Paukenschlag am Donnerstag
No. 30/2009
vom 30. Juli 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Der gerechte Lohn

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
25 Oasen Peer
26 Geld in der Krise Kreislauf des Irrsinns
27 Bundestagswahl
28 Rentenpolitische Paradoxien
29 Der ungerechte Lohn
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Der gerechte Lohn
 
Kleine Rechenexempel
um Geld und Leistung
Teil 2
 
 
Die im ersten Teil vorgestellte Gleichung für den gerechten Lohn:
 
Lohn = Preis x Menge
 
lässt sich in der arbeitsteiligen Wirtschaft nicht auf den einzelnen Arbeitsplatz und auf den einzelnen Arbeiter beziehen. Welchen Anteil der Pförtner eines Automobilwerks an der Produktion von täglich 500 Fahrzeugen der Modellreihe A, 800 Fahrzeugen der Modellreihe B und 700 Fahrzeugen der Modellreihe C hat, ist auch beim besten Willen nicht feststellbar. Da muss man noch gar nicht bedenken, dass ein Großteil dessen, was die Fabrik als fahrbereites Fahrzeug verlässt, von einer Vielzahl von Zulieferern stammt, von denen, um die Komplikation noch ein Stück weiterzutreiben, die allermeisten wiederum ihre Pförtner beschäftigen.
 
Diese Unmöglichkeit hat den Experten der Mächtigen die Rechtfertigung geliefert, im Brustton der Überzeugung und ohne zu erröten zu erklären, dass ein gerechter Lohn unmöglich sei.
 
Dabei beziehen sie sich jedoch lediglich auf die kleinen Stellschrauben der Feinjustierung, mit deren Hilfe Herrn Ackermann und Herrn Wiedeking Jahresgehälter im zweistelligen Millionenbereich zugebilligt werden, während Herr Mustermann sich mit 60.000 Euro begnügen muss und Frau Mustermann - für die gleiche Arbeit - nur 40.000 Euro erhält, weil ihr Personalchef fürchtet, die Frau könnte eines Tages schwanger werden und damit den ganzen Betrieb an den Rand der Insolvenz treiben...
 
Die Gerechtigkeit des gerechten Lohnes liegt nun aber nicht darin, dass jeder einzelne, der an der Erstellung der Gesamtleistung einer Volkswirtschaft beteiligt war, exakt den Lohn erhält, der seinem speziellen Beitrag entspricht.
Die Gerechtigkeit des gerechten Lohnes liegt vielmehr darin, dass der insgesamt gezahlte Lohn aller, die an der Erstellung der Gesamtleistung einer Volkswirtschaft beteiligt waren, auch ausreicht, die von ihnen erzeugten Güter und Leistungen abzunehmen.
 
Es heißt nicht, dass sie auch alles abnehmen müssten. Es heißt nur, dass ein gerechter Lohn dafür ausreichen sollte.
 
Hier stellt sich zunächst die Frage:
 
Wer ist an der Erstellung der Leistung einer Volkswirtschaft beteiligt, und wer nicht?
 
Es gibt einen weiten Bereich von Tätigkeiten und Funktionen, die ganz zweifelsfrei zugeordnet werden können.
 
Der oben erwähnte Pförtner gehört dazu. Alle, die an Maschinen und Fließbändern ihren Job tun, alle die in den Büros konstruieren und kalkulieren, einkaufen und verkaufen, buchführen und Entscheidungsgrundlagen bereitstellen. Ebenso Ärzte und Apotheker, Krankenschwestern und Physiotherapeuten.
 
Es braucht nur einen kurzen Nachdenkprozess, um festzustellen, dass auch die Soldaten der Bundeswehr dazu gehören, weil sie, wenn auch in größerem Rahmen, letztlich laut Grundgesetz die gleiche Aufgabe erfüllen sollten, wie die Pförtner der Unternehmen.
Und so wie der Soldat, wenn er nicht gerade einen Angriffskrieg führt, gehört auch der Finanzbeamte dazu und so wie der Konstrukteur auch der Lehrer. Letztlich wirken alle Staatsdiener in ihren Funktionen an der Erstellung der Leistung der Volkswirtschaft mit.
 
Auch der Kreditsachbearbeiter der Bank, der das betriebsnotwendige Kapital für ein Unternehmen bereitstellt, wirkt damit an der Leistungserstellung mit.
 
 
Schwierig wird die Abwägung erst, wenn man sich fragt, welchen Beitrag jene leisten, die über Grund und Boden verfügen und diesen gegen Pacht oder Miete von anderen nutzen lassen, welchen Beitrag jene leisten, die Aktien von Unternehmen halten und sich dafür jährlich Dividenden ausschütten lassen, welchen Beitrag jene leisten, die über Jahre gespart haben und dafür im Alter Zinsen einnehmen, welchen Beitrag jene leisten, die im Besitz von Patenten und anderen Verwertungsrechten sind, kurz, welcher Beitrag zur Leistungserstellung von den Beziehern "leistungsloser Einkommen" erbracht wird.
 
Hier sind Unterscheidungen zu treffen, die wir bislang nicht zu treffen gewohnt sind, die deshalb auf den ersten Blick seltsam, sonderbar, merkwürdig, ja unsinnig erscheinen mögen, die aber dennoch existieren.
 
Den Grundgedanken dazu, nämlich das Konzept einer um leistungsfreie Einkünfte bereinigten, Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, habe ich am 30.08.2007 in einem Aufsatz mit dem damals aktuellen, heute nur noch irreführenden Titel "Das Signal von Meseberg" veröffentlicht, der auch in das Buch "Paukenschläge 2003 bis 2008" aufgenommen wurde. Ich darf mich also wie folgt selbst zitieren:
 

Die Entstehungsrechnung

(...)

Abgrenzung zwischen Wertschöpfung und Gewinnen

Der Aufwand, der zur Erstellung einer Leistung erforderlich ist, und der Preis, der für die Leistung oder das Produkt erzielt werden, sind zwei sehr verschiedene Begriffe. Während der Aufwand in einer direkten Beziehung zur Leistung steht, und sich bei vergleichbarem Ergebnis nur in engen Grenzen beeinflussen lässt, ist der erzielbare Preis ein Ergebnis der Marktverhältnisse. Die Differenz zwischen dem notwendigen Aufwand und dem Preis ist entweder ein Gewinn, oder ein Verlust. Gewinn und Verlust stehen in keinem zuverlässig und dauerhaft vorhersehbaren Verhältnis zum Aufwand. Gewinne - oder Verluste - sind alles andere als Elemente der Wertschöpfung.
Gewinne - also alles, was über die Deckung der entstandenen Kosten, einschließlich des angemessenen Unternehmerlohns hinausgeht - sind die Folge geschickten Wirtschaftens, oft auch erfolgreicher Spekulation. Wer es schafft, Lieferanten, Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen zu übervorteilen und dabei eine Monopolposition zu erringen oder zu erhalten, der macht mit dem geringsten Aufwand den höchsten Gewinn.
Natürlich soll kein Unternehmer seine 12-Stunden-Tage und 80-Stunden-Wochen unentgeltlich abliefern. Für erbrachte Leistung steht jedem ein adäquates Einkommen zu. Das gilt ebenso für den Leitenden Angestellten, den Vorstand der Aktiengesellschaft, den Geschäftsführer der GmbH - warum denn nicht. Die arbeiten, erbringen Leistungen.

