Paukenschlag am Donnerstag
No. 18 /2010
vom 6. Mai 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Muttertagswahl

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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
14 Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
15 Griechenland als Chance verstehen
16 Kurzarbeit - der Kombilohn durch die Hintertür
17 Die Mär vom gefährdeten Euro
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Muttertagswahl
Mach Deiner Mutter eine Freude,
wähl' ihr was Schönes!
 

Aus wichtigem und dringendem Anlass vorab


 Eilbedürftige Entscheidung

Das Bundesverfassungsgericht soll per einstweiliger Anordnung das Inkraftreten des Griechenland-Hilfe-Gesetzes verbieten.
Unter Führung von Prof. Schachtschneider wollen die Ökonomen Hankel, Nölling und Starbatty dazu am Freitag das Verfassungsgericht anrufen.

Prof. Hankel hat auf seiner Website einen diesbezüglichen Brief an die Bundesregierung veröffentlicht , der zu lesen sich lohnt, und die Gelegenheit gegeben, sich dort als Unterstützer einzutragen.

Meine hat er.
Ihre auch?

 
 
"Am 30. Mai ist der Weltuntergang", so schallte es im Frühling 1954 aus den Röhrenempfängern, die Grundig, Schaub und Philips hießen, zum Teil schon UKW-tauglich waren und mittels ihres "Magischen Auges" die Empfangsqualität der eingestellten Sender anzeigten. Stereo gab's noch nicht, und wo die UKW-Sender nicht zu emfpangen waren, versuchte man es eben auf Mittelwelle...
 
 
 
Seitdem ist die Welt 57 Mal am 30. Mai nicht untergegangen.
 
Für den Fall, dass es beim 58. Mal klappen sollte, hier ein paar wichtige Hinweise für das Verhalten zwischen dem Muttertagswahltag in NRW und dem Weltende.
 
 
Zwischen dem Wahltag in NRW und dem voraussichtlichen Weltuntergangsdatum liegen nämlich gerade einmal drei Wochen. Da ist es wichtig, sich genau zu überlegen, was man mit der verbleibenden Zeit ab Verkündung des Wahlergebnisses anfangen will.
 
Rekapitulieren wir zunächst einmal das voraussichtliche Wahlergebnis.

Am 18. Februar 2010 habe ich die nachstehende Prognose gewagt:
 

 

    Das Wahlergebnis der SPD
    wird aller Voraussicht nach nicht für eine Alleinregierung, und auch nicht für eine rot-grüne Koalition reichen,
     
    obwohl die Grünen
    voraussichtlich zu den großen Gewinnern dieser Wahl gehören und ein Ergebnis deutlich über den 6,2 % von 2005 einfahren werden, eher sogar zweistellig, als einstellig.
     
    An ein wie auch immer geartetes
    Bündnis mit der Linken
    ist nicht zu denken. Nach den internen Auseinandersetzungen um Lafontaine und Bartsch, die ja immer noch nachklingen und von den Medien genüsslich ausgebreitet werden, wird die Linke gewiss nicht in den Düsseldorfer Landtag einziehen.
     
    Das Wahlergebnis der CDU
    wird allerdings auch nicht allzu rosig ausfallen. Obwohl Jürgen Rüttgers alles tut, um nicht mit Angela Merkel in einen Topf geworfen zu werden, obwohl sogar Plakate geklebt werden, auf denen der Name der Partei fehlt, für die da geworben wird - die katastrophalen Fehlleistungen der ersten Monate der Berliner Koalition werden auch im Ergebnis des Jürgen Rüttgers schwere Kollateralschäden anrichten.
    Die 44,8% von 2005 müssen schon heute als ein fernes, im Grunde unerreichbares Traumziel angesehen werden. Wenn's hoch kommt, wird die CDU in Düsseldorf diesmal ungefähr (+/- 3%) da landen, wo die SPD vor fünf Jahren gelandet ist, und das waren 37,1 Prozent.
     
     
    Guido Westerwelle tut zur Zeit alles, um
    die FDP in NRW
    wieder unter die fünf Prozent zu drücken, ob es ihm gelingt, kann noch nicht sicher gesagt werden. Herr Pinkwart wehrt sich verzweifelt gegen den Bundesvorsitzenden und hofft, damit Profil zu gewinnen. Ich hoffe, dass sich wenigstens das nicht eines Tages als ein abgekartetes Spiel herausstellen wird.
     
     

    Wie auch immer,

    mit FDP kommt Schwarz-Gelb in NRW knapp über 40 Prozent. Zum Regieren reicht auch das nicht - und Jamaika? Nein. Nicht in NRW.

     
     
     
    Schluss mit Lustig.
     
