Paukenschlag am Donnerstag
No. 6 /2010
vom 11. Februar 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Die Sache mit dem Zins

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Die Sache mit dem Zins

Angebot zur Abkürzung einer ermüdenden Diskussion
 
 
Im Ringen um den rechten Weg für eine neue Geldverfassung wächst die Zahl der Anhänger des Gedankens, der Zins an sich sei im Geldwesen eine vollkommen harmlose Erscheinung; die eigentliche Gefahr gehe nicht vom Zins, sondern ausschließlich von der Hortung aus.
 
So werden der Wachstumszwang und die Notwendigkeit der sich stetig ausweitenden Neuverschuldung, also letztlich auch das Wachstum der Guthaben, ganz ausschließlich der Hortung von Geld zugeschrieben.
Die Hortung, heißt es dann weiter, könne aber nur durch eine Umlaufsicherungsgebühr unterbunden werden, niemals durch ein Zinsverbot.
 
Das habe ich lange als zulässige "Meinungsäußerung" in einer offenen, auf gemeinsamen Erkenntnisgewinn gerichteten Diskussion angesehen und mich nur so weit dazu geäußert, wie ich direkt dazu angesprochen und um meine Auffassung befragt wurde. Dabei habe ich in großem Respekt vor den Gedanken und dem Erkenntnisstand meiner jeweiligen Partner viele, z.T. sehr ausführliche Diskussionen geführt.
 
Da sich der Gedanke in den letzten Monaten im Internet jedoch epidemisch ausbreitet, sehe ich die Notwendigkeit, zu alledem heute noch einmal - so umfassend wie nötig und so abschließend wie möglich - Stellung zu beziehen.
 
 
1. Die Sache mit der Hortung
 
Es kann überhaupt keinen Zweifel daran geben, dass Geldhortung, die es in mannigfachen Formen gibt (beileibe nicht nur als Bargeld im Keller, wie es einige immer noch glauben) ein schweres Problem darstellt, von dem die Geldversorgung der Realwirtschaft beeinträchtigt wird. Dabei ist es vollkommen (!) irrelevant, ob der Hort aus Banknoten im Safe, aus Münzen in der Truhe im Keller, aus Ziffern auf dem Girokonto, auf dem Tagesgeldkonto oder auf den mehr oder minder langfristig terminierten Sparkonten anderer Art liegt:

Sobald sich die Menge des ruhenden (gehorteten) Geldes im Verhältnis zur Menge des umlaufenden (liquiden) Geldes vergrößert, droht Deflation.

 

 
Da herrscht völlige Einigkeit und ich weiß nicht, wie jemand, der sich mit meinen Ausführungen über das Geld beschäftigt hat, auf die Idee kommen kann, ich würde das bestreiten.
 
Was ich in diesem Zusammenhang bestreite, ist die Auffassung, die von einer Fraktion der Freiwirte vertreten wird, dass nur Bargeld gehortet werden könne.
Es ist sinnlos, im Zusammenhang mit der Hortung mit den Geldmengenaggregaten M0, M1, M2, M3 zu jonglieren und dabei zwischen "gutem" und "schlechtem" Geld zu unterscheiden. Liquidität, die über eine größere Zeitstrecke nicht genutzt wird, wirkt deflationsfördernd, gleichgültig ob das Geld unter dem Kopfkissen liegt oder in einen Sparvertrag eingezahlt wurde.
 
 
Die Hortung, als anerkannt schädlicher Faktor,
hebt aber die Schadwirkung des Zinses nicht auf.
 
 
Die Argumentation, der Zins sei vollkommen unschädlich, nur die Hortung sei das Übel, ist ebenso falsch, wie die Behauptung:
 
Nicht das Feuer ist gefährlich,
gefährlich ist nur die Wärmekonzentration.
 
Bei einem Gebäudebrand geht die eigentliche Gefahr nicht vom Feuer aus, sondern von der dabei entstehenden Wärmekonzentration.
 
Das Feuer als solches ist nur die harmlose Erscheinungsform eines simplen Oxydationsprozesses, bei dem Wärme frei wird.
Nur wenn wegen fehlender Umlaufsicherungsmaßnahmen nicht mehr gewährleistet ist, dass die Wärme im Universum frei in Richtung Entropie umlaufen kann, entstehen schädliche Konzentrationen größerer Wärmemengen auf engem Raum.
 
Dies führt zu schnellem Temperaturanstieg, schließlich zu Überhitzung und entsprechend schweren Hitzeschäden. Es ist die Hitze, die Stahlträger erweichen lässt - nicht das Feuer!

Wenn es also nur gelingt, die vom Feuer erzeugte Wärmemenge ständig in Bewegung zu halten und jegliche Wärmekonzentration zu unterbinden, dann ist das Feuer als solches, ganz unabhängig vom Ausmaß des Brandes, eine vollkommen ungefährliche, unschädliche Erscheinung, die keine weitere Beachtungung verdient.
 
Installieren auch Sie jetzt in Ihrem Haus den patentierten Wärmediffusionsapparat nach Prof. Dr. Xing-Xing - und Sie können den aufdringlichen Vertreter der Brandversicherung endlich hochkant vor die Tür setzen!
 
Ja, wenn man unterstellt - und diese von keinerlei Realitätsbezug getrübte Prämisse wird in allen diesen Theorien gesetzt - wenn man unterstellt, dass der Zins vom Zinsempfänger sofort wieder vollständig ausgegeben wird, um damit Leistungen des Zinszahlers zu bezahlen, dann kann man einem oberflächlichen Betrachter leicht weiß machen, der Zins an sich sei unschädlich.
Er müsse eben nur immer ganz schnell wieder ausgegeben werden, dann spiele er letztlich überhaupt keine Rolle.
 
Doch selbst wenn man unterstellt, diese absurde Prämisse könne überall auf der Welt in allen Gläubiger-Schuldner-Beziehungen so perfekt verwirklicht werden, dass sich am Schluss alle Zahlungsströme rechtzeitig restlos saldieren und alleine wegen der Zinslast tatsächlich kein zusätzliches Geld benötigt würde, bliebe die eigenständige Schadwirkung des Zinses dennoch erhalten.
 
Die Schadwirkungen des Zinses, nämlich unsinniger Wachstumszwang und Zwang zu stetig wachsender Neuverschuldung manifestieren sich in der Realität zwar ganz überwiegend in der pekuniären Sphäre,

  • weil schlicht immer mehr Geld geschaffen werden muss, um immer weiter steigende Zinsforderungen befriedigen zu können, und
  • weil es des Wachstumsversprechens des Schuldners bedarf, um ihn als kreditwürdig einzustufen,

doch blieben sie ebenso wirksam, wenn es gelänge - was aber nur theoretisch möglich ist - die Zinszahlung immer wieder aus der vorhandenen Geldmenge zu realisieren.
 
Den Nachweis dafür werde ich im Folgenden führen, doch soll zunächst noch ein weiterer Aspekt beleuchtet werden, der in die Thematik hineinspielt.
 

2. Zins und andere leistungslose bzw. nicht leistungsadäquate Einkünfte
 
Neben dem Zins, der von Schuldnern bezahlt und von Gläubigern empfangen wird, stehen - in ihrer Schadwirkung gleichbedeutend - alle Einkommen bzw. Einkommensbestandteile, die ausschließlich aufgrund von "Eigentumsrechten" erworben werden; die wichtigsten darunter sind
 
  • alle Mieten und Pachten,
  • alle Gebühren für Lizenzen aus Patenten und anderen Schutzrechten,
  • alle Dividendenzahlungen an Anteilseigner,
  • alle Unternehmensgewinne,
 
soweit sie
 
über den vom Eigentümer für Erwerb und Erhalt des Eigentums erbrachten Aufwand, einschließlich des Wertes seiner eigenen, damit verbundenen Arbeitsleistung, hinausgehen.
 
Denn nur der Teil des Ertrags, der über eigenen Aufwand und eigene Anstrengungen hinausgeht, ist das, was mit Fug und Recht als leistungsloses Einkommen bezeichnet werden soll und muss.
 
Um das von uns allen akzeptierte, im Grunde aber widersinnige Prinzip verstehen zu können, aus dem leistungslose Einkünfte resultieren, mag ich es am Beispiel eines Mietshauses näher ausführen.
 

Der Eigentümer hatte für Baukosten, Genehmigungsgebühren und Steuern einen bestimmten Betrag aufzuwenden. Seine Eigenleistung, um dieses Projekt zu initialisieren und zu koordinieren, setzt er - wenn auch etwas hoch gegriffen - mit 20% der ursprünglichen Bausumme an.

