Paukenschlag am Donnerstag
No. 5 /2010
vom 4. Februar 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle

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2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zwischen Schmerzgrenze
und Hemmschwelle
 
 
Wann stehen die Deutschen auf?
 
 
Die Umwandlung Deutschlands in ein Niedriglohnparadies schreitet scheinbar unaufhaltsam fort.

Auf der einen Seite senken die Arbeitgeber Schritt für Schritt die Lohnsumme,
indem
 
  • Sonderzahlungen, wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld gestrichen oder gekürzt werden,
  • teure Stammbelegschaften nach und nach abgebaut und durch Leih- und Zeitarbeitskräfte, Beschäftigte mit befristeten Verträgen oder neue Festangestellte mit massiv niedrigeren Bezügen oder gar nicht ersetzt werden,
  • die Arbeitgeber-Beiträge zu den Sozialversicherungen durch veränderte gesetzliche Regelungen mehr und mehr auf die Arbeitnehmer umgewälzt werden,
  • alle mögliche Arbeiten ins Ausland verlagert oder an preiswerte Anbieter - mit Billig-Tarifverträgen - ‚outgesourct' werden,
  • man aus den Arbeitgeberverbänden austritt und damit nicht an tarifvertragliche Regelungen gebunden ist,
  • usw. usw.
 
Auf der anderen Seite steigen die indirekten Steuern, die Kosten für alle ehemaligen und alle noch öffentliche Dienstleistungen, die Kosten für nicht mehr im Leistungsspektrum der Krankenkassen enthaltene medizinische Leistungen, die Fahrpreise im Nah- und Fernverkehr, und was der Inflationstreiber mehr sind.
 
Ganz abgesehen von der Frage, ob es aus irgendeinem anderen Grund als der Gier einiger weniger Großkapitalisten tatsächlich erforderlich ist, die Verarmung der deutschen Bevölkerung so dramatisch voranzutreiben,
 
erhebt sich die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis sich aus Murren und Klagen, aus Jammern und Schimpfen eine kritische innenpolitische Lage entwickelt, die sich - wenn kein Einlenken, kein erkennbarer und wirksamer Kurswechsel erfolgt, in einer Revolte, einem Aufstand, oder wie immer man es nennen will, entladen wird.
 
 
Diese Frage ist nicht trivial.
 
Es gibt eine ganze Reihe von Parametern, die untereinander - verstärkend oder abschwächend - rückgekoppelt sind und von denen jeder für sich, einen erheblichen, aber in seiner Belastbarkeit unbekannten Toleranzbereich aufweist.
 
Die wichtigsten Parameter sind
 
Das Verhältnis der Anteile von zumindest zwei gesellschaftlichen Gruppen zueinander, nämlich derjenigen, die wirtschaftlich ganz unten stehen, also Hartz-IV-Empfänger und Aufstocker aller Art, zu denen, die mit einem erkennbaren Einkommensunterschied noch darüber stehen, ohne jedoch zu den Profiteuren zu gehören,
 
  • Die Härte der Lebensumstände der Gruppe derjenigen, die wirtschaftlich ganz unten stehen - und zwar
    a) absolut, gemessen am überlebensnotwendigen Bedarf
    b) relativ zu den zur Verfügung stehenden Vergleichsmöglichkeiten,
 
  • Die Stärke und das Drohpotential der Ordnungsmacht, also insbesondere der Polizeien, aber auch der Geheimdienste und der privaten Schutz- und Wachtruppen, vor dem Hintergrund der jeweils gültigen Gesetzeslage,
 
  • Die Arroganz und Abgehobenheit der Profiteure, die insbesondere durch unüberlegte, spontane Äußerungen bei ihren Auftritten in den Medien spannungsverstärkend wirken können,
 
  • Das Maß der Aufklärung über Machtverhältnisse und wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Regierung und Kapital,
 
  • Das Maß der Organisation und/oder Führung in der aufstandsanfälligen Gruppe,
 
  • Das Tempo der Verschlechterung der Lebensumstände.
 
 
Das Zusammenwirken der Aufstandpotentiale der einzelnen Kriterien in unterschiedlichen Kombinationen soll hier an nur drei beispielhaften Konstellationen dargestellt und erläutert werden.
 
 
A) Das Schock-Szenario
 
Naomi Kleins Buch, "Die Schock Strategie" gilt als das Standardwerk, das Auskunft darüber gibt, wie über Jahrzehnte das "Drehbuch" einer "Verschwörung der Macht" ausgesehen hat, das weltweit bei jeder Gelegenheit angewendet wurde und wohl auch immer noch wird.
 
Die wesentlichen Elemente sind Schnelligkeit, Überraschung, Verwirrung, Übermacht und Grausamkeit.
 
In einem solchen Szenario müssen innerhalb weniger Monate durchgreifende Verschlechterungen in den wirtschaftlichen Verhältnissen von 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung bewirkt werden, so dass die Rasanz der Entwicklung gar nicht mehr zulässt, zu erkennen, wie groß die Gruppe ganz unten ist und wie groß, im Verhältnis dazu, die Gruppe der noch darüber stehenden Verlierer.
 
Die gesamte Bevölkerung ist in höchster Sorge und von massiven Problemen bedroht. Laufende Verpflichtungen können nicht mehr bezahlt werden, Hypotheken und Wohnungen werden gekündigt, zwangsgeräumte Ex-Bewohner sitzen ohne Wasser, Strom und Heizung auf der Straße, sind von den elektronischen Medien abgeschnitten, Zeitungen erscheinen nicht mehr.
 
Kommunikation ist nicht mehr möglich, der Aufbau einer Organisation ist nahezu aussichtslos. Strukturen, die nicht schon vorher stark und gefestigt vorhanden waren, zerbrechen und lassen sich nicht wieder herstellen.
 
Es werden Notstandsgesetze in Kraft gesetzt und neu beschlossen, die den Ordnungskräften jedwede Befugnis geben. Menschen werden in Lager verbracht und dort festgehalten. Die Überwachung ist total.
Der geringste Verdacht von Widerstand oder konspirativen Aktivitäten berechtigt zur Verfolgung und zum Schusswaffengebrauch.
 
In einem solchen Szenario ist jede Form von Aufstand oder Revolte von vornherein zum Scheitern verurteilt. Gruppen, die aus schierer Not, Hunger und nacktem Überlebenswillen ohne Plan und Organisation gegen ihre Unterdrücker vorgehen, werden wie Ungeziefer zertreten.
 
B) Das Gewöhnungs-Szenario
 
Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung werden allmählich über etliche Jahre von unten her ausgehöhlt. Es wird strikt darauf geachtet, dass das Verhältnis zwischen dem absoluten Prekariat und der darüber stehenden, im Sinkflug befindlichen Bevölkerung, bei etwa 1: 5 liegt, vielleicht 1: 4, keinesfalls weniger als 1 : 3
Nur unter diesen Bedingungen lässt sich die Schuldzuweisung an das Prekariat aufrecht halten und den Schwächsten gegenüber der Nachweis führen, "...dass es andere doch auch schaffen".
Gleichzeitig wird der großen, im Absinken befindlichen Gruppe suggeriert, es ginge ihnen ja immer noch besser, als denen ganz unten - und wenn sie nur noch ein wenig mehr leisten und den Gürtel noch ein wenig enger schnallen, könnten sie den Abstand auch halten und sich weiter überlegen fühlen.
Psychologen wissen und Politiker vertrauen darauf:
Es kommt nicht auf ein absolutes Maß an Wohlstand an, um sich gut und überlegen zu fühlen, sondern nur auf den relativen Abstand zur nächstniedrigeren Gruppe.
 
Der Abstand zur nächsthöheren Gruppe hingegen muss so groß wie möglich sein, damit ein jeder die Aussichtslosigkeit, jemals dazu gehören zu können, einsieht, bevor auch nur der Wunsch danach erwacht.
 
So kann über die Jahre der Lebensstandard der gesamten Bevölkerung schrittweise gesenkt werden - und immer, wenn das Verhältnis in die Nähe von 1 : 3 gerät, muss die Definition des Mindestbedarfes für die Sozialleistungen neu festgeschrieben werden.
 
