Paukenschlag am Donnerstag
No. 50/2010
vom 16.12.2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Jahresumbruch

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
49 Warum es fast allen immer schlechter geht
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Jahresumbruch

 

In 15 Tagen ist es wieder soweit. Silvesterböller krachen, Korken knallen, Bleigüsse erstarren, Menschen fallen sich glückwünschend um den Hals, das Jahr ist aus; es lebe das neue.

Mit dem Kalenderjahr geht auch so manches Geschäftsjahr zu Ende. Schnell noch Inventur machen, transitorische und antizipative Posten erfassen, Bilanz ziehen, Vermögen vergleichen, Gewinn ermitteln.

Die CDU hat sich gehalten, die FDP stürzt über ihren Parteichef, die SPD fällt immer tiefer in das Loch, das entstanden ist, als das Sozialdemokratische von Schröder und Müntefering entsorgt wurde. Das Grüne treibt Blüten.

Die Aktienkurse sind erholt, der Euro-Kurs wackelt auf hohem Niveau, der Goldpreis nähert sich dem Point of Ikarus und der FC Bayern glaubt schon jetzt nicht mehr an die Meisterschaft 2011, dabei hat das neue Jahr noch gar nicht begonnen.

Zäh, wie kalter Rübensirup, der lange unschlüssig an der Brotkante verharrt, bevor er langsam sich dehnend abtropft, nimmt die Zukunft Besitz von der Gegenwart.

So muss die Zeit gewesen sein, als die Bernsteineinschlüsse eingeschlossen wurden. Zäh, klebrig, unentrinnbar, abgründig.

Und dann diese Kälte. Schon seit Wochen Frost. Frost und Eis und Schnee. Straßen verstopft von verunglückten Lastkraftwagen. Selten von so vielen und so ausschließlich von Lastkraftwagen verursachten Staus gehört. Was müssen die auch immer herumfahren, bei jedem Wetter - und immer mit den abgefahrensten Reifen?

Ja, Deutschland ist Transitland im Herzen Europas. Transitorische Posten, auf schwankenden Planken unsicherer - nicht nur - ausländischer Lastkraftwagen hoch aufgetürmt, müssen von Ost nach West, von West nach Ost, von Nord nach Süd und von Süd nach Nord, immer mitten durch, durch Deutschland. Das ist die Globalisierung.

Aber, wie war es jetzt mehrfach zu hören: Dabei wird unheimlich viel CO2 verbraucht!
Super, oder?

Verbraucht! Nicht ausgestoßen! Und das in seriösen Sendungen des öffentlich-rechtlichen, bis auf die Gebühren "Frie-" Tiwie mit seinen wöchentlichen Frie-Tiwie-Premieren.

Ab 2013 werden wir dann - es lebe das hinterlistige Mittel des Staatsvertrags - das Frie-Tiwie noch einfacher bezahlen, aber noch nennt das Ding niemand beim Namen. Wo bleibt der Freiherr der Medienmächte, der das Kind - umgangssprachlich meinetwegen - beim Namen nennt? "Propagandasteuer" könnte ich mir da zum Beispiel vorstellen, oder "Bewusstseinsabgabe". George Orwell hätte auf den ebenfalls schönen Neusprech-Begriff "Denkharmonisierungspfennig" verfallen können ...

Aber ist ja egal. Solange Fernsehen und Rundfunk im Sprachverständnis immer noch knapp vor den pisageplagten Schülern höherer Lehranstalten stehen, bleibt der nötige Abstand gewahrt.

Da wundert es einen gar nicht mehr, dass die Klimakatastrophe - nein, der Klimawechsel, also quasi Mutter Erdes Klimakterium, nun mit Elektromobilität hinausgezögert werden soll.

Ja. Elektroautomobile fahren praktisch abgasfrei, und der Strom, den sie verbrauchen, der wird ja auch vollkommen abgas- und schadstoffrei in Windparks, Solarstromanlagen, Tidenhub- und Aufwindkraftwerken erzeugt. Jedenfalls dann, wenn einmal mehr als die Hälfte der deutschen Atomkraftwerke von Hubschraubern aus mit Beton zugeschüttet sein wird bzw. werden, ganz nach Belieben.