    In NRW droht die Große Koalition auf Landesebene.
    Und das hat eine höchst sonderbare Wirkung:
     
    Angela Merkel verliert damit die schwarz-gelbe Bundesratsmehrheit. Das könnte man begrüßen, doch das hat unvermeidlich eine weitere Folge:
     
    Ohne diese Mehrheit im Bundesrat ist die FDP für das Regieren im Bund überflüssig wie ein Kropf. Alles, was im Koalitionsvertrag steht, aber von der Länderkammer gebilligt werden muss, kann und wird Angela Merkel koalitionsintern mühelos scheitern lassen, bevor sie sich ohne Not vom Bundesrat eine Abfuhr holt.
     
    Dies wiederum - und das hat selbst Westerwelle begriffen - ist das Ende dieser Regierung und damit wohl auch der eigentliche Auslöser seines jüngsten verbalen Amoklaufs.
     
     
    Wir stehen, wie vor fünf Jahren, vor Neuwahlen im Herbst.
 
Tendenziell sehe ich keinen Grund, diese Vorhersage zu korrigieren.
 
Hannelore Kraft hat zwar Profil gewonnen, dafür aber SPD-intern schon wieder den rechten Flügel als Hemmschuh am Bein, so dass politisch interessierte Wechselwähler unweigerlich an Andrea Ypsilanti erinnert werden und sich auf Distanz zur SPD begeben.
 
Jürgen Rüttgers hat zwar mit weiteren Affären zu kämpfen, doch kommt ihm Angela Merkel mit der Griechenlandkrise jetzt zur Hilfe. Das Land steht in der Not zur Kompetenzallianz Merkel-Ackermann und Rüttgers weiß genau, dass die von Steinmeier und Gabriel gleichermaßen ausgestoßenen Griechenlandrettungs-Verweigerungsdrohungen vom gemeinen Wahlvolk als plumpes parteipolitisches Gezänk aufgenommen werden, zumal es, wie es alle im Fernsehen gesagt haben, keine Alternative dazu gibt.
 
Es ist daher auch zu erwarten, dass die Wahlbeteiligung eher noch weiter zurückgeht, weil die Überzeugung "Die da oben machen doch sowieso was sie wollen", und, "es ist doch egal, wen du wählst, am Ende stecken die doch alle unter einer Decke", gerade in den letzten Krisentagen neue Nahrung erhalten hat.
 
Das macht vor allem die Lage für die FDP noch einmal schwierig, aber in den Landtag einziehen werden sie,die Blaugelben.
 
Nur in Bezug auf die LINKE bin ich ein wenig optimistischer geworden, weil sich ein Teil des zusätzlichen Protestpotentials eben doch auch als Wählerstimmen für die LINKE niederschlagen wird - was bei sinkender Wahlbeteiligung die Chance erhöht die 5-%-Hürde doch noch zu überspringen.
 
Doch vor die Wahl gestellt, ein rot-rot-grünes Bündnis anzuführen oder sich in eine komfortable große Koalition zu retten, wird die SPD ihrer Spitzenkandidatin in NRW nur die eine Wahl lassen, mit der sich anschließend auch die große Koalition in Berlin neu auflegen lässt.
 
Denn eines ist klar:
 
Merkel wird einen Weg finden, die überstürzte Liebesheirat mit der FDP zu annullieren, sobald die Bundesratsmehrheit verloren ist.
 
Vielleicht treibt sie Guido Westerwelle zur Raserei, so dass der von sich aus die Koalition für gescheitert erklärt, ein Schachzug, der ihrem Naturell am ehesten entspräche, vielleicht stellt sie auch, wie Gerhard Schröder nach der letzten NRW-Wahl, die Vertrauensfrage und lässt Neuwahlen ausschreiben, womöglich versucht sie aber auch, Horst Seehofer so lange zu piesacken, bis der nicht mehr anders kann, als den Skalp der CDU-Vorsitzenden zu fordern - am Ergebnis ändert das nichts.
 
Deutschland bekommt im Herbst 2010 Neuwahlen und im Anschluss daran eine neue große Koalition.
 
Es sei denn, die Welt geht vorher unter.
 
 
Oh, wäre das schön,
hätte man die Gewissheit, dass die Welt am 30. Mai tatsächlich untergeht!
 
Strenggläubige Evangelen würden alle Vorbereitungen treffen, um am 29. Mai, mit Spaten und Schaufel und Gießkanne bewaffnet, auszuziehen, damit sie schnell noch ein Apfelbäumchen pflanzen können, wie es Luther und von Dithfurth gefordert haben.

Strenggläubige Katholen würden sich für den 30. Mai mit ihrem Ablasshändler verabreden und dann bis zur letzten Sekunde vor der Beichte, im vollen Vertrauen auf die Vergebung, alle die Sünden begehen, mit denen sich drei letzte Wochen aufs Vortrefflichste versüßen lassen.
 