Erst wenn das Prekariat in Massen erfriert und verhungert, wird sich in der Gruppe derer, die noch darüber stehen, sich aber auf diese Situation zubewegen, erst Betroffenheit und dann ein Wille zum Widerstand regen. Dies umso stärker, je stärker sich die Arroganz der Oberschicht äußert und je mehr der Widerstand funktionierende Strukturen in Unternehmen, Parteien und Gewerkschaften vorfindet und sich nutzbar machen kann.
 
Steht dem eine wohlgerüstete Ordnungsmacht gegenüber, der es gelungen ist, ihre Gefährlichkeit und ihren Willen zum Durchgreifen eindrucksvoll zu kommunizieren, wird sich der Wille zum Widerstand aber dennoch nicht in wirkungsvollen Aktionen manifestieren, weil die Angst vor Repressionen die Hoffnung nährt, vielleicht doch noch irgendwie verschont zu bleiben und beim nächsten Aufschwung wieder mit vorne dabei zu sein, wenn man nur bis dahin still- und durchhält.
 
Fehlt es jedoch an hinreichender Stärke der Ordnungsmacht, wird der Prozess in eine "stille" und dann eskalierende Revolution übergehen. Erst wird es zu koordinierten Aktionen wie Streiks, Arbeitsverweigerung, Fabrikbesetzungen und der Gründung von Selbsthilfegruppen und Genossenschaften kommen, doch im Laufe der Entwicklung werden immer stärker auch Elemente der Anarchie zum Durchbruch kommen, es wird Plünderungen geben, Erstürmung und Besetzung von Behörden und Ministerien.
Je nachdem, wie es der Bevölkerung gelingt, ein Mindestmaß an staatlicher Organisation und Ordnung aufrecht zu erhalten, wächst oder sinkt die Gefahr, dass der Staat als solcher untergeht und das Land von zu Hilfe eilenden Verbündeten besetzt und befriedet wird.
 
 
C) Das Achterbahn-Szenario
 
Zwischen Prekariat und der bessergestellten Gruppe herrscht hohe Durchlässigkeit. Wer heute seine Arbeit verliert und fürchtet, wirtschaftlich unterzugehen, findet morgen schon wieder einen Job, womöglich schlechter bezahlt als vorher, aber doch insgesamt immer noch besser, als dem Repressionsapparat der staatlichen Arbeitsverwaltung unterworfen zu sein.
 
Gleichzeitig ist aber auch jeder, der einen Job hat, in erhöhter Gefahr, diesen zu verlieren. Der Anteil der Leiharbeiter steigt rapide und damit auch das Tempo der Achterbahnfahrt.
 
Jedem persönlichen "Auf" folgt in absehbarer Zeit ein persönliches "Nieder", mit der Folge einer stark zunehmenden Vereinzelung.
Zugehörigkeitsgefühle zu "Stammbelegschaften" werden für die immer kleiner werdenden Reste immer wichtiger, wodurch sie ungewollt einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren der Achterbahn leisten.
 
Arbeitslose, Hilfeempfänger, befristet Beschäftigte, Aufstocker, Kombilöhner, Ein-Euro-Jobber stehen in Konkurrenz zueinander. Von den Gewerkschaften, die sich um ihre Klientel in den Stammbelegschaften kümmern, vergessen, stehen sie ohne eigene Organisation schutzlos da und müssen sich in immer neuen Stufen der Erniedigung gegeneinander ausspielen lassen, bis der letzte Anstieg überwunden und der Mensch vom Auslauf der Achterbahn aufs Abstellgleis geschoben wird.
 
Die zur Schau gestellte Arroganz der Oberschicht kann hier sogar dämpfend auf die Stimmung wirken, weil der immer wieder eintretende Effekt einer vorübergehenden Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Situation zu dem Glauben führen kann, mit genug eigener Anstrengung und etwas Glück sei jedes Ziel, auch die Villa in Grünwald, erreichbar.
 
Die Schwierigkeit, dieses Szenario zu beherrschen, liegt - stärker als in den beiden anderen Szenarien - bei den Jungen, die auf den Arbeitsmarkt nachdrängen und nicht hineinkommen, jedenfalls nicht in den ersten Arbeitsmarkt, weil dort noch diejenigen abgemolken werden, die man sich als Fachkräfte herangezogen und mit der Abstiegsangst diszipliniert hat.
 
Mit jugendlichem Mut und jugendlichem Überschwang der Gefühle braut sich da schnell eine explosive Mischung zusammen, zumal jüngere Menschen leichter und offener miteinander kommunizieren, sich zusammentun - und, solange noch keine Verantwortung für eine Familie zu tragen ist - auch leichter zu gefährlichen Aktionen bereit sind.
Gerade diese jungen Menschen werden auf der Suche nach Orientierung schnell Angebote finden (oder von diesen gefunden werden), die sich entweder am ganz linken oder am ganz rechten Rand der Gesellschaft anbieten und versprechen, die Tür zum besseren Leben aufzustoßen, wenn man sich ihnen nur anschließt und mit ihnen kämpft.
 
Hier hilft auch eine starke Ordnungsmacht nur noch bedingt. Im Gegenteil, je mehr Polizei und andere Dienste Stärke zeigen, desto mehr wird die Lage eskalieren und sich ggfs. zum Bürgerkrieg entwickeln, wohl eher aber in einer Form des allgegenwärtigen Terrorismus versuchen, die Staatsführung zu zermürben.
Der Einsatz des Militärs im Inneren würde den Aufrührern weitere Sympathisanten zuführen und ihr Potential vergrößern, es sei denn, es wird tatsächlich massiv Krieg gegen die eigene Bevölkerung geführt.
 
 
 
Deutschland
 
Sieht man sich in der Bundesrepublik um und analysiert - auf der Suche nach der Aufstandsschwelle - die Ereignisse der letzten 20 Jahre,
 
so kann die Wiedervereinigung durchaus als ein Element aus dem Schockszenario angesehen werden.
 
Mit der Wiedervereinigung wurden der Bevölkerung im Handumdrehen hunderte Milliarden DM, später Euro, abgenommen, von denen nur ein Teil da ankam, wo er, der Begründung nach ankommen sollte.

Zugleich wurde - "Wahnsinn!" - die gesamte ehemalige DDR per Gesetz zur Niedriglohnzone erklärt, was den Ostlern, in der Freude über Bananen und Begrüßungsgeld gar nicht klar wurde und die Westler in ihrer vermeintlichen Überlegenheit bestärkte, so dass sie derart gebauchpinselt auch ihre Rentenkasse plündern und sich einen Solidaritätszuschlag abknöpfen ließen, der
 
-- und jetzt kommt der Übergang zum Gewohnheits-Szenario, --
 
heute noch als zusätzliche Steuer erhoben wird, was aber die Verantwortlichen in der Regierung nicht davon abhält, immer noch neue Schulden aufzutürmen und vorgeblich systemrelevante Vermögen von Bankeigentümern und Bankanlegern zu retten.
 
Nach dem Schock von 1989, der eine grundlegende Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation der gesamten "Normalbevölkerung" zur Folge hatte, kam eine lange Phase der Gewöhnung, die sich über den Regierungswechsel 1998 bis zu Schröders Agenda 2010 im Jahre 2002 hinzog.
 
Zweiter Schock, die Agenda als solche,
 
mit allen darin verankerten Grausamkeiten. Schlag auf Schlag die Umsetzung der Hartz-Gesetze, mit denen das Netz der sozialen Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zerschlagen wurde, während gleichzeitig die massivste Privatisierungswelle, also das Verschleudern von Volksvermögen in Gang gesetzt wurde, und zwar im Bund, in den Ländern und in den Kommunen.
 
Eine neuerliche Phase der Gewöhnung
 
ging einher mit dem massiven Abbau von Freiheits- und Bürgerrechten bei massivem Aufbau des Überwachungs- und Gewaltpotentials der Ordnungskräfte.
Die Arroganz der Oberschicht ist kaum noch zu überbieten und wird von den Regierenden hemmungslos ins eigene Verhaltensrepertoire übernommen.
 
