Paukenschlag am Donnerstag
No. 21 /2011
vom 26.05.2011

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Die anonymen Wirtschaftskompetenzler

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
49 Warum es fast allen immer schlechter geht
50 Jahresumbruch
1/2011 Rettung einer Illusion
2/2011 internes
3/2011 Diensleistungsgesellsch. 1
4/2011 Diensleistungsgesellsch. 2
5/2011 Diensleistungsgesellsch. 3
6/2011 Diensleistungsgesellsch. 4
7/2011 Warum es ist, wie es ist
8/2011 Der Untergang des Abendlandes
9 Theutschtest für Theutsche
10 Kam ein Wasserwerfer des Wegs
11 In jeder Hinsicht idiotengerecht
12 Aus den Tiefen des Bockshorns
13 Geld, das elende Missverständnis
14 Grundeinkommen à la Götz Werner
15 Dezentrale Energie / Speichertechnologie
16 Kernkraftwerksaktionäre
17 Dezentrale Energie /Speichertechnologie
18 Dezentrale Energieversorgung
19 Volks-
bewirtschaftungslehre
20 (nicht besetzt)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Die anonymen Wirtschaftskompetenzler

Worum es den Deutschen zu gehen hat, wenn sie wählen gehen.

Seit dem letzten Paukenschlag, "Volksbewirtschaftungslehre", ist genug Zeit vergangen, um eine weiterführende Ergänzung dieses Gedankens anzubieten.

Da kommt das Schlagwort von der "Wirtschaftskompetenz" gerade recht.

Den einen scheint sie angeboren, die anderen können sich in Hörsälen und Studierzimmern abstrampeln, wie immer sie wollen, selbst Doktorhüte einschlägiger Fakultäten helfen nichts - sie werden niemals wirtschaftskompetent.

Natürlich wissen Sie, ohne auch nur einen Sekundenbruchteil nachdenken zu müssen:

Wirtschaftskompetenz haben CDU/CSU und die FDP.

... und wenn es einmal ganz schlimm aussieht, wenn die Oberwirtschaftskompetenten die Karre einmal - trotz aller Kompetenz - voll in den Graben gedonnert haben, dann wissen wir doch alle immer noch:

Gut, dass in dieser schweren Zeit nicht die anderen dran waren. Wie schlimm wäre es uns dann erst ergangen.


Das dürfen Sie jetzt

eine Schweigeminute lang

auf sich einwirken lassen.

 

 


Da wurde uns ein kollektives Vorurteil eingetrichtert, das tiefer sitzt als der sprichwörtliche "schwäbische Geiz" oder die Überzeugung, alle Bayern seien biertrinkende, lederhosentragende, schuhplattelnde und schwarzwählende Dumpfbacken.

Dass dieses dämliche Vorurteil so erfolgreich implementiert werden konnte, hat gleich mehrere Ursachen:

  • Kaum jemand hat eine Ahnung, was Wirtschaftskompetenz konkret bedeutet. Das wiederum verleiht jedem, der den Begriff verwendet, den Nimbus des Experten, und jeder der vorgibt, zu verstehen, was er bedeutet, erhebt sich damit gleichfalls in den Expertenrang.
  • Kaum jemand hat eine Ahnung, welchen Ausdruck die Wirtschaftskompetenz in der konkreten Politik finden sollte. Bundeskanzler, Finanz- und Wirtschaftsminister können also im Prinzip anstellen, was immer sie wollen. Haben sie eines der richtigen Parteibücher, ist ihr Handeln wirtschaftskompetent. Haben sie ein anderes, dann eben nicht.
  • Kaum jemand hat eine Ahnung, welche Folgen wirtschaftskompetente Politik für die Wirtschaft und für die Volkswirtschaft, für den Staat und seine Bürger haben sollte.
  • Geht es bergauf mit CDU/CSU und FDP, dann ist das Zeichen von Wirtschaftskompetenz.
  • Geht es bergauf mit SPD, Grünen oder gar Linken, dann haben die ungeheures Schwein gehabt, ein so wohlbestelltes Haus in einer so günstigen Konjunkturlage übernommen zu haben.
  • Geht es bergab mit CDU/CSU und FDP, dann ist es Zeichen von Wirtschaftskompetenz, dass der von der vorherigen Regierung verursachte Abschwung so genial abgemildert und gebremst werden konnte.
  • Geht es bergab mit SPD, Grünen oder gar der Linken, dann ist das Zeichen einer ideologiegetriebenen Misswirtschaft und der Beweis für das Fehlen jeglicher Wirtschaftskompetenz, selbst wenn das Schlamassel gerade vor einer Woche von den Schwarz-Gelben Kompetenzlern übernommen wurde.
  • und vor allen Dingen die Ursache, dass 95% der Medien seit Jahrzehnten nicht müde werden, diese hohlen Parolen bei jeder Gelegenheit wiederzukäuen.
 
