Paukenschlag am Donnerstag
No. 47/2010
vom 25.11.2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Too big to fail - Irland retten!

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
41 Welt-Währungskrieg II
42 Auf dem Wachstumspfad
43 China - Macht und Ohnmacht
44 S21 und die aristotelische Lehre von der Handlung
45 Die Zeit der Narren
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Too big to fail - Irland retten!

 

Die verhängnisvolle Fehleinschätzung der Rolle der Banken.

Irlands Banken sind konkursreif, heißt es.

Deshalb wird Irland jetzt unter vermutlich haarsträubenden Auflagen Geld und Garantien von der EU erhalten, um damit seine Banken zu retten, während es selbst von dem damit in Kauf genommenen Spardiktat zur Konkursreife gebracht wird.

 

Natürlich sind Banken wichtig.

Die wichtigste und unverzichtbarste Funktion der Banken ist die Bereitstellung eines Systems des schnellen und sicheren Zahlungsverkehrs, das nicht nur Überweisungen von Konto zu Konto und Abhebungen am Kassenschalter oder Geldautomaten ermöglicht, sondern zum Beispiele auch die Einlösung von Schecks problemlos ermöglicht. Der ersatzlose Wegfall dieses Systems, ja auch nur sein kurzfristiger Ausfall, würde die Welt vor erhebliche Probleme stellen.

Eine weitere, wichtige und unverzichtbare Funktion der Banken ist die Bereitstellung von Liquidität durch Kreditvergabe. Ob es sich dabei um die kurzfristige Inanspruchnahme eines Dispositionskredits oder um die Vereinbarung eines mittelfristigen Ratenkredits handelt, ob Investitionskredite für die Wirtschaft oder Hypothekenkredite für den Hausbau vergeben werden, in jedem Fall sorgt die Bank dafür, dass die benötigte Liquidität - bei hinreichender Bonität des Schuldners - schnell und unkompliziert bereitgestellt wird. Stünde eine solche Finanzierungsmöglichkeit nicht zur Verfügung, müsste die Welt über kurz oder lang in die Depression abgleiten.

Die dritte, wichtige, aber verzichtbare Funktion der Banken ist die Hereinnahme und Verzinsung von Einlagen. Wichtig ist diese Funktion für die Anleger, weil sie es ihnen ermöglicht, Ersparnisse in Form immaterieller Kontoinformationen verlustsicher zu verwahren. Wichtig ist diese Funktion für die Banken, weil der bankenkontrollierte Liquiditätsentzug durch Sparen direkt zur Ausweitung des Kreditgeschäfts und der Zinserträge führt. Verzichtbar ist diese Funktion, weil die Hereinnahme von Einlagen an sich - sieht man von willkürlich gesetzten und beliebig änderbaren gesetzlichen Bestimmungen zur Reservehaltung ab - keinen Einfluss auf die Fähigkeit zur Liquiditätsbereitstellung hat.

Dass Banken überdies in vielerlei Form als Finanzdienstleister und Vermögensverwalter, als Anlageberater und Depotverwalter, als Broker und Dealer tätig sind, ist weder wichtig noch unverzichtbar.

Woher kommt nun die irrationale Angst, der Bankrott einer größeren Bank könne ganze Volkswirtschaften in den Ruin treiben, ja die Weltwirtschaft ernsthaft gefährden?

Was wäre als reale Folge großer Bankeninsolvenzen wirklich zu befürchten?

Die Antwort ist viel einfacher als uns suggeriert wird.

Der zeitnahe Zusammenbruch - auch mehrerer - großer Banken ist ein leicht zu überwindendes Problem. Die Fortexistenz bestehender Institute ist volkswirtschaftlich von keinerlei Relevanz. Keine Bank ist zu groß für eine Insolvenz. Die Furcht davor ist irrational.

Der Nachvollzug der Begründung ist auch nicht schwierig. Kehren wir kurz zurück zu den eingangs beschriebenen Funktionen der Banken. Welche Gefahren entstehen durch den Ausfall eines oder mehrerer großer Institute - und wie könnte diesen Gefahren begegnet werden?


Die Funktion der Bank als Finanzdienstleister

Das Eigentum an Wertpapieren aller Art, die von der Bank für ihre Kunden in Depots verwahrt werden, ist durch die Insolvenz einer Bank nicht betroffen. Selbst wenn die Bank Aktien aus den Depots ihrer Kunden an einen Hedge-Fonds verliehen hätte, ginge der Anspruch auf Rückgabe von der insolventen Bank auf die Depotkunden über.

