Paukenschlag am Donnerstag
No. 23 /2011
vom 09.06.2011

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

Druckversion  Kommentare lesen / schreiben

Verschobene Spiele - verschobene Wahrnehmung

 
Impressum
Startseite
EWK-Verlag
Newsletter
Paukenschläge 2007
Paukenschläge 2008
Paukenschläge 2009
Weitere Kommentare
Leserbriefe
 
Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
49 Warum es fast allen immer schlechter geht
50 Jahresumbruch
1/2011 Rettung einer Illusion
2/2011 internes
3/2011 Diensleistungsgesellsch. 1
4/2011 Diensleistungsgesellsch. 2
5/2011 Diensleistungsgesellsch. 3
6/2011 Diensleistungsgesellsch. 4
7/2011 Warum es ist, wie es ist
8/2011 Der Untergang des Abendlandes
9 Theutschtest für Theutsche
10 Kam ein Wasserwerfer des Wegs
11 In jeder Hinsicht idiotengerecht
12 Aus den Tiefen des Bockshorns
13 Geld, das elende Missverständnis
14 Grundeinkommen à la Götz Werner
15 Dezentrale Energie / Speichertechnologie
16 Kernkraftwerksaktionäre
17 Dezentrale Energie /Speichertechnologie
18 Dezentrale Energieversorgung
19 Volks-
bewirtschaftungslehre
20 (nicht besetzt)
21 Die anonymen Wirtschaftskompetenzler
22 wieder nicht besetzt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Verschobene Spiele -
- verschobene Wahrnehmung


Wenn ich mich frage, was am Profi-Spitzensport noch gut und erwähnenswert ist, dann sind das die großartigen Inszenierungen in Stadien und Arenen, die einzigartige Mobilisierung der Massen - und die Tatsache, dass man sich noch hin und wieder über Unsportlichkeiten empört.

Nein, Fouls meine ich da nicht, die braucht man für die Inszenierung und für die Mobilisierung, ohne die kommt die Atmosphäre nicht auf, wie sie in Wien aufgekommen war, als das Publikum versuchte "Einigkeit und Recht und Freiheit" mit Pfiffen zu übertönen,

was ich meine sind auch nicht die entdeckten Dopingsünder, denn ohne Doping geht es ja auch nicht. Das weiß jeder Spitzensportler, er weiß nur nicht, wer es sein wird, an dem das nächste Exempel statuiert werden wird. Daher verhalten sie sich alle wohl, folgen den Anweisungen der Vereine, Verbände und Sponsoren, wo alle die sitzen, die wissen, was sie sich spritzen, wo alle die sitzen, die sie auffliegen lassen können, wenn sie nicht spuren,

was ich meine, sind jene aus absolut nachvollziehbarem Eigeninteresse der Nichtbeteiligten angestrengten Untersuchungen, mit denen herausgefunden werden soll, ob sich "Fremde Dritte" durch Wettbetrug nach vorheriger Manipulation von Spielen, also nach der erfolgreichen Bestechung von Spielern, Schiedsrichtern, Trainern und Vereinsfunktionären, ein eigenes, einträgliches Süppchen da gekocht haben, wo man eigentlich selbst abkochen wollte.

Nur für diejenigen Fans, die immer noch glauben, Profi-Spitzensport habe etwas mit Sport zu tun:

Sport ist Geschäft, großes Geschäft, für die einen, und unter denen sind - trotz zuweilen hoher Gehälter - nur wenige Spieler,

und Arbeit, verdammt harte Arbeit, Knochenjobs mit Lächelpflicht,
für die anderen, von der Basis in den kleinen, unbekannten Vereinen angefangen, bis zu den Banksitzern in den ersten Ligen.

Sport ist Basis für Sportwetten,
und Sportwetten gewinnt sicher, wer schmiert, gut, treffsicher und so sparsam wie möglich.

 

Da berichtet dann auch die Presse drüber, groß und breit.


Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Presse das Recht verwirkt hat, sich über die Manipulationen anderer im Brustton eigener Reinheit zu erregen.

Meine Zeitungsleserkarriere begann als ich 16 Jahre alt war. Von da an gab es täglich die Süddeutsche, die Frankfurter Allgemeine, häufig die Welt, wöchentlich den Spiegel.

