Paukenschlag am Donnerstag
No. 45/2008
vom 6. November 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Schwalben im Herbst
(We
need a change)

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
29 Nine/twenty-eight
30 Von allen guten Geistern verlassen
 31 Nicht einfach zur Flasche greifen
 32 Sommerliche Erfrischungen
 33 Toll, doller., Dollar
34 Der SPD ins Stammbuch
 35 Das Wunder der gekleinten Zahl
 36 gemeinsam austreten
 37 fehlt noch
 38 Stilles Wasser
 39 Harte Landung
40 Die Häuser stehen doch noch
40a Das letzte Aufgebot
41 Ein Garten voller Böcke
42 Die Billionenflut
42a Die Ursache des akuten Geldmangels
43 Ackermanns Liquiditätsvernichtungsplan
44 Mein Gott, ist das aufregend
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Schwalben im Herbst
(We
need a change)

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. So heißt es, wenn im Frühling die ersten Zugvögel nach Mitteleuropa zurückkehren. Die Frühlingsschwalbe ist ein Anzeichen dafür, dass der Winter endgültig zu Ende ist, dass die Tage länger und wärmer werden. Aber erst wenn sie in hellen Scharen über Pfützen und Tümpeln nach Fliegen jagen, um die ewig hungrigen Jungvögel in den Nestern zu füttern, erst dann ist Sommer.

Zu glauben, die Abfolge der Jahreszeiten würde sich ändern, wenn Schwalben versehentlich im Herbst auftauchen, ist töricht.

 

Schwalbe Ypsilanti

Die Landtagswahl in Hessen war ein Debakel. Nicht, weil die Wähler versagt haben - die hätten mit ihren Stimmen eine Koalition links von Roland Koch ermöglicht.

Die Parteien haben versagt - speziell die SPD. Statt sich darauf zu besinnen, eine eher linke Partei zu sein und ganz selbstverständlich eine Koalition mit einer anderen linken Partei anzustreben, hat man die Chance zum Wechsel vertan.

Frau Ypsilanti hat nun nach langen und intensiven Gesprächen und Verhandlungen den Versuch unternommen, doch noch eine Regierung zu bilden. Wir haben ein paar Wochen lang mit angesehen, wie die Schwalbe in die Lüfte stieg, wie sie versuchte, sich mit ihresgleichen zu vereinigen, ein Nest zu bauen und rot-grün-rote Projekte auszubrüten. Dann kam ein kalter Windhauch, und der Höhenflug fand ein jähes Ende, weil ein paar rote Vögel mit der Masse davongeflogen sind.

 

Schwalbe Tiefensee

Die Bahn muss verkauft werden. Steinbrück braucht die Kohle für den ausgeglichenen Haushalt. Niemand in der Regierung, nicht Frau Bundeskanzler, nicht Herr Außenminister, nicht Herr Verkehrsminister hat davon gewusst, dass die Vorstände der Bahn für den Börsengang belohnt werden sollten, ganz egal, was dafür erlöst wird.

Weil das im Grunde ein vierfacher Skandal ist,

  • ein Skandal, dass die Bahn als wichtige Infrastruktureinrichtung der Republik überhaupt verkauft werden soll,
  • ein Skandal, dass der Kaufpreis so unglaublich tief unter dem Wert der Bahn liegen sollte,
  • ein Skandal, dass man die Vorstände mit Prämienzahlungen auch noch angestachelt hat, den Verkauf voranzutreiben, und
  • ein Skandal, dass nun keiner der verantwortlichen Eigentümer etwas von diesen Prämien gewusst haben will,
haben wir zunächst etwas fliegen sehen dürfen, was sich dann aber schnell als ein als Bauernopfer verkleideter Staatssekretär aus dem Verkehrsministerium herausstellte.
 
Doch auch Tiefensee dürfte wohl kaum im Amt überwintern können. Zu rau weht der Wind. Die Schwalbe wird nach Süden ziehen - und vielleicht nach der Bundestagswahl, völlig unerwartet wieder eintrudeln. Dann ist aber wieder Herbst...
 
 
 
Schwalbe Steinbrück

Mit kräftigen Flügelschlägen verlässt da einer das Nest, nimmt Abschied vom Ziel des ausgeglichenen Haushalts und schwingt sich auf in die endlosen Weiten des Geldalls. Nichts nimmt er mit, von dem was ihm einst heilig war, im Gegenteil, er schüttet sein Füllhorn aus, aus dem wunderbarerweise weit mehr quillt, als Steinbrück seit Amtsantritt zusammengespart hat, und verplempert so zum Abschied Hunderte von Milliarden Euro. Da wird ein Nachfolger nicht genügen, um das aus den Steuerbürgern wieder herauszuquetschen, was die Schwalbe den Eigentümern der Banken schnell noch in die Taschen schiebt.
 
 
 
Schwalbe Bush
 
Für George Walker, den Geläuterten, der seine Aufträge von Gott persönlich erhielt, ist der Herbst mit aller Macht hereingebrochen. Wen wird Gott nun wohl ausersehen, den Kampf gegen den Terror mutig und unterschrocken weiterzuführen, nachdem sein treuer Diener von feigen Wählern hinterhältig aus dem Amt geworfen wurde?
 
Das sei Blasphemie, meinen Sie?

Dann fragen Sie sich doch einmal, ob Sie sich erinnern können, dass es auch nur ein christlicher Kirchenoberer gewagt hätte, öffentlich und klar den Unterschied zwischen der christlichen Lehre und Bushs Taten aufzuzeigen und ihm im Namen Gottes Einhalt zu gebieten.

Eigentlich müssten die jetzt in großen schwarzen Schwärmen auffliegen. Aber das mit dem Auffliegen, das haben sie nicht so gut drauf. Es sind ja auch keine Schwalben, eher schon Krähen, da hackt der eine dem anderen kein Auge aus.
Die haben es mehr mit dem Deckel-drauf- und Unter-der-Decke-Halten.
 
 
Schwalbe Sodann

Ein Schauspieler, mit dem Herz auf dem rechten Fleck, übt sich im Herbst 2008 in der Rolle des Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten.

Eine Schwalbe ohne jede Chance, aber solange Sodann diese Rolle ausfüllt, solange er so ehrlich bleibt, so unverblümt und so unverdorben, solange er noch nicht ins nichtssagende Politikergeschwafel verfällt, sondern sich in bewundernswerter, weil absolut klarsichtiger Naivität hinstellt und selbst dem allerhöchsten Kaiser ins Gesicht sagt, wie erbärmlich nackt er sei, solange kann er dazu beitragen, dem Volk den Unterschied klar zu machen, zwischen der Amtsführung, wie wir sie kennen - und der Art, wie das Amt auch ausgefüllt werden könnte.
 
Sodann ist nicht "Papa Heuß", ganz bestimmt nicht - aber Horst Köhler ist von diesem großen Vorbild noch weiter entfernt - allerdings in der anderen Richtung.
 
Und weil Horst Köhler sich wieder wählen lassen will, hier noch einmal der Aufsatz, den ich am 5. März 2004, anlässlich der ersten Nominierung Köhlers zum Kandidaten geschrieben habe.
 
Den Schluss habe ich blau kursiv ergänzt.
 

Global Player's President?

ein Kommentar zur Nominierung des Kandidaten von CDU/CSU und FDP für das Amt des Bundespräsidenten

Egon W. Kreutzer
05. 03. 2004



Köhler, Horst
Banker

 

Was geht uns der IWF an, und was die Weltbank? Wir haben diese Institutionen erfolgreich aus unserem Blickfeld verbannt. Viel zu kompliziert, was die da machen und außerdem betrifft es uns nicht. Klar, in den Nachrichten haben wir von diesen irregeleiteten Globalisierungsgegnern gehört, die immer wieder Randale machen, wenn IWF und Weltbank zum Wirtschaftsgipfel rufen, aber: Hat das die Polizei nicht inzwischen ziemlich gut im Griff?

Es ist müßig, sich an dieser Stelle über die Rolle von IWF und Weltbank zu verbreiten. Es gibt genügend Informationen im Netz . Weil Weltbank und IWF eine recht zurückhaltende Informationspolitik treiben, handelt es sich dabei vornehmlich um kritische Stimmen, aber das sollte niemand daran hindern, sich trotzdem damit zu beschäftigen. Schließlich haben sich auch Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle in den letzten Tagen damit beschäftigen müssen, bevor sie - nach langer, quälender Diskussion um viele andere Namen - in einer Nacht- und Nebelaktion gemeinsam beschlossen, den bisherigen Chef des Internationalen Währungsfonds zum Bundespräsidenten wählen zu lassen.

Merkel und Stoiber, qua Parteizugehörigkeit "Christen" und Westerwelle, der "Liberale", können die folgende Aussage nicht übersehen haben, als sie sich für Köhler entschieden. Vor fast genau einem Jahr, am 15. Februar 2003, sagte Köhler der FAZ - mit Blick auf Europa und speziell auch Deutschland:

"Es fehlt der Wille zur schöpferischen Zerstörung sklerotischer Strukturen. Die Arbeits- und Sozialkosten müssen gesenkt werden, die Steuern müssen runter, und es muß ein investitionsfreundliches Klima geschaffen werden."

Da kommt also in wenigen Wochen ein Präsident an Bord, den die Lust am Kaputtschlagen umtreibt. Kann ein Mann, der die Interessen der Investoren über alle anderen Interessen stellt, dem Anspruch des Amtes, nämlich "Präsident aller Deutschen" zu sein, überhaupt gerecht werden?

Er selbst wird nicht den geringsten Zweifel daran haben. Gefangen in dem Denkgebilde:

"Sinkende Kosten schaffen bessere Chancen im internationalen Wettbewerb, bessere Chancen führen zu mehr Umsatz, mehr Umsatz erfordert mehr Produktion, mehr Produktion schafft mehr Arbeitsplätze, mehr Arbeitsplätze schaffen mehr Wohlstand",

wird er jeden Sozialabbau, jede Lohnkürzung, jede Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und die fortschreitende Entrechtung der Menschen als notwendige Vorbedingung für die Wende zum Besseren ansehen, die er als Präsident für alle Deutschen gleichermaßen anstrebt. Sich selbst sieht er möglicherweise in der Riege jener selbstlosen, tragischen Helden, die der unbarmherzige Lauf der Geschichte dazu verdammt, grausam zu sein, damit nach ihnen Friede, Freude und ewiger Wohlstand Einzug halten können.

Ist ein Mann, der glaubt, den Interessen des Volkes nur mittelbar - über den Umweg der Interessen des Kapitals - dienen zu können, wirklich die beste Wahl für das Amt des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland?

Horst Köhler hat in ersten öffentlichen Äußerungen betont, dass er den Veränderungsprozess unterstützen will.

Begleitete Johannes Rau den Veränderungsprozess bisher mit präsidialer Milde und der Mahnung, die Bevölkerung mit der Flut der Reformen nicht zu überfordern, wird sich Horst Köhler solcher Sozialschwärmereien mühelos enthalten können. Er wird immer für schnelle, harte und schmerzhafte Einschnitte plädieren.

 

Sinkende Arbeitskosten verbessern die Chancen auf dem Weltmarkt. Richtig.

Aber das sagt der IWF allen Staaten!

...und solange sich alle Staaten, die ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht mit der Nonchalance der USA über Notenpresse und Währungskursmanipulationen überwinden können, an diese Empfehlung halten, kann der Wettlauf um die niedrigsten Arbeitskosten nie aufhören.

Alle Völker, die sich dem Dogma "Wachstum durch Lohnverzicht" unterwerfen und sich dem ruinösen Wettbewerb der Standorte stellen, werden sich am Ende ihrer Bemühungen in der vollständigen Versklavung wiederfinden.

Gewinner sind die so genannten "Global Player". Investoren, deren Kapital skrupellos diejenigen Standorte bevorzugt, an denen die Selbstversklavung am weitesten fortgeschritten ist. Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle wollen den Mann, der das Konzept der Globalisierung tief verinnerlicht hat, zum Bundespräsidenten wählen lassen. Die Demoskopen sagen, das hätte sich in den Umfragewerten bereits positiv bemerkbar gemacht und Frau Schwan, die vom Regierungslager vorgeschlagene Kandidatin, hätte keine Chance.

 

Bleibt also nur, Herrn Köhler alles Gute zu wünschen.

Einen Lottogewinn, oder, noch besser, die Sofort-Rente.

Vier Jahre Köhler sind genug.

Denn der fromme Wunsch von vor vier Jahren:

Vor allem, dass es ihm gelingen möge, die Chancen zu nutzen, die das neue Amt bietet.

Dem Bundespräsidenten Köhler steht es frei, den Blick weit über den Horizont von Krediten und Renditen hinauswandern zu lassen, bis hinter allen Zahlenkolonnen die Menschen zu erkennen sind. Eine Aussicht, die dem Banker Köhler womöglich nie vergönnt war.

Dieser Wunsch hat sich nicht erfüllt.
Köhler ist Banker geblieben. Glatt und unverbindlich.

Die Vorstellung, dass Horst Köhler in nicht allzuferner Zukunft Barack Obama als Staatsgast zu empfangen haben wird, löst bei mir nur einen Gedanken aus:

We need a change!

 

Schwalben soll man fliegen lassen.
 
Es kommen harte Zeiten auf uns zu.
Zu hart für flinke kleine Vögel.
 


 

 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.
Hallo Herr Kreutzer

Die Stimmung schwankt! In diesem Augenblick könnte sich das Blatt endgültig wenden. Allen Maßnahmen zum Trotze – eben noch hat Monsieur Trichet den Leitzins gesenkt, eben noch ist Obama Präsident geworden, eben noch hat Frau Milliardärin Klatten einen Barscheck über 900 Millionen ausgestellt um Ihren längst schon hörigen Konzern vor dem Absturz zu bewahren…ach nee sorry, das hat ja jetzt nichts miteinander zu tun oder(?) – ungeachtet all dieser Eingriffe fallen die Kurse. Nun sollten wir uns so langsam bereit machen.

Schwalben – viel zu schön ist dieser Vergleich!

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer! Aber ein ganzer Schwarm davon macht zumindest schon mal eine ganze Menge heiße Luft! Viel mehr als heiße Luft haben die Kandidaten aus dem heutigen Paukenschlag leider nicht mehr zu bieten. Es ist schon fast peinlich, wie blindlings Frau Ypsilanti in die „Simonis-Falle“ getappt ist. Aber das ist ja nicht der erste Fall von machtgeiler Selbstaufgabe in der Politik. Die Grünen haben das ja schon auf Bundesebene bis zur Selbstzerstörung zelebriert. Und eigentlich tut die SPD das schon seit Jahrzehnten. Sogar die CSU ist jetzt auf den Trichter gekommen und die Linken versauen sowieso grad allen Altkapitalisten den Spaß an der Politik! Und die CDU? Hm, ist das nicht traurig!? Die CDU ist eigentlich immer konsequent langweilig geblieben…

Schwalbe Tiefensee? „Stille Seen sind tief“ oder so ähnlich. Leider ist dieser Herr weder still noch besonders tiefgründig. Ich wünsch ihn mir zwar manchmal tief in einem See aber na ja…man kann nicht alles haben…

Die Schwalbe „Steinbrück“ ist ja schon ein Gegensatz in sich! Wie der mit seinem Schnabel Mücken fangen soll ist mir ein Rätsel!

Den Dabbelju hab ich schon abgehakt, sorry! Aber der Hinweis auf die „christlichen“ Kirchenhäupter war wirklich mal angebracht! Leider ist das nicht das erste Mal in der Geschichte, wo die Kirche schwieg. Ich fürchte es wird auch nicht das letzte Mal sein.

Dem Köhler freilich, seines alten Namens wegen auch „Holzkokler“ genannt, traue ich nun wirklich alles zu! Der würde auch den Sommer herbeireden ohne mit der Wimper zu zucken! Der hat konsequent seine Karriere verfolgt und dabei stets darauf geachtet das er nicht die Hand beißt die ihn einst gefüttert hat.

Oh, ich vergaß, bleibt doch noch eine Schwalbe, die zu verhöhnen ich nicht wage! So dann und wann kommt einer der es einfach wagt. Ganz so wie Sie es andeuten, möchte ich meine Hochachtung und Bewunderung für diesen mutigen Menschen zum Ausdruck bringen! Die kindlichen Eigenschaften dieses alten Mannes (’Verzeihung) sind in den meisten erwachsenen Menschen leider völlig verschüttet! Schade!

Und wo wir über soviel Lügen und Betrügen reden, ach in diesen Tagen, braucht es auch mal etwas Ablenkung! Darum nun eine Schwalbe die zu meinen liebsten Texten zählt:

Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo-

Aber halt! Auch dieses schöne Lieblingsgedicht von Theodor Fontane entspricht leider nicht ganz der Wahrheit. Es liegt zwar eine wahre Begebenheit zu Grunde, doch wurden die Tatsachen zum Zwecke des Reimes und der Melodie doch arg verdreht! Wie im wirklichen Leben halt. Boah glaubse, nö!? Getzt habbich auch kein Bock mehr…

Bis die Tage

______________________________________
Anmerkung von Egon W. Kreutzer:

nicht jeder kennt Theodor Fontanes "John Maynard" - daher hier der komplette Text:

John Maynard


John Maynard!
"Wer ist Maynard?"

"John Maynard war unser Steuermann,
Aushielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Die "Schwalbe" fliegt über den Eriesee,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee,
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann;"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund':
"Noch dreißig Minuten... Halbe Stund'."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt' und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, buntgemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich's dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"

"Ja, Herr. Ich bin."

"Auf den Strand! In die Brandung!"

"Ich halte drauf hin."

Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. -

"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Theodor Fontane


Lieber Herr Kreutzer,

wie immer brillant. Meiner Meinung nach fehlt die Schwalbe Obama die vom Wandel flötet aber unter dem Strich des Lied singen muss und wird, dessen Brot sie isst.
Die Messlatte wird für sie viel zu hoch gehängt und zum Schluss wird sich die Schwalbe Obama als flügellahmer Geier erweisen, der weit unter der Messlatte rumflattert.
Mal im Ernst...der Mann kann weit weniger bewegen als prophezeit und die Vorschußlorbeeren sind wie der Rest nur Show fürs dumme Volk. Für den Durchschnittsamerikaner, egal welcher Hautfarbe, ändert sich mal grade gar nichts.Und wenn...dann bestimmt nicht zu seinem Vorteil ... warum auch ?!

Mit freundlichen Grüßen aus dem Ausland schmähend



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