Paukenschlag am Donnerstag
No. 49/2010
vom 9.12.2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Warum es fast allen immer schlechter geht

 
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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
46 nicht belegt
47 Too big to fail
48 nicht belegt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Warum es
fast allen
immer schlechter geht

 

Vorrede

Man sollte meinen, als es nur Adam und Eva auf der Welt gab, gleich nach der Vertreibung aus dem Paradies, hätte die ganze Last des Lebensunterhalts auf gerade einmal zwei Menschen gelegen. Zwei Menschen, die weit von jeder Spezialisierung entfernt waren, die praktisch jeden Handgriff neu erfinden mussten und daher wohl den ganzen Tag damit zuzubringen hatten, wenigstens das Notwendigste zu erledigen.

Nun, die Bibel ist das eine, die tatsächliche Entwicklung der Menschheit ist das andere. Wie aus einer Horde Affen allmählich eine Gruppe von Menschen wurde, ist von der Wissenschaft immer noch nicht im Detail ergründet, schon gar nicht belegt, doch spielt dies für unsere Überlegung praktisch keine Rolle.

Wir wissen es aus der jüngeren und gut belegten Geschichte, dass die Produktivität einer Gesellschaft mit dem Maß ihrer Spezialisierung wächst.

Wo jeder alles selbst können muss, weil arbeitsteiliges Wirtschaften nur unvollkommen entwickelt ist, wird die Produktivität zwangsläufig niedrig bleiben. Ein schönes Beispiel dafür finden wir gerade da, wo das Gegenteil gepredigt wird:

Der Do-it-yourself-Boom unserer Tage

verschafft dem Laien zwischen den Regalen im Baumarkt zwar die überhebliche Überzeugung, sich alleine durch den Kauf von kleinen Maschinen und geeigneten Materialien alle Mühen und Erfahrungen gleich mehrerer dreijähriger Lehrzeiten ersparen zu können, verhilft aber meist nur dazu, eine einmalig auftretende Aufgabe mit einem vollkommenen unangemessenen Aufwand an Zeit und Material bestenfalls einigermaßen zufriedenstellend zu lösen.

Dass professionelle Handwerker sich so mancher kleinen Aufgabe gar nicht erst annehmen wollen, besagt nicht, dass der gelernte Handwerker die Arbeit nicht weitaus besser und schneller erledigen könnte. Die Ursache liegt darin, dass sich das Handwerk - zum Teil gezwungen durch Gesetze und Vorschriften, zum Teil motiviert durch ein ausgeprägtes Gewinnstreben - so organisiert hat, dass kleine Aufträge gar nicht mehr kostendeckend ausgeführt werden können.

Wo noch vor 80 Jahren der Lehrling des Malergeschäfts mit dem Handkarren alleine losgeschickt wurde, um eine Tür oder ein Fenster zu streichen, weil das am Abend vorher im Wirtshaus zwischen dem Malermeister und seinem Nachbarn so verabredet worden war, verursacht heute alleine die Anfertigung eines Kostenvoranschlags mehr Aufwand, als die Ausführung der Arbeit, An- und Abfahrt des zur rollenden Werkstatt ausgebauten großen Kleintransporters noch gar nicht mitgerechnet.

Dies musste in der Vorrede erwähnt werden, um zu vermeiden, dass die Erinnerung an den letzten Versuch, einen Handwerker zu beschäftigen, zur voreiligen Ablehnung der weiteren Argumentation führt.

 

 

Die vermeintlichen
und
die tatsächlichen Folgen der Spezialisierung

 

Vermeintlich bringt Spezialisierung entweder die Verminderung des Gesamtaufwandes bei gleich bleibendem Ergebnis hervor, oder das Ergebnis wird, bei gleich bleibendem Aufwand, quantitativ größer bzw. qualitativ besser.

Vermeintlich sollte es also mit wachsender Bevölkerung möglich werden, durch immer weiter fortschreitende und exzellent beherrschte Spezialisierung, die Versorgung einer Gesellschaft mit allen notwendigen und mit allen überflüssigen Gütern immer leichter und immer besser zu bewerkstelligen.