Nach und nach habe ich damit aufgehört, das letzte Abo war das der Süddeutschen, das ich gekündigt habe, mit einem einzigen wehmütigen Seufzer, weil ich damit auch auf viele von Heribert Prantls klugen, ja oft schon weisen Gedanken verzichtete, aber ein einziger Autor, der sich noch den Luxus einer eigenen Meinung bewahrt, der geht in diesem großen Blatt doch völlig unter. Manchmal wünsche ich mir, er würde einfach alles hinschmeißen und das Wagnis eingehen, als freier Journalist noch pointierter zum Ausdruck zu bringen, was die Menschen hören sollten ...

Was mich in dieser Woche aber empörte,
war die Berichterstattung einer sich als höchst seriös gerierenden Wochenzeitung, deren Werbung glauben machen will:

"Eine Nachricht alleine bedeutet gar nichts. Man braucht Autoren, die sie deuten können. Und eine Zeitung, die etwas zu sagen hat."

 

Und was hat diese Zeitung dazu zu sagen gehabt?


Die EHEC-Epidemie zeigt, dass Bio gefährlich sein kann

 

Diese Überschrift, die klingt für mich wie ein Abseitspfiff, mit dem ein Schiedsrichter sich sein Zubrot verdient.

Aber als der keineswegs im Abseits stehende Bio-Bauer auch nur fragend den Kopf hebt, kommt gleich auch noch die gelbe Karte wegen Meckern hinterher. Schiedsrichter-Entscheidungen sind Tatsachenentscheidungen, heißt es

und die ZEIT erklärt zur Tatsache:

Der Feind in der Nahrung kommt auch aus der Natur,
allem
Bio-Kult und Öko-Kitsch zum Trotz.

 

Der Autor, der sich hier anmaßt, eine Nachricht zu deuten, ist an Arroganz wohl nicht mehr zu überbieten.

Wer den nicht nur berechtigten, sondern im Sinne des gesamten Lebens auf diesem Planeten überlebenswichtigen Wunsch der Menschen, sich endlich - nach jahrzehntelangem Industriefraß-Terror - wieder gesünder, natürlicher zu ernähren, als Bio-Kult und Öko-Kitsch abtut, und dann noch den Bogen schlägt, der EHEC und BIO quasi zu Synonymen macht, der disqualifiziert sich in einem derartigen Maße selbst, dass dem Chefredakteur, der dies durchgehen lässt, nur Mittäterschaft attestiert werden kann.

Den Rest dieser Sudelei kann, wer will, auf ZEIT-Online selbst nachlesen.

Auch wenn ich diesen Link nur äußerst ungern setze:
Bio kann gefährlich sein; meint die ZEIT 

Es ist eine einzige, vollkommen ungerechtfertigte Hetze auf alles, was Natur ist. Aufgehübscht mit Informationen über das qualvolle Leiden und Sterben der EHEC-Patienten, damit die Verbindung BIO=Krankheit=Tod auch ja fest in den Hirnen der ZEIT-Konsumenten verankert wird, weil es zumeist Führungskräfte sind, Intellektuelle, die sich das Wochenblatt halten, um in kurzer Zeit, am Donnerstag, auf dem Laufenden zu sein.

Wer hat Interesse an solchen Artikeln?


An Artikeln, die geschrieben werden dürfen, weil Nachrichten alleine angeblich gar nichts bedeuten, weil es Autoren braucht, die sie deuten?

Würde ein Meteorologe die Großwetterlage so deuten, wie die ZEIT hier mit dem hässlichen nackten Finger feindselig auf BIO deutet, dann würde die für jedermann erlebbare Realität seinen Irrungen Hohn sprechen.

 

Ja, wir haben Pressefreiheit.

Das war ein kluger, eine weiser Einfall der Väter des Grundgesetzes, der Autoren der Menschenrechtscharta.

Gedacht haben sie sich etwas anderes dabei, gedacht haben sie sich dabei, dass Presse ungestraft die Hand in die Wunde legen, Kungeleien und Schweinereien aufdecken, Interessen und deren Vertreter und deren Lügen entlarven soll.

Wir haben auch das Gebot der Unparteilichkeit für Schiedsrichter.

