Paukenschlag am Donnerstag
No. 25/2009
vom 18. Juui 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Oasen Peer

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Oasen Peer
Wenn CDU und FDP die Bürger im Wahlkampf mit der Banane "Steuersenkung" anlocken, steht Peer Steinbrück dumm daneben. Der Mann, der den ausgeglichenen Haushalt wider alle ökonomische Vernunft herbeisparen wollte und nun die größte Schuldenlawine losgetreten hat, die die Republik je gesehen hat, weiß, dass er sich, wollte er jetzt in den Ruf nach Steuersenkungen einstimmen, noch des letzten Restes an Glaubwürdigkeit berauben würde.
 
Nun hat er seine eigene Banane gefunden. Mit dem Versprechen von mehr Steuergerechtigkeit durch Bekämpfung von Steueroasen will er beim sozial und demokratisch fühlenden Wähler für jene Partei Stimmen fangen, die sich trotz aller Reformen auch weiterhin so nennt.
 
 

Das tapfere Schneiderlein, jener muntere Aufschneider, der mit allerlei durchsichtigen Tricks einen dämlichen alten Riesen leimte, kam mir in den Sinn, als ich ein - dem Kavallerie-Bild ebenbürtiges - Gleichnis für Steinbrücks großartig inszenierten Kreuzzug gegen die Steueroasen suchte.
 
Der Nasenbär, den der Oasen-Peer dabei vorführt, ist der deutsche Michel, der brav den Löwenanteil der Staatsfinanzierung trägt, weil er gar nicht verhindern kann, dass ihm er Staat permanent in die Tasche greift.
 
An der Supermarktkasse, an der Zapfsäule, am Tresen, beim Telefonieren und SiMSen, wenn abends das Licht brennt oder der Fernseher läuft, immerzu und überall fließen sogenannte "Konsumsteuern" Richtung Fiskus, bestenfalls nur 7%, meist 19% bei Benzin und Diesel, Zigaretten und Schnaps sogar noch sehr viel mehr. Insgesamt stammen mehr als 40 Prozent aller Steuereinnahmen aus diesen Quellen.
Das alles wird dem braven Michel noch abgezwackt, nachdem sein Arbeitgeber vom vereinbarten Verdienst die Lohnsteuer abgezogen und an den Staat überwiesen hat. Die macht noch einmal ein Viertel aller Steuereinnahmen aus. Überzeugen Sie sich selbst:
 
Steueraufkommen nach Steuerarten
(Der Link ist tückisch. Daher habe ich hier eine Kopie der Seite abgelegt. Sie können jedoch von da aus auch auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung navigieren.)
 
Kein Wunder, dass Stimmenfänger, auch Bauernstimmenfänger, aus den Reihen der politischen Konkurrenz mit großen Worten eine einfache, übersichtliche und alle Bürger entlastende Steuerreform versprechen, von der sie natürlich nur das zu halten gedenken, was sich nach der Wahl politisch durchsetzen lässt, selbst wenn sich nichts durchsetzen lässt, oder nur das glatte Gegenteil.
 
Wie weit reicht das Wählergedächtnis? Wer schafft volle vier Jahre?
Vor der letzten Bundestagswahl hatten wir einen Mehrwertsteuersatz von 16%. Bei der SPD hieß es vorher: "Niemand hat die Absicht, eine Mehrwertsteuererhöhung zu bauen." Die CDU wollte damals schon, aber doch auch nur von 16 auf 17%.
 
Und, wo steht die Mehrwertsteuer heute? Sind das nicht 19%?
Und reden die Aufwiegler unter den Experten nicht schon von 25, ja gar 30%?
 
 
Nun, unser allseits geschätzter und weltweit beliebter Oasenpeer wagt in dieser Situation einen Ausbruch aus dem Kessel.
 
Steuersenkungen, die kann er nicht versprechen. Er, der angetreten ist, den Staatshaushalt zu sanieren, wird offenbar von einem Rest sozialdemokratischen Gewissens oder Schamgefühls geplagt. Nie zuvor hat ein Finanzminister dem Michel eine so hohe Schuldenlast aufgebürdet, und nie zuvor ging es dabei nur darum, der in Deutschland -gierenden (re- oder a- ist dabei egal) Pekunialaristokratie die geruchsneutralen Milliarden in den weit aufgerissenen, systemrelevanten Rachen zu werfen.
 