Doch mit den Hartz-Gesetzen, mit dem Fordern und Fördern, mit der vorübergehend grassierenden Ich-AG, dem massiven Ausbau der Leiharbeit, mit der Lockerung des Arbeitsrechts und der forcierten Entmachtung der Gewerkschaften wurde auch die Achterbahn in Gang gesetzt.
 
 
2010 ist das Jahr, in dem viele dieser Prozesse einen Kulminationspunkt erreichen.
Wir haben 2009 - seit fast 40 Jahren erstmals wieder - so etwas wie Studentenunruhen erlebt. Die Jugend ist also noch wach - und die Generation Praktikum beginnt, sich ihren eigenen Weg zu suchen - und der ist nicht da zu finden, wo ihn die Politiker vorzeichnen wollen, nämlich in der Kürzung der Renten und anderer Sozialleistungen, sondern in einem freien, selbstverantwortlichen Arbeiten, dessen Nutzen denen zukommt, die ihn herstellen.
 
Wir haben 2008/2009 mit der Stützung des Bankensektors und unsäglichen Abenteuern, wie z.B. dem Kauf der Hypo Alpe Adria durch die Bayern LB oder der Rettung der Hypo Real Estate, um nur zwei zu nennen, hunderte von Milliarden Euro aus dem Fenster geworfen, was die Haushalte auf Jahrzehnte belasten wird, auch wenn heute noch behauptet werden kann, dass die bereitgestellten Mittel keineswegs ausgeschöpft seien. Sie werden ausgeschöpft werden, jede Hoffnung, dies könne vermieden werden, zeugt eher von Naivität, als von Sachverstand.
 
Wir haben mit der Schwarz-Gelben Regierung, die drauf und dran ist, die Kopfpauschale in der Krankenversicherung einzuführen, die um weitere Steuererhöhungen und massive Kürzungen im Sozialetat nicht herumkommen wird, um weiterhin Wohltaten an die Oberschicht durchzureichen, statt die Profiteure angemessen und nach dem Leistungsvermögen an den Kosten des Staates zu beteiligen, eine Regierung, die es darauf anlegt, die Ursachen der sozialen Spannungen zu festigen, statt sie abzubauen.
 
Dass diese Regierung von einer schwachen Figur im Amt des Bundeskanzlers angeführt wird, die von ihrer Richtlinienkompetenz nur sehr sparsam Gebrauch macht, steigert den Unmut in weiten Kreisen der Bevölkerung, inzwischen selbst bei denen, die ihre Informationen immer noch nur von Bild, BamS und Glotze beziehen.
 
Wir haben daher zu befürchten, dass die Aufstockung der Truppen in Afghanistan, die eben beschlossen wurde, nur der Auftakt zu einem militärischen Abenteuer ganz anderer Größenordnung ist, weil man glaubt, wenn das Land erst im Krieg steht, könne man - nach amerikanischen Vorbild - sicher sein, neben den geostrategischen Zielen auch Ruhe im Inneren erreichen zu können.
 
Ein Kalkül, das nicht zwingend aufgehen muss.
Ich kenne die diesbezüglichen Ergebnisse der Demoskopie nicht, auf denen die Regierung ihre Entscheidungen gründet, könnte mir aber vorstellen, dass ein Großteil der Bevölkerung einen neuen großen Krieg mit deutscher Beteiligung innenpolitisch massiv abstrafen würde.
Das Hurrah-Geschrei findet derzeit nur in den Medien statt, nicht auf den Straßen, nicht in den Universitäten und Schulen - und in den Kasernen schon gar nicht.
 
Wo also liegt die Aufstandsschwelle?
 
Die Jugend, die sich um ihre Zukunft betrogen sieht, beginnt sich zu erheben. Doch sie braucht, um effektiv antreten zu können, funktionierende Strukturen.
Das werden nicht die alten Parteistrukturen sein, zumal derzeit keine größere Partei (und da schließe ich die LINKE mit ein) gewillt und in der Lage wäre, ihre Strukturen einer Revolte zur Verfügung zu stellen. Die SPD, die an massivem Realitäts- und Machtverlust leidet, ist immer noch führungslos, die Grünen sind längst domestiziert, FDP, CDU und CSU kommen von vornherein nicht in Frage und die LINKE ist in dem Bemühen, endlich von den anderen als verlässlicher Partner akzeptiert zu werden, ganz weit weg von revolutionären Gelüsten.
 
Ein großer Teil der neuen Strukturen entsteht im Internet. Die dort angebotenen Möglichkeiten des Austauschs und der Vernetzung sind jedoch gleichzeitig auch die Achillesferse eines darauf gestützten Widerstands. Das sind alles offene Bücher, die von jedermann mitgelesen und von vielen höchst professionell ausgewertet werden können. Alles, was sich im Internet heute organisiert, kann morgen in einer einzigen Nacht kaltgestellt werden, denn im Internet gibt es kein Geheimnis.
 
Das weiß aber nicht nur ich.
 
Dass die Versuche, die NPD zu verbieten, seit dem letzten peinlichen Scheitern immer schon im Vorfeld abgebrochen werden, mag damit zusammenhängen, dass man die dort vorhandenen Strukturen lieber weiter mit massiver Unterwanderung durch V-Leute unter Kontrolle halten will, als einer verbotenen, aber im Untergrund weiterarbeitenden Rechten den Zusammenschluss mit dem wachsenden Aufstandspotential der Restbevölkerung zu ermöglichen.
Die extreme Linke, als sog. "Autonome Gruppen" seit Jahren verfemt, ist vermutlich ebenso unterwandert, wie die NPD, nur kann man eine Partei, die es nicht gibt, nicht schlagzeilenträchtig verbieten wollen.
 
Die organisatorische Basis, die eine Revolte braucht, um wirkungsvoll und erfolgreich agieren zu können, ist also bundesweit nicht vorhanden.
 
Doch ist anzunehmen, dass sie bereits im Entstehen ist.
 
Wir werden, so meine Prognose, mit der Zunahme des Drucks im Kessel eine Entwicklung erleben, die auch in Deutschland nach dem Vorbildern in Nordirland, im Baskenland, in Kurdistan und Palästina, ein Zwitterwesen - halb offizielle Partei, halb Kampftruppe im Untergrund - hervorbringt, das sich - anders als die "Alten Kameraden", ohne Rassismus, ohne Führerkult, ohne jede Anlehnung an das Dritte Reich, offen - und in verdeckten Aktionen - für die Wahrnehmung nationaler Interessen gegen die Übermacht der Global Player und für den Wiederaufbau des Sozialstaats einsetzen wird.
 
Massive Unterstützung aus der breiten Masse der Bevölkerung wird es dann geben, wenn die Kaufkraft der Hartz-IV-Empfänger nicht mehr ausreicht, um das Körpergewicht zu halten - und sich - neben den rund 10 Millionen Menschen, die heute schon zum Prekariat gezählt werden müssen, weitere 10 bis 15 Millionen in wirtschaftlichen Verhältnissen wiederfinden, die trotz fleißiger Arbeit kein menschenwürdiges Leben mehr ermöglichen.
 
Wenn die Bundesregierung dabei bleibt, die vollkommen unsinnige, neu ins Grundgesetz geschriebene Schuldenbremse und die EU-Vorgaben zur Neuverschuldung einzuhalten, ohne gleichzeitig die Steuern auf Kapitaleinkünfte und Vermögen und den Spitzensatz der Einkommensteuer massiv zu erhöhen, wofür es derzeit keinerlei Anzeichen gibt, wird dieser Zustand 2012 zwangsläufig erreicht und 2013 zu gewalttätigen Auseinandersetzung in ganz Deutschland führen.
 