Ein Schlaraffenland der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten des Konsums oder ein Schlaraffenland der nahezu unbegrenzten Freiheit, in einer Welt, in der für den nötigen Lebensunterhalt mit geringstem Aufwand gesorgt ist.

Vermeintlich sollte jeder zusätzliche Mensch, der sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist, dazu beitragen, dass Wohlstand und Überfluss der gesamten Menschheit noch ein kleines Stück weit wachsen, während gleichzeitig der Ressourcenverbrauch immer geringer wird.

 

Tatsächlich beobachten wir Gegenteiliges.

Mit zunehmender Spezialisierung und Optimierung der Produktionsprozesse sinkt der Wohlstand der Bevölkerung. Die Arbeitslosigkeit nimmt zu, die Sozialsysteme geraten an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Trotz aller gegenteiligen offiziellen Verlautbarungen wächst die Zahl der jungen Menschen stetig, die sich mit dem Abschluss von Schule oder Studium als überflüssig ansehen müssen, weil niemand sie beschäftigen will, und das, obwohl seit vielen Jahren immer weniger Kinder geboren werden.

Das Geschrei nach ausländischen Fachkräften erinnert an die Bilder von Salvadore Dali. Eine surrealistische Darbietung der Polit-Fachkräfte, an denen sonderbarerweise kein erkennbarer Mangel herrscht. Rüttgers, mit seiner vielgeschmähten Kampagne: "Kinder statt Inder" wurde zu Recht geschmäht, denn er hätte "Bildung und Ausbildung" fordern müssen. "Bildung und Ausbildung statt Inder", mit diesem Slogan wäre sein Wahlkampf weder in den Ruch der Fremdenfeindlichkeit und des Rassismus geraten, noch hätte er - vor dem Hintergrund wachsender Jugendarbeitslosigkeit - so manchem nachdenklichen Zeitgenossen als "blühender Unsinn" erscheinen können.

Worauf aber beruht der elementare Unterschied zwischen den vermeintlichen und den tatsächlichen Folgen der Spezialisierung?

Ein Teil des Phänomens trägt den Namen: "Gesättigte Märkte"

 

Warum so manche Märkte
trotz Mangel und Armut
als gesättigt gelten

Die Betriebswirtschaftslehre tritt hier als Bärenführer der Volkswirtschaftslehre auf und kehrt Begriffe einfach um.

Kann ein Unternehmen in einem bestimmten Markt, wobei der Markt durch Region und Branche/Produkt umschrieben ist, nur noch gering wachsende, stagnierende oder gar rückläufige Umsätze erwirtschaften, und stellt sich heraus, dass der Wettbewerb auf dem gleichen Markt vor den gleichen Problemen steht, hängt man dem Markt das Etikett "gesättigt" an und versucht sein Glück anderweitig.

Das Mädchen mit den Zündhölzern, das im Märchen hungrig und frierend in der Kälte einer Weihnachtsnacht sein Leben aushauchen durfte, galt den Schustern und Schneidern, den Wirten und Badern, den Vermietern und Gemüsehändlern, den Metzgern und Bäckern ihres Umfelds als "gesättigter Markt".

  • Nicht weil es satt gewesen wäre, es ist ja vermutlich verhungert,
  • nicht dass es warm angezogen gewesen wäre, es ist ja möglicherweise erfroren, bevor es verhungern konnte,
  • nicht dass es ein Dach über dem Kopf, feste Schuhe an den Füßen und Vertrauen in eine gesicherte Zukunft gehabt hätte - dies alles fehlte dem Mädchen mit den Zündhölzern,
nein, Hunger, Not und Mangel spielen in den Lehrbüchern der Betriebswirtschaft keine Rolle. Es sind Kategorien, die im Spannungsfeld zwischen Ladenkasse und Bilanzgewinn nicht vorkommen und nicht wahrgenommen werden. Wahrgenommen wird lediglich, dass das Mädchen mit den Zündhölzern allen Werbekampagnen trotzt und in klassischer Konsumverweigerungshaltung nichts zum Umsatz- und Gewinnwachstum beiträgt.