Laufende (noch nicht abgeschlossene) Kontrakte über den An- und Verkauf von Wertpapieren und Derivaten aller Art, die von der Bank nur vermittelt werden, sind von der Insolvenz der Bank ebenfalls nicht betroffen. Es sei denn, die Bank sei nicht nur als Vermittler sondern - offen oder verdeckt - auch als erfüllungspflichtiger Vertragspartner im Spiel.

Fonds, die von der Bank gemanagt werden, könnten, je nach Vertragsgestaltung, ganz oder teilweise als Vermögen der Bank angesehen werden und der Insolvenzmasse zugeschlagen werden. Anleger hätten insoweit das Nachsehen. Institutionelle Großanleger, wie Pensionskassen oder Versicherungsgesellschaften, investieren jedoch selten in derartige Fonds, sie managen ihre Assets lieber und kostengünstiger selbst.

Die Insolvenz einer Bank würde also womöglich dazu führen, dass für kurze Zeit eine Klärung stattzufinden hätte, was als von der Bank verwahrtes Kundenvermögen anzusehen ist und was der Insolvenzmasse zugeschlagen werden muss, doch dürfte dies bei einer einigermaßen korrekten Geschäftsführung der Bank keinerlei gravierende Probleme bereiten.


Für den Fortgang der wirtschaftlichen Tätigkeiten entstünden daraus volkswirtschaftsweit keinerlei Behinderungen.

 

Die Funktion der Bank als Einlagensammler

Die Einlage bei einer Bank ist faktisch eine Kreditgewährung an die Bank. Verspielt die Bank den ihr gewährten Kredit, verliert der Gläubiger im Insolvenzfall seinen Anspruch. Zwar gibt es in Deutschland mehrere Einlagensicherungssysteme, die im Insolvenzfall mit einem überschaubaren Betrag einspringen und dem Einleger die Sicherheit gewähren, wenigstens etwas übrig zu behalten, doch können wirklich große Einleger über die Garantiesummen der Einlagensicherungssysteme nur müde lächeln.

Jedoch führt selbst der vollständige Verlust der Einlagen von Großgläubigern - und bewege er sich beim insolventen Institut auch im zwei oder dreistelligen Milliardenbereich - zu keinen verheerenden Auswirkungen für die Volks- oder gar die Weltwirtschaft.
Es werden auf diese Weise möglicherweise einige Geldvermögens-Millionäre die eine oder andere Null auf dem Kontoauszug verlieren und damit auf den einen oder anderen Euro an Zinseinnahmen verzichten müssen. Alle anderen Vermögensgegenstände dieser Personen bleiben jedoch unangetastet, und soweit die Geldvermögen über mehrere Banken gestreut sind, wird wohl auch nur ein Teil des Geldvermögens betroffen sein.

Es gibt überhaupt keinen einzigen vernünftigen Grund, warum sich ein Staat verpflichtet sehen sollte, über die Garantien der Einlagensicherungssysteme hinaus die Sicherheit von Einlagen zu garantieren.

Wer Geldwerte einem unseriös wirtschaftenden Institut anvertraut und sie verliert, ist selbst schuld. Niemand hat ihn dazu gezwungen, sich durch Einlagen bei Banken eine vermeintlich sichere, jedoch nahezu leistungsfreie Rendite verschaffen zu wollen. Wer garantiert denn dem Stillen Teilhaber eines Handwerksunternehmens die Sicherheit seiner Einlage?


Ein Staat, der sich im Bereich der Sozialen Sicherheit zu nicht mehr verpflichtet sieht, als den unbedingt lebensnotwendigen Bedarf zu decken, ein Staat, der - von kleinlich ermittelten Freigrenzen abgesehen - erbarmungslos erst den Verzehr allen vorhandenen Vermögens verlangt, und nachdem dies geschehen ist, darauf besteht, dass jedem - ohne Ansehen der Person - jede angebotene Arbeitsgelegenheit zumutbar sei, bevor er sich zu dieser Mindestleistung verpflichtet sieht, ein solcher Staat verhöhnt Millionen von Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter und die steuerzahlende Mehrheit seiner Bürger, wenn er zugleich glaubt, die Sicherheit von jedermanns Bankeinlagen in jeder Höhe garantieren zu müssen.

