Paukenschlag am Donnerstag
No. 12 /2010
vom 25. März 2010

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Progressive Benzinsteuer - ein utopischer Vorschlag

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1 Angela Merkel
2 Innere Angelegenheiten
3 Werbung ist Krieg
4 Werbung ist Krieg - und wer geht hin?
5 Zwischen Schmerzgrenze und Hemmschwelle
6 Die Sache mit dem Zins
7 Schluss mit Lustig
8 Zins und Wachstumszwang
gehören zusammen
 9 Bananenrepublik
10 Dr. Petschow
Geld und Demokratie
11 Die freie demokratische Kopfpauschale
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Progressive Benzinsteuer -
ein utopischer Vorschlag
 

Um es gleich vorweg zu sagen. Der hier vorgestellte Vorschlag ist keineswegs auf Benzin und Dieseltreibstoffe beschränkt. Er kann selbstverständlich auch auf Heizöl, Kohle und Strom übertragen werden und letztlich überall da eingesetzt werden, wo sich aus der Notwendigkeit
 
  • einer ausreichenden Grundversorgung einerseits
  • und des sparsamen und umweltschonenden Umgangs mit unseren Ressourcen andererseits
 
ein gesellschaftspolitisches Gerechtigkeitsproblem ergibt.
 
Auf das Benzin bezogen lässt sich dieses Gerechtigkeitsproblem so erklären:
 
Unsere hochmobile und vor allem automobile Gesellschaft erfordert, insgesamt und über die gesamte Volkswirtschaft betrachtet, einen gewissen Mindest-Treibstoffverbrauch.
 
Darin enthalten sind die Pendlerfahrten mit dem Auto zur Arbeit ebenso wie die Lkw-Transporte zur Versorgung der Wirtschaft und der Bevölkerung. Es sind enthalten die Schulbusse, die Fahrten von Feuerwehr, Sanitätern und Polizei usw., usw.
 
Über diesen notwendigen Mindest-Verbrauch hinaus wird jedoch noch jede Menge Treibstoff für andere Zwecke verbrannt:
 
  • Aus Bequemlichkeit, weil das eigene Auto anders als der öffentliche Nahverkehr stets verfügbar ist und bis vor die Haustür fährt.
  • Aus Jux und Tollerei, weil es eben Spaß macht, durch die Gegend oder über den Boulevard zu gondeln.
  • Aus Dummheit und Eitelkeit, weil so mancher Angeber das große spritfressende Auto braucht, um sich wohl zu fühlen.
  • Aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen, weil aufzuwendende Transportkosten niedriger sind als die Kostenersparnis bei Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer.
  • Aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen, weil Versandhandel, trotz der Transportkosten, insgesamt weniger Kosten verursacht als der weit weniger transportintensive und weniger treibstoffzehrende Handel über Ladengeschäfte.
 
Notwendiger Verbrauch plus überflüssiger und unsinniger Verbrauch - ergeben insgesamt den Ressourcenverzehr der Volkswirtschaft und die daraus folgende Umweltbelastung.
 
Aus mannigfachen (und teils vorgeschobenen) Gründen wird der Treibstoffpreis durch Mineralölsteuer, Ökosteuer und Mehrwersteuer in die Höhe getrieben, wodurch die Kosten für die notwendige Grundversorgung mit Treibstoff gegenüber den eigentlich tatsächlich entstehenden Kosten in etwa verdreifacht werden, obwohl die aus der reinen Grundversorgung resultierende Umweltbelastung vermutlich weit unter den international für Gegenwart und Zukunft verabredeten Emissionsmengen liegt.
 
Der Treibstoffverbrauch für Jux und Tollerei, für die Förderung egoistischer Bequemlichkeit, für den strahlenden Glanz von Dummheit und Eitelkeit und für das dem rein betriebswirtschaftlichen Kalkül entspringende überzogene Gewinnstreben wird dem notwendigen Grundbedarf steuerlich gleichgestellt.
 
Letztlich subventionieren also die sparsamen Mitbürger, die darauf bedacht sind, Benzinverbrauch und Schadstoffbelastung auf ein Minimum zu reduzieren, mit den Steuern auf ihren unumgänglichen, gesamtgesellschaftlich notwendigen und nützlichen Verbrauch die Verschwendung der anderen.
 
