Paukenschlag am Donnerstag
No. 40/2010
vom 7. Oktober 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Welt-Währungskrieg II

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
40 Währungskrieg
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Welt-Währungskrieg II

Mit dem PaD 40 /2010 habe ich relativ allgemein gehaltene Erklärungen dazu abgegeben, was ein Währungskrieg ist, welche Strategien und Waffen dabei zum Einssatz kommen und welche Ziele damit erreicht werden sollen.

Am Mittwoch, dem 13. Oktober 2010, gab es zum Währungskrieg zwei hochbrisante neue Meldungen - ich habe in meinem Tageskommentar darauf hingewiesen - die ein grelles Licht auf das Verhältnis der Währungen US-Dollar und Renminbi Yüan werfen.

  • Die Währungsreserven der Volksrepublik China (alle Fremdwährungen zusammengenommen, aber übwiegend doch USD) sollen im dritten Quartal 2010 die 2,5 Billionen Dollar Marke überschritten haben - und
  • die US-Administration (speziell die Fed) will den Dollar weiter massiv inflationieren, nachdem alleine seit Dezember 2008 insgesamt 1,7 Billionen Dollar durch den Ankauf von Staats- und Wirtschaftsanleihen an frischen Dollars in die Welt gesetzt wurden.
(Links zu den Meldungen finden Sie am Ende dieser Ausführungen)

 

Es ist für uns Normalsterbliche notwendig, kurz innezuhalten und sich die Größenordnungen zu vergegenwärtigen.

1 Billion Dollar ist - zum heutigen Kurswert - ungefähr 715 Milliarden Euro wert.

  • Mit 715 Milliarden Euro könnte man 6 Millionen Hartz-IV-Empfängern 30 Jahre lang die Regelsätze bezahlen, 15 Jahre lang einschließlich Miet- und Heizkosten.

    Die Chinesen haben aber Währungsreserven im Wert von 2.500 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 1.800 Milliarden Euro. Sie könnten also alle deutschen Hartz-IV-Bezieher einschließlich Aufstocker volle 37 Jahre lang aus ihren Währungsreserven bezahlen, ohne dafür noch einen Yüan Steuer erheben zu müssen. Natürlich wollen sie das nicht. Warum sollten sie auch - aber sie könnten ...
  • Die reinen Kriegskosten der USA für den Irak-Krieg werden von Wikipedia mit 62,6 Milliarden US-Dollar angegeben. Die Reservern der Chinesen würden also rein rechnerisch für 40 Irak-Kriege ausreichen ...
  • Einen VW Golf gibt es neu derzeit schon für weniger als 15.000 Euro, nehmen wir eine durchschnittliche Ausstattung, und rechnen mit 20.000 Euro, dann könnten sich die Chinesen von ihren Währungsreserven 90 Millionen VW Golf kaufen.
Aber wo gibt es 90 Millionen VW-Golf zu kaufen?
Wo könnte China, so es denn wollte, 40 Irak-Kriege führen?

Es ist aussichtslos.

Ein Land, das per Saldo für 2,5 Billionen US-Dollar mehr exportiert als importiert hat, kann nicht so einfach den Spieß umdrehen und sich vom größten Exporteur der Welt zum größten Importeur wandeln.

Dazu müsste es die Industrie, die Landwirtschaft, die Dienstleister erst einmal geben, deren Produkte und Leistungen auf dem Weltmarkt einzukaufen wären.

Es gibt sie aber nicht.

Daher gilt:

Sobald China mit seinen Ersparnissen massiv einkaufen geht, bricht auf allen Märkten, auf denen China antritt, die galoppierende Inflation aus.



Intermezzo

Auszüge aus einer E-Mail-Diskussion zum Thema

 

Wenn Griechenland seine Oelrechnung in Euro hätte bezahlen können - anstatt in US-Dollar – wäre das Land doch nie in diese missliche Lage gekommen, oder? Seit der Einfuehrung des Euro 1999/2002 kann doch jedes Euro-Land den Grossteil seiner Importe gewissermassen mit dem Geld bezahlen, das von den Euro-Banken bereitgestellt wird. Aussenverschuldung ist doch dann, wenn sie innerhalb der Eurozone erfolgt, eher nur ein technisches Problem, ähnlich wie inländische Staatsverschuldung bei den eigenen Banken.

