höhe, aber nur erwirtschaftet werden können, wenn die Umsätze jeder Periode ausreichen, nicht nur die leistungsgerechten Einkünfte zu erwirtschaften, sondern darüber hinaus auch die nicht leistungsadäquaten Einkünfte der Zinsnehmer, übt einen Zwang zum Gewinnwachstum aus.

Je höher die Zinslast, desto höher müssen die Gewinne werden, denn Zinsen können nur aus den (vor Zinsen) erwirtschafteten Gewinnen bezahlt werden.

Gewinnwachstum ist aber durch verschiedene Maßnahmen zu erzielen, die noch erträglichste, wenn auch ressourcenvernichtend, besteht darin, tatsächlich den Umsatz Produktions- und Absatzwachstum zu steigern.

Andere, nicht minder übliche, bestehen in (Personal-)Kostensenkung, in Qualitätsreduzierung oder einfach Preiserhöhung.

 

Zins zwingt dazu, den Zins zu erwirtschaften.

 

Je höher der Zins, desto ertragreicher müssen die Geschäfte sein, desto weniger Rücksicht kann auf Mitarbeiter, Kunden und Ressourcen genommen werden.

 

Und nachdem Berger dies alles klargestellt hat, wagt er sich daran, den Zinskritikern nicht nur Denkfehler zu unterstellen, sondern ihnen vorzuhalten, sie würden "munter Ursachen mit Wirkungen vertauschen".

Er bestreitet schlicht, dass das Zinssystem zur Umverteilung von unten nach oben einen Beitrag leistet.

 

Und da wird mir Herr Berger dann doch zu schlicht, in seiner Denkungsweise.

Die Meinung mag er gerne behalten, doch sollte er dringend davon Abstand nehmen, sie weiter zu verbreiten - das ist nämlich Volksverdummung höchsten Grades.

 

Und das auf den Nachdenkseiten ...


Meine originale Zinskritik findet sich im Paukenschlag 6 /2010 mit dem Titel

"Die Sache mit dem Zins",

 der ist hier verlinkt

Und der Vollständigkeit halber hier auch noch der Link auf Jens Bergers Text:

 

 Bergers Aufsatz im Original

 

 

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag:


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

vielen Dank dafür, dass Sie Jens Bergers Text auf den "Nachdenkseiten" eine sehr gut formulierte und auch argumentativ einwandfreie Kritik folgen lassen. Man kann nur hoffen, dass Herr Berger diese auch liest und dabei von selber darauf kommt, dass er mit seinem Denken zum großen Teil auf dem Holzweg ist.

Leider ist zu vermuten, dass auch er einer von diesen studierten Ökonomen ist, denen man auf der Uni allzuviele Bretter vor den Kopf genagelt hat. Prof. Dr. Bernd Senf äußerte sich zu solchem Verhalten einmal sinngemäß:

Man kann wohl nicht erwarten, dass studierte Menschen, die jahrzehntelang damit zugebracht haben, den Baum der wissenschaftlichen Anerkennung zu erklimmen, plötzlich begeistert sein werden, wenn unten jemand steht, der ihnen zuruft, dass dieser Baum krank ist, weil seine Wurzeln morsch und faul sind. Die werden nicht von ihrem Baum herabsteigen und die Wurzeln überprüfen, sondern werden Äste abbrechen und auf den unten Stehenden einschlagen.

Meiner Meinung nach liegt die Krux in der falschen Vorstellung davon, was mit Geld passiert, wenn es gespart wird. Sie schreiben in Ihrem Text:

"Der Bankkredit stellt frisches, zusätzliches Geld zur Verfügung. Es handelt sich nicht um Ersparnisse, für die Konsumverzicht geleistet wird. Niemand hat hier Geld verliehen, niemand verzichtet für die Zeit der Ausleihung auf Konsum oder Investitionen."