Darüber hinaus fallen jährlich Kosten für den Unterhalt an, die ungefähr 2 % der ursprünglichen Bausumme ausmachen.

Falls die laufenden Mieteinnahmen die laufenden Unterhaltskosten übersteigen, wird irgendwann die Bausumme aus den Mieteinnamen bezahlt und der "Lohn" für die vom Eigentümer erbrachten Leistungen erwirtschaftet sein.

Die Investition hat sich amortisiert und der Initiator hat seinen "Lohn" verdient.

Das Haus, so wie es steht und liegt, stellt - von diesem Zeitpunk an - an niemanden mehr Ansprüche. Lediglich die Kosten für den laufenden Unternhalt müssen aufgebracht werden.

Ab diesem Zeitpunkt handelt es sich bei allen Mieteinnahmen, die den Aufwand für den Unterhalt des Gebäudes übersteigen, um leistungsloses Einkommen.

Hätten die Mieter, statt des Mietvertrages mit einem Bauträger einen Kaufvertrag auf Raten abgeschlossen, wären sie zu diesem Zeitpunkt selbst Eigentümer der Wohnungen und auch der Initiator des Mietshausbaues hätte seine 20% Aufwandsentschädigung verdient, denn das Haus und alle im Zusammenhang mit seiner Errichtung erforderlichen Aufwendungen sind zu diesem Zeitpunkt definitiv bezahlt.

Warum soll das Haus von nun an aber, über die dennoch in voller Höhe weiterlaufenden Mietzahlungen - bis es abgerissen werden muss - von den Mietern noch einmal und noch einmal und noch einmal bezahlt werden müssen?

 
 
Dass diese Frage üblicherweise nicht gestellt wird, ist das Problem und der Fehler in unserem gewohnheitsmäßigen Denken. Wir akzeptieren, dass der Initiator ganz selbstverständlich Eigentümer wird und nach der Amortisation weiter voll hinlangt und skrupellos eine Miete kassiert, die nicht mehr durch Aufwand und Leistung, sondern nur noch durch "Eigentum" gerechtfertig ist.
 
Das ist jedoch nur der moralische Aspekt dieses Geschehens, worauf sich jeder für sich seinen Reim machen darf.
 
Anders ist es mit den realen wirtschaftlichen Folgen des so erzielten leistungslosen Einkommens.
 
Dazu ist zu fragen, welche Möglichkeiten dem Vermieter offen stehen, den nach der Amortisation weiter sprudelnden "(Miet-) Zins" zu verwenden.
 
 
Richtig, er macht genau das, was die Zinsverharmloser beständig versichern:
 
Er gibt das Geld aus, so wie er es einnimmt, um ein zweites Mietshaus zu bauen - und versorgt damit die Realwirtschaft unverzüglich wieder mit dem Geld, das erforderlich ist, um auch ohne weitere Neuverschuldung Miet- und anderen Zins zahlen zu können.
 
Bingo! Merken Sie sich dieses Argument, ich komme darauf zurück.
 
Merken Sie sich aber bitte auch das:
 
Alle auf reinen Eigentumsrechten beruhenden Einkünfte, welche den eigenen Aufwand - einschließlich einer angemessenen Vergütung für die eigene Leistung - übersteigen, sind leistungslose Einkommen, denen nirgends auf der Welt ein zusätzlich erzeugtes reales Gut gegenübersteht, das damit gekauft werden könnte.
 
 
3. Zins erzwingt Neuverschuldung und sinnloses Wachstum
 
Der Zins, als die wahrscheinlich bedeutendste Form leistungsloser Einkommen, erzwingt, wie alle übrigen leistungslosen Einkommen

  • stetiges Wirtschaftswachstum (WW),
  • stetige Neuverschuldung (NV),
  • und von daher stetiges Wachstum von Guthaben und Schulden (GS).
 
Das gilt es nun, zu beweisen.
 
 
Die Ursachen
 
Das Volumen der innerhalb einer beliebigen makroökonomischen Einheit erzeugten Waren- und Dienstleistungsproduktion ändert sich durch die Zunahme leistungsloser Einkommen nicht.
 
Es vermehrt sich weder durch die Zinserträge aus neu ausgereichten Krediten, noch durch wachsende Zinserträge bei Anhebung des allgemeinen Zinsniveaus.
 
Dem durch die Zinserträge gewachsenen Nachfragepotential steht also kein zusätzliches Angebot gegenüber. Das Marktgleichgewicht ist gestört und kann nur durch Wachstum der Angebotsseite wieder ausbalanciert werden. (WW)
 
 
Die als Gegenargument oft vorgetragene Annahme, dass die Vergabe von Krediten das Marktgleichgewicht sehr viel stärker störe als die Zinserträge, ist hingegen ein Irrtum.
Es findet lediglich eine zeitliche Verschiebung der Nachfrage statt. Käufe werden vorgezogen. Das damit in Umlauf gebracht Geld wird jedoch mit jeder Tilgungsrate wieder aus dem Umlauf herausgenommen, so dass der Kredit selbst - über die Zeit gesehen - kaufkraftneutral bleibt.
 
An einem Markt, der die ständige millionenfache Neuausreichung und Tilgung von Krediten erlebt, und damit über die Zeit die Kaufkraft stabil hält, hat der Kredit alleine - losgelöst vom Zins - abgesehen von der zeitlichen Komponente dieses Spiels, keine negative Auswirkung auf das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Und die zeitliche Komponente gewinnt nur dann Relevanz, wenn über längere Zeit mehr getilgt wird, als neue Kredite ausgereicht werden, wenn also wieder einmal der große allgemeine "Tilgungswahnsinn" ausgerufen und damit Deflation erzeugt - oder umgekehrt, durch forcierte Kreditvergabe die Inflation angeheizt wird.
 
 
Doch zurück zum Grundgedanken:
 
Zinserträge treffen auf einen Markt, auf dem den (zusätzlichen) Zinserträgen keine (zusätzlichen) Angebote gegenüberstehen.
 
Dies bedeutet in der schönsten und reinsten Form des Gedankens, dass entweder der Geldwert Schaden nimmt, oder dass die Zinserträge gehortet werden müssen.
 
Nimmt der Geldwert Schaden, schneidet sich der Gläubiger ins eigene Fleisch. Das wird er daher versuchen, zu vermeiden.
Werden Zinserträge gehortet, fließt das von den Schuldnern aufgebrachte Geld nicht an die Schuldner zurück - die sich, um weiter ihren Zinsverpflichtungen nachkommen zu können, neu verschulden müssen. (NV, GS)
 
Da die Gläubiger über die Zinseinnahmen verfügen - sie aber mangels Warenangebot nicht ausgeben können, ohne der Inflation Vorschub zu leisten, ist es nur zu verständlich, wenn der frisch eingenommene Zins im nächsten Augeblick als neuer Kredit ausgereicht wird, damit der nächste Schuldner seine fälligen Zinsen bezahlen kann. (NV, GS)
 
Dass in diesem Prozess ganz nebenbei und hintergründig der einzelkreditüberschreitende Zinseszinseffekt seine hässliche Fratze zeigt, sei nur ganz am Rande erwähnt.
 
Natürlich gibt es neben dieser schönsten und reinsten Form des Geschehens noch weitere Spielarten, von denen ich die wichtigsten beleuchten möchte, weil auch sie immer wieder in den Argumentationen der 'Nur-Hort-Protagonisten' auftauchen.
 
Variante 1
 
Die Schuldner schränken sich ein - und die Sache ist gegessen.
 
Um den Zins aufzubringen, verzichten die Schuldner auf eigenen Konsum.
Da der Gläubiger über den entsprechenden Kaufkraftzuwachs verfügt, kann er, statt der in der Nachfrage ausgefallenen Schuldner zur Markträumung beitragen.
 
Bingo! Alles geht auf.
 
Der Mietshausbesitzer baut also ein zweites Mietshaus. (WW)

Immer mehr Mietshausbesitzer beginnen mit dem Bau zweiter Mietshäuser.(
WW)
Bei Fertigstellung herrscht Wohnungsüberschuss, und weil die Schuldner (Mieter) sich einschränken müssen, fallen die Mieteinnahmen.
 
Die letzten 60% der Mietshausbesitzer erkennen den Irrtum ihrer Kollegen und beginnen mit dem verzweifelten Versuch, ihre leistungslosen Einkommen zu verkonsumieren.
 
