Paukenschlag am Donnerstag
No. 40/2010
vom 7. Oktober 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Währungskrieg

 
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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
18 Muttertagswahl
19 Europhrenie
20 Extremsparer - wie vom wilden Affen gebissen
21 Über den Verhältnissen
22 Die Würde des Amtes
23 Worum geht es?
24 Wahre Wirtschaftskriminalität
25 Au weia - Wohin mit dem Gold
26 Problematisches Goldverständnis
27 Woran man eine gute Regierung erkennt
28 Von Frau zu Frau Eva Scherrer
29 Ungarn - Irland - Deutschland ...
30 Alles Verbrecher
31 Das Staatsziel in drei Sätzen
32 Aktion Staatsziel
33 Die Geld-Hirn-Schranke
34 nicht belegt
35 Entschuldung per Vermögensabgabe
36 Besinnungslos fürs Grundeinkommen
37 Be- und Verdrossenheit
38 Schlagzeilen eines Tages
39 Die 10 Gebote, Nachtrag 2, Lohnabstandsgebot
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Währungskrieg

Währungskrieg oder nur Wirtschaftsflaute,


so hatte ich am Mittwoch den Tageskommentar überschrieben. Der Kurzfassung vom Mittwoch folgt mit dem heutigen Paukenschlag eine Langfassung.

Es ist für den Normalsterblichen dabei weder erforderlich, bereits erfolgte Scharmützel im Sandkasten nachzustellen, noch die für die nähere Zukunft absehbar folgenden Schlachten in ihren taktischen und strategischen Optionen durchzuspielen.

Es geht wieder einmal nur darum, das Prinzip zu verstehen.

 

1. Die Währung - eine janusköpfige Chimäre

Währungen gehören üblicherweise zu einer Volkswirtschaft, so wie der Daumen zur Hand. Die USA haben den Dollar, die Japaner den Yen, die Engländer ihr Pfund und die Chinesen den Renminbi Yüan.

(Wir Deutschen teilen uns unseren Daumen mit 15 anderen Volkswirtschaften, aber das ist ein anderes Thema.)

Nun hat so eine Währung zwei Gesichter. Eines schaut nach innen, in die Volkswirtschaft hinein - das zweite nach draußen, auf die Währungen der anderen Volkswirtschaften - und dummerweise haben diese beiden Gesichter verdammt wenig miteinander zu tun.

Binnenkaufkraft

Das eine Gesicht ist die Binnenkaufkraft, gemessen an einem Warenkorb, das andere ist der Umtauschkurs, gemessen an einer anderen Währung oder der Referenz- bzw. Leitwährung.

Die Binnenkaufkraft einer Währung sagt aus, was - und wie viel davon, sich die Bevölkerung der Volkswirtschaft für eine bestimmte Anzahl von Währungseinheiten kaufen kann.

Weil es Millionen unterschiedlicher Artikel, Zigtausende von Händlern, ständig wechselnde Rabatt- und Sonderangebotsaktionen gibt, die sich noch dazu regional ständig verschieben, ist es vollkommen unmöglich, verbindlich festzustellen, wie viel "Ware" mit 100 Euro gekauft werden kann.

Alles was möglich ist, die Veränderung des Binnenwertes einer Währung festzustellen, tun unsere tapferen Statistiker, indem sie einen bestimmten Warenkorb zusammenstellen, wobei sie über die Zeit die Veränderung der Verbrauchergewohnheiten berücksichtigen, zu diesem ständig fortgeschriebenen Warenkorb die durchschnittlichen marktüblichen Preise ermitteln und monatlich feststellen, wie viel Geld der durchschnittliche Verbraucher für einen durchschnittlichen Warenkorb ausgeben musste.

Die Veränderung gegenüber dem Wert des entsprechenden Vorjahresmonats wird in Prozent ausgedrückt und Inflationsrate genannt.

Diese Bezeichnung ist jedoch falsch und irreführend.

Die Ausgangslage von "Inflation" ist eine Aufblähung der Geldmenge (Liquidität), mit der Folge, dass im Wettbewerb um die angebotenen Güter und Dienstleistungen höhere Preise angeboten und genommen werden.