Dieser Sachverhalt wird meines Wissens nirgendwo gelehrt und ist auch in der offiziellen Literatur nur sehr schwer zu finden. Die klassischen Modelle der Volkswirtschaftslehre stellen es immer so dar, als ob das gesparte Geld von der Bank weiterverliehen wird. Die Bank leiht also nach dieser Vorstellung nur das aus, was sie vom Sparer erhalten hat und nichts weiter. Das Geld befindet sich also nach dieser Vorstellung ständig im Kreislauf (so ähnlich stellt Berger es ja auch dar, als er behauptet, Zinsen erforderten kein neues Geld). Fragen Sie doch einmal einen studierten Ökonomen, woher unser Geld stammt und wie es in Umlauf gebracht wird - Sie werden staunen!

Beste Grüße

Stefan Töns


Hallo Herr Kreutzer,

da konnte ich diesmal leider nicht auf Sie warten…obwohl ich vermutet (gehofft) habe, dass auch Sie diesen Bericht kommentieren werden…

Bereits am 25.08.11 schrieb ich folgende Mail an Herrn Berger:

Von: S(…)

An: redaktion@spiegelfechter.com

Betreff: Nachdenkenseiten "Kritik an der Zinskritik" vom 23.08.2011

Datum: 25.08.2011, 15:08

 

Sehr geehrter Herr Berger,

da ich auf den Nachdenkenseiten keine Emailadresse gefunden habe, hoffe ich Sie auf diesem Wege zu erreichen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie ein paar Minuten Ihrer Zeit erübrigen könnten um meine Frage zu beantworten.

Ich bin eigentlich kein Zinskritiker und befasse mich auch nicht im Detail mit solchen Dingen. Eher zufällig bin ich aber auf Ihren Artikel „Kritik an der Zinskritik“ vom 23.08.2011, auf den Nachdenkenseiten gestoßen.

Dort schreiben Sie unter anderem:

„Ein weiteres beliebtes „Argument“ der Zinskritiker ist, dass der Zins zu einer exponentiellen Steigerung der Geldmenge führt. Dabei wird unterstellt, dass die durch Kredit geschöpfte Geldmenge zwar nach der Tilgung wieder verschwindet, der Zins aber in der Welt bleibt und da Geld bekanntlich über Kredite geschöpft wird, nur über neue Kredite bedient werden kann. So einfach und so populär dieser Gedanke ist, so falsch ist er auch, da er gleich zwei elementare Faktoren unterschlägt. Die Geldmenge, die zur Bedienung der Zinsen benötigt wird, muss nicht geschöpft werden – sie ist vielmehr bereits vorhanden. Die Zinskritiker gehen implizit davon aus, dass die kreditvergebenden Banken die Zinseinnahmen horten. Das ist aber nicht der Fall. Ein Teil der Zinseinahmen fließt zum Beispiel in die Löhne und Gehälter der Bankmitarbeiter, ein Teil landet auf den Sparbüchern der Sparer, die der Bank ihr Eigenkapital zur Verfügung stellen, ein weiterer Teil fließt als Steuern an den Staat und die Gewinne werden entweder als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet oder reinvestiert. Aus volkswirtschaftlicher Sicht kreist das Geld – die Zinskosten des Kreditnehmers werden somit aus dem regulären Geldkreislauf gedeckt. Es besteht keine Notwendigkeit, Zinsen und Zinseszinsen durch immer neue Kredite zu bedienen und die Geldmenge bleibt durch den Zins weitestgehend unberührt.“

Eine Bemerkung dazu vorab:

Die Geldmenge ist in den letzten 10 Jahren um mehr als das Doppelte gestiegen. Dass dafür der Zins verantwortlich ist, möchte ich damit aber nicht implizieren, da mir entsprechende Recherchen in der Kürze der Zeit nicht möglich waren.

Meine Frage:

Sie schreiben - „Die Geldmenge, die zur Bedienung der Zinsen benötigt wird, muss nicht geschöpft werden – sie ist vielmehr bereits vorhanden“

Die Geldmenge für den Zins ist bereits vorhanden?

Das ist nicht logisch nachvollziehbar. Könnten Sie das evt. bitte näher erläutern? Die Geldmenge kommt ja erst zustande, weil ich z.B. einen Kredit aufgenommen habe.