Der logische Schluss, dass es folglich gesättigt, gekleidet und in jeder Hinsicht wohl versorgt gewesen sein müsse, ist so surreal wie die Vorstellung, wir bräuchten im Angesicht mehrerer Millionen gezählter und ungezählter eigener Arbeitsloser dringend ausländische Fachkräfte.

Ein Markt ohne Wachstum ist im Sinne der reinen Lehre gesättigt, auch wenn die Menschen Hunger leiden.

 

Nun tritt die Volkswirtschaftslehre, von den Betriebswirtschaftlern am eisernen Nasenring geführt, auf den Plan, erkennt die Diskrepanz, und rät zu Lohnverzicht und zur Senkung der Lohnnebenkosten, was aber letztlich das Gleiche ist.

Wenn, so die kühne Vermutung der Gleichgewichtstheoretiker, das Brot zu teuer ist, so liegt das an den zu hohen Löhnen. Sinken die Löhne, sinken auch die Preise, mehr Menschen können sich wieder Brot leisten, die Bäckereien florieren, arbeitslose Bäcker finden wieder Arbeit, der Markt, der gesättigt erschien, blüht in neuem Wachstum auf.

Die Botschaft ertönt in Deutschland seit mehr als 20 Jahren. Politik und Wirtschaft wetteifern, wer in der Umsetzung die Weichen am elegantesten stellt. Selbst die Gewerkschaften sind von den Theorien, mit denen man sie und ihre Mitglieder ruhig stellen will, überzeugt und verweigern sich der vaterländischen Pflicht zur Lohnzurückhaltung nicht. Die Summe der gezahlten Löhne ist, gemessen an der Kaufkraft, seit 20 Jahren rückläufig.

 

 

Warum die Märkte
trotz Lohnverzicht
trotz Niedriglohnsektor
trotz Verzicht auf Arbeitnehmerrechte
trotz Agenda 2010 und Hartz-Gesetzen
einfach nicht wieder ins Blühen kommen

 

Es gibt eine einfache Erklärung:

Je weniger die Beschäftigten verdienen, desto weniger können sie sich leisten.
Durch Lohnverzicht finanzierte Preissenkungen verändern das Verhältnis von Angebot zu Nachfrage nicht. Folglich bleibt der Markt - auf niedrigerem Niveau - gesättigt.

 

 

Es gibt aber auch eine kompliziertere Erklärung:

Es lohnt sich einfach nicht.

 

Wirtschaft strebt Gewinne an.

Jedes Unternehmen, das vom zuständigen Finanzamt nicht als "Hobby" oder "Liebhaberei" des Unternehmers eingestuft werden soll, was verheerende steuerliche Folgen hätte, muss - zumindest auf mittlere Sicht - seine Gewinnorientierung durch tatsächliche Gewinnerzielung unter Beweis stellen.

So segnet und erzwingt der Staat, schon alleine durch die Steuergesetzgebung, die Weigerung der Wirtschaft, den tatsächlichen Bedarf der Menschen zu decken, sobald ein Markt - mangels Umsatz - als "gesättigt" angesehen wird.

Doch der Staat ist nicht der Urheber - er ist nur stiller Diener dieses Systems.

Eines verrückten, surrealen Systems, das seine Daseinsberechtigung nur aus der Gewinnerzielung und Vermögensmehrung bezieht. Ein System, das im Steuerrecht abgebildet ist, indem der erzielte Gewinn einer Periode durch Vermögensvergleich zu ermitteln ist. Fällt der Vermögensvergleich über mehrere Jahre negativ aus, ist das Unternehmen also nicht am Ende jedes Jahres reicher als am Anfang des Jahres, wird die Gewinnerzielungsabsicht bestritten - mit allen verheerenden steuerlichen Folgen.