Wohltätige Volksvertreter würden sich darauf einigen, die Schuldenbremse des Grundgesetzes zu missachten, sich selbst die Diäten auf Hedge-Fonds-Manager-Niveau erhöhen, im Gegenzug und zur Beruhigung der Wählerschar auf alle Pensionsansprüche gegen den Staat verzichten und die großen Parlamentsferien ausrufen.
 
Lokomotivführer und Piloten ließen ihre Züge und Flugzeuge da stehen, wo sie schon immer einen langen Urlaub verbringen wollten, Großagrarier verzichteten auf die Bestellung der Felder und die fällige Befruchtung der Kühe durch den Tierarzt, eine Generalamnestie würde die Tore aller Gefängnisse öffnen, das Prekariat würde sich ein Herz fassen und die Warenhäuser plündern, während die Gewerkschaft der Polizei bundesweit 10.432 zusätzliche Wasserwerfer fordern und drohen würde, ansonsten samt aller beamteten Ordnungshüter in den Streik zu treten.
 
Ein Chaos, wie es in allen Hollywood-Katastrophen-Streifen zusammengenommen nicht auf die Leinwand gezaubert wurde, würde die Welt ergreifen und die Menschheit in einen Strudel reißen, der den Weltuntergang letztlich als Erlösung erscheinen ließe.
 
Das klassische Ende mit Schrecken, also.
 
 
Stattdessen werden wir auch diesen 30. Mai verstreichen sehen und uns weiterhin wohlerzogen und widerstandslos jenem Schrecken ohne Ende aussetzen, der uns nun einmal von denen da oben zur Läuterung unserer Seelen bestimmt ist.
        Ob Genkartoffeln auf dem Feld
        oder Pressschinken und Käseersatz auf der Pizza,
        ob Krieg in Afghanistan
        oder Totalüberwachung in Deutschland,
        ob Bankenrettung
        oder Griechenlandkredit,
        ob Hartz IV-Kürzung
        oder Rentennullrunde,
        ob permanente Arbeitslosenstatistikkosmetik
        oder Unschuldsbeteuerungen von Bischöfen,
        ob Mindestlohnverhinderung
        oder Arbeitspflicht für junge und alte Arbeitssuchende,
        ob Glühbirnenverbot oder Abwrackprämie,
        ob BILD
        oder Bilderberger,
         
        oboderoboderoboder...
 

 

 

 

 

 
Ob "die da oben" nun in Düsseldorf, in Berlin, in Brüssel
oder in Metropolis regieren.
        Schließlich haben wir Demokraten (- wer denn sonst?)
        uns dieses Schicksal (- was denn sonst?)
        mit unserem Stimmzettel (- womit denn sonst?)
        selbst erwählt. Wem denn sonst?


 

 

 

Wir leben die Devise des Alten Fritz
 
Jeder soll
nach seiner Facon
selig werden.

(Friedrich II. von Preußen am 22. Juni 1740)
 
und suchen uns das, worüber wir uns aufregen wollen, jeden Tag selbst aus.
Heute dies, morgen das.
 
Verzicht auf Tiefgang, auf Klärung, auf Aufklärung, auf Wissen, auf den eigenen Willen und die eigene Verantwortung, das macht das Leben abwechslungsreich und schützt sicher vor Depression und Repression.
 
Und, seien wir doch ehrlich:
 
Besser kann's sowieso keiner.
Alles nur Klugscheißer.
 
Da hört man doch am besten gar nicht hin.
 
 
 
Also, durchzählen!
 
 eins  nicht wählen!
 zwei CDU wählen
 drei nicht wählen
 vier SPD wählen
 fünf nicht wählen
 sechs CDU wählen
 sieben SPD wählen
 acht nicht wählen
 neun Grüne, Linke, FDP oder nicht wählen
 zehn

FDP, Linke, Grüne oder andere wählen

 

und so weiter!

 
 
...wär doch gelacht!
 
 
 

Es würde mich freuen, wenn Sie - sofern in NRW wahlberechtigt - trotzdem am Muttertag zur Wahl gingen und wenigstens den Versuch unternähmen, für eine Überraschung zu sorgen - und wenn es nur die höchste Wahlbeteiligung seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland wäre!
 
Ob aus Überzeugung, aus Protest oder Verzweiflung ist egal.
 
Beim Wählen, wie beim Gewählten gilt:
 
Auf das Ergebnis kommt es an, nicht auf das Motiv.
 

Ein schönes Anagramm aus Muttertagswahl heißt: "Amtsgewalt ruht", ein anderes "Mega strahlt Wut"
 
 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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