Eine solche "Inflation", die von der nachfragewirksamen Geldmenge angetrieben wird, dürfte allerdings keine Auswirkung auf die Befriedigung der Nachfrage, also auf den manifesten Wohlstand der Bevölkerung haben, weil mit der gewachsenen Geldmenge immer noch genau so viel teurere Waren gekauft werden können, wie vor der Preissteigerung mit der geringeren Geldmenge.

Was die Statistiker messen, ist also nicht die Inflation, sondern die Teuerungsrate, eine vollkommen unabhängig von der Entwicklung der Liquidität festgestellte Kennzahl zur Entwicklung der Binnenkaufkraft einer Währung.

Und gelegentlich wird die korrekte Bezeichnung sogar verwendet.

Teuerung misst Preisveränderungen.

Preisveränderungen werden in funktionierenden Märkten durch Nachfrageüberhang ausgelöst. Nachfrageüberhang kann seine Ursache sowohl im Binnenmarkt, als auch auf ausländischen Märkten haben.

In gestörten Märkten, also überall, wo Wettbewerb durch monopolistische oder oligopolistische Strukturen, ständische Abschottung, geschützte Eigentums- und Nutzungsrechte oder staatliches Reglement behindert wird, sind Preisveränderungen stets auch Akte der Ertragsregulierung.

 

Wechselkurs

Das andere Gesicht der Währung ist der Wechselkurs. Der Wechselkurs drückt aus, wie viele Einheiten der eigenen Währung man hingeben muss, um eine bestimmte Anzahl von Einheiten der Fremdwährung dafür zu erhalten.

Die Wechselkurse der meisten Währungen dieser Welt bewegen sich scheinbar frei, nur von den Kräften der Märkte bewegt.

Steigende Nachfrage nach einer Währung sollte daher üblicherweise einen Kursanstieg bewirken, wie auch ein rückläufiges Angebot bei unveränderter Nachfrage zu Kursanstiegen führen sollte.

Rückläufige Nachfrage und/oder steigendes Angebot hingegen, sollten den Wechselkurs sinken, bisweilen auch fallen lassen.

Soweit die Theorie.

In der Praxis haben einige Volkswirtschaften den Kurs ihrer Währungen mehr oder weniger fest an eine Leitwährung gebunden, und stabilisieren diesen Kurs durch entsprechende An- und Verkäufe.

Andere Währungen werden von ihren "Währungshütern" mit kleinen Korrekturen bei Inkaufnahme von Schwankungen in einem Wunsch- bzw. Zielkorridor der Kursentwicklung gehalten.

Wieder andere Währungen werden immer wieder bewusst in Höhenflüge und Kursstürze getrieben, um die jeweiligen volkswirtschaftlichen bzw. Staats-und Kapital-Interessen bestmöglich zu unterstützen.

Die Mittel zur Wechselkursbeeinflussung sind zwischen Spekulanten und Währungshütern ungleich verteilt. Es ist so ungefähr wie bei den Gladiatoren im Zirkus Maximus, wenn der Mann mit Netz und kurzem Schwert gegen den Streitwagenfahrer antreten musste. Der Ausgang ist immer ungewiss.

 

2. Das Wesen des Währungskrieges

Der Währungskrieg ist Teil eines auf Beute und Tribut ausgerichteten Wirtschaftskrieges. Das Wesen des Währungskrieges besteht darin, durch Manipulation von Wechselkursen einen Vorteil zu erzielen. Nach den Situationen und Zielsetzungen der Angreifer kann zwischen den folgenden Strategien unterschieden werden.

a) die Export-contra-Export-Strategie

Exportorientierte Volkswirtschaften treffen sich auf dem Weltmarkt als Konkurrenten.

Je niedriger der Wechselkurs der eigenen Währung im Verhältnis zur Währung der potentiellen Kunden ist, desto höher ist die Kaufkraft dieses Kunden.

Um den Kurs der eigenen Währung zu drücken sind Zinssenkungen und Rücknahme von Kreditrestriktionen ein probates Mittel. Zudem hat jede Zentralbank bei der Hereinnahme von Fremdwährungen die Möglichkeit, dafür so viel Geld der eigenen Währung einzutauschen, wie sie es für richtig hält.

