Paukenschlag am Donnerstag
No. 16/2009
vom 23. April 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Die SRS (System-Relevanz-Syndrom) Epidemie

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die SRS - Epidemie
(System-Relevanz-Syndrom)

BSE, H5N1 und SARS haben wir ohne größeren Schaden überstanden.
 
Nun droht der Menschheit ernstlich Gefahr, aber das Panikorchester aus Experten, Politikern und Medien bleibt stumm. Möge wenigstens dieser Paukenschlag nicht ungehört verhallen!
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wie dieser
Paukenschlag angekündigt wurde.
 

 
 
 
 
Ursache der außerordentlichen Bedrohung sind die - für gesunde Systeme, aber auch für den Menschen - gefährlichen Erreger jener Krankheit, die als
 
"System-Relevanz-Syndrom"
 
bezeichnet wird. Übertragen wird SRS hauptsächlich durch scheinbar ebenso sinn- wie belanglose verbale Äußerungen bereits Infizierter, die direkt (im persönlichen Kontakt) oder indirekt über mediale Zwischenwirte aufgenommen werden und sich dann auf schnellstem Wege im gesamten zentralen Nervensystem breitmachen, wo sie nach einer Inkubationszeit von meist nur wenigen Stunden verheerende Schäden anrichten, die sich im vollständigen Zusammenbruch von Urteilsvermögen und Kritikfähigkeit äußern, sobald das Zauberwort "Systemrelevanz" auftaucht.
 
Das vollkommen Neue am System-Relevanz-Syndrom, jener Krankheit, die im Folgenden schlicht als "SRS" bezeichnet wird, ist seine einzigartige Doppelnatur.
 
 
Einerseits kennen wir SRS aus der medizinisch-psychiatrischen Diagnostik
als Kennzeichen einer Sonderform der Schizophrenie,

 

andererseits tritt SRS als mathematisch-systemtheoretisches Phänomen
in Erscheinung, wenn eine große Zahl fehlerhafter Entscheidungstabellen so verknüpft sind, dass ein anfänglich beherrschbar erscheinendes und sinnvoll reagierendes Ausgangssystem durch fatale Rückkopplungseffekte unaufhaltsam außer Kontrolle gerät.

 
 
Das Faszinierende daran ist, dass es einen direkten, bislang noch weithin unerforschten Übertragungsweg zwischen beiden Erscheinungswelten zu geben scheint, der in beide Richtungen wirksam ist:

Menschliche Individuen,
die in intensiven Kontakt mit SRS-verseuchten Systemen geraten, entwickeln unter deren Einfluss - zunächst noch reversible - Reichtums- und Machtphantasien, die jedoch innerhalb kurzer Zeit irreversible Sucht- und Abhängigkeitsphänome hervorrufen, aus denen heraus sie auch vor selbstzerstörerischen Aktionen zur Stützung des jeweiligen auslösenden SRS-Systems nicht zurückschrecken.
 
Systeme,
also "funktionale Einheiten aus sinnvoll zusammenwirkenden Elementen" jeglicher Art (physikalisch, technisch, organisch, sozial), die unter den Einfluss von SRS-positiven Individuen geraten, stoßen innerhalb kurzer Zeit ihre selbststabilisierenden Regelkreise ab und beginnen ihrerseits, typische SRS Ergebnisse zu produzieren, denen eines gemeinsam ist: Sie verstoßen allesamt gegen mindestens eines von drei universalen Gesetzen, die da heißen:
    • Gesetz der optimalen Größe
    • Gesetz der optimalen Reproduktionsrate
    • Gesetz der optimalen strategischen Anpassung

 

 
 Zu den Gesetzestexten
 

 
Erstmals direkt beobachtet:
SRS im Endstadium
 
Während SRS nach seiner Entdeckung und erstmaligen Beschreibung gegen Ende des letzten Jahrhunderts immer nur in der Retrospektive als Erklärungmuster herangezogen wurde, wie z.B. zur Erklärung der epidemischen Verbreitung des Faschismus in Europa, speziell in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, ist nun erstmalig die Situation eingetreten, dass der Ausbruch und die sprunghafte Verbreitung einer neuen, extrem gefährlichen SRS-Epidemie direkt beobachtet und analysiert werden können.
 