Die Sache hat allerdings einen Haken:

Jeder Gewinn, der erwirtschaftet wird, bedeutet zwangsläufig, dass die in Geld gemessenen Umsätze eines Unternehmens unter dem Strich höher gewesen sein müssen, als die zur Umsatzerzielung erforderlichen Kosten, dass also, vereinfacht ausgedrückt, mehr Geld eingenommen wurde als ausgegeben werden musste.

Das wiederum bedeutet, dass diejenigen, die für das Unternehmen geleistet haben - ob es sich nun um Mitarbeiter, um Lieferanten oder um die aus Steuern und Abgaben bezahlten staatlichen Stellen handelt - alle miteinander nicht in der Lage waren, die Produkte des Unternehmens vollständig abzunehmen.

Das spielt keine Rolle, heißt es, das gleicht sich aus, es gibt ja so viele Unternehmen, und manche gehen auch pleite, haben also mehr ausgegeben, als eingenommen, und dann muss man es über die Zeit betrachten, heißt es, und die Renten berücksichtigen, und, und, und so weiter.

Da lässt man sich leicht ins Bockshorn jagen.

Dabei ist die Sache so einfach:

Alle Unternehmen einer Volkswirtschaft, insbesondere der starken deutschen Volkswirtschaft, einschließlich aller Pleitekandidaten, nehmen zusammengenommen Jahr für Jahr unter dem Strich mehr ein, als sie ausgeben.

Die Gewinne der Unternehmen fließen mehr oder weniger stetig an die Eigentümer und Anteilseigner. Während kleine Unternehmer die ihnen zufließenden Gewinne oft noch vollständig reinvestieren oder verkonsumieren, wachsen andererseits die größeren und großen Geld- und Sachvermögen immer weiter, weil die Gewinne einfach schneller sprudeln als sie, auch bei größtem Bemühen, noch einigermaßen sinnvoll wieder ausgegeben werden könnten. Reine Umschichtungen von Vermögenswerten, der Kauf oder Verkauf von Aktien, Rohstoffen, Staatsanleihen, werden zwar gerne als "Investitionen" bezeichnet, haben aber mit realem Investment nichts zu tun.

Dass dennoch alle Jahre (fast) alle Unternehmen (fast) alles verkaufen, was sie erzeugen, hat drei Ursachen:

1. Der Export

Wo im Inland der Markt gesättigt ist, weil die Niedriglöhner und Hartz-IV-Bezieher immer so verdammt schnell satt werden, bietet es sich an, Überschüsse zu exportieren.

2. Das Entsparen

Wo im Inland dringender Bedarf befriedigt werden muss, der über die dem Binnenmarkt verfügbaren Ausgaben der Wirtschaft (für Löhne / Material / Energie / Gebühren / Steuern / etc.) hinausgeht, kann durch das Auflösen von Sparguthaben, durch den Verkauf von Grund und Boden oder anderen Wertgegenständen für eine gewisse Zeit das Kaufkraftdefizit ausgeglichen werden.

3. Die Verschuldung

Statt durch Entsparen, kann Binnenkaufkraft bei hinreichender Bonität und ausreichenden Sicherheiten auch durch Neuverschuldung generiert werden. Da neben den Preisen für Waren und Dienstleistungen nun auch (noch mehr) Zinsen fällig werden, sich am Grundprinzip: "Der Umsatz muss die Kosten, die Einnahmen müssen die Ausgaben übersteigen", aber nichts ändert, führt Verschuldung über kurz oder lang zwangsläufig zum Entsparen.

 

Natürlich finden wir in der Realität ein Gemenge aus allen drei Prozessen. Die Gewinne (nach Steuern) der Wirtschaft werden durch den Export und durch Vermögensminderung der Bevölkerung bezahlt. Vermögensminderung kann sowohl direkt, durch die Aufgabe von Besitz jeder Art erfolgen, oder indirekt, durch Verschuldung und die Pflicht zu Zinszahlung und späterer Tilgung.

