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Q!u |
- Schluss mit
Lustig?
-
- Nachdem der
Fasching zu Ende war, haben die Politiker, die ja nicht selten
ein bisschen hintendran sind, am Aschermittwoch noch einmal nachgetreten.
- Was das Fernsehen,
vor allem das bayrische in aller Breite, darüber berichtet
hat, war nicht erbaulich. Abgestandene Späße, bei
denen die Kluft zwischen der rhetorischen Kunst der Redenschreiber
und dem Charisma der Vortragenden bisweilen bis zur Peinlichkeit
aufklaffte.
-
- Gottseidank
ist Donnerstag.
-
- Jetzt endlich
könnte der Blödsinn von der politischen Bühne
vertrieben werden und die Vernunft wieder die Oberhand gewinnen.
-
- Die Chancen
dafür stehen schlecht.
-
-
- Erst einmal
orientiert sich - außerhalb Bayerns*) - alles auf die Landtagswahl
in NRW.
-
- NRW-Wahl
- Schicksalswahl?
- Nordrhein-Westfalen,
einst eine Region, in welcher die Sozialdemokratie einen Wahlsieg
nach dem anderen einfuhr, obwohl NRW Heimat und Hochburg des
rheinischen Katholizismus, Heimat und Hochburg des rheinischen
Kapitalismus und des rheinischen Militarismus war, hat vor fünf
Jahren mit der letzten Landtagswahl und dem Sieg von Jürgen
Rüttgers das Ende der Regierung Schröder eingeläutet.
-
- Am 1. Juni 2005
habe ich dazu einen Kommentar geschrieben, den ich auch selbst
manchmal nachlese, wenn ich mich frage, welcher Teufel Müntefering
damals geritten haben muss, als er noch am gleichen Tag zu Neuwahlen
aufrief.
-
- Titel:
The new political wirrness.
Die Verwirrung ist seitdem nicht geringer geworden.
Nun wird das volkreiche Land, in dem der selbsternannte Arbeiterführer
Jürgen fünf Jahre lang regierte, am 9. Mai 2010 wieder
wählen.
-
- Dass der Wahltermin
auf den 65. Jahrestag des Inkrafttretens der
-
- Bedingungslosen
Kapitulation
der zu diesem Zeitpunkt unter deutschem Befehl stehenden
oder von Deutschland beherrschten Streitkraefte
auf dem Lande, auf der See und in der Luft,
- fällt,
mag Zufall sein - als gutes Omen würde ich es allerdings
nicht ansehen wollen.
-
-
- Was kann denn herauskommen?
-
- Die SPD-Spitzenkandidatin für
das Amt des Ministerpräsidenten in Nordrhein-Westfalen ist
im Vergleich mit Jürgen Rüttgers von den Medien derart
vernachlässigt worden, dass eine nicht repräsentative
Umfrage, nach dem Namen des SPD-Spitzenkandidaten auf meinen
Seiten bis gestern Abend das folgende Ergebnis erbrachte:
-
- Wer ist SPD Spitzenkandidat
für die Landtagswahl am 9. Mai in NRW?
|
Jürgen Rüttgers |
2% |
|
Christoph Matschie |
2% |
|
Gesine Schwan |
4% |
|
Gertrude, Freifrau zur Ruhr |
4% |
|
Marc Jan Eumann |
4% |
|
Thorsten Schäfer-Gümbel |
5% |
|
Heiko Maas |
5% |
|
Siegmar Gabriel |
7% |
|
Florian Pronold |
9% |
|
Hannelore Kraft |
59% |
-
- Ob es der SPD ein Trost sein
mag, dass nur 2 Prozent der Umfrageteilnehmer den amtierenden
CDU-Ministerpräsidenten der SPD zurechneten und nur 4 Prozent
eine frei erfundene Freifrau zur Ruhr - offenbar im Ausschlussverfahren
- als SPD-Spitzenkandidat ansahen? Wohl kaum.
-
- Wenn auf einer Seite, die
überwiegend von politisch interessierten Menschen besucht
wird, 40% derjenigen, die sich an die Antwort wagen, weniger
als zwei Monate vor dem Wahltermin nicht in der Lage sind, den
richtigen Namen anzukreuzen, dann kann es mit der Bekanntheit
von Hannelore Kraft nicht weit her sein.
-
- Ein Grund, hier einen Link
auf ihre Homepage zu setzen.
(Allerdings
bin ich mir bewusst, das dies nicht der wahlentscheidende Link
sein kann.)
-
-
- Das Wahlergebnis der SPD wird
also aller Voraussicht nach nicht für eine Alleinregierung,
und auch nicht für eine rot-grüne Koalition reichen,
-
- obwohl die Grünen voraussichtlich
zu den großen Gewinnern dieser Wahl gehören und ein
Ergebnis deutlich über den 6,2 % von 2005 einfahren werden,
eher sogar zweistellig, als einstellig.
-
- An ein wie auch immer geartetes
Büdnis mit der Linken ist nicht zu denken. Nach den internen
Auseinandersetzungen um Lafontaine und Bartsch, die ja immer
noch nachklingen und von den Medien genüsslich ausgebreitet
werden, wird die Linke gewiss nicht in den Düsseldorfer
Landtag einziehen.
