Paukenschlag am Donnerstag
No. 51_52 /2009
vom 24. Dezember 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Normal und nicht normal

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
25 Oasen Peer
26 Geld in der Krise Kreislauf des Irrsinns
27 Bundestagswahl
28 Rentenpolitische Paradoxien
29 Der ungerechte Lohn
30 Der gerechte Lohn

31 ist ausgefallen
32 Vom Unterschied zwischen der Schweine-
grippe und Karl Theodor zu Guttenberg
33 Auf dem Rummel
34 Allegorisches zum Gewähle
35 Deutschland darf OPEL nicht retten
35a Resonanz - Räsonanz
36 Banker und Boni
37 Pandora, die mit der Büchse
38 Reichtum bleibt tabu
40 Die Ruhe vor Schwarz-Gelb
41 Die Tücken des Wahlrechts
42 Per Saldo 2009
43 Galgenhumor ist immer nur vorher
44 Am Beispiel BMW
45 Keine Garantie
46 18.000 Sächsinnen und Sachsen
47 Wo bleibt die Hyperinflation?
48 Das unheimliche deutsche Jobwunder
49 Die Tümer
50 Rettet die Landesbanken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Normal und nicht normal
Gedanken zum Jahreswechsel 2009 - 2010
 
 
Die Vorrede
 
Es ist schwer, herauszufinden, was normal ist.
 
Das "Normale" ist keine Konstante. Das "Normale" ist das nicht vorherbestimmbare, weil unvorhersehbaren Einflüssen unterworfene Resultat statistischer Mittelwertsbetrachtungen.
 
Normal ist, was überwiegt. Normal ist, was den meisten anderen Vergleichsexemplaren ähnlich ist - Normalität ist jedoch stets auf den begrenzten Zeitraum der jeweiligen Gegenwart bezogen.
  • Seit wann ist es normal, ein Mobiltelefon bei sich zu tragen und permanent für Jedermann erreichbar zu sein - und wie lange wird es noch normal bleiben?
  • Bis wann war es noch normal, belichtete Filme aus dem Fotoapparat zu nehmen und zum Entwickeln zu bringen?
  • Seit wann ist es normal, dass Männer, auch solche in hohen Stellungen, bei vielen Gelegenheiten in Freizeitkleidung in der Öffentlichkeit auftreten?

 

 
Drei einfache und vollkommen harmlose Beispiele zum engen Gegenwartsbezug der Normalität reichen vollkommen, um die Normalität als eine der wechselnden Erscheinungen der Zeit zu erkennen.

Diese Beispiele sollten auch ausreichen, um den elementaren Unterschied zu erkennen, der zwischen "normal" und "richtig", zwischen "normal" und "vernünftig", zwischen "normal" und "sinnvoll", zwischen "normal" und "gut", zwischen "normal" und "ausreichend", zwischen "normal" und den vielen weiteren Adjektiven besteht, die im täglichen Sprachgebrauch gedanken- und bedenkenlos durch "normal" ersetzt werden.
 
Dass etwas "normal" ist, heißt nur, dass es gegenwärtig so üblich ist.
Mehr nicht.

Mit zunehmendem Lebensalter wächst der Abstand zu den kleinsten und kleinen Einheiten der Gegenwart. Nicht mehr Tage, Wochen oder Monate sind es, die wir als "unsere Zeit" empfinden, sondern Jahre, Jahrzehnte bis hin zur gesamten Lebensspanne.
 
Mit zunehmendem Alter wächst daher auch die Gefahr, dem früher als gut und gleichzeitig als normal Wahrgenommenen nachzutrauern, gleichgültig ob in Bezug auf Ernährungsgewohnheiten, auf Kleidung, Tischsitten, politische Anschauungen oder auf die Formen der Altersvorsorge, um nur einige Bereiche erheblicher Veränderungen der letzten 50 Jahre anzusprechen.
Wenn es früher normal war, dass Präsidenten und Minister, Kanzler und Premiers ausschließlich krawattentragend in dunklen Anzügen auftraten, bei vielen Anlässen mit Fliege in Smoking oder Frack, so kennen wir heute Präsidenten und Minister, Kanzler und Premiers aus fast aller Herren Länder eher als in lockerer Freizeitkleidung lässig posierende Mitmenschen, denn als steife, unnahbare Regenten.
 
Was früher normal war, ist heute nicht mehr normal.

Aber kann daraus von den Jüngeren abgeleitet werden, dass es sich um einen (positiven) Fortschritt handelt, gibt das den Älteren das Recht, der guten alten Zeit nachzutrauern?
 
 
Nein. So einfach ist das nicht.
 