 

 

Unter welchen Bedingungen
lohnt es sich nicht mehr?

 

Gewinne einzufahren lohnt sich, solange es noch gelingt, das eingenommene Geld sinnvoll wieder auszugeben, sich also werthaltige Sachen, Grundstücke, Edelmetalle, seltene/Rohstoffe anzueignen und das Eigentum daran mit erträglichem Aufwand zu verteidigen.

Grundbucheinträge überleben ohne weitere Sicherungsmaßnahmen Jahrzehnte, womöglich Jahrhunderte (siehe DDR - Rückgabe und Entschädigung) und verursachen den geringsten Erhaltungsaufwand. Die Eintragung einer Hypothek im Grundbuch ist eben so sicher, wie die Eintragung eines Grundstückseigentümers und verschafft im Ernstfall Eigentum.

Ist das Eigentum an werthaltigen Sachen soweit in der Hand der wenigen wahren Vermögenden, dass alle weiteren Gewinne nur noch durch Ausweitung der Verschuldung erzielt werden können,

und ist die Verschuldung der Bevölkerung (einschließlich des Staates) so weit fortgeschritten, dass die Rückzahlung zusätzlicher neuer Schulden auch unter optimistischsten Annahmen niemals mehr möglich sein wird, wenn Gewinne also nur noch durch Aufblähung der Geldmenge, pure Inflation also, ohne jeden handfesten Gegenwert erzielt werden können, dann lohnt es sich nicht mehr.

Es ist wie beim Monopoly.

Hat ein Spieler alle Straßen, Bahnhöfe, das Wasserwerk und das Elektrizitätswerk in seinem Besitz, dann lohnt es sich für ihn nicht mehr. Das Spiel könnte zwar - regelwidrig - fortgesetzt werden, indem den Mitspielern, die immer noch nicht begriffen haben, worum es geht, gestattet wird, sich beim Monopolisten immer mehr zu verschulden, doch der kann - außer uneinbringlichen Forderungen - nichts mehr gewinnen. Warum also sollte er weiterspielen?

 

Wo stehen wir heute?

Internationale Spekulanten, in verschleiernder und beschwichtigender Absicht gerne und bis zum Erbrechen als "die Märkte" bezeichnet, bedrängen den Euro-Raum mit aller Macht und zwingen die Euro-Staaten, mit der Steuerleistung ihrer Staatsbürger als Pfand, für Berge fauler Forderungen in den Portfeuilles der Damen und Herren Märkte einzustehen.

Warum sich unsere Polit-Fachkräfte immer wieder dazu bewegen lassen,

auch wenn sie sich, wie Angela Merkel, vor jedem Umfallen solange sträuben, bis ein sog. Experte erklärt, das "Zögern vergrößere den Schaden, ja löse ihn erst aus",

ist nicht schlüssig zu ergründen.

Dass Zig- Milliarden direkt für inländische Banken aus dem Fenster geworfen und hunderte Milliarden an Bürgschaften unterschrieben wurden, dass außerdem gemeinsam mit der EU ein 750 Milliarden-Euro-Rettungsschirm aufgespannt wurde, von dem es ein paar Wochen später schon heißt, es müssten eigentlich 1,5 Billionen garantiert werden, zeigt so deutlich wie nie zuvor, wo wir stehen.

Das internationale Kapital, repräsentiert durch die Damen und Herren Märkte und vertreten durch deren bezahltes Spekulationspersonal, versucht verzweifelt, seine Forderungen aus zweifelhaften Kreditvergaben an Hinz und Kunz nachträglich durch AAA-Schuldner garantieren zu lassen.

Die in- und ausländischen Polit-Fachkräfte haben offenbar den Überblick verloren. Da mag Herr Juncker noch so beschwörend mit den Augen rollen, da mag Herr Bofinger noch so sehr darauf hinweisen, dass Deutschland den Euro braucht, weil uns der Rückfall auf die starke D-Mark unsere Wettbewerbsfähigkeit rauben würde (hat er so gesagt!),

die mit Bürgschaften in der Größenordnung von drei, womöglich bald sechs Bundeshaushalten ins Auge gefasste "Rettung" eines "abstrakten Konstrukts" namens Euro heißt nichts anderes, als die eigenen Staatsbürger in die Falle einer - ohne Hyperinflation und Währungsreform - niemals mehr auflösbaren Neuverschuldung hineinzuregieren.