 


 Ergänzende Lese-Empfehlungen
Im Dschungel der Maßnahmen  Isabel Horstmann zeigt auf, wie der Repressionsapparat der Arbeitsverwaltung funktioniert Der WDR hat das Buch vor ein paar Tagen empfohlen.
Link zum WDR 
Link zum Verlag 
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre
Band II
Egon W. Kreutzer beschreibt die globalen Konzepte des Kapitalismus und setzt seine Vision dagegen Hier zwei Leseproben aus dem Abschnitt über die Ursachen der Arbeitslosigkeit
Leseprobe 1 
 Leseprobe 2
Unsere Freiheit - man kann sich dafür einsetzen Bei diesem Büchlein handelt es sich um die Zusammenfassung von vier Paukenschlägen, die Sie auch online noch nachlesen können.
Der Bürgerkriech  Unsere
Freiheit 1
Unsere
Freiheit 2
Unsere
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

Ihre Analyse des heutigen Zustandes unserer Gesellschaft hat mich tief beeindruckt. Ich teile sie im vollen Maße. Ich fühle mich auch dem Kommentator aus Ilmenau verbunden, der sagt, dass uns eine Vision fehlt. Ich bin der Meinung, darum fehlt uns auch eine Strategie, diesen Gefahren zu begegnen.

Auf der Suche nach Vision und Strategie von heute habe ich in vielen Gruppen gesucht, welche sich im Internet darstellen. Alle bieten sie nur Teillösungen an, auch wenn sie oft fleißig erarbeitet und detailliert sind. Als Ausnahme fand ich Zeitgeist-Movement. Diese aus Florida kommende Gruppierung bietet in ihrem Einführungsfilm „Addendion“ eine „ressourcenorientierte Gesellschaft“ an. Mit dieser Vision könnte ich mich identifizieren.

Diese Vision ist jedoch nicht neu. In den fünfziger/sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts las ich als Heranwachsender „Utopische Literatur“ im Osten Deutschlands. Auch dort wurde eine neue Gesellschaft der Zukunft vorgestellt. Sie gleicht der „ressourcenorientierten Gesellschaft“ in hohem Maße. Sie wurde damals „vollendete kommunistische Gesellschaft“ genannt.

Wenn in so großem Abstand aus so unterschiedlichen Weltteilen eine so ähnliche Vorstellung einer Welt von morgen entstanden ist, scheint mir die Wahrscheinlichkeit hoch zu sein, dass sie eine zukünftige Realität widerspiegeln könnte. Wir hätten damit eine Vision, welche den heutigen Erfordernissen entsprechend benannt werden müsste.

Wie ist eine Strategie zu finden? Für einen „Kommunismus“ wurde schon einmal eine Strategie von Marx und Engels in der zweiten Hälfte des 19. Jh. entwickelt. In Kurzform dargestellt, sollte die Arbeiterklasse zunächst die politische Macht erobern, die Produktionsmittel verstaatlichen und den Staat als Machtmittel gebrauchen, um die alte Ausbeuterklasse bis zu ihrer Auflösung niederzuhalten. In diesem Prozess sollten die Produktionsmittel „vergesellschaftet“ werden und der Staat „absterben“, weil er vom ganzen Volk nicht mehr gebraucht würde.

Vergleicht man die gesellschaftliche Praxis der „kommunistischen Staaten“, kam keine dieser „Diktaturen der Arbeiterklasse“ über die Verstaatlichung hinaus. Damit blieb die Anwendung dieser Strategie stecken. Nach den ökonomischen Grundlagen betrachtet, entstand ein Staatskonzern, welcher das ganze Land umfasste und das vollständige Monopol in allem besaß. Wendet man die Marx’sche Betrachtungsweise konsequent an, war dies nichts weiter als ein „staatsmonopolistischer Kapitalismus“. (Es ist dabei ganz unerheblich, ob das die Leitenden dieser Staatswesen auch so sahen oder sich selbst getäuscht haben.) Ein solcher Kapitalismus wäre das Endprodukt einer „normalen“ kapitalistischen Entwicklung aus der Marktwirtschaft heraus, wie wir sie heute kennen. (Es ist in diesem Zusammenhang beinahe belustigend, wenn man die Äußerung Walter Ulbrichts Ende der fünfziger Jahre dagegen stellt, die DDR werde Westdeutschland „überholen, ohne einzuholen“.) Es muss aber jedem Menschen bei genauem Nachdenken klar sein, dass ein solcher „Staatskonzern“ auf Dauer nicht lebensfähig sein kann. Und das hat das „sozialistische Lager“ auch praktisch bewiesen.

Zur Eroberung der Staatsmacht forderten die Klassiker eine breite Bündnispolitik. Nur das Großbürgertum (heute oft als Hochfinanz benannt) wurde als eigentlicher Hauptfeind bezeichnet, welches vollständig zerschlagen werden müsse. Alle anderen Klassen und Schichten seien dem Wesen nach Bundesgenossen, weil ja alle vom Großbürgertum ausgebeutet wurden. Es käme also auf die politische Klugheit an, mit zunehmend mehr Verbündeten gegen eine relativ kleine Gruppe hinter den Kulissen Herrschender anzugehen. Sie stellten klar, dass auch nach der Übernahme der Staatsmacht vielfältige Wirtschaftsformen bestehen würden und Enteignungen eben nur relativ wenige Kapitalbesitzer beträfen. (Von einer „zentralen Planung“, wie sie in den „sozialistischen Staaten“ dann praktiziert wurde, findet sich bei ihnen nichts.) Die Weiterentwicklung der Mitbestimmung in den Betrieben, eine nahe am Volkswillen orientierte Demokratie würde dann einen langsamen Übergang der „Vergesellschaftung“ bewirken (heute würden man das als basisdemokratisches Denken und Handeln beschreiben).

Zentral an dieser Auffassung ist, dass der „Macht des Geldes“ die „Macht der Menschen“ gegenübergestellt wird.

Ich denke, dass aus den Erfahrungen in Ost und West (um noch einmal diese Begriffe zu gebrauchen) heute eine zeitgemäße Strategie entwickelt werden kann. Sie müsste sich an den heutigen Verhältnissen orientieren (z. B. gibt es eine „Arbeiterklasse“ im klassischen Sinne nicht mehr). Damit möchte ich zunächst meine Wortmeldung beschließen.

Mit freundlichen Grüßen


Hallo Herr Kreutzer.

Das Szenario B, ist bis auf die letzten beiden Absätze zweifellos der Ist-Zustand in unserer der Bundesrepublik Deutschland. Wäre da nicht dieser entscheidende Satz:

„Der Abstand zur nächst höheren Gruppe hingegen muss so groß wie möglich sein, damit ein jeder die Aussichtslosigkeit, jemals dazu gehören zu können, einsieht, bevor auch nur der Wunsch danach erwacht.“

Hier kann man meines Erachtens nicht mehr von einer eindeutigen Stufe sprechen. Es ist eher ein größerer Bereich der Treppe, bei der es immer ein paar Stufen rauf und runter geht. Der wichtige Unterschied zu dem was ich beobachte ist jedoch, dass es bestimmte Menschen in dieser/m Stufe/Bereich gibt, die ständig angefixt und allzeit bereit gemacht werden für den Sprung nach oben. Ich meine wieder einmal die sog. Führungsschichten. Wenn man erfährt, dass selbst bis in diese Bereiche hinein mit austauschbaren Zeitarbeitskräften gearbeitet wird, bekommt man einen Eindruck davon, wie fließend diese Übergänge bereits sind (ein abstraktes Beispiel: 1. Szenario: Der Filialleiter hält das angestrebte Level nicht, die Mitarbeiter bekommen Gelegenheit aufzumucken sind oft krank und vieles wird schon durch den Filialleiter aufgefangen und kompensiert, das bleibt aber nicht lange unerkannt, der Filialleiter wird durch eine Zeitarbeitskraft ersetzt, findet keinen Vollzeitjob mehr als Verkäufer weil Verkäuferinnen ja viel billiger sind und stürzt ab. 2. Szenario: Der Filialleiter setzt die Ziele des Unternehmens knallhart und mit rücksichtslosem Ehrgeiz durch, Mitarbeiter die aufmucken werden ersetzt, die neuen Niedriglöhner mucken nicht auf und machen ihre Arbeit, der Filialleiter fällt damit im Unternehmen positiv auf, wird Bereichsleiter usw.).