Aber warum muss ein Unternehmen darüber hinaus Dividenden für Aktionäre erwirtschaften und darauf achten, dass der Börsenkurs ständig steigt? Schöpft ein gemeinnütziges Unternehmen, das seine Leistungen zu Herstellungskosten abgibt, denn weniger Wert, als ein gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen, dass die gleichen Leistungen zu höheren (um den Gewinn erhöhten) Preisen verkauft? Doch wohl nicht!

Folglich kann festgehalten werden, dass die Wertschöpfung einer Volkswirtschaft, wenn sie vergleichbar, klar und transparent sein soll, nur zu tatsächlichen Herstellkosten (im Unterschied zu "kalkulatorischen Kosten"), sowie ohne den erwirtschafteten Gewinn oder Verlust erfasst werden sollte. Das ist übrigens genau der Ansatz, der bereits für den Bereich der "Nichtmarktproduzenten" als "Additionsmethode angewandt wird - und deren Wertschöpfung abbildet.

Der darüber hinaus erzielte Gewinn entsteht schließlich erst dadurch, dass die Abnehmer der Produkte und Leistungen dafür mehr als den Wert der tatsächlichen Wertschöpfung bezahlen (müssen). Die Abnehmer lassen damit erkennen, dass sie den Nutzen der erworbenen Produkte oder Leistungen höher bewerten, als den Aufwand, der für die Wertschöpfung erforderlich war. Diese Einschätzung der Abnehmer ist ein Element, das möglicherweise Aufschluss geben kann, über Verwerfungen des Marktes (Monopole, Oligopole) aber es handelt sich dabei nicht um eine Wertschöpfung und folglich nicht um ein Element der Entstehung des Sozialproduktes.

Mieten und Zinsen sind nicht Wertschöpfung, sondern Formen der Verteilung. Wenn, wie vorstehend beschrieben, in der vorgestellten neuen Betrachtungsweise der VGR (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung) die Unternehmensgewinne nicht als Wertschöpfung angesehen werden, dann muss dies für Zinsen und Mieten gleichermaßen zutreffen. Wenn ein Produzent Kredite aufnehmen und dafür Zinsen zahlen muss, befriedigt er damit die Gewinnerwartung des Geldgebers. Das heißt, dass ein Teil seiner Wertschöpfung dem Gläubiger zufließt. Gleiches trifft für die Schuldzinsen der Konsumenten zu. Ein Teil ihrer Löhne und Gehälter bzw. der Transferleistungen, die ihnen zufließen, werden aufgewendet, um die Gewinnansprüche von Gläubigern zu befriedigen. Die Zinsforderung ist alles andere als Wertschöpfung, sie ist "Wertabschöpfung" und Quelle leistungsfreien, parasitären Einkommens. Mit den Mieten und Pachten verhält es sich ebenso. Die Erschließung eines Grundstücks, die Errichtung von Gebäuden und deren Unterhalt und Pflege sind, soweit diese Leistungen nicht ganz oder teilweise dem privaten Bereich zuzuordnen sind, tatsächliche Wertschöpfung und folglich dem Sozialprodukt zuzurechnen.
Die Vergütung für die (Ab-)Nutzung ist jedoch keine Wertschöpfung, sondern eine Ausgleichszahlung für eine allmähliche Wert-Minderung. Die Befürworter der derzeitigen Auffassung, Mieten seien selbstverständlich Teil des Sozialprodukts, sogar diejenigen Mieten, die man als Entgelt für selbstgenutztes Wohneigentum unterstellt, müssten im Sozialprodukt ausgewiesen werden, müssen sich die Frage gefallen lassen, wie oft eine Mietwohnung denn (wertmäßig) dem Sozialprodukt nach ihrer Herstellung noch zugerechnet werden soll - und warum!

Stellt man sich jedoch auf den Standpunkt, dass leistungsfreie Einkommen, wie sie aus Miet-, Pacht- und Zinseinkünften entstehen, als "Wertschöpfung" im Sozialprodukt völlig fehl am Platze sind, erschließt sich von da aus die Grundidee jener neuartigen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, hier als das "Primäre Sozialprodukt" bezeichnet wird, fast automatisch.


(...)

Darstellung der Entstehungsseite

Schließt man Gewinne, Zinsen, Mieten und Pachten von der Betrachtung der Wertschöpfung vollständig aus, bleiben in der Entstehungsrechnung lediglich die Werte der Arbeitnehmerentgelte stehen. Alle übrigen "Kosten", die ggfs. im Sinne der "Additionsmethode" zu berücksichtigen wären, lassen sich auf Unternehmensgewinne, Zinsen, Mieten und Pachten (Unternehmens- und Vermögens Einkommen) zurückführen, da jegliche verwendete Materie und jegliche Primärenergie völlig kostenlos aus dem Inventar des Planeten Erde bzw. aus der Strahlung der Sonne zur Verfügung stehen und nur durch die Beanspruchung und Durchsetzung von "Eigentumsrechten" überhaupt kostenpflichtig werden, was bei den Inhabern der Eigentumsrechte zu Gewinnen, Zinsen, Mieten, Pachten oder Lizenzeinnahmen, also letztlich wieder zu Unternehmens- und Vermögenseinkünften führt.
Vorleistungen, die außerhalb der eigenen Volkswirtschaft erbracht wurden, also Importe, werden über den Außenhandelssaldo korrekt erfasst und in der Verwendungsrechnung ausgewiesen.

Der statistische Nachweis der Entstehung des Sozialprodukts nach Wirtschaftsbereichen kann in der Betrachtungsweise des Primären Sozialprodukts folglich vollständig über die Höhe der je Wirtschaftsbereich gezahlten Arbeitnehmerentgelte, einschließlich der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, geführt werden. Darin enthalten und nur nachrichtlich gesondert ausgewiesen, ist die vollständige Wertschöpfung für Ausrüstungsinvestitionen.

Die Saldierung mit den Abschreibungen wäre in der Entstehungsrechnung kontraproduktiv. Die Ausrüstungsinvestitionen wurden geschaffen, stellen also eine Wertschöpfung der Periode dar. Bei Abschreibungen handelt es sich hingegen um den (zumeist unter steuerlichen Gesichtspunkten bezifferten) Wertverlust für Abnutzungen, also um eine Minderung des Vermögens an Produktivkapital - die zudem weitgehend unabhängig von der tatsächlichen Wertminderung, primär von der verflossen Zeit abhängt. Ein Wertverlust für Abnutzung ist aber ungeachtet dessen nicht als Minderung der primären Wertschöpfung der Periode anzusetzen.

 
 
Was bedeutet dies nun in Bezug auf den gerechten Lohn?
 
Es gibt dazu zunächst zwei mögliche Betrachtungsweisen:
 
  1. Der gerechte Lohn ist gegeben, wenn die Preise auf das Niveau der
    Herstellkosten sinken.
  2. Der gerechte Lohn ist gegeben, wenn die Löhne (=Herstellkosten) auf das Niveau der Preise angehoben werden.
 
Beide Betrachtungsweisen erscheinen auf den ersten Blick als absurd und realitätsfremd.
 