 
So hilfreich das "Normale" ist, wenn es darum geht,
  • den Zusammenhalt einer Gesellschaft durch normale Rituale und Verhaltensweisen (Begrüßung, Höflichkeitsformeln, Kleiderordnung/Dresscode, Feiertagsbegängnisse etc.) zu festigen,
  • in arbeitsteiligem Wirtschaften durch Vereinheitlichung und Normung Ressourcen zu sparen und sich auf das Wichtige zu konzentrieren,
  • Gesetze und andere gesellschaftliche Vereinbarungen zu formulieren und ihnen zur Durchsetzung zu verhelfen und - last, but not least,
  • die zweckdienliche Unterscheidung zwischen Bekannten und Fremden, zwischen Freunden und Feinden, zwischen Schützenswerten und Vogelfreien, aber auch zwischen Herren und Knechten, Reichen und Armen zu treffen,

 

 
so kontraproduktiv ist das Normale, wenn es sich dem Guten und dem Besseren erfolgreich in den Weg stellt, wenn es wertvolles Überliefertes leichtfertig verwirft und sich, infolge der Möglichkeit der massenhaften Reproduktion gleichartiger Waren, Gedanken, Meinungen und Ideen nicht mehr im breiten Strom der Zeit allmählich den Bedürfnissen der Menschen anpasst, sondern der Menschheit aus Raffgier, Machthunger und Größenwahn von einigen Wenigen, gemeinsam mit der Gewissheit, dafür dankbar sein zu müssen, aufgedrückt wird.
 
 
 
 
Der erste Hauptteil
 
In einer Phase der Schnelllebigkeit, wie sie mit Beginn der Industrialisierung über die Menschheit hereingebrochen ist und inzwischen auch die letzten Winkel der Welt erreicht hat, ist der aus langsameren Entwicklungsperioden gewohnte Prozess, der aus dem Neuen das Bewährte und aus dem Bewährten nach und nach die Normalität erwachsen ließ, beschädigt worden.
 
Unser Bewusstsein hinkt dem Tempo der Zeit hinterher.
Unreflektiert lassen wir zu, dass uns alles, was in großer, überwiegender Zahl in Erscheinung tritt, als normal gilt, und verleihen damit schon der reinen Masse den Qualitätsaspekt des Bewährten.
 
Ein Verhalten, das zur Täuschung geradezu einlädt.
 
Albrecht Müller hat mit seinem Buch "Meinungsmache" und vielen Artikeln in den "Nachdenkseiten" an konkreten Beispielen aufgedeckt, wie von Politik und Wirtschaft mit gezielten Veröffentlichungen und Verlautbarungen, die von einem bestimmten Zeitpunkt an plötzlich und mit dem gleichen Tenor aus unterschiedlichsten Quellen in schier unendlichen Wiederholungen sturzflutartig über uns hereinbrechen, mit Erfolg eine allgemeine Gehirnwäsche betrieben wird.
 
Alleine diese Beispiele zeigen, dass die Einladung zur Täuschung angenommen wird.
 
Um sich dieser Täuschung unmittelbar bewusst zu werden und sich ihr wirksam entziehen zu können, bedarf es jedoch einer Betrachtungsebene, die sich von den konkreten Beispielen loslöst und einzig das Prinzip beleuchtet, nach dem sich die Täuschung:
 
 
Masse = normal = bewährt = gut = Freund
 
vollzieht.
 
Es handelt sich auch hier um ein Prinzip der Evolution, das uns hilft, unter "normalen" Umständen blitzschnell überwiegend richtige Entscheidungen zu treffen.
 
Hoimar von Ditfurth hat in seinem Buch "Der Geist fiel nicht vom Himmel" Experimente geschildert, aus denen hervorgeht, dass schon Hühnerküken einen Raubvogel am Himmel erkennen und die Flucht ergreifen, dass dieses Erkennen jedoch nicht über die Form, die Flugweise, den Schrei oder sonstige, spezielle Eigenschaften erfolgt, sondern ausschließlich dadurch, dass die Silhouette des Raubvogels seltener am Himmel erscheint, als die harmloser Vögel.
 
Hühnerküken registrieren die Masse, das Übliche, als normal, die Abweichung, die Besonderheit, als "nicht normal" und reagieren auf "nicht normal" mit Flucht.
Ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Verhaltensmuster, das bis auf den heutigen Tag zum Überleben der Hühnervögel mit beigetragen hat.
 
Ditfurth beschreibt in diesem Buch jedoch mit gleicher Eindringlichkeit, dass alles, was die Evolution in den frühen Stadien der Entwicklung jemals erfunden hat, auch heute noch in den Schaltplänen unseres Gehirns funktionsfähig enthalten ist - und häufig schneller und zuverlässiger funktioniert als das verhältnismäßig junge Großhirn mit seiner Fähigkeit zu bewusster Wahrnehmung und vernunftbegründeten Entscheidungen.
 
 
Masse = Normal
 
Diese Gleichsetzung ist ein entwicklungsgeschichtliches Erbe, das in seinen Wirkungen so falsch nicht sein kann, hat es doch auch den Menschen in seiner Entwicklung bis in das Jahr 2009 unserer Zeitrechnung begleitet.
 
Doch so einfach wie zu Zeiten der Entstehung des Fluchtreflexes der Hühnerküken ist die Welt heute nicht mehr.
 
Zwar haben es die Raubvögel bisher nie geschafft, die rein zahlenmäßige Luftüberlegenheit zu erringen, was zunächst fatal für die Hühner und alle anderen, genauso reagierenden Beutetiere wie Mäuse, Kaninchen und Hamster gewesen wäre, kurz darauf aber auch eine verheerende Hungersnot unter den Raubvögeln ausgelöst hätte,
 
doch unter den Menschen gelingt es einigen - unter Nutzung der Fähigkeiten ihrer Großhirnrinde - mit der Gleichsetzung Masse = Normalität, mitten in dem "friedlichen Hühnerstall" vertrauensseliger Mitmenschen ungestört Beute zu schlagen.
 