 

Die Funktion der Banken als Träger des Zahlungsverkehrs

Wie bereits eingangs erwähnt, würde ein mehr als nur kurzfristiger Ausfall dieser Funktion zu erheblichen Problemen führen. Millionen von Konsumenten, die nicht auf ihre Gehaltskonten zugreifen können, Hunderttausende von Unternehmen, die auf den Eingang von Überweisungen angewiesen sind, um selbst wieder Löhne und Vorprodukte bezahlen zu können, der Staat und alle seine Organe, die vom Geldfluss abgeschnitten wären, alles das müsste sehr schnell zum vollständigen Stillstand des arbeitsteiligen Wirtschaftens führen.

Muss man deshalb aber Banken retten?

Nein. Natürlich nicht. Was man retten muss, ist das System des Zahlungsverkehrs. Die technischen und organisatorischen Grundlagen dieses Systems werden durch die Insolvenz einer oder mehrer Banken jedoch nicht beeinträchtigt.
Die Datenverarbeitungssysteme und die zu ihrer Bedienung notwendigen Menschen werden durch Insolvenz doch nicht physisch vernichtet. Sie stehen unverändert zur Verfügung und können unverändert weiter funktionieren. Es bedarf nur der politischen Entscheidung, genau diese notwendigen Funktionen in der Insolvenz und über die Insolvenz hinaus aufrecht zu erhalten.

Und es bedarf der Unterscheidung zwischen befristeten Einlagen und Salden auf Girokonten. Salden auf Girokonten werden von Banken für den Kontoinhaber kostenpflichtig verwaltet. Sie sollten - und es spricht kaum etwas dagegen - auch im Fall der Insolvenz der Bank schlicht Kundeneigentum bleiben, nicht anders als der Inhalt von Banksafe und Wertpapierdepot.

Wünschenswert wäre eine gesetzliche Grundlage, die alle Banken verpflichtet, ihre Funktionen innerhalb des volkswirtschaftlichen Zahlungsverkehrs nach exakten Vorschriften insolvenzsicher zu gestalten, so dass im Zweifelsfall nur umgeschaltet werden müsste, wie bei Stromausfall aufs Notstromaggregat umgeschaltet wird, doch auch ohne eine solche gesetzliche Grundlage kann der Weiterbetrieb der Zahlungssysteme unter Aufsicht des Insolvenzverwalters jederzeit sichergestellt werden.

 

Die Funktion der Banken als Liquiditätsbeschaffer

Vergeben die Banken keine Kredite mehr, wird jede Wirtschaft zügig zusammenbrechen.
Das ist unbestritten.

Daher haben im Laufe der aktuellen Krise die Zentralbanken tief in die Trickkiste gegriffen und Abermilliarden frischer Liquidität über die zusammenbrechenden Banken in "die Märkte" gepumpt. Staaten haben sich verschuldet, um zusätzlich Liquidität bereitzustellen, mit der primär die Insolvenz der großen Banken verhindert werden sollte.

Wenn man sich dieses Geschehen vergegenwärtigt, muss man zwangsläufig zu der Frage gelangen: Warum, um Himmels Willen, müssen Staaten und Zentralbanken Liquidität schaffen, um Banken zu retten, damit diese Liquidität bereitstellen? Ginge das nicht auch einfacher, direkter, ohne den Umweg über die Rettung todkranker Geschäftsbanken?

Es ginge wohl.
Das Geldschöpfungsmonopol der Geschäftsbanken beruht doch nicht auf dem Geheimwissen von Trollen in der Zaubererbank Gringotts. Das kann jeder.
Das Geldschöpfungsmonopol der Geschäftsbanken hat sich über die Zeit als "Gewohnheit" herausgebildet. Nichts spräche dagegen, es aufzubrechen. Nichts spräche dagegen, ihm einen unabhängigen zweiten Kanal der Liquiditätsversorgung entgegenzustellen, der bei Bankversagen oder auch nur unzureichender Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft geöffnet wird.

Selbst hier könnten - im Falle der Insolvenz auch großer Institute - die Spezialisten aus den Kreditabteilungen der Banken mit ihren angestammten Kundenbeziehungen problemlos weiterarbeiten, dann allerdings weniger am Profit-Interesse der Bank als vielmehr am Interesse der Volkswirtschaft insgesamt orientiert, auch nicht länger auf Rechnung des insolventen Institutes sondern auf Rechnung der Zentralbank oder einer speziell dafür eingerichteten staatlichen oder staatsnahen Institution.

