Paukenschlag am Donnerstag
No. 24/2009
vom 18. Juui 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Gesunde Unternehmen retten!

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gesunde Unternehmen retten!
 
Medienwirksame Auftritte von Politikern helfen Politikern - und niemandem sonst.
Egal, ob sie sich vor schmelzenden Gletschern, verlottertenden Schulen, insolventen Unternehmen oder zum Auslandseinsatz befohlenen Soldaten ins Bild setzen lassen: Davon werden die Gletscher nicht mächtiger, die Schulen nicht besser, die Insolvenzen nicht weniger und die Kampfeinsätze nicht siegreicher.
 
Aber der Politiker, der mutig den Sprung vor die Kamera gewagt und ein paar ebenso bedeutungsschwangere wie sinnleere Sätze losgeworden ist, der hat gut lachen, denn an ihn wird sich der Wähler erinnern - und ihm (oder seiner Partei) kreuzweise die Stimme geben.
 
Der bizarr anmutende Höhenflug unseres neuen Wirtschaftsministers, der es innerhalb von wenigen Wochen geschafft hat, von den Demoskopen aus dem Nirwana an den zweiten Platz auf der Beliebtheitsskala, gleich neben Angela Merkel hochzuschießen, ist ein klassischer Beleg dafür, dass Sein und Schein hierzulande höchst unterschiedlich gewichtet werden.
 
 
Die Politik in Deutschland hat kein Konzept für den Umgang mit gefährdeten Unternehmen.
 
Es wird grundsätzlich medienwirksam, stets fallweise, nach den gerade angesagten Kriterien aus der Umfrageküche entschieden - oder auch nicht.

Muss das Schicksal notleidender Unternehmen wirklich so unberechenbar sein?
 
Es gibt ein Buch mit dem Untertitel "Eigentum und Teilhabe", in welchem unter anderem die Frage gestellt wird, ob dem Eigentümer eines Unternehmes das unbeschränkte Recht zugestanden werden darf, quasi gottgleich über sein Unternehmen zu verfügen und damit Mitarbeiter, Lieferanten und Dienstleister, oft auch Kunden, in dramatische Probleme zu stürzen.
 
Diese Frage wird dort verneint, weil Unternehmer keine Götter - und Unternehmen keine Sandburgen sind. Eigentümern von Unternehmen wird darin das Recht abgesprochen, nur um ihres persönlichen Vorteils willen, ein funktionierendes Unternehmen zu schließen, oder ein kränkelndes Unternehmen ohne "ärztliche" Hilfe verrecken zu lassen.
 
Dass die Belegschaften mit ihren Betriebsräten nach der heutigen Rechtslage keine wirkliche Macht haben, dass auch die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten mitbestimmter Unternehmen letztlich vom Kapital überstimmt werden, ist kein Geheimnis und wird von der Realität tagtäglich bewiesen.
 
Der Autor hat die Lösung des Problems nicht in mehr Mitbestimmung gefunden, sondern in einem Verfahren, dass ganz und gar mit den Prinzipien einer sozialen Marktwirtschaft im Einklang steht. Er nennt es: Das Erhaltungsverfahren.


Zugegeben, das Buch stammt von mir, es ist Band IV von "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre", und das Erhaltungverfahren ist darin nur ein Randthema und dementsprechend kurz und komprimiert dargestellt, dennoch möchte ich diese Überlegungen nun in Gestalt eines Paukenschlags einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Schließlich greifen die darin vorgeschlagenen Maßnahmen schon lange bevor ein Unternehmen tatsächlich in größeren Schwierigkeiten steckt - und es gibt einen Automatismus, über den sehr konsequent und zuverlässig die Frage geklärt wird, ob ein Unternehmen als gesund und damit rettungswürdig einzuschätzen ist, oder nicht.
 
 
Voraussetzung ist allerdings, dass das uneingeschränkte, im Widerspruch zum Grundgesetz praktizierte Eigentumsrecht, unter dem wir leben, zu Gunsten einer tatsächlichen, grundgesetzkonformen Sozialbindung des Eigentums korrigiert wird.
 
(So, wie es kurz den Anschein hatte, als die Enteignung der HRE-Aktionäre im Raum stand. Aber nicht einmal das hat die Regierung gewagt, und stattdessen die Enteignungsfrage in einem wenig eleganten Bogen auf Kosten der Steuerzahler umgangen.)
 
Also wieder nur eine Vision, die solange nicht zur Realität werden kann, wie sich nicht Mehrheiten der Demokraten finden, die sie ganz einfach gegen die lächerlich geringe Zahl der Stimmen der Profiteure durchsetzen.
 
 
Sie meinen auch, das ist nicht durchzusetzen,
weil
die sich das nie gefallen lassen?
 
Wenn dem so ist, dann sollten wir aber schleunigst damit beginnen,
unser Land endlich in eine Demokratie zu verwandeln.
 
(immer diese fiese Logik...)
 
Das Erhaltungsverfahren
 
Das Erhaltungsverfahren ist mit den Stimmen von mindestens einem Drittel der Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens beim Insolvenzgericht zu beantragen.
Das Insolvenzgericht hat das Erhaltungsverfahren einzuleiten, wenn von Eigentümerseite Einschränkungen im Betrieb des Unternehmens angekündigt oder vollzogen werden, die bestimmte Schwellenwerte übersteigen.
 