Tschernobyl - das ist sowieso die Lösung für den Rückbau verstrahlter Kraftwerke und ihrer Komponenten - und mit ein bisschen frischem Ingenieursgeist könnte es doch auch wegweisend für die Lösung der Endlagerfrage sein.

Stehen deshalb russische Ingenieure auf der Liste der in Deutschland nicht verfügbaren ausländischen Fachkräfte ganz oben an? Und wie kommt es zu dem Mangel an polnischen Pflegekräften, an indischen Softwarespezialisten und französischen Cognac-Schwenkern?

Die Antwort ist einfach, klar und logisch. Da wird auch kein bisschen manipuliert oder gelogen. Wir leiden tatsächlich unter einem massiven Mangel ausländischer Fachkräfte, weil ausländische Fachkräfte nur in ganz geringer Zahl in Deutschland geboren, aufgezogen, eingeschult und ausgebildet werden. Das geschieht zu unserem Unglück alles im Ausland!

Dabei sind ausländische Fachkräfte unter dem Strich viel billiger als die inländischen, bilden also längst den Kern unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Und wie Integration geht, das wissen wir doch inzwischen auch. Damit haben wir nach den Erfahrungen mit dem ersten Gastarbeiterboom wirklich kein Problem mehr.

Alle, die damals zuerst gekommen sind, die Griechen, die Italiener, die Spanier, die Portugiesen, die stehen heute auf der Liste der Euro-Rettungsschirmkandidaten. Die haben mit ihrer billigen Arbeit in Deutschland ihre daheim gebliebenen Brüder und Schwestern kaputtkonkurriert. Kein Wunder, dass die Türkei auch unbedingt in die EU will ...

Am Anfang des zäh dahinscheidenden Jahres hatte ich die Vision, Angela Merkel würde das Jahr politisch nicht überleben. Nun droht doch noch eine Blut-Schweiß-und-Tränen- Weihnachtsansprache, mit ihrem Dank an alle, vor allem an die Polizisten in Stuttgart und Gorleben, an die Soldaten in Afghanistan und überall sonst auf der Welt, wo Deutsche in Uniform im umgangssprachlichen Krieg am Weihnachtsfrieden und der ewigen Ruhe arbeiten.

In den letzten Wochen erweckte sie sogar den Anschein großer außen- und wirtschafts- und finanzpolitischer Vernunft, als sie sich weigerte, Deutschland mit der Einführung von Euro-Bonds endgültig zum alleinigen Zahlmeister Europas zu machen. Man muss nicht Länder retten, damit die Banken retten, wodurch wiederum Bankaktionäre und Anleger gerettet werden, die in den USA, im Nahen Osten, und sonstwo auf der Welt sitzen und sich totlachen darüber, dass sich europäische, vor allem deutsche, Steuerzahler dazu zwingen lassen, für den Werterhalt ihrer Vermögen zu bürgen.

Ob sie diesen Kurs durchhalten, oder, wie in Finanzkrisenfragen schon mehrmals, am Ende doch wieder einknicken und der hungrigen Meute den deutschen Steuerzahler zum Fraß vorwerfen wird, ist allerdings noch offen.

Dass der SPD hierzu nichts anderes einfällt, als dagegen zu sein, folglich also die völlige Aufgabe der letzten Reste von Souveränität zu fordern, nur um ein Europa zu retten, das ich mir - mangels demokratisch legitimierter Mehrheiten - funktionierend inzwischen nur noch als Diktatur vorstellen kann, in dem dann professionelle Lautsprecher wie Jean-Claude Juncker den Ton angeben, ist wohl nicht Folge gefestigter Erkenntnisse und Überzeugungen, sondern nur ein Pawlowscher Oppositions-Reflex.

Noch schlimmer sieht es allerdings um den Minister des Äußersten aus, dem seine Parteifreunde nun scharenweise die Zustimmung verweigern.