Die ganze Medienmaschinerie säuselt uns ständig beide Seiten vor. Die sozialen Brennpunkte genauso wie die dekadenten Luxussphären. Die Menschen in der von mir differenzierten Gruppe, dürfen eben nur zwei Möglichkeiten haben:

MITSPIELEN ODER ABSTÜRZEN!

Also ist es wieder nur ein Gefühl dem wir unterliegen. Das Gefühl das unser Leben bestimmt:

ANGST

Als Methode anerkannt…

Die von der Politik und anderen Lobbygruppen viel umworbene „Mitte“ ist nicht nur begrifflich die Umschreibung für den mittleren Teil des Treppenhauses „Deutschland“, sondern auch die psychologische Masche einer gut funktionierenden Massensuggestion.
Die auf dem Dach sitzen lachen uns aus, sitzen uns platt, sitzen uns aus…
Es gibt keine Mitte in der Gesellschaft. Es wird nur denen, die scheinbar an der Schwelle nach oben stehen vorgemacht, es gäbe sie. Hoffnung ist das Gift … – aber das mit der Pandora hatten wir ja schon mehrfach! Hat das eigentlich jemand verstanden…?

Ich möchte aber noch eine andere wichtige Sache sichtbar machen:

viele Reaktionen auf diesen Paukenschlag zeigen mir ein erschreckendes Ausmaß an verinnerlichten Denkweisen. Das Erwähnen bloßer Visionen in einem Atemzug mit dem Ruf nach einem guten Märchenkönig, der mit starker Hand, alle in eine sichere und gesunde Zukunft führt, ist wahrhaft entlarvend. Es scheint, als ob die uns tatsächlich gut im Griff haben. Die Aussicht auf eine Revolution schwindet mit dem Nebel der Verklärung.
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Ich muss da mal was einwerfen – bevor ich wieder depressiv werde…

Trotzdem! Schön, dass sich einige wenigstens den Humor erhalten haben! Darum hier eine ausgesprochen unfaire Kommentarkommentierung (die waren aber auch echt zu gut!):

Hier ist meine TOP 5:

1. „Unsere Landwirte haben wenigstens noch Eier im Sack!“
Ja, aber da arbeitet RTL auch gerade schon dran (siehe Bauer sucht Frau)!


2. „Die sollten froh sein das so viele Jugendliche kiffen und saufen.“
Was glauben Sie denn warum die kapitalistische Welt Afghanistan besetzt hält? Seit der Besetzung ist der Anbau von Pflanzen zur Drogengewinnung rapide gestiegen!
Was gibt es da sonst zu holen? Da gibbet doch nix! Es gibt keine Infrastruktur keinen funktionierenden Staat keine funktionierende Gesellschaft. Also keinerlei Kontrolle. Da ist Disney World live, für kriminelle Organisationen. Schlaraffenland reloaded für Verbrecher und Bandenkrieger. Aber das ist wieder ein laaaanges und anderes Thema.


3. „(…) Obwohl er sicher keine Konten in der Schweiz hat.“
Wie bitte? Herr Bsirske hat noch kein Konto in der Schweiz? Da müssen wir aber mal rann!!!


4. „Sie sind im besten Alter (43 bis 54 Jahre) und sie finden keinen Job“
Na ja, wenn man mal so richtig überlegt…vor 100 Jahren oder so, sind die Menschen mit 54 gestorben. Da hatten wir nicht diese Probleme mit der Unterbringung und Verteilung…

5. „Im Vorfeld sind reichlich Eier aus Käfighaltung, genveränderte Tomaten und chinesische
Schuhe zu bevorzugen.“
Dem „Dicken“ hat das seinerzeit auch nicht beeindruckt. Der ist sogar noch auf die Eierwerfer losgegangen. Das zeigte damals schon eine gewisse Überzeugung und Verinnerlichung diese Ideologien bei unseren Führern. Herr von Ribbeck, die leuchtende Birne Helmut Kohl! Welch ein Witz der Geschichte, die hier zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurde. Moral und Ethik mit Häme überzogen und neu definiert. Im Alleingang mit ausgesessener Dickköpfigkeit durch die Parlamente. Und auch damals schon klagte ein Jeder: „Wer hat den eigentlich wieder gewählt???“ (psssst…das darf ich nicht verraten, darauf habe ich mein Ehrenwort gegeben…)

Und Tschüss!


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

mit großem Interesse habe ich Ihren neuesten "Paukenschlag" gelesen.

Meiner Ansicht nach wird es in Deutschland zu keinerlei Aufständen kommen, jedenfalls nicht gegen das System. Gut möglich, dass einzelne Bevölkerungsgruppen aufeinander gehen (bspw. abhängig Beschäftigte gegen Arbeitslosengeldempfänger, Deutsche gegen Ausländer), aber dass sich die unteren sozialen Schichten gegen die herrschende Klasse erheben, das glaube ich nicht. Die Masse hat die Hartz-Reformen geschluckt, die Masse hat die Steuermilliarden für die Bankster geschluckt, die Masse wird alles schlucken, was da noch kommen mag. Die, die schon ganz unten sind, haben keine Kraft mehr, sind deprimiert und ohne Selbstwertgefühl. Die, die noch abhängig beschäftigt sind, haben Angst, ihren Job zu verlieren oder wollen sich nicht mit den anderen solidarisieren, weil das schließlich Asoziale sind, die an ihrer Misere selber schuld haben.

Meine einzige Hoffnung sind andere europäische Länder, bspw. Griechenland oder Frankreich. Auch in den USA kann es durchaus zum großen Knall kommen, dort allerdings wird es wohl eher eine Bewegung von Rechts sein.

Mit freundlichen Grüßen

Ein Angehöriger des akademischen Prekariats und der Generation Praktikum

 

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Die Prognose für 2012/2013 setzt voraus, dass das Prekariat in den Hunger getrieben wird. Dies aber ist bei Fortführung der Steuer-, Wirtschafts- und Gesundheitspolitik und Einhaltung von Schuldenbremse und Maastricht-Kriterien gar nicht mehr vermeidbar. Den Aufschwung, den wir bräuchten, um Kaufkraft auf den Binnenmarkt zu bekommen wird es nicht geben, allenfalls nochmals einen Dumping-Aufschwung im Wettstreit mit den Chinesen um den Titel des Exportweltmeisters - aber der hilft wieder nur den Anteilseignern, nicht den Beschäftigten.

Dass sich womöglich Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzen lassen, ist eine berechtigte Befürchtung. Umso wichtiger ist es, jetzt, so lange noch Zeit ist, darauf hinzuweisen, dass nicht jedes an die Wand gemalte Feindbild ernst genommen werden darf, wenn man nicht der alten Herrschaftsweisheit 'divide et impera!' zum Opfer fallen will.
 


Lieber Herr Kreutzer,

diesen Paukenschlag von Ihnen habe ich schon lange Zeit befürchtet, denn ich wusste, er wird eines Tages kommen und meine Sicht der Lage bestätigen.

In der Tat sehe ich schon lange ein stetig wachsendes Potenzial für Unruhen/Aufstände in unserem Land, weil unsere "Elite" sich mittlerweile ein Macht- und Wohlstandskonstrukt geschaffen hat, dem mit demokratischen Mitteln kaum mehr zu begegnen ist. Eigentlich bin ich sogar verwundert darüber, dass es nicht schon längst geschehen ist. Ja, sogar das Entstehen einer "RAF 2.0" halte ich leider für möglich.

Ich denke zwar, dass ein Volksaufstand, falls er denn so stattfände wie anno 1989, in der derzeitigen Situation nicht notwendigerweise schlecht für uns alle wäre. Meine Befürchtung ist jedoch, dass die damalig friedlichen Demonstranten, da nun zum zweiten Mal verraten und verkauft, beim nächsten Mal ihren Protest entsprechend massiver zum Ausdruck bringen und der Aufstand in Gewalt eskaliert, von der sich dann logischerweise auch die Bewohner der alten Bundesländer anstecken lassen. Nochmals wird man sich gewiss nicht mehr mit der Vision von blühenden Landschaften einlullen lassen. Und Gott sei uns gnädig, wenn sich dann die falsche Person als An-"Führer" erhebt.