Versuchen wir also zunächst einmal zu einer Definition für "Wirtschaftskompetenz" zu gelangen.
 
Das Baden-Württembergische Ministerium für Kultus, Jugend und Sport hat im Rahmen der Lehrerfortbildung eine Einführung in die Lernfelder der Ausbildung zur/zum "Zahnmedizinischen Fachangestellten" erstellt und darin einen erwähnenswerten Ansatz gefunden, der da lautet:
 
Wirtschaftskompetenz beschreibt:
 
"Fähigkeit und Bereitschaft zur selbstständigen und verantwortungsbewussten Bewältigung wirtschaftlicher, rechtlicher und sozialer Anforderungen im beruflichen und privaten Bereich."

Erwähnenswert ist dieser Ansatz schon deshalb, weil er Wirtschaftskompetenz nicht wirklich definiert (nicht: "Wirtschaftskompetenz ist") sondern nur erläutert, was der Begriff (in diesem Falle) beschreibt. Vor allem aber auch, weil hier aufgezeigt wird, wie kleinkariert man Wirtschaftskompetenz ausdeuten kann, nämlich als das, was eine werdende Zahnmedizinische Fachangestellte benötigt, um ihren beruflichen und privaten Kram unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten in Ordnung zu halten.

Bingo.

Der alte Fremdwörterduden von 1990, den ich wegen seiner knappen, aber treffenden Erklärungen sehr schätze, vermerkt unter

 kompetent a) sachverständig, fähig
   b) zuständig, maßgebend, befugt
 Kompetenz  a) Vermögen, Fähigkeit
   b) Zuständigkeit, Befugnis

Da Wirtschaftskompetenz den Unionschristen und Freidemokraten auch dann zugesprochen wird, wenn sie abgewählt, folglich nicht zuständig und nicht befugt sind, kann sich der abgedroschene Begriff im Grunde nur auf hinreichende Fähigkeit und Sachverstand beziehen.

So sollte also als wirtschaftskompetent gelten dürfen, wer sich in der Wirtschaft auskennt und zu irgendetwas fähig ist. Aber wozu?

Als ich mich vor langer Zeit mit dem Thema Organisationsentwicklung theoretisch und praktisch beschäftigen durfte, galt als unumstößliches Gesetz für die Gestaltung organisatorischer Einheiten - gleich welcher Größe - dass die übertragene Aufgabe, die übertragene Kompetenz und die übertragene Verantwortung stets kongruent (übereinstimmend) sein müssen.

Kompetenz - also Befugnisse - zuzuordnen, ohne die Aufgabe zu beschreiben, die unter Nutzung dieser Kompetenz erledigt werden soll, wird alle möglichen Ergebnisse hervorrufen, nur selten jedoch die korrekte und vollständige Erledigung der Aufgabe. Und dass Kompetenzen missbraucht und Aufgaben vernachlässigt werden können, wenn dem Stelleninhaber nicht auch die volle Verantwortung für die Erledigung der Aufgabe und die Nutzung der Befugnisse übertragen wird, ist ebenfalls nicht schwer nachzuvollziehen.

Dass ein Verantwortlicher für eine organisatorische Einheit über den dafür notwendigen Sachverstand und die erforderlichen Fähigkeiten verfügen muss, das galt seinerzeit hingegen als so selbstverständlich, dass es keiner besonderen Erwähnung bedurfte.


Nach diesen Vorüberlegungen stellt sich unausweichlich die Frage:

Was ist die ganz grundsätzliche Aufgabenstellung des Wirtschaftsministers, die er im Rahmen seines Ressorts verantwortlich - nur den Richtlinien des Bundeskanzlers verpflichtet - zu erfüllen hat?