Wird, wie Bundespräsident Horst Köhler jüngst vorgeschlagen hat, die Steuer auf Benzin und Dieseltreibstoff pauschal erhöht, wird diese Ungerechtigkeit nur verschärft, weil sich nämlich die daraus erwarteten Einsparungen erst zuletzt dort einstellen, wo Ressourcenverschwendung als Mittel der Profitmaximierung ganz selbstverständlich zum Einsatz kommt.
 
Mein Vorschlag für eine progressive Besteuerung von Benzin und Dieselkraftstoff ist zunächst im Prinzip dargestellt. Dem schließt sich eine Betrachtung der Möglichkeiten der organisatorischen Ausgestaltung und technischen Umsetzung an.
 
 
Prinzip
 
1. Steuerfreier Grundbedarf pro Bürger und Mitarbeiter
 
Jedem Bürger wird ein steuerfreies (bzw. minderbesteuertes) Kontingent an Treibstoffen zugestanden. Zudem wird jedem Unternehmen pro sozialversicherungspflichtigem Vollzeitmitarbeiter ein gleich großes Kontingent zugewiesen. Über die gesamte Volkswirtschaft betrachtet sollte damit in etwa der notwendige Grundbedarf abgedeckt werden.

Die Einzel-Kontingente sind handelsfähig und übertragbar. Entweder direkt, z.B. innerhalb einer Familie, wo Kontingente von Kindern auf die Eltern übergehen oder das Kontingent des nicht mehr selbst fahrenden Großvaters als Geburtstagsgeschenk an den Enkel geht, oder indirekt über Treibstoffbörsen, an denen überflüssige Treibstoffmengen angeboten und von Bedarfsträgern meistbietend ersteigert werden.
 
2. Treibstoffmehrbedarf
 
Bürger, bzw. Unternehmen, deren steuerfreies Treibstoffkontingent erschöpft ist, können natürlich weiterhin Treibstoff kaufen und verbrauchen. Allerdings wird der Sprit nun teurer. In welchem Maße, das lässt sich, je nach politischer Zielsetzung, in einem weiten Rahmen festlegen.
 
Die Tabelle mit dem Zahlenbeispiel soll natürlich nur eine Vorstellung geben, wie die progressive Besteuerung prinzipiell angelegt werden könnte. Um eine aufkommensneutrale Besteuerung zu erreichen, muss sicherlich an den Stellschrauben noch gedreht werden, aber das Grundprinzip der verbrauchsabhängigen Steuerprogression würde viele entlasten und für spritsparendes Verhalten belohnen - während den wirklich großen Energieverschwendern und Dreckschleudern eine angemessenere Rechnung für ihr Verhalten präsentiert würde.
 
Tankmenge 
im Rahmen eines Monatskontingents
reiner Spritpreis progress.
Steuer

 Gesamtpreis
zukünftig

 Gesamtpreis
heute

Ersparnis / Mehraufwand 
Ersparnis / Mehraufwand
kumuliert
1. 20 Liter  0,50 € 0,00 €  10,00 €  30,00 €  20,00 Euro  20,00 Euro 
2. 10 Liter 0,50 € 0,50 €  10,00 €  15,00 €  5,00 Euro  25,00 Euro 
  3. 10 Liter 0,50 € 1,00 €  15,00 €  15,00 €  0,00 Euro  25,00 Euro 
 4. 10 Liter 0,50 € 2,00 €  25,00 €  15,00 €  - 10,00 Euro  15,00 Euro 
5. 10 Liter 0,50 € 4,00 € 45,00 €  15,00 € - 30,00 Euro - 15,00 Euro
6. 10 Liter 0,50 € 9,50 €  100,00 €  15,00 € - 85,00 Euro  - 100,00 Euro 
             
 
Unterstellen wir, dass ein Einzelkontingent monatlich 20 Liter steuerfreien Treibstoff hergibt und dann in der hier vorgesehen Abstufung eine progressive Steigerung der Besteuerung greift, dann hat der Inhaber dieses Kontingents gegenüber dem heutigen Zustand bis zum Verbrauch von monatlich 50 Litern einen Vorteil. Erst wenn der Verbrauch darüber hinausgeht, verteuert sich der Mehrverbrauch - und das schnell und kräftig.
 