Geht es nicht im Falle Griechenlands und der anderen so genannten PIGS-Staaten um Devisenschulden in US-Dollar bei US-Glaeubigern? Hätten die Griechen nicht einfach das Import-Oel mit Dollars bezahlen koennen, die sie vorher in den europaeischen Devisenmaerkten mit „selbstgedruckten“ Euros eingetauscht haben?

Ein Staat, dessen Banken über den seltenen Luxus verfügen, eine Weltleitwährung emittieren zu dürfen, wie eben Griechenland, kann doch niemals in die Fänge des IWF geraten! Da muss doch irgendwas extrem Dummes, Hinterhältiges, gelaufen sein, dass Griechenland derart bei den US-Gläubigern in der Kreide steht. Mit herkoemmlicher „Misswirtschaft“ kann ich mir das nicht erklaeren. Auf welchen Märkten hat Athen seine Bonds angeboten? Etwa in den USA gegen US-Dollar? Und hat dann jemand bei den Rating-Agenturen gepetzt, um höhere Zinsen zu kriegen?

AC

Ich glaube, es ist nicht wichtig, in welcher Währung sich eine Volkswirtschaft im Ausland verschuldet. Soweit für mich erkennbar, haben die Griechen einen bunten Mix aus Euro, Dollar und Schweizer-Franken zusammengeborgt, bis die Gläubiger die Daumenschrauben ansetzten.

Das Spiel wird erst in dem Augenblick interessant, zu dem für die Ölrechnung der Dollar benötigt wird und an den Finanzmärkten gekauft werden muss. Das ermöglicht die erweiterte Dollar-Emission, das ermöglich den "kostenlosen" Einkauf der USA in den Nicht-Dollar-Staaten.

Den zweiten Teil der Frage will ich sibyllinisch so beantworten:

Unterhalb der Oberfläche des weltweiten Währungskrieges schwelt in Europa ein unerbittlicher Wirtschaftskrieg, jeder gegen jeden - und auch hier läuft die Front nicht zwischen Griechenland und Frankreich, zwischen Deutschland und Italien, sondern zwischen Kapital und Arbeit.

Oh Uni Credito!

EWK

 

Vielen Dank fuer die Antwort. Ich lese gerade bei Wikipedia, dass Griechenland nur deshalb in die Faenge der USA geraten ist, weil die Griechen unter mangelnder Steuermoral leiden, gleichzeitig aber wegen Maastricht der EU-Kommission das eigentliche Ausmass ihrer Haushaltsdefizite verheimlichen mussten und deshalb - heimlich - zu den US-Banken gegangen sind.

Hier: "To keep within the monetary union guidelines, the government of Greece has been found to have consistently and deliberately misreported the country's official economic statistics.[17][18] In the beginning of 2010, it was discovered that Greece had paid Goldman Sachs and other banks hundreds of millions of dollars in fees since 2001 for arranging transactions that hid the actual level of borrowing.[19] The purpose of these deals made by several subsequent Greek governments was to enable them to spend beyond their means, while hiding the actual deficit from the EU overseers.[20]"

Ufff, das ist allerdings Hammer, oder?

AC

 

nee, das sehe ich anders. Das ist nicht der Hammer. Diese Goldman Sachs Aktivitäten sind ja schon länger bekannt und - wie es so schön heißt "eingepreist".

Ihre Vermutung bezüglich der Nebelkerze erscheinen mir zu harmlos. Wenn Weltbank und IWF eine konzertierte Aktion anleiern, mit dem Ziel, China zur Aufwertung seiner Währung zu zwingen (oder auch nur zu bewegen) und dabei das Wort "Währungskrieg" einsetzen, dann ist da m.E. ganz massiv was im Busch.

Es hat möglicherweise mehr mit Barack Obama zu tun, als mit China, aber - wie heißt es so schön - man sollte stets das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, endlich wieder eine Front aufbauen, die einigermaßen Format hat. An Spannungen ist nun mal mehr zu verdienen, als an noch so schön eingespielten Handels- und Geldströmen.

Und man darf m.E. nicht vergessen, dass das eigentliche Potential der USA ja nicht verloren, nicht einmal verschüttet ist, es ruht nur - was einige negative Folgen hervorbringt, von denen die Adipositas im wörtlichen und übertragenen Sinn nur das sichtbarste Zeichen ist.