Lassen Sie uns gemeinsam hoffen, dass ggf. alles gewaltlos, möglichst demokratisch und schnell abläuft. Zu verhindern ist der Aufstand meines Erachtens angesichts der Unbelehrbarkeit unserer Politiker nur noch schwerlich. Aber hin und wieder sollen ja auch Wunder geschehen.

Mit besorgten Grüßen


Jawohl, so seh' ich das auch!

Mit schönen Sprüchen läßt sich da nichts bewerkstelligen.

Die Jungen müssen mitbekommen, dass sie, wenn nicht auf dem Gipfel geboren, wie Sisyphos nie eine Chance haben werden, den Gipfel zu erklimmen,

ja, dass selbst die Mittelstation für die Meisten nicht mehr erreichbar ist. Sie müssen sich bündeln und artikulieren. Solche Plattformen wie die neu gegründete "Solidarische Moderne" find ich nicht schlecht, weil sich da viel übergreifendes Know How konzentriert und jetzt schon aus allen "Rohren" mächtig dagegen geschossen wird.

Die größte Gefahr sind allerdings "terroristische" Einzelkämpfer. :-))

 :-)) mehr?

So können durchaus auch ältere Menschen, die nichts mehr zu verlieren haben, an den Verantwortlichen Exempel statuieren. Im Vorfeld sind reichlich Eier aus Käfighaltung, genveränderte Tomaten und chinesische Schuhe zu bevorzugen. (Die gewerkschaftliche Trillerpfeife ist dagegen als wirkungslos einzustufen.)

Jedenfalls verusacht das bei den "Brüdern" die meiste Angst und läßt sich kaum kontrollieren. Um dem zu begegnen, wird von den "Strippenziehern" das "Feindbild" über die öffentlichen Medien massiv auf andere gesellschaftliche Gruppen gelenkt: Prekär Beschäftigte gegen Hartz IV-ler, Alte gegen Junge, Deutsche gegen Ausländer usw. Man bietet der aufgestauten Agression sozusagen potentielle Opfer und bringt sich damit selbst aus der 'Wurflinie'.

Also, wenn ein Hartz IV Empfänger wirklich leidet und wie zuletzt im Bayrischen Fernsehen von der "Münchener Runde" so an den Pranger gestellt wird, dann könnte doch eigentlich mit einer ganz einfachen, kurze Frage an die Herren Blom und Henkel Klarheit geschaffen werden:

"Haben Sie sofort 3 Millionen
ordentlich bezahlte dauerhafte Vollzeit-Jobs?"


"Nein? Dann sollte ich Ihnen eigentlich die "Fresse polieren", damit Sie sich als 'Leistungsträger' mehr anstrengen und uns Arbeit beschaffen, oder einfach nur das Maul halten!"


(...)


Danke, für die wieder einmal sehr anregende Lektüre.

Das ist wirklich ein sehr komplexes Thema. Einige weitere Punkte sind meines Erachtens in diesem Zusammenhang wichtig:

  1. Es gibt derzeit keine Vision, wohin ein Aufstand führen soll. Keine gesellschaftliche Vision. So kann es nicht zu einer zielgerichteten Bewegung kommen und vereinzelte Revolten können schnell niedergeschlagen werden. Zudem kann sich ohne Vision nur zerstörerische Kraft entwickeln ("gegen alles").
    Früher gab es Marx und die kommunistische Zukunftsvision oder 1989 wenigstens die Aussicht auf Westgeld.
  2. Es braucht einen "Führer". Ich setzte das mal in Anführungsstriche, da in der dt. Geschichte der Begriff schon ziemlich negativ personifiziert ist. Aber wie man das Kind auch nennt, es braucht eine Persönlichkeit, die als Kondensationskeim dient und eine Richtung vorgeben kann. Wenn man genau beobachtet, sind viele Gesetze der jüngsten Vergangenheit dazu gemacht, solche "Rädelsführer" schnell aus dem Verkehr ziehen zu können. Irgend ein nichtiger Gesetzesbruch findet sich schon, um diese renitenten Persönlichkeiten wirtschaftlich, sozial und wenn nicht anders auch strafrechtlich erledigen zu können. (KiPo, Urheberrechtsverletzungen usw.; nach der aktuellen Gesetzeslage kann man bequem vieles unterschieben)
  3. Dass der westdeutsche Kapitalismus vor 1989 wesentlich sozialer war als jetzt und der Sozialabbau mit der Wiedervereinigung anfing, ist ganz bestimmt kein Zufall. Als es kommunistische Zukunftsvision noch gab, musste man sich hier benehmen. Um eben die Aufstandswahrscheinlichkeit niedrig zu halten. Als der Ostblock verschwand, war diese Notwendigkeit eben nicht mehr gegeben.

Just my 2 cent

viele Grüße aus dem verschneiten Ilmenau


Hallo Hr. Kreutzer,

sehr deprimierend finde ich die Perspektive, die sich aus Ihrer heutigen Darstellung ergibt. Obwohl ich zugeben muss, dass ich auch in etwa so darüber denke, wie Sie es dargestellt haben. Man fragt sich, warum unternimmt eigentlich niemand etwas?

Und genau da fängt das Problem an: Was bitte soll man denn gegen wen bitte unternehmen ? Der Feinde sind´s gar viele, aber alle ohne konkretes Gesicht, oder mit viel zu vielen Gesichtern. Und wenn man dann mal einen konkret im Focus hat, gegen den man aufstehen könnte und lautstark verlangen könnte, ihn zur Rechenschaft zu ziehen und das auch durchzuziehen -zack- schon kommt die nächste, noch größere und noch dreistere Schweinerei ans Tageslicht und dann die nächste und die übernächste. So ganz nebenbei werden wieder Dutzende von Gesetzen und Verordnungen zu unser aller Schaden wirksam, werden einzelne verbale Attacken auf unsere soziale Absicherung und unsere Bürgerechte gefahren und das dann in immer schnellerer Folge. Das Bombardement nimmt kein Ende, die Katastrophen und die Krisen geben sich die Klinke in die Hand und das Tempo steigt immer weiter an.

Langsam stellt sich das Gefühl ein, man befindet sich in einem Schwarm Piranhas und immer wenn man wieder von einem dieser Raubtierchen ein Stück herausgerissen bekommt, wendet man sich um und versucht ihn zu erwischen und ihm den Hals rumzudrehen, aber schon ist er ausser Reichweite und der nächste Biss ist schon erfolgt, nur an einer anderen Stelle. Das ermüdet und erschöpft die persönlichen Gegenwehr-Ressourcen sehr.

Ein "Aufstand" - obwohl ich mir den nur in meinen Ohnmachtsphantasien wünsche - kann nur von den "Jungen" kommen. Wie sollten denn Leute, die schon ein dreiviertel Leben lang auf dieser Achterbahn herumgeschubst werden, die Kraft haben solche "Kämpfe" auf Dauer durchzustehen?

Es wird ja auch sehr geschickt alles eingeleitet. Und dazu braucht es noch nicht einmal einer Verschwörung: Man muss es nur tolerieren resp. fördern, dass jeder nach der Maxime: "Mir zuerst und möglichst Alles" handelt, dann bekommt man so einen Haufen raffgieriger, unsolidarischer Schweinehunde wie den, (...) schnell zusammen. Und wer hat Schuld ?

Tja, da wirds dann eher etwas unangenehm... Denn Schuld ist jeder Depp, der sich seine (...) auch noch selber gewählt hat, und das ist nun mal leider Gottes der größte Teil der Bevölkerung gewesen, zumindest von denen die überhaupt gewählt haben.