 
 
 
Organisation und technische Umsetzung
 
 
1. Die Steuernummer als Identifikationsmerkmal
 
Alle Bürger und alle Unternehmen haben inzwischen eine bundeseinheitliche Steuernummer erhalten, unter der sie für die Finanzbehörden eindeutig identifizierbar sind. Das ist schon so und muss nicht erst noch eingeführt werden.
 
In einem bundeseinheitlichen System wird diesen Steuernummern nun monatlich das jeweils neu zustehende Kontingent zugebucht. Kinder werden dabei über die steuerlichen Merkmale der Eltern automatisch berücksichtigt. Betriebe erhalten Kontingente für alle Mitarbeiter, die zum jeweiligen Zuteilungsstichtag bei ihnen als ungekündigte sozialversicherungspflichtige Vollzeit-Mitarbeiter eingestellt sind.
 
Durch die zentrale Kontingentvergabe über die Finanzbehörden können Änderungen (Geburten, Todesfälle, Volljährigkeit, Einstellungen und Entlassungen) zeitnah berücksichtigt, aber auch im Rahmen nachträglicher, jährlicher Prüfrechnungen in Anrechnung gebracht werden, so wie wir es vom Lohnsteuerjahresausgleich bzw. der Einkommensteuererklärung her kennen.
 
2. Die Tankkarte als universelles Medium
 
Für die Übertragung der Kontingente vom Konto beim Finanzamt in die Verfügungsgewalt des Berechtigten, für die Übertragung von Kontingenten und Teilkontingten an Dritte, sowie für die Ermittlung der Steuerlast an der Zapfsäule rufen die Berechtigten ihr Kontingent durch eine passwort-gesicherte Transaktion vom Rechner der Finanzverwaltung ab und übertragen es auf eine Chipkarte. Dies kann über den eigenen Internetanschluss geschehen, über das Tankterminal an der Tankstelle, ggfs. auch über die Geldautomaten der Banken.
 
Die Übertragung von Tankkontingenten von einer Chipkarte auf eine andere kann ebenfalls direkt am Tankterminal oder über einen gesicherten Dialog mit dem Server der Finanzverwaltung über das Internet vollzogen werden.
 
Unternehmen können je nach Bedarf beliebig viele Chipkarten an ihre Mitarbeiter vergeben und Guthaben vom Firmenkonto darauf übertragen.
 
Eine Handelsbörse im Internet bildet permanent aus Nachfrage und Angebot einen aktuellen Preis für Treibstoffkontingente aller Progressionsklassen. Kauf und Verkauf erfolgen über sichere Transaktionen online; der Kaufpreis wird vom Konto des Käufers gleichzeitig ab- und dem Konto des Verkäufers zugebucht. Auch für diesen Handel können der private oder geschäftlich genutzte Internetanschluss, die Lesestation an der Tankstelle oder ggfs. auch der Geldautomat der Bank genutzt werden.
 
Wichtig: Es können nicht nur vollkommen steuerfreie Kontingente übertragen werden sondern auch Kontingente aller höheren Progressionsklassen.
 
 
3. Die Steuerfestsetzung an der Zapfsäule
 
Zum Einleiten des Tankvorgangs ist die Chipkarte in ein Lesegerät an der Zapfsäule einzuführen. Dort werden die verfügbaren Kontingente nach Progressionsklassen ausgelesen. Stehen z.B. noch 15 Liter der Klasse 0 (steuerfrei), 5 Liter der Klasse 1 (Steuer = 0,50 Euro/Liter) und 10 Liter der Klasse 2 (Steuer = 1 Euro/Liter) zur Verfügung, und werden insgesamt 25 Liter getankt, so werden die ersten 15 Liter steuerfrei abgegeben, die nächsten 5 Liter werden mit dem Steuersatz von 50 Cent belastet und die letzten 5 Liter mit dem Steuersatz von 1 Euro, so dass sich die Gesamtrechnung wie folgt zusammensetzt:
 
Abgabe Liter  Benzinpreis €  Steuer/Liter €  Steuer ges. €  Preis gesamt €
 15 7,50 0,00  0,00  7,50 
2,50 0,50  2,50  5,00 
2,50 1,00  5,00  7,50 
Summen         
25  12,50    7,50  20,00 
 
Sofern alle steuerlich begünstigten Kontingente einer Karte ausgeschöpft sind, wird für die weitere Abnahmemenge der maximale Steuersatz erhoben, der noch einmal deutlich oberhalb des Steuersatzes der mengenmäßig begrenzten Progressionsstufe liegen sollte.
 
