Paukenschlag am Donnerstag
No. 36 /2009
vom 10. September 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Bänker und Boni

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
25 Oasen Peer
26 Geld in der Krise Kreislauf des Irrsinns
27 Bundestagswahl
28 Rentenpolitische Paradoxien
29 Der ungerechte Lohn
30 Der gerechte Lohn

31 ist ausgefallen
32 Vom Unterschied zwischen der Schweine-
grippe und Karl Theodor zu Guttenberg
33 Auf dem Rummel
34 Allegorisches zum Gewähle
35 Deutschland darf OPEL nicht retten
35a Resonanz - Räsonanz
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Banker und Boni

oder
Wie man die Öffentlichkeit veräppelt

        Wenn man einem Pferd genug Hafer gibt,
        wird auch etwas herauskommen,
        um die Spatzen zu füttern.
         
        John Kenneth Galbraith

 

 
 
Kurz vor der Wahl war und ist es Angela Merkels Anliegen,
die Boni der Banker zu begrenzen.
 
Und weil sich die Finanzminister der G20 Staaten nicht auf eine Obergrenze einigen konnten, soll jetzt das internationale Finanzstabilitätsforum konkrete Vorschläge zur Boni-Reglementierung erarbeiten, über die am Weltfinanzgipfel (am Donnerstag und Freitag vor der Bundestagswahl) entschieden werden soll.
 
Damit ist die Finanzkrise dann beendet.
Die Ursachen sind beseitigt.
Der Sumpf ist trocken.
 
So wie das Bild von Pferden und Spatzen sowohl den Kutscher auf dem Bock, wie auch die fröhliche Reisegesellschaft in der Kutsche vollkommen ausblendet, will man uns Spatzen glauben machen, dass die hochbezahlten Bankangestellten nicht nur den Karren ziehen, sondern auch auf dem Kutschbock sitzen und die Fuhre lenken, und zugleich als Passagiere in der Kutsche das Fahrtziel bestimmen.
 
Vollkommener Blödsinn!
 
 
 
Man will uns zudem weiß machen, die Banker hätten, blind in ihrem Streben nach hohen Gehältern und Erfolgspräminen, die Banken und das Weltfinanzsystem zerstört.
 
Man will uns weiß machen, es gäbe in dieser Krise - außer den mit Bonuszahlungen und Abfindungen belohnten Bankern - nur Verlierer.
 
Vollkommener Blödsinn!
 
 
 
Die paar Millionen, die da von den paar Bankern weltweit als Boni eingesackt worden sind, reichen bei weitem nicht, um Löcher im Ausmaß von hunderten von Milliarden Dollar und hunderten von Milliarden Euro zu reißen.
 
 
Nein.
Es gibt eine einfachere und einleuchtendere Erklärung.
 
Es gibt Krisengewinnler, neben deren Profiten das Einkommen des Deutsche Bank Chefs Ackermann in einer vergleichenden Grafik auf einem üblichen Bildschirm gar nicht mehr erkennbar dargestellt werden kann.
 

Bankangestellte, also die klassischen Boni-Empfänger, werden dafür bezahlt, dass sie ihrer Bank durch den Verkauf von "Finanzprodukten" hohe Provisionen einbringen und im Eigenhandel hohe Spekulationsgewinne erzielen.
Gelingt ihnen das über das gesteckte Ziel hinaus, wird die Mehrleistung mit Sonderzahlungen, sogenannten Boni, belohnt.
 
Leitende Bankangestellte mit Vorstandsverträgen werden dafür bezahlt, dass ihre Bank im gesamten Geschäft hohe Erträge erwirtschaftet, was die Kurse der Bankaktien und die Dividendenzahlungen in die Höhe treibt.
Gelingt ihnen das über das gesteckte Ziel hinaus, wird die Mehrleistung mit "Leistungsabhängigen Vergütungen" honoriert.
 
Vorstandsvergütungen werden vom Aufsichtsrat (meist nur von einem kleinen Gremium innerhalb des Aufsichtsrats) beschlossen, wobei der Aufsichtsrat die Interessen der Aktionäre vertritt - und nicht die Interessen der Vorstände!

Den Vorständen werden in vertraulichen Gesprächen knallharte Ziele vorgegeben. Ziele, deren Ergebnisse durchaus auch einmal vollkommen außerhalb der Bilanz der Bank liegen können. Nicht selten spielen Banken im Vorfeld von (feindlichen) Übernahmen durch geschicktes Kredit- und Kommunikationsgebaren die ausschlaggebende Rolle - und machen dabei aus Gründen der Glaubwürdigkeit vielleicht auch noch selbst Verluste.
Nicht selten lassen Banken durch Kauf- und Verkaufsempfehlungen Kurse nach Belieben steigen und fallen - und machen dabei, aus Gründen der Glaubwürdigkeit vielleicht auch noch selbst Verluste.
    Wenn also zweistellige Millionenbeträge als Erfolgsprämien an Bankvorstände gezahlt werden, dann nicht, weil die maßgeblichen Aktionäre Geld verloren hätten, sondern weil sie sich goldene Nasen verdient haben - und weil sie wissen, dass man dem Ochsen, der da drischt, das Maul nicht verbinden darf.

 

 

 
Der Anteil der Beute, der für den Bankvorstand abfällt, ist im Vergleich zum Gesamtgewinn verschwindend klein - und der Anteil der Beute, den sich die eigentlichen Zugpferde in den Bankhäusern über ihre Boni verdienen, ist im Vergleich zum Gesamtergebnis ebenfalls nicht der Rede wert.
 
 
Nur ein einfaches Zahlenpaar:
 
Die Deutsche Bank hat im Jahr 2007 einen Gewinn von 6,5 Milliarden Euro ausgewiesen 

 6.500.000.000 Euro

 Ackermanns Gehalt, einschließlich Erfolgsbeteiligung belief sich auf knapp 14 Millionen Euro.

 14.000.000 Euro

     

 

Wer kann noch im Kopf Prozentrechnen?
Niemand?

Das ist ungefähr das Verhältnis, das sich einstellt, wenn ein knausriger Vater seinem vierzehnjährigen Sohn aus dem Nettoeinkommen von monatlich 6.500 Euro ein Taschengeld von 14 Euro bezahlt.

Rund 2 Promille, ein Fünftel Prozent, das ist das, was der Deutsche-Bank-Kutscher für seine Leistung aus Leidenschaft bekommen hat, einschließlich Boni.

 

Davon geht die Welt nicht unter!


Aber da gibt es doch die Krise!

Dagegen muss man doch was tun!

Boni begrenzen ist doch wenigstens ein Anfang.

 

Ja, natürlich gibt es eine Krise. Die ist doch unvermeidlich.

 

Wenn Menschen - als Aktionäre von Banken und als Anleger bei Banken - sich Jahr für Jahr goldene Nasen verdienen, ohne mehr dafür zu tun, als hin und wieder ihre Anlagen umzuschichten, wenn sich also immer mehr Geld bei immer weniger Menschen konzentriert, dann muss das Geld beim Rest der Menschheit zwangsläufig immer weniger werden.

 

Damit aber trotzdem Gewinne gemacht werden können, muss ständig neues Geld in Umlauf kommen. Das ist wiederum das Geschäft der Banken - und die haben dieses Geschäft geschickt betrieben:

Sie haben überall auf der Welt neue Schuldner gesucht und damit den Nachschub für die sprudelnden Gewinnquellen sichergestellt. Dem immer weiter wachsenden Reichtum standen so immer weiter wachsende Schulden gegenüber, und diese Schulden standen in den Bilanzen der Banken dem Kapital der Einleger als "Deckung" gegenüber.

Solange noch Hoffnung bestand, dass die Schulden getilgt werden können, fiel das nicht weiter auf - als diese Hoffnung jedoch schwand, hat man in Bankerkreisen versucht, die faulen Kredite irgendwie loszuwerden.

 

Hokuspokus - wurden so aus problematischen Krediten Wertpapiere, die man den Bankangestellten als "Finanzprodukte" in die Hände gab, damit die sie möglichst teuer verkaufen. Das haben die getan. Die Gewinne der Banken wuchsen, die Ausschüttungen an die Aktionäre ebenfalls - und es sprach nichts dagegen, den Pferden in den Vertriebsabteilungen und den Kutschern auf den Vorstandssesseln wiederum hohe Erfolgsprämien auszuzahlen.

Irgendwann jedoch - vor etwa drei Jahren, ging das Spiel recht plötzlich zu Ende. Jetzt galt es, sich möglichst schnell von allen faulen Krediten zu trennen und keine neuen Kredite mehr zu vergeben, um jedes Risiko auszuschalten.

Einige Banken konnten sich diesem Trend nicht rechtzeitig anschließen, wohl weil niemand sie rechtzeitig eingeweiht hatte. Ihre Aktiva (die Forderungen an die Schuldner) stellten sich als wertlos heraus, womit auch die Einlagen ihrer Einleger nichts mehr wert waren, denn die waren ja durch nichts anderes gedeckt, als durch die Schulden der Schuldner.

Als in den USA die ersten Banken zusammenbrachen, hat man in Deutschland begonnen, die ersten Banken zu retten - und seitdem nicht mehr damit aufgehört.

Überall da, wo nichts als faule Kredite den Wert der Einlagen der Eigentümer widerspiegelten und widerspiegeln, springt eine unter strenger Geheimhaltung agierende Behörde ein und pumpt so lange und so viel Staatsgeld in die Banken, bis den Einlagen der Einleger wieder sichere Kredite gegenüberstehen - denn der Staat, der jetzt für die Einlagen geradzustehen hat, geht erst ganz zuletzt bankrott.

Dass sich der Staat das Geld, mit dem er die Banken rettet, auch erst von den Banken leihen und ihnen noch Zinsen dafür zahlen muss, sei nur am Rande erwähnt.

Dass die Banken im Gegenzug für staatliche Hilfen und Bürgschaften ebenfalls eine Gebühr zu entrichten haben, ist nur recht und billig, ändert aber am Prinzip nichts.

Und dieses Prinzip heißt:

Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um den - in vielen Jahren durch fragwürdige Bankgeschäfte angehäuften - Reichtümern von Bankaktionären und Einlegern erst einen wirklichen Wert zu geben.

Das ist die Krise.

 

Das ist die Krise?

Das ist der finale Akt einer unverschämten Bereicherung,
die nur mit Hilfe der Banken - und der sie rettenden Regierung - gelingen konnte.

Statt die Banken mit Staatsgeldern zu retten und dem Publikum vorzugaukeln, durch eine Begrenzung von vergleichsweise lächerlichen Bonuszahlungen sei das Problem zu lösen, sollte man von den Bankaktionäre die Dividenden und von den Großanlegern die Zinsgewinne für so viele Jahre zurückfordern, bis der Schaden behoben ist.

Das wäre Bankenrettung nach dem Verursacherprinzip.

 

Aber das geht leider nicht.

Wer soll denn künftig in der Kutsche sitzen,
wenn man den Passagieren die Reisekasse wegnimmt?

Wer soll denn künftig auf dem Kutschbock sitzen,
wenn die Reisenden ausbleiben und dem Kutscher kein angemessener Lohn mehr gezahlt werden kann?

Wer soll denn die Pferde füttern, wenn es nicht einmal mehr für den Kutscher reicht?

 

Und was den Spatzen bleibt, wenn die Pferde nicht mehr fressen,

das muss wohl gar nicht mehr weiter ausgeführt werden.

 

Also, kleiner Spatz, lass dich lieber weiter veräppeln.
Du bist es ja nicht anders gewohnt.

 

...aber von der LINKEn erwarte ich, dass sie sich nicht länger damit begnügt, so klug wie alle anderen ausschließlich über Pferde und Hafer zu reden, sondern auch einmal über Kutscher und Passagiere!

 

Es ist höchste Zeit.

 

 


Helfen Sie bitte am 27. September mit, den Wechsel dennoch zu ermöglichen. Wählen Sie links.

 

 

 Die Begründung habe ich schon früher geliefert


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

die Allegorie der Kutschfahrt brachte mich nochmals zum Nachdenken. “Unternehmen haben nicht nur keine Herzen, sondern auch keine Mägen. Das macht es schwierig, sie auszuhungern”, las ich vor Jahren (und weiß leider nicht mehr wo). Das bedeutet: die Wirtschaftsleistung sinkt real, aber das Geld, das fließt, fließt nicht “in die Bank”. Das fließt durch die Bank durch. Zurück in den wahrnehmbaren Wirtschaftskreislauf fließt es nicht.

Wo um Himmels willen fließt es hin? Irgendwie, irgendwo, irgendwann wird es durch die Banken, die an Banken beteiligt sind, bei wirklichen Menschen landen. Welche Menschen sind das?

Unter den fünf maßgeblichen Schwächen des amerikanischen Wirtschaftssystems, das nach 1929 eine bis zur Aufrüstung (ja, auch Roosevelt hielt das für eine ganz fantastische Idee, wie hätte er sonst Stalin so effektiv beliefern können?) dauerte, nennt John Kenneth Galbraith ganz vorne: “The bad distribution of income. In 1929 the rich were indubitably rich. The figures are not entirely satisfactory, but it seemed certain that the five per cent of the population with the highest incomes in that year receives approximately one-third of all personal income. ... This highly unequal income distribution meant that the economy was dependent on a high level of investment or a high level of luxury consumer spending. ... Both ... are subject, inevitably, to more erratic influences and to wider fluctuations than the bread and rent outlays of the $25-week workman”. Nach den Börsenturbulenzen verlor die Wirtschaft genau diejenige Unterstützung, die ihr das Ausgeben der Scheinprofite an der Börse - äquivalent heute - das Scheinwachstum des Beleihungswertes der amerikanischen Einfamilienhäuser - gebracht hatte. (John Kenneth Galbraith, The Great Crash 1929, 1955 in London erschienen).

Weitere interessante Parallele: in den zwanziger Jahren hatte Amerika zur Ankurbelung der eigenen Exportmärkte massiv Geld in mehr oder weniger stabile Länder verliehen, die Anleihen wurden zu Anleiheschrott und der eigene Imperialsmus zur Erschließung neuer Märkte schlug der amerikanischen Wirtschaft ins Gesicht: sie hatten zwar neue Absatzmärkte, aber zugleich deren Eingeborene so wirtschaftlich unterdrückt, daß die kein Geld mehr für den Konsum hatten und irgendwann nicht mehr anders konnten als die Kapitalgrenzen zu schließen. (Brüning war bestimmt ein überlegter Politiker.)

Galbraiths Buch stand bei meinen Eltern im Bücherschrank. Ich nahm es heraus, nachdem es Dr. Hans Albrecht, Leiter des Investors Nordwind Capital, auf einer Tagung im Frühjahr 2007 als dringende Lektüre empfohlen und seinen Zuhörern erstmals das System amerikanischer Immobilienfinanzierung, Ninja-Kredite und Kreditkartenblasen erklärt hatte.

Noch nicht einmal die Wirtschaftsfritzen selbst können mir heute erklären, keine Ahnung gehabt zu haben. Es hat nur jeder gehofft, daß der Schwarze Peter zu einem anderen weiterwandert.

Mit freundlichen Grüßen aus Berlin


Hallo Herr Kreutzer

Sie haben in ihrem Paukenschlag kurz und verständlich dargelegt, warum das „Boni der Banker begrenzen“ nur scheinheilige Makulatur sein kann. (...)
Dass die an der Krise politisch mit verantwortlichen Parteien heute immer noch so gut dastehen, spricht Bände über das Urteilsvermögen (Interessenlosigkeit?) vieler unserer Mitbürger. Da gibt es nichts schönzureden.

Die Partei die Linke ist derzeit die einzige professionelle Kraft, die zumindest die Ursachen dieser ganzen verbrecherischen Entwicklung benennt und angehen will. Z.B. Verteilungsgerechtigkeit und in Frage stellen von Besitzständen an Produktionsmitteln (zB. für öffentliche Aufgaben) und großen Vermögen. Es ist der einzig richtige Weg. Deshalb ein klares Ja zur Wahl dieser Partei.

Ihrem Satz:
„...aber von der LINKEN erwarte ich, dass sie sich nicht länger damit begnügt, so klug wie alle anderen ausschließlich über Pferde und Hafer zu reden, sondern auch einmal über Kutscher und Passagiere!“
,möchte ich mich auch anschließen. Doch diese Erwartungen sind derzeit nur Wunschdenken. Denn wenn es nicht gelingt, die Linke vor allem im Bund stark zu machen, bleibt dies eine Illusion. Und alles sieht danach aus, dass die Mehrheit der Menschen (vor allem im Westen) dazu (noch?) nicht reif ist. Über ihre in Jahrzehnten gewachsenen Denk-Strukturen kommen die meisten Bürger immer noch nicht hinaus. Sie sind weiterhin Gefangene des Mainstream Denkens.

Mit freundlichem Gruß


Sehr geehrter Herr Kreutzer,
danke für diesen Hinweis!
Dazu fiel mir noch folgendes ein:

- anscheinend ist es bisher außer Herrn Wiesehügel von der IG Metall keinem aufgefallen, daß die ach so freiheitlich-staatsunabhängige Wirtschaftsordnung unter anderem den Grundsatz enthält, daß der Staat sich aus privaten Verträgen herauszuhalten hat. Der Staat kann also den Banken nicht vorschreiben, welche Prämien an welche “Drückerkolonnen” auch immer ausgeworfen werden. Es müßte den Politikern genauso egal sein wie die Hungerlöhne der Billigheimerverkaufsketten (...) und wie sie alle heißen. Wie die Beute zwischen Zuträgern und Anstiftern aufgeteilt wird, ist ein Problem der “Tarifparteien” und interessiert - abgesehen von den unmittelbar Beteiligten - nur noch die Soziologen oder den Staatsanwalt.

- warum mischt sich die Regierung dann ein (mal abgesehen vom politischen Schmierentheater)? Offenbar meinen die Politiker in einer Art schwammigen Bewußtseins, daß sie schließlich Milliarden in die Anteilseigner und Gesellschafter hineingestopft hätten und deshalb bei der Verteilung mitreden dürften. Sie irren sich nicht nur rechtlich, sondern auch systematisch. Wenn ich einem Fertighausbauer dreißigtausend Euro Vorschuß zahle, kann ich ihn noch lange nicht anweisen, bitte bitte wenigstens tausend Euro an den in meinem Hause arbeitsverweigernden Trockenbauer abzugeben.

- Wenn angeblich durch einen HRE-Ausfall sooo viele arme kleine Lebensversicherungsanleger usw. betroffen wären, warum gewährleistet der deutsche Staat nicht genau die Verträge dieser armen kleinen Leute und läßt sich das Heuschreckenheer entsprechend dezimieren? und ich ergänze: Wie viele Deutsche waren überhaupt betroffen - d. h. welcher Anteil der großzügigen Staatshilfen kam Menschen zugute, die gar nicht unter die Verantwortung der Frau Merkel fallen, sondern die gefälligst bei ihren eigenen (selbstfinanzierten) Präsidenten betteln sollen?

- wäre eine “Bankenaufsicht” oder Vergütungsbegrenzung usw. überhaupt mehr als ein Apparat, den die Allgemeinheit zur Verfügung stellt, um die Nutznießer der Bankgewinne vor zu hohen Forderungen der eigenen Angestellten zu bewahren? Warum sollen wir eigentlich Beamte in Brüssel bezahlen, um irgendjemandem möglichst ungeteilte Freude an seinem 65 Milliarden Gewinn zu sichern? Volkswirtschaftlich betrachtet ist es sogar wahrscheinlich noch besser, der Investmentbankfritze bekommt seinen Bonus und verkonsumiert ihn in Frankfurt, als das Geld landet ungeschmälert in Florida im Golf & Country Club.

Na ja, sind halt nur so ein paar Ideen von mir...

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