Sinken die Preise soweit, dass zwischen Herstellkosten und Preis kein Gewin verbleibt, entfällt die Motivation zur Leistungserstellung vollkommen.
Die Annahme, ohne Gewinn ginge die Motivation zur Leistungserstellung verloren, ist ein so fest verankertes Vorurteil, dass man annehmen könnte, die Redewendung "Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht" habe hier ihren Ursprung.
 
Ist es nicht ganz offenkundig so, dass die große, weit überwiegende Zahl der Menschen ihre Leistung erbringt, ohne dass dafür neben dem Lohn noch ein Gewinn erwartet wird?
Ist es nicht ganz offenkundig so, dass unter den Verhältnissen eines durchweg ungerechten Lohnes die große, weit überwiegende Zahl der Menschen ihre Leistung sogar erbringt, obwohl der gezahlte Lohn, die übertragene Kaufkraft, deutlich unterhalb der erbrachten Leistung liegt?
 
Wie also soll als normal und gesund angenommen werden, dass eine relativ kleine Zahl von Menschen ihre Mitwirkung an der Leistungserstellung verweigert, wenn ihnen nicht ein ganz und gar ungerechtfertigter Gewinn zugestanden wird?
 
Das ist weder normal, noch gesund. Es ist verrückt und krank.
 
Zumal diese relativ kleine Zahl von Menschen ja gar nicht beabsichtigt, selbst an der Leistungserstellung teilzunehmen. Ihr Beitrag zur Leistungserstellung ist es, den übrigen Menschen gegen Bezahlung befristete Rechte einzuräumen, die Ressourcen dieser Welt zu nutzen, weil es ihnen - oder ihren Vorfahren - irgendwie gelungen ist, daran Eigentumsrechte zu erwerben.
 
Der Gewinn, den sie für sich als angestammtes Recht reklamieren, ist nichts anderes als das Lösegeld, das sie in erpresserischer Manier fordern können, weil sie die Welt gekidnapt haben und es folglich in ihrer Hand liegt, allen anderen die Chance zur Leistungserstellung nach Belieben zu verweigern oder gegen Geld auf Zeit zu gewähren.

 

 

 
 
Steigen die Löhne so weit, dass damit nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch die Gewinne bezahlt werden können, dann stellt sich das unlösbare Problem, die Differenz zwischen Lohn und Preis zweimal zu verteilen, was mathematisch nur möglich ist, wenn die Differenz Null ist.
 
Auch das ist ein fest verankertes Vorurteil, das mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Dem Großaktionär der Automobilfabrik werden doch nach Feststellung des Jahresabschlusses nicht 10.000 fabrikneue Automobile als Gewinnanteil vor die Haustür gestellt.
 
Automobile, also manifeste Ergebnisse des Leistungsprozesses könnte man nicht zweimal verteilen.
 
Der Großaktionär bekommt aber keine Automobile, sondern eine Gutschrift über 400 Millionen Euro. Der Bankcomputer, bei dem der Großaktionär sein Konto unterhält, wird dazu mit wenigen Ziffern gefüttert. Der Aufwand, der erforderlich ist, um 400 Millionen auf ein Konto zu übertragen ist minimal.
 
Nun wird es etwas kompliziert:
 
Die 400 Millionen konnten dem Großaktionär nur überwiesen werden, weil in den Preisen der verkauften Automobile ein entsprechender Gewinn für die Aktionäre enthalten war.
 
Gekauft wurden die Automobile jedoch ganz überwiegend nicht von den Aktionären, sondern von Arbeitern, Angestellten, Beamten und Rentnern, sicherlich auch von anderen Unternehmen und von staatlichen Stellen.
 
Das Problem, die 400 Millionen Gewinn im Kaufpreis aufzubringen, die nicht als Aufwand für die Herstellung im Kreislauf der Wirtschaft blieben, sondern auf das Konto des Großaktionärs wanderten, kennt (nach allen Umwegen über Entsparen und Veräußerung von Vermögenswerten) letztlich nur eine Lösung:
 

 

Neuverschuldung.
 
Neuverschuldung privater Haushalte, Neuverschuldung der Öffentlichen Hand, Neuverschuldung von Unternehmen.
 
Wir sind damit erneut bei der Erkenntnis angelangt, die schon in Teil 1 dieser Abhandlung gewonnen wurde:
 
 
Gewinn = Neuverschuldung
 
Damit nähert sich das oben angesprochene Problem der Lösbarkeit.
 
Automobile, deren Herstellung einen genau bemessenen Aufwand erfordert, können nur in der Stückzahl, in der sie hergestellt wurden, verteilt werden. Mehr gibt es nicht.
 
Geld hingegen, dessen "Produktion" faktisch keinerlei Aufwand erfordert, könnte man in jeder beliebigen Menge herstellen und verteilen.
 
Dass man derzeit Geld nur im Zuge der Neuverschuldung herstellt und es zudem im Zuge der Tilgung wieder vernichtet, ist eher Ausdruck einer gerade aktuellen Mode (oder einer Masche) als die Realisierung eines wohlüberlegten und zu Ende gedachten Konzepts zur Zahlungsmittelbereitstellung.
 
  • Was sollte einen Staat also daran hindern, Geld herzustellen und in Umlauf zu bringen, ohne dass daran die Verpflichtung zur Zinszahlung und vor allem die Verpflichtung zur Tilgung gekoppelt wären?
 
  • Was sollte einen Staat dann daran hindern, dieses zusätzliche Geld einzusetzen, um den "Gerechten Lohn" zu verwirklichen, indem er damit die Differenz zwischen Löhnen und Preisen auf der Nachfrageseite auszugleichen versucht?
 
  • Was sollte einen Staat, dessen Unternehmer sich der Idee des gerechten Lohnes verschließen, daran hindern, die (durch ihren Gewinnanspruch) fehlende Kaufkraft durch zusätzliches Geld in den Markt zu bringen?
 
  • Warum sollen 10.000 im Inland produzierte Pkws entweder exportiert oder mit neuen Schulden bezahlt werden müssen, damit das Bankkonto eines Großaktionärs um 400 Millionen Euro anwächst?

    Könnten diese 10.000 im Inland produzierten Pkws nicht genausogut im Inland verkauft werden, wenn der Staat veranlasste, dass die fehlenden 400 Millionen schlicht aus dem Nichts geschaffen und den Löhnen zugeschlagen werden?
 
  • Hätte der Großaktionär nicht am Ende auch 400 Millionen mehr auf dem Konto?
  • Hätten die Bürger nicht genau jene Güter und Leistungen zur Befriedigung ihres Bedarfs zur Verfügung, die sie mit ihrer gemeinsamen Leistung hervorgebracht haben?
 
  • Würde sich das Problem des gerechten Lohnes nicht von alleine auf die geringeren Schwierigkeiten der Feinjustierung verlagern, wenn die Hauptproblematik, nämlich die ungerechte und ungerechtfertigte Bereicherung durch leistungslose Einkommen auf diese Weise zu kompensieren wäre?
 
 
Alles Fragen,
die sich ganz selbstverständlich zustimmend beantworten lassen.
 
 
Alles was dagegen spricht, wurde in Teil 1 schon angesprochen. Hier noch einmal eine kurze Wiederholung:
 

Wofür wird diese Last also in Kauf genommen?

Doch für nichts anderes, als zur Aufrechterhaltung der Illusion, die Anspruchsblase der Gläubiger könne irgendwann durch Tilgung befriedigt werden, obwohl diese Blase überhaupt nur auf der Basis der Differenz zwischen gerechtem und tatsächlich gezahlten Lohn entstehen konnte - und selbst bei gerechtem Lohn in ihrer Entwicklung nur zum Stillstand kommen könnte.

Solange aber - und das ist der Schlusspunkt der Beweisführung - kein gerechter Lohn bezahlt wird, solange aus der Produktion über die Erzeugnisse hinaus fiktive Ansprüche generiert werden, die als Gewinn bezeichnet werden, muss die Gesamtverschuldung ständig weiter wachsen.
 
Es ist gleichgültig, ob die Anspruchsblase der Gläubiger durch ständige Neuverschuldung wächst, oder schlicht durch Überweisung von Geld, das ohne Neuverschuldung in die Welt gesetzt wird.
 
Wer Schwierigkeiten mit der Vorstellung hat, dass Geld durch bloße Buchungen erzeugt wird, mag sich an dieser Stelle gerne die umständlichere und geringfügig teurere Methode, nämlich Banknoten zu drucken, vorstellen.
 
So lange auf dieser Welt die Guthaben schneller wachsen, als die Erzeugung von Gütern und Leistungen, solange wird dieser überschießende Teil irgendwann zum Zusammenbruch des Geldsystems führen.
 
Gleichgültig, wie sich die Salden auf den Guthabenkonten speisen, ob durch ständige Neuverschuldung, oder nur durch Zubuchungen aus dem Nichts:
 
Leistungslose Einkommen stören die Wirtschaftskreisläufe.
Leistungslose Einkommen sind Unrecht.
 
Leistungslose Einkommen führen zwangsläufig früher zur Inflation oder später zur Hyperinflation. Und so sie nicht zur Inflation führen, führen Sie zu Armut, Hunger und Revolution.
 
Es ist also verlogen, zu behaupten, die Schöpfung unbelasteten Geldes führe zur Inflation, wenn damit suggeriert wird, die Schöpfung des Kreditgeldes führe nicht im mindestens gleichen Maße und in mindestens gleicher Geschwindigkeit ebenfalls zur Inflation.
 
Geld, dem keine Leistung gegenübersteht, wirkt potentiell inflationär. Egal, wie es entsteht. Ob und wann jedoch Inflation ausgelöst wird, liegt alleine am Agieren der Geldbesitzer.
 
Ungerechter Lohn wirkt potentiell deflationär.
Ob und wann jedoch Deflation ausgelöst wird, liegt alleine am Agieren der Geldschöpfer.
 
Solange die Geschäftsbanken, die sich, was man nie vergessen darf, ganz überwiegend in den Händen der Geldbesitzer befinden, ein Geldschöpfungsmonopol besitzen, ist es also alleine die Willkür der Geldbesitzer, die über Inflation und Deflation entscheidet.
 
Solange staatliche Eingriffe in die Geldversorgung der Wirtschaft nur über Staatsverschuldung und Steuereinnahmen erfolgen, eine eigenständige Geldschöpfung des Staates aber unterbleibt, ist der Staat den Strategien der Geldbesitzer hilflos ausgeliefert.
 
 
Nimmt sich der Staat jedoch das Recht - und keiner könnte es ihm verbieten - die Geldschöpfung der Banken durch eigene Geldschöpfung zu ergänzen, wächst ihm die Fähigkeit zu, Deflation sicher zu vermeiden.
 
Ist der Staat aber in der Lage, Deflation sicher zu vermeiden, wächst ihm auch die Fähigkeit zu, sein Instrumentarium der Versteuerung so einzusetzen, dass er auch die übelste Hyperinflation einzudämmen, ja durch Prophylaxe auszuschließen, in der Lage wäre.
 
Nur weil er kein Geld schaffen kann, kann er Vermögen nicht im erforderlichen Maße besteuern, ohne sich damit ohnmächtig der Gefahr der Deflation auszusetzen.
 
 
Die Frage, die noch offen ist, ist doch nicht die Frage, nach dem OB und dem WARUM, es ist nur noch die Frage nach dem WIE - und offen ist sie nur, weil sie noch nicht gestellt wurde, nicht, weil sie nicht zu beantworten wäre.
 
 
Was mir dazu im ersten Nachdenken eingefallen ist, sieht so aus:
 
1. Bedarfsermittlung
 
Die Differenz zwischen den gezahlten Brutto-Löhnen, einschließlich Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung und dem bereits um die Importe bereinigten Brutto-Inlands-Produkt wird monatlich auf Basis der vom Statistischen Bundesamt erhobenen Daten festgestellt und ggfs. korrigierend fortgeschrieben. Das Ergebnis ist um die Aufwände der Wirtschaft für Real-Investitionen (wahlweise auch um die Abschreibungen) zu korrigieren.
 
Der sich ergebende Gesamtbetrag muss als Brutto-Lohn incl. AG-Anteil zur Sozialversicherung betrachtet werden. Demzufolge müssen von diesem Betrag pauschal ca. 14 % den Rentenversicherungsträgern, ca. 13 % dem Gesundheitsfonds und der Pflegeversicherung, ca. 3 % der Arbeitslosenversicherung zufallen. Weitere 20 % gehen als Lohnsteuer an den Fiskus. Die verbleibenden 50 % stehen den Beschäftigten unabhängig von der Höhe ihrer tariflichen oder außertariflichen Vergütungen als Nettozahlung zu, wobei als Verteilungseinheit die geleisteten regulären Arbeitsstunden samt der bezahlten Überstunden herangezogen werden. Ein Teilzeitbeschäftigter mit 50 Monatstunden erhält also nur ein Drittel dessen, was ein Vollzeitbeschäftigter mit 150 Monatsstunden erhält. Der überlastete Spezialist, der mit Überstunden auf 200 Monatsstunden kommt, erhält ein Drittel mehr als der Vollzeitbeschäftigte mit 150 Stunden.
 
Niedriglöhner, die nur deshalb billig zu haben sind, weil die Zahl derjenigen, die für solche Arbeiten ausreichend qualifiziert sind, hoch ist, werden durch diesen Verteilungsmechanismus außerhalb der sog. "Marktgesetze" bewusst bevorzugt.
 
Die direkte Speisung der Staats- und Sozialkassen aus dieser Quelle sorgt dafür, dass Rentner, Kranke, Pflegebedürftige und Arbeitslose im gleichen Umfang von der Aufstockung zum gerechten Lohn profitieren, wie auch die Finanzierung aller weiteren Staatsaufgaben erleichtert wird und die Neuverschuldung des Staates damit gesenkt werden kann.
 
 
2. Bereitstellung der Gelder
 
Zur Bereitstellung der erforderlichen Gelder wird dem Staat bei der Zentralbank ein Konto eingerichtet, dem monatlich der vom Statistischen Bundesamt ermittelte Gesamtbetrag gutgeschrieben wird. Diese Gutschrift erfolgt ohne die gleichzeitige Begründung einer Schuld, einer Tilgungs- oder Zinszahlungsverpflichtung.
 
3. Verteilung der Gelder
 
Monatlich wird vom Statistischen Bundesamt der pro Arbeitsstunde auszuzahlende Geldbetrag ermittelt und veröffentlicht. Die Arbeitgeber erhöhen die Lohnzahlung um den mit den Arbeitsstunden multiplizierten Betrag - und kürzen die fälligen Zahlungen für Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge entsprechend.
 
Vom Staatskonto bei der Zentralbank werden daher lediglich die fälligen Beträge an die Sozialkassen überwiesen, der Rest steht dem Fiskus zur freien Verfügung, wobei durchaus das verbleibende, zusätzliche Lohnsteueraufkommen auf Bund, Länder und Kommunen aufgeteilt werden sollte.
 
 
4. Die absehbaren Folgen und ihre Behandlung
 
4a) Kaufkraftverwendung - Inflationsabwehr
 
Nach diesen Vorschlägen wird sich die (primär im Binnenmarkt) verfügbare Kaufkraft nahezu verdoppeln. Soweit sind wir (leider) vom gerechten Lohn entfernt.
 
Ließe man die geballte Kaufkraft ungebremst auf den für eine weit geringere Nachfrage eingerichteten Markt los, wären chaotische Verhältnisse zu erwarten, die zwangsläufig zu inflationären Preiserhöhungen führen.
 
Sinnvoll wäre daher eine Strategie, die - trotz sofortiger und vollständiger Einführung des gerechten Lohns nur eine allmähliche Erhöhung der nachfragewirksamen Kaufkraft hervorbringt.
 
Eine solche Strategie ist relativ leicht zu entwickeln:
 
Dem Staat wird aufgegeben, die Zuflüsse in den ersten beiden Jahren vollständig, in den folgenden drei Jahren zu 75, 50 und 25% zur Tilgung der bestehenden Staatsschulden und ggfs. zur Rückabwicklung von Privatisierungsgeschäften zu verwenden.
 
Die Rentenversicherung wird die Zuflüsse in den ersten fünf Jahren zu 10, 30, 50, 70 bzw. 90 Prozent zur Erhöhung der Renten einsetzen, den Rest zum Aufbau von Rücklagen einsetzen.
 
Kranken- und Pflegeversicherung werden Leistungsabbau rückgängig machen und die Versorgung von Kranken- und Pflegebedürftigen insbesondere durch die Beschäftigung zusätzlichen Personals in den stationären Einrichtungen verbessern.
 
Die Zuflüsse, die der Arbeitslosenversicherung zufließen sollen zur Hälfte zur Erhöhung der Regelleistungen, zur Hälfte zur (sinnvoll begleiteten) Unterstützung von Existenzgründern verwendet werden.
 
Damit sind 50% der zusätzlichen Geldmenge einigermaßen sicher kanalisiert. Für die andere Hälfte, die als Anstieg der Nettolöhne auftritt, wäre es sinnvoll, anfangs die Tilgung der überzogenen Gehaltskonten und die beschleunigte Ablösung von Ratenkrediten und anderen langfristigen Schuldverhältnissen in die Wege zu leiten.
 
Hier genügen einfache Gesetze für den Bankensektor, mit denen einerseits die Überziehung von Gehaltskonten begrenzt und andererseits Hindernisse für vorzeitige Tilgungen ausgeräumt werden.
Zudem könnte der Staat sogar eine "Abwrackprämie" für Kredite beschließen, sich also mit einem bestimmten Betrag an der Ablösung von Krediten beteiligen.
 
Unter diesen Bedingungen könnte es gelingen, das Angebot des Binnenmarktes zügig, aber ohne Überhitzungserscheinungen, der wachsenden Kaufkraft anzupassen. Dabei darauf zu achten, mehr Wert auf Qualität und Nachhaltigkeit zu legen, als auf die vermehrte Produktion von Konsumschrott ist eine zusätzliche, wichtige Aufgabe, die ich hier aber nur benennen, nicht im Detail ausführen will.
 
Nach einer gewissen Zeit wird die ständige Schöpfung neuen Geldes dazu führen, dass die Staatsschulden vollständig getilgt und die sinnvollen Staatsausgaben auf lange Sicht gesichert erscheinen. Dennoch würden, nach der gegebenen Regel, weiterhin monatlich hohe Beträge auf das Staatskonto bei der Zentralbank überwiesen. Es ist daher erforderlich, dem Statistischen Bundesamt eine weitere, durchaus problematischere Aufgabe zuzuweisen, nämlich auf die Begrenzung der Staatsquote hinzuwirken. Auch diesen Seitenast der Überlegung will ich hier nur erwähnen, ohne ihn im Detail auszuführen.
 
4b) Die weiter wachsenden Guthaben der "Gewinner"
 
Da der gerechte Lohn nicht durch Kürzung der Gewinne, sondern durch Aufstockung der Löhne erreicht wird, fließen auch den Beziehern leistungsloser Einkünfte weiterhin ganz erheblich Einkünfte zu, die auch weiterhin - mangels Gelegenheit - nicht konsumiert werden und - mangels Rendite - nicht in der Realwirtschaft investiert werden.
 
Da zugleich der Kreditbedarf aufgrund der unter 4a beschriebenen Maßnahmen massiv rückläufig ist, fehlen den Banken zunehmend Zins-Einnahmen aus dem Kreditgeschäft.
Einfache Einlagen können also kaum noch verzinst werden.
 
Das führt zu einer noch stärkeren Zunahme der reinen Finanzspekulation, einer immer wilderen Hatz nach immer abenteuerlicheren Renditen, die aber niemals realisiert werden können.
 
Das Verrückte, dieses Treibens ist weiter oben schon einmal angesprochen worden. Ich erinnere nur kurz daran:
 
Wie also soll als normal und gesund angenommen werden, dass eine relativ kleine Zahl von Menschen ihre Mitwirkung an der Leistungserstellung verweigert, wenn ihnen nicht ein ganz und gar ungerechtfertigter Gewinn zugestanden wird?
     
Das ist weder normal, noch gesund. Es ist verrückt und krank.
 
Zumal diese relativ kleine Zahl von Menschen ja gar nicht beabsichtigt, selbst an der Leistungserstellung teilzunehmen. Ihr Beitrag zur Leistungserstellung ist es, den übrigen Menschen gegen Bezahlung befristete Rechte einzuräumen, die Ressourcen dieser Welt zu nutzen, weil es ihnen - oder ihren Vorfahren - irgendwie gelungen ist, daran Eigentumsrechte zu erwerben.
 
Das Verrückte ist inzwischen auch nur noch halb so schlimm, weil sich die Gesunden und Leistungserbringenden den gerechten Lohn inzwischen selbst verschaffen, aber es besteht immer noch die Gefahr, dass die aus heißer Luft und fiebrigem Wahn entstandenen Geldblasen unvermittelt über der Welt der Gesunden entleert werden.
 
Ein von der Spielsucht besessener Monopoly-Spieler kann mit seinen billigen Spielgeldscheinchen nicht aus der Sphäre des Spiels ausbrechen und einen Supermarkt leerkaufen, nur weil ihm gerade danach ist.
 
Ein von der Spielsucht besessener Spekulant kann sehr wohl mit seinem an der Börse aus lauter Luft und Phantasie und fehlgeleitetem Ehrgeiz entstandenem Geld auftreten und nicht nur den Supermarkt leerkaufen, sondern gleich eine ganze Supermarktkette samt aller Mitarbeiter in seinen Besitz bringen und seinem Willen unterwerfen.
 
Gegen diese Macht der aufgeblähten Geldblasen hilft auch der gerechte Lohn nicht.
Dagegen muss der Staat mit anderen Mitteln eingreifen.
 
Am schönsten wäre es, zu verbieten, Geld, das aus Börsengeschäften erlöst wurde, überhaupt jemals wieder in der Realwirtschaft zu benutzen. Das wird nicht gelingen, denn die Gierigen werden erklären, sie hätten echtes Geld in die Börse hineingetragen, da werden sie wohl auch echtes Geld hinaustragen dürfen - obwohl dem Geld, das an der Börse entsteht, keine Leistung, kein Produkt gegenübersteht.
 
 
Was aber gelingen könnte, wäre
 
  • eine massive Besteuerung der größten Vermögen, wobei ich weiterhin gerne einen Freibetrag von 1 Milliarde Euro einräumen würde, bevor jahrlich 12 % auf den überschießenden Betrag fällig werden,
  • eine massive Besteuerung aller leistungslosen Einkünfte, nicht mit dem deutlich verminderten Satz der Abgeltungssteuer, sondern mit einem deutlich erhöhten Satz für Kapitalerträge jeder Art
  • eine Transaktionssteuer auf alle Überweisungen, Freibetrag pro Steuerpflichtigem 100.000 oder 200.000 Euro pro Jahr - von da an den vollen Mehrwertsteuersatz
    (da würde der Mehrwertsteuersatz sinken - oder der Staat in Einnahmen ertrinken)
 
 
4c) Die innere Dynamik des gerechten Lohns
 
Steht den Menschen das zur Verfügung, was sie mit Ihrer Leistung hervorbringen, hat dies zwei, scheinbar vollkommen unvereinbar gegensätzliche Folgen:
 
a) Die Möglichkeit, mehr zu leisten und mehr Wohlstand zu erzeugen wächst
b) Die Möglichkeiten, das Geld sinnvoll auszugeben, schwinden
 
Beide Effekte sind vorhanden. Heute in Armut lebende Menschen werden in die Lage versetzt, ihren Bedarf besser zu decken. Erst mit dieser zusätzlichen Kaufkraft lohnt es sich für neue, zusätzlich Anbieter, eine Leistung zu erbringen und diese zu verkaufen. So entsteht ein sich selbst tragendes Wachstum, das nicht aufhören muss, bevor nicht alle auf der Stufe des Wohlstands angekommen sind, auf der sie lieber genießend verharren als sich, noch mehr leistend, zu verausgaben.
 
Heute bereits in Wohlstand lebende Menschen werden die zusätzliche Kaufkraft womöglich gar nicht mehr einzusetzen wissen, und sehen, auch wegen der sinkenden Guthabenzinsen, keinen Sinn darin, Geld in eher konservativen Anlagen zu parken.
Ein Teil von ihnen wird sich von den Börsen verlocken lassen, den zusätzlichen Geldsegen durch Zockerei zu mehren, ein anderer Teil (und ich hoffe, der größere) wird, wenn die Schulden getilgt sind, auf die Idee kommen, dass es möglich sein sollte, weniger zu arbeiten, ohne den Lebensstandard deshalb zurückfahren zu müssen.
 
Rente mit 67? Nein danke!
40-Stunden-Woche? Nein danke!
Unbezahlte Überstunden? Nein danke!
 
Jeder hergelaufene Wirtschaftsweise wird sich im Angesicht solcher beglückenden Aussichten bei jeder öffentlichen rechtlichen Talkshow gleich mehrfach hintereinander aufplustern wie ein blutrünstig-kampfeslustiger Gockel und die schreckliche Warnung ausstoßen:
 
Das darf niemals geschehen!
Das Kapital ist ein scheues Reh!
Es wird flüchten!
 
 
 
Eigentlich müsste man sie aus vollem Halse auslachen.
 
Erstens ist das Bild absurd.
 
Selbst die scheuesten Rehe werden in der realen Welt vom Hochstand aus belauert. Sobald sie auf die Lichtung hinaustreten, knallt die Büchse. Dank Zielfernrohr, deutscher Büchsenmacherkunst und deutschem Jagdrecht fällt das Reh daraufhin nicht nur tot um, sondern auch dem Jagdpächter zu, der damit dann nach Belieben verfahren kann.
 
Trifft der Jäger nicht, manche gehen ja mit zuviel Zielwasser auf den Anstand, springt das scheue Reh natürlich erst einmal ins Unterholz, aber es dauert nicht lange, spätestens am nächsten Tag tritt es wieder auf die gleiche Lichtung hinaus - und wenn der Jäger dann bei Sinnen ist, trifft er diesmal.
 
Rehe, die unerlegbar scheu im Revier ihr Wesen treiben, sind Jägerlatein.
 
Zweitens darf das Kapital gerne flüchten.
Niemand braucht es.
 
Dass unsere Politiker lauthals erklären, Politiker könnten kein Unternehmen führen, will ich nicht in Abrede stellen.
 
Man braucht aber auch keine Politiker, um Unternehmen zu führen.
 
Es gibt wohl kaum ein Unternehmen, in dem nicht mindesten ein Angestellter in der Lage wäre, die Geschäftsführung sofort und ohne Nachteil für das Unternehmen zu übernehmen.
 
Aber das Schönste ist ja, dass "das Kapital" in der Regel lieber auf Golfplätzen herumlungert und sich bei Jagdgesellschaften amüsiert, als ein Unternehmen zu führen.
 
Herrschaftszeiten! Ein Aktionär ist doch kein Unternehmensführer. Die meisten Großaktionäre können nichts anderes, als erkennen, mit welcher Aktie am profitabelsten spekuliert werden kann. Die braucht man nicht, das sind auch keine Unternehmer.
 
 
Und wenn man feststellt, dass es gar nicht schwer ist, selbst ein Zahlungsmittel zu schaffen, mit dem die Kreisläufe der Realwirtschaft in Gang gehalten werden können, dann ist es nur ein winziger Schritt zu der Erkenntnis, dass man auch das Kapital der Kapitalisten nicht braucht.
 
Aktionäre sind Anteilseigner von Aktiengesellschaften. Sie können ihre Aktien davontragen, sich ihre Dividenden in die Schweiz oder nach Venezuela überweisen lassen, das ist aus Sicht der Aktiengesellschaft vollkommen egal. Kein Unternehmen geht unter, weil ein Hauptaktionär seinen Wohnsitz ins Ausland verlagert.
 
Und jenes Kapital, das außerhalb der Aktienspekulation auf der Jagd nach mannigfachen Derivaten durch die Börsensäle geistert, das braucht, außer der Börse selbst, auch niemand.
 
Also weg damit. Sollen sie doch gehen. Es ist kein Schaden, es ist ein Segen.
 
 
Fazit
 
Die Lücke zwischen ungerechtem und gerechtem Lohn lässt sich durch staatliche Geldschöpfung schließen. Alleine mit der Verfügbarkeit des zusätzlichen Zahlungsmittels in einer, der von der Volkswirtschaft hervorgebrachten Leistung entsprechenden Menge, sind in wenigen Jahren weitgehende Entschuldung, wachsender Wohlstand, Vollbeschäftigung und sinkende Arbeitszeiten zu realisieren.
Die Macht des Kapitals, Deflation hervorzurufen, ist damit gebrochen. Die Fähigkeit, nach Belieben Inflation hervorzurufen, kann durch ergänzende staatliche Eingriffe ebenfalls abgestellt werden.
 
Was fehlt, sind die Politiker, die sich etwas zutrauen.
Sie müssen ja nicht gleich ein Unternehmen führen.
 
Es würde vollkommen genügen, wenn sich welche finden, die sich zutrauen, eine Wirtschafts- und Finanzpolitik zu betreiben, die den gerechten Lohn zum Ziel hat.
 
Vermutlich steht das scheue Reh aber hochgerüstet bis an die Zähne im Unterholz und wartet nur darauf, dass sich der erste, der solche kruden Gedanken hegt, auf dem Hochsitz zeigt.
 
Aber auch dazu ist festzuhalten:
 
Es gibt keinen Grund anzunehmen,
Rehe ließen sich nur vom Hochsitz aus erlegen.
Überhaupt keinen.

 


 
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer!
Gratulation zu diesem - wie gewohnt - brillanten Paukenschlag. Mit der Bemerkung, daß Vermietung und Verpachtung ein arbeitsloses Einkommen darstellen, fühle ich mich allerdings persönlich angesprochen und kann dem nur widersprechen. Ich habe es durch akribisches Sparen dazu gebracht, daß ich heute einige kleine Wohnungen vermiete. Ich sehe das als Dienstleistung, wie sie auch ein Hotel/Gasthof erbringt, bloß in anderer Frequenz und dafür x-fach teurer. Ich darf Ihnen versichern, daß Vermietung&Verpachtung kein Honiglecken und daß dafür laufend Leistungen zu erbringen sind. Warum sollten diese Leistungen nicht entsprechend vergütet werden? Ich kann ruhigen Gewissens sagen, daß meine Mieteinnahmen abzüglich des Investitions- und sonstigen Aufwands und besonders nach Steuern, einen eher bescheidenen Unternehmerlohn für das Gewerbe "Vermietung&Verpachtung" darstellen.

Anmerkung Egon W. Kreutzer
Soweit bin ich da voll bei Ihnen, nur damit kein Missverständnis aufkommt. Leistungsloses Einkommen ist das, wofür keine Leistung erbracht wird, oder der Teil des Einkommens, der über die eigentliche Leistung hinausgeht.

Ich pflichte Ihnen jedoch völlig bei, wenn Sie die tatsächlich arbeitslose Beteiligung an Immobilienfonds und weitergehenden Derivaten aus diesem Titel gemeint haben sollten. Da werden ja auch überzogen hohe Einnahmen angestrebt und meistens auch noch aus Steuergeldern über sogenannte Verlustmodelle zusätzliche Renditen angestrebt. Diese Art von "Vermietung" lehne auch ich ab.

Bei Patenten, also bei vorenthaltenem Wissen, ist das freilich etwas anderes. Bekanntlich vermehrt sich Wissen ja gerade dadurch, daß man es teilt. Durch den Patentschutz wird jedoch aus einer Einmalleistung, die gewiß eine stattliche Prämie verdienen könnte, ein tatsächlich dauerhaftes arbeitsloses Einkommen zu erzielen versucht (bei vielen Erfindern leidet dadurch auch die weiterführende Kreativität).

Mit besten Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,

das waren wieder einmal zwei sehr gelungene Paukenschläge! Auch ich habe mir zu dieser Thematik meine Gedanken gemacht, wobei ich auf einen Aspekt getoßen bin, der durchaus relevant sein könnte.

Ein gerechter Lohn fängt damit an, dass man Löhne (wie auch so einige andere Bestandteile der Preiskalkulation) nicht mehr als “Kosten” ansieht. Wenn man den Arbeitsaufwand als Wertbestandteil des Endproduktes wertet (!), dann ist das nicht nur ein Wortspiel. Es geht um Begriffe, welche das Begreifen dessen ermöglichen, worum es eigentlich geht. Die Schwaben haben noch einen sprachlichen Bezug zur Realität. Sie gehen nicht arbeiten sondern sie gehen schaffen. Und das ist der Punkt: Arbeit ist das (er)schaffende Element menschlichen Handelns. Am Ende der Arbeit steht immer etwas, was es ohne sie nicht (zu erwerben) gäbe. Erdöl an sich “kostet” nichts, denn es ruht schon lange unter der Erde, ohne dass irgend jemand auch nur einen Pfennig dafür hätte bezahlen müssen. Auch die Arbeit, es zu fördern und zu transportieren, verleiht dem Erdöl nicht den geringsten Wert. Man bezahlt für den Wert der Arbeit, welche nötig war, die Gratisware Erdöl zu fördern, zu transportieren und schlussendlich bereitzustellen, als auch für die Arbeit, die nötig war, um die erforderlichen Hilfsmittel (Bohrgeräte, Transportmittel) bereitzustellen. Es ist IMMER und NUR die Arbeit, welche den Wert eines Produktes oder einer Diensleistung ausmacht. Somit ist jeder Verkaufserlös, auch wenn er gar wohl über oder auch unter dem eigentlichen Leistungswert liegen kann, auf den gesamten Arbeitsaufwand, der erforderlich war, umzulegen und verhältnismäßig zu verteilen. DAS wäre gerecht.

Aus dieser Sicht wären also Löhne lediglich Abschlagszahlungen auf einen später als die Arbeitsleistung anfallenden Verkaufserlös. Die Zeitspanne zwischen Arbeitsleistung und Erlös muss ja irgendwie überbrückt werden, damit die Arbeitsleistenden zwischenzeitlich nicht verhungern. Diesen Überbrückungszwang (welcher durch erhöhtes und konzentriertes Arbeitsvolumen und Arbeitsteilung entsteht) haben die Kapitalisten, sowohl Unternehmer als auch Banker, genutzt, um sich schmarotzernd in die Wertschöpfungskette einzuklinken. Von dieser Überbrückungsleistung, die zweifellos einen Wert hat, leiten sie allerdings einen Anspruch ab, welcher mit ihrer tatsächlichen Arbeitsleistung, die ja rechtmäßiger Bestandteil des Verkaufspreises/-wertes und auch bei dessen Verteilung gebührend zu berücksichtigen wäre, rein garnichts mehr zu tun hat: Gewinn.

Um diesen “Anspruch” zu rechtfertigen, haben diese Banausen die übelsten Tricks erdacht, unter anderem, den Arbeitswert als “Kosten”* zu deklarieren, was aus deren Sicht durchaus richtig erscheint, da höhere Löhne ja ihren Gewinn vermindern. Ferner haben sie die Löhne vom Verkaufserlös, welcher ja der einzige Maßstab für die reale Bewertung der gesamten erbrachten Arbeit wäre (wie es ja auch in Ihren Formeln klar zum Ausdruck kommt), abgekoppelt und die Abschlagszahlung in eine endgültige Bezahlung umgewandelt. Die Differenz heißt heute offiziell “Gewinn”, ist aber - auf den Lohn bezogen - jener Lohnanteil, welcher bei der Abschlagszahlung noch nicht ausgezahlt wurde. Es handelt sich also eigentlich und tatsächlich um Betrug am Arbeiter, um einen ungerechten Lohn. Ferner war dies alles u. a. nur möglich, weil man die Wirtschaftswissenschaft in zwei getrennte Bereiche, nämlich die Betriebs- und die Volkswirtschaft, aufgeteilt hat. So kann man in dem einen Bereich Dinge als positiv oder zumindes völlig normal hinstellen, welche in dem anderen deutlich als negativ erkannt werden müssten. Eine von volkswirtschaftlichen Erkenntnissen abgekoppelte Betriebswirtschaftslehre ist an sich ein Unding, und hat dann halt jene Konsquenzen, die uns heute so arg zu schaffen machen.

*) Kosten entstehen nur dann, wenn ein Aufwand erbracht wird, bei dem nichts herauskommt. Die Formel lautet: Aufwand mit Ergebnis = Wert; Aufwand ohne Ergebnis = Kosten. Somit ist ein fleißiger Arbeiter ein Wertfaktor und ein Faulenzer ist ein Kostenfaktor (vorausgesetz, er wird für sein Nichtstun bezahlt). Dem steht spiegelgerecht gegenüber: Bezahlung fü die man einen realen Gegenwert erhält = Wert(erhaltung); Bezahlung für die man keinen realen Gegenwert erhält = Kosten.

Worauf ich hinaus will ist, dass es auch einer Begriffsbereinigung vor allem in der Betriebswirtschaftslehre bedarf, wenn man gerechten Lohn als Ziel vor Augen hat. Diese babelsche Begriffsverwirrung hat nicht geringen Anteil daran, dass es uns so schwer fällt, auf den Grund der Dinge zu sehen. Die obigen Gedanken führen nämlich zwangsläufig zu dem Schluss, dass “Gewinn” (volkswirtschaftlich gesehen) unter die Rubrik Kosten fällt! Und dass es sich tatsächlich um Kosten handelt, wird gerade in jüngster Zeit überdeutlich, nicht wahr?

Andererseits, um noch ein Beispiel der Begriffsverwirrung zu geben, ist auch der Arbeiter eigentlich der Arbeitgeber und der Unternehmer der Arbeitnehmer, denn der Unternehmer bietet ja keine Arbeit an, sondern lediglich die Arbeitsmöglichkeit. Das einzige, was wirklich genug Arbeit für Vollbeschäftigung schafft, ist Zerstörung. Demnach wären gemäß einem bekannten politischen Slogan Kriege so ziemlich das sozialste, was man sich vorstellen kann... Wird die Perversität der Begriffsverwirrung nun (noch) deutlich(er)?

Die obigen Überlegungen haben übrigens und z. B. in Mexiko dazu geführt, dass die Gewerkschaften eine gesetzlich verankerte Gewinnbeteiligung der Arbeiter und Angestellten durchgestzt haben. Das hat aber wiederum zu einem neuen Elitesport für Unternehmer geführt, nämlich dem Frisieren der Bilanzen speziell zu dem Zweck, diese Gewinnbeteiligung möglichst auf Null zu bringen...

Mit freundlichen Grüßen


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

vielen lieben Dank für die beiden letzten Paukenschläge. Eine Frage und einen Kommentar (der nur scheinbar nichts damit zu tun hat) habe ich dennoch:

Die Frage: Nehmen wir mal an, jemand wolle ein Stahlwerk oder eine ähnlich große Industrieanlage vom Zaun brechen. Üblicherweise bedient man sich dazu traditioneller (also Bank-) Finanzierung, oder Mittel aus dem PE oder VC-Bereich, etc. Wie liefe das nun in ihrem Modell ab? Irgendwie fehlt mir bei allen dreien die rechte Motivation. Im Sinne einer vernünftigen Geldpolitik scheidet eine Geldgenerierung "nach Bedarf" hier auch nicht wirklich angemessen. Also wo kommt die Knete her und mit welcher Begründung?

Der Kommentar: Habe letztens einen Nachrichtenbeitrag gesehen, in dem festgestellt wurde, daß (hier konkret in einem bestimmten Kreis in der Lausitz) zwar bekanntermaßen und definitiv zuwenig Augenärzte für zuviele Bewohner vorhanden sind, ein letztlich bürokratisch festgelegter Schlüssel aber die Eröffnung weiterer Praxen verbietet. Und wo ist nun der Zusammenhang? Er ist an der Stelle zu suchen, wo Obrigkeits- und systemgläubiges Denken die Einwohner genauso wieder davon abhält, das ja ihren Interessen ganz offenbar zuwiderlaufende System geltender Bestimmungen einfach anzupacken und zu ändern. Eigentlich wäre das doch mal eine prima Aufgabe für unsere lieben Volksvertreter, aber die unterliegen ja auch wieder nur der Parteidisziplin.

Herzliche Grüße,

Hallo Herr Kreutzer

Wie immer brilliant und noch besser in Worte gefasst, nur hilft das nur besser zu verstehen warum es so ist wie es ist, und worüber wir uns ärgern...

Ändern ... wird sich davon nichts, denn wie sie selbst schreiben, warum und wer sollte sich die für das Kapital so erträglichen Zustände ändern ?
Durch demokratische Wahlen...? Wir haben kein direktes Wahlrecht oder mit anderen,traurigern Worten : Wir haben kein legales Mittel unseren Zustand zu ändern.
Traurig aber wohl war.

Mit niedergeschlagenem kopfschütteln


Lieber Herr Kreutzer,

mit Ihren Paukenschlägen zum (un-)gerechten Lohn haben Sie mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen - Gratulation! Ich bewundere Ihren Mut, dass Sie derartige Tabus – wie auch bereits die Eigentumsfrage – angreifen und die herrschenden ideologischen Glaubensbekenntnisse auf den Kopf stellen. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Sie von den besserwisserischen Fachidioten zerrissen und von Profiteuren des Systems verteufelt werden.

Auch ich bin der festen Überzeugung, dass wir unsere Miseren nur durch derartig radikale Denk- und Lösungsansätze aufarbeiten können. Nur muss ich mich in dieser schizophrenen Welt, in der die sog. „Normalen“ pathologische Existenzen darstellen oder der Dummheit bzw. geistigen Starre verfallen sind, fragen, wie wir diese Wüste wieder befruchten können. Es ist fürchterlich frustrierend, immer wieder vor Betonköpfe zu laufen, und zusehen zu müssen, wie in unserem Land sämtliche demokratischen Errungenschaften systematisch vor die Wand gefahren werden! Desinteresse, Unwissenheit, Unbelehrbarkeit, Verantwortungslosigkeit, Egomanie, Feindseligkeit, Gier und Chauvinismus (die Aufzählung liesse sich beliebig erweitern) grassieren, so dass man verzweifeln könnte.

Es ist zwar immer wieder ein Trost, wenn ich vereinzelt auf Menschen mit Zivilcourage und Charakter treffe. Aber wenn es stets darauf abläuft, dass man sich mit Gleichgesinnten gegenseitig auf die Schulter klopft, sich selbst die Bälle zuspielt und nur wenig Resonanz im Haifischbecken erzeugt – dann drohen Ermüdungserscheinungen! Das heisst jedoch nicht, dass ich Sie hinsichtlich Ihrer Arbeit demotivieren möchte. Im Gegenteil: bitte machen Sie weiter so, denn das Ziel ist es wert!

Mit herzlichem Gruss


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