  • Hat er nur dafür zu sorgen, dass es der Wirtschaft gut geht?
    Weil es gut für Deutschland ist, wenn es Siemens, Thyssen, E.On und der Deutschen Bank gut geht? Weil es auch für die am hinteren Ende hungrig wartenden Spatzen gut ist, wenn man die Pferde vorne mit Hafer befüllt?
  • Hat er demzufolge die Wünsche der Wirtschaft zu erfüllen? Muss er um die Senkung von Unternehmenssteuern kämpfen, arbeitsrechtliche Regelungen aushebeln, Umweltschutzauflagen abbauen oder verhindern?
  • Hat er der Wirtschaft alle Chancen einzuräumen, höchstmögliche Gewinne zu erzielen, indem er auch fragwürdige Praktiken im Umgang mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und dem Finanzamt absegnet?
  • Hat er sich regelmäßig mit den Interessenvertretern der Wirtschaft zu treffen, um deren Forderungen rechtzeitig im Sinne der Wirtschaft in Gesetze und Verordnungen zu gießen?
Wäre dem so, müsste es dann nicht innerhalb der Regierung permanent heftigsten Streit zwischen Wirtschafts- und Finanzminister, zwischen Wirtschafts- und Arbeitsminister, zwischen Wirtschafts- und Sozialminister, zwischen Wirtschafts- und Verbraucherschutzminister, ja sogar zwischen Wirtschafts- und Justizminister geben?
 
Den gibt es aber doch bei Schwarz-Gelb nicht.
Die sind sich doch - von Schaugefechten auf Nebenkriegsschauplätzen abgesehen - vollkommen einig. Wie kann das sein?

?

Das ist nur scheinbar ein Widerspruch.

Wirtschaftskompetenz beschränkt sich bei CDU/CSU und FDP eben nicht auf das Wirtschaftsministerium. Die sind alle gleichermaßen wirtschaftskompetent.

Die gesamte Regierungsriege ist primär darauf aus, es der Wirtschaft recht zu machen.
Die Ministerien für Arbeit und Soziales helfen der Wirtschaft Kosten zu senken, das Umweltministerium hilft der Wirtschaft, Kosten zu vermeiden, das Justizministerium drückt hie und da ein Auge zu, wenn es gilt Straftatbestände für Abzocker und Betrüger festzulegen, und der Finanzminister unterstützt die Wirtschaft nach Kräften, wenn es darum geht, die erbeuteten Gewinne vor dem Zugriff der Allgemeinheit zu schützen.


Wirtschaftskompetenz

das wäre in meinen Augen die Fähigkeit und der Wille, die Wirtschaft so zu lenken und wenn nötig zu beherrschen,

dass die Tätigkeit der Wirtschaft den Nutzen des ganzen Volkes mehrt,

  • statt einseitig nur den Interessen der aus- und inländischen Kapitalgeber zu dienen,
  • statt einseitig die Exportwirtschaft zu fördern,
  • statt einseitig den Energie-Multis und ihren Oligopolen zu dienen,
  • statt einseitig die Arbeitnehmer zu belasten und die Erträge aus Unternehmensgewinnen und Kapitaleinkünften zu entlasten,
  • statt einseitig Volksvermögen aus der Hand zu geben und die Bürger damit den Gewinninteressen der Wirtschaft und des Kapitals auszuliefern,
  • statt einseitig großindustrielle Strukturen zu fördern und kleinräumiges, regionales Wirtschaften zu erschweren und zu behindern.

Das wäre Wirtschaftskompetenz, wie ich sie mir vorstelle.
Und ich weiß, mit dieser Vorstellung bin ich nicht alleine.

 


Doch unglücklicherweise wird Wirtschaftskompetenz immer noch als bedingungslose Wirtschaftsförderung verstanden.

Und wer wissen will, wie sich diese Wirtschaftskompetenz auf die Wirtschaftskompetenzler auswirkt, der braucht nichts anderes tun, als nachzusehen, wie die Wirtschaft ihre Spenden auf die einzelnen Parteien verteilt.

Das ist wohl so ziemlich das 1 : 1 Abbild dessen, was die Parteien der Wirtschaft an Wirtschaftskompetenz angedeihen lassen.

An Großspenden über 50.000 Euro - und nur die müssen veröffentlicht werden - erhielten 2010

GRÜNE 60.000 Euro

 LINKE

 

 175.000 Euro

 SPD

 

 

 

 

350.000 Euro
   

 FDP

 

 

 

 

 

446.000 Euro

 CSU

 

 

 

 

 

 

509.000 Euro 

 CDU

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.100.000 Euro 

detailliert nachzulesen, auch mit Nennung der Spender, auf den Internetseiten des Deutschen Bundestages:

Deutscher Bundestag - Parteispenden 2010 


und nach Lagern:

Schwarz-Gelb  2.055.000  77,8%
Rot-rot-Grün  585.000  22,2 %

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag:

Hallo, Herr Kreutzer!
Neben den diversen Aha-Effekten des PaD sind die Zuschriften dazu eine wahre Pfundgrube!
Möchte auf diesem Wege den Schreibern danken, in erster Linie diesmal dem "R.G." und dem »Üblichen Verdächtigen« - die Sprüche sind wirklich druckreif! Danke!