Die Gegenwehr

besteht darin, den Angreifer in Tempo und Ausmaß der Abwertung zu übertreffen, bzw. auf anderen Schauplätzen des Wirtschaftskrieges Kostenvorteile (z.B. durch Senkung der Personalkosten) zu erreichen und an die Nachfrage weiterzureichen.

 

b) die Import-contra-Export-Strategie

Importierende Volkswirtschaften haben ein Interesse daran, den Kurs der eigenen Währung hoch zu halten, weil so mit der gleichen Geldmenge mehr Ware in Fremdwährung eingekauft werden kann.

Um den Kurs der eigenen Währung hoch zu halten, sind hohe Zinsen ein Mittel der Wahl, weil sie Anleger aus aller Welt anziehen. Noch besser jedoch ist die Durchsetzung eines Weltstandards für die Fakturierung bestimmter Rohstoffe in der eigenen Währung. Bestes Beispiel: Die Öl-Dollar-Kopplung.

Der weltweite Bedarf an Öl zieht einen weltweiten Bedarf an Dollars nach sich.
Die Öl-Exporteure legen den Großteil ihrer Erlöse in Dollar-Anleihen an, diese Dollars stehen dem Import-Giganten dann als weltweit gefragtes Zahlungsmittel zur Verfügung. Es entsteht eine Zirkulation mit folgenden Stationen:

  • Die USA importieren Waren aus aller Welt und bezahlen mit (frisch gedruckten) US-Dollar.
  • Volkswirtschaften aus aller Welt importieren Öl aus den OPEC-Staaten und bezahlen mit Dollar.
  • Die OPEC-Staaten kaufen bei den USA Pfandbriefe/Staatsanleihen und bezahlen mit Dollar.
  • Die USA importieren Waren aus aller Welt und bezahlen mit (frisch gedruckten) US-Dollar ...
Die Gegenwehr

besteht darin, sich aus der Abhängigkeit von der Leitwährung zu befreien, also die benötigten Rohstoffe dort zu beziehen, wo die eigene Währung akzeptiert wird und so zugleich neue Absatzmärkte zu erschließen.
 
 
c) die Export-contra-Import-Strategie
 
Große Exportnationen mit großem Wachstumspotential konzentrieren sich auf bestimmte ausländische Volkswirtschaften und zerstören deren Wirtschaft, indem sie diese, Branche für Branche, aus der Versorgung des eigenen Binnenmarktes verdrängen. Parallel dazu erfolgt die Übernahme von Mehrheiten an im Grunde gesunden Unternehmen und deren Ausbeutung durch massive Einschnitte beim Personal - mit dem Ziel, im "Gastland" die heimischen Produktionsbedingungen herzustellen bzw. noch zu unterbieten.
 
Die Gegenwehr
 
ist schwierig, weil diese Strategie nur funktioniert, wenn wesentliche Teile der Verantwortlichen in Staat und Wirtschaft solcher Importnationen von den Angreifern korrumpiert sind. Das sieht man in den zentralafrikanischen Staaten noch einigermaßen deutlich, weil dort die demokratische Fassade noch weitgehend fehlt, doch diese Kooperation gibt es auch da, wo man sie auf den ersten Blick nicht wahrnehmen kann.
 
Gegenwehr muss hier von der Basis her organisiert werden und zur Auswechslung des korrupten Personals führen. Staaten, die ihre wichtigen Rohstoffquellen verstaatlicht haben und ausländische "Ausbeutungsgesellschaften" wieder aus dem Land gedrängt haben, sind hier die Vorreiter.
 
 
 
d) die Import-contra-Import-Strategie
 
Ein wieder öfter zu beobachtendes Spiel, bei dem zwei importierende Volkswirtschaften im Wettbewerb um ein auf den Weltmärkten knappes Gut stehen. Es macht es notwendig, die eigene Währung für den Exporteur attraktiv zu machen. Dies gelingt zum Beispiel dadurch, dass die eigene Währung als besonders stabil dargestellt wird.
 
Auf Basis dieser Strategie war es der Schweiz möglich, auf den Weltmärkten praktisch alles recht günstig einzukaufen, und allen, die über Schweizer Franken verfügten, natürlich auch.
 