"Auf jedem Schiff, das dampft und segelt", reimte er einst, "ist einer der die Dinge regelt."

Davon kann im Augenblick bei der FDP keine Rede sein. Westerwelle ist, und er wäre es auch, wenn er sich nicht geoutet hätte, megaout.

Ob er allerdings noch vor dem Fest den Löffel hinwirft, und damit eine Regierungsumbildung, vielleicht sogar einen Koalitionsbruch verschuldet, mit der Folge, dass Angela Merkel doch noch tun kann, was ich mir dringend von ihr wünsche, nämlich kräftig zurücktreten, damit alle, die noch hinter ihr stehen, vor Schmerzen aufjaulen, das ist höchst ungewiss.

Die Lage war selten so wirr und von so vielen kontrovers beschwatzten Themen gekennzeichnet, wie am Ende dieses Jahres.

Ein Berg von Schnellabiturienten steht gemeinsam mit dem gleich hohen Berg von Langsamabiturienten vor den Toren der Universitäten, die sich des Andrangs wahrscheinlich nur mit Erhöhung der Studiengebühren nach englischem Vorbild erwehren werden, und trifft zudem auf Scharen junger Männer, denen die Türen von Wehr- und Zivildienst vor der Nase zugeknallt wurden.

Das führt aber keineswegs zur Steigerung der Arbeitslosenzahlen, denn das freiwillige Soziale Jahr unserer Jungministerin wird sicherlich davor bewahren, gleich nach der Schule als arbeitslos gezählt werden zu müssen. Und dass sich alle dafür melden werden, ist schon alleine dadurch zu erwarten, dass dieses soziale Jahr Privilegien beim Zugang zu Studien- und Ausbildungsplätzen verschafft, womöglich auch Beamtenlaufbahnen ebnet und Parteikarrieren dienlich ist, was aber niemandem nützt, wenn sich wirklich alle darauf stürzen.

Ach ja, wie meinte Mephistopheles so treffend: "... bin ein Teil von jener Kraft, die stets vom Guten redet und das Chaos schafft." (oder so ähnlich)

Die Schlacht um die Gesundheitsindustrie ist in vollem Gange. Der zuständige Minister hätschelt die gewinnorientierte Private Krankenversicherung, als läge darin das Wohl des Deutschen Volkes, die Gewerkschaften wollen die PKV am liebsten vollständig demontieren und die Bürgerversicherung wieder aus der Mülltonne des parlamentarischen Beratungsprozesses ziehen. Aber wie es mit Gewerkschaften so ist, die dürfen das Maul aufreißen - und dann wird es ihnen gestopft. Meist mit Drohungen, oft mit leeren Versprechungen, selten mit Geld.

Der Kampf gegen den Terror, der in Deutschland, anders als der Terror selbst, längst angekommen ist und unerbittlich wütet, wird unserem Innenminister doch noch seine große Staatspolizei in die Hand geben, Grundgesetz hin, Grundgesetz her, was kümmert mich mein dummes Grundgeschwätz von gestern, soll schon Konrad Adenauer sinngemäß gesagt haben, und während die Vorratsdatenspeicherung und die vorsorgliche Verwahrung potentieller Störer und Gefährder unter den Freunden der Freiheits- und Bürgerrechte zu Besorgnis führen, hat Bayern doch in dieser Woche tatsächlich den 150. Geburtstag der Bayernhymne gefeiert. "Gott mit Dir, Du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland ..."

1860, in Bayern? Was war da sonst los, vor 150 Jahren? Turnfest in Coburg? Falsch. Coburg kam erst 1920 zu Bayern. Aber die Propyläen wurden fertig, 1860, in München. Ludwig I. und seine griechophilen Baumeister haben zugeschlagen und der Stadt für alle Zeiten - insbesondere für die 1000 Jahre ab 1933 - ein repräsentatives Gesicht gegeben. Außerdem soll sich ein Sportverein gegründet haben.

1860 weltweit? Erfreuliches: Lincoln wurde US-Präsident, England und Frankreich haben ihre Schutzzölle aufgehoben, in Italien brachten Volksabstimmungen ein eindeutiges Votum für die nationale Einheit.