Von China hieß es vor ein paar Jahren: Der Riese erwacht.
Ich gehe davon aus, dass jetzt irgendjemand den Kampfruf ausstößt: "Amerika erwache!"

Die Mittel und Methoden, aus einer darniederliegenden Volkswirtschaft innerhalb von wenigen Jahren ein kraftstrotzendes Ungeheuer zu machen, sind spätestens seit 1933 bekannt. Dazu kommt die alte Weisheit: "Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert"

Ich fürchte den Handelskrieg gegen China (Deutschland wird glimpflich davonkommen, weil viel besser erzogen), der mit dem lange erwarteten Währungsschnitt, das heißt, mit der wie auch immer gearteten "Vermüllung" des US-Dollars eingeleitet wird und Chinas Dollar Reserven schlagartig und vollständig entwertet.

Damit kann die chinesische Einkaufstour in Afrika und Europa empfindlich gestört werden. Sollten die Chinesen dies als einen so feindlichen Akt ansehen, dass sie irgendwo auf der Welt die Waffen zeigen und sich ein Faustpfand holen (Taiwan, z.B.) bekommt die US-Kriegswirtschaft genau den Auftrieb, der erforderlich ist, um eine neue Blase zum Wohle der USA aufzublasen.

Mit besten Grüßen, auch an alle mitlesenden Schlapphüte in aller Welt

EWK

 
Da ist allerdings was im Busch, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu.

Ich vermute, bevor die USA überhaupt einen Währungsschnitt machen können, muss zumindest der Euro weg. Ihr Szenario halte ich ebenso für möglich. Aggressionen gegen China würden zwar vorübergehend den US-Binnenmarkt ruinieren, aber das könnte man ja Obama in die Schuhe schieben, schon allein, um wieder mal zu demonstrieren, dass „Sozialisten“ eh nicht wirtschaften können. Das hört man in den USA an jeder Strassenecke.

Aber hätte ein Währungsschnitt der USA nicht üble Folgen fuer alle Staaten der Erde einschliesslich der USA selbst? Nicht nur China würde einen Großteil seiner Devisenreserven verlieren. Alle Zentralbanken der Erde wären betroffen, insbesondere die Reserven der OPEC. Und das würde nicht nur einen einen Totalabsturz aller US-Wertpapiere bedeuten. Nun könnte man auch diesen Crash Obama anhaengen. Doch wenn die Reservedollars der ZBs der ganzen Welt komplett entwertet sind, müssten alle Oelproduzenten von sich aus anbieten, sämtliche Geschaefte in Euro oder Yen abzuwickeln. Womit sollten die Importstaaten denn ihr dringend benoetigtes Oel sonst bezahlen?

Die Umstellung des Ölhandels auf Eurobasis ist aber genau das, was die USA seit jeher verhindern wollen, zur Not mit Militaergewalt, siehe Irak. Würden im Falle eines Währungsschnittes jedoch alle Länder mit Rohstoffquellen ihren Außenhandel in Euro abwickeln wollen, wäre das mit militärischer Abschreckung durch die USA nicht mehr zu verhindern, geschweige denn zu kontrollieren. Nicht einmal die Drohung mit der Atombombe könnte dann verhindern, dass die OPEC komplett auf Euro umstellt.

Ein friedlicher Währungsschnitt – auch um China zu brüskieren - würde das Ende der US-Hegemonie bedeuten, solange es den Euro gibt. Und ein Währungsschnitt, den die USA mit einem umfassenden Krieg begleiteten, würde schon aus inflatorischen Gründen keinen Sinn machen.

Lokal begrenzte Kriege zur Abschreckung sind vorstellbar, das gehört zum Standardprogramm der USA, siehe Irak. Nahezu unvorstellbar wäre aber ein größerer Flächenbrand. Der Euro wuerde gegenüber dem Dollar stets als Sieger hervorgehen, weshalb man in Amerika mit Angriffsplänen sehr, sehr vorsichtig geworden ist- Gleichgewicht des Schreckens, sozusagen...

