Mehr Netto vom Brutto?
Paukenschlag am Donnerstag
No. 42 /2009 vom 22. Oktober 2009
Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer
keine
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- Mehr Netto vom Brutto
Dr. med. Dieter Petschow, Langenhagen,
- vielen Besuchern dieser Seiten schon ein guter Bekannter,
hat seine Ausarbeitung "Per Saldo" auf den aktuellen Stand gebracht.- Er schreibt mir dazu:
Lieber Herr Kreutzer,- einige Mitmenschen baten mich, mein "Per Saldo" zu aktualisieren. Auch erschien gerade ein Leserbrief von mir im Ärzteblatt mit dem Link auf Ihre Website. Deshalb möchte ich Sie bitten, die aktuelle Form einzulesen. Danke.
- Im übrigen: Mein Terminkalender füllt sich mit Anfragen zu diesem Thema,
selbst einige FDP-Wähler-Ärzte kommen ins Grübeln. Dank für Ihre Mühe.- Herzliche Grüße,
Dr. med. Dieter Petschow
- Ein guter Grund wieder einmal genau hinzusehen. Die komplette Ausarbeitung liegt als pdf-Datei vor und ist in diesem Paukenschlag und über meine Startseite verlinkt.
Ich habe mir gestattet, einige Aspekte aus dem Abschnitt 4.0 "mehr Netto vom Brutto" in den Mittelpunkt dieses Paukenschlags zu stellen und so beim Einlesen in Dr. Petschows Text behilflich zu sein:
Dr. Petschow versucht, die Zahlen hinter den Zahlen zu ergründen.
Er geht den Zahlungsströmen nach und ermittelt, wo das BIP letztlich landet. Es ist ihm nicht genug, zu wissen, welcher Anteil des BIP als Steuerquote beim Staat oder als Sozialbudget bei den Sozialversicherungen ankommt, er geht einen wichtigen Schritt weiter und ermittelt, welcher Anteil der Steuerquote und des Sozialbudgets netto zur Bezahlung von Leistungen des Staates verwendet wird - und welcher Anteil davon (über die Preise) als "Rendite" an das Kapital abgezweigt wird.Zitat aus "Per Saldo"
Die Arbeit gibt in 2007 zwar 20,1% BIP
in das Sozialbudget,versorgt werden die Berechtigten aber netto (!) mit nur 14,2% BIP.
Die Differenz ist Kapitaldienst.
Natürlich weist Dr. Petschow dies auch im Detail nach. Doch um die Beweisführung nachvollziehen zu können, braucht es die Kenntnis des Grundprinzips - und dieses Grundprinzip beschreibt Dr. Petschow so:
Zitat aus "Per Saldo"
Die Behauptung einiger Politiker,
fast jeder dritte uro sei für sozial Bedürftige, spricht für deren Unkenntnis über Geldflüsse und Preisgestaltung in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung, will man nicht vorsätzliche Irreführung unterstellen.Nochmals:
Kapitalertrag wird einkassiert über Endverbraucher-Preise, genauso wie alle indirekten Steuern.
Dr. Petschow betrachtet stets die vier Töpfe "Arbeit", "Staat", "Soziales" und "Kapital" und verfolgt die Zahlungsströme zwischen diesen Blöcken solange, bis die Netto-Verteilung der Wertschöpfung des BIP auf diese vier Blöcke aus dem Nebel der offiziellen Statistiken auftaucht. Von 1960 bis 2007 haben sich die Anteile der vier Töpfe am Brutto-Inlands-Produkt ganz massiv verschoben.Die Anteile der Arbeit, des Staates und des Sozialen sind allesamt geschrumpft, während gleichzeitig der Anteil des Kapitals um annhähernd das Zehnfache gewachsen ist.
Abb. aus "Per Saldo"
Dr. Petschow, dessen detaillierte Ausarbeitung Sie sich unbedingt nicht nur ansehen, sondern wenn irgend möglich auch aufmerksam durcharbeiten sollten,
kommt im Abschnitt "mehr Netto vom Brutto" zu einer wichtigen und allgemeingültigen Schlussfolgerung:
- Es gibt volkswirtschaftlich nur zwei (!) Arten von Abgaben,
- diejenigen an sozial Berechtigte
- und solche an Kapitaleigner.
Die Netto-Steuer ist Anteil der Arbeit und dient lediglich arbeitsteiliger Finanzierung innerhalb des Gemeinwesens. Steuern zur Bezahlung staatlicher Aufgaben sind keine Abgaben, sondern Ausgaben.- Wir leisten uns einen Staat, und als Gegenleistung bekommen wir einen Staat.
- (...) hierbei wird nicht übersehen, dass es in der BRD auch sozial Berechtigte aus Kapitalertrag gibt, wie z. B. die berufsständischen Versorgungswerke.
- Während aber Leistungen des Sozialbudgets netto stetig abnehmen,
- nimmt der Kapitalertrag gerade über sozialstaatliche Kassen exponentiell zu.
- Versichert ist in diesem Geld- und Rechts-System demnach nicht mehr die einzahlende Arbeitswelt, sondern zunehmend der Kapital-Investor.
- Ein befremdliches Ergebnis nach Kassenlage:
- Sozialämter, Kranken- und Rentenkassen, das Arbeitsamt sowie die Wohngeldkasse alimentieren zusammen mit dem Finanzamt Geld-Anleger,
- während die Kaufkraftsumme der sozial Berechtigten trotz demographischem Faktor ständig sinkt.
- Die den Sozialgesetzen unterliegenden Institutionen werden zum Werkzeug der Rendite-Maximierung.
Lassen Sie sich diesen letzten Satz ruhig noch einmal ganz langsam auf der Zunge zergehen:
Die den Sozialgesetzen unterliegenden Institutionen werden zum Werkzeug der Rendite-Maximierung.
...und dann folgen Sie diesem Link:
Per Saldo, Stand Oktober 2009
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Und...?, werter Herr Kreutzer,
was soll's?
Des Doktor's akutelle Abhandlung habe ich wohl gelesen...
Die Mehrzahl der Bürger wird dieselbe nicht erreichen; das scheint mir Fakt zu sein.
Ich selber werde mich über diese Sachverhalte nicht mehr erregen. Es wird so kommen, wie es kommen soll und bis dahin kann jedem nur empfohlen werden, wieder Ackerbau und Viehzucht für den Eigenbedarf zu betreiben. Autonom heißt hier das Stichwort...
Die aktuelle Lage und deren Behandlung in der neuen Regierungsbildung zeigt deutlich auf, daß dort im Grunde verfahren wird nach dem Motto des "Weiter so wie bisher".
Bei rigideren Vorschlägen gegenüber den politisch verantwortlich Handelnden wird man angeschaut wie ein Mondkalb - und letztlich der Seite verwiesen (so geschehen bei Jahnke).
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Dieses Land hat in letzter Konsequenz nichts Besseres verdient. Die Mehrzahl der Bürger folgt bereitwillig ihrem eigenen Metzger...
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Von daher - obwohl ich immer noch Ihre (Kreutzer, NDS und auch Jahnke) Seiten lese - kann es nur noch ein müdes Lächeln hervorrufen. Papiertiger... :-(
Mit bitteren Grüßen
u