Paukenschlag am Donnerstag
No. 48/2008
vom 27. November 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Albrecht Müllers Frage

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
29 Nine/twenty-eight
30 Von allen guten Geistern verlassen
 31 Nicht einfach zur Flasche greifen
 32 Sommerliche Erfrischungen
 33 Toll, doller., Dollar
34 Der SPD ins Stammbuch
 35 Das Wunder der gekleinten Zahl
 36 gemeinsam austreten
 37 fehlt noch
 38 Stilles Wasser
 39 Harte Landung
40 Die Häuser stehen doch noch
40a Das letzte Aufgebot
41 Ein Garten voller Böcke
42 Die Billionenflut
42a Die Ursache des akuten Geldmangels
43 Ackermanns Liquiditätsvernichtungsplan
44 Mein Gott, ist das aufregend
45 Schwalben im Herbst 
46 Eine Welt - eine Währung? Ein Wahnsinn!
47 Wer unter dem Schirm
 
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Albrecht Müllers Frage


Die fortschreitende Entwicklung der Wirtschaftskrise, die nach meiner Einschätzung eine von den USA ausgelöste Währungskrise ist, führt zu immer neuen Fragen nach den Ursachen, denn es gibt kaum eine Antwort, die nicht fast automatisch eine ungläubige Reaktion zur Folge hätte, die sinngemäß lautet: "Das gibt's doch gar nicht!"

Nun hat auch Albrecht Müller, der Mann, der mit den "Nachdenkseiten" eine der wichtigsten deutschsprachigen Seiten im Internet betreibt, am Dienstag - im Rahmen eines längeren, zweifelnden Textes - eine Antwort auf die Ursachen der Krise verworfen und damit eine neue Frage aufgeworfen, die Beachtung und verdient und beantwortet werden muss.

Albrecht Müller kritisiert die These, die ungerechte Einkommensverteilung habe eine Geldschwemme ausgelöst, die wiederum als Ursache für die Finanzkrise angesehen werden müsse.


Eine Kritik, die ich - so formuliert - durchaus teilen würde, denn die Geldschwemme hat m.E. ganz andere Ursachen, doch Albrecht Müller argumentiert anders: Er sieht nirgends ein Anzeichen für eine Geldschwemme, und bittet um eine Diskussion zur Klärung dieser Frage. Dazu will ich gerne einen Beitrag leisten.

Hier zunächst die Kernthese seiner Kritik:

 Wenn es die Geldschwemme gegeben haben sollte,

dann müsste man doch die Frage stellen dürfen, wo diese Geldschwemme inzwischen, also nach dem Sichtbarwerden der Krise, geblieben ist?

Immerhin ist doch gerade die Citigroup in Not geraten, weil ihr mehrere 100 Milliarden fehlen. Anderen Banken fehlen ähnliche Beträge. Wenn die Geldschwemme die Ursache oder auch nur die Grundlage der Finanzkrise wäre, dann müsste dieses Geld doch jetzt zur Verfügung stehen?

Den Link auf den vollständigen Beitrag finden Sie am Ende dieses Paukenschlags.

Mit dieser Fragestellung offenbart Albrecht Müller, dass es um das Verständnis des Geldes, selbst in den Reihen kritischer und engagierter Volkswirte, schlecht bestellt ist. Kein Wunder, hat sich die VWL in Deutschland in Bezug auf die Erforschung des Geldes doch weitestgehend abstinent verhalten und sich damit begnügt, das Geld als nichts als einen Schleier zu betrachten, hinter dem die eigentlichen Vorgänge des Wirtschaftens - unabhängig vom Geld - beobachtet und erklärt werden können.

 

Hat es eine Geldschwemme gegeben?

Diese Frage ist in mehrfacher Hinsicht unpräzise. Abgesehen davon, dass sie keinerlei Hinweis enthält, welcher Zeitraum in die Betrachtung eingehen soll und wie sich eine "Geldschwemme" quantitativ von einer normalen oder angemessenen Geldmenge abgrenzen lässt, impliziert sie die Gewissheiten, die "Geldschwemme" sei bereits Vergangenheit - und (besonders problematisch) für "Geld" existiere eine allgemeingültige und universelle Definition. Beides ist mitnichten der Fall.

Es lässt sich daher nicht vermeiden, der weiteren Diskussion einige einfache Definitionen zum Geldwesen und Erläuterungen zu den Prozessen im Geldsystem voranzustellen.

 

Eine Definition von "Geld"
die für die Beantwortung dieser Frage hilfreich ist

Es ist nicht erforderlich, alles aufzuzählen, was im allgemeinen Sprachgebrauch als Geld angesehen wird - und es ist nicht erforderlich aufzuzählen, was im Jargon der Banker und Finanzwissenschaftler als Geld bezeichnet und in Geldmengenaggregaten zusammengefasst wird - es ist aber erforderlich zu unterscheiden, zwischen

  • Geld mit intakten Zahlungsmitteleigenschaften und
  • solchem "Geld" das seine Zahlungsmitteleigenschaften eingebüßt hat und das ich deshalb lieber nicht als Geld, sondern als Geldvermögen bezeichne.

Diese Unterscheidung ist deshalb so wichtig, weil nur Geld mit intakten Zahlungsmitteleigenschaften in der Lage ist, Rechnungen, Steuern, Zinsen, Mieten usw. zu bezahlen, weil nur Geld mit intakten Zahlungsmitteleigenschaften als kaufkräftige Nachfrage am Markt auftreten kann und weil nur Geld mit intakten Zahlungsmitteleigenschaften - wenn es in zu großer Menge auftritt - in der Lage ist, inflationäre Prozesse auslösen.

Was Geld mit intakten Zahlungsmittelfunktionen ist, offenbart sich an der Kasse jedes Supermarktes.

Man kann dort mit Münzen und Banknoten sowie (mit unterschiedlichen Methoden) mit Buchgeld aus dem Sichtguthaben eines Girokontos bezahlen.

Aber es wird nicht gelingen, an der Supermarktkasse mit Geld zu bezahlen, das auf einem Tagesgeldkonto oder auf dem Sparbuch geparkt ist. Auch jede andere Form von "Geldanlagen", die nach Ablauf einer Frist und/oder Eintreten anderer Bedingungen eine fällige "Forderung auf Geld" darstellen, wie zum Beispiele alle festverzinslichen Wertpapiere, können nicht unmittelbar verwendet werden, um einen Einkauf im Supermarkt zu bezahlen. Solche Anlagen sind "Geld ohne Zahlungsmittelfunktion", also "Geldvermögen".

 

Wie kommt Geld mit Zahlungsmittelfunktion in die Welt - und wie lange existiert es?

