Paukenschlag am Donnerstag
No. 45 /2009
vom 12. November 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Keine Garantie

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
25 Oasen Peer
26 Geld in der Krise Kreislauf des Irrsinns
27 Bundestagswahl
28 Rentenpolitische Paradoxien
29 Der ungerechte Lohn
30 Der gerechte Lohn

31 ist ausgefallen
32 Vom Unterschied zwischen der Schweine-
grippe und Karl Theodor zu Guttenberg
33 Auf dem Rummel
34 Allegorisches zum Gewähle
35 Deutschland darf OPEL nicht retten
35a Resonanz - Räsonanz
36 Banker und Boni
37 Pandora, die mit der Büchse
38 Reichtum bleibt tabu
40 Die Ruhe vor Schwarz-Gelb
41 Die Tücken des Wahlrechts
42 Per Saldo 2009
43 Galgenhumor ist immer nur vorher
44 Am Beispiel BMW
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Keine Garantie
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Was hat der insolvente Versandhändler Quelle mit der neuen deutschen Regierung gemeinsam?
 
Richtig. Beide geben keine Garantie mehr.
 
Angela Merkel am 10. November vor dem Bundestag im Reichstag:
 
"Wachstum zu schaffen, das ist das Ziel unserer Regierung. Und ich sage es offen: Auch dieser Weg ist keine Garantie, dass wir es schaffen, die Folgen der Wirtschaftskrise schnell zu überwinden."
 
Frau Merkels Regierungserklärung vom Dienstag war weder ein rhetorisches Glanzstück noch enthielt sie wegweisende politische Bekenntnisse und Absichtserklärungen, auch wenn die treuen Paladine in der Presse dies inzwischen zur Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede umdeuten und titeln: "Merkel schwört Deutsche auf harte Zeiten ein"
 
Dabei ließ sie das Parlament lediglich wissen, auf welchen Aufgabenfeldern die Regierung glaubt, sich bis 2013 tummeln zu müssen:
 
  • da gäbe es vor allem die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu überwinden,
  • zudem sei das Verhältnis der Bürger zum Staat zu verbessern,
  • Antworten auf die älter werdende Gesellschaft müssten gefunden werden,
  • der Umgang mit den natürlichen Ressourcen sei zu verbessern und
  • das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit sei zu festigen.
 
Die inhaltsleere Phrase vom Verhältnis zwischen Bürger und Staat hat nur die Zeit gefüllt. Dass Antworten auf die älter werdende Gesellschaft gefunden werden müssten ist bei näherer Betrachtung Sprachmüll ohne den geringsten Hauch einer diesbezüglichen Zielvorstellung. Die inhaltsleere Phrase über die Verbesserung des Umgangs mit den natürlichen Ressourcen hat wieder Zeit gefüllt und dass das Verhältnis von Freiheit zu Sicherheit zu festigen sei, offenbart die Urängste einer Frau, die ihren bewährten Freiheits- und Sport- und Sicherheits- und Überwachungsminister aus taktischen Erwägungen heraus mit artfremden Aufgaben betrauen musste und nun fürchtet, der Koalitionspartner könne, im Verbund mit dem Neuen im Innenministerium das bereits Erreichte aus falscher Freiheitstümelei wieder verspielen.
 
 
Die einzige einigermaßen klare Aussage dieser Regierungserklärung lautete:
 
Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise
sollen durch Wachstum überwunden werden,
 
obwohl Frau Merkel eingesteht, dass es sich dabei um ein Experiment mit offenem Ausgang handelt, dass es keine Garantie dafür gibt, dass die Probleme mit Wachstum zu lösen sind - und erst recht keine Garantie dafür, dass jenes Wachstum, dass die Bundesregierung mit ihren speziellen Wachstumsbeschleunigungs- und Wachstumsförderungsmaßnahmen ermöglichen will, überhaupt erst entsteht.
 
Da wird also in stockfinsterer Nacht mit bloßen Händen nach dem Mast der ausgeschalteten Laterne getastet, weil es seit altersher zu den bewährten Regeln der Staatskunst gehört, Schlüssel, auch wenn man sie vorher noch nie besessen hat, stets unter der nächstgelegenen Laterne zu suchen.
Dazu wird forsch behauptet, es gäbe keinen ernstzunehmenden Experten, der behauptet, es käme darauf an, dass die Laterne, unter der man sucht, auch leuchtet ...
 
Mehr braucht zu dieser Regierungserklärung nicht gesagt werden.
 
Über die Aussichten, die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise durch Wachstum zu überwinden, muss viel gesagt werden.
 
 
Standortbestimmung
 
Es ist irreführend,
von den
Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu sprechen.
 
Dies impliziert nämlich, die Finanz- und Wirtschaftskrise sei bereits überwunden, jetzt gälte es nur noch, mit ihren Folgen zurechtzukommen und entbindet damit großzügig von weiteren Anstrenungen zur Ermittung und Bekämpfung von Ursachen und Verursachern.
 
 
Die Finanzkrise lebt.
Diese Finanzkrise hat ihren Ursprung in den USA.
 
  • Immer noch werden US-Banken von dieser Krise in die Insolvenz gestürzt.
  • Immer noch müssen auch andere Banken auf dieser Welt, auch Banken in Deutschland, wegen der fortdauernden Erschütterungen, die diese Finanzkrise auslöst, mit Milliarden gestützt werden.
  • Immer noch stellen die Zentralbanken billiges Geld zur Verfügung.
  • Immer noch sind drohende Staatsbankrotte nur deshalb nicht eingetreten, weil abgewirtschaftete Schuldnerstaaten sich mit milliardenschweren Stützungskrediten aus alten Verpflichtungen freikaufen konnten, ohne wirklich zu wissen, wie die an Stelle der alten Verpflichtungen nun stehenden neuen Kredite jemals bedient werden sollen.
 
Da muss man nicht nach Ungarn oder nach Estland schielen, es reicht, vor der eigenen Haustür zu kehren:
 
Wie sollen denn die Staatsschulden Deutschlands, die in den letzten beiden Jahren noch einmal steil nach oben getrieben wurden, jemals getilgt werden?
 
Die Finanzkrise tobt weiter - und sie wird nicht zu Ende gehen, bevor nicht der letzte faule Kredit entweder per Insolvenz ausgebucht oder mit Staatshilfe abgelöst oder per Staatsbürgschaft gesichert ist.
 
 
Die Wirtschaftskrise entwickelt sich erst noch.
 
Die Wirtschaftskrise, die im Gefolge der Finanzkrise ausgebrochen ist, weil die Geldversorgung der Realwirtschaft, die von den Banken in Vorbereitung der Krise bereits gedrosselt worden war, in der Krise vorsätzlich sträflich vernachlässigt wurde, konnte trotz aller sogenannten Konjunkturprogramme nur gebremst, aber nicht aufgehalten werden.
 
Diese Wirtschaftskrise ist eine massiv deflationäre Krise. Die Billionen, die weltweit in die Waagschale geworfen wurden, um die Banken zu retten, sind in der Realwirtschaft nicht angekommen, und die Milliarden, die ausgegeben wurden, um die Konjunktur zu beflügeln, wurden von den Hütchenspielern der globalisierten Wirtschaft blitzschnell und für das Auge des ungeübten Betrachters gar nicht mehr wahrnehmbar ebenfalls aus dem Spiel genommen.
 
Die Wirtschaftskrise, die noch gar nicht richtig begonnen hat, wird dazu führen, die noch lange nicht beendete Finanzkrise immer wieder anzufachen und zu verschärfen.
 
Denn: Unternehmenspleiten belasten Banken!
Nicht nur, weil Unternehmen und deren Mitarbeiter ihre Kredite nicht mehr bedienen können, das wäre schon schlimm genug, sondern
 
auch und vor allem, weil den Banken die Schuldner ausgehen und damit die Bilanzen in Schieflage geraten. Mit jedem notleidenden Schuldner geht ein Stück der Deckung der Gelder der Einleger verloren. Wenn ganz normale Kredite in genügend großer Zahl platzen, braucht es die sogenannten "giftigen Papiere" gar nicht mehr, um die Finanzkrise am Laufen zu halten.
Wo den Banken die Schuldner wegbrechen flüchten auch die Einleger - die ja nichts anderes sind als die Gläubiger der Banken - und suchen andere, sicherere und rentablere Anlagen für ihr Geld. Es sei denn, es finden sich weiterhin Regierungen, die eine marode Bank nach der anderen sanft auffangen, indem sie versprechen, deren Schulden, also das Vermögen der Einleger, dem Steuerzahler aufzubürden und damit Anleger und Bankaktionäre vor dem Ruin zu retten.
 
 
Die ersten Folgen von Finanz- und Wirtschaftskrise
sind bei den Menschen angekommen.
 
Aber die bisher eingetretenen Folgen sind nur ein erster Vorgeschmack auf die Folgen, die uns noch bevorstehen.
 