Bemerkenswertes: Der Freiheitskämpfer Garibaldi besetzt Sizilien und Neapel. Savoyen und Nizza werden von Frankreich erobert, China lehnt die Ratifizierung des Friedens von Tsientien ab, britische und französische Truppen marschieren in Peking ein, zerstören den Sommerpalast des Kaisers und erzwingen die Ratifikation. Wer hätte damals gedacht, dass die USA einst die ganze Welt mit Dollars überschütten und dass die so zu Boden geworfenen Chinesen sich je wieder erholen würden? Heute sind die Dollar-Reserven der Chinesen eine Gefahr für die ganze Welt. Wehe, wenn sie losgelassen.

Und im Solnhofener Schiefer (das ist nun wieder im hymnenfiebrigen Bayern) wurden 1860 die versteinerten Überreste des Archäopterix gefunden (nicht zu verwechseln mit Asterix und Obelix).

Was man - nochmal 150 Jahre weiter - über das Jahr 2010 aus den Archiven zusammenkratzen wird, ist schwer zu beantworten. Es ist ja schon schwer zu beantworten, ob es 2160 überhaupt noch Archive geben wird.

Als die Menschheit aufhörte, ihre wichtigen Erinnerungen in Steinplatten zu ritzen und zu meißeln und stattdessen begann, Pergament und Papier zu beschmieren, reduzierte sich die Haltbarkeit von Informationen von Zehntausend und mehr Jahren auf ein paar hundert, bestenfalls tausend Jahre. Mit der Archivierung auf Mikrofilm und Magnetbändern rutschte die Haltbarkeit auf Jahrzehnte, bestenfalls 100 Jahre zurück. Moderne Speichermedien, Festplatten, USB-Sticks, CDs und DVDs halten ein paar Jahre, bestenfalls 10 - und selbst wenn sie länger hielten, wären sie nach 10 Jahren kaum noch zu lesen, weil die benötigte Hard- und Software längst - dem Wachstum zuliebe - verschrottet ist.

Der Aufwand, Datenbestände lesbar zu halten, ist für Otto Normalverbraucher kaum zu erkennen; der Reiz, Datenbestände aus Kostengründen dem Verfall zu überlassen, wächst aber mit jedem Tag, mit jedem Jahr und mit jedem Petabyte an Informationen, die in Archiven mit geringer Zugriffshäufigkeit vor sich hin dösen.

Das ist aber nicht die einzige Gefahr. Die andere Gefahr ist die bewusste Vernichtung von Information. Die Menschheit war nie frei davon, Wissen zu vernichten und zu unterdrücken, um Fanatismen jeder Art leichter zum staatserhaltenden Gemeinschaftswahn steigern zu können. Möge niemand glauben, wir hätten diese finsteren Kapitel im Buch der Menschheit längst hinter uns gelassen. Ob Kommunisten gejagt werden, oder Konterrevolutionäre, ob man Christen verfolgt oder Muslime, ob die Unterschicht mit Füßen getreten oder missliebige Personen guilliotiniert werden - das alles hat es in den letzten 150 Jahren gegeben, samt öffentlicher Bücherverbrennungen und Internetsperren.

Warum sollte damit ausgerechnet ab 2011 Schluss sein? Weil ein neues Jahr ausgerufen wird?

So wie sich die tektonischen Platten langsam bewegen, aneinander reiben, sich über- und untereinander schieben und dabei mehr oder minder große Katastrophen auslösen, bewegen sich auch die Völker und Staaten dieser Welt. Angetrieben von archaischen Kräften, die wir trotz aller Hirnforschung und Psychoanalyse, trotz aller Philosophie und aller religiösen Gläubigkeit noch nicht ergründen, und schon gar nicht beherrschen können.

So wie Erdbeben und Vulkanausbrüche trotz aller Forschung und Beobachtung nicht sicher vorhergesagt werden können, ist der Ausbruch von Feindseligkeiten und Kriegen weder in scheinbar ruhigen, noch in scheinbar angespannten Lagen vorhersagbar.