Das, meine ich, könnten wir im Zuge des allgemeinen Sittenverfalls nun ruhig auch fallen lassen.

 

 

 



nach oben  Newsletter bestellen





Reaktionen auf diesen Paukenschlag:

Ich wartete schon die ganze Woche darauf, dass du zu diesem Thema was sagst.


Es ist schlichtweg eine SAUEREI, dass das Thema in dieser Art diskutiert wird. Da sitzen sie in Berlin zusammen, um darüber zu diskutieren ...

Da haben sie wieder ein Fressen gefunden, die lieben Nahrungsmittelindustrie-Konzerne.

Nahrung? Etwas, das nährt?
Lebensmittel? Etwas, das zum
Leben gebraucht wird.

Jetzt können sie weiter ihre totgequälte ultrahocherhitzte H-Milch hochloben und ihr pestizidverseuchtes Styropor-Gemüse als das anpreisen, das auf keinen Fall Durchfall mit Todesfolge nach sich zieht.

In so einem Produkt würde sich ja weder ein Bakterium noch ein Virus drei Sekunden lang wohlfühlen – im Gegensatz zu den, langsam zum Deppen gemachten Zweibeinern, die immer noch als Mensch (homo sapiens) benannt werden.

M.M.


Hallo Herr Kreutzer,

erstmal brauche ich Ihren Newsletter nicht, da Ihre Seite zu meiner morgendlichen Pflichtlektüre gehört. Deswegen habe ich den noch nie bestellt...
Bezüglich des seltsamen Erregers schließe ich mich der Meinung von Volker Pispers in einem anderen Zusammenhang an:
"100.000 sterben jährlich am Rauchen, 50.000 am Saufen, 5.000 im Strassenverkehr und 15.000 an ärztlichen Behandlungsfehlern. Da muß ein afghanischer Höhlenterrorist lange dran stricken, um die Zahlen zu erreichen."

In einem von Ihnen veröffentlichen Leserbrief stand etwas von wegen Parteigründung. Ernsthaft, was halten Sie von der Idee? Ich weiß, es ist aberwitzige Arbeit eine Partei zu gründen und diese zu etablieren, aber solange, wie bei der letzten BW-Wahl gesehen, 93,5% der Wahlschäfchen nur zwischen Pest und Cholera unterscheiden dürfen/können/wollen, könnten Sie jeden Tag dutzende von Paukenschlägen schreiben, ohne daß sich auch nur ein Deut ändert.

Wir können, solange wir außerhalb des Systems bleiben, niemals das Spiel gewinnen, da wir nicht die Spielregeln ändern, sondern uns nur Ihnen anpassen können. Es muß also logischer- und konsequenterweise ein neuer Spielleiter, der die Regeln ändert, ins Spiel gebracht werden. Es muß nicht zwingend ein Herr Kreutzer oder Suxdorf sein, ich sehe nur seit über drei Jahren ein permanentes Wachstum an aufgewachten Schlafschafen, die noch wild blökend durch die Gegend rennen. Die müssen und wollen fokussiert werden, da ein nicht zielgerichtetes Rennen keinesfalls hilft, sondern eher Angela und Konsorten unterstützt.

Genauso die riesige Menge an Nichtwählern, die aus sicher verschiedensten Gründen nicht wählen wollen, Gründe allen voran die sogenannte Verdrossenheit und das "Nichtwiederfinden" in den Ideologien der etablierten Parteien.

Die meisten Menschen wollen doch nur in Ruhe ihr Leben frei geniessen, genug Geld im Beutel haben, um sorgenfrei einmal im Jahr auf Malle Urlaub zu machen, sorgenfrei zum Arzt gehen können und die Gewissheit haben, daß sie im Alter nicht in Armut verfallen. Diesen Menschen kann man ohne Scheu und ohne Blick auf links oder rechts oder mitte eine Basis schaffen.

Warum nicht?


Mit freundlichem Gruß

P.S.