Gleichzeitig mit der Rechnungserstellung werden die verbrauchten Kontingente vom Speicher der Chipkarte abgebucht. Die Übertragung in ein Zahlungssystem (automatische Abbuchung des Rechnungsbetrages) ist möglich. In der Nacht werden die Tankdaten von der Tankstelle an das Finanzamt übertragen und die vereinahmten Steuern werden überwiesen.
 
Das alles ist technisch problemlos machbar.
 
Der Aufwand für die zusätzlich erforderliche Hard- und Software und deren Installation dürfte deutlich unter dem Aufwand für das Autobahnmautsystem liegen, kann also nicht als k.o.-Kriterium angesehen werden.
 
 
Das Utopische daran
 
Bei Wikipedia stand heute unter dem Stichwort Utopie einleitend und begriffsklärend zu lesen:
 
Eine Utopie (...) ist eine Wunschvorstellung, die sich dadurch auszeichnet, dass sie zwar denkbar und in vielen Fällen wünschenswert, vor dem jeweiligen historisch-kulturellen Hintergrund jedoch in vielen Fällen (noch) nicht oder nicht mehr realisierbar ist.
 
in unserem Fall ist die technische Realisierbarkeit einer progressiven Konsumsteuer zwar seit kurzer Zeit gegeben, doch vor dem, was sich bei uns zur Not noch als "historisch-kultureller" Hintergrund bezeichnen ließe, nämlich jenem ganz klaren Trend, der weg führt von der Mitverantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft, hin zum hemmungslosen Gebrauch des Faustrechts in allen sozialen Belangen, sei es auf dem Arbeitsmarkt, sei es im Gesundheitswesen, sei es in der sog. Verteidigung deutscher Interessen am Hindukusch oder sei es nur in der stetig fortschreitenden steuerlichen Entlastung großer Einkommen und großer Vermögen, scheint die Einführung einer progressiven Konsumsteuer vollkommen unmöglich.
 
Dabei wäre der Einstieg in die progressive Konsumsteuer nur eine vernünftige und (wenigstens teilweise) ausgleichende Reaktion auf den sich permanent vollziehenden Ausstieg aus der progressiven Besteuerung der Einkommen.
 
Aber wir leben in einem Land, in dem uralte Gesetze der Physik und der Logik außer Kraft gesetzt scheinen.
 
Actio und reactio, das im Dritten Newtonschen Axiom beschriebene Gesetz der Wechselwirkungen besagt, dass jede Aktion (Kraft) gleichzeitig eine gleich große Reaktion (Gegenkraft) erzeugt, die auf den Verursacher der Aktion (Kraft) zurückwirkt.
 
Wenn ich die Aktionen zur Deformation der gesellschaftlichen Wirklichkeit in den letzten dreißig Jahren in Deutschland vor meinem inneren Auge Revue passieren lasse und verwundert das vollständige Ausbleiben der längst überfälligen Reaktionen konstatiere, dann wird mir bange.
 
Denn ich weiß: Newton hat Recht.
 
 
Wäre es also nicht besser, die "Reactio" in solchen kleinen Schritten wie dem hier vorgeschlagen voranzutreiben und zuzulassen, statt es auf den ganz großen Knall ankommen zu lassen?
     

 

 

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Lieber Herr Kreutzer !

Ich halte das für eine Idee von der spinnerten Art. Sie wollen mehr Gerechtigkeit herstellen sollten aber in Erwägung ziehen, ob Sie nicht vom messianischen Laster befallen sind. Ihre "Utopie" ist mir zu nahe an der Grenze zur Vision angesiedelt und Visionen sind bekanntlich eine grenzwertige Sache. Schließlich: Wahre Gerechtigkeit gibt es bekanntlich nur in der Hölle, weshalb mich dieser Paukenschlag auch zu sehr an Aldus Huxley`s "Brave new World" erinnert.

