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Q!u |
- Das
- unheimliche
- deutsche Jobwunder
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- In dieser Woche war es wieder
einmal so weit. Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlichte
ihren Monatsbericht November 2009.
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- Die
- - weniger wegen der grassierenden Schweinegrippe,
mehr wegen der allüberall grassierenden Redaktions-Abspeck-Kuren
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- an den Rand der Arbeitsunfähigkeit
gedrängten Redaktionen unserer unabhängig und neutral
berichtenden Medienkonzerne stürzten sich verzweifelt auf
des Pudels hübsch geschorene Fassade und vermeldeten in
großen Überschriften:
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- Handelsblatt, 1. 12. 2009
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- Sinkende Arbeitslosenzahl:
Deutsches Jobwunder hält
auch in der Krise an
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- Süddeutsche, 1. 12.
2009
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- Robuster Arbeitsmarkt
Trotz Krise steigt die
Zahl der Jobsuchenden nur leicht
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- Deutsche Welle, 1.12.2009
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- Zahl der Erwerbslosen im
November leicht gesunken
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- Focus, 1.12.2009
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- Deutscher Arbeitsmarkt überrascht
auch im November positiv
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- und so weiter, und so weiter,
usw.
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- Das Gleiche findet man auf der
hochoffiziellen Website der schwarz-gelben Koalition:
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- Die Bundesregierung, 1.12.2009
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- Weniger Arbeitslose im November
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So viele Stimmen, so
wenig Wahrheit
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- Es ist ja nicht keine
Wahrheit, wenn man
den Arbeitsmarkt als einen "robusten" bezeichnet. Schließlich
könnte jeder wissen, dass "robust" seit einiger
Zeit bedeutet, dass man, wenn man sich, wie die Bundeswehr, in
einem kriegsähnlichen Zustand befindet, dort angemessen
zurück und auch präventiv zuschlägt. Das (!) ist
robust.
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- Da haben wir doch ein Adjektiv
gewählt, das die Lage auf dem Arbeitsmarkt zutreffend beschreibt.
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- Ein bedauernswert unbedarfter
Medienkonsument, wer anderes dabei denkt.
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- Es ist ja ebenfalls nicht
keine Wahrheit,
wenn man vermeldet, das Jobwunder halte auch in der Krise an.
Wir kennen das doch vom Autofahren.
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- Das Anhalten ist der Vorgang,
der dem Stillstand vorangeht.
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- Ein anhaltendes Jobwunder ist
also ein Jobwunder, das zum Stehen kommt, und wenn geschrieben
wird, es halte auch in der Krise an, so heißt das doch
nur, dass es auch vorher schon angehalten hat, dass es auch schon
vor der Krise nicht mehr recht vorwärts gekommen ist, das
deutsche Jobwunder.
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- Ein bedauernswert unbedarfter
Medienkonsument, wer anderes dabei denkt.
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- Es ist ja zudem auch nicht
keine Wahrheit,
wenn man fabuliert, der deutsche Arbeitsmarkt überrasche
auch im November positiv. Wer einer Volkswirtschaft die Diagnose
stellt, sie sei "arbeitsmarktpositiv", der erklärt
doch damit nach allgemeinem Sprachverständnis, dass sie
vom hochgefährlichen Arbeitsmarkt befallen ist. Wer das
überraschend findet, der muss davon ausgegangen sein, dass
die Volkswirtschaft im November von der Infektion mit dem Arbeitsmarktvirus
genesen werde, dass der Arbeitsmarkt in der Krisis vollends überwunden
werden könnte und die fieberhaft aufgeheizten Lohnstückkosten
endlich zügig ins Bodenlose fallen können.
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- Ein bedauernswert unbedarfter
Medienkonsument, wer anderes dabei denkt.
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- Ein bedauernswert unbedarfter
Medienkonsument, wer glaubt, es hätte irgendjemand unter
den Schlagzeilen-Textern sich der Mühe unterzogen, den fast
100 Seiten starken Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit
ernsthaft durchzuarbeiten.