Lieber Wolf,

Bio IST gefährlich - les Dir nur mal die den BIO-Bauern aufgezwungenen EU-Regelungen durch, mit was die ihr Zeug verseuchen MÜSSEN - sehr zum Leidwesen des kleinen BIO-Bauern, der versucht, wirklich etwas ökologisch gesundes vom Feld zu holen, sehr zur Freude der großen BIO-Konzerne denen es eh schon stinkt das ihr Zeug zu gut ist. Aber....

...aber bei EHEC gehts doch gar nicht um irgendwelche Keime, Bakterien, Viren oder sonstigen Erreger. Es geht genau um Folgendes:

1. mal wieder die nächste Hysterie im Volk (unsere tägliche Seuche gib uns heute), ich warte schon länger darauf, daß man sich endlich wieder was Neues einfallen läßt, schließlich ist die Schweinegrippe schon a weng her und Zeit wurds. Seit Wochen frag ich mich, wann es endlich kommt.

2. die wenigen noch krampfhaft ums Überleben kämpfenden kleinen Bauern jeder Art werden endlich weiter dezimiert - unsere Nahrungsversorgung mit halbwegs normal auf dem Feld gewachsenen Mitteln ist immer noch auf einem zu hohen Niveau, wenn auch nicht mehr flächendeckend. Das ist ein "no go", so gehts ja mal nun gar nicht. Meint zumindest Nestle und Konsorten.

3. Entschädigung - lol? - Den Schlüssel möchte ich sehen mit dem wohlabgewogen die Großkonzerne mit ihren Massenanbau-Flächen mit Millionen und Abermillionen Entschädigungen überschüttet werden, während der kleine Bauer ein paar Cent bekommt, auf die er vermutlich auch noch mehrere Monate warten muß und dazu einen unerträglichen Wust von Formularen ausfüllen muß sowie vermutlich noch nachweisen muß, das bis zum Opa alle rasserein waren (kleiner, böser Scherz, sorry)

4. Was kriegen wir jetzt? Den Gendreck aus Holland derzeit (zumindest hier in München wie ich beobachten konnte), den schon ewig keiner mehr wollte: verwässerter Gen-Mist ohne Geschmack - Aber: um wieviel wetten wir daß da nebenbei gleich wieder entsprechende EU-Agrarsubventionen fließen? Blabla Import/Export innerhalb der EU, grenzüberschreitendes Blaundblub, was weiß ich - da wird das richtige kleine Gesetzchen vorher schon getätigt worden sein.

5. Uuuuund natürlich wieder die netten Sümmchen die an Labors, Unis und Forschungsanstalten fließen um diese "unerträgliche und gemeingefährliche Seuche" ganz im Sinn des Gemeinwohls zu bekämpfen (bei dem Vogelgrippe-Dingsbums waren das weltweit etliche Milliarden, die sich Chemiekonzerne mal eben so nebenbei eingeschoben haben)

6. and last but not least natürlich das Übliche: Panikmache, Streßsituationen für den Bürger, der somit mal wieder nicht dazukommen kann 5 Minuten nachzudenken weil er schon wieder springen muß ("um Himmels Willen, wo krieg ich was her woran meine Kinder wenigstens nicht sofort verrecken...?"). Siehe also auch Punkt 1

Zu witzig fand ich ja, daß relativ zu Beginn des diesjährigen Rennens um den Preis der Blöden ausgerechnet der Feinkost-Käfer-Chef hergehalten hat, der irgendwo in Frankfurt wohl was gegessen hat.... (war vor einigen Tagen 'ne Schlagzeile in der AZ oder TZ oder irgendsowas). Die kleine Extranote Humor fand ich zu drollig, vor allem da er sich ja nur "leicht unwohl" fühlte (wenn man weitergelesen hat - keine Angst ich wartete auf den Bus und las alles was im Kasten sichtbar war aus Langeweile, freiwillig würde ich solche Käseblätter nie anfassen oder gar kaufen)

na dann schließe ich mit den schönen Worten von Tacitus, Annalen III, 27:
"corruptissima re publica plurimae leges" (je verdorbener der Staat, desto mehr Gesetze hat er) und schicke noch ein
"cum tacent clamant" (indem sie schweigen, stimmen sie zu - wörtl: mit Schweigen schreien) hinterher

mit freundlichen Grüßen und Dank für Deine nimmermüde Wächterfunktion

der übliche Verdächtige

Ach, Herr Kreutzer,

in unseren Massenmedien wird täglich tonnen-, gigabyte-, quadratmeter- und stundenweise Müll verbreitet. Das kann man doch sowieso nur verkraften, wenn man sich selbst den Verstand bewahrt und eine gesunde kritische Distanz aufgebaut hat. Insofern ist so ein Artikel die ganze Aufregung wirklich nicht wert.