Auf Basis dieser Strategie wollte die EU mit dem Euro ein Stabilitätssignal setzen, gegründet auf dem Potential aller Mitgliedsstaaten. Das ist zum Teil gelungen. Es stößt andernteils natürlich auf erbitterten Widerstand. Wen wundert es also, wenn US-amerikanische und britische Ratingagenturen die Bonität von Griechenland, Spanien, Portugal, Italien und Irland anzweifeln und damit das Vertrauen in die Stabilität des Euro derart erschüttern, dass sich die EZB gezwungen sah, gemeinsam mit dem Mitgliedsstaaten "Schutzschirme" aufzuspannen, die ihresgleichen suchen.
 
Die Gegenwehr
 
Da sich der Angriff auf die Folgen unsoliden Wirtschaftens in der Vergangenheit bezieht, kann die Gegenwehr im Grunde nur darin bestehen, ungeachtet der Angriffe eine Politik der Stabilisierung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts zu fahren und sich von ausländischem Kapital unabhängig zu machen. Das heißt: Besinnung auf die Kräfte des Binnenmarktes, ausreichende Geldversorgung der Realwirtschaft bei geringen Teuerungsraten.
 
 
3. Die Angreifer
 
Die Medien verbreiten, es handele sich um einen Währungskrieg zwischen Staaten. USA gegen China, Europa gegen Japan, und so weiter.
 
Dabei werden die Waffen - nämlich die Währungen - mit den Kriegsparteien gleichgesetzt.
 
Das ist so weit von der Wahrheit entfernt, dass es höchst verwunderlich ist, in welchem Maße diese Rhetorik verbreitet, nachgeplappert und kritiklos übernommen wird.
 
Natürlich gibt es Gegenden in dieser Welt, wo Kapital, Wirtschaft und Staat so miteinander verflochten sind, dass man Währung und Staat zur Not auch einmal gleichsetzen kann.
 
Aber es gibt auch andere Gegenden in dieser Welt, wo die Regierung hilflos versucht, die Flucht des Kapitals zu verhindern (warum auch immer), während ihr gleichzeitig die von den ausländischen Investoren eingesetzten Vorstände und Aufsichtsräte die gesamte Sozialordnung kaputtmachen.
 
Grundsätzlich verläuft die Frontlinie nicht zwischen Staaten oder Volkswirtschaften, sondern zwischen international agierenden Ausbeutern und den überall auf der Welt anzutreffenden Ausgebeuteten.
 
 
Man muss sich die Welt aus der Sicht des profitorientierten Vorstandsvorsitzenden einer international agierenden Aktiengesellschaft betrachten.
 
Das ist der Typ, der mit Wohlwollen und ein bisschen Neid auf die Massen nicht organisierter, anspruchloser, jederzeit verfügbarer und jederzeit vertreibbarer Wanderarbeiter in China blickt.
 
Das ist der Typ, den es nicht schert, wenn ein Chemiewerk in die Luft fliegt, wenn das Rückhaltebecken einer Aluminium-Produktion bricht oder ein alter Reaktor in die Kernschmelze übergeht.
 
Im Gegenteil.
 
Das ist der Typ, der mit einem Schulterzucken die Restwerte der Altanlagen abschreibt und diesen Verlust steuerlich geltend macht.
Das ist der Typ, der darauf vertraut, dass die Aufräum- und Schadensbegrenzungsarbeiten vom Staat und von den Hilfsorganisationen aus aller Herren Länder weitgehend kostenlos übernommen werden. Das ist der Typ, der sich am Ende jeden Euro Schadensersatz in langwierigen Prozessen abklagen lässt, bevor er sich auf einen Vergleich einlässt, bei dem er den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Entschädigung der Opfer gegeneinander aufwiegt.
 
Das ist der Typ, dem es um nichts anderes geht, als alljährlich steigende Dividenden bei den Anteilseignern abzuliefern und dafür seine Erfolgsbeteiligung zu kassieren.
 
Aber der Vorstandsvorsitzende einer Aktiengesellschaft, auch der Vorstandsvorsitzende eines großen DAX-Unternehmens alleine, kann keinen Währungskrieg führen. Dafür hängt ihm der Allerwerteste dann doch noch zu tief.
 
Ohne Netzwerke (Filz, Klüngel, Cliquen) geht es nicht.
Solche Netzwerke, die sich früher als Hofstaat um den Fürstenthron herum herausbildeten, und bestimmten, was König oder Kaiser zu hören und zu lesen bekamen, wem sie Audienz gewährten und wem nicht, was ihnen zur Entscheidung vorgelegt wurde, und was nicht, solche Netzwerke von Intriganten spannen sich heute über Kontinente.
 