  • Es gibt schon eine ganze Reihe von Anlegern, die durch den Kauf von Schrottpapieren zu Schaden gekommen sind. Sie haben Teile ihres Vermögens, manche ihr Erspartes, manche ihre Altersversorgung verloren.
  • Es gibt schon eine ganze Reihe von Menschen, die in Folge von Finanz- und Wirtschaftskrise den Job verloren haben, andere standen oder stehen in Kurzarbeit, andere haben auf Teile von Gehalt und Zulagen verzichtet, viele haben real Kaufkraft eingebüßt, kaum einer hat real Kaufkraft gewonnen - obwohl die offiziell gemessene Inflation für die Konsumenten gering ist, wie selten zuvor.
  • Es gibt kaum einen Staat, der seine Bürger nicht mit zusätzlichen Staatschulden belastet und durch staatliches Sparen zu Mehrausgaben oder Verzicht gezwungen hätte.
 
Die bereits spürbaren Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise laufen letztlich alle auf den Verlust von Kaufkraft in weiten Teilen der Bevölkerung hinaus. Die Ursache für diesen Kaufkraftverlust ist die massive Mehrbelastung der Volkswirtschaften durch die staatlich garantieren Ansprüche der "Anleger" auf Tilgung und Zinszahlung.
 
Diese Mehrbelastung ruiniert Unternehmen, vernichtet Arbeitsplätze und führt in einer immer steiler werdenden Spirale in den Zusammenbruch der Weltwirtschaft.
Diese Entwicklung ist mit den im Kapitalismus verfügbaren Werkzeugen zur Steuerung der Wirtschaft nicht mehr aufzuhalten, auch dann nicht, wenn sich der Kapitalismus "Soziale Marktwirtschaft" oder "Neue Soziale Marktwirtschaft" nennt.
 
Die Frage, wie lange es noch dauern wird, bis zum Crash, und wie der dann im Detail aussehen wird, ist nicht zu beantworten, auch wenn sie noch so oft gestellt wird.
 
Der Kapitalismus ist nämlich im Grunde ein sehr einfacher Regelkreis, dessen einziges Ziel es ist, das Vermögen der Kapitalisten zu mehren. Dabei bedienen sich die Kapitalisten vollkommen undifferenziert der Leistungskraft jener Gesamtheit von Staat, Realwirtschaftsunternehmen und Konsumenten, die sie als ihren Erbhof betrachten, denn sie können darauf vertrauen, dass die dort etablierten, untergeordneten Regelkreise im Endeffekt das Ziel der Kapitalvermehrung so lange wie möglich optimal unterstützen werden.
 
Solange Staat, Realwirtschaft und Bürger von der Möglichkeit, Liquidität anders als durch Kreditaufnahme herzustellen, keinen Gebrauch machen, können Sie, egal ob sie nun Friedman oder Keynes anhängen, immer nur dem Wachstum des Kapitals in die Hände spielen.
 
Mehr dazu in
 Freimut Kahrs  Lebenslüge Freiheit
 Thomas Koudela  Entwicklungsprojekt Ökonomie
 Artur P. Schmidt Unter Bankstern
 Samirah Kenawi Falschgeld
 Egon W. Kreutzer Unsere Freiheit  
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre
Paukenschläge 2003 - 2008
 
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Deshalb kommt der Regelkreis "Kapitalvermehrung" mit nur einem Messfühler, der das Wachstum des Kapitals misst, und nur zwei Stellschrauben aus. Die eine Stellschraube verändert die Höhe der Zinssätze, die andere das Volumen der Neukreditvergabe.
 
Die grundsätzlichen Strategien, die sich in vielen feinen Abstufungen und Variationen mit den beiden Stellschrauben fahren lassen, heißen
 
"Anfüttern" und "Abfischen"
 
Ausweitung der Kreditvergabe und Absenken der Schuldzinsen lässt Projekte der Wirtschaft und des Staates rentabel und die kreditfinanzierten Käufe der Konsumenten rückzahlbar erscheinen.
So kann, trotz sinkender Zinssätze bei überproportionaler Ausweitung der Verschuldung unter dem Strich ein Ansteigen der Zinszahlungen und damit das Wachstum des Kapitals erreicht werden.
(Ein Zinsertrag von 1 Milliarde Euro erfordert bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 7,5% eine Verschuldung von 13,3 Milliarden, bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 5,5 % ist dafür eine Verschuldung von 18,2 Milliarden erforderlich. Gelingt es die Verschuldung durch die Zinssenkung weiter zu steigern, steigen - trotz sinkender Zinssätze - die Zinserträge.)
 
Das ist "Anfüttern".
 
 
Zurückfahren der Kreditvergabe und überproportionales Anheben der Zinssätze führt ebenfalls zu einem Ansteigen der Zinszahlungen und zum Wachstum des Kapitals.
 
Das ist "Abfischen".
 
 
"Anfüttern" lockt möglichst alle an, den Staat, die Unternehmen und die Konsumenten.
Beim "Abfischen" wird so lange ausgesiebt, bis nur noch die kräftigsten Schuldner übrig sind. Viele Konsumenten müssen ihren Lebensstandard zurückfahren, weil sie sich nach dem Schuldendienst nicht mehr alles leisten können. Viele Unternehmen müssen Preise erhöhen oder Kosten senken, wenn sie nach dem Schuldendienst noch einen Gewinn erwirtschaften wollen. Der Staat muss bei den Ausgaben sparen, weil ihm die Zinslast den Spielraum nimmt und ihm zugleich die Einnahmen wegbrechen.
 
...und jeder Schuldner, der in größere Schwierigkeiten gerät, wird sich von materiellen Vermögensgegenständen trennen (müssen). Der Konsument verkauft ererbtes Zahngold, vielleicht sogar die Eigentumswohnung. Der Unternehmer trennt sich von Betriebsteilen, betreibt Outsourcing und Gesundschrumpfen. Der Staat privatisiert Volksvermögen - und gleichzeitig betreiben die Banken mit Macht das Geschäft mit der Verwertung von Sicherheiten.
 
Der nette Nebeneffekt dabei: Durch den Tausch von Sachwerten gegen Geld wird die Inflationsgefahr im Vermögen der Kapitalisten reduziert während bei der Vergabe neuer Kredite solange zurückhaltend taktiert werden kann, wie aus dem Tausch "Sachwert gegen Geld" die Mittelzuflüsse noch ausreichen, um über Tilgung und Zinszahlungen für bestehende Kredite das Kapitalwachstum aufrecht zu erhalten.
 
Kommt es in dieser Phase jedoch zu einem Rückgang des Kapitalwachstums ist neuerliches Anfüttern angesagt.Der Boden dafür ist bereitet.
 
Nach Investitionsstau und Konsumverzicht werden alle, die noch kreditwürdig sind, wieder zuschlagen und sich verschulden. Ist die allgemeine Kreditwürdigkeit zu niedrig, kann die notwendige Ausweitung der Kreditvergabe durch Veränderung der Bonitätskriterien hergestellt werden. Allerdings stehen mit jeder nächsten Runde aus Anfüttern und Abfischen weniger Sachwerte zur Verfügung, die noch veräußert und eingetauscht werden könnten, während jedes Mal eine größere Zahl nicht mehr kreditwürdiger Wirtschaftssubjekte auf der Strecke bleibt.
Dies wiederum führt dazu, dass die vom Kapital im Zuge des Anfütterns angesammelten Geldvermögen in immer kürzerer Zeit ausreichen, um die noch bei Staat, Wirtschaft und Konsumenten vorhandenen und in der jeweiligen Periode neu erzeugten Sachwerte abzufischen.
 
Die Taktzahl steigt.
 
 
Am Ende steht den immer weiter wachsenden Guthaben des Kapitals auf Seiten von Staat, Unternehmen und Konsumenten kein nennenswertes Sachvermögen mehr gegenüber. Von diesem Zeitpunkt an hat die Veränderung von Zinssätzen und Kreditvergabe mit dem Elend in der Realwirtschaft nichts mehr zu tun.
 
Werden jetzt Zinsen billig und großzügig Kredite gewährt, dann nur noch, um Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Der eine wagt eine Übernahme (wie Conti bei VDO und dann Schäffler bei Conti) und der nächste dreht den Hahn zu und verschafft sich günstig die Insolvenzmasse.
 
Zusammenschlüsse und Übernahmen, feindliche und weniger feindliche sind Bereinigungsprozesse im Lager der Kapitalisten. Staaten, Unternehmer und Konsumenten leiden unter den jeweils geschaffenen Situationen, aber sie sind nicht mehr Ziel der Aktivitäten, sondern nur noch störendes Beiwerk, Sand im Getriebe der großen Schlachten um die obersten Plätze auf der Leiter.
 
Irgendwann, vielleicht in exakt vier Jahren, drei Monaten, zwei Tagen und einer Stunde wird die letzte dieser Schlachten geschlagen sein. Dann ist das Wachstum des Kapitals abgeschlossen. Jedes Mehr wäre nur noch ein virtuelles Spiel mit inflationären Zahlen.
 
Die Sachwerte sind übernommen, alle Menschen sind auf alle Zeiten zur Zahlung von Zinsen und Tilgungslasten verpflichtet, und damit die Menschen nicht in Scharen in die Privatinsolvenz flüchten und sich ihrer Pflicht entziehen, hat das Kapital mit großem Geschick dafür gesorgt, dass die Staaten einen Großteil der Schulden zu den ihren gemacht und für den Rest Bürgschaften übernommen haben.
 
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Regierung Merkel beschleunigt das Wachstum des Kapitals. Es erfüllt nur die dem Staat zwangsläufig zufallende Rolle in der jüngsten Phase des Anfütterns.
 
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Regierung Merkel, im Zusammenwirken mit der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse und dem Maastricht-Vertrag beschleunigt das Wachstum des Kapitals, schützt das Kapital vor dem Einfluss der Inflation und sichert die Staatshaftung für die wachsende Verschuldung.
 
Wachstum, das durch immer neue Schulden bei den immer gleichen, nimmersatten Gläubigern finanziert wird, ist nicht geeignet, die Folgen der Wirtschaftskrise zu überwinden.
 
Garantiert nicht.
 
 
Schuldenfinanziertes Wachstum ist, genauso wie die Privatisierung von Staatseigentum bzw. Volksvermögen, nur ein hilfloses Reagieren, das den laufenden Prozess der Vermögensakkumulation in wenigen Händen begünstigt. Es hält ihn nicht auf und es kehrt ihn nicht um.
 
Garantiert nicht.
 
 
Steuersenkungen zur Wachstumsbeschleunigung sind Anzeichen eines heil- und hilflosen Aktionismus.
 
 
Angela Merkel ahnt es.
 
Sie gibt keine Garantie dafür, dass das, was ihre Regierung beabsichtigt, auch die erhofften Wirkungen bringen wird.
 
 
Diese Offenheit erscheint im Hinblick darauf, dass spezialisierte Wissenschaftler den von ihnen betreuten Politikern sogar öffentlich anraten, bei jeder Gelegenheit lieber zu lügen, als die eigene Macht zu gefährden, als ein seltenes, merkwürdig - bewundernswertes Phänomen.
 
Es sei denn, sie weiß es.
 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

herzlichen Dank für Ihre klare Zusammenfassung! Schade, daß Frau Merkel das entweder nicht liest oder nicht begreift. Die Schlüsselsuchgeschichte paßt übrigens sehr gut hierher:

Auf dem nächtlichen Nachhauseweg überquert der Rabbi die Hauptstraße. Unter der einzigen Laterne sieht er einen Mann gebückt herumlaufen.

- Schmul - was machst du da?
- Rebbe - ich hab meinen Schlüssel verloren.
- Ich helf dir suchen.

Schmul und Rabbi suchen Handbreit für Handbreit ab: kein Schlüssel.

- Schmul - bist du dir ganz sicher, daß du den Schlüssel hier verloren hast?
- I wo! Verloren hab ich ihn auf dem Schulhof (= hinter der Synagoge).
- Was suchst du dann hier, Schmul?
- Rebbe! Hier ist es sauber und hell! Das könnte dir so passen, daß ich auf dem dustern Hof im Dreck umherkrieche!

Frau Merkel möchte die Lösung der Probleme in derjenigen Weltwirtschaftsordnung verorten, die sie kennt und in deren Einhaltung sie sich mit niemandem anlegen muß. Also wird weitere vier Jahre lang im sauberen hellen Reichstag nach “Wachstum” gekräht. Dem Übel an die Wurzel zu gehen, käme einem schwungvollen Ausmisten auf den internationalen Derivatemärkten gleich. In dem Dreck möchte sie nicht herumkriechen, das steht nicht in ihrer Arbeitsplatzbeschreibung. Das könnte uns ja so passen, daß ein Politiker das täte, wofür wir ihn eigentlich gewählt haben.

Mit freundlichen Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,
wie immer habe ich Ihren Paukenschlag mit Vergnügen gelesen. An einem Punkt jedoch muss ich Sie korrigieren. Der Kapitalismus ist kein Regelkreis.

Zu einem Regelkreis gehört nämlich eine negative Rückkopplung. Im Klartext heißt das: Wenn eine Größe B durch den Einfluss der Größe A wächst, dann ist das eine positive Kopplung. Wenn ein Anstieg der Größe B ihrerseits einen Abfall der Größe A bewirkt, dann ist das eine negative Kopplung. Und weil der Effekt von A auf B durch B auf A zurückwirkt, handelt es sich um eine Rückkopplung.

Durch diesen Effekt kann ein derartiges System um einen Mittelwert schwingen. Kennzeichen eines jeden Regelkreises ist die negative Rückkopplung. Ein System ohne negative Rückkopplung explodiert. Das weiß jeder Regelungstechniker und das kennt auch jeder, der den Effekt eines vor dem Lautsprecher aufgestellten Mikrophons einmal erlebt hat. Das vom Lautsprecher ausgesandte Signal wird vom Mikro aufgenommen, verstärkt und abermals dem Lautsprecher zugeführt. Das pfeift ganz ordentlich.

Und nun zum Kapitalismus, genauer gesagt zum Wachstum von Guthaben und Schulden. Es handelt sich, wie gesagt nicht um einen Regelkreis, aber um zwei Kopplungen, die beide positiv sind: Kapitalwachstum wirkt positiv auf den Zinsertrag und der Zinsertrag wirkt positiv auf das Kapitalwachstum. Das Ganze hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Atombombe: Eine Kernspaltung setzt Neutronen frei. jedes freigesetzte
Neutron spaltet wiederum einen Kern, usw.
Dass dieser simple Mechanismus, den jeder Ingenieur kennt, von den Berufsökonomen nicht gesehen wird, oder noch viel schlimmer, zwar gesehen, aber ignoriert wird (Nach uns die Sintflut) ist eigentlich skandalös und einer Disziplin, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt, unwürdig.

Mfg


Lieber Herr Kreutzer,

an anderer Stelle haben sie einmal etwas geschrieben, was man nicht oft genug wiederholen kann und somit auch zu ihrem neuesten -wie immer, brillant- geschriebenen Paukenschlag passen könnte:

[Zitat]
Es sei an dieser Stellen noch einmal darauf hingewiesen, dass es in der gesamten Produktion von Gütern und Leistungen keine anderen Kosten gibt, als Lohnkosten.

Der Rest sind Gewinne, Ansprüche aus sonderbaren Rechten, Zinsen, Pachten, Mieten, also leistungslose Einkommen. Oder haben Sie schon einmal gehört, dass das, was unsere Erde an Boden und Bodenschätzen
trägt, irgendwann einmal vom lieben Gott an Adam verkauft worden wäre?

Das ist - ohne wenn und aber - alles umsonst vorhanden. Nur abstrakte Eigentumsrechte verwehren den kostenlosen Zugang und ermöglichen damit gigantische, vollkommen ungerechtfertigte
leistungslose Einkünfte.
[]

Etwas nachgedacht... und schon kann man daraus erkennen, dass:

·)Unternehmen -sollte wirklich alles redlich zugehen- tatsächlich keine Gewinne machen können und diese überraschenderweise auch gar nicht benötigen.

·)Nur die Beschäftigten die Eigentümer und somit auch, teilhabend, die rechtmäßigen Verantwortlichen eines Unternehmens sein können.

·) Natur (im weitesten Sinne) nicht verkäuflich sein kann.

·) Geld welches durch Verkauf von Natur entstanden ist, im Grunde Falschgeld sein muss. (das wäre der Fall, wenn z.B. Grundstücke mittels [Banken-]Kredit teurer verkauft wird als es vorher gekauft wurde)

Und daraus lässt sich wiederum schließen, dass:

·) die meisten der angesammelten öffentlichen Schulden Falsch-Schulden sowie deren dazugehörenden Forderungen Falsch-Forderungen sind. Und Beides zusammen eindeutig Falsch-Geld ist.

·)unser Wohlstand nicht durch Kommerz, sondern durch Synergie erschaffen wurde und es vielleicht besser wäre den Begriff "Wirtschaft" in zwei Teile zu zerlegen, nämlich in "Werkschaft" und "Waltschaft", wobei das
Eine die Vorgänge des Zusammenarbeitens (Kooperation), und das Andere die Technik einer gemeinschaftsbauenden Führung und Verwaltung (als Synagonistica im Gegensatz zur Antagonistik) sei.

...Also, dass wir weder Kapital noch Kapitalisten noch Finanzmärkte noch Börsen ...also weder Grossinvestoren noch Großinquisitoren zu unserem
Glück benötigen.

Grüße und Ansporn....

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