Nur wenigen gelingt das. Die meisten müssen trotz aller Anstrengungen einsehen, dass eine weitere Steigerung der Verschwendung zwangsläufig zu schweren gesundheitlichen Schäden und/oder zur Entmündigung führt.
 
Die überschießenden Erträge, die sich - aus Gründen der Endlichkeit des Menschen in Raum und Zeit - nicht verkonsumieren lassen und - weil die Nachfrage durch die Zinslasten rückläufig ist - auch nicht sinnvoll in realwirtschaftliche Projekte investieren lassen, können nicht ausgegeben werden. Sie müssen in den Hort.
 
Doch es gäbe diese überschießenden Erträge nicht, gäbe es nicht leistungslose Einkommen, von denen der Zins immer noch die wichtigste Spielart ist.
 
 

Variante 2
 
Wachstum ja, aber ohne Neuverschuldung
 
Die mit den Krediten finanzierten Investitionen schaffen Arbeitsplätze; die zusätzlichen Arbeiter verdienen aber nicht nur zusätzlichen Lohn, sie stellen auch zusätzliche Produkte her (goldene Wasserhähne, z.B.) womit die Gläubiger eine Chance haben, ihre Zinseinnahmen in den Kauf wertvoller Sachen (nicht unbedingt gleichbedeutend mit Sachwerten) fließen zu lassen. (WW)
 
Damit steht das für die Zinsen aufgewandte Geld den Schuldnern unverzüglich wieder zur Verfügung, so dass der Kreislauf (Arbeit-Konsum-Zins-Arbeit-Konsum-Zins) aufrecht erhalten werden kann, ohne dass es einer weiteren Neuverschuldung bedarf.
 
Ja, gut, und wer bezahlt die Löhne der Arbeiter?
Die zahlen die selbst, weil sie ja - bis auf die wertvollen Sachen für den Gläubigerbedarf - alles kaufen, was sie herstellen.
 
Und wo kommt die zusätzliche Liquidität dafür her?
Die ist im Investitionskredit gleich mit zur Verfügung gestellt worden.(NV,GS)
 
Auf diese Art und Weise gelingt es, den Markt ins Gleichgewicht zu bringen.
 
Es muss nur rechtzeitig einer einen Kredit aufnehmen, um für den Gläubigerbedarf zu produzieren, dann ist der Zins gar kein Problem.
(NV, GS)
 
 
 
Allerdings:
 
Es erscheint beim zweiten Hinsehen einigermaßen unsinnig, einen Kredit aufzunehmen, nur um die Zinsen dafür zahlen zu können. Meinen Sie nicht auch?
 
Es erscheint zudem beim dritten Hinsehen einigermaßen unwahrscheinlich, dass die bisher in großer Zahl und in insgesamt großem Volumen ausgereichten Konsumentenkredite (vom Dispo auf dem Gehaltskonto bis hin zur Hypothek fürs selbstgenutzte Eigenheim) ebenfalls geeignet wären, wertvolle Sachen hervorzubringen, die von den Gläubigern aufgekauft werden, um den Schuldnern das Geld für die Zinsen immer wieder zur Verfügung zu stellen.
 
 
Variante 3
 
Die Sachwertlösung
 
 
Es geht natürlich auch ganz anders. Der Gläubiger muss doch mit seinen Zinserträgen gar nicht auf den Markt der Waren und Dienstleistungen drängen, er kann sich ja auch einfach Sachwerte kaufen. Ein schönes großes Waldgrundstück, zum Beispiel.
Von dem Erlös kann der Waldbauer dann die Zinsen für den Kredit bezahlen, den er aufgenommen hat, um sich einen Harvester zu kaufen. Wo ist das Problem?
 
 
Da ist ein Stück des Problems:

Der Waldbauer braucht den Harvester nun gar nicht mehr. Eine Baumerntemaschine macht ohne Wald wenig Sinn, es sei denn, es gelingt ihm, mit der Maschine als Lohnunternehmer im Wald des Gläubigers arbeiten zu dürfen. (
WW)
 
 
Da ist noch ein Teil des Problems
Wenn der Kredit getilgt ist und die Zinsen für den ersten Kredit bezahlt sind und der Waldbauer vom Holzfällerlohn mit seiner Familie 10 Jahre gelebt hat, ist der Harvester kaputt. Um das Geschäftsmodell weiter betreiben zu können, braucht der Waldbauer einen neuen Kredit, für den wiederum Zinsen fällig werden, Pech, dass er jetzt keinen Wald mehr hat. (WW, NV, GS)
 
 
Da ist immer noch ein Problem

Gläubiger und Waldbauer haben mit dem Deal Vermögenspositionen getauscht.
Der Gläubiger hat seinen Anspruch auf Geld gegen Sachvermögen eingetauscht, während der Waldbauer, statt einen zusätzlichen Kredit zur Beschaffung der Geldmittel für die Zinsen aufzunehmen und damit eine negative Vermögensposition aufzubauen (Schuld) lieber eine positive Vermögensposition (Wald) aufgegeben hat.
 
Diese Konstruktion ermöglicht für eine Weile die Umgehung des Problems. Wenn ein Zins nicht mit Geld bezahlt werden muss, entsteht kein Geldmangel, es muss folglich auch kein zusätzlicher Kredit ausgereicht werden.
 
Die Substitution von Neuverschuldung durch Abbau positiver Vermögenspositionen steht jedoch nicht jedem Schuldner offen - und denen, die sie wahrnehmen können, nicht in beliebigem Umfang.
 
Ich würde in diesem Fall ausnahmsweise sogar einmal soweit gehen, die Frage zu stellen, ob der Abbau von Vermögen nicht auch als "Verschuldung bei sich selbst" bezeichnet werden kann, und ob der Verlust des Einkommens aus dem Wert des geschlagenen Holzes als "Zins für die Verschuldung bei sich selbst" bezeichnet werden könnte. (NV)
 
Ich verbitte mir aber, deshalb gleich als Vertreter des "Debitismus" angesehen zu werden.
 
Zusammenfassung
 
 
  1. Die Bezahlung von Kreditzinsen ist - wie die Bezahlung aller sonstigen leistungslosen Einkommen - nur durch Ausweitung der Neuverschuldung möglich. Da der Gläubiger in Summe mehr zurückfordert als er hergibt, egal wie der Darlehensvertrag gestaltet wird, ob für Zins und Tilgung Raten oder Endfälligkeit vereinbart werden, oder ob die Zinsen per Disagio gleich zu Beginn fällig werden, fehlt spätestens am Ende der Laufzeit des Kredits das für den Zins aufgewendete Geld und muss aus einem zusätzlichen Kredit beschafft werden.

  2. Dies gilt auch, wenn die Gläubiger die Zinseinnahmen als Investitions- oder Konsumausgaben wieder vollständig in Umlauf bringen. Dadurch, dass ein bestimmter Anteil der Mittel der Schuldner für Zinszahlungen gebunden ist, fehlt dieser Anteil zur Befriedigung der normalen Konsumbedürfnisse, ganz unabhängig davon, ob die Gläubiger dieses Geld, nachdem sie es eingenommen haben, immer wieder ausgeben oder nicht.

    Beispiel:

    Wer im ersten Jahr einer Darlehenslaufzeit 1.000 Euro Zinsen bezahlt hat, musste dafür auf 1.000 Euro Konsum verzichten. Auch wenn der Gläubiger dieses Geld sofort wieder für den Kauf von Waren ausgibt, kann es der Schuldner nicht für eigenen Konsum verwenden. So oft die Zinszahlung fällig wird, muss Konsumverzicht geleistet werden.
    Um diesen Konsumverzicht zu vermeiden, müssten die Schuldner neue Kredite aufnehmen! Jedes Jahr wieder in Höhe der Zinszahlung.

    Natürlich kann man argumentieren, dass es jedem Schuldner zuzumuten sein muss, sich einzuschränken, wenn er sich wieder entschulden will. Gar kein Problem!
    Aber das löst das Geldproblem nicht.

    Das Geld, das dem Gläubiger zufließt, fehlt auf dem Markt als Kaufkraft, weil die Nachfrage des Zinsempfängers auf ein vollkommen anderes Angebotssegment zielt, als die verlorene Nachfrage der Zinszahler.

    Niemand wird einen Baron von und zu Dings und Bums dazu bewegen können, mit seinen monatlichen Zinseinnahmen von 35.000 Euro 100 Mal den Warenkorb eines Hartz-IV-Empfängers oder 30 Mal den Warenkorb einer Häuslebauer-Familie einzukaufen.