 

Dabei hat der Gegenstand der billionenschweren Rettungsbemühungen, der Euro, keinen eigenen, inneren Wert. Der Euro ist Schuldgeld, Fiat-Money.

Je weiter die Euro-Guthaben wachsen - und dass sie weiter wachsen können, ist Ziel und Zweck aller staatlichen Interventionen bei drohenden Kreditausfällen, desto weniger ist der einzelne Euro wert. Denn den schon jetzt unüberschaubaren Forderungen steht immer noch nichts anderes gegenüber, als die Leistungsfähigkeit derjenigen Bürger, die zu beschäftigen sich noch lohnt.

 

Die Beschleunigung
in der Abwärtsspirale

Je weniger es sich lohnt, für "gesättigte Märkte" zu produzieren, je mehr sich herausstellt, dass die ganze Welt, wegen der systemrelevanten Vermögenszuwächse bei einigen Wenigen, zu einem gesättigten Markt verkommen ist, je mehr jeder zusätzliche Gewinn nur noch eine weitere Aufblähung und damit Entwertung der Forderungen reicher Gläubiger gegen zahlungsunfähige Schuldner bewirkt, desto schneller kollabiert das System.

Deutschland leistet es sich, rund 8 bis 10 Millionen Menschen, rund ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung, in Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, prekären Beschäftigungsverhältnissen und Armut zu halten.

Die Mittel für deren Unterhalt werden den noch Erwerbstätigen aufgebürdet, während gleichzeitig die verfügbaren Netto-Einkommen sinken.
Wohneigentum, von einer geplünderten Mittelschicht einst als Alterssicherung erworben, wird durch Absenkung des allgemeinen Mietniveaus per Niedriglohnsektor und Hartz-IV-Gesetzen von unten her entwertet. Weh dem, dessen Finanzierung noch längerfristig auf hohen Mieteinnahmen aufbaut!

Mühsam wird versucht, den gesättigten, weil längst ausgebluteten Binnenmarkt durch Intensivierung der Exporttätigkeit zu kompensieren, doch auch das lohnt nicht mehr. Euro-Land ist abgebrannt. Wohin auch immer wir in der EU exportieren, als Gegenleistung gibt es nichts als Schuldscheine, die längst als uneinlösbar gelten, für die wir längst selbst als Bürgen einstehen müssen. Und mit den Exporten in andere Währungs- und Wirtschaftsräume sieht es kaum besser aus.

 Welch ein surreales Bild!

Die Einen arbeiten, für immer weiter sinkende Löhne, bei immer weiter sinkendem Lebensstandard, um anschließend als Steuerzahler auch noch für die Schulden einstehen zu müssen, die von den Abnehmern der exportierten Erzeugnisse aufgenommen wurden, um sie bezahlen zu können.

Daneben stehen die Anderen, die den Wahnsinn organisieren und die Gewinne aus Umsatz und Kreditvergabe abkassieren.

 

Noch herrscht die Meinung vor, das habe alles seine Richtigkeit, es gäbe zwar Härten, aber die seien unvermeidlich, die arbeitenden Einen glauben immer noch gerne jenen Stimmen, die wie die Lerchen im Frühjahr hoch über allem Volk von den segensreichen und heilenden Wirkungen des schon in Gang befindlichen Aufschwungs jubilieren, die kassierenden Anderen sind voller Gewissheit, dass so, und nur so, alles seine Richtigkeit habe, und jubilieren scheinheilig mit.

Aber so, wie jeder gesunde Mensch einen rechten Winkel mit bloßem Auge leicht von einem auch nur geringfügig kleineren oder größeren Winkel zu unterscheiden vermag, hat jeder psychisch gesunde Mensch auch ein feines Gespür für Gerechtigkeit. Man muss nur hinsehen.