Bevor die USA einen Währungsschnitt machen bzw. einen größeren Krieg führen können, müsste also der Euro weg. Nicht China, sondern die Euro-Währung ist meiner Meinung nach das Hauptproblem der USA. China mag ein großes Ärgernis sein. Doch Europa und dieser Euro ist ein echtes Hindernis, zumindest in den Augen der Amis.

Meine Einschaetzung ist, dass den USA jetzt die Hände gebunden sind, solange alle anderen Staaten und Unternehmen für sich entscheiden können, für die Lieferung ihrer Produkte in Euro bezahlt zu werden und so die Dollarhegemonie untergraben. Krieg ist daher zum Glück wohl nicht auf dem Programm, zumindest kein Alleingang der USA. Vielleicht bin ich da etwas zu optimistisch.

AC

 

Vielen Dank für die anregende Diskussion!

Mein Standpunkt hat eine gewisse Veränderung erfahren, als mir allmählich klar wurde, dass China längst nicht mehr den Vorstellungen entspricht, die ich über lange Jahre in meinem Kopf konserviert hatte. China ist inzwischen weit mehr als ein zentralregiertes Volk dummer Bauern, China ist nicht nur auf dem Weg, Europa und die USA einzuholen, China hat uns längst überholt.

Lässt man die ideologische Seite chinesischen Regierungshandelns weg, tauchen plötzlich unbekannte Mega-Metropolen auf, die weit mehr Luxus, weit mehr funktionierende Infrastruktur und weit weniger Slum verkörpern als unsere gealterten und heruntergekommenen, zunehmend aus "Geldmangel" verlotterten und verdreckten Metropolen.

China kann es sich leisten, Griechenland zu retten - und Spanien und Portugal und Italien und Irland und Frankreich und Polen, wenn's denn sein muss, ohne seine Dollar-Reserven dabei aufzubrauchen. Das ist es, was m.E. in den USA inzwischen für Panik sorgt:

Die Tatsache, dass der Euro gar nicht untergehen kann, wenn es China nicht will - wohl aber der Dollar, wenn China und sobald China es will.

Damit klart die zweite Fragestellung auf: Womit soll die Ölrechnung bezahlt werden. Das ist nach dem Peak-Oil, der erreicht sein dürfte, schon lange die Frage - und die wird zunehmend gar nicht mehr gestellt. China hat die größten Solarzellenfabriken der Welt und produziert unvergleichlich preiswert. In Deutschland (im Lande der Wohlerzogenen) muss der Ausbau der erneuerbaren Energien von der Regierung gegen den Willen des Volkes, gegen einen in langen Auseinandersetzungen erreichten Kompromiss, nun doch wieder gestoppt werden. Nicht nur wegen der Atomindustrie - auch wegen der Ölrechnung.

Der Ölbedarf wird schneller zurückgehen, als sich das selbst die Grünen träumen ließen. Die Elektromobilität, vor drei Jahren unter Experten noch belächelt, glänzt heute auf den Automobilsalons - die Vernetzung von Millionen Autobatterien mit hohen Speicherkapazitäten als großes Speichermedium für Wind und Sonnenkraft wird ernsthaft in Erwägung gezogen.

Das alles ist für mich Indiz, dass es um den Euro nicht geht.
Der Dollar ist die Gefahr! Für die USA!

Solange China noch Billionen davon im Auffangbecken hat - und sie, trotz der Einkaufstour durch die ganze Welt nicht schrumpfen, sondern die Gefahr eines Tsunamis eher weiter wächst, sind die USA durch die eigene Währung bedroht.

Also muss die weg.

Ob es nun die Sonderziehungsrechte werden, worüber viele spekulieren, oder ob eine andere Lösung aus dem Hut gezogen werden wird, werden wir bald sehen.

Ende des Intermezzos
(diese Diskussion geht allerdings noch weiter)





Der Beschluss der USA, weiter auf billiges Geld zu setzen, hat nur vordergründig etwas damit zu tun, die eigene Wirtschaft stützen zu wollen.

An billigem Geld hat es nicht gefehlt, in den letzten Jahren - und trotzdem ist es viel leichter für Importwaren ausgegeben worden als für Investitionen in die eigene Produktion oder in die öffentliche Infrastruktur. Jedenfalls soweit dieses billige Geld in der Realwirtschaft angekommen und nicht direkt in den Rachen der sog. Finanzindustrie gekippt wurde.