Aber klar, das ist wieder einmal ein sehr deutliches Beispiel für fachliche Inkompetenz und fehlgeleitetes politisches Sendungsbewusstsein der Journalisten. Nur ist das leider keine kritikwürdige Ausnahme, das ist Regel.

Viele Grüße

R. S.


Hallo Herr Kreutzer,

Vielleicht mal einige Anmerkungen zu Ihrem genialen Paukenschlag. Auch ich habe schon lange darauf gewartet, dass diesem Blödsinn widersprochen wird. Nur in einem Punkt würde ich noch Anmerkungen machen, da Sie ja bereits alles wichtige zum Thema kurz und bündig dargelegt haben.

Zitat: "Ja, wir haben Pressefreiheit." Zitat Ende.

Mit dem "Wir" kann ich mich da nicht so richtig anfreunden. Ich bin der Meinung, dass "Wir" keine Pressefreiheit haben. "Unsere" Pressefreiheit beschränkt sich doch in Wirklichkeit darauf, die Meinungen der von Werbeeinnahmen abhängigen Lohnschreiber der Kapitaleigner lesen zu dürfen. Selbst wenn man versucht einen solchen Artikel zu kommentieren, fällt der Kommentar der Zensur zum Opfer. Da sich innerhalb des Systems niemand der Kapitalverwertung entziehen kann, sind die wenigen Ausnahmen wie Sie Herr Kreutzer, leider bedeutungslos. Bedeutungslos hier nicht im Sinne von mangelhafter Qualität gemeint, sondern im Sinne von Massenwirksamkeit. Erschwerend kommt hinzu, dass sich auch unter den Blogbetreibern im Netz nicht nur seriöse Seiten befinden. Also unter Pressefreiheit verstehe ich etwas anderes, nämlich unabhängige von Fakten geprägte Berichterstattung und nicht Manipulation zum Zwecke der Kapitalverwertung. Deshalb bin ich immer wieder froh darüber, dass Sie Herr Kreutzer, hier noch in der Lage sind Akzente zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen; P. F.



Doch, lieber Herr Kreuzer,

wenn ihnen auch der Beitrag der ZEIT ganz und garnicht gefallen hat, so ist er durchaus hilfreicher Anstoß eines sehr wohl nachdenklich machenden Themenkomplexes.

Zunächst: Ich habe ihn auch gelesen, vom Anfang bis zum Schluss. Auch die prompt geposteten Leserkommentare, die sich (ähnlich ihrer Kritik) aufs Böseste empörten. Wenngleich mir der Grund der Empörungen gänzlich verborgen bleibt. Der Autor hat doch NICHT (wie allseits unterstellt), weder generell noch prinzipiell, die Prädikate BIO oder ÖKO etwa verteufelt oder als Fehlentwicklung menschlichen Ernährungsverhaltens gegeißelt. Ich kann das an keiner Stelle des Beitrages so erkennen. Statt dessen macht er, und das ist absolut korrekt, darauf aufmerksam, dass Nahrung, die auf (nach gängigen Maßstäben) biologisch "korrekte" Art und Weise produziert wird, also im Wesentlichen unbehandelt mit Pestiziden, Kunstdünger, Antibiotika etc., nicht automatisch oder selbstverständlich "gesund" ist, sondern, im Gegenteil, durchaus sehr ernst zu nehmende Gesundheitsrisiken bergen kann. KANN, nicht MUSS, das steht dort nirgends.
Passend zu diesem "Aufreger der Woche" habe ich durch Zufall am Montag den REPORT in der ARD gesehen. Einer der Beiträge befasste sich mit dem Thema Biogas-Erzeugung. Der vordergründige Nutzen der Anlagen i.S. alternativer Energieerzeugung zeitigt die Praxis der Landwirte, die nicht mehr verwertbare, vergorene Gülle in Abertonnen zur Düngung der Anbauflächen zu verwenden. Ein Gedanke, der mir (und ich empfinde mich nicht als ängstlicher Mensch) dann doch irgendwie den Magen umdreht. Und der zudem doch nun wirklich die Frage erlaubt, ob das "gesund" oder "natürlich" ist oder ein Siegel "öko" oder "bio" verdient. Feldfrüchte jedweder Art, deren Hauptwachstum in fäkaliengeschwängerten Böden stattfindet, mag und kann ich kaum als ernährungsförderlich akzeptieren. Da ist ein vermuteter Zusammenhang zwischen vermeintlich "gesundem" Gemüse und einer EHEC-Infektion (bekanntermaßen ein Darmbakterium) nicht zwingend, aber auch nicht hergeholt. Wer das so propagiert, führt Eigenes im Schilde, und sei es seine (ideologische) Verbissenheit.