... und dabei sind sie raffiniert genug, die Population nicht schwinden zu lassen. Im Gegenteil: Mit dem massenhaft vorgetragenen Auftrag, Kinder in die Welt zu setzen, haben sie mit dazu beigetragen, die gegenwärtige "Normalität" von fast 7 Milliarden Menschen auf der Erde zu schaffen - und erhalten sich damit ein schier unerschöpfliches Potential pflegeleichter, weil nur untereinander um Nahrung, Wasser und Lebensraum konkurrierender Untertanen, die für den kleinsten Hauch einer Vergünstigung bereit sind, ihre ganze Leistungskraft dem fremden Willen unterzuordnen.
 
In allen Kriegen der Weltgeschichte töteten und starben die Kämpfer, weil ihnen, in der Analogie zu den Hühnerküken, nur die Silhouetten der eigenen Landsleute vertraut waren und man sie mit voller Absicht in jener instinktiven Furcht bestärkte, die es vermag, in einem neuronalen Kurzschluss, am Großhirn vorbei, aus Fremden Feinde und aus Feinden Ziele zu machen.
 
In allen Kriegen der Weltgeschichte unterstützten die nicht kämpfenden Frauen, Kinder und Greise ihre Soldaten nach Kräften, weil man sie mit voller Absicht in ihrer instinktiven Furcht bestärkte. Zeichner mussten entsetzliche Bilder der abscheulichen Feinde herstellen, damit die Zuhausegebliebenen wussten, gegen welche Ungeheuer die tapferen Helden angetreten waren.
 
War ein Krieg gewonnen, gewöhnte man sich an den Anblick der Angehörigen des ehemaligen Feindvolkes, weil man nur dadurch, dass man ihre Gegenwart zur Normalität erklärte, ihre Sklavendienste in Anspruch nehmen konnte.
 
War ein Krieg verloren, gewöhnte man sich an den Anblick der Angehörigen des ehemaligen Feindvolkes, weil man nur dadurch, dass man ihre Gegenwart als Normalität akzeptierte, sein Weiterleben, wenn auch als Sklave, sichern konnte.
 
Befindet sich eine große Zahl Feinde im eigenen Land,
wird das alsbald als normal angesehen.
Gleichgültig, ob man Sieger oder Besiegter ist.
 
 
Man muss also die Menschen einander nahebringen, wenn die Bestrebungen, Frieden zwischen den Völkern zu schaffen, eines Tages Erfolg haben sollen.
 
Schüleraustausche und Auslandssemester sind gut geeignet, den Raum der eigenen Normalität auch auf Ausländer auszudehnen. Selbst Urlaubsreisen, die den Touristen die Möglichkeit geben, die Einheimischen kennenzulernen, tragen noch dazu bei, obwohl die Intensität geringer ist.
 
Urlaub im Touristenghetto, in abgeschotteten Clubanlagen, wo Gäste allenfalls in einer organisierten Brauchtumsschau von Schauspielern dargestellte, geschmäcklerisch abgeschliffene Relikte der Landeskultur zu sehen bekommen und dann glauben, sie hätten Mexiko, die Türkei oder die Malediven gesehen, verstärken die Furcht eher, weil man sich dort - noch mehr als zuhause - hinter den Mauern der Clubs vor der fremden Kultur verschanzt. Schließlich will man sich erholen...
 
Alle Bestrebungen, Frieden zwischen den Völkern zu schaffen sind aber langfristig zum Scheitern verurteilt, wenn es nicht gelingt, die Menschen, auch wenn man sie einander nahegebracht hat, auch rechtlich, wirtschaftlich und sozial einigermaßen gleichzustellen.
 
Polnische Erntehelfer auf den Spargelfeldern, russische und tschechische Estrich- und Fliesenlegerkolonnen, aber auch Asylbewerber ohne Arbeitserlaubnis haben keine Chance, die Deutschen, die sie während ihres Aufenthaltes im Lande kennenlernen in ihren "Raum der Normalität" zu integrieren.
 
Zu Ungleich sind die Rahmenbedingungen, unter denen sie aufeinandertreffen.
Obwohl der unterprivilegierte Ausländer seine Rolle im fremden Land für sich als normal akzeptieren wird, weil er nicht alleine ist, weil er dieses Schicksal mit vielen seiner Freunde und Bekannten teilt, wird er die aus seiner Sicht privilegierten Inländer nur dann als normal ansehen können, wenn er bereit ist, das Risiko der Immigration bzw. Emigration auf sich zu nehmen, wenn er gewillt und bereit ist, anders zu werden als er war - ganz anders.
 
Das Problem, das wir mit unseren sogenannten Migranten haben, ist ein Problem, das real existiert und das, ganz unabhängig von allen ideologischen Brillen durch die man es betrachten mag - von blanker Ausländerfeindlichkeit bis hin zu fröhlicher Multi-Kulti-Naivität - so lange nicht gelöst werden kann, wie es nicht gelingt, die volle rechtliche, wirtschaftliche und soziale Gleichstellung der Migranten herzustellen.
 