Ich nehme einen Kredit auf um ein Haus zu bauen. Dazu beauftrage ich unter anderen einen Dachdecker, der das Holz bei einem Großhändler kauft. Dieser Großhändler kauft bei einem Sägewerk der wiederum bei einem Forstbewirtschafter kauft, der wiederum einen Holzfäller beauftrag usw.

Jeder, bis auf den Waldbesitzer, hat hierbei eine angemessene Leistung erbracht und tritt dafür in Vorleistung, weil die entsprechenden Rechnungen ja erst nach Lieferung bzw. nach getaner Arbeit bezahlt werden.

Ich trete in Vorleistung mit dem Kredit, der durch die Hypothek abgedeckt wird. Was ist aber mit dem Zins, der ja zusätzlich aus meinem Verdienst bzw. Lohn bezahlt wird?

(Die Zinsen für das Haus reichen ja meist, um noch ein zweites, kleineres Haus zu bauen.)

Woher kommt also das Geld dafür? Aus meiner Situation heraus könnte ich mir vorstellen, dass ich in mehreren anderen Bereichen in denen ich konsumiere, sparen müsste, und somit persönlich weniger Geld in „Umlauf“ bringe. Oder ich muss Überstunden machen, um das Geld für die Raten zu verdienen.

Der Einzige, der aber wirklich etwas „verdient“, ist eigentlich nur der Waldbesitzer, der ein Grundstück, nämlich den Wald, sein Eigen nennt. (Von dem Grundstücksbesitzer bei dem ich das Stück Bauland gekauft habe einmal abgesehen).

Die Unternehmer/Arbeitgeber treten also beim Materialeinkauf in Vorleistung und müssen mit ihren Aufträgen soviel verdienen, dass sie zum einen die Löhne pünktlich zahlen können und zum anderen noch einen Gewinn übrig behalten, von dem auch noch ein Erlös für weitere Investitionen oder für die Anteilseigner übrig bleiben soll.

Wenn man jetzt bei allen Beteiligten von dieser Vorgehensweise ausgeht, bilden sich zwei Gruppen heraus.

1. Diejenigen, die direkt am Umlauf des Geldes und somit der Geldmenge beteiligt sind.

2. Diejenigen, die durch Verkauf von Eigentum und Rohstoffen, oder aus Anteilen am Erlös eines Unternehmens ihr Kapital erhöhen und langfristig anlegen und somit der Geldmenge wieder entziehen.

Woher kommt also der Betrag für den Zins, wenn nicht aus einem Kredit, den irgendein „Umlaufteilnehmer“ aufnehmen muss, um z.B. in Vorleistung zutreten?

Geld wird ausschließlich durch Kredite erzeugt, die von den Geschäftsbanken vergeben werden. Die Zinsen für diese Kredite müssen dabei zusätzlich beschafft bzw. vom jeweiligen Kreditnehmer aufgebracht werden. Dies kann aber wiederum nur durch zusätzlich Aufnahme von Krediten geschehen. Das Geld für den Zins ist also nicht einfach vorhanden, sondern muss genauso wie der Kredit und eben als solcher, erst wieder geschaffen werden.

 

Um auf mein Beispiel zurückzukommen:

um den Kredit zu bezahlen, benötiger ich zusätzliches Geld, das ich nicht habe = Kredit.

Um die Zinsen für den Kredit zu bezahlen, benötige ich zusätzliches Geld, das ich nicht habe = Kredit.

Nur weil solche Transaktionen - ständig im Wechsel - zeitversetzt und in großer Zahl stattfinden, und damit sehr undurchsichtig sind, wird diese Logik doch nicht aufgehoben!

Über einen anderen Ansatz bzw. einen Hinweis von Ihnen, würde ich mich sehr freuen.

Sollte es aus Zeitgründen nicht möglich sein, ausführlich zu antworten, bitte ich um kurze Bebachrichtigung!

Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Stefan Neumann

 

Natürlich habe ich bis heute keine Antwort erhalten. Es ist einfach nicht zu belegen, weil es schon die Logik im Ansatz verbietet.

Ich finde es unter anderem sehr schade, dass auch ein Herr Müller von den Nachdenkenseiten bereits seit einiger Zeit damit aufgehört hat, über den „Zins“ zu streiten. Er ist vielleicht auch kein Experte und es mag ihm die Zeit fehlen, doch mit solchen Berichten aus gefährlichem Halbwissen und sturer Verschlossenheit, gewinnen die Nachdenkenseiten nicht gerade an Qualität. Tut man es sich zudem noch an, das Forum auf „spiegelfechter“ zu diesem Thema zu durchforsten, trifft man immer wieder auf die gleichen, wenig fundierten und wenig offenen Beiträge von Herrn Berger.

Sie haben es eigentlich schon gesagt:

das eigentliche Problem, das ich ja auch in meiner Mail ganz leise angesprochen habe, sind die „Leistungslosen Einkommen“ (ich finde diese Bezeichnung persönlich übrigens schöner). Diese spiegeln in logischer Konsequenz, das Eigentumsrecht und das Verständnis und die Prägung desselben in der Gesellschaft wieder. Dieses eingefahrene Denkmuster verhindert offensichtlich auch bei Herrn Berger die nötige Offenheit, um sich mit dem Grund des Übels auseinanderzusetzen, ja, es überhaupt wahrzunehmen.

Es soll ja jeder seine Daseinsberechtigung haben. Jeder soll seinen Platz und seine Aufgabe in der Gesellschaft finden. Doch niemand darf, nur aufgrund seines „Daseins“, einen persönlichen Vorteil gewinnen.

Niemand darf, nur weil er irgendwann zu seiner (Macht-)Position gekommen ist, nur aufgrund seines persönlichen Eigentums, andere Mitglieder der Gesellschaft dazu zwingen, eine Sonderabgabe, auf sein, wie auch immer erworbenes Eigentum zu leisten, die über den Abnutzungsgrad hinausgeht.

Das einfache Beispiel mit dem Waldbesitzer zeigt, wie einfach es ist, ein eigentlich zum Allgemeingut (Denn wem gehört diese Republik eigentlich? Genau: dem Volk!) gehörendes Stück Wald, als Quelle für diesen unbegründeten Vorteil zu nutzen.

Es gilt immer noch:

Art 14
(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.

Art 15
Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Abs. 3 Satz 3 und 4 entsprechend.

Und die Gesetzte dazu, werden im Bundestag beschlossen, denn:

Art 20
(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

 

Also sind wir doch wieder beim Volk und bei den Wahlen und bei den Parteien und…

ja, die logische Folge ist dann halt immer die Gleiche: wir sollten doch alle mal wieder wählen gehen.

 

Der schwarze Peter, wie geschickt,

wird doch beim (L)letzten nur erblickt.

Der Letzte, der die Säulen trägt

und doch vom Schicksal so geprägt,

dass er es niemals stellt in Frage,

und sei es noch so eine Plage!

 

Ganz brav, den Rücken krumm, wie eine Sichel!

Von wem ich red’?

Na klar, das ist der deutsche Michel!

 

 

So einfach könnte das sein (!), wenn mancher nur die Einsicht fände und nicht immer wieder, die gleichen angelernten Muster übernimmt, nicht wahr Herr Berger...?

 

Aber zurück zu Ihnen, Herrn Kreutzer: schön, dass Sie noch einen Paukenschlag daraus gemacht haben!

Vielen Dank!
Bis die Tage

Stefan Neumann


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

es freut mich, dass Sie hier Herrn Berger mit seiner abstrusen Argumentation entgegentreten.

Herr Berger liegt hier nun wirklich völlig daneben. Allerdings muss man zugeben, dass viele Zinskritiker verkürzt und damit falsch argumentieren, sie haben aber (zufälligerweise) im Ergebnis recht! Es ist nämlich korrekt, dass der Zins theoretisch nicht zu einem exponentiellen Wachstum der Geldmenge führen muss. Es ist auch richtig, dass der Zins theoretisch nicht durch Neuverschuldung geschaffen werden muss, weil er zirkulieren kann. In der Praxis aber, und das ist das einzig Entscheidende, wird der Zins gehortet und führt zu einer Vermögensakkumulation und einem Verschuldungszwang, auch wenn das theoretisch-mathematisch nicht so sein müsste.
Warum?

Die beste, korrekte phänomenologische Erklärung liefert hier Prof. Bernd Senf, die beste mathematische Erklärung liefert der Physiker Heribert Genreith:

Verkürzt liegt die Ursache hierfür darin, dass der Anteil des Konsums bei den Vermögenden geringer ist als bei den Nicht-Vermögenden, d.h. die Vermögenden investieren einen größeren Teil ihres Einkommens zinseinbringend, weil Sie gar nicht in der Lage sind alles zu konsumieren. Da aber in jedem Produktpreis Zinskosten versteckt sind (vgl. z.B. den Begriff “Mietzins”), sind die Nicht-Vermögenden im Schnitt Netto-Zins-Zahler, auch wenn sie überhaupt keinen Kredit aufgenommen haben! Die Vermögenden sind spiegelbildlich im Schnitt die Netto-Zins-Empfänger. Dies führt dann zu der ja zweifelsfrei zu beobachtenden Umverteilung von unten nach oben und zur Vermögenakkumulation.

Rolf Krauss



Sehr geehrter Herr Kreutzer,

schön, dass zumindest Sie dem Blödsinn ( Sorry für den Ausdruck ) widersprechen.

Dass ein solcher Artikel gerade auf den Nachdenkseiten erscheint, verwundert mich selbst gar nicht. Bereits im Jahre 2008 hatte ich ein längeres telefonisches Gespräch mit Albrecht Müller über die
Zinsproblematik. Dabei bemerkte ich sehr schnell, dass Albrecht Müller in diesem Punkt "fehlgeleitet" ist. Nur nimmt die Kritik am Geldsystem (und dazu gehört auch der Zins ), derzeit ständig zu und da die Nachdenkseiten dieses Thema nicht "bedienen", wenden sich immer mehr Menschen ab.

Das ist meiner Meinung nach der Hintergrund dieses Beitrages, da er auch fast exakt die Meinung von Albrecht Müller widerspiegelt. Auf solche "Ökonomen" kann ich gern verzichten. Da bin ich
dann doch eher froh darüber, weiter bei Ihnen lesen zu können.

Mit freundlichen Grüßen; Peter Fischer


Lieber Wolf,

kaum wieder zurück und schon "voll" dabei :-)

zu Bergers These Nr. 3 fällt mir was ein, nämlich, daß Banken sowieso keine Kredite mehr an ertragsschwache Unternehmen oder Personen mit Zahlungsschwierigkeiten verleihen - was soll also der Blödsinn? (ich rede natürlich von der unteren Bevölkerungsschicht). Allerdings gäbe es auch zu Deinem Beispiel noch einen Gedanken: das Geld, mit dem durch das Gehalt das Negativsaldo ausgeglichen wird verschwindet nicht ganz: es ist ja noch da, wo der Schuldner vorher eingekauft, ausgegeben hat - und sei es nur in der Kasse eines Wirtes, in dem der Schuldner seine Biere getrunken hat, die er sich eigentlich nicht mehr hätte leisten können. Also ganz so spurlos ist das nicht weg.

Anmerkung von EWK:

Hier irrt der übliche Verdächtige, der Schuldner muss das ausgegebene Geld irgendwie wieder einfangen, sonst könnte er ja nicht tilgen. Es ist nicht das Geld, das er selbst erhalten hat, jedoch wird mit der Tilgung die dem Tilgungsbetrag entsprechende Teilmenge der gesamten Teilmenge tatsächlich vollständig in Nichts aufgelöst.