Ein permanenter Abstimmungsprozess, ein Geflüster und Gewisper, ein aufgeregtes Abwägen und Taktieren, ein Gewoge von Gewinn-Interessen und Verlustängsten bringt einen permanenten Strom von Entscheidungen und Korrekturen hervor, der die Welt verändert.
 
Der Regelmechanismus, der dahinter steht, ist ganz einfach konstruiert - und daher praktisch unzerstörbar. Auf den kürzesten Nenner gebracht lautet er:
 
Gut ist, was Geld bringt.
Besser ist, was mehr Geld bringt.
 
 
Das sieht jetzt vielleicht wie eine Abschweifung vom Thema aus, ist es aber nicht. Geld ist, wie wir wissen, nichts anderes als die staatlich kontrollierte und normierte Form einer von den Banken anonymisierten Inhaberschuldverschreibung.
 
Wer Geld hat, ist Gläubiger.
 
Irgendjemand auf der Welt braucht dieses Geld, um damit die Schuld zu tilgen aus der es entstanden ist. Irgendjemand auf der Welt, wird daher bereit sein, eine dem Geldbetrag entsprechende Leistung zu erbringen.
 
Geldvermögen, Einlagen bei Banken speziell, aber auch andere verbriefte Schulden, die wiederum das Geld einfordern, das im eigenen Safe liegt, sind die Garantie für ein Leben in Saus und Braus, in Hülle und Fülle, in Reichtum und Überfluss.
 
Und genau darauf zielt - im Orchester des gesamten weltweiten (globalen) Wirtschaftskrieges - auch der Währungskrieg.
 
 
Gehen wir die Standard-Szenarien noch einmal durch:
 
 

a) die Export-contra-Export-Strategie

Wo sich exportorientierte Volkswirtschaften auf dem Weltmarkt ein Wettrennen um den niedrigsten Wechselkurs liefern, muss sehr viel Kredit gewährt werden, um die Märkte mit der Währung zu überschwemmen.

Doch jeder Kredit braucht seinen Schuldner. Ist der gefunden, hängt er fest. Wovon, um alles in der Welt, sollen die Kredite zurückgezahlt werden? Solange der Export von der ständigen Ausweitung der Geldmenge gestützt und getrieben werden muss, ist Netto-Tilgung ein unerreichbares Ziel.

Wem gehören aber die Banken, die die Kredite vergeben haben?
An wen fließt der Strom der Zinsen?

 

b) die Import-contra-Export-Strategie

Wo importierende Volkswirtschaften den Kurs der eigenen Währung durch hohe Zinsversprechen hoch halten, muss es auch die Schuldner geben, die diese Zinsen erwirtschaften. Ein Blick auf die Subprime-Krise der USA zeigt Anfang und Verlauf dieser Strategie. Billiges Geld an jeden, hohe Gewinne in der Immobilien- und Bauwirtschaft, Anstieg der Zinsen, Verbriefung und Verkauf der Forderungen, Ruin der Bauherren, Ruin von Banken in aller Welt - und Anstieg der Staatsverschuldung in aller Welt, mit den Bürgern als Bürgen.

 
c) die Export-contra-Import-Strategie
 
Große Exportnationen mit großem Wachstumspotential konzentrieren sich auf bestimmte ausländische Volkswirtschaften und zerstören deren Wirtschaft, indem sie diese, Branche für Branche, aus der Versorgung des eigenen Binnenmarktes verdrängen. Sinkende Rentabilität der eigenen Wirtschaft führt zu Lohnkürzungen und Massenentlassungen. Die Menschen bleiben auf ihren Schulden sitzen, der Staat greift ein und nimmt die noch Beschäftigten über Steuern und Beiträge in die Pflicht.
 
 
d) die Import-contra-Import-Strategie
 
Wo zwei importierende Volkswirtschaften im Wettbewerb um ein auf den Weltmärkten knappes Gut stehen ist es nützlich, die eigene Währung für den Exporteur attraktiv zu machen. Dies gelingt zum Beispiel dadurch, dass die eigene Währung als besonders stabil dargestellt wird.