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- Sonst hätten die Schlagzeilen
anders lauten müssen. So, zum Beispiel:
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BALT am Dienstag, 1.12.2009
Explosion der Leistungsempfänger
Wie die Bundesagentur für
Arbeit berichtet, erhielten im November schon 5,9 Millionen Menschen
Leistungen nach SGB III und SGB II.
Das ist ein Zuwachs von 361.000
in nur einem Jahr und das bedeutet, dass täglich rund 1.000
hungrige Mäuler hinzukommen, die vom Steuerzahler gestopft
werden wollen. |
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- Der KOMET, 1.12.2009
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- Sozialversicherungspflichtig
beschäftigt?
Nein danke!
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- Immer mehr Menschen entziehen
sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, einer sozialversicherungspflichtigen
Tätigkeit nachzugehen. Alleine in den letzten 12 Monaten
haben sich erdrutschartig 202.000 Personen aus der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung zurückgezogen. Ein großer Teil
davon nur, weil eine absolut egoistische Denkweise vorherrscht,
die glauben macht, wer jahrelang eingezahlt habe, in die Arbeitslosenversicherung,
habe auch ein Recht darauf, seine Beiträge vor dem Renteneintritt
zurückzubekommen - und zwar mit Zinsen.
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- Wie lange werden die verbliebenen
27,79 Millionen Sozialbeitragszahlerinnen und Sozialbeitragszahler
die Last noch alleine tragen können?
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- Es ist doch heute schon erkennbar,
dass nicht nur der Totalausstieg, sondern auch der klammheimliche
Teilausstieg aus der Sozialversicherungspflicht immer beliebter
wird.
- 220.000 Personen haben im
letzten Jahr ihr Heil in der Teilzeitbeschäftigung gesucht
und damit ihre persönliche Beitragslast zu Lasten der Allgemeinheit
und des Steuerzahlers gesenkt.
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- Da darf man als mündiger
Bürger nicht mehr länger wegschauen. Wer so handelt,
gehört an den Pranger!
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- Der Reflektor, 1.12.2009
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- Ein Augiasstall voller Drückeberger
Arbeitsmarktpolitik
als Füllhorn der Wohltaten zu betreiben, das sollte im Zeichen
der Krise schlicht unmöglich sein, dennoch verbergen sich
hinter der - wenn auch immer noch viel zu hohen - so doch "gefühlt
niedrigen" Zahl von 3,215 Millionen Arbeitslosen immer noch
Heerscharen weiterer, untätiger Erwerbsfähiger.
Man darf den Frosch nicht
fragen, wenn man den Sumpf trockenlegen will, heißt es.
- Aber niemand regt sich darüber
auf, dass im Monat November alleine 1,66 Millionen Frösche
im Sumpf arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen munter herumquakten.
- Die lassen sich nicht auf
das Niveau gemeiner Arbeitssuchender herunterdrücken, die
werden noch nicht einmal offiziell als Arbeitslose gezählt,
die tun so, als würden sie einen nützlichen Beitrag
für das gesellschaftliche Wohlergehen leisten, dabei liegen
sie dem arbeitsamen Bürger gleich doppelt auf der Tasche:
Sie lassen sich ihren Lebensunterhalt und eine
zusätzliche Ausbildung bezahlen - und das, während
die Finanzminister von Bund und Ländern nicht wissen, wo
sie das Geld für Kindergärten, Schulen und Universitäten
hernehmen sollen.
-
- Aber das sind noch nicht
alle, ein weiterer großer Haufe lässt sich für
einfachste Arbeiten, die andere gerne ehrenamtlich verrichten
würden, eine Aufwandsentschädigung, oft einen vollen
Euro pro Stunde bezahlen, das waren im Oktober immerhin fast
300.000, die glaubten, sich auf diese Weise aus der Zahl der
Arbeitslosen herausschleichen zu können.
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- Von den ausschließlich
geringfügig Beschäftigten (unter 400 Euro pro Monat)
wollen wir gar nicht reden. Fast 5 Millionen Menschen (Stand
Sept. 09) tun so, als würden sie arbeiten, kleckern aber
für weniger als 400 Euro vor sich hin, statt ordentlich
ranzuklotzen - und lassen sich den Rest aufstocken.