    Der kauft sich auch keinen gebrauchten Audi A6 - der kauft seiner Frau einen Persianer. Im nächsten Monat kauft er Aktien zu, im nächsten Monat ein bisschen Gold, im nächsten Monat kauft er wieder fünf Hektar Wald, im nächsten Monat spart er's auf dem Tagesgeldkonto um es dann im Urlaub in Las Vegas auf den Kopf zu hauen.

    Entweder es werden neue Schulden gemacht, oder die Entwicklung der Wirtschaft dreht in Richtung Deflation.


  3. Wer also weiter darauf beharren will, dass Zinsen nicht gehortet werden müssen, sondern stets so in Umlauf bleiben können, dass die der Nachfrage verfügbare Geldmenge davon nicht tangiert wird, was m.E. jedoch stets reines Wunschdenken bleiben wird,

    der möge wenigstens einsehen, dass es "den einfachen Markt" mit einem Töpfchen "Angebot" auf der einen Seiten und einer Schatulle "Nachfrage" auf der anderen Seite nicht gibt. Selbst wenn es gelänge, Zinserträge zeitnah und vollständig wieder in den Markt zu bringen, sie kämen niemals dort an, wo sie benötigt werden.

    Und wenn es noch so schön klingt, wenn Volkswirte die Allocationskraft des Zinses loben, wenn es darum geht, die profitabelste Investition auszuwählen, so mag ich dem in diesem Zusammenhang die verheerende Dyslocationskraft des Zinses entgegenstellen, wenn es darum geht, Zinserträge zu verwenden.


    Selbstverständlich darf zuletzt auch noch mit der Flexibilität und Anpassungsfähigkeit des Marktes argumentiert werden.

    Selbstverständlich.


    Produzieren wir halt ein paar Brillantcolliers und Krokolederhandschuhe mehr und dafür ein paar Tonnen Brot und Käse weniger.

    Sind eh' alle zu fett, die Proleten!


    Und wenn es kein Brot mehr gibt, sollen sie halt Kuchen fressen.
    Schmeckt doch auch viel besser.




Bitte entschuldigen Sie den unsachlich anmutenden Schluss dieser Ausführungen.
Er ist nicht zu vermeiden.
 
Ginge es nur darum, die Geld- und spieltheoretische Literatur mit einer hübschen Arabeske zu verzieren, ich wüsste meine Zeit besser zu nutzen.
 
Es geht um Not und Elend,
ums Verhungern, Verdursten, Verrecken.
 
Und es geht um die realen Mechanismen, die dazu führen.
 
Ein grenzenloses Eigentumsrecht, auch an Grund und Boden,
eine auf Profit und leistungsloses Wohlleben ausgerichtete Gesellschaftsphilosophie, die uns von Kindesbeinen an als "Freiheitsideal" eingetrichtert wird, und
ein im wahrsten Sinne des Wortes "wahnwitziges" Wirtschaftssystem -
 
das ist der große Rahmen, innerhalb dessen Zins und Zinseszins im Verein mit Geldhortung, Großgrundbesitz und Großrechtebesitz jenes Pumpwerk am Laufen halten, das Blut und Schweiß von Millliarden von Sklaven in der ganzen Welt einsaugt, um am anderen Ende die kostbaren Accessoires des Wohllebens einiger Hunderttausend wieder auszuspucken.
 
Dieses Pumpwerk zu drosseln, es zu blockieren, zu sabotieren, zu zerstören,
das ist es, worum es geht.

Also lasst uns aufhören, darum zu streiten, ob der Saugschlauch das Übel ist, oder die Druckleitung. Es gibt Wichtigeres zu tun.
 

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

Zinsen? Find ich gut!

„Zinsen kriegt man doch wenn man sein Geld auf das Sparkonto legt. Warum soll das denn schlecht sein? Ich habe letztes Jahr weit über 30 Euro bekommen…Nein! Zinsen find ich gut!“

Zinsen machen nicht krank, nein, sie machen glücklich. Sie geben uns das Gefühl der Sicherheit und Beharrlichkeit, in einer immer schneller wachsenden und sich verändernden Welt. Der Mensch braucht ein Ziel, damit er weiß wofür er lebt! Einfach „dahinleben“ und sich der schönen Natur zu erfreuen, das ist doch profan. In dekadenter Freiheit des Geistes eine offene und auf Vernunft gründende Gesellschaft fordern? Pfui!!! Man müsste sich täglich mit anderen Menschen

  • auseinandersetzen
  • und diskutieren
  • und einigen
  • und aufklären
  • und dann auch noch alle gleich behandeln
  • und wohlmöglich, noch auf alle anderen in der Welt Rücksichtnehmen
  • und…Nein!
Wo bleibt denn da der Gedanke des Wettstreites? Wer ist denn da der Beste? Der Stärkste? Der Mächtigste? Einer muss doch auch mal mit starker Faust auf den Tisch hauen und diesen unsäglichen Multikultikuschelmist beenden!
Man muss es doch mal deutlich sagen: eigentlich geht es uns doch wirklich gut!
  • Wir haben genug zu essen (die meisten von uns jedenfalls),
  • wir haben ein warmes Dach über dem Kopf (die meisten von uns jedenfalls),
  • wir leben in einem demokratischen Rechtsstaat (die meisten von uns jedenfalls, glauben das immer noch).
Also was zum Kuckuck wollen wir noch? Brauchen wir noch mehr Beweise und Überzeugungskraft? Der Zins! Seit mindestens viertausend Jahren (Codex Hammurapi) schreiben wir eine Erfolgsgeschichte, die ihres Gleichen sucht. Nichts hat mit Hilfe der Religionen die Welt so geprägt, wie der Wunsch nach der Erfüllung unserer leiblich angenommenen Schuld. Die untilgbare Schuld, die nur durch neue Schuld genährt werden kann. Die Schuld, die Sünde geworden ist, Sünde gegen den Herrn, dem Gottvater der alles sieht. Die Göttlichkeit, die in uns ruht und uns hilft, das alles einzusehen und die Ausweglosigkeit diese elementaren …*klick*!

OK, ich komme dann mal wieder runter…

Warum zahlen wir, für die Bereitstellung oder Gewährung einer Sache, die jedem in einer solidarischen Gemeinschaft ohnehin zur Verfügung stehen müsste?

Was ist es, das uns in eine solche Situation bringen konnte? Sind wir es etwa selbst?

Aber was, wenn nicht allein das Wesen des Menschen, kann dazu geführt haben? Wie kann man sonst erklären, dass eine ganze Spezies unter der Knechtschaft weniger Individuen ihrer eigenen Rasse gehalten werden? Und diese Macht besteht zweifellos. Ob man nun überschwänglichen Verschwörungstheorien glaubt oder nur die Eigendynamik menschlicher Unzulänglichkeiten zugrunde legt, die mit Hilfe der Religionen und der Einfältigkeit und Angst der Menschen, immer wieder den wenigen Herrschenden ein leichtes Spiel bietet.

Es ist leider so einfach wie erschreckend und immer wieder klar: die Menschen sind beschränkt und leicht beeinflussbar.

Gerade jetzt in diesem Moment, kommt mir der Gedanke, wenn das einer liest dann muss er doch direkt wieder denken: „Ha, und du bist superschlau und intelligent?“
Wie arrogant und überheblich das alles klingen muss. Ich bin wütend über mich selbst, weil ich selbst in meinen Gedanken nicht frei sein kann. All diese angelernten, falschen Schuldgefühle die uns fesseln. All die falschen Träume und Verführungen.

Lassen wir diesen ganzen Schrott doch mal beiseite!

  • Sind wir wirklich nicht fähig diese dummen Ängste und Wahnvorstellungen zu überwinden?
  • Glauben wir wirklich wir werden bestraft wenn wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen?
  • Sehen wir nicht, dass solche Gedanken nur Teil dieses menschenverachtenden Systems sind?

Was passiert denn, wenn wir in dem Moment aufwachen, in dem wir durch ein Abwasserrohr rutschen und uns plötzlich in einem Klärbecken wieder finden. Unfähig uns zu bewegen, weil wir unseren wahren Körper nicht kennen und beherrschen. Wir drohen zu ertrinken, gerade in der Minute wo wir wach werden.

Ist das etwa die Angst die uns schlafen lässt? Ist das etwa realistisch und vernünftig?

