Paukenschlag am Donnerstag
No. 20/2009
vom 21. Mai 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Gute Banken, schlechte Banken - merken Sie was?

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Gute Banken,
schlechte Banken
 
Die tägliche Doku-Soap auf allen Kanälen
 
 
Wie blöd sind wir eigentlich?
Wie blöd bin ich?
Wie blöd sind Sie?
 
Bitte entschuldigen Sie die verletzende Formulierung.
Es geht nicht mehr anders.
Die Frage: "Für wie blöd halten "die" uns eigentlich?",
ist oft genug ergebnislos gestellt worden.
 
Wenn es nämlich "die" gäbe, die "uns" für blöder halten, als "wir" sind, müsste ja eigentlich relativ schnell eine Reaktion erfolgen. Es müsste an Veränderungen im Reden und vor allem im Handeln zu erkennen sein, dass "die" bemerkt hätten, dass "wir" so blöd gar nicht sind.
 
Es verändert sich aber nichts.
 
Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungsmöglichkeiten, das will ich gar nicht bestreiten, aber eine der möglichen Erklärungen heißt eben auch:
    "Die" können nur deshalb einfach immer so weiter machen, weil wir mindestens so blöd sind, wie "die" annehmen, dass wir es seien. Womöglich sind wir aber noch viel blöder."

 

 

 

Entschuldigen Sie nochmals die verletzende Formulierung.
 
Ich sage nicht, dass Sie, Sie ganz persönlich blöd sind.
Ich würde auch niemals von mir behaupten wollen, dass ich blöd sei.
 
Nein. Ganz bestimmt nicht. Aber "wir", Sie und ich und der Rest der Bevölkerung, "wir", als Kollektiv, sind blöd.
 
 
Es ist kein Zeichen von Blödheit, kurz innezuhalten und sich zu fragen, was das Wörtchen "blöd" denn eigentlich bedeutet.
 
Wikipedia erklärt das so:

Der Ausdruck Blödheit bedeutete in seiner Sprachentwicklung unter anderem Schüchternheit oder Ungeschicklichkeit und wird heute oft gleichgesetzt mit Dummheit.
Pierers Universal-Lexikon von 1857 unterscheidet bei dem Begriff zwischen "der Schwäche des Verstandes, welche eine Unklarheit u. Verworrenheit der Vorstellungen veranlasst" und einer Blödheit "die aus Mangel an Selbstvertrauen entsprungene Furchtsamkeit im geselligen Umgange, Ängstlichkeit durch sein Benehmen gegen den Tact od. die seine Sitte zu verstoßen"[1]. In Kirchner/Michaëlis Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe wird Blödigkeit als "die aus Urteilsschwäche und Mangel an Selbstvertrauen entspringende Schüchternheit im Verkehr mit anderen" beschrieben
 

Sehen Sie, blöde ist nicht nur, wer dumm ist. Blöde ist auch, und sogar im ursprünglichen Sinn des Wortes, wem es so weit an Selbstvertrauen mangelt, dass er im Umgang mit anderen freiwillig zurücksteckt.
 wiki: Blödheit
 
Damit sind wir wieder bei den Banken.
 
Warum sind wir so blöde,

dass wir uns gefallen lassen, dass eine Handvoll Männlein
sich in einem hochgeheimen Ausschuss zusammentun
und dort ohne jede weitere Kontrolle
praktisch im Handumdrehen
hunderte von Milliarden
Euro ausgeben
 
oder als Bürgschaften zusagen und damit uns, den Bürgern der Republik, in einer nie dagewesenen Rasanz neue Schulden aufladen, ohne dass wir davon auch nur den geringsten Nutzen hätten?
 
Von diesen irrwitzigen neuen Schulden wird doch kein einziger Meter Autobahn gebaut, es wird davon auch weder Sprit noch Munition für unsere Panzerfahrzeuge in Afghanistan gekauft, von diesen neuen Schulden wird kein Lehrer bezahlt und kein Zuschuss an die Rentenkasse überwiesen. Hunderte Milliarden neuer Schulden werden uns aufgebürdet, für sprichwörtlich NICHTS.
 