Als Beispiele für derartige Schwellenwerte sei hier angeführt:
 
  • innerhalb von 12 aufeinanderfolgen Monaten wird die Belegschaft um mehr als
    5 Prozent der Beschäftigten reduziert
 
  • Das Unternehmen insgesamt, oder Unternehmensteile, Vermögensgegenstände bzw. Anteile am Unternehmen, deren Wert 5% der Bilanzsumme übersteigt, sollen verkauft werden
 
  • und weitere, im Einzelnen noch festzulegende Kriterien
 
Das dann einzuleitende "Erhaltungsverfahren" ist ein dreistufiger Prozess, dessen Ziel die Erhaltung von lebensfähigen, produktiven Organisationen ist.
 
 
Stufe 1 - Option Risikokapital

In der ersten Stufe wird den Eigentümern angeboten, zur Erhaltung des Unternehmens in seiner bisherigen Form und Größe Risikokapital zur Verfügung zu stellen, mit dessen Hilfe ggfs. notwendige Maßnahmen zur Modernisierung und Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit realisiert werden können.
 
Ist der Verkauf von Teilen des oder Anteilen am Unternehmen beabsichtigt, kann zudem ein grundsätzlich bestehendes Vorkaufsrecht durch eine mit Risikokapital des Staates ausgestattete Übernahmegesellschaft der Mitarbeiter ausgeübt werden.
 
Damit sind alle Ursachen, die aus mangelndem Kapital hergeleitet werden, ausgeschaltet.
Lehnen die Eigentümer das Angebot von Risikokapital ab, bzw. liegt der mit dem Investor vereinbarte Kaufpreis deutlich über dem realistisch ermittelten Wert, so dass der Versuch eines Missbrauchs dieses Erhaltungsverfahrens vermutet werden kann, leitet das Insolvenzgericht die Stufe 2 des Verfahrens ein.
 

Stufe 2 - Option Verkauf
 
Das Unternehmen wird öffentlich zur vollständigen Übernahme und Fortführung durch inländische Bieter ausgeschrieben. Bieter können sowohl bestehende Unternehmen aus dem Wettbewerb, aber auch aus fremden Branchen, oder auch reine Kapitalgeber sein. Selbstverständlich können sich auch Gewerkschaften und Staatsunternehmen als Bieter beteiligen. Der Mindest-Kaufpreis wird durch Sachverständige unter Berücksichtigung der in der Phase_1 von den Eigentümern vorgetragenen Argumente zur Rentabilität festgesetzt. Der Höchstbietende erhält (soweit das Gebot über dem Mindestkaufpreis liegt) den Zuschlag. Er führt das Unternehmen mit der gleichen Belegschaft und dem gleichen Management (Alteigentümer mit Managementfunktionen können ersetzt werden) weiter und erhält ggfs. die in Phase 1 angebotenen Hilfen (Risikokapital).
 
Den Alteigentümern wird der Kaufpreis abzüglich der Kosten des Erhaltungsverfahrens ausbezahlt. Findet sich kein Bieter, der bereit ist, den Mindestkaufpreis zu zahlen, wird das Erhaltungsverfahren in ein Insolvenzverfahren überführt. Dies allerdings nach interessanten, neuen Regeln.
 
 
Stufe 3 - Option Belegschaftseigentum
 
Der Belegschaft wird angeboten, das Unternehmen zu übernehmen. Lehnt die Belegschaft mehrheitlich ab, ist das Erhaltungsverfahren gescheitert, die produktive Organisation offensichtlich nicht erhaltenswert.
 
Die Eigentümer können die Betriebseinschränkung oder den geplanten Verkauf durchführen.
 
Nimmt die Belegschaft das Angebot jedoch mehrheitlich an, beträgt der Kaufpreis für jeden Mitarbeiter, gleichgültig in welcher Position, zwei volle Brutto-Jahresgehälter einschließlich aller Sonderzahlungen. Jeder Mitarbeiter ist dann mit einer Stimme und einem Gewinnanteil am Unternehmen beteiligt. Der Kaufpreis und die für den Betrieb erforderlichen liquiden Mittel werden vom Staat vorgeschossen. Zur Tilgung wird der von der Gesellschaft ausgeschüttete Gewinn eingesetzt. Mitarbeiter, die nach zehn Jahren noch nicht vollständig getilgt haben, werden zu Zuzahlungen aus dem laufenden Einkommen verpflichtet.
Da jeder Mitarbeiter den gleichen Stimm- und Gewinnanteil erhält, werden Mitarbeiter mit niedrigem Einkommen schneller tilgen, als Mitarbeiter mit hohem Einkommen. Dies ergibt eine vielschichtige Motivationslage, die zu durchdenken sich lohnt, aber den Rahmen dieser Ausführungen sprengen würde.
 
Im Fortgang dieses Insolvenzverfahrens werden aus dem Kaufpreis die noch bestehenden Verbindlichkeiten abgelöst.
 
Reicht der Kaufpreis zur vollständigen Abdeckung der Verbindlichkeiten aus, erfolgt die Ablösung zu 100 Prozent. Die ehemaligen Eigentümer bekommen das, was übrig bleibt.
 