Daher wird versucht, die Staatsverschuldung zurückzufahren. Weil es Geld ohne Schuld aber nicht gibt, müssen die Bürger und die Wirtschaft in die Bresche springen. Die haben aber weder ein AAA noch ein AA1 Rating, zahlen also leicht das Doppelte an Zinsen als vorher der Staat.
 
Was will der Gläubiger mehr?
 
 
4. Die Besiegten
 
Die Erkenntnis, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, und das weltweit, hat keinen besonderen Neuigkeitswert.
 
Die dahinter stehende Erkenntnis, dass zu jedem Vermögen auch Schuldner gehören, die ihm erst seinen Wert geben, ist weniger weit verbreitet.
 
Es ist ja nicht nur das Geld.
 
Wer Geld hat, so wurde oben ausgeführt, hat auch einen Schuldner.
Doch auch Vermögen, die zum größten Teil aus anderen Werten bestehen, brauchen ihre Schuldner, um einen Wert zu haben.
 
Was ist ein Großgrundeigentümer ohne Pächter?
Was ist ein Mietskaserneneigentümer ohne Mieter?
 
 
Persönliches Eigentum an knappen Gütern, das über den eigenen Bedarf hinausgeht, ist auf einem Planeten, der nun bereits mehr als 6,5 Milliarden Menschen trägt, dem Faustpfand eines Erpressers gleichzusetzen.
 
Und darum geht es.
Möglichst viele Menschen in die Situation bringen, ohne eigenes Eigentum darauf angewiesen zu sein, das Eigentum weniger Menschen gegen Entrichtung eines einseitig festgesetzten Preises nutzen zu dürfen.
Das ist die Ursache für das immer schnellere Verschwinden des Mittelstandes, das schon vor 20 Jahren in den USA einsetzte und seit mindestens 10 Jahren auch zur deutschen Realität gehört.
 
Warum kann die Summe der Umsätze aller Wirtschaftsunternehmen dieser Welt Jahr für Jahr weit höher sein, als die Summe dessen, was die Mitarbeiter aller dieser Wirtschaftsunternehmen brutto (also vor Steuern und Abgaben) als Lohn und Gehalt beziehen?
 
Doch nicht, weil die Differenz zwischen den Einkünften der Mitarbeiter und den Umsätzen der Unternehmen aus dem Konsum der Unternehmer und Anteilseigner finanziert wird!
 
Die Umsätze werden erreicht, weil die große Masse sich, samt der Staaten, immer weiter verschuldet, während die Strategen des Wirtschafts- und Währungskrieges immer größere Vermögen anhäufen.
 
Zur Ergänzung hier noch einmal der Tageskommentar vom Mittwoch:
 

Währungskrieg oder nur Wirtschaftsflaute?

Japan senkt den Leitzins auf 0,0 bis 0,1 Prozent. Die westlichen Industrienationen verlangen von China eine Aufwertung. Für eine Feinunze Gold muss man 1.330 Dollar hinlegen ...

In Europa hat die sog. "Griechenland-Rettung" - in der Hoffnung auf weitere Absicherungsmaßnahmen von EU und Nationalstaaten - nur zu noch intensiverem Beschuss der übrigen Wackelkandidaten geführt.

Was ist los?

Kurzfassung

Billionen "Geld" aller wichtigen westlichen Währungen wurden im Zuge der Finanzkrise als zusätzliche Liquidität in die Welt gesetzt. Als ob die Dollarflut der Jahre zuvor nicht schon gereicht hätte, die Welt zu destabilisieren.

Für dieses Geld gibt es in der Realwirtschaft kaum lohnende Investitionsmöglichkeiten, was die Inflation von der Realwirtschaft noch fernhält, während sie an den Finanz- und Edelmetallmärkten die Kurse in die Höhe treibt.

Die Zockerei an den Finanzmärkten und in den Börsensälen ist weiterhin die lukrativere Alternative - zumal die Zocker von den Regierungen (und von der Nicht-Regierung in Brüssel, die sich aufführt wie eine machtvolle Zentralregierung) immer noch geschützt werden. Die Staaten, vor allem die Bürger der Staaten - als Steuerzahler und als Leistungsempfänger - werden als Sicherheit angeboten und angenommen.