Noch sehen viele weg.

Viele weigern sich, die Ungerechtigkeit zu erkennen, die ihren Nächsten widerfährt,
weil sich so - gegenüber dem Benachteiligten - ein wohltuender wertender Unterschied konstruieren lässt. Aber die werden weniger.

Viele weigern sich auch, die Ungerechtigkeit zu sehen, die ihnen selbst widerfährt, weil sich so ein längst nicht mehr realistisches Selbstbild aufrecht halten lässt.
Die werden, scheint mir, eher mehr als weniger.

Viele weigern sich konsequent, die Ungerechtigkeit zu sehen, die sie selbst mit verursachen, weil sie sich ihre professionelle Distanz bewahren müssen, um ihren Job weiterhin konsequent ausfüllen zu können.

Und einige können Ungerechtigkeit gegenüber anderen gar nicht wahrnehmen, weil sie außer sich und ihrer Clique generell niemanden wahrnehmen.

 

 

Es ist höchste Zeit, für mehr Gerechtigkeit.

 

Leistung muss sich wieder lohnen. Nicht für den Exporteur, nicht für den Banker, nicht für den sog. "Investor", sondern für den, der sie erbringt.

Der Produktivitätszuwachs muss allen zugute kommen. Dann wird auch jeder erwerbsfähige Bürger nach seinem Vermögen gerne dazu beitragen, Wohlstand und Lebensqualität der gesamten Gesellschaft zu mehren.

Solange ein Großteil der Bevölkerung als "überflüssig" in Hartz-IV abgeschoben wird, während andere den Rahm abschöpfen, kann dies nicht gelingen.

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An dieser Stelle muss ich einfache wieder einmal auf Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II hinweisen.
Darin habe ich auf über 300 Seiten ein klares Bild "des Systems" gezeichnet und
einen Weg beschrieben, der helfen würde dieses System behutsam, aber nachhaltig,
zu überwinden.

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Lieber Herr Kreutzer,

Danke für ihren Paukenschlag!

Es ist der Kapitalismus, der uns zu den Getriebenen unser selbst macht. Kapitalismus ist eine Schurkenschule! (...) Realsozialismus ist Feudalismus 2.0., den wollen wir auch nicht mehr. Alle bisher verwirklichten Modelle haben versagt. Es
muss etwas vollkommen Neues entstehen! Und dieses Neue wird am Anfang belächelt, später bekämpft und zum Schluss von allen als richtiger Schritt angesehen werden.
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Das Motto der kapitalistischen Eigentumswirtschaft lautet:

"Unternehmer, verschulde andere Unternehmer, Staat und Bürger stets mehr als du vorher verschuldet warst! ; Bürger, kümmere dich nicht um andere, sei froh wenn man dir Arbeit gibt und verbrauche möglichst immer mehr"

Im Kapitalismus wachsen die Schulden und Forderunge schneller als deren Erfüllbarkeit, weil Schulden ständig verzinst weitergegeben werden müssen.
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Das Motto der assoziativen Eigentumswirtschaft lautet dagegen:

"Haushalte, verschuldet euch -gegenüber der Gemeinschaft- nach eurem tatsächlichen Bedarf und euren Aufgaben!; Unternehmen, beschäftigt die Bürger in dem Maße, wie diese gerade verschuldet sind und verschuldet euch dafür nach eurem Bedarf und euren Aufgaben, ebenfalls gegenüber der Gemeinschaft (Staat)!"

Hier werden Schulden laufend aufgelöst.
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Das ist der Unterschied!

 

Ich wünsche Ihnen von Herzen stete Kraft, um auch in traurigen Zeiten Ihr Bemühen um Menschlichkeit im Wirtschaftsleben fortsetzten zu können.

 

P.S: Etwas zur Arbeitsteilung und Spezialisierung:

«Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.»

Rudolf Steiner

 

 




Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits