Paukenschlag am Donnerstag
No. 14 /2010
vom 8. April 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Volkswirtschaftlicher Gesamtschaden?

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Paukenschläge 2010 (ältere)
1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
12 Progressive Benzinsteuer
13 nicht belegt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Volkswirtschaftlicher
Gesamtschaden?
 
 
Die 'Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen', ein eingetragener Verein, dessen erster Vorsitzender, Heribert Fleischmann, als Neurologe und Arzt für Suchtmedizinische Grundversorgung tätig ist, hat in diesen Tagen wieder einmal von sich und vom Alkoholkonsum der Deutschen reden gemacht.
 
9,9 Liter reinen Alkohol trinkt jeder Deutsche pro Jahr, 9,5 Millionen Deutsche trinken Alkohol in gesundheitlich riskanter Weise, jährlich 73.000 Todesfälle viele Verkehrsunfälle und Gewaltdelikte lassen sich auf Alkoholgenuss zurückführen, und
 
der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch Alkoholgenuss wird auf 24,4 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt,

so die DHS.
 Die aktuelle DHS-Studie
 
Alkoholismus ist eine furchtbare Suchtkrankheit, die den Betroffenen geistig und körperlich zugrunderichtet und nur durch vollständige Abstinenz beherrscht werden kann.
 
Die bestürzende Tatsache, dass Deutschland es inzwischen auf Platz 5 in der weltweiten Rangreihe des Alkoholkonsums gebracht hat, sollte jeden dazu bringen, sich wenigstens für einen Augenblick seiner eigenen Konsumgewohnheiten bewusst zu werden und sich ggfs. Rat zu holen. Hilfreich dazu ist ein Blick auf den entsprechenden Artikel bei Wikipedia.
 
 Wikipedia Alkoholkrankheit
 
Soviel zum Auslöser für diesen Paukenschlag, der sich inhaltlich nun aber doch vom Thema fortbewegt.
 

24,4 Milliarden
volkswirtschaftlicher Gesamtschaden
 
Diese Zahl, die mit dem Leiden Alkoholkranker und ihrer Angehörigen überhaupt nichts mehr zu tun hat, ist es, die mich ärgert, weil sie falsch ist, weil sie von den eigentlichen Problemen der Alkoholkrankheit ablenkt und die Betroffenen auch noch als "Volksschädlinge" stigmatisiert.
 
Was hat man denn wohl zusammengeschätzt, um auf die 24,4 Milliarden Euro zu kommen? Und was davon ist wirklich "volkswirtschaftlicher Schaden"?
 
 
1. Medizinische Versorgung Alkoholkranker

Das dürfte vermutlich der größte Posten sein - und es handelt sich dabei keineswegs um einen volkswirtschaftlichen Schaden, sondern, so zynisch das klingt:
 
Diese Aufwände sind Bestandteil des Brutto-Inlandsprodukts.
 
Ärzte, Krankenhäuser, Pharmaindustrie und weitere Unternehmen im Bereich des Gesundheitswesens hätten spürbare Umsatzausfälle zu verzeichnen, gäbe es nicht die Notwendigkeit, Alkoholkranke (und z.T. auch deren Angehörige) zu versorgen. Es käme zu Entlassungen und zum Anwachsen der Arbeitslosigkeit, in der Folge gingen die Beiträge zur Sozialversicherung und die Steuereinnahmen zurück.

Um den volkswirtschaftlichen Schaden, der in Wahrheit erst durch die absolute Abstinenz aller Deutschen entstünde, zu kompensieren, müssten ggfs. andere, bislang von den Kassen nicht bezahlte diagnostische und therapeutische Maßnahmen zugelassen und ausgeführt werden.
 
2. Alkoholbedingte Schadensereignisse
 
52.381 Fälle alkoholbedingter Gewalttaten, insbesondere im familiären Bereich, wurden 2008 aufgeklärt. Das hat zum Teil zu medizinischer Versorgung der Opfer geführt, zum Teil für Beschäftigung bei Polizei, Gerichten und Vollzugsanstalten gesorgt.
 
So bedauerlich dies ist, so schrecklich die Schicksale der Betroffenen auch sein mögen, ein volkswirtschaftlicher Schaden ist auch hier nicht entstanden. Im Gegenteil, all das löst Beschäftigungseffekte aus. Und, um noch einmal zynisch zu sein, mag ich in diesem Zusammenhang den zynischen Wahlspruch vieler führender Politiker zitieren:
 
"Sozial ist, was Arbeit schafft!"
 
 
Daneben hatten sicherlich die Autowerkstätten so manchen alkoholbedingten Blechschaden zu beseitigen - und so mancher alkoholbedingte Totalschaden führte zum Verkauf eines Neuwagens.
 
Sachschäden infolge Fahrens unter Alkoholeinfluss stellen also so eine Art Privatinitiative zur Fortführung des staatlich geförderten Fahrzeugverschrottens nach Wegfall der staatlichen "Umwelt"-Prämie dar.
 
Das soll "volkswirtschaftlicher Schaden" sein?
 
Mit dem gleichen Konzept hat die Bundesregierung die Automobilindustrie und die Automobilhändler über das Krisenjahr 2009 gerettet!
 
 
3. Alkoholbedingter Arbeitsausfall
 
Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall zwingt den Arbeitgeber dazu, für einige Wochen Lohn- und Gehalt weiterzuzahlen (bevor die Krankenkasse Krankengeld bezahlt), auch dann, wenn die Krankheit alkoholbedingt eingetreten ist. Das ist ein betriebswirtschaftlich relevantes Risiko, das jedoch jeder einigermaßen kaufmännisch ausgebildete Unternehmer in seiner Kalkulation angemessen berücksichtigt. Je größer das Unternehmen, desto stabiler bleiben über die Zeit die Aufwendungen für die Lohnfortzahlung - kleinere Unternehmen können dadurch u.U. hart belastet werden - aber mit "Volkswirtschaft" hat das alles nichts zu tun.
 
Die Produktion wird durch die Krankheit einzelner doch nur in den seltensten Fällen vermindert. In Großunternehmen registriert man nur noch die Veränderung der Krankheitsquote, der Ausfall einzelner Mitarbeiter kann unmittelbar kompensiert werden. In kleineren Unternehmen können Überstunden fällig oder die Beschäftigung von Leiharbeitskräften erforderlich werden. Echte Einbrüche in der Produktion sind auch in kleinen Unternehmen kaum zu befürchten.
 
 
4. Alkoholbedingte Todesfälle
 
Wenn man bedenkt, dass jeder Mensch am Ende seines Lebens stirbt, ist die Todesursache letztlich unerheblich für den Aufwand, der zu betreiben ist, bis der Verblichene unter der Erde und sein Grab mehr oder minder aufwändig geschmückt ist.
 
Von Relevanz könnte allenfalls der Zeitpunkt des Ablebens sein. Wer stirbt, bevor die Kosten der Ausbildung, die ihm zuteil wurde, durch seine Leistung wieder hereingekommen sind, hat tatsächlich einen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet. Dieser Schaden ist jedoch nur dann von Relevanz, wenn Wissen und Fähigkeiten einzigartig und/oder nicht kurzfristig zu ersetzen wären.
 
In Zeiten vollster Vollbeschäftigung ist das Ableben jedes erwerbsfähigen Erwerbstätigen ein volkswirtschaftlicher Schaden. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, wenn Wissen und Fähigkeiten von Millionen Erwerbsfähigen brach liegen, rückt einfach ein Arbeitsloser nach - und der Schaden ist behoben.
 
 
 

 

    vorläufiges Fazit
     
    Statt 24,4 Milliarden volkswirschaftlichem Gesamtschaden entstehen durch die negativen
    Folgen des Alkoholkonsums jährlich etwa
    24,4 Mrd. Euro volkswirtschaftlicher Leistung (BIP)
 
 
Doch das ist nur die eine Seite der Medaille.
 
Laut DHS trank jeder Deutsche im Jahr 2008 111,1 Liter Bier, 20,7 Liter Wein, 3,9 Liter Schaumwein und 5,5 Liter Spirituosen.
 
Unterstellt man eher ein niedriges Preisniveau und überwiegend häuslichen Konsum, so ergibt sich daraus ein jährliches Umsatzvolumen alkoholischer Getränke in Einzelhandel und Gastronomie von rund 40 Milliarden Euro.
 
Davon fließen 6,4 Milliarden als MwSt und ca. 3,5 Milliarden als Steuern auf alkoholische Getränke (Branntweinsteuer, Biersteuer, Schaumweinsteuer) an den Fiskus.
 
In Getränkeindustrie und Handel dürften an Herstellung und Vertrieb alkoholhaltiger Getränke ungefähr 100.000 Arbeitsplätze hängen.
 
Betrachtet man beides zusammen, also
 

die wirtschaftliche Bedeutung der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke und

die wirtschaftliche Bedeutung der alkoholbedingten Folgen, so kann abgeschätzt werden: Am Alkohol und seinen Folgen

    • hängen rund 65 Milliarden Euro BIP (ca. 2,5%)
    • hängen rund 20 Milliarden Steuereinnahmen
      (MwSt., Alkoholsteuern, Lohn- u. Einkommensteuern, Körperschafts- Gewerbesteuer)
    • hängen rund 3,5 Milliarden Sozialversicherungsbeiträge
    • hängen rund 150.000 Arbeitsplätze

     

Dafür nehmen wir jährlich 73.000 verfrühte Todesfälle und die vorangegangenen Leiden der Betroffenen und ihrer Angehörigen in Kauf.
     

 

    Alkohol ist ein gutes Geschäft.
     
    und
     
    Sozial ist, was Arbeit schafft.
 
 
In einer Gesellschaft, in der Alkoholgenuss, selbst exzessiver, ganz selbstverständlich als unverzichtbarer Bestandteil des sozialen Zusammenlebens angesehen wird, wird Alkohol auch noch lange ein gutes Geschäft bleiben - weit entfernt von jeglichem Verdacht, einen volkswirtschaftlichen Gesamtschaden anzurichten.
 
 
 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Danke Herr Kreutzer,
wie Sie -mal wieder- die Dinge vom Kopf auf die Füße stellen!

Zum Thema "leichtere Droge" (noch immer illegal in D.) ein vergnüglicher
Vorschlag von Liedermacher Götz Widmann bei youtube:
 www.youtube.com/watch?v=BYaObBQTkpk&feature=related

Schöne Grüße aus Göttingen


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

so bedauerlich es wirklich klingen mag und so furchtbar das für einzelne Betroffene samt Angehörige/Freunde usw. sein mag: Sie haben völlig recht. Denn genau diesen Aspekt muß man einfach ebenfalls sehen und wenn man nicht direkt Betroffener ist, dann ist Ihre in dem PaD dargelegte Ansicht sogar die relevantere, wichtigere - gesellschaftlich betrachtet.

Keine Angst: ich möchte - genausowenig wie Sie - sagen "is doch wurscht, soll er/sie/es saufen, spült Geld in die Kassen", aber wer hier alles an was verdient ist schon ziemlich heftig.

Übrigens gilt das gleiche auch für Rauchen sowie leichtere Drogen in der Art von Kokain oder Cannabis genauso wie bei den Hardcore-Stöffchen Heroin, Methadon, Trips, XTC, Mamas little Helpers und was dergleichen in unglaublichen Mengen teils legal, teils illegal, in jedem Fall aber immer gut organisiert auf den Markt gespült wird. Wenn auch bei den Drogen der Gewinn eher in Taschen verschwindet, die ich an den seltsamsten Hosen vermute, so bleibt doch genau der gleiche Folge-Aspekt: Sozialtherapeuthen, Richter, Politiker, Polizei, Ärzte, serienweise sogenannte 'Sachverständige' und andere Dummschwätzer.... sie alle holen einen Teil ihrer Daseinsberechtigung - und damit ihres Einkommens - aus diesen Angewohnheiten (von denen man jetzt halten kann was man will, das tut ja nichts zur Sache).

Übrigens gilt das auch für die Folgeschäden von

  • Autoabgasen
  • Feinstaub
  • durch Industrieschlote verseuchte Luft
  • durch Chemiedreck im Marken-Diskounter-Fraß ("Report München", 14.April 2008)
  • durch PAKs im Gummigriff des Hammers aus dem Baumarkt (1 Stunde mit denen arbeiten entpricht nach dem TÜV Rheinland-Pfalz etwa dem Genuß von 3.000 gerauchten Zigaretten, "Report München", 8.Dez.2008)
  • durch hochaktive Gifte im Kinderspielzeug (u.a. "Frontal21", 28.Aug.2007 und - hochinteressant - "Frontal21" vom 20.Jan.2009)
  • Giftbelastungen an deutschen Schulen ("Frontal21", 4.Sep.2007)
  • durch Begasung der aus China stammenden Warencontainer (in Deutschland eigentlich verboten - in China aber nun mal nicht)
  • durch ungeklärte Abwässer
  • durch massenhaften Einsatz des Schwermetalls Kupfer im Bio-Anbau (u.a. "Plusminus", 4.Nov.2008)
  • durch EU-Lobbyismus verursachte Gesetze, was so alles in BIO-Babybreichen drin zu sein HAT (schön nachzusehen in "Bericht aus Brüssel" vom 25.Feb.2009)
  • Pestizide im Wein
  • Uran im Trinkwasser ("Report München", 4.Aug.2008)
  • radioaktiver Müll in unserem kompletten Privatleben ("Plusminus", 19.Aug.2008)
  • Bisphenol A in unseren alles durchdringenden Plastikflaschen
  • durch allzu kuschelige Nähe zu - lecken oder heilen - Atommeilern (und wer wohnt eigentlich alles in der Nähe von Asse II?)....
  • Klimakiller Dienstwagen und chinesisches Heparin und was war gleich wieder Zyprexa? und Trasylol? steht hier lol für *lol*? und was war gleich wieder los mit den Wachstumshormonen von Sandoz?
  • wieviel Schaden entsteht eigentlich durch (stocknüchterne) LKW-Fahrer, denen es durch Druck von oben unmöglich gemacht wird, ihre Pausen einzuhalten?

Man redet viel - und, ach wie schrecklich! - und man verdient, still, leise, elegant, effektiv.

Ach ja, die 'Zahl des Tages' des ARD Morgenmagazins am 26.Nov.2008:
 
18.445.983.000 (Euro, die der Staat an unseren kleinen Lastern eingenommen hat im Jahr);
Ach ja, und wie hoch ist der jährliche volkswirtschaftliche Schaden durch treuhehlerische Stiftungen und Konten in Liechtenstein, Andorra, Schweiz, Caymans, Österreich,..... gleich wieder?

Na, Hauptsach' das Kinderporno-Internet-Stoppschild von Zensursula von der Leyen wurde durch Gollum als "Wahlgag" deklariert - dann könnne wir ja noch ein paar Kiddies in die Kühlschränke stopfen - da is noch Platz

ich könnte hier übrigens noch stundenlang so weitermachen....


In diesem Sinne

Prost
Ha jol emlekszem a tegnapi riportra a tv-ben, mi a negyedik helyen allunk az alkoholizmus teren - Magyarorszag elfoglalja a "büszke" ezüstermes helyet a listan!!!
 
(nicht verzweifeln: google sprachtools übersetzen auch von ungarisch nach deutsch)
Hallo Herr Kreutzer,
diesmal kann ich den Argumenten im Paukenschlag nicht so recht folgen. Kann aber auch sein, ich habe gestern nur etwas zu viel getrunken ;-))
Scherz bei Seite. Im Gesundheitswesen ist es doch wirklich nicht so, dass zu wenig Arbeit da wäre. Das BIP nimmt weder zu noch ab durch die Alkoholkranken, sondern es können nur andere Sachen nicht entsprechend behandelt werden. Ich weiß z.B., dass Ärzte auch mal eine Krankheit "übersehen", weil es sonst dem Budget zu sehr an den Kragen geht.
Für mich sieht deshalb die Rechnung so aus:
 
wirtschaftlicher_Nutzen = Steuern - Krankheitskosten + Renteneffekte
 
Steuern: immer positiv
Krankheitskosten: immer negativ, weil Aufwand (Behandlung, ggf.
Kompensation Arbeitsausfall)
Renteneffekte: bei Erwerbslosenrente wäre das Aufwand bei statistisch
vorzeitigem Ableben wäre das Ertrag, wie das nun wirklich statistisch
ist, weiß ich aber nicht
 
Ohne hier die genaue Statistik und deren Grundlagen zu kennen, kann man sich kein Urteil erlauben. Die von ihnen zitierte Pressemeldung hilft da (wie bei solchen Pressemeldungen leider allgemein üblich) auch nicht weiter.
Nochmal, der Auffassung, dass alle Aufwände auf der anderen Seite auch Erträge gegenüberstehen und diese somit keinen Schaden darstellen, kann ich nicht folgen. Das gilt auch im Kapitalismus nur, wenn man das gleiche Geld nicht auch für etwas anderes ausgeben könnte.
Ich lasse mich aber gern bei einem Glas Wein belehren.... ;-)
In diesem Sinne - Prost aus Ilmenau!
 
Anmerkung von Egon W. Kreutzer:
 
da will ich doch mal weit ausholen...
 
man kann unterschiedlicher Auffassung sein, über die Effizienz und Effektivität unseres Gesundheitswesens. Wir leisten uns in Deutschland vergleichsweise viele Ärzte und vergleichsweise viele Krankenhausbetten, geben vergleichsweise viel für Arzneimittel aus, sind aber von vergleichsweise schlechter Gesundheit.
Darauf kommt es aber nicht an. Dass heute viele ehedem übliche Leistungen der Krankenkassen von diesen nicht mehr bezahlt werden, dass neue und sinnvolle Therapien nicht eingesetzt werden, hat ja hauptsächlich damit zu tun, dass das Geld, das den Krankenkassen zur Verfügung steht, im Interesse der Arbeitgeber immer weiter verknappt wird. Die Leistungen werden dennoch abgenommen: Der Kunde zahlt halt selbst - und hält damit den Beitrag des Medizinbetriebs zum Brutto-Inlandsprodukt hoch, bzw. lässt ihn sogar noch steigen.
 
Es ist schlicht falsch - und darauf will ich hinaus - Kosten und Aufwände, die innerhalb der Volkswirtschaft entstehen - und die zugleich Umsatz und Gewinn, Lohn und Brot für andere innerhalb der gleichen Volkswirtschaft darstellen, als volkswirtschaftlichen Schaden zu bezeichnen.
Nähme man diese Grundhaltung ein, dann wäre nicht nur jede Krebsoperation ein volkswirtschaftlicher Schaden, sondern auch jede Vorsorgeuntersuchung, nicht nur der Blechschaden am Automobil, auch der Aufwand für die Produktion eines Neufahrzeugs müsste als volkswirtschaftlicher Schaden angesehen werden. Wo will man da die Grenze ziehen?
 
In dieser Denkweise kommt man letztlich zu dem Ergebnis: Alles was nicht als Gewinn an Aktionäre ausgeschüttet wird, was nicht als Zins an Gläubiger fließt, was nicht als Miete oder Pacht den Grundeigentümern oder als Lizenzgebühr den Rechteinhabern zukommt, ist ein volkswirtschaftlicher Schaden.
Verstehen Sie, worauf es mir ankommt?
 
Hier werden heute die Alkoholiker als Volksschädlinge verdammt, morgen sind es die Hartz-IV- und Sozialgeldempfänger und übermorgen ist es jeder, der seine Arbeit nicht ehrenamtlich verrichtet.
 
Noch eine Anmerkung zum Thema Rente:
Die gesetzliche Rente, die umlagefinanziert einen Teil der Einkünfte der erwerbstätigen Bevölkerung an die nicht mehr erwerbstätigen Menschen weiterleitet, ist volkswirtschaftlich neutral, eher sogar positiv, weil sie potentielle Sparleistungen der Besserverdienenden in Kaufkraft der Rentner umwandelt.
Der vorzeitige Tod (das Sinken der Lebenserwartung) entlastet zwar die Rentenkasse, wirkt aber grundsätzlich negativ auf das BIP, weil tendenziell weniger Kaufkraft in den Markt gelangt (dies im Detail auszuführen würde den Rahmen einer E-Mail sprengen, doch gehe ich davon aus, dass Sie den Gedanken selbst weiterverfolgen werden).
 
Dass man das gleiche Geld immer auch für etwas anderes ausgeben könnte, ist zwar richtig. Aber deswegen ist die derzeitige Verwendung dennoch kein volkswirtschaftlicher Schaden.
Abgesehen davon wäre noch zu klären, ob das "gleiche Geld" überhaupt verfügbar wäre, wenn alkoholische Getränke weder produziert noch konsumiert würden.
Mit besten Grüßen


Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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