-
- Das Wahlergebnis der CDU wird
allerdings auch nicht allzu rosig ausfallen. Obwohl Jürgen
Rüttgers alles tut, um nicht mit Angela Merkel in einen
Topf geworfen zu werden, obwohl sogar Plakate geklebt werden,
auf denen der Name der Partei fehlt, für die da geworben
wird - die katastrophalen Fehlleistungen der ersten Monate der
Berliner Koalition werden auch im Ergebnis des Jürgen Rüttgers
schwere Kollateralschäden anrichten.
-
- Die 44,8% von 2005 müssen
schon heute als ein fernes, im Grunde unerreichbares Traumziel
angesehen werden. Wenn's hoch kommt, wird die CDU in Düsseldorf
diesmal ungefähr (+/- 3%) da landen, wo die SPD vor fünf
Jahren gelandet ist, und das waren 37,1 Prozent.
-
-
- Guido Westerwelle tut zur Zeit
alles, um die FDP in NRW wieder unter die fünf Prozent zu
drücken, ob es ihm gelingt, kann noch nicht sicher gesagt
werden. Herr Pinkwart wehrt sich verzweifelt gegen den Bundesvorsitzenden
und hofft, damit Profil zu gewinnen.
- Ich hoffe, dass sich wenigstens
das nicht eines Tages als ein abgekartetes Spiel herausstellen
wird.
-
- Wie auch immer, mit FDP kommt
Schwarz-Gelb in NRW knapp über 40 Prozent. Zum Regieren
reicht auch das nicht - und Jamaika? Nein. Nicht in NRW.
-
-
-
- Schluss mit Lustig.
-
- In NRW droht die Große
Koalition auf Landesebene.
Und das hat eine höchst sonderbare Wirkung:
-
- Angela Merkel verliert damit
die schwarz-gelbe Bundesratsmehrheit. Das könnte man begrüßen,
doch das hat unvermeidlich eine weitere Folge:
-
- Ohne diese Mehrheit im Bundesrat
ist die FDP für das Regieren im Bund überflüssig
wie ein Kropf. Alles, was im Koalitionsvertrag steht, aber von
der Länderkammer gebilligt werden muss, kann und wird Angela
Merkel koalitionsintern mühelos scheitern lassen, bevor
sie sich ohne Not vom Bundesrat eine Abfuhr holt.
-
- Dies wiederum - und das hat
selbst Westerwelle begriffen - ist das Ende dieser Regierung
und damit wohl auch der eigentliche Auslöser seines jüngsten
verbalen Amoklaufs.
-
-
- Wir stehen, wie vor fünf
Jahren, vor Neuwahlen im Herbst.
-
- Der 26. September wäre
ein guter Termin.
-
- Das ist nämlich der 65.
Jahrestag
-
- der Proklamation No. 2
der Militärregierung
der US-amerikanischen Besatzungszone, mit welcher die Gründung
Groß-Hessens, Württemberg-Badens und Bayerns bekanntgegeben
wurde -
-
- und diese Proklamation ist schließlich
eine der prägrundgesetzlichen Geburtsurkunden des deutschen
Föderalismus, der mit der NRW-Wahl wieder einmal beweist,
dass in ihm mehr steckt, als die Kultusministerkonferenz in langen
Jahren aus ihm herauszuholen vermochte.
-
-
- *) Ach ja, bleibt noch der
Blick nach Bayern.
-
- Bayern kümmert sich wenig
um die NRW Wahl. Erstens tritt die CSU dort nicht an, obwohl
sie diesmal gute Chancen hätte. Zweitens gibt es in Bayern
Wichtigeres:
-
- Mit dem Ende des Faschings beginnt
die Zeit des Fastens. Und in der Fastenzeit vertrauen die Bayern
ganz besonders auf ihr bewährtestes Nahrungsergänzungsmittel
für Notzeiten:
-
- Das Starkbier - und das fließt
vom 25. Februar bis zum 27. März in Strömen.
-
- Die Durststrecke vom Aschermittwoch
(17.2.) bis zum Beginn der Starkbierzeit (25. 2.) ist vorsichtshalber
so kurz gehalten, dass eine eventuell zwischenzeitlich auftretende
Ernüchterung bei niemanden einen bleiben Schaden hinterlassen
muss.
-
- Am 3. März 2010 wird das
Starkbier auf dem Nockherberg hochoffiziell probiert. Die ganze
Politprominenz wird wieder dabeisein, wenn die Paulaner Brauerei
ein paar Kabarettisten dafür bezahlt, das alljährliche
Derblecken der geladenen Gschwoischädl professionell über
die Bühne zu bringen.
-
- Danach ist dann auch in Bayern
Schluss mit Lustig.
-
- Bis zu den Wahlen zum Deutschen
Bundestag, denn die fallen üblicherweise mit dem Beginn
des Münchner Oktoberfests zusammen.
-
- Wie gesagt, der 26. September
wäre ein guter Termin.
-
-
-
Vorsichtshalber
muss ich darauf hinweisen, dass Prognosen, besonders wenn sie
die Zukunft betreffen, nicht ganz einfach sind.
-
- Es kann also womöglich
auch ganz anders kommen.
-
- :-))
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Reaktionen auf
diesen Paukenschlag Hallo
Herr Kreutzer,
Sie müssen,
glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die
Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre
Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen
Das
tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel! 
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