Nein, ohne Ironie oder Hintergedanken!

Ich möchte aber auch ein paar Zeilen an Gedanken zum Besten geben. Soeben von einer internationalen Konferenz zum Thema Investitionen in Rußland kommend muß ich sagen, daß mir bei der Diskussion sowas wie ein Kronleuchter aufgegangen ist. Vielleicht würde es sich lohnen, drüber nachzudenken:

Wenn eine Gesellschaft reibungslos funktionieren soll,

sind es drei Komponenten,

die miteinander korrelieren müssen. Tun sie das nicht, wird es Brühe.

1. wäre das die Gesamtheit der wirtschaftlichen Einheiten (Produktion).
Ohne Initiative und Organisation dieser Einheiten wird nichts. In Rußland hatte es nach
dem Zusammenbruch der SU die rote Führungsriege gegeben, die sich relativ schnell die
Taschen vollzustecken gewußt hat, und deren Vertreter weltweit sattsam bekannt sind.
Ohne ökonomisches Knowhow und neue Wege wäre die russische Wirtschaft noch weiter
ins Nirwana abgewandert, als sie das so schon ist.

2. wäre das die Gesamtheit der Verbraucher
Ohne einen funktionierenden Markt, bei dem alle Teilnehmer adäquate Möglichkeiten haben,
nützt die beste Produktion nix und sie, die Produktion, muß sich andere Märkte suchen.

3. wäre das die Gesamtheit der gesellschaftlichen Verwaltung,
eingeschlossen Legislative, Exekutive und Judikative. Wenn diese Organismen es nicht
verstehen, die anderen beiden Komponenten in Korrelation zu bringen, kommt es zu einer
Schieflage, die letztendlich in Krisenerscheinungen führt, wie wir sie gerade erlebt haben
bzw. noch erleben (und deren Ende m.E. noch nicht abzusehen ist).

Wenn es nun um wirtschaftliche Kompetenz geht, so sollte m.E. die Organisation, die sich
für kompetent hält, diese Zusammenhänge erkennen und die Erkenntnis umsetzen können.
Kann sie das nicht, wird es das, was wir gegenwärtig in D, in der EU insgesamt, aber auch
in RUS oder den anderen BRICS-Staaten haben: Überall wird m.E. vergessen, daß Produktion
um der Produktion Willen nur zu Überproduktion führt, trotzdem es in allen Ländern,
mittlerweile auch in D, bei den Verbrauchern zu einer Art Investitionsstau kommt, obgleich
die Produktionskapazitäten dafür da sind, nur nicht ihre Funktion erfüllen können, weil die
potentiellen Abnehmer alles andere können, nur nicht abnehmen, weil ihnen die Möglichkeiten
dafür fehlen...

Wollte das nur mal in die Diskussion gestreut haben.

Mit besten Grüßen!

S. W.


Hallo Herr Kreutzer,

die Relativierung und Deutung des Begriffes „Wirtschaftskompetenz“ bringt uns nicht wesentlich weiter.

Die „Kompetenz“ (lateinisch competere: zusammentreffen, ausreichen, zu etwas fähig sein, zustehen) an sich, ist ja noch relativ eindeutig den einzelnen Disziplinen zuzuordnen. Bei der „Wirtschaft“ gleicht die Nennung des Begriffes schon einer Tautologie.

„Wirtschaft“ scheint auf alles anwendbar, egal was der jeweilige „Experte“ gerade damit meint, auch unabhängig von dem, was er eigentlich aussagen will. Meist sind es natürlich nur Schlagworte, die das Ganze bezeichnen sollen, aber in Wirklichkeit immer nur einen ganz begrenzten Teil meinen. Ähnlich wie bei den Begriffen „Markt“ oder „Märkte“. Die Forderung die sich daraus ergibt ist klar:

die Anwendung solcher Phrasen sollte sofort geächtet werden, wenn der jeweilige Anwender nicht unmittelbar erklären kann, was genau und wen er damit meint. So würden sich schnell und fast automatisch, „Experten“ von „Drecksperten“ unterscheiden. Plagiate und suggestive Reizbegriffe würden sich ebenso schnell auflösen wie sie erzeugt werden. Die dafür benötigte Zeit und der Aufwand, sind überall und in allen Medien vorhanden, werden aber tatsächlich zu 95 % für irgendeinen Unsinn vergeudet.