Wir müssen langsam mal aufwachen und uns wieder neu definieren. Kultur, Musik und Philosophie erweitern - längst erwiesen - das Gehirn, weil sie offen und kreativ sind. Es werden ungenutzte Bereiche des Gehirns angesprochen und vergrößert. Die Verwirrung und Unstetigkeit, die heutige Bildungs- und Kultursysteme liefern, führen jedoch nur zur stumpfen Glücksbefriedigung.

„Zeigt mir mehr als billiges Glück“, eines meiner Lieblingszitate wie Sie wissen. Und das vom Sein oder nicht Sein… passt irgendwie in letzter Zeit immer… komisch.

„Was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, das zwingt uns stillzustehen…“

Ich weiß ja, ich rede viel über Hoffnungen und Träume und wie groß die Gefahr ist, darüber den Weg aus den Augen zu verlieren. Ich rede über Gefühle und irgendwelche anderen komischen Dinge wie Liebe und so. Doch letztendlich wollen wir alle nur ein gutes Leben haben. Wir wollen, dass unsere im Grunde so einfachen Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden. Wir wollen zurücksehen können und uns sagen hören „Jetzt kann ich gehen, dass alles war nicht umsonst…“

Ich will jetzt hier keine Beispiele nennen, da die Verwirrung sonst nur noch größer wird. Man müsste viel zu weit ausholen um all das zu erklären, was ich eigentlich sagen will und für vieles fehlen mir einfach noch die Worte…

Ich bin aber davon überzeugt, dass jedes von Menschen geschaffene System unzulänglich und ungeeignet ist, eine Gesellschaft dauerhaft zu begleiten. Da wir aber ein System brauchen um eine Gesellschaft zu gründen, müssen wir ständig daran arbeiten und es weiterentwickeln und bei Bedarf auch ersetzen, bis wir der Natur des Ganzen entsprechen. Und diese Natur ist bekanntlich im ständigen Wandel und auch nicht frei von Irrtümern. (Auch das müssen wir lernen: Irrtümer müssen aufgezeigt und klar erkannt und benannt werden!)

Wir leben aber nun schon seit einigen Jahrtausenden in den gleichen Systemen und treten ständig auf der Stelle, weil wir uns fortlaufend dessen berauben und sogar leugnen, was uns eigentlich antreibt. Aber nun gehe ich schon wieder viel zu weit in ein anderes Thema und das wird alles viel zu lang und…ach:

wie schwer die Last der eigenen Beschränktheit trägt... soviel geschieht und so wenig Zeit das alles zu begleiten…

pupsklatschkladderabatsch! Man hat Angst durchzudrehen! Wir sollten lachen, lauter und schreien! Dann kommt auch wieder Luft ins taube Oberstübchen rein…

Am Schluss wie immer die Zuversicht!

Denn es geht immer weiter. Von uns hält niemand die Welt an! Ist das nicht eine beruhigende Erkenntnis!?

„Und noch was, macht mich wieder sehr betroffen:
die Zeit ist um und alle Fragen bleiben offen!“

 

bis die Tage



hallo herr kreutzer

zu ihrem beispiel des miethauses wäre noch zu sagen, dass auch die bewohner eine geldwerte leistung erbringen. feststellen lässt sich das, wenn man 2 baugleiche häuser zum gleichen zeitpunkt baut, und eins leerstehen lässt, wärend das andere bewohnt wird. durch frühzeitige schadensmeldung, eigenreparaturen, beheizung und belüftung wird massiv zum werterhalt der hauses beigetragen, sodass der eigentümer, seinen gegenwert (ein dach über dem kopf bieten) gegengerechnet, mehr oder weniger kostenneutral dastehen müsste. anders ausgedrückt, er bekommt so viel leistung wie er gibt, bekommt also netto nichts mehr von den bewohnern, hat also kein motiv mehr, sich eigentum zwecks profit durch fremdnutzung anzueignen, und das leistungslose einkommen aus fremder arbeit löst sich ganz von selbst in luft auf.
da dann jeder nur nach eigenem bedarf bauen würde, würde sich auch das profitorientierte problem von über- und unterangebot von wohnraum relativieren.

was den zins angeht, sehe ich das so, dass geld an sich erst mal den waren nicht gleichwertig ist, weil ihm der natürliche schwund fehlt. der sich daraus ergebende überschuss, der als umlaufsicherung abzuschöpfen ist, darf nur der gemeinschaft als ganzem zugute kommen, nicht einem einzelnen. grundsätzlich hat niemand das recht, sich aus der knappheit von gütern (geld, waren, rohstoffe, boden,etc.) ergebende gewinne privat ("privare" = rauben) anzueignen. dieses recht, leistungen aus fremder arbeit zu erhalten, kann nur die gemeinschaft selbstbestimmt an menschen vergeben und das könnten wir uns heutzutage längst ohne anstrengung leisten und die (moralische) verpflichtung dazu erwächst uns allen dar aus, dass wir menschen sind und in sozialen zusammenhängen leben.

nach meinem verständnis haben die begriffe "be-sitz" und "eigentum" ganz unterschiedliche bedeutungen.

"besitz" ist im wortsinn das, worauf ich sitze, weiter gefasst das, worauf ich von den resourcen der erde zu meiner eigenversorgung einzig aufgrund meines Seins, meiner blossen existenz, einen (natürlichen) anspruch habe, und in diesem sinne bietet die welt immer noch mehr als genug resourcen, damit jeder mensch alle seine (gund)bedürfnisse (gesunde ausgewogene nahrung, bekleidung, behausung, sozialkontakte, bildung) befriedigen kann. da ich mich physisch zu jeder zeit irgendwo auf der welt aufhalten muss und zur gleichen zeit niemand anderes an diesem platz sein kann, ergibt sich daraus mein recht auf da-sein.
"besitz" gibt man in dem moment wieder auf, wo man ihn nicht mehr selber nutzt(be-sitzt) - und erwirbt natürlich im gleichen moment neuen besitz an anderer stelle.

als die portugiesen in amerika eigentum am land der uramerikaner mit billigen glasperlen erwerben wollten, waren diese erstaunt über die wunderliche idee des weissen mannes, er könne einen anspruch auf das glitzern des wassers und das singen des windes in den bäumen erwerben, da das alles doch manitou gehört.
dieser einmal erworben, unendlich weiterbestehende anspruch ist es, was man "privatisieren"=rauben nennen sollte, seinen platz auf der welt nicht als geschenk "gottes" oder "manitou's" oder einfach als natürliches existenzrecht zu sehen, sondern als kraft militärischer oder definitorischer überlegenheit angeeigneten anspruch von ewiger existenz.

vielleicht können ihnen meine gedanken den einen oder anderen denkimpuls geben, so wie ihre mir schon so oft, dann war das aufschreiben nicht umsonst.
freundliche grüsse aud berlin kreuzberg


Hallo Herr Kreutzer,
ich sehe auch die Zinsen als den großen Webfehler in unserem Geldsystem, der dazu führt, daß das System immer wieder zerreißt und viel Elend in die Welt bringt.

Aber die Geldhortung ist an sich nicht schlecht. Sie ist das Gegenstück vom Kredit. Sie sagen 'die Annahme, daß die Vergabe von Krediten das Marktgleichgewicht sehr viel stärker störe als die Zinserträge, ist ein Irrtum. Es findet lediglich eine zeitliche Verschiebung der Nachfrage statt...sodaß der Kredit über die Zeit gesehen kaufneutral bleibt.' Meiner Meinung nach gilt dasselbe für die Hortung. Ich habe als einfacher Mensch mit einem nur kleinen Einkommen nur zwei Möglichkeiten, mir ein Haus zu kaufen: wenn es keinen Zins gäbe: Entweder ich spare (horte) mindestens zwanzig Jahre soviel Geld,wie ich nur kann (unter viel Konsumverzicht) oder ich nehme mir einen Kredit und zahle diesen mindestens die nächsten zwanzig Jahre ab (unter viel Konsumverzicht). Daher ist nach m.M. beides über den Zeitraum gesehen kaufneutral. Da kein normaler Mensch mit einer Arbeit/Auftrag/Dienstleistung innerhalb von kurzer Zeit so viel Geld verdienen kann, daß er damit ein Haus kaufen kann, ist immer Hortung oder Kredit notwendig. Aber dafür ist das Geld doch da! Schließlich kann ich das besser horten als einen Fischfang oder eine Kartroffelernte und bei Bedarf kann ich das Geld einsetzen wie und wann ich will. Erst die Zinszahlung macht das ganze zu einem unüberwindlichen Akt oder eine lebenslange Belastung für viele bzw. stellt eine Bereicherung für Bessergestellte dar. Das heißt: Reiche haben einen Vorsprung, den sie damit (Zinsen) immer weiter ausbauen können. Und es gibt nun mal Reiche und Arme. Wir kommen schließlich nicht gleich auf die Welt. Wenn jeder Mensch wirklich mit 0 anfinge, wenn er auf die Welt kommt, könnten sich die Besitzverhältnisse innerhalb von einer Lebensspanne niemals so drastisch ändern. Deshalb dürfte nach meinen Vorstellungen auch grundsätzlich nichts vererbt werden dürfen. Fazit: Erben ist noch schlimmer als horten! Viele Grüße

 

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Vielleich ist es an dieser Stelle erforderlich, die von der Umlaufsicherungstheorie begünstigte Vermischung der Begriffe 'Ansparen' und 'Horten' aufzulösen.