Aber: Nichts für ungut und herzliche Grüße

Anmerkung von Egon W. Kreutzer:

Es kann m.E. nicht schaden, wenn man aufzeigt, dass das Ärgerliche und Schlechte nicht ohne Alternative ist, ja dass das Wünschenswerte sogar möglich wäre, fehlte nicht der Wille.
Wessen Wille eigentlich? Leben wir vielleicht nicht in einer Demokratie? Sollten wir es nicht einfach alle wollen? Müsste es dann nicht ganz selbstverständlich so kommen?


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

bitte nicht schon wieder Chips und Kontrolle und Überwachung, Übertragbarkeit nur “elektronisch” und damit für jede Verwaltungsnase erkennbar. Davon haben wir wirklich schon genug.

Warum nicht altmodisch - Bezugsscheine. Nein, ich meine das nicht ironisch. Es werden pro (erwachsener?) Person Bezugsscheine für verbilligtes Benzin ausgegeben, und alles, was mehr verbraucht wird, ist eben teuer. Dann können die Bürger das frei untereinander aushandeln (offiziell sollte man das vielleicht sogar verbieten, das steigert die Preise - das ist ironisch gemeint, hat aber in der Vergangenheit gewirkt). So könnte das Geld der Benzinverheizungswilligen an diejenigen fließen, die lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, oder die als “sozial Schwache” sich überhaupt nie ein Neubaureihenhaus mit Autobahnanschluß leisten konnten. Betriebe müssen sich das teure Benzin ebenfalls zusammenkaufen, wenn sie es nicht lassen können, Krabben in Marokko pulen oder Jeans in der Türkei in die Giftfarbe tauchen zu lassen.

 


Hallo Herr Kreutzer,

zwei meiner Mitarbeiter fahren jeden Monat 800 km zur Arbeit und zurück (weil es vernünftig nicht geht, sind sie auf das Automobil angewiesen). Ich nehme mal einen Verbrauch von 7 Litern auf 100 km an.
Das heißt, sie verbrauchen 56 Liter Sprit für den Arbeitsweg.
Ich unterstelle, da sie auf dem Land wohnen, nochmals notwendige 200 km im Monat zu. D.h. der Gesamtverbrauch liegt bei 70 Litern.
Wenn mal angenommen der heutige Spritpreis EUR 1,50 pro Liter wäre, ergäbe das EUR 105,-- pro Monat.
Nach Ihrer neuen Zauberformel müßten sie "nur" EUR 87,-- für den Arbeitsweg zahlen, für den Rest aber zur Strafe EUR 118,--.

Nee, da sollten sie nochmal Hausaufgaben machen, das war nix.

Mit freundlichem Gruß

Anmerkung von Egon W. Kreutzer

Ohne mich als Vorbild hinstellen zu wollen, ich bin auch kein reiner Umweltengel, aber als vor drei Jahren der Audi A3 als erster deutscher Kleinwagen in einer Öko-Version mit einem CO2-Ausstoß von 119 g/100 km auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt wurde, habe ich mit meiner Frau verabredet, dass wir ausprobieren wollen, ob wir in dieses Auto hineinpassen.

Nun wohnen wir auch auf dem Land, und waren an große Kombis gewöhnt, schon wegen der immer wieder recht voluminösen Einkäufe in Baumarkt und Gartencenter. Nach der Probefahrt haben wir das Auto bestellt. Es verbraucht, einschließlich Klimaanlage, durchschnittlich 5,5 Liter auf 100 km - und je mehr Langstrecke dabei ist, desto weniger. Inzwischen ist der Markt mit Autos die um die 5 Liter verbrauchen gut bestückt. Würden Ihre Mitarbeiter von der Motorisierung her an das heute leicht Machbare heranrücken, kämen sie, trotz der 1000 km pro Monat, auch als kinderlose Singles, auf ungefähr die gleichen Kosten wie heute. Ein Kind, das in den Kindergarten, in die Schule, zum Arzt und zur Klavierstunde gefahren werden muss, bringt ein weiteres "Steuersparkontingent", auch die Ehefrau, die vielleicht nur 5 km täglich zur Arbeit fahren muss, erhält ihr Kontingent - und vielleicht zwackt ja der Opa, der nur fährt, wenn es unbedingt sein muss, auch noch einen Liter ab ...

Mit besten Grüßen


Lieber Egon W. Kreutzer,

erstmals ein Artikel von Ihnen, mit dem ich ganz und gar nicht einverstanden bin.
Und deswegen schlage ich sinnvolle Ergaenzungen vor.