Der nötige Diskurs findet einfach nicht statt.

Das System der Belohnung, bestehend aus Sicherheit und Macht, ist allzu leicht und verführerisch. Die Zuwendungen der „Wirtschaft“ an die Parteien, sind nur ein weiterer Beleg dafür. „Vermögen“ als Sicherheit, ist nur eine Fehlleitung der Gesellschaft. „Herrschaft“ als Macht, ist das Verschließen und Unterdrücken einer Gesellschaft.

Eine Gesellschaft muss offen und veränderbar sein. Wir müssen niemanden „belohnen“ damit er sich für eine Gesellschaft einsetzt, in der jeder gleichermaßen vernünftig leben kann. Wir müssen Systeme schaffen, die sich aus der Selbstverständlichkeit des Lebens heraus definieren. In vielen Verfassungen der Welt, finden sich dazu bereits gute Ansätze. Das sind aber, meist durch weiterführende Regelungen und Gesetze irr geleitete Ideen, die einmal verfasst, nicht weiter diskutiert werden. Wir dürfen aber nicht gleich wieder über Begriffe streiten! „Kapitalismus“ „Kommunismus“ „Neoliberalismus“ „soziale Marktwirtschaft“. Das sind nur Worthülsen mit dem jeweiligen Protagonisten zur Meinungshoheit verhelfen.

Die alte Idee der Demokratie hat sich nicht bewährt. Die Vertreter des „Volkes“ vertreten nicht mehr das Volk, sondern nur noch ihre scheinbaren „Herrscher“. Die Lösung dieses Problems kann nur über die Vermittlung neutraler und allgemeingültiger Werte erfolgen. Werte, wie wir sie bereits unseren Kindern vermitteln wollten. Darüber muss man eigentlich gar nicht reden. Es ist so einfach! Und dennoch, scheint es so aussichtslos eine entsprechende Diskussion anzustoßen…

Bis die Tage


Sehr geehrter Hr. Kreutzer, danke für die Aufklärung.

Beim lesen des Paukenschlags kommt mir eine Definition in den Sinn, die ich bis jetzt noch nirgends gesehen habe:

Bolschewismus ist der Kommunismus der Unterschicht

Kapitalismus ist der Kommunismus der Oberschicht.

Bei der Betrachtung unserer wirtschaftlichen Lage kann ich nur sagen: "Alles im grünen Bereich!", gemäß den Vorgaben der globalen Planer (Globalisierung = Angleichung der Wirtschaften der Nationalstaaten global auf niedrigstem Niveau und Preisgabe des öffentlichen Eigentums unter Anwendung der real regierenden Korpokratie zu Nutzen des Kapitalismus, sowie Versklavung und Dezimierung der Unter- und Mittel-Schicht Weltbevölkerung mit allen (un-)vorstellbaren Mitteln).

Das Hauptproblem, die - global privat geführte - Zins-Kredit-Wirtschaft wagt niiiemand in Frage zustellen. Die Wurzel allen Übels. Scheinbar jeder akzeptiert den Wahnsinn der Benutzung von Kredit als handelbare Ware. die auch noch Mehrwert (Zins) wert ist! Aber auch das ist nur Mittel zum Zweck, Eine Welt - Eine Regierung. Globalisierung halt.

mfg, W.H.

(ja, ich weiß, es ist Polemik, aber doch verständlich, oder?)


Lieber Herr Kreutzer,
bei aller Scharfsinnigkeit sind leider auch Sie anscheinend einer von dem herrschenden Informationskartell erfolgreich implementierten Verwirrung aufgesessen: Bei der Definitionsfrage: Wer oder was ist eigentlich "Wirtschaft"?
Sind "Wirtschaft" nur die Unternehmen und Konzerne, bzw. deren Führungseliten, allenfalls noch unter Einschluss der Mittelständler mit allen Bäckereien und Frisörläden (ich bin da aber nicht wirklich sicher), oder sind "Wirtschaft"
auch die Akteure auf der anderen Seite, die "Arbeitnehmer", Konsumenten und Werbebotschaftsempfänger, die den ganzen produzierten Müll ja am Ende kaufen sollen (soweit er nicht sowieso exportiert wird.), ja am Ende das ganze Volk?