Wer Geld anspart, um sich nach dem Ansparvorgang davon etwas kaufen zu können, hortet nicht. Ansparen mindert die umlaufende Geldmenge zwar auch - erhöht sie jedoch am Ende auch wieder - und in einem ausreichend großen Währungsgebiet heben sich diese Effekte permanent gegenseitig auf. Das ist das von Ihnen erwähnte 'Gegenstück' zu einem Anschaffungskredit.

Horten, als die schädliche Form des Sparens, ist dort anzutreffen, wo Geld angehäuft wird, in der Absicht, den Geldhaufen immer weiter zu vergrößern, und auch dann nicht aufzuhören, weiter aufzuhäufen, wenn man längst nicht mehr in der Lage ist, auch nur die Zinsen aus dem gehorteten Geld sinnvoll auszugeben.

Geld, das dem Kreislauf der Realwirtschaft auf diese Weise dauerhaft entzogen wird, muss durch Neuverschuldung ersetzt werden. Einerseits, um aus realwirtschaftlicher Sicht den verheerenden Folgen der drohenden Deflation zu entgehen, andererseits aber auch in rein finanzwirtschaftlicher Sicht, wegen des Interesses der Gläubiger, nicht auf ihren Zins- und Tilgungsforderungen sitzen zu bleiben. Genau dieses Interesse der Gläubiger hat die Staatsmilliarden zur Bankenrettung mobilisiert. Der Staat ist als Schuldner in notleidende Kredite eingetreten, damit den Ansprüchen der Gläubiger in den Büchern der Banken weiterhin solvente Schuldner (der Staat als Schuldner ist bei Gläubigern beliebt!) gegenüberstehen. Wäre der Staat nicht eingesprungen, die gehorteten Milliarden, denen nur noch verarmte Schuldner ohne Sicherheiten gegenüberstanden, hätten abgeschrieben werden müssen, nach dem Motto:

"Geehrter Herr von Reich,
leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass unser Institut sich nicht mehr in der Lage sieht, die bei uns angelegten Gelder zurückzuzahlen. Entweder Sie und die Mehrzahl der übrigen Anleger erklären sich mit einer Abwertung Ihrer Guthaben im Verhältnis 10:1 einverstanden, oder wir sehen uns gezwungen, Insolvenz anzumelden.

Zur Diskussion und Beschlussfassuang darüber laden wir Sie für den 28. Februar 2010, 9.30 Uhr, zur außerordentlichen Gläubigerversammlung in die Olympiahalle in München ein.

Mit besten Grüßen

Ihre Bank"

Jetzt ist der Staat eingesprungen - und die schlechten Forderungen, die toxischen Papiere, wie sie genannt werden, werden in eigens gegründete "Bad Banks" ausgelagert, und zwar so, dass die Bilanz der Mutterbank danach wieder blütenweiß dasteht.


Hallo Herr Kreutzer,

zu Ihrem letzten Paukenschlag kann man nur sagen: So isses.

Nur, was nutzt das Wissen, wenn man keine Alternative weiß?

Nehmen wir das Beispiel des leistungslosen Mieteinkommens. Jemand entschließt sich, ein Mietshaus zu bauen und bringt ein Eigenkapital von, wie sie großzügig sagen, 20% ein. Woher kommt dieses Eigenkapital, wenn nicht durch vorherige Hortung?

Wir alle kennen das Zauberwort, mit dem man die Menschen begeistern kann, vor allem Bankster und Geldanleger. Es lautet: „Rendite“. Zuvorderst müsste dieses Wort aus den Köpfen der Menschen gestrichen werden, was sicherlich einer gewaltigen Anstrengung bedürfte. Dann müssten Überlegungen angestellt werden, wie man überschüssiges Geld unter die Leute bringt.

Ein Beispiel. Der Arbeiter mit 1.500 € im Monat dürfte damit keine großen Probleme haben. Bei ihm endet der Monat in der Regel schon so um den 20. Herum. Aber wie sieht es mit einem Politiker aus dem Bundestag aus? Er bezieht ein (zumeist leistungsfreies) Einkommen von 7.668 € brutto, zusätzlich ein steuerfreies Einkommen von 3.969 € als Kostenpauschale. Nehmen wir an, er ist ledig. Dann wird jede Einladung zu einem Essen, die er bekommt, nahezu zwangsweise dazu führen, dass sich seine Ausgabenlast mindert und am Ende des Monats, dass für ihn in der Regel mit dem Ende des Kalendermonats übereinstimmt, hat er Geld übrig gehalten, weil er dank der Einladungen einen Abend mit Hummer oder Kaviar ausfallen lassen musste. Nicht nur, dass er Geld übrig behalten hat, er hat auch den Hummer- und Kaviar-Lieferanten ein Einkommensminus beschert, weil die fest eingeplante Lieferung von Hummer und Kaviar nicht stattgefunden hat. Was also macht unser „armer“ Abgeordneter mit dem Geld, das er wegen seiner Verpflichtung, ein Abendessen mit Baron von Finck (nur mal angenommen) auf dessen Kosten einzunehmen, nicht ausgeben konnte? Nun könnte er es verschenken. Doch so etwas scheint nicht zwangsweise zur Natur des Menschen zu zählen. Was bleibt dem armen Abgeordneten anderes, als es zu horten?

Noch schlimmer ist das in anderen Fällen. Um ein Beispiel zu nennen. Wie soll sich der arme Abgeordnete Riester verhalten. Er hat ein Rentenkonzept entworfen, von dem manche Leute so begeistert sind, dass sie ihn einladen, ihnen mehr darüber zu erzählen. Nicht nur, dass er bei diesen Einladungen voll verköstigt wird, der Ärmste muss auch noch Geld nehmen, welches ihm die begeisterten Anhänger seines Konzepts geradezu aufdrängen. Nun hat er nicht nur ein nahezu leistungslosen Einkommen aus seiner Anwesenheit im Bundestag (sodann er anwesend ist und nicht entschuldigt fehlt), er muss auch noch die zusätzlichen Geldgeschenke verbuchen und hat gleichzeitig wegen der Verköstigung weniger Gelegenheit gehabt, sein (leistungsloses) Einkommen auszugeben. Folglich hat er am Ende des Monats (wie gesagt, der Monat endet kalendarisch) Geld übrig. Er kann gar nicht anders, er muss es horten. Weil ihm aber der Strumpf oder die Matratze in Zeiten ständiger Terrorgefahr nicht sicher genug erscheinen, bringt er das gehortete Geld auf eine Bank, die ihm, auch wenn das ungehörig ist, Zinsen aufdrängt. Und weil sein Leben nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, zumindest für ihn, ist er ja regelrecht gezwungen, jeden Monat weiteres Geld zu horten. Weil seine Angst vor den Terrorgefahren nicht geringer wird, da ihm die Kollegen Schäuble oder de Maizière keine Entwarnung signalisieren, muss er das gehortete Geld trotz der Drohungen, dafür Zinsen und Zinseszinsen zu bekommen, weiter zur Bank bringen.

Nun frage ich Sie, welche Alternative könnten Sie dem armen Riester aufzeigen? Er ist ja schließlich gewählter Vokstreter (pardon, ich habe das „ver“ vergessen) und stets gewillt, Schaden vom Volke abzuwenden, aber andererseits wird er durch solch misslichen Umstände ja geradezu dazu gezwungen, Schaden anzurichten. Ich glaube, das nennt man Sachzwänge. Wie könnten wir ihm helfen?

Vielleicht haben Sie ja eine Idee. Ich leider nicht, denn ich kenne mich nicht besonders damit aus, weil ich nie in die Verlegenheit gekommen bin, Geld horten zu müssen. Dafür sorgt schon meine Ex.