Ich bin kein Freund oder Befürworter der Nahrungsmittelindustrie, wurscht, ob sie in Gestalt monopolähnlicher Massenproduktionsgiganten oder spezifisch aufgestellter Ertrags- und Mengenoptimierer daherkommt. Chemie im Fraß, ob in Form von Pestiziden oder Antibiotika oder sonstwie, gefällt mir ebenso wenig wie meinen 6,5 Milliarden Mitmenschen. Aber ich muß, trotz dieser Abneigung, zur Kenntnis nehmen, dass unser Planet in vielerlei Hinsicht nicht über ausreichend "natürliche" Ressourcen verfügt, die es benötigt, um die Quantitäten und Qualitäten an Rohstoffen, Energien und Nahrung bereitzustellen, die seine beängstigend kontinuierlich wachsende Population verschlingt. Sechseinhalb Milliarden Menschen können nicht, leider, vom freundlichen Landwirt nebenan, der seinen Acker mit bloßer Hände Arbeit und der Hilfe freundlicher Wettergötter bestellt, satt, gesund und zufrieden gestellt werden. Trotz aller Sympathien, die ich für eine möglichst biologische und/oder ökologische Ressourcenwirtschaft hege, halte ich sie, wenn sie einschlägig ideologisiert wird (und das wird sie, und zwar sehr massiv und zweckgerichtet), für bedenklich. In mehrfacher Hinsicht. Auch und nicht zuletzt unter gesundheitlichen Aspekten. Die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle durch Keime, Viren, Parasiten und Bakterien in einer pestizid-, und antibiotikafreien Nahrungs-Herstellungs- und Vertriebskette wäre auf eigene Weise beängstigend - und unnötig.

Was hier grade stattfindet, ist nicht eine Sachdiskussion, sondern ein Ideologiedisput. Der Artikel fällt all jenen schwerst auf die Zehen, die (aus welchem Grund auch immer), Heil, Wohl und Wachstum im Trend sehen und hoffen. Der heißt eben "Bio" und "Öko". Und er hat sich in den vergangenen 10, 15 Jahren zu einer in mancherlei Hinsicht sehr rigiden Industrie entwickelt, die in der Wahl ihrer Sprache und Mittel den Methoden der angeprangerten Konzerne in Nichts nachsteht. Da hacken sich schlicht zwei Krähen gegenseitig möglichst in die Augen.

Ich lese Ihre Paukenschläge meist mit Vergnügen, Herr Kreuzer. Viele finden meine Zustimmung und Sympathie, wenngleich zuweilen die Ansätze recht weit hergeholt sind. Aber sie nützen. Weil grundsätzlich Ideen und Initiativen immer gut sind. Der hier aber haut auf eine Pauke, die rundum konstruiert ist. So schlecht, vor allem so falsch, war/ist der ZEIT-Beitrag wirklich nicht.

Beste Grüße
P.U. H., Bonn

 

Anmerkung von Egon W. Kreutzer:

Es fällt mir nicht leicht, auf diesen Versuch einer Entschärfung der Diskussion einzugehen, will es aber wagen.

Den Artikel habe ich auch gelesen, als selbst Schreibender sind mir natürlich auch die überall eingestreuten Abschwächungen und Beschwichtigungen nicht entgangen, die der anonym bleibende Verfasser seinem Aufsatz mitgegeben hat, um sich - bei Bedarf - auf einen Standpunkt der Neutralität und der wohlwollenden Fürsorglichkeit zurückziehen zu können.