Und wir stehen daneben, sehen das Ungeheuerliche, aber unser Selbstvertrauen reicht nicht aus, dagegen unüberhörbar Einspruch zu erheben. Wir senken schamhaft die Köpfe und trösten uns damit, dass man uns sagt, es sei kein Wunder, dass wir nicht verstünden, was da vor sich geht, selbst die Banker, die uns das eingebrockt haben, hätten es nicht verstanden.
 
Ja, offenbar sind wir tatsächlich total verblödet.
 
Der Sachverhalt ist doch zum Totlachen einfach. Es bedarf gar keiner herausragenden intellektuellen Fähigkeiten, den zu erfassen:
    Da gibt es Menschen, die keine Hemmungen haben, uns alle miteinander, im Rahmen der gültigen Gesetze, unter dem Heiligenschein der Legalität, ganz dreist zu bescheißen.

 

 

 

So dreist, dass wir in unserer Blödheit glauben, so dreist könne gar niemand sein, wir müssten uns irren. Es klingt ja auch wie ein schlechter Witz.
 
Wenn man die Scharade einmal statt mit "Wertpapieren" mit "Gebrauchtwagen" durchspielt, kommt man um ein gequältes Lächeln nicht herum, aber genau so haben sie es gemacht:
Sie haben zusammengelegt, bis sie 10.000 Euro zusammen hatten, haben eine GmbH gegründet und ihre Eröffnungsbilanz geschrieben:
 
10.000 € Bargeld = 10.000 € Eigenkapital.
 
Dann sind sie zum Gebrauchtwagenhändler gezogen, und haben das Auto gekauft, das laut Schwacke-Liste 30.000 Euro wert war, wegen diverser verborgener Mängel aber für nur 5.000 Euro angeboten wurde. Danach haben Sie eine neue Bilanz geschrieben:

30.000 € Fuhrpark + 5.000 € Bargeld = 10.000 € Eigenkapital + 25.000 € Gewinn
 
Mit dieser Bilanz und der gigantischen Eigenkapitalrendite sind sie zur Bank und haben einen Kredit aufgenommen, um das Geschäft ausweiten zu können. Die Bank hat ihnen 100.000 Euro gegeben. Davon haben sie 10.000 an das Finanzamt überwiesen und 15.000 als Gewinn nach Steuern an sich ausgeschüttet.
 
Von den übrigen 75.000 haben sie 15 Autos gekauft - und mit dem Schwacke-Wert von 375.000 Euro in die Bilanz geschrieben. Gut, es waren 10.000 Euro Zinsen zu zahlen, und ein paar Nebenkosten sind auch angefallen, aber unter dem Strich haben sie in der nächsten Bilanz einen Gewinn von 250.000 Euro ausgewiesen, und, nachdem die Bank aufgrund der guten Ergebnisse einen weiteren Kredit von 500.000 Euro bewilligte, haben sie 100.000 Euro ans Finanzamt überwiesen und 150.000 Euro unter sich verteilt.
 
Dass die Autos, die sich auf dem Hof stapelten, schon beim Kauf nicht das wert gewesen waren, was dafür bezahlt wurde, war vollkommen egal. Solange die Autos mit hohem Wert in der Schwacke Liste standen, war es weder ein Problem, einen Bilanzgewinn auszuweisen, noch war es ein Problem, diesen Bilanzgewinn mit Krediten zu finanzieren und an die Gesellschafter der GmbH auszuschütten.

 

 

 

 
 
Wenn man sich vom Beispiel ab - und der Realität zuwendet, dann sind dort statt Gebrauchtwagen sogenannte "Wertpapiere" eingekauft und waghalsig überbewertet worden, und die Größenordnung der Geschäfte ist in den drei- und vierstelligen Milliardenbereich gewachsen, mit entsprechend hohen Milliardengewinnen, die an die Anteilseigner ausgeschüttet wurden.
 
Das ging gut bis zu dem Tag, an dem zur Finanzierung des Neugeschäfts ein neuer Kredit benötigt wurde, aber keine Bank mehr die Bereitschaft zeigte, diesen gigantischen Betrug weiter zu finanzieren, weil das Gerücht umging, die Wertpapiere, die als Sicherheit dienten, wären im Grunde wertlos.
 
Da haben sie eine Weile telefoniert und das Geschäftsmodell erweitert.
 
In einem fernen Land, auf einem anderen Kontinent, fanden Sie Franchise-Nehmer, denen sie ihr ursprüngliches Geschäftsmodell schmackhaft machten. Denen verkauften sie den größten Teil ihrer Schrottpapiere (zum Bilanzwert) und gaben eine Expertise dazu, die besagte, dass diese Papiere in Wahrheit das Doppelte wert wären. Als die Franchisenehmer in dem fernen Land auf dem anderen Kontinent ihre erste Bilanz vorlegten und den ersten gigantischen Gewinn ausschütteten, fanden sich immer mehr Interessenten, die auch schnell viel Geld verdienen wollten und die Zahl der Franchise-Nehmer wuchs so schnell, dass die Väter der Idee kaum noch nachkamen, mit dem Ausfertiigen wertloser Wertpapiere, dem Ausschütten grandioser Buchgewinne, dem Erstellen neuer AAA-Ratingdokumente und dem Weiterverkauf der Schrottpapiere in alle Welt, wo mit dem gleichen Schrott nochmals grandiose Buchgewinne geschrieben wurden.
 
Es waren Banken,
die das Spiel mit den Schrottpapieren spielten und die Gewinne an ihre Aktionäre ausschütteten,
 
und es waren - im großen und ganzen - die gleichen Banken,
die das Spiel mit Krediten finanzierten.
 
Es waren zudem die gleichen Banken,
bei denen die Aktionäre ihre Gewinne als Einlagen anlegten.
 
Erst als sich kein fernes Land mehr finden ließ, in dem noch weitere Franchise-Nehmer rekrutiert werden konnten, stellten die Banker fest, dass es fahrlässig wäre, sich untereinander noch Kredite zu gewähren. Jetzt merkten auch die Einleger, dass dieses Spiel an sein natürliches Ende gelangt war, und begannen, ihre Einlagen von den Banken abzuziehen.
 
Das konnte nicht gut gehen, weil den Guthaben der Einleger von Anfang an nur jene Schrottpapiere gegenüberstanden, die sich nun als vollkommen unverkäuflich herausstellten.
Der blöde Bürger, wie Sie und ich, würde jetzt schamhaft und mit stark vermindertem Selbstvertrauen einsehen, dass alles nur eine große Täuschung war, dass man sich für ein paar Jahre der Illusion hingegeben habe, mit nichts als Bewertungstricksereien Milliardengewinne einfahren zu können,
und - nicht weniger reich als zuvor - resümieren:
 
"Außer Spesen nichts gewesen."
 
Ja, weil wir so blöd sind.

 

 

 

Die Einleger hingegen sind so blöd nicht. Die bestehen darauf, dass ihnen die Einlagen gehören und dass die Banken, die ihnen auch gehören, weil sie ja nicht nur Einleger, sondern zugleich auch Aktionäre sind, gefälligst dafür garantieren müssten, dass sie jederzeit über diese Einlagen verfügen könnten.
 
Die Banken können das natürlich nicht garantieren.
Es ist ja nichts Werthaltiges mehr da.
Sie hätten eigentlich längst Konkurs anmelden müssen.
 
 
Aber, wundersamerweise gibt es auf der ganzen Welt Institutionen, die sich vorgenommen haben, den Konkurs der Banken zu verhindern,
damit den Aktionären der Banken die Banken
und den Einlegern die Einlagen nicht verloren gehen.
 
Bei uns in Deutschland heißt diese Institution "Bundesregierung".
 
Diese Bundesregierung erlaubt den Banken nun, alle Schrottpapiere aus ihren Bilanzen zu verbannen und stellt dafür staatliche Schuldscheine zur Verfügung, für deren Wert und für deren Verzinsung diese Regierung garantiert,
 
womit das durch nichts als betrügerische Fehlbewertung entstandene Vermögen der Aktionäre und Einleger gesichert wird.
 
(Blöd wie wir nun einmal sind, versagen wir uns angesichts dieser übermenschlichen Anstrengungen zur Vermögenserhaltung in schüchterner Demut die Frage, nach der Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Das wäre doch paradox.)
 