Da wäre doch auch ein Ansatz:

  1. Alle müssen wählen gehen.
  2. Wahlkampf wird verboten, oder zumindest fest und gerecht reglementiert, so daß er theoretisch für jeden möglich ist.
  3. Parteispenden werden verboten, ausser Mitgliedsbeiträge und staatliche Zuschüsse gibts nix.
  4. Gewählte Politiker werden für Ihre Versprechen persönlich in die Haftung genommen.
  5. Lobbyismus wird gesetzlich verboten.
  6. Polittalk-Shows werden gesetzlich verboten.
  7. Die Medien dürfen 2 Monate vor der Wahl keinerlei politische Sendungen mehr bringen.
  8. Jeder Bürger wird schriftlich direkt von den Kandiaten perönlich über seine Ziele informiert und unterschreibt damit so eine Art Vertrag. für den er haftbar gemacht werden kann.

Dann würd die Rumlügerei bis sich die Balken biegen vielleicht auch mal aufhören oder zumindest auf ein erträgliches Maß schrumpfen. Dann brauchen wir keinen "Aufstand", dann ist recht schnell ein völlig anderes "Regieren" angesagt.

Ausserdem glaube ich, in dem Zustand in dem sich diese Gesellschaft befindet, wird ein Aufstand ganz schnell niedergeschlagen werden, und zwar höchstwahrscheinlich auch noch mit Hilfe und Unterstützung der Bevölkerung. Warum? Weil der größte Teil der Bevölkerung sowas gar nicht will. Deutschland halt. Das wird hier nichts, und schon gar nicht 2012 oder 2013. Egal wie wichtig und richtig das theoretisch auch sein mag.

Schade, aber so ist es.
Viele Grüße


Wäre Deutschland noch ein Bauernstaat, wäre dieser Punkt schon erreicht!
Unsere Landwirte haben wenigstens noch Eier im Sack.

Habe letztens im Focus einen Arikel über den explosionsartigen Anstieg linker Gewalt gelesen. Mich wundert es nicht, dass junge Menschen zu solchen Mitteln greifen. Das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber den relevanten Entscheidungsinstanzen schlägt bei immer mehr Menschen um in Wut und Hass auf jene.

Und darüber wundern sich dann noch die Politiker.
Die sollten froh sein das so viele Jugendliche kiffen und saufen. Würden sie das nicht tun bekämen die Beamten, die unser System schützen, noch viel mehr Probleme.
Was für eine Motivation sollen Jugendliche denn kriegen wenn sie sehen wie die Werte ehrlicher Arbeit zerfallen und die Grossen im Spiel auch noch das (Steuer-) Geld für die 'Rettung des Kapitalismus´ auf den Kopf hauen.
Und dabei noch dämlich grinsend sagen: "ja das war richtig so....klug aus der Krise...blablabla"
Glauben die wirklich, dass das alles noch lange gut geht?

mfg und danke für ihre Arbeit


hi,

wer sich schon mal gefragt hat, wo Steuergeschenke an Kapital und Unternehmen in Zeiten klammer - oder nicht klammer - Kassen herkommen:

Bund, Länder und Gemeinden hatten 1991 noch 4,36 Mio. Vollzeitbeschäftigte.
Bund, Länder und Gemeinden hatten 2008 nur noch 2,50 Mio. Vollzeitbeschäftigte.

Das ist ein Rückgang um 1,86 Mio. Vollzeitbeschäftigte oder 42,/%.

Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten stieg von 1991 0,87 Mio. nur gering auf 1,11 Mio.

Nur einmal den Rückgang der Vollzeitbeschäftigen betrachtend, ergibt sich bei der Annahme von einem Jahreslohn von - grob angenommen -100.000 € einschl. aller nötigen Rücklagen, ein Einsparpotential von:

Jahr Vollzeitb. eingesp. Mio Ausgaben gespart Mrd. €
1992 0,06 6
1993 0,22 22
1994 0,19 19
1995 0,13 13
1996 0,09 9
1997 0,09 9
1998 0,11 11
1999 0,13 13
2000 0,12 12
2001 0,10 10
2002 0,12 12
2003 0,06 6
2004 0,11 11
2005 0,11 11
2006 0,05 5
2007 0,11 11
2008 0,03 3

berechnet nach: NDS1-2010, S. 6 - Quelle: Statistisches Bundesamt

Es ergibt sich - geschätzt, aber in den Größenordnungen sicher richtig - eine Einsparung von 1991-2008 von ca.173 Milliarden €. - unglaublich!

..., und diese Milliarden wurden als Steuergeschenke an Kapital und Unternehmen über Wirtschafttssteuerreformen weitergereicht:

- Schröder-Fischer ---- jährlich mind. 11. Mrd. €
- Merkel-Münte ------- jährlich mind. 11. Mrd. €
- Merkel-Westerwelle --- Konjunkturförderung ? Milliarden €

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Die Zahlen des Stellenabbaus sind erschreckend. Das angenommene Durchschnittsentgelt, incl. aller Lohnnebenkosten und den Kosten der Arbeitsplatzbereitstellung erscheint zu hoch, da über die Jahre doch hauptsächlich die unteren Einkommensgruppen von den Einsparungen betroffen waren. Die Gesamtsumme von 173 Milliarden ist dennoch noch viel zu niedrig angesetzt, weil die Einsparungen des ersten Jahres ja im zweiten und allen weiteren Jahren immer noch eingespart werden. Halbiert man die Kosten pro Stelle auf 50.000 Euro jährlich und kumuliert die Einsparungen über den gesamten Zeitraum, sieht die Tabelle so aus:

Jahr Vollzeitb. eingesp. Mio Ausgaben jährlich gespart Mrd. € GESAMT


1992 0,06 3
---------------------------3,0
1993 0,22 11+3=
14-----------------17,0
1994 0,19 9,5+14=23,5
------------40,5
1995 0,13 6,5+23,5=30
------------70,5
1996 0,09 4,5+30=34,5
-----------105,0
1997 0,09 4,5+30=39
-------------144,0
1998 0,11 5,5+39=44,5
-----------188,5
1999 0,13 6,5+44,5=51
---------- 239,5
2000 0,12 6+51=57
---------------296,5
2001 0,10 5+57=62
---------------358,5
2002 0,12 6+62=68
---------------426,5
2003 0,06 3+68=71
----------------497,5
2004 0,11 5,5+71=76,5
-----------574,0
2005 0,11 5,5+76,5=82
-----------656,0
2006 0,05 2,5+82=84,5
-----------740,5
2007 0,11 5,5+84,5=90
-----------830,5
2008 0,03 1,5+90=91,5
-----------922,0

Es ergibt sich - geschätzt, aber in den Größenordnungen sicher richtig - eine Einsparung von 1991-2008 von ca.922 Milliarden €. - unglaublich!
Und bis heute dürfte die Billion schon überschritten sein.


Grüß Gott Herr Kreutzer,

da bin ich mal wieder - voller Zustimmung! Leider hatte ich Ihre letzten Veröffentlichungen nicht gelesen, da ich mein Leben beruflich veränderte und insgesamt wenig Zeit hatte. Ich will mir auch mehr Freiräume schaffen, weil ich mehr Zeit für Aufklärung haben möchte. So bin ich aus meinem geliebten Schwabing nach Steinhausen in ein 1 Zi Appartement gezogen, um Kosten zu reduzieren. Zum Jahreswechsel verzichtete ich auf den § 34 d (Versicherungen) und § 2 KWG, um mich frei zu machen. Vermutlich können Sie nachvollziehen, dass ich gem. meinen Einstellungen nicht mehr hinter meinem beruflichen Tun stehen konnte. Ich mochte einfach nicht mehr!

Ich erkenne mich in Ihren Ausführungen wieder, denn ich kämpfe wie nie zuvor für mein wirtschaftliches Überleben. Ich arbeite nicht mehr als Finanzberater, sattelte um auf Makler für Immobilien, was ich als angenehmer empfinde, auch wenn die Einnahmen schmerzlich gesunken sind.

Doch zum Thema: Schon lange wunderte ich mich darüber, dass es an den Unis so ruhig ist. Ich führte das immer darauf zurück, dass es heute für die jungen Leute einfach zu gefährlich ist, denn eine Laufbahn ist schnell zerstört. Umso mehr überraschten und erfreuten mich die Studentenproteste der zurückliegenden Wochen und Monate. Studenten und Studentinnen leben tatsächlich noch!