Sind wir nicht alle "Wirtschaft"? Und wer vertritt UNS und unsere Interessen?
Die KAnzlerin? Der Wirtschaftsminister? WIR sind das VOLK, äähh die "Wirtschaft"! Heillose Verwirrung, allerdings natürlich mit Absicht!
"Arbeitnehmer" ist auch so ein verwirrtes Wort, schliesslich GEBEN die Arbeitnehmer Arbeit(-skraft). Neusprech.
Nun, wir sollten uns nicht länger verwirren lassen.

Grüssle
R. G.


Lieber Wolf,

wieder einmal ein interessanter, zum Nachdenken animierender PaD. Es ergibt sich da allerdings eine Frage: Du sprichst vom Nutzen des ganzen Volkes und ich frage mich nun, wer zum Heck damit gemeint sein könnte. Ich sehe überall nur Herden von Leibeigenen und lebendem Besitz.

Intermezzo zur Demokratie:
wir berufen uns auf eine Demokratie - ganz nach antikem griechischen Vorbild. Aber genau die haben wir doch! Schauen wir uns kurz die Demokratie der Stadtstaaten des alten Hellas einmal an:

jeder freie Bürger hatte eine Stimme und konnte bei nahezu jeder halbwegs wichtigen Entscheidung mit abstimmen. Auf dem großen Marktplatz hatte er seinen Platz auf dem er dazu stehen mußte. Doch wer waren die freien Bürger, diejenigen mit Stimmrecht? Es waren die Reichen und Mächtigen jeder Stadt, die "Besitzer" der so zur Verfügung stehenden Ressourcen. Mit Glück 2% der Gesamtbevölkerung so einer Stadt?
Der Rest teilte sich auf in ehrbare Kleinstbesitzer, zugewanderte Arbeitskräfte aus dem Umland, Reisende, Sklaven, Gefangene - doch die hatten keine Stimme. Die Sklaven hatten in manchen Konstellationen zwar das Glück, recht gut behandelt zu werden, da Sklaven teuer waren bisweilen. Auch ging es vermutlich Sklaven recht gut, die bestimmte, begehrte Fähigkeiten hatten (Lesen, Schreiben, Mathematik, wohl auch mal Philosophie und dergleichen, mehrere Fremdsprachen, usw.) - aber eine Stimme hatten sie nicht.
Passt doch alles - nicht wahr? Diejenigen in unserem Land, welche wirklich eine Stimme haben, entscheiden dauernd - also die Reichen, die Mächtigen, die "Besitzer" aus Industrie, Wirtschaft - die Führungsriege halt. - Das Plebiszit darf alle 4 Jahre eine Stimme abgeben, von der man sich fragt, woher die eigentlich so urplötzlich auf einmal auftaucht. Wir leben also absolut in einer Demokratie nach antikem, griechischem Vorbild


Doch weiter mit dem Paukenschlag
Du erwähnst Organisationsstrukturen und ihre Aufgaben: hierzu möchte ich einige Wikilinks bieten (bedauerlicherweise sind - wie so oft in der Wikipedia - die englischen Varianten besser, aber die möchte ich jedem nur freiwillig zumuten)
- deutsch http://de.wikipedia.org/wiki/Dilbert-Prinzip (engl. http://en.wikipedia.org/wiki/The_Dilbert_Principle)
- deutsch http://de.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger-Effekt (engl. http://en.wikipedia.org/wiki/Dunning-Kruger_effect)
- deutsch http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip (engl. http://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Principle)
eine empfehlenswerte Zusatzlektüre zu Deinem aktuellen PaD 21 zum Thema "Kompetenz" >:o)=

Der mit dem euphemistischen Spitznamen "Regierung" ausgestattete Verband zur Wahrung der Interessen von Wirtschaft und Industrie (VWIvWI) hat schon alles so eingerichtet wie es sein soll UND... wie es von den freien Stimmen gewählt und gewünscht wird. Ganz im Sinne einer antiken, hellenistischen Demokratie ^^
Was also gibt es zu lästern? Und sind eigentlich die "Köfferchen" in Deiner farbigen Spendenstatistik schon eingerechnet? Fragen über Fragen....
Ach ja eine letzte Frage noch (nur so aus Interesse): Für wen arbeitet IM Erika eigentlich? :o)

in diesem Sinne Wolf... Glück auf!

der übliche Verdächtige





Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Blechtrommel!

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