Doch wenn dieser Standpunkt sein Standpunkt gewesen wäre, dann hätte der Artikel vom Aufhänger an ganz anders geschrieben sein müssen, so ungefähr, wie Sie es nun versuchen, durch Relativierung und Einbeziehung des Welternährungsproblems in die Betrachtung, wieder eine ernsthafte Diskussion zu ermöglichen.

Was die Zeit sich aber damit geleistet hat, war BILD-Niveau, wenn nicht darunter, Diffamierung in der Titelzeile, Diffamierung und Verhöhnung durch Begriffe von Öko-Kult und Bio-Kitsch.

Wenn man nun so an der Oberfläche bleibt, dass man das, was die Nahrungsmittelindustrie inzwischen als Bio in die Regale füllt und die - meinetwegen Platonsche - Idee von Bio in einen Topf wirft, dann kann man meinen Aufsatz nicht verstehen, dessen bin ich mir auch bewusst.

Ja, Sie haben recht, es ist eine ideologische Auseinandersetzung, aber was ist daran schlecht? Müssen es nicht die großen Gedanken, die großen Bilder und Visionen sein, an denen sich Detailentscheidungen zu orientieren haben?

Soll Menschsein nicht mehr sein, als sich von einem aktuellen Problem flickschusternd zum nächsten zu bewegen, ohne je innezuhalten und ein Ziel anzuvisieren?

Die Behauptung, die Menschheit ließe sich vom "freundlichen Landwirt nebenan, der seinen Acker mit bloßer Hände Arbeit und der Hilfe freundlicher Wettergötter bestellt," nicht ernähren, fordert zum Widerspruch heraus. Einmal, weil die Antwort auf die Notwendigkeit gesunder Ernährung nicht mit der Notwendigkeit eines immer weiter gehenden Wachstums der Weltbevölkerung beantwortet werden kann und soll, und zweitens, weil es die Frage ist, ob die freundlichen Landwirte es nicht doch schaffen würden, ließe man sie denn überall auf der Welt sich dieser Aufgabe widmen, anstatt sie als Landlose in die Slums zu verbannen, während hochsubventionierte Agrarfabriken
zu immer noch hochprofitablen, im jeweiligen Markt aber als Dumping wirkenden Preisen, jene denaturierten Nährwertträger liefern, welche unter den Bedingungen des weltweit wirksamen Kapitalismus den Markt - und damit die Möglichkeiten autarker Lebensmittelerzeugung - ruinieren.

Nein, so recht sie haben, wenn Sie einen weniger aufgeregten Diskurs einfordern. Führen Sie ihn!
Aber erkennen Sie bitte auch über dem reinen Buchstabenwust des ZEIT-Artikels den darin transportierten Geist.

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer

 

und darauf eine Antwort, die zeigt, wie schön es sein kann, wenn man bei allen Unterschieden der Ausgangspositionen auf Annäherung setzt, statt auf Konfrontation, danke, Herr H. aus Bonn:

Notwendig, förderlich und deshalb gut ist doch jeder brauchbare Aspekt und Standpunkt, gleich auf welcher Seite, der Diskussionen anstößt, nährt und voran bringt. Unter diesem Aspekt fand ich sogar grade die Begriffe "Öku-Kult" und "Bio-Kitsch" nicht nur angemessen, sondern sogar lange überfällig in der öffentlichen Diskussion. Was unter diesen Labels mittlerweile feilgeboten wird, beim Discounter ebenso wie im LEH wie auch in Bioläden oder auf den Wochenmärkten, ist schlechterdings hahnebüchen. Dieser Trend ist eine rasant wachsende Veräppelungsindustrie, die vor nichts und niemandem mehr Halt macht. Die "gesunde" Tütensuppe mit Bio-Siegel ist da ein harmlos-lustiges Beispiel, das "mit Naturorangenextrakt pflegende" chemiestrotzende Haarshampoo verwundert schon eher, der "fangfrische" Lachs aus parasitenverseuchten Aqua-Massenkulturen fördert Bedenken, das "umweltfreundliche" Bankkonto (die Bank spendet irgendwohin) verstört, und "grüne" Politik im Fond des Audi A8-Dienstfahrzeugs drückt Orientierungslosigkeit aus wie auch Prinzipienverlust.