Selbst der integrationswilligste Migrant wird seine heimatliche Normalität immer nur so weit aufgeben können, wie er ausreichend Anteil an der Normalität des vorläufigen Gast- und letztlich erhofften Heimatlandes haben kann.
Integration ist ein Prozess der nur mit weitgehender Gegenseitigkeit erfolgreich vollzogen werden kann. Es gehört der Wille des Migranten dazu, seine alte Identität aufzugeben - und es gehört der Wille der gesamten Gesellschaft dazu, die alte Identität des Migranten zu vergessen.

Normalität ist das Verhalten der überwiegenden Mehrzahl der Individuen in der überwiegenden Mehrzahl der vergleichend betrachteten Kriterien.
 
Wo in einem bayrischen Dorf dreißig Prozent der Männer am Sonntag in die Kirche gehen und sich siebzig Prozent der Männer, wenn die Kirche aus ist, beim Wirt zum Frühschoppen treffen, ist das dort das normale Verhalten.
 
Da sind die drei Muslime des Dorfes mit ihren Gebetsteppichen bestenfalls Zielscheibe gutmütiger Spötteleien. Schlimmstenfalls werden sie Opfer einer im Nachhinein für alle Beteiligten vollkommen unerklärlichen Prügelei.
 
Aber auch wenn in einer Großstadt in NRW die Türme der christlichen Gotteshäuser plötzlich vom Minarett einer Moschee Konkurrenz bekommen sollen, ist die erste Reaktion die Unterscheidung in "Regel" und "Ausnahme", in "normal" und "nicht normal" in "Freund" und "Feind".
 
 
Was aber steht den Bestrebungen, Frieden zwischen den Völkern zu schaffen, die Menschen sich nahezubringen und sie rechtlich, wirtschaftlich und sozial einigermaßen gleichzustellen, eigentlich im Wege?
 
Die Antwort fällt nicht leicht. Die Realität kennt millionenfache Gründe, zumeist mit scheinrationalen Argumenten untermauert, die zumeist beginnen mit Formulierungen wie:
    • " Was wir geschaffen haben..."
    • "Was wir gewohnt sind..."
    • "Was zu unserer Identität gehört..."

 


Und die regelmäßig enden mit der Kampfansage:
    • "... das lassen wir uns doch von denen nicht nehmen!"
 
 
Eine Argumentation, die wir aber nicht nur aus der Migrations-Debatte kennen. Es ist eine Argumentation, die wir so oft hören, dass sie uns als vollkommen normal erscheint - es ist die Argumentation der sich von oben nach unten, Etage für Etage abschottenden Klassengesellschaft.
 
Wer behauptet, es gäbe in Deutschland keine Klassengesellschaft, träumt einen krass realitätsfernen Traum!

Ein Traum, der sich aus den ersten Tagen der Nachkriegszeit, aus den Tagen des allgemeinen Zusammenrückens, der scheinbaren Gleichheit aller in der Not eines zerbombten Landes in manchen Köpfen noch heute erhalten hat.
 
Es ist ein Traum, den wir natürlich alle träumen sollten, aber als den Traum von einem erstrebenswerten Ziel, nicht als das Resultat von soviel Bier und Korn wie es braucht, bis die Realität schöngesoffen ist.
 
Die Klassen in der deutschen Gesellschaft sind annähernd so zahlreich wie die Kasten Indiens - und die unterste Klasse der deutschen Bevölkerung ist mindestens ebenso unberührbar wie die Parias auf dem Subkontinent.
 
Auch wenn es nicht normal ist, ausländische Schwarzarbeiter, die im Auftrag ausländischer Subunternehmer von den deutschen Subunternehmern deutscher Subunternehmer international tätiger Baukonzerne gnadenlos ausgebeutet werden, zur deutschen Bevölkerung zu zählen - sie gehören dazu, wie die Sklaven Athens zur Athener Bevölkerung gehörten und die Sklaven Roms zur Bevölkerung des alten Roms gezählt werden müssen - denn: Sie sind ein Teil des Fundaments, auf dem der Wohlstand, der unserer Gesellschaft nachgesagt wird, errichtet ist.
 
In Wahrheit lebt unsere Gesellschaft nicht in Wohlstand. Unsere Gesellschaft lebt in weiten Teilen in Armut, in großen Teilen in sogenannten "ordentlichen Verhältnissen", die im Grunde nur moralisch von der Armut zu unterscheiden sind, weil man sich darin einrichten kann, ohne betteln zu müssen oder auf Transferleistungen angewiesen zu sein. Ein kleiner Teil unserer Gesellschaft lebt in Verhältnissen, die man als bescheidenen Wohlstand bezeichnen kann, ein viel kleinerer Teil in Verhältnissen, die man mit Fug und Recht Wohlstand nennen darf und ein winziger Bruchteil lebt in sagenhaftem Reichtum.
 
Die Klassengrenzen verlaufen ungefähr so:
 
Knapp oberhalb der ausländischen Schwarzarbeiter rangieren einheimische Obdachlose, darüber erwerbsunfähige Sozialhilfeempfängerinnen und Sozialhilfeempfänger, darüber deren Kinder, darüber die nicht erwerbstätigen ALG II - Bezieher, darüber die ALG I - Empfänger mit niedriger Qualifikation, darüber die geringfügig Beschäftigten, die Teilzeitjobber, die Leiharbeiter, darüber die ALG I - Empfänger mittlerer Qualifikation, darüber die vollzeitbeschäftigten Dienstleister, wie Friseure, Verkäufer, Krankenschwestern und Polizisten darüber die Maurer, Industriearbeiter, Kfz-Mechatroniker, und ähnliche, darüber ALG I Empfänger hoher Qualifikation, darüber die kleinen kaufmännischen und technischen Angestellten in den Büros, darüber die Gruppenleiter, darüber die Abteilungsleiter, darüber die Manager, die Top-Manager und ganz oben diejenigen, die es als ihre Aufgabe ansehen, Top-Manager zu heuern und zu feuern.
 
Alle Angehörigen jeder Klasse sind strikt bemüht, sich das, was sie geschaffen haben, was sie sich erarbeitet haben, was ihre Identität ausmacht, nicht von anderen wegnehmen zu lassen.
 
Auch nicht auf dem Wege der Umverteilung über den Staat.
 
Die Normalität des Sozialhilfeempfängers und die Normalität des Abteilungsleiters unterscheiden sich so eklatant, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in Beruf oder Freizeit irgendwo begegnen, äußerst gering ist, und der Wunsch, sich zu begegnen auf beiden Seiten de facto nicht vorhanden ist.
 
Die Normalität des Eigentümers einer großen Handelskette, eines internationalen Schraubenimperiums oder einfach nur eines international agierenden Großaktionärs unterscheidet sich von der Normalität eines Abteilungsleiters in einem ihrer Unternehmen so eklatant, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich in Beruf oder Freizeit je begegnen, äußerst gering ist und der Wunsch, sich zu begegnen, allenfalls beim noch hoffnungsvollen Jungmanager vorhanden ist.
 
 
Das alles ist normal.
Denn es ist massenhaft zu beobachten - und was massenhaft auftritt, das macht uns keine Angst, da sind wir dämlich wie frisch geschlüpfte Hühnerküken.
 
 
 
 
Der zweite Hauptteil
 
 
In unserer Welt, in der es normal ist, dass eine Amsel von einem Garten zum anderen fliegt, dass sie hier ein paar Grassamen abzupft, dort einen kleinen Käfer frisst, im nächsten Garten an Kirschen oder Weintrauben nascht und beim nächsten Nachbarn, hoch vom Baum herunter, schamlos auf den Kopf des Hausherrn kackt,
 
in dieser unserer Welt ist es gleichzeitig normal, dass Menschen an andere Menschen Gebühren entrichten müssen, wenn sie unter einem Dach schlafen, wenn sie einen Acker bearbeiten, einen Laden betreiben wollen, ja selbst wenn sie in der Innenstadt ihr Auto parken wollen oder ihre Notdurft verrichten müssen.
 
Nichts ist umsonst, überall stehen Eigentümer und Rechteinhaber und verlangen Geld, bevor sie die Nutzung ihres Eigentums gestatten.
 
Es ist in der Geschichte wahrscheinlich sehr viel öfter und mit sehr viel größerem Erfolg auf Menschen geschossen worden, weil sie Eigentumsrechte verletzten oder verteidigten, als auf Vögel. Alle herrschaftlichen Jagdvergnügen eingeschlossen.
 
Die Freiheit des Vogels, sich niederzulassen, wo es ihm gefällt, respektiert man. Die Freiheit des Menschen, einen Platz einzunehmen, an dem er sich entfalten kann, existiert nicht.
 
Das Recht, einen Platz einzunehmen ist kein allgemeines Freiheitsrecht, sondern ein an das Eigentumsrecht gebundenes Privileg.
 
Ein Privileg, das durch Miet- und Pachtverträge auf Zeit gegen Entgelt abgetreten werden kann, aber nicht muss.
 
Dass es in dieser Welt "normal" ist, dass jeder jedes Stückchen Eigentum, das er oder seine Vorfahren jemals ergattert haben, mit Klauen und Zähnen gegen jedermann verteidigt - und, dass es ebenso "normal" ist, dass viele andauernd auf Mittel und Wege sinnen, das Eigentum anderer an sich zu bringen, darf nicht verwundern.
 
Schließlich gewährt Eigentum, egal ob es erarbeitet, ererbt oder gestohlen wurde, ob es dem Eigentümer durch Betrug, durch Mord, durch Krieg, durch Lüge oder Hinterlist in die Hände fiel, das Recht, von jedermann, der es nutzen will, Zinsen oder Gebühren zu fordern.
 
Das erachten wir sogar als ganz besonders normal, weil es schon seit Jahrhunderten, vielleicht seit Jahrtausenden so üblich ist. Die Einteilung der Welt in Eigentümer und Habenichtse, die wir von Kindesbeinen an als die Regel wahrnehmen, erachten wir für so normal, dass uns jegliche Ausnahme erschreckt.
 
Ein Habenichts, der sich anmaßt, sich in Kleidung, Auftreten und Gehabe wie ein Reicher zu verhalten, gilt als Hochstapler.
 
Ein Reicher, der - mit welcher Absicht auch immer - inkognito unter die Armen geht, wird, sobald er erkannt wird, als Spinner oder Spanner angesehen und verjagt, und falls sein Verhalten in seinen Kreisen ruchbar wird, wird man sich auch dort gegen ihn abschotten.
 
Ein Reicher, der sein Vermögen den Armen vermachen will, muss damit rechnen, eiligst entmündigt zu werden; ein Armer, der unverhofft zu einem Vermögen kommt, wird von den Reichen als Neureicher ausgegrenzt und von den Armen, aus deren Mitte er stammt, nicht mehr angenommen - es sei denn, er verschenkt alles innerhalb kürzester Zeit.
 
 
 
Die Frage, die es ob soviel Normalität zu beantworten gilt, heißt:
 
"Ist immer alles gut, was normal ist?",
 
und die Antwort lautet:
 
"Nein".
 
In einer Welt, in der nicht mehr die einfachen Gesetze der Natur gelten, in der nicht in den jeweiligen Artengemeinschaften die geschicktesten, stärksten, zuweilen auch die schönsten Exemplare jeder Art ihre Reviere abstecken, ihr Futter oder ihre Beute suchen, sich fortpflanzen und der nächsten Generation das Feld überlassen, damit sich die Jungen aufs Neue ein Revier abstecken, Futter oder Beute suchen, sich fortpflanzen, und so weiter,
 
in einer Welt in der stattdessen von Geburt an für jeden Menschen nahezu unverrückbar feststeht, ob er sein Leben lang zu den Ausbeutern oder zu den Ausgebeuteten gehören wird, in der die Rede von der Chancengleichheit aller Menschen ein schlechter Witz ist, dessen Pointe durch die andauernde Wiederholung so verbraucht ist, dass er gar nicht mehr als Witz erkannt wird,
 
in einer solchen Welt kann nicht alles gut sein, was normal ist - im Gegenteil, in einer solchen Welt muss das Meiste, was als normal angesehen wird, weil es die Regel ist, eher schlecht sein als gut.
 
Die Unterscheidung in gut, nützlich, sinnvoll und hilfreich einerseits, und schlecht, unnütz, sinnlos und schädlich andererseits, gelingt am besten, wenn die Begriffe normal und Normalität überall da, wo sie einen wertenden Charakter annehmen, vermieden werden.
 
Wer sagt und denkt:
    • Es ist üblich - aber ist es deshalb auch sinnvoll?
    • Es ist zur Gewohnheit geworden - aber ist es deshalb auch nützlich?
    • Es ist die Regel - aber wem ist damit gedient?
    • Es ist in den meisten Fällen so - aber ist das auch gut so?

 

 
verschafft sich die Freiheit, Sachverhalte selbst zu bewerten, die sonst, geschützt vom Etikett "Normal" nicht hinterfragt werden. Dabei kann die Wertung durchaus auch oft positiv ausfallen, ja warum denn nicht?
Aber es ist eben ein Unterschied, ob der Wert des Üblichen, der Nutzen einer ungeschriebenen Regel an einem tatsächlichen Nutzen oder Schaden bemessen wird, oder, wie beim Hühnerküken, nur von der Anzahl gleichartiger Beobachtungen bestimmt wird.
 
Wer sich diese Freiheit erarbeitet hat, wird bald auch erkennen, welchen Wert Argumente haben, die sich auf nichts anderes stützen, als auf die Macht der Gewohnheit. Welche Erkenntnis, welcher Sinngehalt steckt in Argumenten, wie den Folgenden?
    • Das haben wir schon immer so gemacht.
    • Das hat noch niemand versucht.
    • Das entspricht nicht unserer Praxis.
    • Sie werden es schon auch noch einsehen.
    • Bekanntlich ist es doch ganz anders.
    • Dafür gibt es doch gar keinen Markt.
    • Das passt nicht in unser Programm.
    • Wollen Sie sich damit lächerlich machen?

 

 
Bei näherem Hinsehen sind das alles nur Hervorbringungen von Hühnerhirnen.
 
Für jede Erscheinung, die im Gesichtskreis auftaucht, gibt es nur zwei Interpretationsmöglichkeiten:
 
bekannt, also ungefährlich
oder
unbekannt, also gefährlich
 
Die fürchterliche Konsequenz der Einstufung als "bekannt, also ungefährlich", ist, dass auch uns Menschen beim Auftreten bekannter/üblicher Phänomene keine weitere Reaktion erforderlich scheint.
 
Dabei vergessen wir nur zu oft, dass es heutzutage ein Leichtes ist, Erscheinungen "bekannt" zu machen.
 
Wir schalten das Fernsehgerät ein - und von der Regie wird das Bild derjenigen Kamera ausgewählt, die gerade die meisten fähnchenschwenkenden Menschen zeigt. Schon erscheint uns das Schwenken von Fähnchen, das bei einem einzelnen Menschen in einer großen Menge lächerlich wirken würde, als angemessenes Verhalten - und schwupps hatten wir, als Weltmeister der Herzen, in Deutschland mehr schwarz-rot-goldene Fähnchen, Wimpel und Flaggen an Autos, in Fenstern, auf Balkonen und in Vorgärten, als Menschen.
 
Wir schalten das Fernsehgerät ein - und wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass im Abendprogramm eine als Sport bezeichnete Schlägerei übertragen wird. Das ist seit ein paar Jahren wieder üblich, auch bei den öffentlich rechtlichen Sendern, die Gewaltsportart Boxen zu übertragen.
 
Wir schalten das Fernsehgerät ein - und sehen, was uns bekannt vorkommen soll, damit wir uns nicht ängstigen, vor allem aber, damit wir nicht darauf reagieren.
 
Vieles, was wir heute - um das Wort noch einmal zu gebrauchen - als "normal" ansehen, war zuerst nur "Fernsehen".
 
Fernsehen an sich ist bekannt, also ungefährlich.
Was im Fernsehen gezeigt wird, ist allgemein bekannt und kann daher ignoriert werden.
 
Das Fernsehen - in seiner Massenwirkung - hat sich zur obersten Instanz der "Normalität" entwickelt. Was das Fernsehen zeigt, ist normal, auch wenn der Tenor der Sendung kritisch ist. Man zeigt uns, wie den Hühnerküken im Experiment viele Raubvögel und erklärt dazu in scheinbar bester Absicht, dass wir uns vor Raubvögeln vorsehen sollen - doch das kommt gar nicht an. Uns genügt die große Zahl, um uns in Sicherheit zu wiegen. Wenn viele Raubvögel üblich sind, ist alles in Ordnung.
 
Kommt jedoch einmal ein Jahr ein Singvogel ins Programm, sind wir irritiert und schalten ab. Bitte, ein paar Beispiele gefällig?
    • Dass Politiker lügen, ist normal. Das Fernsehen zeigt es uns täglich, warum darüber aufregen?
    • Dass Nahrungsmittel mit Schadstoffen belastet sind, ist doch längst normal, das Fernsehen berichtet immer wieder darüber.
    • Dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, das ist doch nur normal. Ruhig bleiben.
    • Dass es haufenweise Sozialschmarotzer gibt und dass schärfer kontrolliert werden muss, das hat uns das Fernsehen oft genug gezeigt.
    • Dass die Banken systemrelevant sind und mit hunderten von Milliarden Euro gerettet werden müssen, ist doch normal. Das Fernsehen erzählt es uns oft genug.
    • Gegeeltes Haar am Ministerkopf: Ganz normal, wir haben es oft genug gesehen.

 

 

Aber
    • Dass die Linken auch gute Ideen haben, das ist ausgeschlossen.
      Davon war im Fernsehen nie die Rede.
    • Dass die Schulden des Staates, auf die wir Steuerzahler Zinsen bezahlen müssen, gleichzeitig Guthaben irgendwelcher Gläubiger sind, und unsere Zinszahlungen deren Einkommen, das mit 25% niedrigst besteuert wird, das kann nicht sein. Die hätte man ja im Fernsehen mal sehen müssen.
    • Und dass der Priol und der Schramm sich im Fernsehen alle vier Wochen einmal für ein Stündchen aufregen dürfen, das ist sonderbar. Normal sind die nicht!

 

 
 
Das Internet ist in Gefahr, den gleichen Weg zu gehen. Einerseits, weil die Massenmedien in breiter Front dort eingebrochen sind und den Surfern mit ihren "normalen" Inhalten und höchstem Google Ranking den Weg zu den abweichenden Fakten und Meinungen verstellen, andererseits, weil diejenigen, die versuchen, sich dem "Normalen" mit ihren eigenen Wertungen entgegenzustellen, umso erfolgreicher sind, je mehr sie sich in Form und Inhalt dem Bekannten, dem Normalen anpassen.
 
Insofern wandeln gerade die bekanntesten Vertreter vom Mainstream abweichender Meinungen auf einem schmalen Grat:
 
Links droht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit,
rechts der unmerkliche Untergang in der Beliebigkeit des Normalen.
 
So entsteht letztlich auch beim Medienkonsum die Notwendigkeit der Abkehr von der liebgewonnenen Gewohnheit,
    • einfach das, was man oft genug gehört hat, zu glauben - und
    • abweichenden Meinungen großräumig auszuweichen.

 

 
Blogs und Foren tragen einen nicht unerheblichen Teil zur Verbreitung von Meinungen und Informationen bei. Doch nur, weil der Blogger oder der Forenposter es vorzieht, auf einer halbprivaten, oft auch anonymen Ebene zu arbeiten, nur weil hundert Foren und hundert Blogs - inzwischen über weitgehend automatisierte Prozesse - die Inhalte der wenigen aktiven Schreiber gleichzeitig übernehmen und damit eine nicht zu verkennende "Gegennormalität" schaffen, ist das, was in hundert Blogs gleichzeitig und gleichlautend auftaucht, noch lange nicht als gut, nützlich, sinnvoll oder hilfreich einzustufen! Masse ist kein Qualitätsmerkmal.
 
 
 
Das Nachwort
 
Das Thema ist längst nicht erschöpfend behandelt.
Dennoch soll es abgeschlossen werden.
 
 
Ein neues Jahr beginnt in wenigen Tagen.
 
Es ist gut, dass wir dieses astronomische Ereignis zum Anlass nehmen, innezuhalten, dass wir auf das abgelaufene Jahr zurückschauen und für das kommende Jahr gute Vorsätze fassen. Auch wenn es nicht gelingen wird, alle in die Tat umzusetzen.