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- Die neue Arbeitsministerin
wird aufhören müssen, die Frösche zu fragen. Es
sind zu viele - und die Zeit drängt.
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- Pekunia non olet, 1.12.2009
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- Kurzarbeit - Boom oder Bumerang?
Wenn ein Land im Laufe
von 12 Monaten eine Million Kurzarbeiter dazugewinnt, dann kann
ohne Frage von einem echten Kurzarbeitsboom gesprochen werden.
- Da jeder Kurzarbeiter ungefähr
2/3 der Arbeitsleistung eines Vollzeitbeschäftigen erbringt,
steht uns mit den Kurzarbeitern neben den regulär Voll-
und Teilzeitbeschäftigten ein massives zusätzliches
Leistungspotential zur Verfügung, das - umgerechnet in BIP
- etwa 60 Milliarden ausmacht.
-
- 60 Milliarden volkswirtschaftlicher
Leistung, die es ohne Kurzarbeit nicht gäbe!
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- Dass diese zusätzliche
Million Kurzarbeiter keineswegs verheerende Spuren im Arbeitsmarkt
hinterlässt, ist schon alleine daran zu erkennen, dass die
Zahl der offenen Stellen im gleichen Zeitraum nur um 74.000 auf
465.000 abgenommen hat. Am Verdacht, Kurzarbeiter würden
den anderen Arbeitslosen mit massiver staatlicher Förderung
die offenen Stellen wegschnappen, ist also nichts, aber auch
überhaupt nichts dran. Selbst Neider müssen zugeben:
Der Zuwachs der Kurzarbeiter um über eine Million ist der
unübersehbare Wachstumserfolg dieser und der letzten Bundesregierung.
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- Es ist inzwischen ja eher
so, dass der Zuwachs der Arbeitslosigkeit kaum ausreicht, um
die Nachfrage nach Kurzarbeit befriedigen zu können.
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- Dass im November 2009 227.000
Arbeitslose mehr registriert wurden, als ein Jahr zuvor, liegt
ja nicht daran, dass die Nachfrage nach hochqualifizierten Kurzarbeitern
nicht ausgereicht hätte - es liegt daran, dass Kurzarbeitergeld
immer noch nur befristet bezahlt werden darf.
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- Und wenn diese Regelung nicht
endlich aufgeweicht oder besser ganz abgeschafft wird, könnte
sich das Mittel "Kurzarbeit" am Ende doch noch als
Bumerang entpuppen. Was, wenn die Million, die im letzten Jahr
hinzugekommen ist, spätestens 2011 wieder in die Arbeitslosigkeit
gedrängt wird?
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- Mit den paar Neueinsteigern,
die aus den geburtenschwachen Jahrgängen jetzt auf dem Arbeitsmarkt
ankommen, ist die Million nicht zu ersetzen. Schon gar nicht
jährlich.
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- Hier sind neue Rezepte gefragt!
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- Diese zynisch-sarkastisch-satirischen
Anmerkungen, die ich frei erfundenen Medien unterschoben habe,
beruhen - bei aller Angreifbarkeit der Kommentierung - dennoch
nur auf den Fakten, die von der Bundesagentur für Arbeit
im Monatsbericht November 2009 dargestellt worden sind.
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- Leider muss man befürchten,
dass ein kleiner Wink aus der richtigen Ecke genügen könnte,
um den derzeit gepflegten Jubel über ein geringfügiges
Sinken der gezählten Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat
abzuwürgen und zu einer Berichterstattung zurückzukehren,
die nach den Schuldigen unter den Arbeitlosen sucht und propagiert,
es gäbe nirgends ein Gesetz, in dem ein Recht auf Faulheit
verankert sei
- .
- Es ist ja nicht so, dass wir
diese Tendenz nicht schon erlebt hätten ...
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- Dringende Empfehlung:
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- Nehmen Sie sich die Zeit, den
BA-Bericht einmal gründlich durchzuarbeiten. Es steht schon
vorne in der Zusammenfassung sehr viel Erhellendes - und hinten,
im Tabellenteil, kann man vieles sehr schön nachvollziehen.
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- Er ist öffentlich zugänglich.
Hier:
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