Angesichts der Geldflut, die seit zwei Jahren über die Welt ausgeschüttet wurde, mutet der Versuch Japans, mittels einer Politik billigen Geldes die Wirtschaft anzukurbeln geradezu grotesk an.

Es ist klar abzusehen, wohin das billige Geld fließen wird.

Realwirtschaft wird doch in Zeiten der Globalisierung nicht betrieben, um den Bedarf (= Notwendigkeit, Bedürfnis, Wunsch) zu befriedigen, sie wird höchstens betrieben um eine Nachfrage (= Bedarf + Geld) zu befriedigen, aber auch nur dann, wenn sich daraus hinreichende, also mögliche Spekulationsgewinne übersteigende Gewinne generieren lassen.

Auch im Export geht es nicht mehr darum, einen Bedarf zu befriedigen, sondern nur noch darum, sich einen Anteil an den Schuldscheinen des Auslands zu sichern.

Wer so preiswert anbietet, dass er das Ausland als Konsument und vor allem als zinspflichtigen Schuldner gewinnt, wie Deutschland oder China, nimmt den übrigen globalen Spielern einen Teil der Beute weg.

Unterbewertete Währungen - im Verbund mit unterbezahlten Beschäftigten - das ist das typische Merkmal der Kolonie.

Nur dass die Kolonialherren, also die Profiteure des Kolonialismus, nicht mehr mit Besatzungsarmeen und Statthaltern anrücken, sondern nur noch als international agierende Anteilseigner, international agierende Spekulanten, international agierende Banken und international agierende Lobbyisten.

Es kommt nicht darauf an, aus welchem Land die billigen Waren kommen - es kommt nur darauf an, wer wo die Aktienmehrheiten auf sich vereinigt.

 


 Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre


Speziell die Bände II und IV, passen sehr gut zur Thematik








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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

vielen Dank fuer den Paukenschlag zum Waehrungskrieg! Mich hat besonders die von Ihnen angesprochene Import-contra-Import-Strategie im Zusammenhang mit der Oel-Dollar-Kopplung interessiert. Dazu ein paar naive Fragen: Wenn Griechenland seine Oelrechnung in Euro haette bezahlen koennen - anstatt in US-Dollar – waere das Land doch nie in diese missliche Lage gekommen, oder? Seit der Einfuehrung des Euro 1999/2002 kann doch jedes Euro-Land den Grossteil seiner Importe gewissermassen mit dem Geld bezahlen, das von den Euro-Banken bereitgestellt wird. Aussenverschuldung ist doch dann, wenn sie innerhalb der Eurozone erfolgt, doch eher nur ein technisches Problem, aehnlich wie inlaendische Staatsverschuldung bei den eigenen Banken und bond holders.

Geht es nicht im Falle Griechenlands und den anderen so genannten PIGS-Staaten um Devisenschulden in US-Dollar bei US-Glaeubigern? Soweit ich weiss, ja. Wie konnte es dazu kommen? Die spannende Frage: Haetten die Griechen nicht einfach das Import-Oel mit Dollars bezahlen koennen, die sie vorher in den europaeischen Devisenmaerkten mit „selbstgedruckten“ Euros eingetauscht haben? Das machen doch alle mehr oder weniger offen. Ein Staat, dessen Banken ueber den seltenen Luxus verfuegen, eine Weltleitwaehrung emittieren zu duerfen, wie eben Griechenland, kann doch niemals in die Faenge des IWF geraten! Oder habe ich ein paar Details uebersehen?

Da muss doch irgendwas extrem Dummes, Hinterhaeltiges, gelaufen sein, dass Griechenland derart bei den US-Glaeubigern in der Kreide steht. Mit herkoemmlicher „Misswirtschaft“ kann ich mir das nicht erklaeren. Und die Deutsche Bank hat, entgegen frueheren Vermutungen meinerseits, keinerlei Interesse an einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Auf welchen Maerkten hat Athen seine Bonds angeboten? Etwa in den USA gegen US-Dollar? Und hat dann jemand bei den Rating-Agenturen gepetzt, um hoehere Zinsen zu kriegen?

Wissen Sie Naeheres? Falls ja, wuerde ich mich sehr freuen, mehr darueber zu lesen.
Herzliche Gruesse!




Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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