2010 wird ein schwieriges Jahr.
    • Wir haben eine Regierung gewählt, die ihren Kurs noch nicht gefunden hat.
    • Die Weltwirtschaft und das Weltfinanzsystem sind längst nicht stabilisiert.
    • Die volkswirtschaftlichen Indikatoren lassen für den Export, für den Binnenmarkt und den Arbeitsmarkt neue Verwerfungen und Einbrüche befürchten.
    • Die Staatsfinanzen sind hoffnungslos zerrüttet und werden, in Verfolgung der Strategie Milton Friedmans, die Staaten zu schwächen, weiter in die Zerrüttung geführt werden, während die Privatisierung staatlicher Aufgaben und staatlichen Vermögens munter vorangetrieben wird.
    • Das militärische Engagement Deutschlands in vielen Gegenden der Welt wird quantitativ und qualitativ auf einen neuen Höhepunkt zusteuern, - nachdem jetzt auch das gezielte Töten auf bloßen Verdacht zur Normalität einer Gesellschaft gehört, die sich vor 60 Jahren geschworen hatte: "Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen."

 

 
 
2010 wird für viele von uns ein Jahr einschneidender Erlebnisse werden. Die Ursachen liegen in den falschen Weichenstellungen der Vergangenheit. Jetzt fahren wir mit dem ICE Achter- und Geisterbahn.
 
Ich wünsche Ihnen viel Glück für diese Fahrt.
 
Genießen Sie den Rausch von Risiko und Chance - Aussteigen ist unmöglich und Festhalten ist sinnlos.
 
Hauptsache ist, dass Sie sich die Fähigkeit bewahren, diesen Wahnsinn auch dann noch als Wahnsinn zu erkennen, wenn alle Hühner beschlossen haben werden, dass Bussarde, wenn es nur viele genug sind, eine bekannte und daher gute, sinnvolle, nützliche und hilfreiche Erscheinung sind.
 
Mit besten Grüßen
 

Ihr
Egon W. Kreutzer
 
 
 
 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

(...) Alleine Ihr letzter 'Kommentar' zum 'Normal'-Begriff, hat mich intensiv begeistert. Und da er mich von der ersten bis zur letzten Zeile äußerst sympathisch berührt hat, wird er – so quasi als Anregung zum Neuen Jahr – den Weg zu dem einen oder anderen 'Aufgeweckten' in meiner digitalen 'Raupensammlung' finden, sobald ich dafür den Kopf wieder frei und die Zeit habe, dann aber mit Gewißheit.

Nochmals vielen Dank für Ihre unermüdlichen Bemühungen um ein besseres Verständnis der Realitäten

mit freundlichen Grüssen


Lieber Herr Kreutzer,

einfach genial. Ich finde, das ist der beste Paukenschlag dieses Jahres.
Er beschreibt am deutlichsten warum so viele unsrer geliebten Mitbürger tatenlos zusehen wie unser Land verramscht wird und kaputt gemacht wird.
Normal ist wirklich, was im TV läuft ( Dschungelcamp, Supertalent, RTL-Nachtjournal.....).
Unnormal ist, wenn man kein, oder fast kein Fehrnsehen schaut. Und wenn man dann noch seine Kinder (ich hab 3) nicht an dieser gesellschaftlichen, so hochwichtigen, täglich mehrere Stunden parktizierten "Normalität" teilhaben lässt, dann wird man meist als schier verrückt erklärt.
Aber ich habe mich dran gewöhnt , und werde weiter versuchen meine Kinder zum Augenoffenhalten erziehen, auch ohne Fehrnsehen (höchstens als schlechtes Beispiel.).
In diesem Sinne

schöne Weihnacht und einen guten Rutsch

Lieber und sehr geehrter Herr Kreutzer,

schöne Gedanken und auch einige bissige Formulierungen. Sehr ausgewogen. Sehr ruhig. Ich wünsche Ihnen auch ruhige Weihnachten und für das angehende Katastrophenjahr nur das Bestmögliche. Vor allem aber bedanke ich mich für Ihre nimmermüde Kraft, dafür, das ich scheinbar wenigstens einen Menschen "kenne" der vergleichbar kritisch denkt und mich nicht mit seiner "Normalität" schier zum Wahnsinn treibt. Oder zumindest in die sprachlose Verblüffung. Oder einfach nur dazu, mich mit hängenden Schultern umzudrehen wenn ich mal wieder unüberwindliche Mauern einrennen wollte (und ja, sie sind unüberwindbar und scheinen nicht nur so).

Ich danke Ihnen von ganzen Herzen Herr Kreutzer und ja, Sie können diesen Dank gerne als Reaktion plazieren auch wenn er sich nicht auf einzelne Punkte der Gedanken zum Jahreswechsel bezieht. Ich freue mich, wenn mein Dank auch von anderen Menschen/Lesern zur Kenntnis genommen wird.
Und heeeeeda... nicht über die 4 Wochen meckern zwischen den Priol/Schramms - gut Ding braucht ein bißchen und wenn die öfters kommen würden, würden sie recht schnell in die Bedeutungslosigkeit absumpfen - wetten? :-)
Das Gleiche gilt auch für die Mitternachtsspitzen.
Also gut, doch einen Kommentar direkt zu den Gedanken: schön aufgeschlüsselt, diese unsere Kastengesellschaft.


Herzliche Grüße

Nachtrag:

ich glaube wir empfinden die allgegenwärtigen Überwachungskameras auch als normal - weil es so viele sind? *g


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