Es gibt genügend Brandherde auf dieser Welt, die jederzeit wieder auflodern können. Und es gibt genügend Technokraten, die sich bemühen, rings um die glimmende Glut - nur zur Abschreckung - möglichst viel brennbares Material anzuhäufen. Russland mit Raketenstellungen einzukreisen, die zur Abwehr nicht existenter iranischer Langstreckenwaffen dienen sollen, ist so eine Maßnahme, die von den Technokraten der Abschreckung nach deren eigener Logik ersonnen wurde.

Unbemannte Flugzeuge aus großer Höhe einzusetzen, um Menschen, die man für gefährlich hält, mit Lenkwaffen zu ermorden, gehört zu den Maßnahmen, mit denen Spannungen gesteigert, Hass und Wut geschürt, Attentate förmlich herausgefordert, ja erzwungen werden.

Doch schon alleine der ständig wachsende Überwachungsanspruch der Regierungen gegenüber ihren Bürgern ruft Widerstand hervor. Plötzlich steht man sich gegenüber und stellt fest, man versteht sich nicht mehr. Aus Führern und Geführten sind Anführer und Angeführte geworden. Plötzlich sind Polizeiknüppel und Wasserwerfer, gäbe man den Wünschen besorgter Politiker nach, auch Panzer und Kampfhubschrauber im Einsatz, um die freie Artikulation des Volkswillens zu unterbinden.

Der Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Demokratie wird nicht von den Bürgern, sondern von ihren gewählten Vertretern ausgelöst und genährt.

Schaffen wir es wirklich nicht, mündige und aufgeklärte Bürger deutlich mehr an den Entscheidungen zu beteiligen, als nur durch das Ankreuzen von Stimmzetteln?

Sollen Verträge, die Bürgermeister, Landräte, Minister mit Unternehmen abschließen wirklich geheim sein, um "Geschäftsgeheimnisse" der Unternehmen zu wahren? Geht es nicht im Grunde nur darum, den zugeschobenen Profit zu verbergen?

 

Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

 

Ein Satz, den ich als Motto über das Jahr 2011 schreiben möchte.

Wir werden viele Krüge zerbrechen sehen.

Unternehmen, Banken, Währungen, Staaten und Bündnisse stehen in Gefahr, im Kulminationpunkt internationaler Verwerfungen, im Ausbruch des Zorns über nicht mehr fassbare Ungerechtigkeiten zu zerbrechen.

Ausbeutung, Reichtumskonzentration, Hegemonialstreben, Aufrüstung nach innen und nach außen widersprechen den Interessen von 99,9 % aller Menschen auf dieser Welt. Wie lange werden sie sich noch von den übrigen 0,1 Prozent in Abhängigkeit halten lassen?

 

Protest und Widerstand sind in Deutschland grundgesetzlich garantierte Rechte.

Je weiter diese Rechte durch Polizei- und Versammlungsgesetze, durch Überwachung und Ausspähung, durch Drohungen und den Einsatz von unmittelbarer Gewalt zur Farce verkommen, desto größer ist die Gefahr, dass Protest und Widerstand die Grenzen der immer enger gezogenen Gesetzlichkeit in beinahe naturgesetzlicher Zwangsläufigkeit überschreiten.

Politiker können sich nicht einfach hinter den von ihnen zu ihren eigenen Gunsten selbst erlassenen Gesetzen verstecken und damit Protest und Widerstand zum Rechtsbruch umdeuten. Und tun sie es trotzdem, dann sind sie auch für Risiken und Nebenwirkungen verantwortlich.

Ob und inwieweit die Stuttgarter Schlichtung wirklich Wirkung zeigt, ist noch offen. Auch das wird erst das kommende Jahr erweisen.

Ob Bahn, Bund und Land zur Vernunft oder die Bürger zur Einsicht gelangen ist dabei egal. Es geht nicht darum, ob der Tunnelbahnhof gebaut wird oder nicht.