 
Die Aktionäre und Einleger glauben der Regierung gerne, dass deren Schuldscheine einen Wert haben, weil diese Regierung nämlich über 80 Millionen Untertanen verfügt, die, wenn nichts dazwischen kommt, von heute bis in alle Ewigkeit in der Lage sein werden, wenigstens die Zinsen zu erarbeiten.
 
Das Privatvermögen der Einlagengarantierer Merkel und Steinbrück würde dafür - nach allem, was wir wissen - nämlich nicht ausreichen.
 
Die Fortsetzung zu diesem Paukenschlag habe ich bei Prof. Schmelz entlehnt. Lesen Sie hier seine Ausführungen vom 19. Mai:
 
Prof. Schmelz benennt den Kern des Problems 

 
und im EWK-Verlag finden Sie das Buch "Unter Bankstern" von Artur P. Schmidt...
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

obwohl ich Ihnen eigentlich rein gefühlsmäßig 100 % zustimmen müsste, regt sich doch bei einigem Nachdenken Widerspruch. Es gibt doch – und das beweisen Sie und viele andere – eine Vielzahl Menschen, die sich schon Gedanken machen und den ganzen Zauber durchschauen. Aber leider hat dies kaum Massenwirksamkeit.

Das „Volk“ an sich gibt es meiner Meinung nach gar nicht, auch wenn 1989 in der DDR der Spruch gerufen wurde „Wir sind das Volk !“, der dann umgewandelt wurde „Wir sind ein Volk !“ – vielleicht wäre besser gewesen „Das ist ein Volk !“

Verblödet ist „das Volk“ meiner Ansicht nach auch nicht – eher manipuliert, träge und resigniert. Was Manipulation vermag, das zeigt die deutsche Geschichte.

Es ist den Herrschenden bisher auch auf Grund auch ihrer jahrhunderte langen Erfahrung immer noch gelungen, die Eigeninteressen als Gemeinschaftsinteressen zu verkaufen. Dazu steht ihnen ein nahezu uneingeschränktes Instrumentarium – vor allem aber die Massenmedien – zur Verfügung. Wer die Massenmedien beherrscht, beherrscht die öffentliche Meinung. Wir brauchen nur die deutsche Fernseh- und Presselandschaft zu betrachten. Es gibt kaum eigenständiges Denken, die Beiträge könnten fast deckungsgleich aus einer Zentrale kommen. Dieser Zentrale bedarf es gar nicht, dass es so ist, dafür sorgt schon der vorauseilende Gehorsam und zunehmend auch die Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz der Schreiberlinge und Kommentatoren.

Wo sind die Stimmen der kritischen Wissenschaftler geblieben? Es gibt sie bestimmt (als Einzelexemplare und vom Aussterben bedroht), aber sie erhalten kein Podium oder sie kneifen – aus Angst um ihre Existenz, da sie teils aus eigener Erfahrung wissen, wer nicht mitspielt, wird „platt gemacht.“

Wird sich das einmal ändern ? Voraussetzung wäre, die da „oben“ können nicht mehr so weiter, die da „unten“ wollen nicht mehr so weiter und es gibt eine Kraft, die massenwirksam eine glaubwürdige Alternative aufzeigen kann. Ich denke, in Deutschland treffen die Punkte 1 bis 3 in absehbarer Zeit nicht zu. Die da oben könne zwar immer schwerer so weiter, aber sie können noch. Die da unten glauben immer noch, dass sie mit denen da oben in einem Boot sitzen und mit einer Alternative sieht es nach der Niederlage des Sozialismus in Europa auch sehr traurig aus. Das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern steht also weiter auf dem Programm und die Feststellung, dass der Kaiser doch nackt sei, verhallt noch im breiten Publikum.

Aber nicht die Hoffnung verlieren – die Geschichte war schon immer für Überraschungen gut, sowohl im positivem als natürlich auch im negativen Sinne. Und außerdem ist die Fragestellung: „Bin ich denn blöd ? „ insofern ein gutes Zeichen, dass man noch nicht zu denen gehört, die aufgehört haben zu denken.

Mit freundlichen Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,

in ähnlicher Weise habe ich mich vor nicht allzu langer Zeit in einem Internet-Forum geäußert und ausschließlich zustimmende Antworten erhalten, ein Leser fragte sogar an, ob er meinen Beitrag auf seiner Homepage veröffentlichen dürfe.