Mit freundlichen Grüßen

Gert Flegelskamp


Hallo Herr Kreutzer,

ich verstehe zwar die ganzen Fraktionsbildungen und -ismen, die sich in dieser Diskussion entwickelt haben nicht, dafür hätte ich ihr mehr Aufmerksamkeit widmen müssen, aber ich kann ihrem kleinen Beispiel nur zufügen, dass es der kleine harmlose Oxydationsprozess ist, der diese Wärme frei setzt und dazu real existierende Materie in Staub und Asche
zerlegt.

Zinsbefürwortende Theoretiker hatten offenbar noch nie das Problem, dass der Zins die Tilgung so sehr übersteigt, dass dem Schuldner nicht genug Kapital für die Tigung bleibt. Und so ist er und alle seine bedauernswerten Kollegen die Quelle eines unbegrenzt fließenden Zinsstroms, der sich in die vollen Taschen der Gläubiger ergießt.

Genau das passiert allen, die im Vertrauen auf ihre Bank und ihren sicheren Job einen Dispokredit ausgereizt haben und nun in der Arbeitlosigkeit zusehen müssen wie die Zinsen das aufessen was als ihr eigenes Existenzminimum gedacht war. Dies erlebe ich am eigenen Leib. Und Sie können sicher sein, dass Sie in dieser Situation keinen akzeptablen Entlastungskredit bekommen. Weder von Ihrer noch von einer anderen Bank. Erst wenn die erste Pfändung ins Haus steht, bewegt sich bei der Bank etwas. Dann wird der
Dispokredit "zurückgeführt" Was bedeutet, dass die Bank sieht dass bei mir nichts mehr zu holen ist und den Geldhahn Stück für Stück zu dreht. Die horrenden Dispozinsen bleiben natürlich.
Es ist also für jeden halbwegs klar denkenden Menschen aus der Verhaltensweise der Banken und den Folgen für ihre Schuldner offenbar, dass es die Zinsen sind, die sich selbst und damit die Gesamtgeldmenge stetig und exponentiell vermehren. Nur durch Zinsen lohnt sich die Hortung von Geld. Ohne Zinsen kann ein Geldsystem eine Hortung und ihre Folgen nicht verschleiern. Sobald der König eines Reiches wie etwa Altägypten alle Schätze an sich gerafft hat, verarmt sein Volk rapide und er muss Tempel und Pyramiden bauen und seine Handwerker bezahlen um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Er ist gezwungen, Geld auszugeben.

Durch Zinsen wird die Gesamtgeldmenge erhöht und es ist noch sicherzustellen, dass der "virtuelle" Teil der Geldmenge in einer "Finanzkrise" nicht auf den Konten der Horter liegt. Diese Theorie beleuchtet diese fürchterliche Krise aus einem anderen Winkel.
Eigentlich ist dieser versteckte Raub normal, das was die Finanzkrise ausmachte war, dass die künstliche Geldmenge rapide wegschrumpelte und zwar auf Seiten der Banken und Horter. Zu Beginn dieser Krise waren plötzlich real kaufbare Sachen so günstig wie lange nicht mehr.
Erst die Neuschaffung virtuellen Geldes auf der Seite der Habenichtse, beim Staat, der hier als verlängerter Arm des Volkes herhalten darf (ja ich weiß, sehr idealistisch) und die Schaffung eines gewaltigen Kreditrahmens auf Seiten der Raffer ermöglichte den Banken als ausführenden Organen wieder den Zugriff auf real existierende Werte und das Verschieben des wertlosen virtuellen Geldes an die sowieso schon Betrogenen.


Zinsen sind das Werkzeug, das Geld vom Tauschmittel zum Machtfaktor macht.


Sehr geehrter Herr Kreuzer,

ihr Paukenschlag erklärt die Wirkung des (Kapital-) Zinses auf den Punkt. Spätestens nach diesem Paukenschlag kann niemand behaupten, dass das die Kapitaleinkommen kein Problem darstellen.

Man kann keine Wirtschaft konstruieren ohne normative Vorgaben zu machen. Eine wichtige normative Randbedingung für jeden neuen Wirtschaftsentwurf muss daher sein Kapitaleinkommen systemimmanent unmöglich zu machen. Dabei kann man sich vieler Mechanismen bedienen:
Meiner Meinung nach ist alles zulässig von Verboten über Regelkreise bis hin zu strengen Vorgaben zur Preisbildung (nicht Preisvorgaben). Für mich ist Wirtschaft eine Maschine und ich gestatte mir die Funktion dieser Maschine so einzuschränken, sodass sie insgesamt nützlich und für alle vorteilhaft ist. Wirtschaft ist für mich eine Maschine, die
inklusive wirtschaftliche Kooperation und faire, ja solidarische Verteilung von Gütern erleichtern soll. Hohe Arbeitslosenquoten und Wohlstandsgefälle demonstrieren überdeutlich, dass das aktuelle System genau das nicht zu leisten vermag - und Kapitalzins ist das
Designproblem. Aber wo kommt es her?

An Wirtschaftsstellen, wo Kapitaleinkommen heute entstehen, da offenbart sich struktureller Organisationsmangel der Wirtschaft, der durch Verbote und Regelkreise allein nicht kompensiert werden kann: Kapitaleinkommen entstehen immer dann, wenn das Mitspracherecht vertraglich einseitig gestaltet ist. Eigentum bedeutet konzeptionell nichts weiter als das alleinige Bestimmungsrecht. Ohne gesetzliche Vorgaben zur Vertragsausgestaltung oder Mitbestimmungserwerb ist es immer die wirtschaftlich stärkere Partei, die die Vertragskonditionen diktiert.
Die Aufgabe des Staates wäre für die Zukunft das Wort "Demokratie" ernst zu nehmen und dem zuwiderlaufende Vertragsausgestaltung zu verhindern, z.B. durch Regelungen zum automatischen fraktalen Eigentumserwerb bei vielen Geschäftsfällen. Ein solcher Geschäftsfall wäre z.B. die Miete.

Damit kommen wir zu einem Punkt aus Ihren Ausführungen, den ich noch etwas ergänzen möchte: Meiner Meinung nach ist die Wohnungsmiete in jeder Höhe Zins. Sie sagen in Ihrem Beispiel, dass das mehrfache Abbezahlen des Mietshauses ein Problem darstellt - Ich sage, dass schon das einfache Abbezahlen des Mietshauses durch Miete ein moralisches und
ökonomisches Problem darstellt.

Das liegt daran, dass durch das Zahlen von Miete nur eine unidirektionale Arbeitsleistungsübereignung stattfindet. Bidirektionalität ist aber eigentlich die Grundlage eines wirtschaftlichen Handels. Nehmen wir mal an, das betrachtete Haus sei zu 100% eigenfinanziert. Dann würde es ohne Mieter sagen wir mal 4% seines Wertes pro Jahr verlieren (wir wissen, dass unbewohnte Häuser schneller verfallen als bewohnte...) und mit Mieter 2%. Wenn Mieten etwas mit realer Wirtschaft zu tun hätten, dann müsste also der Vermieter den Mieter bereits dafür auszahlen, dass er dort wohnt.

Mieten erbringt aber der Mieter.

Wenn also nur die Instandhaltungskosten von 2% vom Mieter bezahlt würden, dann hat er nach 10 Jahren 18% der Bausubstanz finanziert, nach 20 Jahren 33%, nach 30 Jahren 45%, nach 50 Jahren 63%, nach 100 Jahren 88%. Trotzdem würde nach dem jetzt geltenden Recht der ursprüngliche Eigentümer oder seine Erben auch nach 100 Jahren immer noch alleiniges Bestimmungs- und Veräußerungsrecht haben. Das ist schreiende Ungerechtigkeit!

Nehmen wir mal an, das Haus sei komplett durch Kredit finanziert worden, dann ist es ein besonders drastisches Szenario, denn ohne Arbeitsleistung erwirbt man ein Haus, lässt es von Dritten (den Mietern) komplett inklusive Zinsen abbezahlen und steht am Ende als alleiniger Eigentümer dar. Die gesetzliche Zulässigkeit solcher Verträge und Wirtschaftskonstellationen ist eine Bankrotterklärung des Staates.
Im Vergleich dazu ist das staatliche Ahnden von Ladendiebstahl nur noch als Heuchlerei und Geplänkel zu bezeichnen, sonst nichts. Das Geplapper von irgendwelchen Risiken ist in diesem Zusammenhang nur Ablenkungsmanöver: Wenn man als Vermieter nicht genug Wohnbedürftige findet, die das Haus durch Miete finanzieren (müssen), dann wird es
einem weggenommen, weil es einem nicht gehört. Wow, so ein Risiko! Man hat dreißt gezockt und sich verzockt! Da soll einer Mitleid haben und Mieten allgemein legitimieren? Ähnliche Argumente sind im Kontext von Unternehmen zu finden und zu entkräften.