Es würde zu weit führen, wollten wir die ganze Breite des Formenreichtums der Neuerkrankungen in diesem Aufsatz erfassen und dokumentieren. Es reicht, täglich die Zeitung aufzuschlagen, um sich über die jüngsten Fälle von SRS zu informieren.
 
Wir wollen uns hier darauf beschränken, einen einzigen Seuchenherd zu beleuchten, der in vielen Aspekten als archetypisch für alle SRS-Systeme angesehen werden kann und der in der Krankheitsentwicklung so weit fortgeschritten ist, dass SRS daran im Endstadium beobachter werden kann.
 
Das befallene System,
das als Gesamtsystem überhaupt erst durch SRS erkennbar wird,
ist das System der
 
Maximalen Gewinn-Abschöpfung
mittels
Automobilen Individualverkehrs
(MGAAI-System),
 
das aus dem Ursprungssystem des
 
Automobilen Individualverkehrs
(AI-System)
 
durch SRS Einflüsse hervorgegangen ist.
 
Die jüngste Blüte, das (nur vermeintlich*)) vollkommen neue Symptom im SR-Syndrom des vollkommen außer Kontrolle geratenen und vor der Selbstzerstörung stehenden MGAAI-Systems ist die sogenannte
 
"Umweltprämie", weit besser bekannt als "Abwrackprämie"
 
hier daher im Folgenden als "Uwp/Awp" bezeichnet. Von der Uwp/Awp aus gesehen, lässt sich der Prozess des Systembefalls und -zerfalls wunderbar bis an den Ausgangspunkt, nämlich zum anfänglich funktionierenden AI-System zurückverfolgen.

 *) nur vermeintlich?
 
Das AI-System hatte ursprünglich die Aufgabe,
    ... die, aus der Kombination der neu entwickelten Verbrennungsmotoren mit den schon sehr viel länger bekannten Karosserien von Landfahrzeugen hervorgegangen Kraftfahrzeuge,
     
    • durch konstruktive Entwicklungsarbeiten zu robusten und langlebigen, im Unterhalt preiswerten Verkehrsmitteln zu entwickeln,
    • diese zu produzieren, zu distributieren, zu warten und pflegen,
    • sie mit Treib- und Schmierstoffen zu versorgen,
    • den Ausbau der dafür geeigneten Verkehrswege voranzutreiben,
    • ein Regelwerkt für die Benutzung der Fahrzeuge und der Verkehrwege aufzustellen und deren Einhaltung zu kontrollieren."
     
Zweck des AI-Systems war es,
     
    ... den Individualverkehr entsprechend den jeweiligen Erfordernissen auszubauen und zu fördern.
 
 
Wenn heute von SRS-Befallenen über die Lösung der Probleme des MGAAI-Systems nachgedacht, diskutiert und entschieden wird, ist von dieser ursprünglichen Aufgabenstellung und Zweckbestimmung nichts mehr (NICHTS mehr) zu erkennen. Im Gegenteil.
Uwp/Awp trägt nicht dazu bei, den Individualverkehr auszubauen und zu fördern. Ein Fahrzeug, das verschrottet wird, steht dem Individualverkehr danach schließlich nicht mehr zur Verfügung.
 
Die Verkürzung seiner Lebensdauer und möglichen Gesamtfahrleistung ist daher als volkswirtschaftlicher Wahnsinn allererster Güte anzusehen.

 

Nehmen wir nur an, dass bei den nun mit 5 Milliarden Euro geförderten 2 Millionen Verschrottungen pro Fahrzeug durchschnittlich nur noch ein einziges Lebensjahr mit einer Rest-Fahrleistung von nur noch 10.000 km ungenutzt bleibt, dann wird deutlich, dass ein bereits bezahltes und produziertes Fahrzeug Potential für eine Fahrleistung von insgesamt mindestens 20 Milliarden Kilometern aus Jux und Tollerei in die Schrottpresse geworfen wird. Das entspricht ungefähr

 

  • 30.000 Mal der Strecke zum Mond und zurück, oder
  • 500.000 Erdumrundungen am Äquator,
    oder
  • der Menge Fahrzeug, die auf natürliche Weise verschlissen würde, wollte ein Arbeitnehmer
    2,8 Millionen Jahre lang
    täglich 20 km zur Arbeit und wieder 20 km zurück nach Hause fahren

    10   Arbeitnehmer  280.000  Jahre
    100   Arbeitnehmer 28.000  Jahre
     1000  Arbeitnehmer 2.800  Jahre
     10.000  Arbeitnehmer 280  Jahre
    100.000   Arbeitnehmer 28  Jahre
    1 Million   Arbeitnehmer 34  Monate
    10 Millionen  Arbeitnehmer 15  Wochen
       

 

Dieses Potential war zu Jahresbeginn vorhanden - und wird, pünktlich zur Bundestagswahl restlos vernichtet sein.
 
Die SRS-Kranken in der Regierung erhoffen sich daraus ein Anwachsen der Wählergunst - und die SRS-Kranken unter den Wählern werden, das ist jetzt schon absehbar, diesen Gunstbeweis nicht verweigern.
 
Die Begründungen dafür, mindestens (!) 20 Milliarden Kilometer Fahrzeugpotential wegzuwerfen, sind vielschichtig und schillernd, wie es für eine multisymptomatische Geisteskrankheit typisch ist.
 
Sie lassen sich jedoch grob in die folgenden Kategorien einordnen:
 
Uwp/Awp dient
    a) Dem Erhalt von Arbeitsplätzen in der Automobil- und Zulieferindustrie
    b) Dem Erhalt einer Schlüsselindustrie
    c) Dem Schutz der Sozialsysteme
    d) Der Überwindung der internationalen Automobilkrise
    e) Der Überwindung der globalen Finanzkrise

 

 

Jede einzelne dieser Begründungskategorien beruht auf einem Fehler in einer Entscheidungstabelle, wobei die Fehler zu einer einzigen sich permanent selbstverstärkenden Rückkoppelung führen.
 
Die systemnahen Menschen halten die krankhafte Entwicklung, die zu der unmittelbar bevorstehenden Krisis geführt hat, jedoch für den "erstrebenswerten Systemzustand", erklären das MGAAI-System daher für "systemrelevant" und tragen somit ihrerseits zur Verstärkung der SRS-Effekte bei. Dabei liegen die Fehlschaltungen eigentlich offen zutage, wie hier kurz erläutert werden soll.
 
 
a) Erhalt der Arbeitsplätze
 
Arbeitsplätze sind kein Selbstzweck. Arbeit ist erforderlich, um das hervorzubringen, was zur Befriedigung des Bedarfs (und Bedarf ist immerhin noch um einiges mehr, als nur Nachfrage) gebraucht wird.
Wenn ausreichend viele Automobile vorhanden sind und der Ersatzbedarf kleiner ist als es die vorhandenen Kapazitäten hergeben, dann kann der Arbeitsaufwand zur Erhaltung der Mobilität reduziert werden.
 
Stattdessen wird jetzt mit Uwp/Awp künstlich die Notwendigkeit erzeugt, bereits geschaffene Produkte noch einmal zu schaffen.
 
 
Es kommt doch aber nicht darauf an, dass möglichst viele Menschen irgendeiner blödsinnigen Arbeit nachgehen!
 
Es kommt darauf an, dass das, was durch Arbeit erzeugt wird, nämlich der Ertrag, einigermaßen sinnvoll und gerecht verteilt wird, und die dafür erforderliche Arbeit, also die Belastung, ebenfalls.
 
Statt den Erhalt von überflüssigen Arbeitsplätzen durch die absurde Vernichtung verkehrstauglicher Automobile zu fördern, sollte man sich Gedanken über Lösungen zur allgemeinen Arbeitszeitverkürzung machen - und die Frage klären, wer, nach welchen Kriterien, in welchem Umfang an den Ergebnissen der Gesamtproduktion beteiligt werden soll.

 

Automobile zu verschrotten,
damit Automobilarbeiter Arbeit haben,
ist Schwachsinn!
 
 
Automobilarbeiter brauchen nicht Arbeit bis zum Umfallen,
sondern ein ausreichendes Einkommen,
 
egal, ob sie 40 oder 30 Stunden pro Woche arbeiten müssen, um die Versorgung des Binnenmarktes mit Neuwagen sicherzustellen.
 
 Über den Unterschied zwischen Arbeit-haben und Geld-haben
 
 

b) Erhalt einer Schlüsselindustrie
 
Es gibt in Deutschland mit VW, samt der Tochter Audi und der unlängst aufgesprungenen "Mutter" Porsche, mit Daimler, und BMW immerhin noch drei sehr große Hersteller, die sich ursprünglich überwiegend in den Händen deutscher Anteilseigner befanden und sich - mit der Familie Piech und dem Land Niedersachsen, was die VW-Gruppe betrifft, sowie der Familie Quandt-Klatten, die große Anteile an BMW hält, immer noch in weiten Teilen in deutscher Hand befinden, sieht man von Daimler ab, wo die Hauptaktionäre die Interessen von Ölförderländern vertreten, während ein Streubesitz von über 70 Prozent den tatsächlichen Eigentümern nur von Insidern einigermaßen korrekt zugeordnet werden kann
 
Setzt man voraus, dass die Anteilseigner ein eigenes Interesse am Erhalt ihrer Schlüsselindustrieen haben, und, in eigener Einschätzung der Lage, dafür Sorge tragen werden, dass ihnen die Felle nicht davonschwimmen, fragt man sich, welches Interesse der Staat am Erhalt einer sogenannten Schlüsselindustrie haben sollte.
 
Solange die Eigentümer und damit Nutznießer des MGAAI-Systems daraus einen Nutzen ziehen können, werden sie es tun und die Schlüsselindustrie erhalten. Sehen sie den Nutzen nicht mehr, ziehen sie sich zurück und lassen die Schlüsselindustrie verrotten.
 
Statt diesen "eigentümlichen" Menschen mit ihren Milliardenvermögen die Nutznießung der Arbeitsleistung der bei ihnen Beschäftigten mit Steuergeldern auf hohem Niveau zu erhalten, könnte man durchaus auch hier, falls der Staat unbedingt eine eigene Automobilindustrie braucht, eine eigene Automobilindustrie aus dem Boden stampfen (es wäre ja nicht das erste Mal). Zumindest aber könnte der Staat die aufgelassenen Produktionsmittel im Zuge einer Enteignung gegen angemessene Entschädigung, oder, wenn sich das anbietet, durch den Aufkauf von Anteilen mehrheitlich oder vollständig übernehmen.
 
Ob dafür die fünf Milliarden der Abwrackprämie ausreichen, was eher nicht der Fall sein würde, oder ob man fünfzig Milliarden bräuchte, was eher unwahrscheinlich ist, bleibt am Ende egal.
 
Wenn nämlich die verantwortlichen Politiker zu dem Schluss kommen, dass Deutschland eine eigene Automobilindustrie braucht, obwohl sich die Autobmobilindustriellen daraus zurückziehen, dann muss der Staat die Automobilindustrie aufkaufen - oder sich eine eigene selbst aufbauen, oder die Politiker sind entweder unglaubwürdig oder inkompetent.
 
Falls sich die Annahmen bezüglich der Notwendigkeit dieser Schlüsselindustrie letztlich als richtig herausstellen sollten, wird damit auch der notwendige Aufwand gerechtfertigt sein.
Andernfalls hat sich die große Zahl der unvermeidlichen Fehlentscheidungen um eine weitere erhöht.
 
Aber das wäre immer noch besser, als in alter Gewohnheit nur dafür zu sorgen, die auf dem MGAAI basierende Vermögensmehrung der Familien Piech und Quandt/Klatten durch steuerfinanzierte Subventionen in alle Ewigkeit erhalten zu wollen.
 
Ja. Da haben Sie recht: Ewigkeit geht nicht.
Und was heißt das?
 
Irgendwann bricht MGAAI sowieso zusammen. Warum also nicht gleich?
 
 
c) Schutz der Sozialsysteme
 
Massenhafter Verlust von Arbeitsplätzen führt zu massenhaftem Ausfall von Sozialbeiträgen und zum massenhaften Anstieg der Zahl der Leistungsberechtigten.
 
Da lassen wir doch lieber Autos verschrotten, als auf Sozialversicherungsbeiträge zu verzichten, selbst wenn wir die Autos nur bauen lassen, damit wir neue Autos bauen lassen können, die wir dann auch wieder verschrotten lassen, damit wir wieder neue Autos bauen lassen können, bis endlich der glückselige Zustand erreicht ist, dass die Autos aus der Fabrik direkt in die Schrottpresse gerollt werden.
 
Das hätte den gewaltigen Vorteil, dass man auf teure Ausstattung ebenso verzichten könnte, wie auf Motor und Getriebe. Es bräuchte keine Airbags und keine Gurtstrammer, kein Fahrlicht, kein Fernlicht und keine Warnblinkanlage. Eigentlich braucht so ein Auto auch keine Scheiben und keine Scheibenwischer, keine Sitze und kein Autoradio, noch nicht einmal ein Navigationssystem wäre erforderlich, hielte man den Weg zwischen Fabriktor und Schrottpresse nur kurz und gerade genug. Es könnte ein ganz einfaches Gefährt sein, äußerlich autoähnlich, mit einem Kfz-Brief, der vom Verschrottungskontrolleur ungültig gemacht wird.
 
Schlüsselindustrie als potemkinsches Dorf.
Das wärs doch.
 
... und für jedes verschrottete Auto bekommen die Anteilseigner 2.500 Euro vom Steuerzahler.
 
Das klingt im Augenblick vielleicht noch verrückt, es ist aber im Grunde nur die logische und sachzwangmäßig schon gar nicht mehr aufhaltbare Weiterentwicklung von Uwp/Awp.
 
Dass der Schutz der Sozialsysteme, der als Überschrift über diesem Abschnitt steht, in diesem Zusammenhang nicht weiter gewürdigt wird, liegt daran, dass es ihn nicht geben kann, auch nicht ansatzweise:
     
    So eine Volkswirtschaft hat nur eine große Kasse,
    aus der alles bezahlt werden muss.
     
    Durch Verschrottungsprämien wird diese Kasse nicht gefüllt, sondern geleert. Die Vernichtung von (mindestens) 20 Milliarden Kfz-Kilometern ist ein Verlust, kein Gewinn. SRS-Kranke können diesen Zusammenhang allerdings schon im frühen Stadium der Erkrankung nicht mehr erkennen,

 

 
 
d) Überwindung der internationalen Automobilkrise
 
Wer sich für einen Teil des fiktiven Staates "Internationalia" hält und noch dazu in diesem fiktiven Staate als staatstragendes Element hervortreten möchte - und deshalb im nationalen Alleingang (mit Vorbildcharakter für andere nationale Alleingänge) fahrbereite und verkehrssichere Automobile verschrottet, was er, wenn es sich nicht um eine Krise von "Internationalia" handelte, vielleicht gar nicht erwöge, weil es ihm ja nicht um nationale, sondern um die Interessen von "Internationalia" geht, ist ein ganz besonders schwerer Fall von SRS.
 
Da ist kein schuldhaftes Verhalten mehr zu attestieren.
Allenfalls über Sicherheitsverwahrung könnte man nachdenken.
 
 
e) Überwindung der globalen Finanzkrise
 
Das ist das einzige Argument, das man nicht so einfach vom Tisch wischen kann.
 
Die globale Finanzkrise wollen wir ja schließlich alle überwinden. Dabei ist die globale Finanzkrise selbst ein SRS-Phänomen eines Systems, das zwar mit dem MGAAI-System verbunden ist, aber weit darüber hinausreicht.
 
Die globale Finanzkrise hat ihre Ursachen darin, dass Menschen, die sich Geld geliehen haben, nun plötzlich keine Chance mehr haben, an das Geld zu kommen, das sie für die fällige Tilgung benötigen. Das wiederum hängt damit zusammen, dass dieses Geld bei Menschen gelandet ist, die schon so viel davon haben, dass sie es, auch beim besten Willen, gar nicht mehr für Konsum oder sinnvolle Real-Investitionen ausgeben können.
 
Die Hortungs-Problematik muss hier nicht mehr im Detail erläutert werden. Dazu habe ich mich an anderer Stelle ausführlich verbreitet.
 
 Alles über das Geld - im Überblick und speziell: Über das Horten
 
Spannend ist die Frage, wie die globale Finanzkrise durch die Uwp/Awp, oder zumindest mit Unterstützung durch die Uwp/AwP überwunden werden könnte.
 
Das scheint auf den ersten Blick vollkommen unmöglich - wenn man aber die Fesseln sprengt, die durch SRS in unser Denken hineingeraten sind und es auf Irrwege zwingen, dann gäbe es da durchaus einen Weg.
          Man müsste nur...
           
          Ja. Erraten.
          Man müsste nur
           
          m o g e l n .

 

 

Der Staat müsste es wagen, Falschgeld in Umlauf zu bringen. Also Geld, dass er sich nicht von irgendwem leiht, sondern dass er - heimlich - selbst drucken lässt, bzw. von der Bundesbank als Guthaben, ohne Belastung eines Kreditkontos, aus der Luft einbuchen lässt. So könnten die ständig wachsenden Geldforderungen der Gläubiger mit immer neuem Geld unaufhörlich befriedigt werden.
 
Solange die es nicht ausgeben,
 
und das haben sie in der Vergangenheit nicht getan - warum also sollten sie es in der Zukunft tun,
 
wäre die globale Finanzkrise - soweit Deutschland davon betroffen ist - mit einem Schlag vollständig überwunden.
 
Stellt sich die Frage, ob der Staat überhaupt Falschgeld herausgeben kann, oder ob Geld, das der Staat herstellt, nicht schon per Definition "richtiges Geld" wäre.
Stellt sich die Frage, warum der deutsche Staat überhaupt darauf verzichtet hat, selbst Geld herzustellen.
 
Der Staat, das ist doch keine anonyme Macht, kein willkürhaft regierender Monarch.
Der Staat, das ist der Diener seiner Bürger. Und wenn die Bürger Geld brauchen, um wirtschaften zu können, dann sollte der seinen Bürgern dienende Staat ihnen soviel Geld bereitstellen, wie benötigt wird. Das wäre gar nicht teuer, die Druckkosten könnten wir uns gerade noch leisten.
 
Dass die Absahner dabei im Laufe der Zeit auf immer höher werdenden Bergen von Geld sitzen, die dabei immer wertloser werden, weil dem angesammelten Geld kein entsprechendes Angebot gegenübersteht, geschieht denen doch nur recht.
 

Mitleid?
Nein. Bestimmt nicht.

     

    Handel und Wandel der Realwirtschaft hängen davon ab, dass immer genügend Geld im Umlauf ist. Wie es dorthin kommt, spielt so lange keine Rolle, wie sich Liquidität und Transaktionsvolumen einigermaßen die Waage halten.
     
    Und falls die Herren Horter beschließen sollten, mit ihren angesammelten Geldvermögen das Gleichgewicht zu stören und Inflation zu veranstalten, Hyperinflation sogar, dann hat der seinen Bürgern dienende Staat nicht nur das Recht, sondern sogar die verdammte Pflicht und Schuldigkeit, die unsinnigen Hypervermögen im Zuge einer vernünftigen Währungsreform unschädlich zu machen und aus der Welt zu schaffen.
     
    Das wäre die Chance.
     
    Solange die Uwp/Awp jedoch wieder nur aus Mitteln des Bundeshaushalts beglichen wird, solange also jeder Mehrausgabe entweder eine Minderausgabe, also eine Leistungskürzung, bzw. eine Steuererhöhung gegenüberstehen muss, trägt die Uwp/Awp eben nicht zur Überwindung der globalen Finanzkrise bei, sie verschärft den Geldmangel und damit die Krise.
     
    Uwp/Awp vermindert die umlaufende Geldmenge.
     
    Selbst wenn Uwp/Awp vollständig durch Neuverschuldung finanziert würden, fließt ein großer Teil der Prämien an die ausländischen Hersteller. Ein ebenfalls nicht unerheblicher Teil wird als Gewinn der Anteilseigner der inländischen Automobilhersteller sowie ihrer Vertriebs- und Finanzierungsorganisationen durch Hortung stillgelegt.
     
    SRS-Kranke halten dies für normal.
     
    Daher billigen sie Banken, Versicherungen und großen Industrieunternehmen genau das zu, was sie "Systemrelevanz" nennen, nämlich das Recht, sich im Auftrag und zum Vorteil ihrer Eigentümer in unanständiger und - wenn man die realen Folgen ansieht - in geradezu verbrecherischer Weise zu bereichern.
     
    SRS-Kranke haben die letzten Schranken niedergerissen, die dem größten Raubzug in der Geschichte der Menschheit noch im Wege standen. Erst haben sie dafür gesorgt, dass weltweit die Handelsströme unreguliert fließen durften, und damit insbesondere die Entwicklungs- und Schwellenländer ausgebeutet, dann haben sie Grenzen der Nationalstaaten für Dienstleister aus aller Welt geöffnet, und damit insbesondere Handwerker und andere kleine und mittlere Unternehmer in den Industrienationen an die Wand gedrängt. Zum Schluss haben sie die weltweite Freihheit des Kapitals als höchstes zivilisatorisches Gut in Gesetze und Verträge geschrieben und der Freiheit des Kapitals alle übrigen Rechte, einschließlich der Menschenrechte untergeordnet. Damit wurde die eigentliche Funktion des Systems, das wir Kapitalismus nennen, so offen zur Schau gestellt, wie nie zuvor. Doch die Menschheit vertieft sich lieber in die fiktiven Abenteuer die Harry Potter im Kampf gegen Lord Voldemort zu bestehen hat, statt die Augen zu öffnen und die in der Realität wirkenden dunklen Mächte zur Kenntnis zu nehmen und sich zu verteidigen.
     
    Der Kapitalismus hat noch keines seiner Versprechen gehalten.
     
    Wer mag heute noch glauben,
    dass am Ende der Reise
  • Wohlstand für alle
  • Höhere Lebensqualität
  • Chancengleichheit
  • Bessere Bildung und Ausbildung
  • Arbeitserleichterung, Lebensverlängerung
    und bessere Gesundheit
  • der Sieg über den Hunger oder
  • das Ende der Kriege
       
      stehen wird?
       

Die großen Verheißungen des Kapitalismus stehen alle unter der einschränkenden Bedingung, dass nur dann etwas geschieht, wenn sich die Zwingherren der Liquidität einen Profit davon versprechen. Diese Bedingung pervertiert aber jeden guten Ansatz.

     

     Falsche Versprechungen

    Bittere Realität
    Wohlstand für alle Konsummüll für alle.
    Lebensqualität  Reizüberflutung
     Chancengleichheit Vorrang des Geldes
     Bildung und Ausbildung  isoliertes Funktionswissen
     Arbeitserleichterung  Arbeitslosigkeit
     Lebensverlängerung  angebunden wundliegen für den Pflegebetriebsprofit
     Gesundheit  Krankenversicherungspflicht
    für Jedermann
     Sieg über den Hunger  Flächenstillegung und Erntevernichtung
     Ende der Kriege  Kriege ohne Ende
     
     
     
    Nein.
     
    Dieses System dient nicht der Menschheit und schon gar nicht der Menschlichkeit - und wo immer Elemente dieses Systems von den Hütern dieses Systems als "systemrelevant" bezeichnet werden, sollte man sich weigern, sie zu schützen oder zu retten.
     
     Das geht nicht? Das geht sehr wohl!

    ...und am meisten geht, wenn Sie diesen Aufsatz, oder mindesten diesen Link hier, möglichst heute noch an ein paar Freunde weitergeben.
     
     

    Fazit
     
    Das MGAAI-System, also die Automobilindustrie und alles war daran hängt, wird in absehbarer Zeit gemeinsam mit allen anderen SRS-verseuchten Systemen zusammenbrechen. GM und Opel sind doch keine zufälligen Ausnahmeerscheinungen, sie sind der Anfang.
     
    Rettungsversuche, wie die Umwelt- oder Abwrackprämie, kaschieren Symptome während sie die Krankheit verschlimmern.
     
    Bis zum unvermeidlichen endgültigen Zusammenbruch sollten Sie versuchen, sich ihre geistige Gesundheit durch sorgfältige Hygiene zu erhalten, vor allem durch größte Vorsicht im Kontakt mit jenen Politikern, Experten und Medien, bei denen eindeutige Symptome zu erkennen sind.

    Nur gesunder Menschenverstand wird es ermöglichen, auf den Trümmern des Kapitalismus eine neue, bessere gesellschaftliche Ordnung zu errichten.
     
    In diesem Sinne:
    Bleiben Sie gesund - und wachsam!
     
     
    Egon W. Kreutzer

     
     
     

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

Sehr geehrter Herr Kreutzer,
schauen Sie sich bitte das Video an...

Mit freundlichen Grüßen

Anmerkung Egon W. Kreutzer
ach ja, das hilft gegen die Resignation
Hallo Herr Kreutzer,

es freut mich immer wieder, meine Sichtweisen bei Ihnen wieder zu finden. Wäre es nicht an der Zeit, einen wunderbar pseudowissenschaftlichen Systemrelevanzkatalog aufzubauen und nach seinen Kriterien die
augenblickliche Systemrelevanz unserer Regierung, speziell Frau Merkel, unserer Verwaltung, unserer (?) Banken, unserer Großkonzerne zu eruieren.
Die Relevanz für die Volkswirtschaft der BRD oder auch für die der EU wird sich gegen 0 bewegen, da diese Einheiten sich alle von der Volkswirtschaft abgekoppelt haben und ihre eigenen Nischen bewohnen, sich
nährend vom Speck der inzwischen extrem mageren Volkswirtschaft.

In diesem Lichte besehen, sind Steuerparadiese, wie die Schweiz oder Liechtenstein, fast ein demokratisches Relikt -schließlich darf dort jeder sein Geld verstecken.
Die Systemrelevanz von Frau Merkel ist dabei, diejenige von Herrn Köhler im Nachkommastellenbereich zu überholen.Also könnte man dieses herrlich schwammige Instrument mangels näherer Definition selbst definieren und es zu einem klaren Werkzeug gegen die Relevanzfasler machen.

(So man denn volkswirtschaftlich gebildet wäre (und diese Bildung von der betriebswirtschaftlichen trennen könnte)).Das wäre wahrscheinlich sogar systemrelevant.

Schöne Grüße


    Sehr geehrter Herr Kreutzer,
     
    bei der Lektüre der "Zeitungszeugen" bin ich auf einen Artikel der Zeitung "Germania" vom 05.09.1934 gestossen dem entnommen werden kann, dass es die so viel gerühmte Abwrackprämie in ähnlicher Form bereits gab.
    Zu Ihrer Verfügung hier ein Auszug aus dem Artikel:
     
    Aufhebung der Verschrottungsverordnung
    Steuerbegünstigung auch ohne Verschrottung,
    Im Rahmen des sog, Reinhardt-Programms hat das Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit in seinem Abschnitt II für die Zeit. vom 1. Juli 1933 bis zum 31. Dezember 1934 unter bestimmten Voraussetzungen Steuerfreiheit fürErsatzbeschaffungen vorgesehen. Die Steuerfreiheit war u. a. davon abhängig, daß der neue Gegenstand einen bisher dem Betriebe dienenden gleichartigen Gegenstand ersetzen mußte. Zur Sicherstellung dieser Voraussetzung war die Verschrottungsverordnung vom 13. Dezember 1933 (Reichsgesetzblatt I S. 1071) erlassen worden. Sie bestimmte im Interesse der Ankurbelung der Wirtschaft, daß die Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffung nur gewährt werden durfte, wenn die alten Gegenstände außer Betrieb gesetzt und vernichtet oder verschrottet wurden.
    Das Gesetz über Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen hat zur Belebung der Wirtschaft wesentlich beigetragen. (...)
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