Was also fällt dem gewieften Oasen-Peer ein?
 
Er sagt der Steuerhinterziehung vermittels Steuer-Oase den Kampf an.
 
100 Milliarden, so lässt er verlautbaren, könnten dort jährlich für den deutschen Fiskus gewonnen werden, gelänge es nur, diese indianischen Sümpfe der Schweiz, Österreichs, Liechtensteins und anderer Feuchtgebiete auszutrocknen.
 
Da soll sich der Michel freuen!
 
Wenn sein geliebter peerbeißiger Finanzminister aus den Tiefen der Steuerwüste hinauszieht, um die Oasen der Reichen zu schleifen, ihre Palmenhaine umzuhauen und die Brunnen zuzuschütten, dann wird es dem Michel besser gehen, dann wird er mehr entlastet, als es Kauder und Pofalla, Westerwelle und Brüderle in ihren kühnsten Wahlversprechen auszusprechen wagen: um mindestens 100 Milliarden insgesamt oder 1.250 Euro pro Nase und Jahr.
 
Und so treibt der Oasenpeer mit seinem martialischen Kriegsgeschrei Wahlkampf, Wahlkampf um die Stimmen der deutschen Nasenbären, und bindet ihnen dabei den größten Bären auf, den er seinen fiskalischen Melkkühen seit dem Versprechen eines ausgeglichenen Haushalts für das Jahr 2011 aufgebunden hat.
 
 
Um zu verstehen, wie der Jahrmarktzauber funktioniert,
muss man sich nacheinander drei Fragen stellen:
 
1. Was ist eine Steueroase?
2. Wo und wie entsteht das Geld, das in Steueroasen gebunkert wird?
3. Warum bekommt der Fiskus davon nichts mit?
 
Und wenn die alle richtig beantwortet sind,
kommt die 100-Milliarden-Euro-Frage:
 
4. Liegt der verlorene Schlüssel wirklich unter der Laterne?
 
 
1. Was ist eine Steueroase

Als Steueroasen bezeichnet man Staaten (und andere Gebietskörperschaften mit eigenem Steuerrecht), in denen es möglich ist, Geld so anzulegen, dass die eigenen Steuerbehörden davon nichts erfahren.
Das ist es, was Peer Steinbrück, wenn man seine öffentlichen 10-Sekunden-Bonmots zur Thematik hört, als die besondere Infamie der Regierungen der sog. Steueroasen anprangert, dass sie nämlich Bundesbürger einladen, ihr Geld dort vor dem Zugriff des deutschen Fiskus in Sicherheit zu bringen.

 

 
Diese "Vertraulichkeit" stellen Steueroasen aber nicht nur durch ein nahezu wasserdichtes Bankgeheimnis her, wogegen Oasen-Peer derzeit Sturm läuft, sondern auch und vor allem durch anonyme Vermögensverwaltungs-Konstruktionen wie "Stiftungen" oder "Trusts".
 
Die eigentliche Qualität der Steueroase liegt aber darin, dass Unternehmen, die ihren Sitz in einer Steueroase nehmen, mit nur sehr geringen, in einigen Fällen auch gar keinen Steuern auf den Gewinn belastet werden, und dass es den Anteilseignern dieser Unternehmen ermöglicht wird, diese Gewinne ebenfalls (weitgehend) steuerfrei zu entnehmen.
 
 
Die komplette Steuersparmasche
mittels Steueroase
 
(die jedoch auch in allen Teilabschnitten für sich gespielt werden kann) sieht so aus:
 
  • Der Steuerflüchtling transferiert (im Köfferchen, im Kofferräumchen oder im Containerchen) einen erklecklichen Betrag Schwarzgeld in die Steueroase und zahlt diesen Betrag dort auf ein anonymes Konto ein.
  • Mit diesem Geld errichtet er eine Stiftung, die von einem Treuhänder vertreten wird, der selbst unter Folter niemals ausplaudern würde, wer als Stifter und eigentlicher Nutznießer dieser Stiftung fungiert.
  • Die Stiftung, vertreten durch den Treuhänder, errichtet ein Unternehmen, bevorzugt als Holdinggesellschaft, mit Sitz in der Steueroase.
  • Die Holding erwirbt zu einem angemessen niedrigen Preis das Unternehmen, das der Steuerflüchtige bis dahin als Eigentümer in Deutschland betrieben hat. Der angemessen niedrige Preis ist erforderlich, damit der deutsche Fiskus nicht auf die Idee kommt, er könne die mit dem Verkauf verbundene (fiskalische) Auflösung Stiller Reserven als Gewinn besteuern.
  • Die Holding übernimmt fortan den Vertrieb der Produkte des Unternehmens zu angemessenen Marktpreisen, während sie von dem Unternehmen in Deutschland zu Preisen beliefert wird, die ungefähr den Herstellkosten entsprechen. Damit fallen in Deutschland Verluste, allenfalls keine Gewinne an. Man kann so weitere Opfer von den Belegschaften fordern, vor allem aber kann man dem deutschen Fiskus gegenüber den nackten Mann mit der leeren Hosentasche spielen.
  • Die Gewinne fallen folglich bei der Holding im steuergünstigen Ausland an. Davon wird zunächst der Treuhänder bezahlt (fürstlich!). In der Regel bleibt danach allerdings stets noch ein erklecklicher Rest, der verwendet werden kann, um alle möglichen anderen Geldanlagen in das Vermögen von Holding oder Stiftung/Trust einzubringen.
 
So vermehrt sich das Vermögen des Steuerflüchtlings ständig, ohne dass er in nennenswertem Umfang mit Steuern belastet würde.
 
Abgesehen vom anfänglichen Schwarzgeldbestand und dessen heimlicher Verbringung ist das alles legal oder lässt sich zumindest so gestalten, dass es im Rahmen der Legalität bleibt.
 
Illegal wird es erst, wenn der Steuerflüchtige, der als deutscher Staatsbürger dem deutschen Staat für alle Einkünfte steuerpflichtig ist, eine Gewinnausschüttung erhält und vergisst, diese bei seiner Einkommensteuererklärung zu erwähnen.
 
 
Zwischenerkenntnis

Steueroasen sind - von Deutschland aus gesehen - eigentlich alle Staaten, in denen Gewinne niedriger versteuert werden als in Deutschland. Das trifft bei weitem nicht nur für Österreich, die Schweiz und Liechtenstein zu. Da man sich nicht einmal innerhalb der EU auf eine einheitliche Steuerpolitik einigen kann, sind steuersparende Standorte auch für das in Deutschland ansässige Kapital leicht und ohne regelmäßige Grenzkontrolle zu erreichen.
 
Als Steueroasen nur solche Staaten zu bezeichnen, die mit ihrem Bankgeheimnis deutsche Staatsbürger vor der Versteuerung von Schwarzgeldbeständen schützen, greift sehr kurz.

Vermögen mehrt sich schließlich auch, wenn Gewinne nicht ausgeschüttet werden.
 
Gerade wo hohe und höchste Gewinne erzielt werden, ist es für den Alleineigentümer eines Unternehmens überhaupt nicht interessant, sich diese Gewinne auch ausschütten zu lassen. Sein Unternehmen (Holding) nutzt die in der Steueroase angefallenen Gewinne, um sie weiter gewinnbringend zu investieren. Das bisschen Kleingeld zu besteuern, das der Steuerflüchtling für seinen Konsum benötigt (weil es selbst in der Steueroase beim besten Willen nicht als Betriebsausgabe geltend gemacht werden kann), ist den ganzen Aufwand gar nicht wert.
 
 
 

2. Wo und wie entsteht das Geld, das in Steueroasen gebunkert wird?

Die Antwort ist zum Teil bereits gegeben: Ein großer Teil des Geldes, das in Steueroasen gebunkert wird, entsteht durch Geschäfte, die durch Unternehmen mit Sitz in den Steueroasen getätigt werden.
 
Damit es so weit kommen kann, muss aber in aller Regel erst einmal ein Grundstock an Vermögen in die Steueroase transferiert werden.
 
Das kann - und das ist vermutlich noch gar nicht so selten - ganz legal versteuertes Geld sein, das verwendet wird, um ein eigenes Unternehmen mit Sitz in der Steueroase zu gründen und dessen Geschäfte zu finanzieren,
 
und es kann Schwarzgeld sein, dessen Existenz gegenüber dem heimischen Fiskus im Dunkeln bleiben muss.
 
Schwarzgeld entspringt zweierlei Quellen:
 
Da ist einmal jede Form von Kriminalität, ob Rauschgifthandel oder Erpressung, Diebstahl oder Trickbetrug, die nicht primär gegen den Fiskus gerichtet ist. Alle Erträge aus solchen kriminellen Aktivitäten hinterlassen bei den Tätern letztlich Spuren in Form von Geld, dessen Herkunft verschleiert werden muss, weil sonst Staatsanwalt und Finanzamt auf den Plan gerufen würden. Große Verbrecher betreiben daher große Geldwaschanlagen, kleine versuchen ihr Glück mit kleinen Schwindeleien.
 
Zum anderen entspringt Schwarzgeld ganz normaler wirtschaftlicher Tätigkeit, die lediglich mit dem kleinen Mangel behaftet ist, dass sie vor dem Fiskus verborgen wird, dass also weder Mehrwersteuer noch Lohnsteuer, weder Einkommens- noch Körperschaftssteuer abgeführt werden. Von allfälligen Sozialbeiträgen ganz zu schweigen.
 
Die Grenzen zwischen noch legalen Formen der Steuervermeidung durch entsprechende "Gestaltung" und den illegalen Formen der Steuerhinterziehung und des Steuerbetrugs sind fließend, der Grenzverlauf hängt weitgehend vom Geschick der damit befassten Steuerfachanwälte ab.
 
Gigantische schwarze Kassen, wie sie einer staunenden Öffentlichkeit vor gar nicht so langer Zeit bei Siemens vorgeführt wurden, weisen darauf hin, dass die Möglichkeiten, Schwarzgeld anzusammeln, in der Wirtschaft bekannt sind und, unabhängig von jener plakativen Seriosität, die jedes Unternehmen zu verströmen versucht, auch genutzt werden. Die Versuchung diese Möglichkeiten zu nutzen, wächst mit der Höhe der Gewinne und der daraus resultierenden Fähigkeit, horrende Summen für hochspezialisierte Berater auszugeben, deren Honorare selbstverständlich steuerlich abzugsfähig sind.
 
 
Zwischenerkenntnis
Schwarzgeld, das vor dem Fiskus in Sicherheit gebracht werden muss, entsteht in erster Linie im Inland.
 
Der Wunsch, dieses Schwarzgeld in einer Steueroase zu bunkern, resultiert aus der Tatsache, dass es in Deutschland bei Einzahlung auf eine Bank mit größter Wahrscheinlichkeit dem Fiskus zur Kenntnis gelangt.
 
Für den Steuerflüchtling folgt die Abwägung, ob die Verbringung in die Steueroase oder der Versuch einer professionellen Geldwäsche wirtschaftlicher und/oder sicherer erscheinen.
 
Es bedarf keiner großen geistigen Anstrengung um zu erkennen, dass es dabei sehr auf die Menge des Schwarzgeldes und die Häufigkeit des Anfalls ankommt. Je öfter größere Mengen anfallen, desto eher rentiert es sich, eine professionelle Geldwaschanlage zu installieren.
 
Bei seltenem Anfall kleinerer Mengen ist der grenzüberschreitende Transport von Bargeld das Mittel der Wahl. Das Risiko, dabei in eine der sehr seltenen Grenzkontrollen zu geraten, ist im Grunde zu vernachlässigen - und ganz Vorsichtige können selbst dieses minimale Risiko durch die Aufteilung in mehrere kleine Tranchen noch weiter reduzieren.
 
Es kann also festgehalten werden, dass die Anstrengungen des Staates, im Inland die Entstehung von Schwarzgeld zu verhindern, nicht ausreichen, um den vom Finanzminister behaupteten Steuerausfall in der Größenordnung von 100 Mrd. Euro jährlich zu vermeiden.
 
 
 
3. Warum bekommt der Fiskus davon
nichts mit?
 
Komische Frage. Ein Staat, der sich angeblich aus Sparsamkeitserwägungen weigert, in ausreichender Quantität Steuerprüfer auszubilden und einzustellen, obwohl bekannt und unbestritten ist, dass jeder Steuerprüfer ein Vielfaches seines Gehalts wieder einbringen würde, hat offensichtlich kein gesteigertes Interesse an einer allgemeinen Aufdeckung von Steuerhinterziehung.
 
Dass man sich überhaupt Steuerprüfer hält, hat offenbar mehr damit zu tun, dass man es für erforderlich erachtet, den Schein zu wahren und damit, dass man auf ein Instrument nicht verzichten mag, das es erlaubt, den einen oder anderen Mitspieler im großen Spiel durch die Drohung mit, oder dem tatsächlichen Einsatz dieses Instrumentes zu disziplinieren.
 
Herr Graf, der Vater der Tennisspielerin, hat büßen müssen.
Aber zu glauben, Steffi Graf sei unter den Spitzensportlern die einzige gewesen, die den Versuch unternommen hätte, Einnahmen am Staat vorbei zu schleusen, kann nur als naiv bezeichnet werden.
 
Herr Zumwinkel, um ein jüngeres Beispiel zu bemühen, ist mit großem Medienrummel abgestraft worden, während Hunderte anderer Steuerhinterzieher die Gelegenheit erhielten, sich per Selbstanzeige rechtzeitig ans sichere Ufer zu retten und viele, viele andere auch weiterhin in aller Ruhe im Trüben fischen.
 
Alleine der Mehrwertsteuerbetrug innerhalb der EU ist ein milliardenschweres Geschäft (EU-weit jährlich 100 Mrd. Euro, davon auf Deutschland entfallend 17 Mrd.), das durch einfache Veränderungen in der Steuergesetzgebung ausgetrocknet werden könnte, doch findet sich dafür offenbar keine Mehrheit.
 
 
Das beklagt sogar eine Abgeordnete der CSU!
(Allerdings nur da, wo keine Gefahr besteht, es könnte ernsthaft etwas dagegen unternommen werden. Schließlich darf das EU-Parlament keine eigenen Gesetzentwürfe einbringen)
Mehrwertsteuerbetrug
 
 
Zwischenerkenntnis
 
Der Staat gibt sich keine wirklich erkennbare Mühe, das Entstehen von
Schwarzgeldbeständen im Inland zu verhindern. Unternehmen jeder Größenordnung stehen zahlreiche Möglichkeiten offen, Umsätze und Gewinne am Fiskus vorbei zu erzielen und damit die Steuerpflicht, vor allem im Bereich Einkommens-/Körperschafts- und Mehrwertsteuer zu umgehen, oft auch verbunden mit verminderten Beiträgen für die Sozialkassen.
 
 
 
4. Liegt der verlorene Schlüssel
wirklich unter der Laterne?
 
Wer die ganze Nacht lang da nach dem verlorenen Schlüssel sucht, wo ihm die Laterne Licht spendet, wird sich nicht vorhalten lassen müssen, er habe nicht ausdauernd genug gesucht.
 
Das ist aber auch schon alles.
 
 
Wenn es einer kleinen Schaar von großen Steuerpflichtigen gelingt, jährlich 100 Milliarden Euro zu hinterziehen, weil sie Gewinne in Steueroasen transferieren, während das Gesamtaufkommen der veranlagten Einkommensteuer nur ungefähr ein Viertel dieses angeblich hinterzogenen Betrages ausmacht, dann ist das ein wahrhaft märchenhaftes Missverhältnis.
 
Wenn der dafür verantwortliche Finanzminister glauben machen will, es genüge, die Auskunftsfreude der Behörden und Banken in den Steueroasen zu erhöhen, um die hinterzogenen 100 Milliarden heim in die Republik zu holen, dann zeigt das nur, wie gering er die intellektuellen Fähigkeiten der Wähler und Steuerzahler einschätzt.
 
Wer die Mühe scheut, steuerpflichtige Einkünfte dann und da zu erfassen, wenn und wo sie anfallen, wirkt nicht besonders glaubwürdig, wenn er behauptet, er könne ein Vielfaches dessen einnehmen, was er im Inland einnimmt, würden nur die Steueroasen seine Auskunftsersuchen wahrheitsgemäß und vollständig beantworten.
 
Wie denn?
 
Erst einmal müsste er doch wissen, wonach er fragen will.
 
Glaubt er, er erhielte freiwillig monatlich eine vollständige Liste über alle Bewegungen auf allen Konten, die deutsche Staatsbürger im Ausland halten?
 
Und glaubt er, falls er solche Listen tatsächlich erhielte, seine Behörde sei personell und materiell auch nur annähernd hinreichend ausgestattet, um daraus Verdachtsfälle auszufiltern und diesen auch noch nachzugehen?

So wie die Finanzämter ausgestattet sind, muss der Finanzminister doch eigentlich selbst schon auf die Idee gekommen sein, dass das Verfassungsgericht die Suche nach Steuerquellen in Steueroasen in dieser Form im Zweifelsfall verbieten muss, so wie es die Versteuerung von Vermögen an Auflagen geknüpft hat, die man lieber - unter vollständigem Verzicht auf die Vermögenssteuer - nicht erfüllt, statt die geforderte Gleichbehandlung tatsächlich im Steuergesetz zu verankern.
 
So lange hohe und höchste leistungslose Einkünfte in diesem Lande per Abgeltungssteuer besonders niedrig besteuert werden, statt sie nach dem normalen Einkommensteuertarif regulär zu versteuern, solange Vermögenssteuer nicht erhoben und die Erbschaftssteuer für Unternehmenserben faktisch abgeschafft ist, so lange ist die Beteuerung, man wolle ernsthaft daran gehen, reiche und bestberatene Steuerflüchtlinge in ihren Steueroasen ausfindig zu machen und der Besteuerung zu unterziehen, vollkommen unglaubwürdig, da sie im glatten Widerspruch zu den vorgenannten steuerlichen Usancen steht.
 
 
Der Schlüssel liegt wohl nicht unter dieser Laterne.
 
Dort zu suchen, hat allerdings Vorteile:
 
1. Man verdirbt sich nicht die Augen.
2. Es besteht keine Gefahr, im Dunkeln voll in die Sch... zu fassen.
 
und
 
3. Im Schein der Laterne kann der Wähler sehen, wie man sich für ihn abmüht.
 

 

 

 

Hinweis:
Die Subskriptionsfrist für das Buch "Paukenschläge - 2003 bis 2008" läuft am 30. Juni ab.
Nur dass Sie dann nicht daherkommen und behaupten, es hätte Ihnen niemand gesagt.

(Frei nach Richard von Weizsäcker: "... es hätte Sie niemand gefragt."

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Hallo Herr Kreutzer,

Die regelmäßige Einnahme von Drogen könnte evt. das ein oder andere Gebaren mancher Politiker erklären, aber…das wird wieder zu polemisch…also lassen wir das…

Der Herr Finanzminister ist ein Opfer der großen Politikscharade. Er ist sozusagen ein Crashtestdummy, den man genommen hat weil kein anderer bereit war, in den politischen Suizid zu gehen. Jedenfalls nimmt man so einen, wenn man nicht genau weiß, was eigentlich passiert und wie es ausgeht. Und was einmal funktioniert hat, wird ja auch ein weiteres Mal gut gehen.

Ups! Da stoße ich doch schon wieder auf die Kernaussage aller empirischen Notlügen…na so was…der Empirismus…ist ja der Vampirismus der Wahrheit…aber irgendwie schweife ich schon wieder ab…jedenfalls ist der Ausgangspunkt der Geschichte wieder einmal der politische Wille. Es gibt wirksame und einfach zu installierende Mittel, die eine sofortige Besserung der Lage bringen würden. Aber es besteht seitens der Herrschenden natürlich kein Interesse daran, dies zu ändern, weil ja eben diese etwas verlieren würden, was sie eben selbst installiert haben usw. Man wird doch nicht seinen jahrelang geformten und fest gebundnen Zöglingen erlauben, die eigenen Schürfrechte zu verschenken!

Bevor ich wieder emotional wurde, bin ich noch kurz über die Laterne gestolpert, vielleicht andere auch!? Deshalb noch mal eben:

„Sie haben hier Ihren Schlüssel verloren?“, fragt der eine.

„Nein, ich glaube da dahinten“, antwortet er und zeigt auf eine dunkle Stelle etwas weiter weg.

„Aber warum suchen Sie denn hier?“, wundert sich der andere.

„Na, weil ich hier mehr Licht habe…“

Wer hat Angst im Dunkeln, wer hat Angst vorm schwarzen Mann? Schwarze Konten, Schwarzes Geld, schwarz = Angst?

Die Angst vor den Schatten. Die Angst vor den Abgründen, die sich auftun könnten. Die Angst vor dem, was wir dort sehen und finden müssten. Die Angst und die Gewissheit, dass wir dort zur Erkenntnis gelangen und zur Umkehr gezwungen werden, betäubt und verblendet uns. Die Betörung unserer Sinne ist weitgehend perfektioniert und etabliert. Die Täuschung und Steuerung der Mechanismen und Hebelpunkte der menschlichen Wahrnehmung ist ja schon seit Jahrtausenden bekannt. Dass Ausnahmen auch hier, wie immer, die Regel bestätigen, kann angesichts der schwindenden Reizbarkeit des Gewissens beruhigt in Kauf genommen werden. Wir werden so massiv „voll der Zuversicht und der Gnade“ einem „Dasein“ übergeben, dass selbst jenes Geläut der mächtigsten Glocken, unseren innersten Widerspruch nicht mehr zum Aufstehen bewegt. Worte, Begriffe sowie Handlungen und Taten werden abstrahiert und zum Gegenteil verkehrt. Die Lichtenbergische Fackel ist längst erloschen. Was nutzt sie schon, die Fackel der Wahrheit, wenn die Bärte hitzeresistent, bald feuerfest sind? Die Einsicht und die Wahrheit bleiben verborgen. Stattdessen bekommen wir nur Träume und Bilder. Nichts weiter als Versprechen die uns mundtot machen. Das Gewissen aber schläft den Schlaf der Gerechten…

ICH WILL DAS NICHT!

Ich will nicht schlafen, will nicht träumen! Denn „…was in dem Schlaf für Träume kommen mögen, das zwingt uns stillzustehen!“

Ich will nicht wieder ins Paradies! Ohne Sorgen und ohne Scharm der Willkür einer imaginären Macht ausgesetzt sein! Ich will Erkenntnis und Erkennen! Ich will Entscheiden und Gestalten!

Es dürfen nicht mehr irgendwelche Milliarden herumgeworfen werden - Das ist mein Geld!

Es darf nicht immer mehr Staatsbesitz verhökert werden - Das ist mein Staat!

Das ist meine Arbeit!
Mein Beitrag zur Gemeinschaft!
Das ist Mein Deutschland!

Etwas schreit in mir: "Leute!? WACHT ENDLICH AUF!!!"

bis die Tage


Hallo Herr Kreutzer,

Sie schreiben:
"Wenn es einer kleinen Schaar von großen Steuerpflichtigen gelingt, jährlich 100 Milliarden Euro zu hinterziehen, weil sie Gewinne in Steueroasen transferieren,..."

Halt, stopp. Ich glaube, die von Steinbrücks Experten geschätzte Summe von 100 Mrd. Euro pro Jahr bezieht sich nicht auf das, was man konkret in den Oasen zu holen gedenkt. Sondern es handelt sich um die Summe aller (vermuteten) Steuerbetrügereien. Von der geschmuggelten zweiten Stange Zigaretten über den am Samstag schwarz arbeitenden Friseur bis zum Irrtum im Fahrtenbuch des selbständigen Handelsvertreters.

Die mittelgroße Schar der Hinterzieher, für die der Ausflug nach Luxemburg überhaupt lohnt (geschweige denn die kleine Schar der Stiftungsbesitzer), hat es nach Schätzungen auf insgesamt ca. 400-500 Milliarden Euro im Ausland gebracht. Und das im Zeitraum seit dem zweiten Weltkrieg. Wenn Herr Steinbrück da mehr als 5 Mrd. aufspürt (ohne dass ihm wieder jemand mit einer fertigen DVD unter die Arme greift), dann wäre das schon ein
Riesenerfolg. Das frisch aufgerissene neue Schuldenloch von 300 Mrd. Euro (bis 2012) stopft er damit jedenfalls nicht.

Ein Aspekt blieb in Ihrem Paukenschlag unbeleuchtet: Was passiert denn, wenn der deutsche Fiskus tatsächlich alle 400 Mrd. ausländische Fluchtgelder aufspüren sollte? Nehmen wir mal an, darauf sind inklusive Strafzinsen
sofort 50 % Steuern fällig. Wer jetzt denkt, das gibt einen warmen Regen an Geld, der aus dem nichts fällt, der irrt. Die 400 oder 500 Mrd., die es überhaupt zu holen gibt, die stecken doch wohl aller Voraussicht nach
überwiegend in Fonds, in Anleihen und in Aktien (ok, wohl auch in außerbörslichen Beteiligungen oder - wie von Ihnen genannt - in Holdingstrukturen und Unternehmen). Und weil der deutsche Michel nicht gern
Sachen kauft, die er nicht kennt, steckt das Vermögen ganz überwiegend in DEUTSCHEN Fonds, DEUTSCHEN Anleihen und DEUTSCHEN Aktien!

Kommt nun jemand und will sofort 50 % davon cash haben, dann tritt er eine Verkaufslawine los. Zum Vergleich: Der Umsatz an allen deutschen Börsen im Januar 2009 summiert sich auf rund 100 Mrd. Euro (korrigieren Sie mich wenn ich das falsch nachgelesen habe). Wenn dem so ist, wird sich die Erhebung dieser
Steuer wohl kaum marktneutral über die Bühne bringen lassen. Anschließend machen also tausende Anleger entsprechende Spekulationsverluste geltend, was das Steueraufkommen dort mindert. Der Effekt von aufgespürtem Schwarzgeld ist für den Fiskus zwar unterm Strich sicherlich positiv, aber lange nicht
so spektakulär, wie es auf den flüchtigen Blick erscheinen mag.

MfG,


und mir fällt auf, dass Sie Peer Steinbrück als denjenigen markieren, der Schulden macht !!!
ja Sie müssen es doch besser wissen, dass dies notwendig ist, weil die MANAGER so versagt haben, weil Opel brennt, Porsche einknickt aus Manager- und Inhabergier, weil unfähige Bankmanager die HRE kippten, weil die Bundestagsabgeordneten auch von FDP und CDU und CSU bei der KFW nicht aufgepasst haben....und und und - aber wem erzähle ich das.
Lassen Sie es doch, dies der Person Steinbrück unterzujubeln, das ist unter Ihrem Nieveau.

Herzliche Grüße

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

Mit "Oasen Peer" treffen Sie den Nagel genau auf den Kopf.

Es gibt aber auch noch eine andere Gruppe von Steuervermeidern, nämlich die der "Fleißigen und Selbständigen" die man mit Zumwinkel sicher nicht auf eine Stufe stellen kann. Deren "Verbrechen" besteht lediglich darin, dass sie, um ihre (bereits versteuerten) sauer verdienten Ersparnisse zu retten ,diese von deutschen Konten abheben und in ein günstigeres Nachbarland bringen. Oder zumindest einen Teil davon.

Das Bankgeheimnis gibt es in Deutschland seit Eichel nicht mehr. Das faseln unsere Politiker schon wieder von Zwangsanleihen oder anderen Konstukten um sich der Ersparnisse der Bürger zu ermächtigen. Wie soll man da beruhigt auf das Alter sparen? Man muss in diesen Zeiten mit allem rechnen.

Auch bei dieser Gruppe sorgt Oasen-Peer für Verunsicherung, so dass viele überlegen es wieder zurückzuholen. Natürlich nicht um es dem Staat wieder auf einem deutschen Konto offenzulegen.
Aber es gibt ja eine gute und legale Methode sein Geld steuerfrei und anonym aufzubewahren und anzulegen, so dass man vorerst keine Oase mehr benötigt- Nämlich - GOLD - in Form von Krügerrands oder kleinen Barren. Internetseiten darüber und Internethändler gibt es ja zuhauf.

Gruß



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