Zinsen an sich sind eigentlich ok denke ich - nur Horrorzinsen sind einfach abartig. Einen kleinen (prozentual gesehen) Obolus betrachte ich durchaus als gerechtfertigt. Wenn ich einem Bekannten 100 Euro leihe erwarte ich nur 100 Euro zurück, aber wenn er mich nachher als kleines Dankeschön in einen Biergarten einlädt oder zum Essen, freut es mich. Ich würde natürlich nicht auf die Idee kommen, diese Dankeschön-Einladung zu FORDERN (das wäre ja dann der Zins). Aber gut bei mir geht es nur um kleine Beträge.
Leiht eine Bank aber hohe Summen, verstehe ich durchaus einen - kleinen - Zinssatz. Diese sind nur einfach viel zu hoch und rein auf damit Geldverdienen ausgelegt (soweit ich das sehe).

Zu der Sache mit dem "beliebten Argument":

also das wäre mir neu, daß Banken oder Großunternehmen Steuern zahlen - in den Geldbereichsklassen gibts es Milliarden Möglichkeiten dies zu verhindern (man lese sich nur mal nach, wie viele Maybach-Autos als Geschäftsautos deklariert sind, und zahlt ein Chef einer Bank seinen hyperteuren, fußballfeldgroßen Schreibtisch wirklich aus eigener Tasche?).

Die paar Pfennige, die symbolisch bezahlt werden, sind doch ein Witz.
Vermutlich sehe ich alles ein bißchen zu simpel aber...

mit freundlichen Grüßen

der übliche Verdächtige



Schön, daß es noch Menschen wie Sie gibt, die der steigenden Volksverdummung entgegen wirken!

Vielen Dank für Ihre tolle Arbeit!!!

Michael Lang


Hallo H.Kreutzer,

freut mich, dass Sie sich, ebenfalls wie Gert Flegelskamp, zu dem
"Berger-Kommentar auf den Nachdenkseiten zur Zinskritik" geäußert haben
und dies m.M. wie immer verständlich und umfassend 'erledigten'.

Danke sagt
Schöll Norbert.


Guten Tag Herr Kreutzer,

Auch ich habe Berger direkt anschaulich geschrieben wie falsch er mit seiner Darstellung liegt.
Die Antwort ließ klar erkennen, daß er entweder in der Sache keine Ahnung hat, oder bewusst lügt. Sein "Chef" Albrecht Müller ist ja auch ein "Zinsfan", wie im Video ab Minute 2 zu sehen und hören. Also wird er da wohl folgen müssen.

http://www.youtube.com/watch?v=1apxb6fUn4c&feature=related

Und bitte, verbreiten nicht auch noch Sie die Mär, dass Unternehmen Steuern zahlen würden.
Ihnen ist bekannt, dass Unternehmen nicht einen Cent Steuern zahlen, dafür aber Milliarden Euro
an eingenommenen Steuern behalten, respektive nicht abführen und obendrein jedes halbseidene
Steuerschlupfloch bis weit über Legalität ausnutzen.

Es ist der Konsument/Verbraucher/Kunde der über den Preis die Steuern des Unternehmens bezahlt.
Die Unternehmen kassieren lediglich vorab die Steuern beim Kunden die sie weiterleiten müssten,
es aber zum großen Teil nicht tun.

Freundlicher Gruß

Peter Dominke

Anmerung von EWK
Die Argumentation, Unternehmen zahlten keine Steuern, ließe sich auch auf Arbeitnehmer und Konsumenten anwenden. Erhalten diese nicht die Steuern (und ihre Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung) mit dem Lohn ausbezahlt, so wie die Unternehmer ihre Steuern mit dem Preis ihrer Waren bezahlt bekommen?

Fakt ist, dass der Staat, aus guten und weniger guten Gründen, unterschiedliche Stellen im Wirtschaftskreislauf festgelegt hat, an denen er auf Einkommen und Gewinn, aber auch auf Konsum und Eigentum (z.B. Grundsteuer) Steuern erhebt. Es ist zwar in der rein finanziellen Wirkung gleichgültig, wo die Steuer erhoben wird, nicht aber von der Lenkungswirkung her (mit Steuern kann man steuern). Hohe Verbrauchssteuern auf Tabakwaren, Alkohol und Mineralölprodukte sind eine dieser Steuerungsmöglichkeiten, Steuern auf Löhne und Gehälter, deren Tarifsprünge sich am Bruttolohngefüge orientieren, belasten Arbeitnehmer nach Leistungsfähigkeit, Steuern auf Gewinne von Kapitalgesellschaften fördern die Investitionsneigung, usw. , usw..