Reicht der Kaufpreis nicht aus, um alle Verbindlichkeiten zu befriedigen, werden zunächst ggfs. ausstehende Löhne und Sozialbeiträge im Verhältnis ihrer Höhe gezahlt. Können diese vollständig bezahlt werden, werden vom Rest die Rechnungen von Lieferanten, Handwerkern und Subunternehmern, ebenfalls im Verhältnis der Höhe, bezahlt. Können diese vollständig beglichen werden, erhalten nun Berater, Lizenzgeber und Versicherungen im Verhältnis der Höhe ihrer Forderungen Befriedigung.
Bleibt ein Rest, werden Bankkredite im Verhältnis ihrer Höhe abgelöst. Ein dann noch verbleibender Rest steht den Alteigentümern zu. Steuerschulden des Unternehmens werden gestrichen.
 
 
Vorteile des Erhaltungsverfahrens
 
Die Vorteile dieses dreistufigen Erhaltungsverfahrens liegen klar auf der Hand:
Hat die Belegschaft Zweifel an der Notwendigkeit von Betriebseinschränkungen oder Verkauf, wird zunächst versucht, den Alteigentümern durch Finanzmittel zu helfen.
 
Lehnen diese ab, weil sie darin nicht die Lösung der Probleme erkennen können, wird finanzkräftigen Dritten die Möglichkeit geboten, durch die Übernahme eine Chance wahrzunehmen - und die Organisation zu erhalten. Die Alteigentümer werden dafür ganz automatisch angemessen entschädigt.
 
Findet sich niemand, der das Unternehmen fortführen will, ist die Belegschaft selbst gefordert - und es wird ihr ermöglicht, das Schicksal ihrer Organisation selbst in die Hand zu nehmen. Ist das Vertrauen in die eigene Kraft, in Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte groß genug, bestehen gute Chancen, das Unternehmen tatsächlich zu retten.
Haben die Mitarbeiter selbst nicht den Mut, ihr Unternehmen, so wie es ist, fortzuführen, dann ist - so gut es möglich ist - erwiesen, dass das Unternehmen so keine Chance mehr hat. Es wird folglich in dem von den Alteigentümern vorgesehenen Maße zurückgefahren.
 
Da ein solches Erhaltungsverfahren mehrere Monate dauern kann, empfiehlt es sich, von Seiten der Eigentümer möglichst frühzeitig auf Stilllegungs- oder Verkaufspläne hinzuweisen. Sie gewinnen damit selbst die notwendige Zeit, um zu einem guten Ergebnis zu gelangen, ganz gleichgültig, bis zu welcher Stufe das Erhaltungsverfahren getrieben wird. Auch das ist erhaltungsfördernd.
 
Der drohende Verlust des Unternehmens an Konkurrenten oder gar der Eintritt in ein Insolvenzverfahren, das mit dem Totalverlust des eingesetzten Kapitals enden kann, wird die Eigentümer ermutigen, als Unternehmer lieber etwas zu unternehmen, eventuell auch einen Rückgang des Gewinns in Kauf zu nehmen, anstatt alles zu verlieren.
 
Dieses Verfahren wird ebenfalls dazu führen, dass zur Verhinderung eines für die Eigentümer "gefährlichen Personalabbaus" die Verkürzung der Arbeitszeiten - mit weitgehendem Lohnausgleich - zum Mittel der Wahl wird.
 
Rationalisierungsinvestitionen kommen somit nicht nur dem Eigentümer, sondern auch denjenigen zugute, welche die Investitionsmittel mit ihrer Leistung erst erwirtschaftet haben.

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

die Idee ist im Grundsatz nicht schlecht. Nur das, was der oberste Kommentator da abgelassen hat (Anm.: hier der direkt folgende), entspricht der weltfremden Unternehmensanschauung eines niemals selbständig arbeitenden Menschen.
Vielleicht könnten Sie freundlicherweise über den typisch bösen, reichen, gott-ähnlichen, risikoarmen und ausbeutenden Selbständigen referieren.
Es wäre hilfreich, denn die angeprangerten Manager entsprechen in der Regel nicht den Unternehmern, die besser mal ins rechte Licht gerückt werden würden. Die Sorgen und Nöte, durchwachte Nächte, Diskussionen und Verhandlungen, u.a. dafür, daß eben die Belegschaft auch morgen noch ihren gerechten Lohn erhält, ist Tatsache und Leben eines typischen Unternehmers. Das, was die Medien darstellen ist der Abschaum, der in drei bis fünfjährigen Angestelltenverhältnissen kombiniert mit Bonizahlungen aufgrund von Personalentlassungen Sorge dafür tragen, daß die Rendite stimmt, nicht mehr und nicht weniger.
Sobald gesetzlich festgelegte Privathaftungen für irre Entscheidungen eines Managers (sollte übrigens auch für Regierungspolitiker gelten) eingeführt werden, werden mit Sicherheit ungesunde Unternehmen gesunden.

Wenn man nun die Idee weiterführt und gesunde Unternehmen in Kombinate und VEB umwandelt, wird mir jedoch schlecht. Ich kenne etliche Betriebe, die, sofern sie von der Belegschaft übernommen werden würden, sofort dem Untergang geweiht wären. Nicht jeder Mitarbeiter taugt automatisch zum Unternehmer, nur weil er etliche Jahre in dem Unternehmen tätig war. Und diese absurde Führung durch womöglich steuerfinanziertes Risikokapital zu tragen, halte ich für abwegig.

Mit freundlichem Gruß

Darauf habe ich wie folgt geantwortet:

Sehr geehrter Herr S.

vielen Dank für Ihren Kommentar, den ich gerne dem von Ihnen angegriffenen (obersten Kommentator) entgegenstelle.

Dass Mitarbeitervertretungen nicht die optimale Wahl für die Führung eines Unternehmens darstellen, habe ich im Buch (WWW Band IV) sehr deutlich herausgestellt. Im Paukenschlag habe ich diesen Hinweis nach längerem Nachdenken ausgeblendet.

Gleichzeitig weiß ich aber, dass sich in allen Unternehmen Strukturen herausbilden, in denen fernab aller Organisationspläne und Kompetenzbereiche Zusammengehörigkeitsgefühle und Vertrauensverhältnisse zwischen vielen Mitarbeitern und bestimmten Führungskräften bestehen, die ganz maßgeblich zum Erfolg eines Unternehmens beitragen.

Aus solchen Strukturen heraus wird m.E. die Zuversicht wachsen, das Kind gemeinsam schaukeln zu können. Wo diese Strukturen fehlen, wird die Bereitschaft, zwei Bruttojahresgehälter für den Erwerb eines Unternehmensanteils aufs Spiel zu setzen, fehlen (die Übernahme durch die Belegschaft muss ja von der Belegschaft bezahlt werden - und zwar in jedem Unternehmen zu den gleichen Konditionen: 2 Brutto Jahresgehälter für ein Stimmrecht und einen Gewinnanteil).

Die Sorgen und Nöte der kleineren Unternehmer, gleichgültig ob mit 5, 50 oder 500 Mitarbeitern, sind mir sehr wohl bekannt. Aber warum sollte nicht auch für diese Unternehmen das Erhaltungsverfahren angewandt werden?

Der erste Schritt ist immer, dem Unternehmen anzubieten, es mit Risikokapital zu unterstützen.
Fehlende Liquidität und miserable Eigenkapitalsituation sind doch die Ursache No. 1 für das Scheitern von kleineren inhabergeführten Unternehmen.

Erst danach kommt die erdrückende Marktmacht der großen Konkurrenten.

Doch wenn der Verdrängungswettbewerb ausgerufen ist, hilft dem Unternehmer die Finanzspritze nichts. Schritt 2, nämlich die Chance, das Unternehmen als Ganzes zu veräußern und es damit auch als Ganzes zu erhalten, zielt genau auf diese Situation.

Mit dem Schritt drei könnte selbst der marktmächtigen Konkurrenz ein Schreck durch die Glieder fahren. Die neu aufgestellte Konkurrenz hat das Unternehmen nämlich verhältnismäßig preiswert erworben und muss nicht auf Börsenkurs und Quartalsberichte schielen. Alle Eigentümer behalten ihre laufenden Einkünfte und können über 10 Jahre die Gewinne zum Tilgen verwenden. Diese Finanzierung schafft einen Wettbewerbsvorteil.

Zudem besteht gerade im kleinen Unternehmen die Chance, dass der geschäftsführende Gesellschafter auch weiterhin Geschäftsführer bleibt ...

Mit besten Grüßen


Hierauf hat sich nochmals Herr A.L. gemeldet und führt aus

Sehr geehrter Herr Kreuzer,

da muss ich meine Position vehement verteidigen. Es geht wirklich nicht darum Unternehmer zu stigmatisieren (...)

Konkreter: Bei einem demokratischen Unternehmen geht es nicht darum die Führungshierarchie abzuschaffen, sondern diese (Personalentscheidungen) und ihre Entscheidungen (Sachentscheidungen) immer wieder zu legitimieren.

Die Vielzahl der Unternehmen auf dem Markt ist übrigens kein Beispiel dafür, dass Arbeitnehmer Wahlfreiheit hätten. Das ist ja so, als ob man jedesmal auswandern müsste, um Politik zu ändern. Wenn
"Wahl" ein Zuschussgeschäft ist, dann ist das keine nennenswerte Einflussmöglichkeit. In meinem Modell wird der geschickte Unternehmer immer noch an die Spitze gewählt, aber nur so lange, so lange er für die Gemeinschaft sein Talent glaubwürdig einsetzt. Zu sagen, das funktioniert nicht, weil nicht jeder Mitarbeiter ein Unternehmertyp ist, ist ein völlig abwegiges Argument. Von einem Demokraten in Deutschland verlangt man auch nicht, dass er das Zeug zum Bundeskanzler hat. Da hat man etwas falsch verstanden. Kurzfristige Entscheidungen trifft in der Regel die Spitze, langatmige Entscheidungen trifft in der Regel die Basis. Die Spitze darf genauso Initiative ergreifen wie die Basis. Dafür benötigt man nicht im geringsten irgendeine Form des Eigentums dazu. Die Kontinuität sehe ich nicht mehr gefährdet als heute.

Es geht dabei wirklich um fundamentale Belange. Prostituieren wir unsere Gesellschaft im Namen einer Gewinnmaxime oder nicht? Wollen wir Mitspracherecht und Teilhabe für Effizienz und (Zwangs-)Ordnung eintauschen oder nicht?

Es ist natürlich eine Wertefrage - keine Fachfrage. Wenn wir nach der Einführung demokratischer Unternehmen nicht den schnellen technologischen Fortschritt haben, na und? Wenn Unternehmen nicht so "professionell" sind, na und? Alles andere, das schnell und professionell gehen muss, das wird auch weiterhin schnell und professionell gehen. Überall da wo der Mensch existiert und wirkt, wird der Raum zum sozialen Raum. Es gibt keine "Extra-" und keine "Spezial-"räume (sprich Wirtschaftsräume), die nach anderen Regeln arbeiten könnten, ohne Schaden an dem Menschen herbeizuführen.

Wenn wir heute darüber klagen, dass uns die Demokratie abhanden kommt, dann muss man sich die Frage stellen: Was hat man dazu beigetragen, dass das Demokratiekonzept pervasiv ist, damit es ein klares Konzept in den Köpfen der Menschen gibt. Die Menschen sehen nur, dass nur der
absolutistische Eigentum und exorbitante, konzentrierte Macht zu einem befriedigenden Leben führen. Warum sollte man nicht ein paar Grundrechte dafür eintauschen? Na klar, so wird auch unser Land umgestaltet - immer mehr Eigentumsformen, immer mehr Kontrolle, immer weniger Rechte, immer
mehr Konzentration ... bald werden wir wieder Kaiser ernennen.

Wir haben alle noch ein echtes Demokratiedefizit. Das beste Rezept dagegen ist es zu praktizieren und Demokratie baut sich eben von unten nach oben auf - man denke daran.

Mit freundlichen Grüßen,

A.L



und hier die erste Reaktion von A.L.

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

Sie sprechen es an: Warum sollen Menschen, die das "Eigentum" eigentlich erarbeiten nicht die Eigentümer sein? Und ich frage: Aber warum erst dann, wenn das Unternehmen heruntergewirtschaftet ist?

Der Arbeitnehmer kriegt Gehalt, und der Arbeitgeber kriegt de facto auch Gehalt (sonst würde er verhungern). Der Unternehmer leiht sich Geld für eine Unternehmensgründung (er hat also dafür nicht gearbeitet), für das das
ganze Unternehmen faktisch haftet (also die Belegschaft) und es abbezahlt. Ich kann die besonderen Risiken für die Unternehmer nicht erkennen.

Er spielt auf Risiko, weil ihm ein Gott-ähnlicher Status zuwinkt. Und weil er Risiko spielt, sollen die Menschen ihm auch noch die Versicherung zahlen? Was für eine Logik ist das! Unternehmen sollten kein Eigentum darstellen können, es sind ja auch Personen (wenn auch juristische) - doch der Begriff kommt nicht von ungefähr. Es macht z.B. viel mehr Sinn Unternehmen demokratisch nach eingelegten "Arbeitsstunden" zu steuern. Man könnte eingelegtes Kapital in Arbeitsstunden umrechnen. Gehälter werden aus Gehaltsvolumen im
Schlüssel nach bedarfkorrigierten funktionalen Gruppen berechnet. Wenn jemand tatsächlich am Anfang etwas besonderes geleistet hat, dann wird das auch gewürdigt. Aber spätestens dann, wenn das Unternehmen ein
Konzern ist, wird der Beitrag eines Einzelnen marginal und damit seine Macht marginal sein. Die mit diesem Modell ständig schwankenden Einkommen üben tatsächlich erst eine Arbeiterwanderung und damit den
Reallokationsprozess in der Wirtschaft aus. Überhaupt haben Unternehmen so viele Gemeinsamkeiten mit einem Staat, dass ich es nicht verstehe, warum die rechtlichen Rahmenbedingungen nicht viel ähnlicher sind.
Unternehmen müssen etwas herstellen, konsumieren, Streitigkeiten schlichten, Policies durchsetzen, Policies entscheiden, eine funktionale Hierarchie haben, für Sicherheit sorgen usw. Ich denke, dass die
Reformen noch vieeeeel gravierender sein müssen, als ein verbessertes Insolvenzrecht.

MfG.
A.L.


Sehr eingehend hat sich Lutz Mathes mit dem Konzept des Erhaltungsverfahrens beschäftigt, seine Anmerkungen und Anregungen sind für die weitere Diskussion der Thematik hilfreich, ich habe Sie hier zunächst einmal im Original eingestellt:

Sent: Sunday, June 21, 2009 7:38 PM
Subject: Kommentar zu Paukenschlag No. 24 2009

Erhaltungsverfahren

Hallo Herr Kreutzer, das Erhaltungsverfahren enthält und gründet auf einigen hochinteressanten Aspekte und Anregungen.

Meine Kommentare:

1. Das Verfahren kann nur dann greifen, wenn tatsächlich (teil-)autonome Unternehmensteile abgespalten werden sollen. Werden aufgrund von Schwindsucht bei der Auftragslage/Überkapazitäten übers Jahr von 100 Angestellten 6 entlassen (5-Prozent-Hürde überschritten), dürfte in der überwiegenden Mehrheit auch das üppigste Risikokapital nichts nützen, zumindest langfristig. In Folge wird sich in der Praxis m.E. oft die Frage stellen, wann eine geplante Maßnahme einen autonomen (erhaltungsfähigen) Unternehmensteil betrifft und wann nicht. Die Definition muss auf jeden Fall eindeutiger werden als x Prozent Belegschaftsreduzierung.

2. Vorkaufsrecht einer (halb-)staatlichen Organisation ist eine gute Idee. Meine Anregung: Es sollte mehrere von diesen Organisationen geben, die in echtem Wettbewerb miteinander stehen. Vorsicht hingegen mit Staatsgeld, Sie schreiben dazu: "...durch eine mit Risikokapital des Staates ausgestattete Übernahmegesellschaft der Mitarbeiter ausgeübt werden."

Da sehe ich die Gefahr, dass durch einfache Abstimmung der Mitarbeiter über die Mittel der Steuerzahler verfügt werden kann. Je mitreißender die Gewerkschaften dann argumentieren, desto wahrscheinlicher wird jedes noch so marode Unternehmen mit Risikokapital ausgestattet. Eine Mehrheit unter den Mitarbeitern findet sich im Zweifel leicht. Wer nicht an das Unternehmen glaubt, hat sich ja tendenziell schon vorher einen anderen Arbeitsplatz gesucht.

3. Gleiches gilt für die Stufe 3 (Belegschaftseigentum). Die Idee gefällt mir gut, insbesondere der Kaufpreis, der sich am Gehalt orientiert und die Aufteilung "ein Gewinnanteil pro Nase". Sie führen aber weitergehend aus: "Der Kaufpreis und die für den Betrieb erforderlichen liquiden Mittel werden vom Staat vorgeschossen. Zur Tilgung wird der von der Gesellschaft ausgeschüttete Gewinn eingesetzt. Mitarbeiter, die nach zehn Jahren noch nicht vollständig getilgt haben, werden zu Zuzahlungen aus dem laufenden Einkommen verpflichtet."

Hier sehe ich wieder das Dilemma, dass man über fremdes Geld verfügt, um damit zum Unternehmer zu werden. Was passiert, wenn das (Teil-)Unternehmen weiterhin Verluste einfährt? Missbrauch sollte besser ausgeschlossen werden können, das geht nur, indem jeder einzelne mehr in die Haftung genommen wird. Ansonsten wurschteln die staatfinanzierten Unternehmen weiter (womit sich evtl. vorhandene Überkapazitäten nicht abbauen) und machen den anderen, noch nicht staatsfinanzierten Konkurrenten das Leben schwer, die dann ihrerseits dem Erhaltungsverfahren anheim fallen könnten.

Noch zu diesem Punkt: Risikokapital hat die Eigenschaft, höher verzinst zu werden als normales Kapital, sonst wäre dem Risiko nicht ausreichend Rechnung getragen. In der Praxis wird der Risikokapitalgeber also sehr auf die Profitabilität achten, was normalerweise zur Verschlankung des neu übernommenen Unternehmens führt. Sind die Mitarbeiter jetzt aber allesamt beteiligt (Personalabbau wird entsprechend schwierig), liegt die zu erwartende Rendite des gerade geretteten Unternehmens m.E. unter der von einem normalen Risikokapitalgeber geforderten Verzinsung. Der zu gleichen Teilen an die Mitarbeiter ausgeschüttete Unternehmensgewinn reicht dann bei den Kollegen mit dem niedrigsten Gehalt (niedrigsten Kaufpreis) zum Tilgen locker aus, bei den höher qualifizierten (und damit teureren) aber nicht. Diese laufen dann in die Schuldenfalle hinein, schließlich wird nach 10 Jahren auf Ihr Einkommen zugegriffen, um die dann (im ungünstigen Fall noch kräftig gewachsenen) Verbindlichkeiten aus dem Buy-Out zurückzuholen.

4. Ferner erwachsen aus den unterschiedlichen Kaufpreisen für die einzelnen Mitarbeiteraktien noch andere Fragestellungen:

- wie hoch wird der einzelne Anteil konkret bewertet?

- was passiert, wenn diverse leitende Angestellte (die für ihren Anteil 200.000 Euro aufwärts aufbringen müssen) beim Buy-Out nicht mitmachen, während die Mehrheit sich fürs Belegschafteigentum ausspricht? (ok, Lösung wäre, dass sie vorher aus dem Unternehmen ausscheiden, dann erfolgt der Buy-Out und anschließend stellt sie das Unternehmen wieder ein / oder auch nicht. Aber die Gefahr bleibt, dass eine Firma wie Opel dann fast ausschließlich den Leuten am Band gehört und auf einen Schlag den Großteil der Ingenieure verliert. Die Zukunftsaussichten eines Autobauers ohne erfahrene Ingenieure ist aber ganz anders zu bewerten als einen Monat davor, als seine Entwickler noch da waren.).

Mit den von Ihnen getroffenen Schlussfolgerungen gehe ich konform. Hoffe, ich kann mit meinen Anmerkungen die Debatte beleben.

MfG,
Mathes

Auf diese Anmerkungen und Anregungen habe ich wie folgt geantwortet:

Sehr geehrter Herr Mathes,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre konstruktive Kritik, die ich gerne entgegenehme und auch, wie von Ihnen eingebracht, veröffentlichen werde. Dazu würde ich in diesem Fall gern Ihren Namen nennen, falls Sie das gestatten. Auf Ihre sachlichen Argumente möchte ich mit dieser E-Mail in Kurzform vorab eingehen:

Die Beschäftigung mit dem von mir vorgestellten Erhaltungsverfahren verleitet dazu (ich weiß das, es ist mir sogar selbst immer wieder passiert) alle Abläufe und Regeln daraufhin zu prüfen, ob denn am Ende auch in jedem denkbaren Fall die Rettung des betrachteten Unternehmens steht.

Die Absicht ist allerdings eine andere. Es soll 'nur', möglichst jedem 'gesunden' Unternehmen die Chance geboten werden, sich gegen Eigentümerinteressen, die ja mit den Unternehmensinteressen nicht zwangsläufig übereinstimmen, durchsetzen zu können.

Daher soll am Anfang eines jeden Erhaltungsverfahrens der Antrag der Belegschaft auf Eröffnung eines solchen Verfahrens stehen. Also explizit nicht der Antrag der Eigentümer oder der den Eigentümern verpflichteten Unternehmensführung. Diese hatten schließlich vorher jede Chance ... (und das Risiko, in ein Erhaltungsverfahren zu geraten, sollte einen größeren Anreiz setzen, sich nach diesen Chancen umzusehen).

Soweit das Insolvenzgericht den Antrag der Belegschaft annimmt, besteht der zweite Schritt darin, Kapital anzubieten.

Die Kreditvergabepraxis der Banken ist ein weitgehend undurchschaubares Spiel. Die Macht der Banker, Unternehmen zu ruinieren und andere hochzupushen, führt nicht nur in der Krise zu dramatischen Verwerfungen, sondern auch im ganz normalen Geschäft, unabhängig von der Konjunktur. Vor allem neigen Banken dazu, bei der Unterstützung von Unternehmen weniger auf das gesamtgesellschaftliche Interesse zu achten, sondern sich fast ausschließlich von den Renditeerwartungen leiten zu lassen. Das führt regelmäßig zu Wettbewerbsverzerrungen. Wer hohe Qualität zu vernünftigen Preisen bei niedrigem Gewinnanspruch anbieten will, wird im Wettbewerb um die Finanzierung tendenziell dem unterliegen, der bescheidene Qualität zu unangemessenen Preisen bei höchster Gewinnerwartung anbieten will.

Der erste Schritt soll dazu dienen, einem Unternehmen aus solchen Zwangslagen herauszuhelfen, es also mit seinem höheren Anspruch im ruinösen Wettbewerb zu stärken. Das hat zwangsläufig Rückwirkungen auf die Konkurrenz, der klar wird, dass der Versuch, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, durch das Erhaltungsverfahren erschwert wird.

Ihre Befürchtung, ein Unternehmen, das sich am Markt falsch positioniert hat (Auftragslage/Überkapazitäten) könne auch durch noch so viel Risikokapital (in der ersten Stufe des Verfahrens) nicht gerettet werden, ist jedoch vollkommen richtig - und im Sinne des 'Erhaltungsverfahrens für gesunde Unternehmen' auch erwünscht.

Die Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung einer Kapitalspritze tragen daher auch Eigentümer und Unternehmensführung, nicht die beantragende Belegschaft.

Während das Erhaltungsverfahren im ersten Schritt noch pro Unternehmen/Eigentümer ausgerichtet ist, ändert sich die Situation im zweiten Schritt dramatisch.

Die Eigentümer müssen sich nun ganz sicher sein, dass ihre Entscheidung so überzeugend richtig ist, dass sich kein Konkurrent findet, der die Fortführung des Unternehmens - ohne die für die Einleitung des Erhaltungsverfahrens maßgeblichen Veränderungen - für wirtschaftlich sinnvoll hält.

Die Gefahr, die Sie darin sehen, dass die Belegschaften über die vorgeschlagenen Übernahmegesellschaften munter mitbieten, weil es ja "Staatsgeld" ist, das sie im Zweifelsfall verbrennen, muss ernst genommen werden, doch ist sie in der Stufe 2 noch auf das Angebot für Risikokapital aus der Stufe 1 begrenzt und das steht schließlich jedem Bieter zur Verfügung.

Also: In Stufe 2 muss der Bieter eigene Mittel mitbringen, um den Kaufpreis zu finanzieren. Für die Fortführung kann er zudem die in der Stufe 1 angebotenen Mittel in Anspruch nehmen. Das ist Chancengleichheit für alle Interessenten - und es ist für alle Interessenten an den Einsatz eigenen Kapitals gebunden.

Findet sich in der Stufe 2 kein Investor (und auch das muss in unserer Wirtschaftsordnung, in der es weit mehr Interessenverflechtungen, Oligopole und Monopole gibt, als es gut ist, noch kein Indiz dafür sein, dass das Unternehmen nicht ausreichend gesund ist) darf die Belegschaft zugreifen.

Doch die Belegschaft muss das Unternehmen kaufen, auch wenn der Kaufpreis vom Staat vorgeschossen wird, wird er zur Rückzahlung fällig. Die Entscheidung der Belegschaft für die Übernahme habe ich noch zu wenig detailliert beschrieben. Das möchte ich jetzt nachholen und die folgende Regelung in die Diskussion einbringen:

Die Übernahme durch die Belegschaft ist erfolgt, wenn mindestens zwei Drittel der vorbestimmten Kaufsumme durch verbindliche Beteiligungserklärungen aufgebracht sind.

Da die Kaufsumme sich an den Bruttogehältern der Gesamtbelegschaft bemisst, wird das Engagement von Führungskräften mit höheren Gehältern sich stärker auswirken, als das Engagement von Sachbearbeitern und Hilfskräften. Daher (bzw. dennoch) wird es in aller Regel nur gelingen, ein Unternehmen zu übernehmen, wenn sich eine Mehrheit der Belegschaft über alle Hierarchien hinweg dafür ausspricht - und das ist auch gut so.

Mitarbeiter, die sich nicht beteiligen wollen, bleiben Mitarbeiter, erhalten jedoch kein Stimmrecht und keine Gewinnanteile.

Die Tilgungsregelung sieht vor, den Kauf des Unternehmens zunächst aus den Gewinnen zu finanzieren. Das heißt, die Arbeitsplätze sind erhalten, die Gehälter laufen weiter - und ganz allmählich wird das Unternehmen Eigentum der Mitarbeiter.

Wer nach 10 Jahren aus seinen Gewinnanteilen noch nicht vollständig getilgt hat, muss aus dem laufenden Einkommen zuschießen.

Je unwahrscheinlicher die Gewinnerzielung eingeschätzt wird, desto geringer wird die Zustimmung der Belegschaft zur Übernahme ausfallen, weil letztlich jeder Gesellschafter verpflichtet ist, seine beiden Jahresgehälter einzuzahlen.

(Man kann schöne Rechnungen anstellen, über die Verhältnisse zwischen Kaufpreis, Lohnsumme und Rendite, die zwei Jahresgehälter sind gar keine so schlecht Basis für einen angemessenen Kaufpreis!)

Ich glaube durchaus nicht, dass sich Mehrheiten finden lassen, die zwei Jahresgehälter aufs Spiel setzen, wenn das Unternehmen nur geringe Chancen hat, so zu überleben, wie es das Erhaltungsverfahren vorschreibt.

Ich glaube aber andererseits, dass die Entscheidung für eine Beteiligung eine ganz erhebliche Motivation freisetzen wird, sich für das eigene Unternehmen einzusetzen...

Last but not least - natürlich müssen Mitarbeiter (und deren Erben) das Recht haben, ihre Anteile zum Verkauf anzubieten. Ich würde eine allgemein Sperrfrist (die 10 Jahre ab Ersterwerb bieten sich hier an) einführen, mit Sonderregelungen für diejenigen, die vor Ablauf dieser 10 Jahre ausscheiden (Kündigung, Rente, Krankheit, Tod).

und nun würde ich mich freuen, wenn die Diskussion hier noch ein Stück weitergeführt wird.
Schreiben Sie einfach auch einen Kommentar.
 Hier

 

 


Hallo Herr Kreutzer!

Logische Ansätze sind in diesen Tagen sehr selten geworden.

Es gibt immer mehr Menschen im öffentlichen Raum, ob Politiker oder Journalisten, ob Moderatoren oder deren Opfer, die sich ohne jede Scheu an ihrem eigenen Ersprochenen ergötzen, ohne auch nur einmal darüber nachzudenken was da alles heraussprudelt. Bei einem harmlos aufgesetzten Brainstorming mag das ja noch sinnvoll sein. Aber mittlerweile ist solch sinnlos und überdies, logisch falsches Geplapper bei jeder Gelegenheit und zu allen möglichen und unmöglichen Themen zu hören.

Darum lese ich immer wieder gern Ihre Texte, Aufsätze und Paukenschläge. Sie sind immer wieder Anker und Ruhepunk für mich. Sie sind mit ihrer einfachen Logik und Ausdrucksfähigkeit ein leuchtender Stern in der immer schwärzer werdenden Dämmerung der Demokratie. Ich kenne natürlich auch Ihr Buch aus dem Sie hier zitieren. Und ich sage immer wieder und bei jeder Gelegenheit gern, dass es für mich das Beste ist was es zu diesem Thema gibt.

Nicht nur dieser kurze Ausschnitt, sondern gerade die logischen Bezüge zu den Grundprinzipien natürlicher Gegebenheiten, ich möchte fast sagen „Wahrheiten“, ist einzigartig. Einfach, logisch, genial aber vor allem fantasievoll und sozial. Und ob Sie es nun glauben oder nicht: das soll keine Lobhudelei sein sondern lediglich eine einfache Beschreibung dieses Werkes.

Im Übrigen bin ich mir ziemlich sicher, dass die Herren Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester und Guido (Ja, 11 Vornamen und es sind tatsächlich nur 1 ½ Herren) schon längst Ihre Aufsätze und Bücher kennen. Auch unsere Bundeskanzlerin kennt die Bücher auswendig. Das glauben Sie nicht? Aber warum sollten diese Politiker denn sonst mit allem Nachdruck daran arbeiten, die letzten demokratischen Grundstrukturen dieses Landes zu zerstören? Die haben Angst dass sich solche Ideen einmal durchsetzen! Na klar! So war das schon immer in der Weltgeschichte. Die besten Ideen und Erkenntnisse wurden bis zuletzt geheim gehalten und unterdrückt.

Am Sonntag ist Sommeranfang. Gehen Sie mal wieder hin!? Liebe und Freude am Leben und an den Menschen…

…ich wünsche uns weiterhin eine Positive Infiltration!

Bis die Tage


Moin Moin Herr Kreutzer,

den Link zu Ihrem Paukenschlag hab ich grad an Hr. zu Guttenberg und an unser aller Guido W. geschickt.
Die haben jetzt bestimmt ´nen anständigen Herzkasper.
Ich hatte auf jeden Fall schon beim Morgenkaffe meine Freude daran!
Ein wirklich überdenkenswerter Vorschlag, da würden mich die Detailregelungen interessieren.
Denn der Teufel liegt bekanntlich ja im Detail........

Beste Grüße

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Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Natürlich steckt der Teufel auch hier im -- Dessous ...
Aber, mir ist noch keine Fragestellung untergekommen, die sich im Rahmen eines solchen Erhaltungsverfahrens nicht relativ einfach lösen ließe. Fragen Sie einfach konkret weiter.


Guten Morgen Herr Kreutzer,
ein guter Vorschlag im Sinne des Grundgesetzes der es verdient z.B. über den Petitionsausschuss des Bundestages in das Gesetzgebungsverfahren einzufließen!
Mit besten Grüßen

Guten Morgen, Herr Kreutzer!
Dank für Ihren Paukenschlag! Das war das Richtige zum Frühstückskaffee! (...)

Herzliche Grüße!

u
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