Es geht darum, festzustellen, ob es noch möglich ist, zwischen dem Volk, von dem alle Staatsgewalt ausgehen soll, und den Politikern, die alle Staatsgewalt in Händen halten, einen Konsens herzustellen.

Gelingt es nicht, hat sich an den Realitäten nichts geändert.
Aber eine große Hoffnung wird zerstört sein - und damit vielleicht die letzte Barriere, hinter der sich der Volkszorn noch zurückgehalten hat.

 

Gelingt es jedoch,

ist es ein gutes Omen für eine ganze Reihe von Jahren.

Das wünsche ich Ihnen und mir für die politische Entwicklung unserer Gesellschaft
von ganzem Herzen

 

und persönlich wünsche ich Ihnen Gesundheit, Kraft, Friede und Zufriedenheit, gelegentlich auch das bisschen Glück, für das es sich zu leben lohnt.

 

 

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer

 

 

 

 

 

 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Spontan kommt mir zu Ihren Jahres-End-Leviten die Weber-Radierung „Optimismus ist Feigheit“ in den Sinn.

 

 

 

 

Die Zeichen eines apokalyptisch anmutenden Umbruchs sind allgegenwärtig. Doch ich bezweifel, dass sich die Deutschen Michel irgendwann geschlossen ihre Schlafmützen vom Kopf reissen.
Bis es soweit ist, wird der Arbeitslose wieder in der Erdhöhle wohnen, der HartzIVer eine tuberkulöse Berliner Hinterhof-Wohnnische trockenwohnen und ein Brot 1 Milliarde Euro kosten.
Dann wird es vielleicht soweit sein. Wenn überhaupt. Die telegene Volksverblödung wird letztlich jedes Interesse an Aufrührerischem plattmachen. Prosit Neujahr.

Mit freundlichen Grüßen


Retten ist heute das Zauberwort. Überall wird nur noch gerettet.

Wenn ich einen Menschen vor dem Ertrinken rette, so rette ich auch sein Leben. Er kann also nach der Rettung so weiterleben wie er es gewohnt war.

Wenn heute Banken gerettet werden (einfach unglaublich und frech hier von Rettung zu reden), so können diese ihr Monopoly weiterspielen (unsolidarisch und brutal, Vogel friss oder stirb).

Nun bin ich ein Hartz IV- Empfänger, und das schon seit mehreren Jahren. Ich bin gelernter Starkstromelektriker (oh, welches Fremdwort in der heutigen IT- Landschaft). Ich habe mich weitergebildet zum Industriemeister Elektrotechnik, war in der Leiharbeit, war ein Ein- bis Zwei Euro Jobber. Wäre hier irgendjemand bereit, mich zu einem soliden Lohn einzustellen? Dauerhaft, nicht kurzfristig und prekär wie bereits Trend in Deutschland.

Kann mich irgendjemand wiederbeleben? Wollen Sie mich retten? Wenn Sie nun glauben, Sie könnten mich retten, dann haben Sie allerdings das Wort „ Retten“ nicht verstanden. Wovor wollen Sie mich noch retten?

Mit freundlichen Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,
das haben Sie wieder schön geschrieben.

Aber: Wie können Sie Hoffnung haben, daß St 21 nach dem Willen des Volkes ausgehen könnte? Das war nie die Absicht der (...) um Mappus u. Co. Das war nie die Absicht des Fuchses Geißler, der Gespräche geführt hat, die nie welche sein sollten. Hier hat sich die Macht lediglich "großzügig" gegeben, um der Ohnmacht ihre Ohnmacht zu zeigen. Sie werden sehen, daß die Stuttgarter ihre "Versklaver" wieder wählen werden: CDU, SPD, Grüne, FDP. Die Menschen sind zu dämlich, um zu wissen, wen sie (nicht) zu wählen haben. Sie wollen nicht denken. (...)

Danke für Ihre Paukenschläge und eine gute Zeit heute und nächstes Jahr. Weihnachten ist kein Fest, es ist wunderbare Volksverarsche, daran beteilige ich mich nicht mehr.

herzlich




Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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