Die Liquiditätsversorgung der Realwirtschaft müsste keinesfalls zusammenbrechen.

 

 

Die verhängnisvolle Fehleinschätzung der Rolle der Banken

resultiert offenbar daraus, dass führende Politiker unseres Staates in Regierung und Opposition weder das Bankwesen noch das Geldwesen verstanden haben.

Ein Staat, in dem pekuniärer Sachverstand regieren soll, muss doch deswegen nicht den Banken und Bankern überlassen werden!

Ein Staat, in dem pekuniärer Sachverstand zu Gunsten der gesamten Bevölkerung regiert, weiß die Hoheit über die eigene Währung und Geldversorgung zu bewahren und zu verteidigen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat sich mit dem Eintritt ins Euro-System selbst zum währungspolitischen Eunuchen gemacht. Der Versuch Theo Waigels, durch hyperstrenge Regeln in den Maastricht-Verträgen die Kastration aller übrigen Mitgliedsstaaten der Euro-Zone ebenfalls zu erzwingen, hat nicht dazu beigetragen, die währungspolitische Potenz der Euro-Zone zu stärken. Wie denn auch?

Ein Währungskommissar und ein EZB-Chef ersetzen nicht Sultan und Emir, schon gar nicht in einem Harem, in dem sich ausschließlich Eunuchen befinden, die sich mangels anderer Beschäftigung gegenseitig belauern.

 

Aber Irland muss jetzt seine Banken retten.

 

Es heißt, es ginge um die Stabilität der Gemeinschaftswährung.
Aha. Wie denn, wo denn, was denn?

Soweit ich es erkennen kann,
geht es um nichts anderes als darum,
Einlagen zu sichern.

Und Deutschland zahlt mit, unter anderem, weil deutsche Banken irische Banken mit Geld versorgt haben, und weil Einleger deutscher Banken (und das müssen, so wie der Hase hier läuft, gar keine Deutschen sein!) ihr Geld verlören, wenn deutsche Banken bei den irischen Banken Geld verlören.

Dass genau das, nämlich das Einstehen für die Schulden anderer Mitgliedsstaaten, in den Maastricht Verträgen explizit verboten war, wird heute nicht einmal mehr am Rande erwähnt.

 

Bankenrettung zu Lasten Deutschlands, egal ob hier oder in Irland,
ist Rettung von Einlagen zu Gunsten des Kapitals aus aller Welt.

Der Spagat - von da zur Mehrung des Nutzens des deutschen Volkes - erfordert eine Biegsamkeit und Verbogenheit, die weit außerhalb der Grenzen der menschlichen Physis liegt. Der Anfangsverdacht, die Inszenierung basiere auf Computeranimationen oder geschickt geführten Marionetten, erscheint von daher nicht völlig unbegründet.

 

 

 



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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Hallo Herr Kreutzer,

niemand denkt auch nur im Traum an das Wohl Irlands. Irland ist in diesem Zusammenhang nur eine Metapher für die von Ihnen beschriebenen Banken mit den Einlagen der Anteilseigner usw.
So wie Griechenland nur ein gutes Geschäft für die Deutsche Bank und andere Anteilseigner daran war, so wird auch Irland ein gutes Geschäft sein. Das Volk wird bluten, wie immer. Nicht aber die Herrschaft!

Man muss sich bei den Reden und Pressekonferenzen der Politiker oder anderer Marionetten nur einmal vorstellen, der jeweilige Redner säße direkt einem dieser Anteilseigner gegenüber. Dann passt es immer! Die Aussagen die dort getroffen werden passen genau und wahrheitsgemäß zur virtuellen Kapitalwelt. Selbst so Sprüche wie „Zum Wohle des deutschen Volkes…“ ergeben eine logische Wahrheit, wenn man „deutsches Volk“ z.B. durch „Anteilseigner“ ersetzt. Alle Versprechungen, ob es nun um Arbeitsmarktpolitik oder um Energiepolitik geht, sind genau so gemacht und eingehalten worden, wie sie einst angekündigt wurden.

Das geht doch schon ewig so. Warum wohl, haben die Politiker eine „Europäische Union“ mit einer gemeinsamen Währung geschaffen, OHNE vorher eine Rechtseinheit oder gar eine politische und gesellschaftliche Einheit zu schaffen? Nicht weil es unmöglich erschien, sondern weil sich Bewegungen in der Gesellschaft dagegen aufgelehnt und eine „virtuelle Kapitalherrschaft“ verhindert hätten. Stattdessen wurde eine Währung in die Welt gesetzt und eine kommissarische Kapitalgesetzgebung erfunden, die alle benötigten Freiheiten zur Kapitalwirtschaft garantieren kann.