Sicher gibt es in unserem Steuerrecht sehr viele Ungerechtigkeiten und Ungereimtheiten. Ich halte es aber - Schlupflöcher hin oder her - für gut, dass auch Unternehmensgewinne da besteuert werden, wo sie anfallen.


Herr Kreutzer,

gestatten Sie eine Bemerkung. Ich sehe kein Problem darin, daß man mit einem Baudarlehn rund 30 Jahre zu kämpfen hat und dabei Zinsen überweist, mit denen man locker ein bis zwei weitere Häuser bauen kann. Die Kritik geht m.M.n. ins Leere. Der Häuslebauer akzeptiert wissentlich, daß er fast 30 Jahre für die Bank knechtet. Warum? Er nimmt ein Prozent Tilgung als Planungsgröße, weil das "so Standard ist". Was hindert den Kreditnehmer denn daran, z.B. mit 2% Tilgung zu kalkulieren? Ganz einfach: sein eigenen Ansprüche lassen es nicht zu. Denn 2% Tilgung würde bei gleicher monatlicher Belastung ein wesentlich kleineres Darlehn und somit ein kleineres Grundstück oder ein kleineres Haus oder eine weniger gute Wohnlage bedeuten. Und DAS geht ja gar nicht.

Manni Schröder

 

 

Anmerkung von EWK:

Sehen Sie, Herr Schröder, natürlich handelt es sich letztlich um die Entscheidung des Kreditnehmers. Und wenn jemand beschließt, trotz hoher Zinsen ein Haus zu bauen oder eine neue Maschine für sein Unternehmen, dann wird er gute Gründe dafür haben.

Meine Kritik richtet sich ja nicht gegen die Kreditnehmer, meine Kritik stellt die Frage, mit welchem Recht sich "ein anderer" deswegen ein Haus bauen können soll (und zwar voll finanziert), weil sich ein Kreditnehmer ein Haus baut.

Meine Kritik richtet sich dagegen, dass das Geld, das eine Bank für einen Kredit auszahlt, vorher nicht existierte und niemandes Eigentum war. Die Bank schafft das Zahlungsmittel und sie vernichtet es bei Tilgung wieder. Die Leistung der Bank ist ein bisschen administrativer Aufwand und ihre Bereitschaft - nach vorheriger, intensiver Bonitätsprüfung - das Ausfallrisiko zu tragen, ein Ausfallrisiko, das sie aber in ihrer Zinskalkulation für alle ausgereichten Kredite berücksichtigt.

Bei einem Hausbaudarlehen mit dinglicher Absicherung (Hypothek) über, sagen wir 300.000 Euro fallen über die gesamte Laufzeit, einschließlich Kreditprüfung und Wertgutachten Kosten der Administration in Höhe von maximal 10.000 Euro an. Das - kalkulierte - Ausfallrisiko liegt unter 3.000 Euro. Legt man diese Kosten auf eine Darlehenslaufzeit von 20 Jahren um, dann dürfte der jährliche Zins - selbst bei Endfälligkeit der Tilgung - nicht mehr als 650 Euro ausmachen.

Bei heute üblichen Hypothekenzinsen von um die 5% werden aber jährlich 15.000 Euro Zinsen fällig. Der Unterschied ist der Gewinn der Bank.

Nun stellen sie sich einfach vor, die Bank würde ihren Gewinnanspruch auf ein Prozent der Darlehenssumme (immer noch 20 Jahre lang jährlich!) beschränken?

Wäre das nicht ein Glück für den Kreditnehmer? Wäre die zusätzlich verfügbare Kaufkraft nicht ein gigantische Konjunkturprogramm?

Und wir hatten Zeiten, da lagen die Konditionen für Baufinanzierung weit oberhalb von 10% p.a.!



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