Wie drastisch sich eine alternative Art der Mietregelung in der Praxis auswirkt kann ich aus eigener Lebenserfahrung berichten. Ich miete bei Wohngenossenschaften. Die Wohnungen sind Top renoviert, haben die schönsten Fassaden der Stadt und haben die günstigsten Mieten - und man hat Mitspracherecht wie das Genossenschaftskapital eingesetzt wird. Man
kann mitentscheiden ob Gärten gemacht werden, neue Gebäude gekauft werden, welche Gebäude am dringendsten renoviert werden müssen usw.

Mit anderen Worten: Bestimmte Lebensbereiche können nicht den Kapitalmärkten oder sog. "freien" Märkten überlassen werden. Je näher ein Wirtschaftsgut an Grundbedürfnissen liegt, desto wichtiger ist eine absolut korrekte Abrechnung der geleisteten Beiträge. Die freie
Marktwirtschaft hat aber genau DAS NICHT zum Ziel. Dort geht es darum durch freie (d.h. geschickte) Vertragsausgestaltung und maximale Intransparenz einen möglichst großen Happen der Arbeitskraft für sich abzuzweigen. Der Stärkere (das bedeutet auf Kapitalmärkten: wer mehr effektive Freiheitsgrade hat) wird in einem derart darwinistischen
Setting letztendlich auf Kosten der anderen wachsen. Auf solchen Marktwirtschaften gibt es sicherlich aleatorische Strukturperturbationen, die durch diskrete dynamische
Konzentrationsoptimierung hervorgerufen werden - diese sind jedoch nicht das Ergebnis irgendwelcher ökonomischer Verteilungsregelkreise, werden von der gängigen Wirtschaftswissenschaft aber häufig genug als genau das gehalten.

Liebe Grüße,


Lieber Herr Kreutzer

Da haben Sich ja selbst übertroffen. Das war viel Arbeit und Klarheit. Wenn man überhaupt anfängt zu denken, muß man wohl zu Ende denken. Aber vielleicht denken wir auch zu viel.

Übrigens kam mir so ein:

Warum haben die sogenannten Freiwirte wohl gemeint, nur Bargeld müßte ein wenig Beine gemacht werden? So weit ich das mitbekommen habe, lag das wohl daran, daß Gesell das sogenannte Buchgeld in seiner Hortbarkeit als abhängig vom Bargeld ansah. Er sah zu seiner Zeit wohl: Wenn ich das gut verstanden habe, Buchgeld als Überwindung der Hortung an und hielt es daher für eine Beschleunigung des Geldumlaufs.

Diejenigen, die über Kreditvergabe an das Bargeld kamen, hätten, wenn sie nicht dringend Geld zum Ausgeben gebraucht und gesucht gehabt hätten,wohl kaum den Kredit
aufgenommen. Er muß also wohl gemeint haben, wenn Bargeldhortern der Pfeffer ihres
Pfeffersacks in die falsche Kehle komme, würden ihre Horte wirksam aufgelöst. - Er kam also wohl nicht auf die Idee, daß Spekulation durch größere Gewinnmargen die Umlaufgebühr rasch wieder hereinbekommen könnte.


Auch konnte er nicht wissen, wie sich der bargeldlose Zahlungsverkehr mit der Zeit entwickeln würde. Es ging ihm wohl zunächst nur darum, das Prinzip anschaulich zu machen. Und immerhin hatte ja Wörgl erstaunliche Wirkung gezeigt. Wie ich gerade höre, scheint genau das den Maxnews Bauchschmerzen gemacht zu haben.

Nun, wie auch immer, Sie haben die auftauchenden Fragen sorgfältig und erschöpfend untersucht und dargestellt, will mir scheinen.

Herzlichen Dank!


Florian Gerstl hat vor einiger Zeit diese Frage an die Österreichische Nationalbank gestellt: "Woher kommt das Geld für die Zinsen"

Inzwischen hat er eine Antwort, und die hat er als Kommentar zu diesem Paukenschlag verlinkt. Geantwortet hat der Univ.-Prof. Dr. Gerhard Nowotny - und der kommt, nach einigen weitschweifigen Erklärungen zu dem Schluss, dass das Geld für die Zinsen aus dem Wachstum der Geldmenge stammt.

  •  Lesen Sie selbst

    und wenn Sie gelesen haben, können Sie ja die Frage stellen, woher wohl das Wachstum der Geldmenge kommen mag. Ich bin gespannt, was Prof. Nowotny dazu wohl einfallen mag. Dass es dazu einer überproportionalen Ausweitung der Verschuldung bedarf, scheint er nicht so gerne verlauten zu lassen. Sonst hätte er es hier schon können.
    Hallo Herr Kreutzer,
    in meinem Buch "Entwicklungsprojekt Ökonomie - Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus", welches ich bei Ihnen veröffentlicht habe, habe ich einen Begriff eingeführt, mit dem man das Problem auf zwei Sätze reduzieren kann:
     
  • Die Überlastung der Sparkapazität, zwingt ein System in die Überschuldung.* Sorgt das Geldsystem nicht vor, führen leistungslose Einkommen zwangsläufig zur Überlastung der Sparkapazität.
    "Ich verbitte mir aber, deshalb gleich als Vertreter des "Debitismus" angesehen zu werden."
    Bei diesem Satz musste ich schmunzeln, weil sich mir die Denkstrukturen des Debitismus erst durch Ihre Texte erschlossen haben.
    * Im Gedankengebäude des Debitismus ist obiges leicht zu erkennen, da jeder Kredit zwar Geld erzeugt, aber jeder Schuldner einen Nachschuldner benötigt. Wird Geld stillgelegt (egal ob durch Hortung, sparen oder anzünden) benötigt man plötzlich zwei Nachschuldner: Der erste ersetzt
    das verschwundene Geld (sonst ist keine Tilgung möglich) und der andere ist der eigentliche Nachschuldner. Ergo: Sparen heißt Schulden ERZWINGEN.
     
    Zu guter Letzt möchte ich ein Lösungskonzept in die Diskussion werfen, welches erstmals eine regionale Steuerung der Sparkapazität ohne Regionalwährungen möglich macht und neben der horizontalen Komponente auch die vertikale berücksichtigt. (D.h. die Lastengerechtigkeit
    berücksichtigt Verwerfungen aufgrund leistungsloser Einkommen.) Große Währungsräume sind möglich ohne zwingend schwere wirtschaftliche Verwerfungen zu provozieren.
     
    Es besitzt bei richtiger Anwendung sogar eine landschaftsplanerische entzerrende Komponente. Und die Bedürfnisse von Haushalten, Unternehmen und Kommunen sind ebenfalls getrennt
    ansprechbar ohne eine einzige Komplementärwährung.
    http://koudela.net/ressourcen/ASE_1.0.pdf 
     
    Liebe Grüße,
    Thomas

    "Und wenn es kein Brot mehr gibt, sollen sie halt Kuchen fressen. Schmeckt doch auch viel besser."
     
    Oh, je! Das sitzt!
    Danke, Herr Kreutzer, für diesen Paukenschlag!
    Leider können ihn die nicht hören, für die er gedacht ist!
    Wenn man Ihre Zeilen aufmerksam verfolgt, erkennt man auch den Mechanismus, der wieder und immer wieder zu dem führt, führen muß, was wir gegenwärtig als "Krise" bezeichnen. Je größer die aufgehäuften "Hortungen", desto größer der erneute Hortungseffekt durch die Zinsen, die mittlerweile regelrecht wie Staubsauger wirken und den Markt von allem leer saugen, was liquide ist. Es sollte langsam mal Mode werden, die Produktion von Waren und Leistungen zu dem zurückzufahren, was sie eigentlich sein sollte, und zwar Befriedigung eines tatsächlich vorhandenen Bedarfs, und nicht Befriedigung der Gier einiger Weniger nach immer höheren Profiten. Profite bedeuten an sich nichts anderes, als daß Liquidität aus den Taschen derer gesogen wird, die Umsatz machen könnten, in die Taschen derer, die bereits vor Liquidität bersten. Und die bekommen nun auch noch die Zinsen mit dazu - wenn das nicht ein Turboeffekt ist...
    Also, nochmals vielen Dank.

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