So traurig wie es klingt, so anmaßend und arrogant es sich auch anhören mag, muss man trotzdem konstatieren, dass der Mensch im Allgemeinen (leider) ziemlich blöde ist, und zwar in erster Linie im Sinne von "dumm", nicht von Schüchternheit im Umgang mit seinen Mitmenschen. Dazu kommt eine menschliche Eigenschaft, die wohl bei jedem irgendwo in unterschiedlichen Ausprägungen zu finden ist, nämlich die Trägheit. So, wie der Physiker d´Alembert feststellte, dass eine beschleunigte Masse ihren Weg auch dann fortsetzt, wenn der Kraftimpuls ausbleibt (im Vakuum sogar bis in alle Ewigkeit), muss der interessierte und aufmerksame Zeitgenosse unserer Tage miterleben, wie seine Mitmenschen, trotz aller Warnungen und trotz geradezu ungeheuerlicher Ereignisse, ihr Verhalten einfach fortsetzen, als würde es so etwas wie die Realität (oder was wir dafür halten) gar nicht geben würde.

Die Kombination von Blödheit, oder Unwissenheit, wenn einem dieser Euphemismus passender erscheint und eben jener Trägheit im täglichen Handeln, bringt die Menschheit immer wieder in katastrophale Situationen. Da der Mensch für seine psychische Gesundheit Rituale und Gewohnheiten braucht, lässt er sich nicht gerne von diesen wegbewegen, insbesondere dann nicht, wenn er sie schon über sehr lange Zeiträume praktiziert hat. Insgeheim hofft er immer darauf, dass sein Nachbar ja genauso betroffen ist, wie er selbst und dieser deshalb, wenn es dann irgendwann wirklich ernst würde, schon irgendeine Reaktion zeigen wird. Solange kann er deshalb seine Kräfte schonen, die persönlichen Egoismen pflegen und der eigenen Trägheit ihren Lauf lassen.

So betrachtet, fällt es nicht schwer, zu verstehen, warum uns die Medien jeden Tag Informationen anbieten, die in Anrichtung und Geschmack den Produkten US-amerikanischer Fastfood-Ketten ähneln, nicht gerade billig, schnell serviert, zunächst durchaus schmackhaft (ist sicherlich Ansichtssache, aber die meisten mögen es), später aber dann geradezu gesundheitsschädlich und krank machend.

Die tägliche Doku-Soap "Bad banks - good banks" gehört deshalb auch unbedingt dazu. Man muss in der Tat schon ziemlich blöde sein, um dieses Zeug zu schlucken, den meisten Menschen scheint es aber zu schmecken. Wohl bekomm´s!


danke für die verständliche Auto-metapher es gefällt mir, zu lesen, wie blöd man (in diesem bereich) ist (in anderen bereichen führe ich es mir selbst gerade vor augen)

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

auch wenn Sie in letzter Zeit keine Reaktionen auf Mails oder Kommentare meinerseits gezeigt haben, (...), möchte ich trotzdem noch einen kleinen Kommentar zur allgemeinen Blödheit abgeben.

Diese Blödheit wird durch eine spezielle Weltsicht hervorgerufen, die per TV und Internet immer wieder auf uns einrieselt. Selbsbewusstsein wird laut RTL 2 mittels SchönheitsOPs erzeugt, "konservative Publizisten" (gestern bei Maischberger) sehen hierzulande und heute das beste aller Deutschlands, Kinder bekommen Wertvorstellungen beigebracht wie sie für einen Sklavenmarkt taugen, aber nie für ein freies, selbstbestimmtes Leben.
Wenns um Rassismus geht, muss die NPD herhalten, aber dass z.B. die Randstad Filiale in Köln Bewerber nach ausländischen Namen wegsortiert, wird nicht diskutiert. Faschismus und Rassismus sind heutzutage zutiefst wirtschaftliche Phänomene. Gründe dafür sind immer noch die alten . Cäsars "Divide et impera!", das Grüppchen herstellt und jeder Gruppe zuflüstert: "Du bist besser, cooler, leistungsfähiger(, aber nur wenn du das und das tust.... )".

Die Hartz 4 Gesetzgebung macht Deutschland für eine bestimmte Gesellschaftsgruppe mehr und mehr zum Arbeitslager. Keine freie Wahl der Arbeitsstelle, keine Freizügigkeit, keine Grundversorgung. Und wenn die
ARGE versehentlich zu viel gezahlt hat, darf sie auch das absolute Existenzminimum wegpfänden.
(...)

Obwohl Sie mir das wahrscheinlich immer noch nicht glauben, sind wir auf dem Weg in etwas, das der späten Renaissance ähnelt und gleichzeitig einer altrömischen Sklavenhaltergesellschaft.
Späte Renaissance bedeutet in Deutschland, Zerschlagung einer schwachen staatlichen Ordnung und der Versuch das damalige Imperium sanctum in passende Happen aufzuteilen. Ein Krieg der in seinen Folgen erst im 20 Jahrhundert übertroffen werden konnte, eine barbarische Barockzeit in der sich z.B. Adlige das Recht auf Vergewaltigung herausnahmen weil man das Land doch wieder bevölkern müsse, in der eine darbende Bevölkerung die Herrlichkeiten bauen musste die heute immer noch das Aushängeschild deutscher Kultur darstellen. Eine schweinische Epoche sozusagen.

Dass sich Adel und Kirche mit diesen Schweinereien als Führungsschicht diqualifiziert haben mag zunächst als Wohltat erscheinen, konnte doch dann ein sittenfestes Bürgertum das Ruder übernehmen um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Leider sehnten sich diesese Bürgersleute nach ihrem vorherigen verantwortungslosen Dasein so sehr zurück, dass sie solche Hirnrisse wie den Wilhelminismus oder Hitlers Staatsamok ermöglichten.

Jetzt wo man glauben sollte das Bürgertum hätte aus diesem Unfug gelernt, sieht man jeden Tag die Herren unserer Gesellschaft einer Industrie- und Bankenmafia aufsitzen. Sie verkünden, dass alles in Ordnung ist, obwohl es im Keller des "deutschen Hauses" schon brennt.

Frau Merkel hält alle Hartz 4 Empfänger pauschal für Betrüger (Rede zwischen Weihnachten 2005 und Neujahr 2006) Herr von Dohnani hat seine Zweifel ob man von 345 Euro im Monat leben könne ausgeräumt indem er einen anderen SPD Millionär und Parteifreund fragte ob das denn möglich sei. Der Parteifreund mit allem Gewicht seiner Hartz 4 Erfahrung bejahte dies ohne nachzudenken.

(...)

Mit freundlichen Grüßen

 


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

im Lauf der letzten Jahre habe ich - sinngemäß - immer wieder gesagt: dieses Volk ist total verblödet. Entsprechende Passagen in meinen Leserzuschriften wurden von Ihnen weggekürzt, oder die Zuschrift gleich ganz weggelassen. - Sinngemäß - meinten sie in einigen Mails, ich wäre wohl ein bißchen zu harsch in meinen Ansichten, ganz so fürchterlich wie ich es sehen würde wäre es doch nicht. Natürlich jetzt nur zusammengefaßt und eben sinngemäß.

Nun "freue" ich mich direkt über Ihren neuesten Paukenschlag (natürlich trifft der Begriff "Freude" die Sache nicht richtig aber ich denke, Sie verstehen was ich meine). Ja, Herr Kreutzer, dieses Volk ist so derartig und über alle Maßen verblödet, daß ich schon seit Jahren nur noch über dieses Volk staunen kann - nicht über die kleinen kriminellen Frettchen "da oben" - über die wundere ich mich schon seit spätestens den 80er Jahren nicht mehr, denn: why do dogs lick their balls? 'cause they can!

("Yes we can!" - Spässle g'macht)

Natürlich machen "die da oben" nur das, was jeder machen würde in deren Situation: Sie treiben es immer weiter und weiter, da niemand sie stoppt. Warum also sich über dieses recht natürliche Verhalten aufregen? Mein Ärger gilt schon seit vielen Jahren nur noch diesem völlig verblödeten, ja geradezu grenzdebilen Volk, welches all dies zuläßt (was mich natürlich nicht daran hindert, mich von Fall zu Fall über einen Politiker oder Wirtschaftsboss aufzuregen).

Mal eine ganz andere Sache: Ist außer mir und einigen von mir befragten Bekannten noch jemandem aufgefallen, daß Rolling Gollum immer so guggt, als ob er aus dem Nichts irgendwo eine Maulschelle erwarten würde? Kein Witz - genau so guggt der wirklich immer.

So, auch wenn es auf Anhieb nicht so direkt klingt, gilt dies doch als direkte Leserreaktion auf Ihren Paukenschlag # 20


mit freundlichen Grüßen
ich werde immer zufriedener mit Ihnen

Hallo Herr Kreutzer,

natürlich kann ich nicht abstreiten, dass wir als Masse blöd sind, aber es ist ja auch nicht einfach, mit einer Jahrtausende alten Tradition zu brechen.

Aber die Frage: „Für wie blöd halten die uns eigentlich“ konnte vermutlich aus einem anderen Grund nicht beantwortet werden. Die Damen und Herren an den Fettnäpfen der Nation stellen sich bei den Basteleien an ihren Reden und Aussagen erst gar nicht die Frage, was wir Blöden dazu sagen würden, weil sie den Sinn ihrer Aussagen selbst nicht zu erfassen vermögen.

Mein Verdacht ist nicht nur, dass für die Reden ein Ghostwriter zuständig ist und der vortragende Abgeordnete oder das vortragende Regierungsmitglied die Aussagen selbst beim Vortrag zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Ein Ghostwriter ist wohl in den meisten Fällen im Spiel, aber mein Verdacht ist, dass dabei ein Phrasinator verwendet wird. Sollten Sie nicht wissen, was das ist, dann rufen Sie ihn einmal auf:
http://www.phrasinator.de/  

Nun spielen Sie mal ein wenig damit herum und sie werden glauben, einen Steinbrück, einen Pofalla, eine Merkel, einen Müntefering, eine Roth und was weiß ich noch, wen alles, zu hören (nein, eigentlich zu lesen).

Nun erweitern wir das Spiel und gehen davon aus, dass für die jeweiligen politischen Spielfelder von den einzelnen Lobby-Gruppen Themenkataloge äquivalent zum Wahlprogramm des Beispiels erstellt wurden und man kommt zu dem Schluss, dass den Politikern (vielleicht auch der Justiz) alle Zeit der Welt für jegliche Nebentätigkeiten haben, denn der Phrasinator erledigt schon ihre eigentlichen Aufgaben.

Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp


Hallo lieber Herr Kreutzer,
seit längerer Zeit vertrete ich in meinem Bekanntenkreis die Meinung, dass jeder einzelne von uns blöd ist, was das von Ihnen jetzt aufgegriffene Thema angeht. Wenn es gut geht in diesem Gespräch, ernte ich ein herablassendes Lächeln oder stummen Mund und große Augen. Andernfalls werde ich ein Trottel oder eine Ratte genannt oder mir wird die Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung angeboten.

Vielleicht bin ich auch bisher zu harsch vorgegangen, aber ich halte meine Mitbürger nicht mehr aus, die immer politisch korrekt oder zu feig sind, sich offen zu äußern, obwohl sie die Zerstörung der gesellschaftlichen Strukturen erkennen.

Erschreckend hoch ist zudem der Anteil derer, die kein oder nur eingeschränktes Selbstbewusstsein/Selbstvertrauen haben und das System niemals gedanklicher Überprüfung unterziehen.

Deshalb: JA, WIR SIND TATSÄCHLICH BLÖD! Und deswegen kann die im Grunde kleine Gruppe der „Elite“ auch treiben, was sie gerade lustig ist. Vielen Dank für Ihren Paukenschlag!!

Beste Grüße


Hallo Herr Kreutzer,

vielen Dank für Ihre Email vom 20.05.2009. So traurig wie es ist aber Sie haben es genau auf den Punkt gebracht! Dickes Lob an Sie, weiter so.

Mit freundlichen Grüßen,

Masterconsultant in Finance (IOFC) - Fachwirt für Finanzberatung (IHK) - Finanzwirt (bbw)
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