Diesen Prozess beobachte ich nun schon seit ich politisch denken kann. Durchschaut habe ich das Ganze aber erst nach der Widervereinigung. Als die politische Führung der Bundesrepublik unter Einsatz sämtlicher Lobbyverbände im Schnelldurchlauf das Grundgesetz zur Verfassung aller Deutschen erklärte. Spätestens da wurde mir klar, dass eindeutig an diesem Volk vorbei regiert wird. Vorher hatte ich noch gewisse „romantische“ Vorstellungen über den Staat der auf seine Bürger achtet und zu deren Wohl regiert …

la la la…

Den „Bürger“ gibt es nun längst nicht mehr. Der „Bürger“ ist heute ein Kapitalanleger. Das Volk ist ein „Sozialalmosen-“ Empfänger.

„Virtuelle Kapitalherrschaft“ – das ist doch mal ein Begriff, der alles aAussagt oder? Es gibt in Wirklichkeit doch gar nichts, was uns beunruhigen muss. Wir brauchen einfach nur den Stecker zu ziehen und schon ist der Spuk vorbei! So wie Sie es beschreiben. Lassen wir sie doch ein paar Nullen Streichen, die wissen doch bald eh nicht mehr was sie damit anfangen sollen.

Warum merken die Politiker das eigentlich nicht? Wie einfach könnten die sich zu wahren und unvergessenen Helden der Geschichte machen? Als Helden sterben. Was will man denn sonst als Egoist? Immer doch nur das, was man nie erreichen kann! Sich selbst opfern für die Gemeinschaft! Das wäre doch mal ein neues Ziel für den deutschen Bundestag, diesen Friedhof der Egomanen (frei nach Hagen Rether).

Was passiert eigentlich, wenn alles „Geld“ oder alle Werte dieser Welt, endlich in die wenigen Hände der Herrschenden gelangt und denen plötzlich langweilig ist? Was folgt dann für ein Schwindel, dem wir wieder aufsitzen werden? Das macht mir irgendwie Angst!

Wir sollten zusehen, dass wir diesen Spuk allmählich beenden, bevor er uns um den letzten Restverstand bringt, der sich in dieser Gesellschaft noch regt. Ein Aufruf an alle Politiker, die noch Eier in der Hose haben (-stöcke mit eingeschlossen!):

Wir brauchen ein paar Helden die sich Opfern für diese Land!
FREIWILLIGE VOR!!!

Bis die Tage


Lieber Herr Kreutzer, der Satz:

Ein Staat, der sich im Bereich der Sozialen Sicherheit zu nicht mehr verpflichtet sieht, als den unbedingt lebensnotwendigen Bedarf zu decken, ein Staat, der - von kleinlich ermittelten Freigrenzen abgesehen - erbarmungslos erst den Verzehr allen vorhandenen Vermögens verlangt, und nachdem dies geschehen ist, darauf besteht, dass jedem - ohne Ansehen der Person - jede angebotene Arbeitsgelegenheit zumutbar sei, bevor er sich zu dieser Mindestleistung verpflichtet sieht, ein solcher Staat verhöhnt Millionen von Menschen am unteren Ende der sozialen Leiter und die steuerzahlende Mehrheit seiner Bürger, wenn er zugleich glaubt, die Sicherheit von jedermanns Bankeinlagen in jeder Höhe garantieren zu müssen.

gehört in Stein gemeißelt, an jedes Bankgebäude angebracht und auf nasse Tücher gedruckt, mit denen die
Politiker solange abgewatscht gehören, bis sich die Erkenntnis eingebrannt hat. Sie alle haben geschworen,
Schaden vom Volk abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren. Das Volk aber ist nicht identisch mit den Kapital-
besitzern sondern leider nur das Wirtstier für die parasitären oberen 10%, die sich ihre Regierungen zusammen-
gekauft haben. Was Sie skizzieren ist im Grunde ja ganz einfach und pragmatisch. Leider ist Pragmatismus zur
Zeit schlecht angesehen und man folgt lieber den klassischen Paradigmen des schrankenlosen Kapitalismus:
der Gier und der Macht der wenigen Reichen über die Massen der Armen, die für die Renditen der "Eliten" arbeiten.

Gruß




Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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