Faktisch ist der Beschluss, die Druckerpresse weiter auf Hochtouren laufen zu lassen, ein Teil des Versuchs, den nahezu aussichtslos erscheinenden Währungskrieg doch noch zu drehen.

Was, wenn es den USA inzwischen darum geht,
die Dollar-Öl-Kopplung aufzugeben?

Schlicht aus der Erkenntnis heraus:
Die Kuh ist abgemolken.

Schlachthof.

 

Natürlich darf man das nicht offiziell verkünden. Natürlich muss man immer noch kräftig dagegenhalten, aber eben doch hier und da eine Ausnahme zulassen. Wer den Dollarkurs abstürzen lässt, muss den ölexportierenden Staaten entweder extrem höhere Zinsen für deren Dollar-Guthaben zahlen, was aber kontraproduktiv wäre, weil steigende Zinsen auch den Kurs wieder steigen lassen - oder er muss den Handel gegen andere Währungen zähneknirschend doch zulassen.

Der Effekt unterscheidet sich kaum von dem, der einträte, wenn China seine Währungsreserven ausgeben wollte.

Wird der Dollar nicht mehr gebraucht, um Ölrechnungen zu bezahlen, wird er gar nicht mehr gebraucht.

Der Kurs stürzt im freien Fall ins Bodenlose.
Die USA können sich im Handumdrehen von ihren Dollar-Schulden befreien.

Wenn sie dann, und sei es im Verhältnis 1:1000, ersatzweise irgendetwas anbieten, von dem sie versprechen, in Zukunft sorgfältiger damit umzugehen, und dem Angebot mit sanftem Säbelrasseln Nachdruck verleihen, werden alle Gläubiger - zähneknirschend zwar - aber mit der Erleichterung, das "Ende mit Schrecken" endlich gesehen zu haben, zustimmen.

Was ist denn auch Schlimmes passiert?

Nichts!

Wertlose Währungsreserven, die man nicht auszugeben wagte, weil ihre Wertlosigkeit sonst offenbar geworden wäre, sind endlich als wertlos erkannt und können ausgebucht werden. Keine Zentralbank der Welt hat damit auch nur das geringste Problem! Man muss nicht einmal eine BadBank dafür einrichten.

Der Kaiser ist nackt. Na und. Wir sind doch nicht prüde!

Wer sich ständig mühsam mit US-Dollar versorgen musste, hatte sowieso keine Dollars in Reserve - und wer die dicken Reserven angesammelt hatte, dem hat dies die Möglichkeit gegeben, die im Inland umlaufende Geldmenge der eigenen Währung durch bloßen Umtausch - ohne Verschuldung - zu erhöhen.

Die Renminbi, die von der chinesichen Zentralbank im Tausch gegen im Export verdiente Dollars ausgegeben wurden und in China zirkulieren, müssen deswegen nicht eingezogen werden. Sie bleiben ein Teil des Kostenvorteils Chinas, weil sie die gesamtwirtschaftliche Zinslast mindern!

Nur die Einkaufstour der Chinesen, mit Dollars in Asien, in Afrika und in Europa - die wäre für eine Weile auszusetzen.

China könnte auch nicht mehr so generös mit Krediten aushelfen, wenn den schwächelnden Mitgliedern der Euro-Zone geholfen werden muss. Da kämen dann doch wieder die Weltbank und der IWF und die sogenannten Anleger zum Zuge.

Wäre doch - im Sinne der US-Strategen - eine durchaus erfreuliche Wende.

(Mit einer weiteren Fortsetzung muss gerechnet werden.)

Links:

 Die 2,5 Billionen Dollar Reserve
 Die Fortsetzung der US Inflationspolitik

 

was Harald Lesch - in der ZDF-Reihe "Abenteuer Forschung" über das perfekte Verbrechen sagt, passt übrigens ganz wunderbar zu diesem Paukenschlag.

 


und für alle, die es doch ein bisschen genauer wissen möchten und auch die Zeit dafür haben, sich gründlich einzulesen:

 Samirah Kenawi
beschreibt in Ihrem Buch
"Falschgeld - die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit"
sehr fundiert, was falsch ist, an Geld und Währung








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Reaktionen auf diesen Paukenschlag






Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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