Kontingentieren Sie doch auch Strom, Luft und Wasser. Auch der Verbrauch von Infrastruktur koennte man kontingentieren (Parks besuchen, Trottoirs abnutzen) .

HartzIV Empfaenger verkaufen erst ihre Kontingente an die Leute, die viel Geld haben, das spart "Sozialkosten", statt einer altmodischen Karte nehmen wir einen implantierten Chip. (Steuer)numeriert sind wir ja eh schon.

Wollten Sie nicht auf unserem Blog auf Ihre Artikel aufmerksam machen? Ich wuerde mich freuen.

Herzliche Gruesse

Anmerkung von Egon W. Kreutzer

vielen Dank für die Empfehlungen. Die darin zum Ausdruck gebrachte Kritik habe ich auf mich wirken lassen.

Sie haben natürlich Recht, wenn Sie sagen: Noch ein Schritt hin, auf die völlige Kommerzialisierung unserer Lebensgrundlagen, noch ein Schritt hin, in Richtung auf das ungezügelte Wirken der Marktmächte, irgendwann werden wir noch für die Luft zum Atmen bezahlen müssen.

Die Fragen, die ich mir dabei gestellt haben lauten:

  • Sind wir nicht sowieso auf dem Weg dorthin?
  • Sind nicht Kommunikationsmittel, Energiegewinnung und -verteilung, Verkehrswege, Strom, Gas und Wasser nicht längst weit vorangekommen auf dem Weg ins Privateigentum?
  • Hat der Staat sich nicht längst auf den Pfad begeben, an dessen Ende das endgültige Ende aller Steuern auf Vergögen und Einkommen steht?
    Hat der Staat nicht längst beschlossen, sich in näherer Zukunft ausschließlich über Konsumsteuern zu finanzieren?

...und als Horst Köhler dann anfing, von zu niedrigen Benzinpreisen zu faseln, was m.E. nur der Wink mit dem Zaunpfahl für Angela Merkel war, die von der FDP geforderte Einkommensteuersenkung über die gleichzeitig zu beschließende Erhöhung der Steuern auf Benzin und Dieseltreibstoff zu ermöglichen, habe ich versucht eine Möglichkeit aufzuzeigen, wie man auch in Konsumsteuern mehr Gerechtigkeit einbauen könnte.
 
  • Warum soll nicht der Radfahrer monatlich aus dem Verkauf nichtverbrauchter "Steuerbefreiungsrechte" ein Nebeneinkommen beziehen?
  • Warum soll nicht der Geländewagenfahrer für sein unsinniges Herumkariolen ab dem 5. jeden Monats 10 Euro pro Liter Dieses bezahlen müssen?

Ich schlage doch nicht die Kontingentierung von Benzin vor.
Ich schlage die Zuteilung von "Steuerbefreiungsrechten" vor.

Wenn es einen Markt für Emissionsrechte bei den großen Umweltverschmutzern gibt, warum soll es ihn nicht auch für die Kleinen geben?

Mit besten Grüßen

Hallo Herr Kreutzer,

wieder mal genial und gerade deshalb keine Chance in absehbarer Zeit verwirklicht zu werden. Ich frag mich oft wo Sie die Energie hernehmen, einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen die Verdummung durch unsere Medien zu führen. Vielleicht ist es der Glaube an den Schmetterling. In folgendem Video erklärt Hans-Peter Dürr wie in einer instabilen (sensiblen) Situation ein Schmetterling einen Taifun auslösen kann.

 http://www.youtube.com/watch?v=Wik_bas2Sbw&feature=related

Hoffentlich erleben wir bald einen Taifun, der Deutschland vom Nebel befreit. In diesem Sinne versorgen Sie weiter Ihre Schmetterling mit dem nötigen Nektar.

 

Vielen Dank

 


Hallo Herr Kreutzer,

Sie müssen, glaube ich, für Ihre Standardwerke, mal wieder massiv die Werbetrommel rühren. Mir scheint dass einige Ihrer Stammreaktionäre Ihre dargestellten Alternativen noch nicht kennen…

Das tue ich doch glatt! Hau'n Sie drauf, mit der Maus, auf die Trommel!

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