Die Zeiten des Warengeldes sind vorbei. Gold und Silber sind aus dem Zahlungsverkehr verschwunden. An die Stelle werthaltiger Metalle in normierter Stückelung mit Prägezeichen ist ein Geld getreten, das selbst keinen Wert hat.

Ein Geld, das nicht als "besondere Ware" neben allen anderen Waren existiert, sondern ein Geld, das zusätzlich zu den Waren existiert und als "universelles Tauschhilfsmittel" da verfügbar sein sollte, wo in einer arbeitsteiligen Gesellschaft der direkte Tausch unterschiedlicher Produkte und Leistungen der einzelnen Marktteilnehmer "Ware oder Leistung des A gegen Ware oder Leistung des B" unmöglich geworden ist.

Geld, das keinen inneren Wert hat, ist demzufolge keine Ware. Was aber ist es dann?

Um diese Frage zu beantworten ist es zweckdienlich, die Frage zu stellen, wie "Geld" hergestellt wird, wer es herstellt und wie es in Umlauf gebracht wird.

Geld wird grundsätzlich von den Geschäftsbanken in die Welt gesetzt.

Der Prozess ist einfach:

Die Bank schreibt dem Girokonto eines Kunden einen Betrag gut und verzeichnet auf dem Kreditkonto des Kunden den gleichen Betrag als Schuld. Der Kunde, dessen Konto vorher auf Null stand, hat nun ein Guthaben von beispielsweise 1.000 Euro und eine Schuld von 1.000 Euro.

Am Vermögen des Kunden hat sich nichts verändert. Saldiert man Guthaben und Schuld, bleibt wieder nur der Wert Null. Auch das Vermögen der Bank hat sich durch diesen Akt nicht verändert - und natürlich hat sich auch am Vermögen keines anderen Kunden dieser Bank etwas verändert.

Der einzige Unterschied:

Der Kunde kann jetzt 1.000 Euro nutzen, um etwas zu bezahlen.

Das konnte er vorher nicht. Dafür ist er verpflichtet, das "Tauschhilfsmittel" das ihm die Bank zur Verfügung stellte, wieder zurückzuzahlen, d.h. er muss tilgen - und für die Zeitspanne zwischen Ausleihe und Tilgung hat er Zinsen zu zahlen.

Geld entsteht also durch Kreditgewährung.


Geld geht aber auch bei Tilgung wieder unter.

Wenn der Bankkunde 1.000 Euro von seinem Girokonto verwendet, um seinen Schuldsaldo auf dem Kreditkonto zu tilgen, dann stehen beide Konten auf Null. Das Geld, das die Bank aus dem Nichts als "Schmiermittel" für eine Transaktion ihres Kunden in die Welt gesetzt hat, ist mit der Tilgung wieder im Nichts verschwunden. Es kann von keinem anderen Kunden genutzt werden. Es steht auch der Bank nicht zur Verfügung. Es ist weg, so wie es in die Welt gekommen ist.

 

Übrig bleibt allerdings die Zinsforderung der Bank.

Die kann der Schuldner regelmäßig nur dadurch erfüllen, dass es ihm gelingt, mehr Geld einzunehmen, als er sich geliehen hat.

Gäbe es nur einen Schuldner, wäre die Sache offensichtlich:

Es ist ihm vollkommen unmöglich, das geliehene Geld zurückzuzahlen und die geforderten Zinsen aufzubringen, weil das Geld für die Zinsen zu keinem Zeitpunkt in Umlauf gekommen ist.
Da es viele Schuldner und viele Kredite gibt, ist die Sache sehr unübersichtlich. Am Prinzip ändert sich jedoch nichts.

Damit alle Schuldner ihre Darlehen mit Zins und Tilgung pünktlich bedienen können, ist ein stetes Anwachsen der Kreditgewährung erforderlich.

Dieser Satz ist unwiderlegbar. Es gibt keinen Ausweg und kein Entrinnen.

 

Der Wachstumszwang

Das notwendige Anwachsen der Kreditgewährung ist die eigentliche Triebfeder für die Notwendigkeit des allgemein beschworenen Wachstums. Keine Volkswirtschaft kann - in unserem Geldsystem - ohne Wachstum existieren, weil nur das erwartete Wachstum die Kreditwürdigkeit schafft, die Unternehmen, Konsumenten und der Staat den Banken nachweisen müssen, damit diese gewillt sind, neue Kredite auszureichen und damit die ordentliche Bedienung der alten Schulden zu ermöglichen.

Wachstum der Wirtschaft und Wachstum der Verschuldung führen jedoch nicht auch zu einem Wachstum der verfügbaren Geldmenge mit Zahlungsmittelfunktion, im Gegenteil: Je älter eine Volkswirtschaft ist, desto geringer ist - gemessen am Geldvermögen - die Menge des verfügbaren Geldes mit Zahlungsmittelfunktion.

Das liegt daran - und jetzt nähern wir uns dem Kern der Frage von Albrecht Müller - dass insbesondere diejenigen Marktteilnehmer mit den sehr hohen und höchsten Einkommen das ihnen zufließende Geld nicht als Zahlungsmittel verwenden, sondern es auf die unterschiedlichste Weise stilllegen:

1. Horten von Banknoten im Safe

Die einfachste und am leichtesten nachvollziehbare Methode, dem Markt Geld zu entziehen, ist es, sich von der Bank Banknoten zu kaufen (bezahlt wird per Abbuchung vom Girokonto) und diese irgendwo zu bunkern.

2. Liquiditätsreserven auf dem Girokonto

Ebenso einfach ist es, ein Guthaben auf dem Girokonto stehen zu lassen und nicht zu verwenden.

In beiden Fällen werden Zahlungsmittel gehortet - und damit die Tilgung der bestehenden Kredite der übrigen Markteilnehmer zusätzlich erschwert. Es ist dabei gleichgültig, ob diese Guthaben und Bargeldbestände aus Zinsgutschriften oder aus Unternehmensgewinnen, aus Mieteinnahmen oder einfach nur aus Gehaltszahlungen stammen.

Jeder Zuwachs der Menge solcher Geldreserven, erzwingt eine zusätzliche Neuverschuldung und damit zusätzliches Wachstum.

 

3. Sparen, also befristete Anlage von Geld

Jeder Akt des Sparens mindert die im Markt befindliche Menge von Geld mit Zahlungsmittelfunktion für die Dauer der vereinbarten Anlagefrist. Das beginnt beim Tagesgeldkonto und hört bei 99-jährigen Anleihen nicht unbedingt auf.

Dass Banken Kundeneinlagen nutzen können, um ihrerseits damit Geschäfte zu finanzieren, heißt nicht, dass sie das auch tun müssen.

4. Import und Auslandsinvestitionen

Werden Zahlungen an Empfänger in fremden Währungsräumen erforderlich, muss Geld gegen Devisen aus den Reserven (der Zentralbank) getauscht werden. Dieses Geld lebt dann als "Zahlungsmittel" im fremden Währungsraum auf, während es im eigenen Währungsraum aufhört zu existieren.

5. Sphäre der Finanzspekulation

Geld, das zwischen Spekulanten hin und her geschoben wird, stammt, wie alles Geld, aus Krediten. Zum Teil aus Krediten, die aus der Sphäre der Realwirtschaft stammen, zum Teil aus Krediten, die ausschließlich zur Finanzierung von Finanzengagements gewährt wurden.
Je lukrativer die "Gewinnaussichten" in der Finanzwirtschaft gegenüber den Renditeerwartungen der Realwirtschaft aussehen, desto mehr Geld fließt in die Sphäre der Finanzwirtschaft und der Spekulation. Der Teil, der aus realwirtschaftlichen Krediten stammt, wird der Realwirtschaft damit dauerhaft entzogen, was die Kreditwürdigkeit der Marktteilnehmer der Realwirtschaft schädigt.

Alle fünf hier angesprochenen Wege, Geld mit Zahlungsmitteleigenschaften stillzulegen bzw. dem Kreislauf der Realwirtschaft zu entziehen, erhöhen den Bedarf an zusätzlichen Krediten zur Bedienung der Altschulden und damit den Wachstumsdruck auf die Realwirtschaft.

 

Die Blasenbildung

Wenn das reguläre Wachstum der Realwirtschaft nicht ausreicht, um das notwendige Wachstum der Kreditvergabe zu rechtfertigen, lassen Banker, Zentralbanker sowie Wirtschafts- und Finanzpolitiker die Bildung von Blasen zu.

Ob es sich um Kurskapriolen von dot.com-Unternehmen handelt, ob die Preise auf den Immobilienmärkten himmelwärts stürmen, oder ob die EU neue Beitrittsländer aufnimmt - immer wird so dafür gesorgt, dass den notwendigen neuen Krediten neue Sicherheiten und/oder neue Schuldner gegenübergestellt werden können.

Das Ziel dabei:

Aus den neuen Krediten möglichst große Mengen Geldes als persönliche Gewinne stilllegen zu können und das Geldvermögen zu mehren.

Die Politik der USA, mit Hilfe massiver Staatsverschuldung und massiver Verschuldung der Bürger ständig neues Geld in den Markt zu pumpen, um einerseits alte Kredite bedienen und andererseits neue Gewinne realisieren zu können, hat eine "Währungsblase" ungeheuerlichen Ausmaßes hervorgebracht, von der die gigantischen Dollarbestände in den Zentralbanken Asiens und Europas ebenso zeugen, wie die von Warenbewegungen vollkommen unabhängigen, absurd hohen Finanzströme, die täglich rings um den Erdball bewegt werden.

 

Die Deflation und die Sachwerte

Der Anstieg der Verschuldung, ein Prozess, der in unserem Geldsystem angelegt ist und in diesem System nicht vermieden werden kann, führt zwangsläufig an einen Punkt, an dem die fälligen Forderungen auf Geld, die von den Geldvermögen an die Märkte gestellt werden, nicht mehr erfüllt werden können, weil die Banken das Risiko weiterer Kreditvergaben nicht mehr auf sich nehmen wollen.

Ist dieser Zeitpunkt erreicht, wird das Geld mit Zahlungsmitteleigenschaften knapp. Um die fälligen Zinsen und Tilgungsleistungen dennoch aufbringen zu können, ist nun kein anderer Weg mehr offen, als Sachwerte zu verkaufen.

Als Interessenten für Sachwerte stehen die Halter von Geldvermögen zur Verfügung, die jedoch, je kritischer die Geldknappheit wird, um so zurückhaltender mit ihren Angeboten werden. Der Zustand, der nun erreicht ist, heißt gemeinhin Deflation.

In Deutschland leben wir seit Jahren in der Realwirtschaft in einem deflationären Zustand, der sich am Rückgang der Löhne und Sozialleistungen ebenso ablesen lässt, wie an den forcierten Privatisierungs-Anstrengungen der Öffentlichen Hand und - siehe Bahn - den sinkenden Hoffnungen auf ausreichende Privatisierungserlöse.

Der Absturz der Börsenkurse ist ebenfalls ein Zeichen von Deflation, weil diejenigen, die Geld brauchen, keine andere Chance sehen, als sich von ihren Wertpapieren zu trennen, während diejenigen, die das Geld gekidnappt haben, keine Eile haben, durch überstürztes Nachfragen die Preise in die Höhe zu treiben.

Gleiches vollzieht sich, weitgehend unbemerkt, im Bereich der privaten Immobilien und - in großem Maßstab - auch bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen.

 

Dass Banken, wie die Citigroup, kein Geld mehr haben und unterstützt werden müssen, liegt paradoxerweise daran, dass Banken nicht mehr in ausreichendem Maße Kredite vergeben, mit denen sie die Liquidität in den Markt bringen, die dieser braucht, um seinen Verpflichtungen aus den Altschulden nachzukommen.

Banken, die Kredite vergeben, müssen das von ihnen geschaffene Geld im Kundenauftrag (per Überweisung) an andere Institute abgeben. Dies können sie nur, solange sie ihr Zentralbankkonto ausgleichen können. Dafür aber werden unter anderem auch die die Zuflüsse aus der Tilgung alter Kredite benötigt. Bleiben diese aus, weil zu wenig Geld mit Zahlungsmitteleigenschaften durch neue Kredite hergestellt wird, werden die Banken selbst klamm.

Nun haben die Banker eingesehen, dass das Rad überdreht ist, dass das Schneeballsystem "Kreditgeld" an seine Grenzen gestoßen ist und dass neue Kredite selbst auf Basis des größtmöglichen Wachstums der realen Wirtschaftsleistung nie mehr getilgt werden können - es sei denn, im Rausch einer großen Inflation.

Wer dennoch Kredite vergibt, wird die eigene Insolvenz beschleunigen. Wer keine Kredite vergibt, kann die eigene Insolvenz verzögern.

 

Staatliche Stützung und Hyperinflation

Die Billionenbeträge, die derzeit von Zentralbanken und Regierungen als Finanzspritzen, Beteiligungen und Bürgschaften in die Welt gesetzt werden, dienen nur einem einzigen Zweck: Zeitgewinn.

Es muss dringend Geld mit Zahlungsmitteleigenschaften zur Verfügung gestellt werden, um Realwirtschaft und öffentliches Leben so lange es noch geht aufrecht zu erhalten.

Dafür ist der Staat als Schuldner oder Bürge dank seiner hohen Bonität gut geeignet - und die Zentralbanken, als "lender of last resort", sind in der Lage, mit recht leichter Hand, die erwünschte zusätzliche Liquidität bereitzustellen. Das Risiko ist ja nicht so sehr die (theoretisch mögliche und für die Verantwortlichen peinliche) individuelle Insolvenz des Instituts, sondern "nur" der allgemeine Crash der Währung ihres Währungsraumes.


Der allergrößte Teil der Stützungsgelder fließt allerdings auf kurzem Wege wieder ab. Ein Teil (glücklicherweise) in die Tilgung von Altschulden, ein sehr großer Teil aber dummerweise auch direkt in die Horte des Geldvermögens.

Das Anwachsen des nominal verfügbaren, weltweiten Geldvermögens steht in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zum Wirtschaftswachstum. Dieses "Geldvermögen" entwertet sich und das umlaufende "Geld" durch sein massenhaftes Auftreten selbst. Ein Prozess, der durch die Milliardenhilfen nur noch beschleunigt wird.

Der finale Akt, der uns noch bevorsteht, wird sein, dass die gigantischen Mengen flüssigen Geldes mit Zahlungsmitteleigenschaften, die derzeit von Regierungen und Notenbanken bereitgestellt werden, die Märkte auf der Suche nach den letzten rettenden Sachwerten überschwemmen und sowohl die Börsenkurse wie auch die Preise in den Supermärkten in schwindelerregende Höhen treiben.

 

Dann wird das Ausmaß der Geldschwemme
nicht mehr zu übersehen sein.


Ein Tsunami ist ein Dreck dagegen.



hier der Link auf den auslösenden Artikel in den Nachdenkseiten:

 http://www.nachdenkseiten.de/?p=3615


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Freimut Kahrs

Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Krise. Viele Wissenschaftler, Wirtschaftsführer und Politiker stehen vor einem Rätsel.
Deregulierung und Flexibilisierung haben nicht Wachstum und Vollbeschäftigung, sondern Finanzcrash und Wirtschaftskrise hervorgebracht.

Freimut Kahrs hat nach den Ursachen gefahndet - und Lösungen gefunden.

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Als Service, für diejenigen Paukenschlagleser, die gerne noch einmal die Vorgeschichte der Krise nachvollziehen möchten, hier eine Art historischer Abriss über die wichtigsten Aufsätze der Vergangenheit zum Thema:

 Vorläufer 3 /2007 Internationaler Wettbewerb
  14 /2007 Einstürzende Luftschlösser
  20 /2007 Lügenmärchen für Kinder, Enkel und die zukünftigen Generationen
  25 /2007 Das Ende ist nahe
  28 /2007 Nullnummer 2011
  29 /2007 Schuldenfreies Düsseldorf
 Heiße Phase 33 /2007 Das Beben der Märkte
  42 /2007 Beunruhigendes
(Beben Teil 2)
  48 /2007 Die Banken-, Dollar-, Airbus-Krise
    3 /2008 Estate - real estate - Hypo real estate
    4 /2008 Nur ein Börsencrash?
  12 /2008 Die Welle
  14 /2008 Über den Unterschied zwischen Privatisierung und
  15 / 2008 Spurlos verschwunden - 945 Mrd. Dollar
  21 /2008 Verfassungsgut Kapitalismus
  26 /2008 Gesetz zur Förderung gewerblicher Diebstahls-, Raub- und Erpressungsunternehmungen
  27 /2008 Nun spart mal schön!
  33 /2008  Toll, doller, Dollar
 Finale furioso 39 /2008 Harte Landung
  40 /2008  Die Häuser stehen doch noch
  40a /2008 Das letzte Aufgebot
  41 /2008 Ein Garten voller Böcke
  42 /2008 Die Billionenflut
  42a /2008  Die Ursache des akuten Geldmangels
  43 /2008  Ackermanns Liquiditäsvernichtungsplan
  46 /2008  Eine Welt, eine Währung? ein Wahnsinn!
  47 /2008 Wer unter dem Schirm
     
     

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.
Hallo Herr Kreutzer,

Ihr letzter Paukenschlag gibt ja offenbar viel Anlass einige Dinge ums Geld nochmals genauer zu erläutern. Dazu will ich nun auch einen Versuch wagen, etwas beizutragen. Es geht mir um das Thema "geplatzte
Kredite", was ja momentan ebenfalls sehr bedeutsam ist, und deren möglicher Rolle bei der Tilgung, nämlich, Schulden und Zinsen bezahlen ohne zusätzliche Geldschöpfung.
Ich habe schon mehrfach vermisst, dass Sie diesen Effekt, den Sie im Teil 12 von "Der Fluss des Geldes" so gut dargestellt haben, nicht auch angesprochen haben, denn nur damit erscheint mir manches erst vollständig.

So wie ich das verstanden habe, führen geplatzte Kredite zu "befreitem Geld", wie Sie es genannt haben. Dieses befreite Geld kann nun umlaufen, ohne dass dafür noch irgendwo ein entsprechendes Schuldenkonto offen ist. Mit diesem Geld können dann natürlich auch andere Schulden und Zinsen zurückgezahlt werden.
In Summe gilt doch dann, dass in dem Maße wie geplatzte Kredite vorhanden sind (in D um die 3 % aller Kredite), freies Geld zur Verfügung steht, um die infolge der Zinsforderungen zusätzlich nötige
Geldmenge (-> Wachstumszwang) wieder auszugleichen. Es hängt somit nach meinem Verständnis allein von der Relation zwischen Anteil an geplatzten Krediten und Effektivzins ab, ob tatsächlich ein stetig
wachsender Geldbedarf und damit ein Wachstumszwang vorliegt. Umgekehrt gilt natürlich auch, dass über die Zinsforderungen die vagabundierende Geldmenge an "befreitem Geld" wieder "eingesammelt"
werden kann (nur wenn alle Zentralbanken zusammenhelfen!).

Ein 2. Punkt was Albrecht Müllers Frage betrifft, ist das System der VGR (Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung). Sie gehen darauf bisher nicht ein, es scheint mir aber ein entscheidender Punkt in den
Vorstellungen bei Albrecht Müller zu sein.
Wenn A. Müller schreibt "... Zum Teil sind sie im simultanen Prozess in der Produktion als Investitionen in den Betrieben geblieben. Zum Teil sind sie als Dividenden oder als Spitzeneinkommen, Vergütungen, Boni und Abfindungen an die Spitzenverdiener geflossen. Aber wieso sollte man annehmen, dass dies zu einer Geldschwemme geführt hat, womit zugleich insinuiert wird, diese Einkommensbezieher wüssten
nicht, wo und wie sie dieses Geld anlegen sollen?...",

dann bezieht er sich auf die Gleichsetzung von Ersparnissen mit Investitionen (S = I), wie das in der VGR üblich ist. Ich glaube, dass auch hier noch ein "Modellfehler" vorliegt, den die meisten Nationalökonomen und
Volkswirte nicht sehen wollen. Haben Sie sich mit dieser Thematik schon mal näher befasst?

Viel Erfolg weiterhin mit Ihrer Aufklärungsarbeit.

Mit freundlichem Gruß

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Vielen Dank für diese Anregungen.
1.) Die Sache mit den geplatzten Krediten und der (positiven) Folge für die Geldversorgung, dass nämlich ein ausgebuchter Kredit nicht mehr getilgt werden braucht und das dadurch von der Tilgungspflicht "befreite" Geld die Neuverschuldungskette durchbricht, stellt (leider) nur einen Teilaspekt der Gesamtproblematik dar.
Die ausreichende Geldversorgung der Realwirtschaft wird ja nicht nur durch die aus dem Geldsystem resultierenden Darlehenszinsen beeinträchtigt, sondern durch auch durch jegliche andere Form der "Stilllegung" von Liquidität. Diese habe ich im vorstehenden PaD 48 /2008 angesprochen. Somit hängt der Wachstumszwang (leider) von allen unter 1 bis 5 angesprochenen Prozessen der Liquiditätsschmälerung ab.

2.) Dass die Gleichsetzung von Ersparnissen und Investitionen eine in die Irre führende Vereinfachung von Sachzusammenhängen darstellt, ist ja kein Geheimnis. Wer damit unreflektiert und ungeniert außerhalb des volkswirtschaftlichen Sandkastens argumentiert, muss sich gefallen lassen, dass man sein Wissen um die Realität in Frage stellt. Ich habe mich damit befasst und eine wohlbegründete "Reform" der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung vorgeschlagen, die insbesondere die Verteilungsseite und die dort bewirkten Vermögensveränderungen ausweist. Hier der Link:
 PAD35 /2007 Vokswirtschaftliche Gesamtrechnung

 


Hallo Herr Kreuzer!

In Bezug auf die zukünftige Entwicklung stimmt es mich zwar wenig optimistisch, doch leider ist es tatsächlich so traurig wie Sie es beschreiben.
Denn entgegen aller logischer Hinweise und Hilfsmittel, die unseren wissenschaftlichen Eliten gegeben wurden, frönt man weiterhin der Ideologie eines von Beginn an (un-)endlichen Systems. Deshalb ist es nur recht und billig, dieses Versagen anzusprechen und offen anzuprangern:

„…, dass es um das Verständnis des Geldes, selbst in den Reihen kritischer und engagierter Volkswirte, schlecht bestellt ist. Kein Wunder, hat sich die VWL in Deutschland in Bezug auf die Erforschung des Geldes doch weitestgehend abstinent verhalten und sich damit begnügt, das Geld als nichts als einen Schleier zu betrachten, hinter dem die eigentlichen Vorgänge des Wirtschaftens - unabhängig vom Geld - beobachtet und erklärt werden können.“

Aus welchem Grund, außer durch bewusste persönliche Vorteilnahme, kann ich denn ein solches System, ohne entsprechende Evaluation der Einzelkomponenten zur allgemeinen gültigen Lehre erklären und frei geben!? Man kann einfach nicht hinnehmen, dass der simple Schneeballeffekt der Kreditfinanzierung mit Zinseszins übersehen wurde!

„Der Wachstumszwang

Das notwendige Anwachsen der Kreditgewährung ist die eigentliche Triebfeder für die Notwendigkeit des allgemein beschworenen Wachstums. Keine Volkswirtschaft kann - in unserem Geldsystem - ohne Wachstum existieren, weil nur das erwartete Wachstum die Kreditwürdigkeit schafft, die Unternehmen, Konsumenten und der Staat den Banken nachweisen müssen, damit diese gewillt sind, neue Kredite auszureichen und damit die ordentliche Bedienung der alten Schulden zu ermöglichen.“

Der Ausweg aus dieser Misere darf aber nicht einfach die große „Hyperinflation“ sein um dann wieder nur bei Null anzufangen! Wir müssen dabei das Gelernte auch umsetzen! Wir müssen eine breite Diskussion über unsere Gesellschaft in Gang bringen, die nicht nur unsere jetzigen Systeme in Frage stellt, sondern auch wieder die wichtigen und lange Zeit ungestellten Fragen formuliert!

Warum leben wir in einer Gesellschaft?

Wozu ist diese Gesellschaft da?

Was erwarten wir von dieser Gesellschaft?

Und wenn wir das alles unmittelbar beantworten können, stellt sich doch die Frage: warum haben wir diese Ziele noch nicht erreicht?

Nun, wir haben offensichtlich die falschen Systeme!

Aber gibt es ein fertiges, einfaches und zugleich dynamisches System, dass man benutzen kann? Nein! So etwas hat offensichtlich niemand in der Tasche!

Es gibt aber bestimmte Regeln oder „Naturgesetze“ nach denen man sich richten sollte. Ich möchte an dieser Stelle mal wieder Ihr Werk zur Überwindung des aggressiven Eigentums herausstellen. Dort Skizzieren Sie eine mögliche Lösung für dieses Problem…

Wer dieses Buch kennt weis was ich damit sagen will. (Nicht ganz fair, ich weis, aber ich möchte hier und jetzt keine großen Passagen zitieren…).

Wir brauchen also eine neue Form der Demokratie, die eine direktere als unsere jetzige sein sollte. Die teilweise, wie die der „Offenen Gesellschaft“ beschrieben aber nicht festgeschrieben wird. In der die Regierenden auch abgewählt werden können und in der eine Verfassung nur durch die Menschen und nach intensiver Diskussion und Auseinandersetzung mit ihnen geändert werden kann! In der visionäre Ziele gesetzt und beschrieben werden.

Vor allem aber, müssen wir zu einer Kultur finden, die eine würdige Auseinandersetzung mit der wissenschaftlichen Forschung möglich macht. In der es nicht um Wirtschaft und Profit geht, sondern um die Fort- und Weiterentwicklung der Menschen. In der es nicht um Ehre und Ruhm, sondern um Wahrhaftigkeit geht.

Deshalb müssen wir versuchen, klare, leicht verständliche und somit auch leicht angreifbare Modelle zu schaffen. Nur so können wir gewährleisten, dass solche Modelle immer wieder verbessert und überarbeitet werden können! Folgende Zitate von Karl Popper in […] eingefügt:

[„Jede Theorie und jede wissenschaftliche Position sollte so formuliert werden, dass eine Kritik so leicht wie möglich ist („Wer's nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten bis er's klar sagen kann.“). Seine Kritik am Obskurantismus ist aber nur ein Aspekt einer umfassenderen Kritik Poppers an dem von ihm so genannten „Professionalismus“. Er wandte sich gegen die „professionelle Ethik“, ein unausgesprochenes Gentlemen-Agreement, das vorschreibt, dass Universitätsprofessoren ihre Autorität gegenseitig beschützen sollten. Er setzte dem die Forderung intellektueller Bescheidenheit entgegen…“]

Ein Anspruch auf Wahrheit oder gar Alleingültigkeit schließt sich dabei aus! Wir können immer nur das vorziehen, was sich tatsächlich als neu bzw. als wissenschaftlicher Fortschritt herausstellt und in der praktischen Anwendung bewährt. Wir dürfen nicht weiter der Anmaßung unterliegen! [„das ist das Phrasendreschen, das Vorgeben einer Weisheit, die wir nicht besitzen. Das Kochrezept ist: Tautologien und Trivialitäten gewürzt mit paradoxem Unsinn. Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat“]

Um das Ganze ein wenig abzukürzen empfehle ich hier den Abschnitt „Wissenschaftstheorie“ im Artikel „Karl Popper“ auf Wikipedia. Und den Hauptartikel „Falsifikationismus“

Keine Angst! Das geht schon noch!

Man darf sich nur nicht von der fachidiotischen Phrasendrescherei abschrecken lassen, wie gesagt…

Oh, sorry, das das wieder so lang geworden ist! Ich hatte aber leider wieder keine Zeit!

Bis die Tage


Guten Morgen Herr Kreutzer,

danke für den neuen Paukenschlag - diesmal besonders interessant!
Aber von mir eine kleine Anmerkung:

Sie schreiben:

„Damit alle Schuldner ihre Darlehen mit Zins und Tilgung pünktlich bedienen können, ist ein stetes Anwachsen der Kreditgewährung erforderlich.

Dieser Satz ist unwiderlegbar. Es gibt keinen Ausweg und kein Entrinnen.“

Meine Anmerkung: Dieser Satz ist sehr wohl widerlegbar – und das sogar sehr einfach. Es lassen sich Bedingungen formulieren, unter denen in einem geschlossenem System eine Kreditgewährung mit Zinsen zu keinem Anwachsen der gesamten Forderungen bzw. Verbindlichkeiten führen.

Einfaches Beispiel: In einer simplen Modellwelt mit nur zwei Personen (1 Gläubiger, 1 Schuldner) besteht Stabilität bereits dann, wenn in jeder betrachteten Periode Zahlungsmittel vom Gläubiger zum Schuldner in Höhe der vom Schuldner zu leistenden Zinsen und Tilgungen fließen und diese Geldströme Eigenkapitalcharakter haben (z.B. Löhne oder Umsatz).

Beste Grüße

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Die Antwort auf diesen Hinweis gebe ich hier gerne auch allgemein zur Kenntnis:

Sehr geehrter Herr ...,

danke für den Einspruch - dennoch muss ich ihn zurückweisen.

Ich spreche eben nicht von einer idealen Modellwelt, ich spreche nicht einmal von der Lösung, die ich für sinnvoll und machbar halte - ich spreche ausschließlich von der Realität in der wir heute leben und kritisiere Albrecht Müller, der diese Realität so nicht wahrnimmt.

Die von Ihnen vorgetragene Situation hat aber den Reiz einer so hohen Abstraktion, dass ich nicht widerstehen kann, ein bisschen Wermut in den allzu vereinfachten Wein zu gießen:



1. Wofür hat der Schuldner A das aus dem Kredit erhaltene Geld verwendet?

Wir haben nur zwei Personen. Also hat der Schuldner mit dem Kredit eine Leistung des Gläubigers abgenommen. Einen anderen vernünftigen Verwendungszweck sehe ich nicht.

2. Wie ist der Gläubiger B an das Geld gekommen, das er A geliehen hat?

Der Gläubiger B muss eine Bank sein, die in einem Akt der Geldschöfpung das Geld und die Schuld für A erzeugt hat. Eine andere Herkunft des Geldes im 2-Personen-Modell sehe ich nicht - bzw. ist jede andere Herkunft auf diese Ausgangssituation zurückzuführen.

3. A hat also Schulden, B hat eine Forderung an den A in Höhe der Schulden (=Tilgung) + laufende Zinsen (= Gewinn). B hat zudem das Geld wieder, denn er hat dem A dafür etwas verkauft, z.B. einen Pflug, den er irgendwo gefunden hat.

4. A setzt nun, als gewissenhafter Schuldner, den Pflug ein, um per Intensivierung seiner Landwirtschaft mehr produzieren zu können, als er selbst benötigt. Diesen Überschuss verkauft er in jeder Periode an den B, der ihm dafür in jeder Periode genau so viel Geld gibt, wie A benötigt, um Zins und Tilgung leisten zu können.

5. Gehen wir davon aus, dass das Darlehen auf 1.000 Taler lautet, über fünf Jahre laufen soll, dass jährlich 200 Taler zu tilgen sind und die Restschuld mit 10% p.a. zu verzinsen ist.

Dann ergibt sich folgender Verlauf:

Gesamtschuld zu Beginn: 1.000 Taler
Fällig nach 1 Jahr 300 Taler
Restschuld nach 1. Jahr 800 Taler

Der B kauft dem A also Überschüsse aus landwirtschaftlicher Produktion für 300 Taler ab, damit dieser die vereinbarte Zahlung zur Bedienung des Darlehens erbringen kann.

Fällig nach 2. Jahr 280 Taler
Restschuld nach 2. Jahr 600 Taler

Der B muss sich jetzt entweder im Konsum einschränken, oder der A muss akzeptieren, dass der B den Preis nach unten verhandelt.

Fällig nach 3. Jahr 260 Taler
Restschuld nach 3. Jahr 400 Taler

Fällig nach 4. Jahr 240 Taler
Restschuld nach 4. Jahr 200 Taler

Fällig nach 5. Jahr 220 Taler
Restschuld nach 5. Jahr 0 Taler

Das sieht so noch ganz passabel aus, aber wir haben vergessen, dass B in Wahrheit zwei Rollen hat, nämlich die Rolle der Bank - und die Rolle des Konsumenten.
Wir haben vergessen, dass das von der Bank als Kredit bereitgestellte Geld mit der Tilgung verschwindet.

Nach dem ersten Jahr verfügt der B also über die 1.000 Taler aus dem Verkauf des Pfluges. Davon verwendet er 300, um sich Brot und Kartoffeln zu kaufen. Es bleiben ihm 700. Der A tilgt 200 - die sind weg - und zahlt dem B 100 Taler Zinsen, die bleiben ihm, also hat er jetzt noch 800 Taler auf dem Konto.

Nach dem zweiten Jahr zahlt er von den 800 Talern 280 Taler an den A, 80 fließen zurück, bleiben ihm 600.

Nach dem dritten Jahr zahlt er von den 600 Talern 260 an den A, 60 fließen zurück, bleiben ihm 400.

Nach dem vierten Jahr zahlt er von den 400 Talern 240 an den A, 40 fließen zurück, bleiben im 200

Nach dem fünften Jahr zahlt er von seinen letzten 200 Talern 220 an den A?



Mit besten Grüßen
Egon W. Kreutzer


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

und genau hier

##### Zitat Beginn:
Der Wachstumszwang

Das notwendige Anwachsen der Kreditgewährung ist die eigentliche Triebfeder für die Notwendigkeit des allgemein beschworenen Wachstums. Keine Volkswirtschaft kann - in unserem Geldsystem - ohne Wachstum existieren, weil nur das erwartete Wachstum die Kreditwürdigkeit schafft, die Unternehmen, Konsumenten und der Staat den Banken nachweisen müssen, damit diese gewillt sind, neue Kredite auszureichen und damit die ordentliche Bedienung der alten Schulden zu ermöglichen.

##### Zitat Ende:

liegt der Kasus Knacktus:

Welche Rolle nehmen demnach die Banken ein...?

Die Banken stehen demzufolge an erster Stelle in unserer Volkswirtschaft.
Erst danach folgt der Staat, vertreten durch die Regierung, und erst ganz am Ende kommen alle anderen...
Ich wage also die Behauptung, daß die Banken innerhalb der Volkswirtschaft eine kriminelle Rolle spielen...?

Freundliche Grüße


sehr geehrter herr kreutzer

mit sehr grossem interesse verfolge ich seit nunmehr 3 jahren ihre paukenschläge, immer bissig, immer treffgenau

wenn ich da an die dieswöchige rede mehrerer abgeordneter, sowie die von der merkeline und konsorten gehaltenen ansprachen zum bundeshaushalt 2009 ans volk denke, wird mir nur noch übel

substanzloser geht es ja wohl nicht mehr.

wenn die damen und herren wirklich so weiter wirtschaften wollen, sind wir wirklich bald am ende des geldes angekommen

aber vieleicht gibt es ja eine alternative, ich fand auf der seite--------http://alles-schallundrauch.blogspot.com/-------- eine

recht nette idee der amerikanischen indianer welche eine eigene bank gegründet haben und mit tatsächlichem gold sowie

silber als zahlungsmittel dem-- way of life--den wind aus den segeln nehmen wollen

was halten sie von solchen ideen ?

über eine antwort von ihnen würde ich mich freuen

mit freundlichen grüssen

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Die Rückkehr zu einem Warengeld ist eine verlockende Idee - koppelt aber die Geldversorgung an die Verfügbarkeit des Edelmetalls. Dies ist problematisch, weil sich daraus grundsätzlich deflationäre Tendenzen entwickeln müssen, was bedeutet, dass das Währungsmetall gegenüber den übrigen Waren permanent im Wert steigt. Das begünstigt genau diejenigen, die das Warengeld horten.
Was mir besser gefiele, habe ich in meinen Aufsätzen zum Geld ausführlich beschrieben. Ich empfehle, alle zugehörigen Artikel zu lesen, weil damit das Verständnis für meinen Lösungsvorschlag erleichtert wird.
 Übersicht alle Aufsätze zum Geld
Lösungsvorschlag




Am 27. Nov 2008 um 14:16:50 schrieb Egon W. Kreutzer:

>findet sich reichlich Stoff für eine weiterführende Debatte.

"Übrig bleibt allerdings die Zinsforderung der Bank.
Die kann der Schuldner regelmäßig nur dadurch erfüllen, dass es ihm gelingt, mehr Geld einzunehmen, als er sich geliehen hat.Gäbe es nur einen Schuldner, wäre die Sache offensichtlich:
Es ist ihm vollkommen unmöglich, das geliehene Geld zurückzuzahlen und die geforderten Zinsen aufzubringen, weil das Geld für die Zinsen zu keinem Zeitpunkt in Umlauf gekommen ist."

Richtig.

"Da es viele Schuldner und viele Kredite gibt, ist die Sache sehr unübersichtlich. Am Prinzip ändert sich jedoch nichts."

Falsch.

Bereits ab dem zweiten Kredit ist mehr Geld in den Umlauf
gekommen, als benötigt wird um den ersten zurückzuzahlen.

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Was heißt hier falsch? Muss der zweite Kredit denn nicht zurückgezahlt werden? Und muss nicht laufend höherer Kredit aufgenommen werden, um die durch Zins und Zinseszins wachsenden Altschulden abtragen zu können?

"Damit alle Schuldner ihre Darlehen mit Zins und Tilgung pünktlich
bedienen können, ist ein stetes Anwachsen der Kreditgewährung
erforderlich. Dieser Satz ist unwiderlegbar. Es gibt keinen Ausweg und kein
Entrinnen."

Das stimmt so nicht ganz. Wenn die Bank die eingenommen Zinsen selber
wieder ausgibt (Miete, Löhne), dann ist es sehr wohl möglich, ohne
Wachstum die Kredite samt Zinsen zurückzuzahlen.

Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Netter Versuch.
Es ist zwar praktisch ausgeschlossen, doch theoretisch zumindest denkbar, dass der Bankensektor versuchen könnte, alle Zinseinnahmen durch Investitions- und Konsumausgaben dem Markt wieder zuzuführen. Doch da stellt sich ein Problem. Wie soll denn der Bankensektor die Zinsen ausgeben, bevor er sie eingenommen hat?

Auch wenn Sie mit monatlichen Raten arbeiten, kommen Sie doch nicht um die Schlussrate herum. Damit wird das Problem anfangs kleingehalten - was aber nichts daran ändert, dass auch der anfänglich kleine Fehlbetrag über die Zeit exponentiell wachsen muss.

Das Problem sind also Leute wie Ackermann und Co, welche 25% Rendite
verlangen. Würden die Geschäftsbanken genauso wie die Bundesbank die
Jahresüberschüsse an den Staat abführen, bräuchte man kein Wachstum.

Banken verstaatlichen, Problem gelöst...

--

Mit freundlichen Grüßen,


Lieber Herr Kreutzer,

auch ich habe Herrn Albrecht Müller geschrieben. Nicht ganz so ausführlich wie Sie und auch didaktisch wahrscheinlich nicht so ausgereift, inhaltlich Ihre Argumentation aber voll und ganz unterstützend.

Ich habe ihm darüberhinaus mitgeteilt, dass mir die Sehstörungen (um nicht zu sagen: Blindheit) fast aller Ökonomen, was den Mechanismus, der für die Geldversorgung unserer Wirtschaft zuständig ist, mittlerweile allergrößte Sorge bereiten. Die Ursachen für die krisenhaften Zuspitzungen werden einfach nicht wahrgenommen. Stattdessen flüchtet man sich allerorten in Plattheiten (Kanzlerin Angela Merkel), Aktionismus (Forderungen nach Konjunkturprogrammen quer durch alle Lager), Ignoranz (Prof. Sinn, Peer Steinbrück), Trotz (Hans-Olaf Henkel) und Propaganda (Meinungsforschungsinstitute und Medien).

Einzig Die Linke scheint langsam aber sicher ins richtige Fahrwasser zu kommen. Die Rede von Oskar Lafontaine zum Bundeshaushalt 2009 lässt da für die Zukunft noch einiges erwarten!

Ich bin mir mittlerweile sicher, dass uns im nächsten Jahr der ganze Laden "um die Ohren fliegt". Angesichts der bisherigen Gleichgültigkeit unserer Mitmenschen angesichts des drohenden Chaos, wird dies vielleicht auch in einem Punkt sein Gutes haben: Der Leidensdruck wird bei vielen, gerade auch bei denen, die sich bislang nicht betroffen fühlten, dafür sorgen, dass die Bundestagswahl 2009 für die Großkoalitionäre zum Debakel werden könnte. Vielleicht erhält Deutschland ja auf diese Weise die Möglichkeit, auf demokratischem Wege, ohne Bürgerkrieg und Massenenteignungen, als Speerspitze einer europa- oder sogar weltweiten Bewegung, für eine Umkehr zu sorgen und nach und nach die vielen falschen Paradigmen der gängigen Wirtschaftslehren ad absurdum zu führen.

Mit besten Grüßen

Sie haben den Daumen auf der Wunde, Herr Kreutzer!
Herr Müller versteht lediglich den Unterschied zwischen Geld und Geld nicht, und weil nicht nur er und auch nicht der Herr Troost dahinterkommen, kommt unsere Regierung - der Herr Troost ist schließlich Mitglied des Bundestages - erst recht nicht dahinter. Gehortetes Geld ist totes Geld, denn es bringt keine Renditen. Renditen würde es bringen, würde es in den Wirtschaftskreislauf geleitet, z.B. über Kredite. Da ist aber das Problem aufgelaufen, daß diese nicht mehr bedient werden können (sprich "faule" Kredite), und daß deshalb eher darauf verzichtet wird. Ergo "arbeitet" die Bank nicht mehr mit dem Geld oder bekommt verliehenes Geld nicht wieder zurück, aber wovon soll sie denn nun die Zinsen für diejenigen bezahlen, die ihr das Geld zum Zwecke seiner Vermehrung geliehen haben? Ohne Input kein Output. Hinzu kommt, daß das umlaufende Geldvermögen immer mehr durch höhere Preise und Tarife belastet wird - das ohnehin schon knapp bemessene Geld wird dadurch noch knapper, und bei denjenigen, wo ohnehin schon zuviel davon da ist, häuft sich noch mehr an - ein wahrer Teufelskreis, der letztendlich in genau die Situation hat münden müssen, in der wir uns befinden, in Deutschland, wie auch hier in Rußland! Und wenn weiter gutes Geld in diese schlechte Sache gepumpt wird, wird es noch schlimmer, und das für alle Beteiligten.

Der einzige halberwege vernünftige Ausweg wäre, eine anständige Besteuerung (50% wäre gar nicht mal so unanständig...) unanständig hoher Vermögen und eine Begrenzung für unanständig hohe Einkommen, und der Rest in Staates Verfügung zur Aufstockung der längst nach Erhöhung lechzenden Rentenbeträge, Arbeitslosenbezüge und Lehrergehälter!

Naja, entweder ein Ende mit Schrecken für das lumpige 1 Bevölkerungsprozent, das die hohen Vermögen angehäuft hat, oder ein Schrecken ohne Ende für die lumpigen 99 Restprozente der Bevölkerung. Deutlicher kann ich es wirklich nicht ausdrücken.

Mit besten Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,

wieder einmal ein geduldig und sorgsam geschriebener Beitrag zur Geldfrage.

Nur an einer Stelle habe ich eine Frage:

"Jeder Zuwachs der Menge solcher Geldreserven, erzwingt eine zusätzliche Neuverschuldung und damit zusätzliches Wachstum."

Das dürfte nicht so ohne weiteres nachvollziehbar sein.
Das jeweilige Subjekt ist nicht klar.

.... erzwingt wo und bei wem?

Wer diesen Zuwachs hat, braucht sich nicht neu zu verschulden. Nur die unter der so verursachten Knappheit an Zahlungsmitteln leidenden Marktteilnehmer, würden sich verschulden müssen, wenn es bei ihnen knapp wird.
Wenn die Bank aber das bei ihr gesparte Geld nutzt, um entweder Verbindlichkeiten zu tilgen oder das Geld anderen zur Verfügung zu stellen, gibt es keine Verknappung. Oder?

Mit guten Grüßen


Anmerkung von Egon W. Kreutzer

Zu betrachten ist immer die gesamte Volkswirtschaft bzw. der Währungsraum. Wenn Geld "stillgelegt" wird, kann es nicht mehr zur Tilgung von Schulden eingesetzt werden. Es ist vollkommen egal, wer sich verschuldet. Ob es der Staat ist, der damit die Rentenkasse füllt und es so den Rentnern ermöglicht, ihre Schulden zu tilgen, ob es ein Unternehmer ist, der eine neue Fabrik errichtet und es so dem beauftragen Bauunternehmer ermöglicht, einen Kredit zu bedienen, ist vollkommen gleichgültig. Wichtig ist, dass immer mindestens so viel neues Geld in den Markt kommt, wie dem Markt über Tilgung und Hortung entzogen wird.
Die Rolle der Bank ist dabei etwas schwieriger, als es scheint. Jede Einlage bei einer Bank ist eine Verbindlichkeit der Bank gegenüber dem Einleger. Natürlich kann die Bank diese Einlage nutzen, um eine andere Verbindlichkeit zu tilgen, ändert damit aber nichts an der Höhe der Gesamtverschuldung - und wenn die Bank Einlagen "anderen zur Verfügung" stellt, dann nennt man das: Einen Kredit gewähren. Die Schulden der "Nichtbanken" wachsen also.

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