Wie Sie das Szenario „Deutschland“ beschreiben, finde ich sehr, sehr gelungen. Ich denke auch, dass es nur noch zwei bis drei Jahre gut gehen kann. Ich kenne viele Menschen, die so richtig genug haben, das System durchaus durchschauen und eigentlich nur nicht wissen, was man am besten dagegen unternehmen kann. Einige Freunde von mir, darunter auch Akademiker, werden einfach nicht mehr gebraucht. Sie sind Opfer von Rationalisierungen geworden, oder ein Jobwechsel hat nicht geklappt. Sie sind im besten Alter (43 bis 54 Jahre) und sie finden keinen Job, zwei seit Jahren nicht, trotz unzähliger Bewerbungen. Was nutzt das Geschrei um Bildung, wenn der Arbeitsmarkt gut ausgebildete Menschen nicht braucht? Bildung garantiert weder einen Job noch Wohlstand. Harz-IV verschont auch Akademiker nicht. Trotzdem kann ich mir solche Leute einfach nicht in einem Bürgerkrieg vorstellen.

Ob das Szenario „Deutschland“ noch zu verhindern ist? Niemand weiß das heute, aber nichts wünschte ich mir mehr. Im Übrigen, lieber Herr Kreutzer, bin ich nicht mehr so ungeduldig, im Gegenteil! Ich bin sehr sanft und verständnisvoll geworden, dennoch hart in der Sache. Dieses System kann man nicht umstürzen, aufhalten oder mit den Mitteln bekämpfen, die das System gegen die Menschen verwendet. Vielmehr wird es wohl nur zu stoppen sein, wenn viele Menschen aufgeklärt werden, was eigentlich schief läuft. Wenn verstanden wird, dass es nicht um Verschwörung geht, nicht um irgendwelche Politiker oder Geheimbünde, sondern die Misere schlichtere Ursachen hat, denke ich, dass vieles bewegt werden kann. Es ist kein Bürgerkrieg notwendig, es muss kein Blut fließen, wenn nur genug Menschen verstehen, was sie sofort dagegen tun können.

Ich muss nicht beschreiben was andere besser können. Ein guter Anfang ist das Schlusswort von Herrn Prof. Wolfgang Berger auf Youtube (http://www.youtube.com/watch?v=1fQWWYIFh9c ). Zusammenhänge zu verstehen ist ausschlaggebend, Prof. Bergers Beiträge auf Youtube sind dazu wirklich gut geeignet. Es lohnt sich!


Mit freundlichen Grüßen


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

herzlichen Glückwunsch zu diesem 5-Sterne-Paukenschlag. Eine Bemerkung zu diesem deutschlandlastigen Paukenschlag möchte ich mir noch erlauben:

Der globale Kapitalismus ist ein weltweites System und es ist derzeit noch nicht absehbar, was passiert, wenn ein Stein aus diesem System herausbricht. Der Abbau der Grenzbefestigungen an der ungarischen Westgrenze im Sommer 1989 war ursprünglich als Sparmaßnahme geplant, hat aber letztendlich den gesamten Ostblock ins Wanken gebracht. In diesem Jahrhundert hat die Weltwirtschaft bereits zwei Staatsbankrotte (Argentinien 2002 und Island 2008) überstanden, aber es ist noch nicht absehbar, was eine Krise in den Kernstaaten Großbritannien und USA für das Weltfinanzsystem bedeuten würde.

Wenn es irgendwelche Aufstände geben sollte, dann werden diese höchstwahrscheinlich zuerst in anderen Staaten, aber nicht in Deutschland, ausbrechen. In Großbritannien und den USA scheint der Leidensdruck derzeit am höchsten zu sein, zumal es in den USA zahlreiche
gut ausgebildete und bis an die Zähne bewaffnete ehemalige Soldaten gibt. Ohne Nahrungsmittelgutscheine (Food Stamps) gäbe es in den USA vermutlich längst bewaffnete Aufstände und Plünderungen.

In Großbritannien wird am 3. Juni 2010 ein neues Unterhaus gewählt, dann wird vermutlich eine konservative Regierung den gigantischen Schuldenberg verwalten. Möglicherweise geht es bei der Schuldenausweitung ebenso wie im Ersten Weltkrieg darum, welches Land
die stärksten finanziellen Reserven besitzt und deshalb im Weltfinanzkrieg am längsten durchhalten kann.

Mit besten Grüßen


Das war wahrlich ein Paukenschlag, Herr Kreutzer.

Ich bin ein Aufstocker. Selbständig, aber es reicht nicht. 56 Jahre alt. Vergrößern, um zu wachsen? Kredite aufnehmen? Keine Motivation mehr, angesichts dieses korrupten Staates.
Zum Leben zu wenig, zum Sterben...?

Also nahm ich das "Angebot", nämlich die staatliche "Versklavung" an.
Bin mir bewußt, das ich mein Maul halten muß, sehr bewußt. Ich habe in den vergangenen Jahren noch Goldene Zeiten erlebt, aber so dumm wie ich war, den Zug in ein anderes, weit entferntes Land verpasst. Jetzt fühle ich mich eingesperrt und unbeweglich. Ich bin durch diesen Paukenschlag sehr berührt und kann nicht verstehen, daß es immer noch eine bedeutende Anzahl von Gutmenschen gibt, die immer noch nichts, aber auch garnichts begriffen haben. Ein wirklich guter Freund von mir ist nach Südamerika ausgewandert. Er hat mich gestern noch gemahnt ihm zu folgen. Ja, kommen da nicht Erinnerungen auf? Manche hatten damals die richtige Intuition.

schönen Gruß

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

ein erheblicher Niedriglohnbeschleuniger wird erstaunlicherweise nie erwähnt, nämlich die öffentliche Hand, die mittelbar alle Auftragsempfänger dazu zwingt, immer noch billiger auf Kosten der Beschäftigten anzubieten.

Das “missing link” vieler Mißstände ist der selbst steuerbefreite und gehaltsgesicherte Brüsseler Apparat. Gestern sah ich einen Bericht über ungerecht behandelte hessische Busfahrer: während Altangestellte in städtischen Diensten ein auskömmliches Gehalt, angemessene Zuschläge und Pausen erhielten, mußten später Eingestellte für Tochterfirmen zu Niedriglöhnen in längeren Stunden dieselben Fahrten gleichzeitig erledigen. Der Leiter des städtischen Tochterbetriebes meinte achselzuckend: sonst könne er ja im Wettbewerb nicht bestehen.

Was ist das für ein Wettbewerb? Das ist eine allgemeine “Ausschreibungspflicht”. Justizbehörden sind durch “Vergaberichtlinien” gezwungen, Postbeförderungsaufträge an holländische Billigheimer zu vergeben, die ihre Rendite durch Hartz IV - Aufstocker auf unser aller Steuerzahlers Kosten erwirtschaften. Und was macht unsere große SPD- und europakapitalismushörige Gewerkschaft “verdi”? Herr Bsirske hält es für die Lösung, daß die zu alten Tarifen Eingestellten sich schlechter stellen lassen, um den in die Billigarbeit Gedrückten ein bißchen aufzuhelfen. Aus dessen Munde war es wie ein Schlag in die Magengrube: selbst der ist anscheinend zu feige, um sich mit denen anzulegen. Obwohl er sicher keine Konten in der Schweiz hat.

In jedem Vergabeverfahren muß der Antragsteller einen Beleg bringen, daß er auch ja bis auf den letzten Pfennig jede Umweltsonderabgabe gezahlt hat und in seinem Betrieb alle Kloschüsseln auf der richtigen Höhe hängen. Warum darf unser Staat nicht verlangen, daß den Auftrag nur erhält, wer die Arbeitskräfte anständig bezahlt, und zwar nach deutschem Standard? Ach so, das wäre ja eine Besserstellung gegenüber denen, deren Staaten sich jetzt schon um nichts scheren.

Die Linke sagt auch nichts, obwohl die eigentlich Marx gelesen haben sollten. Und obwohl sie nie in der Energiewirtschaft anheuern werden.

Grüße aus Berlin

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