(Ja, dem kann ich doch nur aus vollem Halse zustimmen!)

Fehlt noch der Ökometzger, der das (geschlachtete) Mastvieh mit Namen kannte und der Biobäcker, der den Ofen mit selbstgeschlagenem Holz aus regionalen Wäldern feuert, während er im Chor mit Gesellen und Lehrlingen deutsches Liedgut intoniert. Lässt sich alles verkaufen, Hauptsache es steht groß dran. Das ist eine Entwicklung, die doch tatsächlich so stattfindet, die wir alle Tag um Tag erleben, das erfindet doch niemand, um die Sache an sich mies zu machen. Auch nicht die ZEIT.

Menschen wie Sie, Herr Kreuzer, machen mich ratlos. Das meine ich nicht negativ, überhaupt nicht. Sie legen wirklich mit beachtlicher Regelmäßigkeit den Finger in klaffende Wunden. Bedauerlich ist, dass es so wenig hilft. Wie gerne böte ich ihnen an, die Plattform höher, breiter, größer, lauter zu machen. Das Ziel ist hehr, doch der Weg ist ein Trampelpfad, weitab der Hauptverkehrswege. Warum gründen Sie eigentlich nicht eine Partei? Da tät' ich glatt mitmachen, und mutmaßlich sehr, sehr viele Menschen ebenfalls. All diejenigen, die sich (nicht nur von lächerlichen Öko- und Biolabels, sondern insgesamt von der fehlerstrotzenden Mainstreampolitik) belogen, betrogen, bestohlen, im Stich gelassen und verarscht sehen, jeden Tag mit wachsender Tendenz. Mit Recht. Was und wem nutzt der "Wutbürger"? Niemandem, nicht einmal sich selbst. Protest braucht Form, Veränderung braucht System, Führung braucht Struktur. Das Kind braucht einen Namen, sonst bleibt es ein Balg.
Gründen Sie die MITTE. Ich bin dabei. Ehrlich!


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

EHEC - Dazu erschien bei Kopp-Verlag ein Bericht von Udo Ulfkotte in dem angedeutet wird, das EHEC Bakterium stamme aus einem Bundeswehr B-Waffen Labor in Munster (NS). Ein weiterer Bericht, der in eine ähnliche Richtung deutet, kann ist bei naturalnews zu finden.

Also, kann doch sein, dass es sich hierbei um einen Nachfolger der (ach so lukrativen) Schweinegrippe handelt!?

Dies alles doch mit immer dem selben Ziel: Unterdrückung und Manipulation der Bevölkerung, Zerstörung und Beeinträchtigung der nationalen Wirtschaft, insbesondere Landwirtschaft, im Hinblick auf den Widerstand gegen GMO eine leicht von einem Bio-Konzern zu bewerkstelligende Aufgabe.

Was hat einmal der Herr Kissinger von sich gegeben?:
"Wer das Öl kontrolliert, kontrolliert die Staaten, wer die Nahrung kontrolliert, kontrolliert die Menschen".

Die ganze Presse-Aufregung kratzt doch nur leicht an der Oberfläche, die wirklichen Gründe liegen sicher viel, viel tiefer. Alles auf dem Weg zu einer gobalen Regierung.

Viele Grüsse,
W. H.


Hallo Herr Kreutzer,

danke für diesen Paukenschlag; interessant natürlich, wie immer; und voll unterschriftsreif. Danke!

Und vielleicht noch eine kleine Ergänzung zu dem Leserbrief von Herrn/Frau W.S. bezüglich dessen, was dieser Herr Kissinger einmal von sich gab; ich meine, mich auch an ein Interview erinnern zu können, in welchem er meinte, die Einführung der Neuen Weltordnung sei mittlerweile ein Selbstläufer.

Mir scheint, er habe Recht damit. Leider. Auch unter dieser Sichtweise sollte man ihren Paukenschlag richtig einzuordnen wissen.

Freundlichen Gruß!
M. S.





Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Blechtrommel!

Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits