Paukenschlag am Donnerstag
No. 44/2008
vom 30. Oktober 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Mein Gott, ist das aufregend!

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
29 Nine/twenty-eight
30 Von allen guten Geistern verlassen
 31 Nicht einfach zur Flasche greifen
 32 Sommerliche Erfrischungen
 33 Toll, doller., Dollar
34 Der SPD ins Stammbuch
 35 Das Wunder der gekleinten Zahl
 36 gemeinsam austreten
 37 fehlt noch
 38 Stilles Wasser
 39 Harte Landung
40 Die Häuser stehen doch noch
40a Das letzte Aufgebot
41 Ein Garten voller Böcke
42 Die Billionenflut
42a Die Ursache des akuten Geldmangels
43 Ackermanns Liquiditätsvernichtungsplan
 
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Mein Gott,
ist das aufregend!

Erinnern Sie sich an Didi Hallervorden, in dem Sketch, in dem er einen Menschen mimt, der ohne jegliche Vorkenntnis erstmals ein Fußballspiel erlebt; wie er immer wieder in höchster Erregung sein unvergessliches: "Mein Gott, ist das aufregend!" herausstößt?
Wenn ich mir heute die Experten so ansehe, die auf der Tribüne der Weltwirtschaft hocken, sich vor lauter Verwunderung unentwegt die Augen reiben, als hätten sie noch nie etwas von Devisen, Börsen, Aktien, Krediten, Gewinnausschüttungen und Konkursen gehört, wenn ich mir anhören muss, wie sie sich in untauglichen Versuchen gegenseitig überbieten, uns zu erklären, was da gespielt wird, dann kommen sie mir alle vor, wie Didi.

Mein Gott! Ist das aufregend.

Und allen Klugschwätzern, die auch in dieser Situation der Versuchung nicht widerstehen können, jede frisch gewonnene Erkenntnis mit den einleitenden Worten: "Ich habe schon immer gesagt...", zu verbrämen, sollte endlich einmal erklärt werden, dass normale Menschen unter "immer" gemeinhin mehr verstehen, als den kurzen Zeitraum zwischen zwei abrupten Änderungen der nach außen vertretenen Meinung.

Ich gebe zu,
dass ich das, was ich heute sage,
nicht schon immer gesagt habe.


Ich habe erst vor sieben Jahren begonnen, zu erklären, wie Wirtschaft tatsächlich funktioniert. Weil ich damals selbst erst begriffen habe, wohin die Reise tatsächlich führt. Die "Soziale Marktwirtschaft", das war der Bahnhof, an dem wir in den Zug eingestiegen sind. Inzwischen haben wir sie weit hinter uns gelassen.

Manchmal lese ich selbst noch einmal, was ich damals schon geschrieben habe.
Hier sind drei kurze Kapitel aus "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre - Band I"
Ein paar Sätze habe ich jetzt rot eingefärbt.

Kapitel 56
Ein kleiner Happen Volkswirtschaft

Volkswirtschaft? Mein Gott, gibt es noch Völker? Die Volkswirtschaft ist, solange sich der Staat nicht wesentlich einmischt, nichts als Statistik. Mischt sich der Staat wesentlich ein, nähern wir uns der Staatswirtschaft, die Staatswirtschaft hat sich aber inzwischen auch unter Volkswirtschaftlern als ungeeignete Wirtschaftsform erwiesen.

Wenn Sie also unbedingt wissen wollen, wie hoch der Überschuss der Exporte Ihres Landes über die Importe Ihres Landes ist, dann befragen Sie die Statistik. Der Volkswirtschaftler wird Ihnen anschließend erklären, ob das so gut ist, oder ob es besser sein könnte, oder ob es sogar schlecht ist. Er wird Ihnen unter Umständen daraus Prognosen auf die künftige Geldwert-Stabilität im Binnenmarkt und auf den Außenwert der eigenen Währung anbieten, er wird ganze Branchen in die Krise triften sehen, und er wird Ihnen erklären, wie sich der Beschäftigungsgrad (oder die Arbeitslosenquote) entwickeln wird. Er wird Ihnen erklären, mit welchen Unsicherheiten seine Prognosen belastet sind, und er wird erklären, warum seine Prognosen sich bisher immer nur im allgemeinen Trend - nie aber auf dem Punkt - mit der Realität getroffen haben. Chefvolkswirte großer deutscher Banken erklären bisweilen einem desinteressierten Fernsehpublikum, warum eine Steuerreform notwendig bzw. überfällig wäre, oder ob der Sparkurs des Finanzministers für die Bürger, die Großindustrie und den Mittelstand gut sei, oder nicht. Aber auch diese Herren wechseln ihre Meinung bisweilen schnell, weil sie, als gut informierte Menschen, natürlich jede neue Information sofort in ihre Prognosen aufnehmen müssen und sich, wenn sie à jour bleiben wollen, um das Geschwätz von Gestern nun wirklich nicht kümmern können.

Nichts gegen die Statistik, wirklich nicht. Aber alle Welt ist im Globalisierungsfieber. Die Grenzen der Volkswirtschaften haben sich längst spurlos aufgelöst. Was die Nationalökonomen an Umsatz, an Wachstum, an Gewinnen, an Bruttosozialprodukt als ‚Wirtschaftskraft' auf die Staatsfläche, auf ihr Territorium projizieren, ist nicht das Ergebnis souveräner Weichenstellungen des Staates und der wirtschaftlichen Kräfte dieses Staates, sondern das Ergebnis von Entscheidungen, die - völlig unabhängig von den eigentlichen Potentialen der betroffenen Volkswirtschaften - in den Konzernzentralen international tätiger Unternehmen und in den Börsensälen der Finanzzentren dieser Welt getroffen werden.

Rein national tätige Unternehmen nennenswerter Größe gibt es in den Industrienationen kaum noch. Die Volkswirtschaft kommt kaum nach, die Entwicklung zu dokumentieren und muss immer öfter zugeben, dass kaum zu beeinflussende externe Faktoren, wie z.B. die Konjunktur in den USA, auf den Arbeitsmarkt in Deutschland einen so starken Einfluss haben, dass auch die bestgemeinten nationalen Anstrengungen nichts dagegen ausrichten können.

Vielleicht wäre es an der Zeit, die Volkswirtschaft den historischen Fakultäten zuzuschlagen. Staatsgeschichte, Abteilung Zeitgeschichte, Unterabteilung Wirtschaft.

Kapitel 57
Ein großer Brocken: Die Weltwirtschaft

Die Weltwirtschaft ist ein instabiles System, das, wie das globale Wetter, allenfalls chaostheoretisch beschreibbar ist, nach dem Motto: Es kann sein, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings im Mündungsdelta des Orinoko ‚ausschlaggebend' für eine fünf Jahre später einsetzende Dürrekatastrophe in der Sahelzone ist (muss aber nicht).

Man könnte genauso gut sagen, dass der Beschluss des Würstchenbudenbesitzers in Fuhlsbüttel, seine Bude endgültig zu schließen und in Rente zu gehen, der Auslöser für eine weltweite Rezession sein kann (aber nicht muss).

Im Augenblick ist die Weltwirtschaft fest im Griff multinationaler Großunternehmen. Geld und Warenströme bewegen sich ungehemmt über die Grenzen nationaler Hoheitsgebiete und hinterlassen großflächigen Mangel, während sich gleichzeitig kleine Oasen des Überflusses bilden.

Ob es nun in den Regenwäldern beginnt, an Regenwald zu mangeln, weil die Baumriesen als Wegwerfbesteck in die japanischen Müllverbrennungsanlagen wandern, oder ob es in den ehemaligen Industrieregionen beginnt, an Arbeit zu mangeln, weil sich die Industrie über die Grenzen hinweg auf den Weg gemacht hat in Regionen, in denen noch akuter Müll- und Verschmutzungs- mangel herrscht, ob es in weiten Regionen Nordamerikas beginnt, an Wasser zu mangeln, weil es das Wasser in die Whirlpools von Las Vegas zieht - die Phänomenologie ist die gleiche:

Rohstoffe und Energie werden großflächig abgezogen und in Müll und schädliche Emissionen umgewandelt.

Zwischendurch erfolgt die konsumtive Umwandlung in Geld, was wiederum benutzt wird, um großflächig Mangel zu erzeugen und um gleichzeitig die Verfügungsgewalt über werthaltige Sachen zu erlangen.

Wussten Sie, dass ein europäischer, ein EU-Bauer, sein Saatgut jedes Jahr kaufen muss? Dass es ihm verboten ist, aus der eigenen Ernte Saatgut (kostenlos) zurückzubehalten? Dass einige große Unternehmen längst die Verfügungsgewalt über das Saatgut erlangt haben? Für mich ist das ein unmöglicher, wenn auch zwangslogischer Zustand. Die Patentierungswut in Bezug auf das gesamte Erbgut des biologischen Inventars unseres Planeten zeigt, wohin der Weg führen wird. Am Ende wird wohl jedes Kind vorgeburtlich mit teuer zu bezahlenden Gen-Schnipseln behandelt werden, und zeitlebens täglich eine dazu passende Nahrungsergänzungs-Gen-Pille schlucken müssen, damit es in der Lage ist, die gentechnisch manipulierten Nahrungsmittel überhaupt noch zu verdauen. Ein gigantischer, völlig unmoralischer Markt.

Ein Markt, der unter der Überschrift: ‚Sicherstellung der Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung!', auch noch von Politikern aller Farbschattierungen gehätschelt und getätschelt wird. Wer dagegen ist, ist gegen den Fortschritt.

Die Weltwirtschaft hat bisher allen politischen Veränderungen völlig unbeeindruckt getrotzt. Erst wurde sie gar nicht als Weltwirtschaft wahrgenommen, weil die Welt aus der Perspektive kleinräumig angelegter Volksstämme gar nicht wahrgenommen werden konnte, dann erlebte sie eine lang anhaltende Blüte über den gesamten Zeitraum des Kolonialismus und konnte weder durch Weltkriege noch durch die Oktoberrevolution und die Bildung eines zweiten Wirtschaftsblockes an der stetigen Weiterentwicklung gehindert werden. Im Gegenteil, die Weltwirtschaft befreite sich mehr und mehr von den ihr anfänglich auferlegten Fesseln.

Wo gibt es heute noch nennenswerte Zollschranken?

Wo sind Probleme mit nicht konvertierbaren Währungen?

Wo wehren sich nationale Unternehmen noch gegen internationale?

Die Weltwirtschaft ist völlig außer Kontrolle.
Daher muss die Weltwirtschaft zwangsläufig kollabieren. Denn ohne wirksame Lenkung schlägt erbarmungslos der zweite Hauptsatz der Thermodynamik zu, der besagt, dass alle unterschiedlichen Energiepotentiale nach gegenseitigem Ausgleich streben.

Lassen Sie mich prognostizieren, dass die großen Flächen, deren Energiepotential weggewirtschaftet wurde, innerhalb relativ kurzer Zeit (weltwirtschaftsgeschichtlich gesehen) die Oasen des Überflusses aufsaugen werden. Wir sind mitten drin in diesem Prozess, genauso, wie wir längst mitten in der selbstgemachten Klimakatastrophe sind.
Werfen Sie einen Blick in die Geschichte. Nach allen bisherigen Erfahrungen der Menschheit kommen wir - mit viel Glück - vielleicht noch ein Mal zu einem friedlichen Ausgleich zwischen Reich und Arm. Wahrscheinlicher ist es aber, dass die Armut auf Wanderschaft geht und sich dabei hemmungslos vermehrt.

Was bliebe Ihnen übrig, wenn Sie ihr Einkommen mit einem Stamm von Zentralafrikanern teilen müssten? In Deutschland teilen wir bereits, die Bewohner der alten Bundesländer mit den Bewohnern der neuen Länder. Und ungeachtet immenser Transferleistungen von West nach Ost schleppen die Arbeitsplatzbesitzer im reichen Industrieland weiterhin eine immense Zahl von Arbeitslosen durch die Supermärkte und Kaufhäuser zahlen an der Kasse die Rechnung. Gottseidank indirekt und durch staatliche Reglementierung. Wir hätten eine Hungersnot in Deutschland, müsste jeder einzelne Arbeitslose bei den glücklichen Arbeitsplatzbesitzern betteln gehen.

Aber insgesamt ist Europa für den Investor zu teuer. Die Schwellenländer holen technologisch und qualitativ schnell auf. Lassen Sie sich einmal zeigen, womit das große China vor 20 Jahren auf dem Weltmarkt auftrat, und was es heute zu bieten in der Lage ist. Da will mehr als eine Milliarde Menschen ein Stück vom Kuchen holen und sie werden es sich holen. Sie werden ihren Standard ein bisschen erhöhen. Es sei Ihnen gegönnt, aber sie werden unseren Standard in den Keller ziehen, bis sich weltweit das gleiche Niveau eingependelt hat. Ein für unsere Verhältnisse verdammt niedriges Niveau. Da muss sich vieles ändern. Die Mieten müssen runter, alle Artikel der Grundversorgung müssen billiger werden, oder die Inflation muss helfen, die Löhne in die Höhe zu treiben.

Das ganze (für uns traurige) Szenario könnte nur verbessert werden, wenn die Grenzen der Nationalstaaten den Waren- und Geldströmen wieder als hohe Barrieren in den Weg gestellt würden. Es wäre zwar auch nicht einfach, denn so mancher preiswerte Import würde entfallen, manche Exportchance ebenso, aber es gäbe wieder - in einem überschaubaren Rahmen - einen geschützten Entwicklungsraum für fleißige Menschen und ehrgeizige Unternehmer. (Forstleute und Waldbauern, die junge Bäume in geschützten Baumschulen heranwachsen lassen, sind ja auch nicht blöde, oder?)

Die derzeitigen Anstrengungen, dem negativen Trend der Weltwirtschaft durch stetige Ausweitung der EU zu enteilen, müssen ausgehen wie das Wettrennen zwischen Hase und Igel.

Ursachen:

  • Die Endlichkeit unserer Welt und Ihrer Ressourcen.
  • Die hemmungslose Vermehrung der Menschen.
  • Der immer noch ungebremste Glaube an ein stetiges Wachstum.

Die Weltwirtschaft ist ein Kettenbrief, der aus Europa über Nordamerika durch Asien gewandert ist und der jetzt im Rest der Welt ankommt. Seine Versprechungen können nicht eingelöst werden. Leider wirklich nicht.

Sie brauchen jetzt dringend eine optimistische Aussage?

Bitteschön:

Alle vorstehenden Ausführungen entspringen einem beinahe krankhaft pessimistischen Gehirn. Die Menschheit hat immer wieder bewiesen, dass sie mit allen Katastrophen, von der Sintflut bis Tschernobyl, von Attila bis Stalin, von der Pest bis zur Malaria fertig geworden ist. Wir werden auch mit den jetzigen Herausforderungen fertig werden, werden notwendige Strukturänderungen sozial abfedern (es gibt ja schon Heizkostenzuschüsse bei steigenden Ölpreisen), und mit Hilfe des technologischen Fortschritts in 50 Jahren eine weitaus bessere Welt geschaffen haben, als sie heute überhaupt vorstellbar ist. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand und besteht zu keinem Zeitpunkt.

Kapitel 58
Globalisierung, das Ende des Schmuggels?

Ein netter Gedanke. Was ist Schmuggel? Das Verbringen von Waren über Grenzen, die dazu errichtet wurden, diesen Warenfluss entweder zu verhindern oder zu erschweren bzw. um beim Grenzübertritt für den Staat einen Obolus abzuschöpfen. Wenn wir ganz ernst hinsehen, entdecken wir, dass es auch den Begriff Menschenschmuggel gibt, durch den Menschen nach der vorstehenden Definition zur Ware werden. Meinetwegen können Sie die Definition jetzt ändern: Das Verbringen von Menschen oder Waren über Grenzen, die usw. ...

Schmuggel ist ein hochinteressantes Geschäft, weil damit, bei bekanntem und zumeist begrenzbarem Risiko hohe Gewinne dadurch winken, dass die Bedürfnisse eines Marktes legal nicht zu befriedigen sind, während ein anderer Markt die gewünschten Artikel wohlfeil anzubieten in der Lage ist. Aber den Schmugglern wird das Wasser abgegraben. Die Grenzen werden durchlässiger, die Zölle niedriger, in weiten Gebieten Europas ist Schmuggel bereits nahezu ausgestorben (abgesehen von sog. Betäubungsmitteln, Zigaretten und Menschen).

Wo sind die Schmuggler geblieben?

Nun, sie schlagen sich heute zum Beispiel als Subventionsbetrüger durch. Über den wahren Profit dieses Geschäftes kann nur spekuliert werden, aber es sieht so aus, als sei es ein durchaus lohnender Ersatz. Aber die Thematik lenkt ab.

Globalisierung ist das Thema.


Stellen Sie sich vor, wie herrlich die Welt sein wird, wenn endlich alle Schranken gefallen sein werden, die den Welthandel heute noch behindern. Wenn es nicht nur keine Staatsgrenzen mehr gibt, sondern auch nur noch eine Weltwährung.

Wenn das globale Dorf wirklich endgültig zusammengewachsen sein wird. Gibt es dann gleichen Lohn für gleiche Arbeit weltweit? Zahlen Sie dann für Aspirin in Bangkok genauso viel wie in Nashville oder Bamberg? Gibt es dann weltweit operierende Gewerkschaften, eine weltweit identische Sozialgesetzgebung, ein weltweites Wettbewerbsrecht? Ja, oder nein?

‚Ja' wäre irgendwie schön, gerecht, ausgewogen, aber es ist leider nicht wirklich vorstellbar.

‚Nein' ist vorstellbar.

Das Ziel der Globalisierung der Wirtschaft ist es, den Global Playern die maximal möglichen Ressourcen, den maximal möglichen Markt, den maximal möglichen Gewinn zukommen zu lassen.

Es handelt sich um Giganten, denen eine Stadt, eine Region, ein Staat ein Kontinent als Betätigungsfeld nicht mehr ausreichen. Sie greifen nach der ganzen Welt und nehmen die Menschheit als Geisel, versklaven die Arbeiter wie in den schlimmsten Zeiten des Frühkapitalismus.

Wer steckt dahinter?
Niemand?

Alle!

Man kann einen amerikanischen Pensionsfond, dessen Anlagestrategen begeistert mithelfen, die Globalisierung voranzutreiben, schlecht als Schuldigen ausmachen. Da soll doch nur die Rente der Mitglieder gesichert und erhöht werden. Man kann einen Herrn Pierer oder einen Herrn Schrempp nicht ernsthaft beschuldigen, die Globalisierung ausschließlich zum eigenen persönlichen Nutzen zu betreiben. Man kann letztlich kaum jemanden finden, der einen so großen persönlichen Nutzen davon hätte... - na ja, die ganz Großen sind schon zu entdecken.

Aber letztlich ist es das System, dessen Regeln dazu zwingen, stetig auf Kosten anderer zu wachsen, um selbst nicht unterzugehen. Je mehr dieses System weltweit zur Geltung kommt, je mehr ‚Deregulierung' übers Land zieht, um ‚Wettbewerbsvorteile' zu schaffen, für die eigene(?), heimische(?) Wirtschaft, desto mehr kommen die Grundzüge dieses Systems, das wir immer noch Kapitalismus nennen, zum Vorschein und damit Unternehmen, die wie die siebenköpfige Hydra weltumspannend Unheil anrichten.

Es handelt sich um genau das System, auf das ich Sie mit diesem Buch, so gut es geht, vorbereite, vom ersten Kapitel an. Weil es für den einzelnen keine Chance gibt, aus diesem System zu entrinnen, ist jeder einzelne gezwungen, so gut wie möglich und solange es möglich ist, mitzuspielen. Das System ist längst global etabliert und es wird weder vor den letzten Berggorillas noch vor Ihnen halt machen.

Es ist ein System kurzsichtiger, kurzfristiger Entscheidungen, dessen Moral und Ethik nichts ist, als die Pflicht, dem schnellen Vorteil nachzujagen.

Schmugglermentalität. Weltweit.
(Entschuldigung: ‚global')

Und weltweit kein Zöllner, der nicht schon bestochen wäre.

 

Denken Sie sich Ihren Teil.

Dies alles ist, seit ich es 2000/2001 beschrieben habe, von den jeweils verantwortlichen Politikern der großen Volksparteien nicht nur nicht bekämpft oder wenigstens eingeschränkt, sondern sogar noch mit großem Nachdruck in hohem Tempo gefördert worden.

Jetzt düsen sie mit Jets voller Berater um den Globus, hetzen pläneplanend von einer Konferenz zur anderen und hoffen, dass wir, der ersten Bürgerpflicht gehorchend, völlig paralysiert vor der Glotze hocken und ergriffen stammeln:

"Mein Gott, ist das aufregend!",

während sie nach der Globalisierung der Märkte und der Kapitalströme hektisch an der Herstellung einer globalen Einheitswährung arbeiten.


2004 habe ich in einem Aufsatz mit dem Titel

"Verunsichert? Nein. Wütend!", geschrieben:

 Aber diesen Menschen nun, mit der Vokabel "verunsichert" einzureden,

  • sie seien - wie überhaupt das ganze tumbe Volk - einfach zu beschränkt, um begreifen zu können, worum es geht,
  • sie würden wie Alzheimerpatienten im fortgeschrittenen Stadium hilflos herumirren
  • und müssten deshalb - die Polizei bittet um Ihre Mithilfe - schnellstens eingefangen und belehrt, notfalls auch sicher verwahrt werden, bevor sie sich selbst oder anderen in ihrer grenzenlosen Verunsicherung einen Schaden zufügen,
das ist der Gipfel.

 

Denn die vorgeblich Verunsicherten haben sich ihren gesunden Menschenverstand bewahrt und die Erinnerung an den Artikel 20 GG ebenfalls. Da heißt es immer noch:

"Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat."

Die vorgeblich Verunsicherten stehen vor einer dicht geschlossenen Mauer von Berufspolitikern aller Parteien und sehen betrübt auf den traurigen Rest von Demokratie, den man ihnen gelassen hat. Alle paar Jahre ein Kreuzchen malen dürfen, nach Waschmittelwerbungswahlkämpfen für Kanditaten, die ihre Ziele und Überzeugungen fast beliebig an die jeweilige demoskopische Lage anzupassen vermögen und hinterher in Lügenausschüssen erklären, was genau sie nun ganz bestimmt nicht versprochen und wenn schon versprochen, so doch auf keinen Fall damit gemeint hätten und was sie gewusst und nicht gewusst und was sie auf keinen Fall gewusst haben könnten...

 

Die vorgeblich Verunsicherten stehen in Schlangen vor den Arbeitsämtern, sehen zu Millionen auf ihre Rentenbescheide, schauen zu Millionen auf ihre Lohnzettel, zahlen Mehrwert-, Mineralöl-, Öko-, Tabak und Branntweinsteuer, sehen zu, wie ein Innenstadtladen nach dem anderen schließt, arbeiten freiwillig länger, für das gleiche Geld, sehen zu, wie geschlossene Immobilienfonds die Pflegeheime errichten, in denen sie schon bald als Alte und Kranke mit geringstmöglichem Personalaufwand verwahrt werden sollen, damit die Steuersparmodelle der Fondszeichner auch die gewünschte Rendite abwerfen und sie hören, dass es leider unmöglich sei, die Vermögenssteuer einzuziehen, dass es leider unmöglich sei, Steuerflüchtlinge an den Grenzen aufzuhalten, dass es leider unmöglich sei, Zinsgewinne zu erfassen und wie jedes andere Einkommen zu versteuern und in diesem Szenario finden sie als Rest des ehemaligen Sozialstaates gerade noch jene hart umkämpfte Ausnahmeregelung, die besagt, dass die Praxisgebühr für das Pillenrezept nur jedes zweite Quartal, statt alle drei Monate fällig wird.

"Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat."

Wer diesen Satz in der Realität des Jahres 2004 vergeblich sucht, ist verunsichert?

Es sieht doch eher so aus, dass Deutschland selbst in einem gnadenlosen Kampf mit Kräften steht, die diesem Satz der Verfassung feindlich gegenüberstehen. Deutschland ist die Beute! Und ist die Beute erst einmal gerissen, wird von dem Staatsgebilde "Bundesrepublik" Deutschland" bald nicht mehr übrig sein, als gerade noch der Umriss auf einer historischen Landkarte.

Deutschland wird ausgehöhlt.

Konstitutionell hat die EU längst weite Teile der ehemals nationalstaatlichen Befugnisse und Entscheidungsrechte übernommen. Noch hat die EU keine Verfassung, noch ist das demokratisch gewählte Parlament - im Vergleich zur Allmacht der Kommissare - nur eine hilflose Statistentruppe, doch seit Jahren vergeht keine Woche, in der nicht ein Kommissar sein durch eine fragwürdige Rechtskonstruktion erlangtes Recht verwendet, um der Bundesregierung, den Landesregierungen und sogar den Kommunen Deutschlands in die Suppe zu spucken.

Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht ein deutsches Unternehmen von Europas Kommissaren bezichtigt wird, es habe zu Unrecht nationale Fördermittel erhalten, es habe zu Unrecht irgendeinen Wettbewerber benachteiligt.

Es ist kein Jahr vergangen, ohne dass sich der Europäoische Gerichtshof nicht kraftvoll eingemischt hätte in Fragen des deutschen Rechts.

Und in den allermeisten Fällen hat die europäische Einmischung dazu geführt, dass die Lebensbedingungen für die große Mehrzahl der Durchschnittsbürger verschlechtert wurden, dass die Lasten des Staates schwerer wurden, während die Gewinnchancen für das internationale Unternehmer- und Spekulantentum, das sich in Europa tummelt, verbessert wurden.
Man muss gar nicht erst an Parmalat denken, um diese Aussage zu verstehen, es reicht, die unwürdige Rolle Europas beim Ringen um das Dosenpfand zu beleuchten.

Niemand hat uns gefragt.

Einen Volksentscheid zum EU-Beitritt hat es nicht gegeben. Den Euro hat man uns, ohne uns zu fragen, verordnet und auch einen Volksentscheid zur geplanten Verfassung, die uns weitere Einschränkungen der staatlichen Souveränität bescheren wird, will man nicht zulassen.

Zur Öffnung der Grenzen für immer neue Beitrittsländer werden wir nicht gefragt.

Warum nicht? Weil "man" weiß, dass die Beitrittsländer zwar neue Märkte bringen, dass aber gleichzeitig die Absenkung des Lebens- und Sozialstandards, insbesondere in Deutschland weiter vorangetrieben wird. Es dauert nur noch ein paar Monate, dann stehen die ehemaligen polnischen Schwarzarbeiter, die man bis vor kurzem noch von den Baustellen und Spargelfeldern verjagt hat, als reguläre Arbeitskräfte des Binnenmarktes zu genau den gleichen Niedriglöhnen auf der Matte, wie vorher auch.

 

Doch es ist nicht nur der unkontrollierte Prozess der Machtübergabe an die EU. Gleichzeitig hat sich der Prozess der Globalisierung der Wirtschaft und der Finanzspekulation so weit entwickelt, dass der Nationalstaat ursprünglicher Prägung für das Kapital als ernstzunehmende Größe heute schon praktisch nicht mehr existiert.

Wo früher Schutzzölle und Handelsbeschränkungen, Devisenkontrolle und staatliche Wirtschaftsförderung dazu dienten das geschlossenes Gebilde einer "Volkswirtschaft" zu entwickeln, zu stärken und zu erhalten, ist heute der Total-Ausverkauf aller nationalen Ressourcen angesagt.

Die Arbeit in Deutschland ist zu teuer. Wie oft haben wir das in den letzten Jahren hören müssen.

Es fragt sich doch nur, für wen?

 

Wir sind zu teuer, um in der Konkurrenz mit Entwicklungsländern auf den Weltmärkten überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften zu können.

Niemand außer den Anteilseignern der Unternehmen der Exportindustrie hat etwas davon, dass deutsche Arbeiter den Gürtel enger schnallen und - zum Beispiel - den VW Phaeton, die Luxuskarosse aus Wolfsburg, so billig bauen, dass er in den USA um 30 Prozent billiger verkauft werden kann, als in Deutschland und dabei immer noch Gewinn abwirft!

Aber damit das gelingt, darf der deutsche Arbeiter nicht auf eine ausreichende Unterstützung bei Arbeitslosigkeit hoffen können, damit das gelingt, muss das deutsche Rentenniveau gesenkt werden, müssen die Kosten der Krankenversicherung runter. Damit das gelingt, müssen auch die Steuern gesenkt werden.

Was nützt denn dem Phaeton-Kunden in New York eine Schule in Deutschland, was ein Theater, was ein Museum?

Wozu braucht der Phaeton Kunde in New York eine Landesforstverwaltung in Bayern?

Er braucht sie nicht!

Also weg damit. Das alles macht den Export teuer!


Die Binnenkaufkraft, über deren Verlust gelegentlich geklagt wird, kann der Exporteur nicht wollen, denn Binnenkaufkraft ist Geld, das den Gewinn des Exporteurs schmälert!

Aber was wird den vorgeblich Verunsicherten erzählt:

Der Export ist unsere Stärke.

Falsch! Diese Art Export führt direkt in den wirtschaftlichen Niedergang des Landes.

Nur diejenigen Unternehmer, die dieses Land als Standort benutzen und eben mit Vorbedacht nicht als eine heimatliche Volkswirtschaft ansehen, der sie verpflichtet sind, profitieren davon.
Alle übrigen Unternehmer sind kaum besser dran, als ihre Mitarbeiter. Sie merken es nur leider immer erst, wenn sie Insolvenz anmelden müssen.

 

Aber die verhängnisvollen Folgen der internationalen Deregulierung, die verhängnisvollen Folgen internationaler Vereinbarungen, die vorschreiben, dass auch noch die kommunale Wasserversorgung privatisiert und dem Profitstreben internationaler Konzerne untergeordnet werden muss, veranlassen keinen Politiker zum Nachdenken, führen zu keiner erkennbaren Kurskorrektur, ganz im Gegenteil, jeder drückt nur noch mehr auf das Tempo. Wir müssen noch schneller, noch härter, noch brutaler vorgehen, damit die Reformen greifen.

Ein konkret formuliertes Ziel der Reformen, an dem man den Fortschritt und die Ergebnsisse beurteilen könnte, gibt es längst nicht mehr.

Die vorgeblich Verunsicherten sehen aber ganz genau, wo die Fahrt hingeht.

Wenn es nicht bald gelingt, diejenigen, die es sich zum Ziel gesetzt haben, sich den deutschen Staat zur Beute zu machen, zu stoppen, wird es Deutschland, so wie wir es von 1950 bis vor wenigen Jahren noch kannten, bald überhaupt nicht mehr geben.

Alles ehemalige Staats- und Volkseigentum wird den Weg der Privatisierung gehen.

Dieser, als Privatisierung deklarierte, von den Politikern geförderte Raub am Staats- und Volksvermögen ist in seiner Wirkung auf lange Sicht schlimmer, als die Demontage durch die Siegermächte der Weltkriege.

Nach Telekom, Post und Bahn, nach den Stromversorgern und Gaswerken stehen jetzt die Autobahnen, die Universitäten, die Rathäuser, die Krankenhäuser, die Wälder und Brachflächen, die Wasserwerke, die Kasernen und Gefängnisse, ja selbst die Finanzämter zur Privatisierung an.

Alles was seit 1949 mit Steuergeldern aufgebaut, gepflegt und erhalten wurde, wird verramscht.

Wenn der Bürger danach noch Leistungen verlangt, zahlt er eben keine Steuern mehr zur Finanzierung, sondern Preise. Preise, in denen Gewinne enthalten sind.

Und diese Preise für privatwirtschaftliche "Monopol"-Leistungen sind auf lange Sicht eine schlimmere Belastung als die Reparationszahlungen an die Sieger- und andere Mächte nach den beiden Weltkriegen.

 

Der Staat mag manche Aufgabe mit zu viel Personal, mit zu hohen Kosten erledigt haben, manches auch zu gründlich, zu sicherheitsbewußt, aber das Geld, das der Staat für die Erledigung seiner Aufgaben ausgegeben hat, stand der Volkswirtschaft sofort wieder zur Verfügung.

Die Privatisierung senkt nicht nur die Kosten, sie verschlechtert regelmäßige die Leistung und erhöht die Preise, sie schafft Arbeitslosigkeit und entzieht der Volkswirtschaft das Geld, weil es als Gewinn aufgehäuft und außer Landes gebracht wird.

 

 

Das Ziel, auf das wir zuschlittern, ist ein Deutschland, das kaum mehr ist, als ein Landstrich in Europa, dessen Selbstverwaltungsorgane vom Wohlwollen einer - womöglich privatisierten - europäischen Zentralbehörde abhängig sind, mit einer Bevölkerung die sozial ungesichert und von allen Fesseln der Sozialgesetzgebung befreit, für jeden Lohn jede Arbeit zu machen hat, wenn sie nicht verhungern will.

Dahin führt der Weg.

Diese Erkenntnis macht zornig.

 

Denn wenn die Politik wüßte, wie sie im letzten Moment die Kurve kriegen will, dann könnten wir uns vor lauter "Offenbarungen" längst nicht mehr retten. Aber was will man von Politikern erwarten, die noch nicht einmal in der Lage sind, Verunsicherung von Zorn und Wut zu unterscheiden....

Und? Wovon reden sie schon wieder?

Von der Verunsicherung!
Und davon, dass das Vertrauen fehlt.

Und dann glauben sie auch noch, sie könnten uns weiß machen, dass wir schuld sind, weil wir das Vertrauen verweigern.

Verunsichert?

Nein! Wütend.

 

Wütend auch darüber, dass die kühnen Pläneplaner und Garantiemilliardenverteiler hilflos weiterhin die Globalisierung hochhalten, ja sie noch vertiefen wollen, obwohl das grandiose Versagen dieser Idee längst offenkundig ist.


Mehr in den kommenden Wochen.


Als Service, für diejenigen Paukenschlagleser, die gerne noch einmal die Vorgeschichte nachvollziehen möchten, hier eine Art historischer Abriss über die wichtigsten Aufsätze der Vergangenheit zum Thema:

 Vorläufer 3 /2007 Internationaler Wettbewerb
  14 /2007 Einstürzende Luftschlösser
  20 /2007 Lügenmärchen für Kinder, Enkel und die zukünftigen Generationen
  25 /2007 Das Ende ist nahe
  28 /2007 Nullnummer 2011
  29 /2007 Schuldenfreies Düsseldorf
 Heiße Phase 33 /2007 Das Beben der Märkte
  42 /2007 Beunruhigendes
(Beben Teil 2)
  48 /2007 Die Banken-, Dollar-, Airbus-Krise
    3 /2008 Estate - real estate - Hypo real estate
    4 /2008 Nur ein Börsencrash?
  12 /2008 Die Welle
  14 /2008 Über den Unterschied zwischen Privatisierung und
  15 / 2008 Spurlos verschwunden - 945 Mrd. Dollar
  21 /2008 Verfassungsgut Kapitalismus
  26 /2008 Gesetz zur Förderung gewerblicher Diebstahls-, Raub- und Erpressungsunternehmungen
  27 /2008 Nun spart mal schön!
  33 /2008  Toll, doller, Dollar
 Finale furioso 39 /2008 Harte Landung
  40 /2008  Die Häuser stehen doch noch
  40a /2008 Das letzte Aufgebot
  41 /2008 Ein Garten voller Böcke
  42 /2008 Die Billionenflut
  42a /2008  Die Ursache des akuten Geldmangels
  43 /2008  Ackermanns Liquiditäsvernichtungsplan
     
     

 

und für alle, die das mit dem Geld jetzt aber doch endlich verstehen wollen, habe ich schon vor einer ganzen Weile eine ganzes Buch dazu geschrieben.

 

Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III - Über das Geld.

Das finden Sie im EWK-Verlag unter Sachbuch Wirtschaft.
 Sachbuch Wirtschaft

 

 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Lieber Herr Kreutzer,

der Schlußsatz Ihres letzten Paukenschlags veranlasst mich dazu, Ihnen zu schreiben.
Wütend sind wir alle. Und machtlos. Machtlos müssen wir alle mit ansehen, wie wir an die Wand gefahren werden. Und das angeblich zum Wohle aller.

Meine Hoffnung in der Finanzkrise war es, dass endlich einmal diese abgehobenen Renditevorstellungen abgelegt würden. Man sollte sich wieder dem Realen zuwenden. Aber, so wie diese Krise von den Regierenden angegangen wird, bleibt alles beim Alten.

Machtlos sehen wir auch dieses mit an. Machtlos nehmen wir zur Kenntnis, wie die Bundesregierung Abermilliarden "aus dem Hut zaubert". Und dabei noch an einem "ausgeglichenem Haushalt" festhält. Ein Ziel, welches aber durch jede (im Vergleich zu dem beschlossenen Rettungspaket) Kleinstinvestition in Bildung oder eine Erhöhung der Hartz-Regelsätze gefährdet würde.

Aber, sind wir wirklich so machtlos? Können wir, das Volk, uns nicht auch endlich mal auf das vielzitierte Grundgesetz berufen?
Auch in Ihren Paukenschlägen taucht es immer wieder auf. Nur, was nützt uns ein Gesetz, welches von unseren Regierenden derart missachtet wird? Können wir da nicht mehr tun, als nur hilflos mitanzusehen, wie unsere Regierung einen weiteren Grundsatz unserer Landesväter mit Füßen tritt?

Sie haben wesentlich mehr Überblick, über die rechtlichen Möglichkeiten, als ich, daher richte ich meine Frage an Sie:

Haben wir eine Möglichkeit, rechtliche Schritte gegen die Regierung einzuleiten?
Derartige (Grund-)Gesetzesverstöße, müssen doch geahndet werden können.
Man könnte über Ihre Webseite, sowie in gemeinschaftlichen Aktionen mit anderen Blogs wie den Nachdenkseiten bestimmt mehrere Zehntausend, wenn nicht sogar Hunderttausend mobilisieren und eine Sammelklage einreichen.

Das Volk gegen die Bundesregierung. Ein Rechtstreit über die Art und Weise, wie Politik zu gestalten ist.

Oder andere Formen der Amtsenthebung, vielleicht auf personeller Ebene? Eine Vertrauensfrage? Ein Mißtrauensvotum gegen die Kanzlerin?

Oder ein anderer Aspekt:

wieso können Politiker aufgrund der mittlerweile fast offensichtlichen Korruption nicht belangt werden? Wir als Volk müssen doch darauf drängen können, unsere Interessenvertreter unabhängig zu halten!
Wie können wir es dann dulden, Politiker in Nebenjobs zu wissen, die die jeweilige Haltung und Aktionen des Politikers in gewollte Bahnen lenken?

Sind wir wirklich so machtlos? Wir müssen doch ein paar Pfeile im Köcher haben! Wir sind schliesslich die Mehrheit.

Ich bewundere Ihre Arbeit. Machen Sie weiter so. Wir brauchen Sie, um hinter den Vorhang der Bühne des Geschehens schauen zu können. Ich gebe die Links zu Ihren Texte immer wieder weiter, wenn ich in Diskussionen mit Freunden und Bekannten immer wieder auf die hohlen Phrasen des Mainstreams antreffe. Sie haben in meinem Bekanntenkreis schon so manche Augen geöffnet und kritisches Denken gefördert. Machen Sie weiter so.

Mit freundlichen Grüßen


Hallo Herr Kreutzer,

heute muss ich mich einfach bei Ihnen mal wieder melden, um meinen Unmut meine Erschütterung kund zu tun.
Dass Ich Ihre Informationen immer wieder mit großem und immer noch wachsenden Interesse verfolge, muss ich sicher nicht sonderlich betonen. Aber bedanken kann und möchte ich mich für die Vielzahl von Informationen, die immer dazu beitragen, den Blickwinkel kritisch zu erweitern.

Was mich zu all den Ereignissen der Gegenwart zusätzlich erschüttert, ist die Tatsache, dass doch wirklich dieser Gesundheitfonds eingeführt wird. Nicht nur, dass dieser weiter zu eine Umverteilung von unten noch oben bzw. zu einer Mehrbelastung aller Arbeitnehmer beiträgt - das sind wir ja mittlerweile gewöhnt. Dass aber unter den gegenwärtigen äußeren wirtschaftlichen Bedingungen weiter Wirtschafts- und Kaufkraft vom Binnenmarkt abgeschöpft wird, der diese umso mehr bräuchte, je schlechter sich die Exportwirtschaft entwickelt - und das genau tut sie - ist für mich überhaupt nicht mehr nachvollziehbar.

Dass zusätzlich, durch erheblichen Wegfall von Arbeitsplätzen (beginnend mit der Liquidierung der Leiharbeit) die Beitragssituation der Krankenkassen noch verschlechtert wird, davon redet niemand. Anstatt die Gesundheitswirtschaft als einen der zukünftigen Märkte und Jobmotoren zu erkennen und entsprechend zu handeln - was natürlich nur bei steigenden Nettoeinkommen der Bevölkerung und sinkender Arbeitslosigkeit (ohne Statistikfälschungen) möglich wäre - wird das Gegenteil initiiert. Dass bei steigender Inflation die Kaufkraft sich exponentiell gegen NULL entwickelt, scheinen unsere Politiker und der übrige Mainstream nicht zu bemerken. Und das alles auch noch vor dem Hintergrund der sogenannten Finanzkonsolidierung des Bundes und der Länder - wenn es nicht so traurig wäre, ich käme vor Lachen nicht mehr in Schlaf. Dass den Krankenhäusern seit Jahren die Investitionsmittel vorenthalten werden, die ihnen gesetzlich zustehen, das kümmert niemanden - was kümmert mich mein dummes Geschwätz von gestern?!

Für mich hat die SPD und der andere Regierungsteil jegliche Legitimation zum Regieren verloren. Wohin soll dieses schöne Deutschland - eines der hoch entwickeltsten Länder der Erde, Land der Dichter und Denker geführt werden?! Ich bin erschüttert!

(...)

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Einen schönen Tag und weiter viel Standhaftigkeit. Ihr treuer Leser


Danke, Herr Kreutzer, für diesen Paukenschlag!
Zwar kann ich mich in Verbindung mit dem "Hach, ist das aufregend!" mehr an ein Pferderennen erinnern, mit dem achsogrünen Rasen, aber das ist ja nur sekudär.

Ihre Weitsicht hat - bestimmt nicht nur - mich schon immer beeindruckt, und zwar weil sie, im Gegensatz zu den "Weisheiten" der bundesdeutschen Kaffeesatzleser, sprich der "Wirtschaftsweisen" nicht quasi aus dem Bauch kommen, sondern weil sie das Ergebnis eines logischen Kalküls sind, weshalb es umso unverständlicher ist, daß bundesdeutsche (und nicht nur die!) Politiker dies nicht erkannt haben und nicht erkennen (wollen?) und demzufolge genau die verkehrten Entscheidungen getroffen hatten, es noch tun und weiter tun werden.

Aber weil Sie mit einer Anlehnung an künstlerische Vorlagen Ihre Einleitung begonnen haben, will ich das mal auch tun, und zwar mit einem Hinweis auf "Schneewittchen" und das "Spieglein an der Wand": Vor rund 150 Jahren, Herr Kreutzer, da hat es schon einmal einen gegeben, der diese Weitsicht besaß, und 150 Jahre - mit Verlaub - sind deutlich mehr als 7 Jährchen, und der hat z.B. von sich gegeben:

"...Das Bedürfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz für ihre Produkte jagt die Bourgeoisie über die ganze Erdkugel. Überall muß sie sich einnisten, überall anbauen, überall Verbindungen herstellen.
|466| Die Bourgeoisie hat durch ihre {9} Exploitation des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller Länder kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum großen Bedauern der Reaktionäre den nationalen Boden der Industrie unter den Füßen weggezogen. Die uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch täglich vernichtet. Sie werden verdrängt durch neue Industrien, deren Einführung eine Lebensfrage für alle zivilisierten Nationen wird, durch Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den entlegensten Zonen angehörige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich verbraucht werden.

An die Stelle der alten, durch Landeserzeugnisse befriedigten Bedürfnisse treten neue, welche die Produkte der entferntesten Länder und Klimate zu ihrer Befriedigung erheischen. An die Stelle der alten lokalen und nationalen Selbstgenügsamkeit und Abgeschlossenheit tritt ein allseitiger Verkehr, eine allseitige Abhängigkeit der Nationen voneinander..."

 

Und wenn Sie in dem Werk noch etwas suchen, werden Sie auch die gegenwärtige Krise mit allem Drumrum drin wiederfinden, und zwar im Manifest der Kommunistischen Partei. Oder im "Kapital" - aber das ist etwas umfangreicher.

Ich weiß, Sie sind kein Kommunist, und sie werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch kein solcher werden, steht dort auch schon drin, doch müssen wohl auch Sie zugeben, daß, wenn Sie mal wirklich alle weltanschaulichen Dünkel außen vorlassen, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Analyse, die die Herren Marx und Engels vor rund 150 Jahren getroffen haben, nach wie vor aktuell sind, oder?

Und wenn die Analysen aktuell sind, warum sollen denn dann die Synthesen draus so falsch sein?

Mit herzlichen Grüßen


Anmerkung von Egon W. Kreutzer

Ach, Marx ist zwar für uns heutige und nicht (mehr) vom sozialistischen Schulsystem geprägten Mit- und Nachdenker - alleine von der Sprache her - eine schwerverdauliche Kost - aber dass seine Analysen und Prognosen von großer Ein- und Weitsicht waren, das gebe ich gerne zu.

Marx hat allerdings, wie auch Gesell, unser heutiges Geldsystem nicht gekannt. U.a. deshalb konnten einige seiner Argumente - wegen veränderter Rahmenbedingungen - fälschlich als falsch ausgegeben werden. Doch mit dem Zusammenbruch dieses Geldsystems kommen auch die eigentlichen Grundlagen wieder zum Vorschein - und die Chance, darauf Besseres aufzubauen.


Hallo Herr Kreutzer,
Ihren Ausführungen dürfte wohl kaum noch etwas hinzu zu fügen sein. Einen Hinweis vermisse ich aber noch (oder sollte ich ihn übersehen haben?) und zwar, dass eine solche gesamtwirtschaftliche Entwicklung kein
"Naturereignis" ist sondern einer langjährigen intensiven Vorarbeit und Planung bedarf.

Seit Anfang der 70er Jahre wurde unser vorbildlicher "Sozialstaat", wie ihn die heute schon älteren Mitbürger noch in Erinnerung haben, umgebaut für die Globalisierung. Man nannte das damals "Deutschland stark machen
für die Weltwirtschaft" oder so ähnlich. In jedem Ministerium setzten sich, wie schmarotzende Pilzgeflechte, Unternehmensberatungsfirmen aus dem Umfeld der New Yorker Börse fest. Diese fungierten dann als "Berater" in Sachen Umbau unserer Staates für die Globalisierung von Grund auf. Damals errregten die Beratungskosten, die in jedem Ministerium pro Jahr in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe anfielen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Die Frage, die sich damals viele Bürger stellten, "warum benötigen unsere Minister in ihren Ressort's amerikanische Unternehmensberatungsfirmen?"

Nun, die Frage dürfte sich mit der heutigen Situation von selber beantwortet haben.

Die Finanzkrise ist keine "Naturkatastrophe", sie ist eine wohldurchdachte Planung, mit dem Ziel, alle Markt- und politischen Kräfte einerseits zu polarisieren (wer ist Feind - wer ist nützlicher Idiot?), um sie dann andererseits
wirksam in ein vollkommen beherrschbares System zu pressen, dessen Regeln eine totale Ausbeutung auf wirtschaftlicher und gesellschaftspolitischer Ebene ermöglichen. Gleichzeitig werden durch Konzentrationsvorgänge auf allen Ebenen unserer menschlich-sozialen und wirtschaftlichen Weltgemeinschaft, die durch "globale Regeln" gezielt gesteuert werden, alle Bereiche unserer menschlichen Existenz profitorientiert kumuliert auf immer kleinere Machtgruppen.

Dieses Grundprinzip der "Globalisierung" müßte doch eigentlich durchschaut werden können. Leider scheint es nicht so. Wir machen uns alle zu nützlichen Idioten eines Systems, das uns schon längst zu Sklaven gemacht hat.




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