Paukenschlag am Donnerstag
No. 42a/2008
vom 17. Oktober 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

keine
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Die Ursache des akuten Geldmangels

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
29 Nine/twenty-eight
30 Von allen guten Geistern verlassen
 31 Nicht einfach zur Flasche greifen
 32 Sommerliche Erfrischungen
 33 Toll, doller., Dollar
34 Der SPD ins Stammbuch
 35 Das Wunder der gekleinten Zahl
 36 gemeinsam austreten
 37 fehlt noch
 38 Stilles Wasser
 39 Harte Landung
40 Die Häuser stehen doch noch
40a Das letzte Aufgebot
41 Ein Garten voller Böcke
42 Die Billionenflut
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Die Ursache
des akuten Geldmangels

 

Bundestag und Bundesrat haben heute das Finanzmarktstabilisierungsgesetz verabschiedet und der Bundespräsident hat es unterschrieben.

Äußerste Eilbedürftigkeit bestimmte das Geschehen - und die Debatte im Bundestag schwang stimmungsmäßig zwischen feierlichem Festakt (Kauder) und verzweifeltem Aufbäumen (Künast) - gekrönt im Grunde von der absolut unglaublichen Fehlleistung des SPD-Haushaltsexperten Carsten Schneider, der allen Ernstes en passant zu Protokoll gab, dass die Banken, welche Staatshilfe in Anspruch nehmen, sich eben für ein zwei Jahre einmal mit 15 Prozent Eigenkapitalrendite zufrieden geben müssten, statt mit 25.

Eine wunderschöne Überschrift eines Kommentators ist mir dazu untergekommen, die ich gerne weitergebe. Er hat geschrieben:

Der System-Schein ist abgegeben.

 Artikel lesen


Bei mir häuften sich die Anfragen von Menschen, die einen Widerspruch erkannten und ihn sich nicht erklären konnten.

Wenn es so viele Reiche gibt, die so viel Geld haben - und zwar nicht unter dem Kopfkissen, sondern in guten Anlagen bei den Banken, warum fehlt es dann jetzt an Geld bei den Banken? Irgendwo muss es doch sein!

Für diese, und für alle jene, die das auch interessiert, habe ich hier noch einmal einen meiner Aufsätze aus der Reihe "Der Fluss des Geldes" herausgezogen und - wo es mir nützlich erschien, um ein paar aktuelle Anmerkungen ergänzt. Zum Vergleich gibt es hier auch noch den Link auf das Original.
 Das Original finden Sie hier


Der Fluss des Geldes

Grundlagenwissen zum besseren Verständnis des Geldes und der vom Geldsystem hervorgerufenen Probleme

 

Teil 11
Irrtümer und Täuschungen im Umgang mit dem Geld

Dem Markt Geld entziehen - unmöglich!
Wirklich unmöglich?

 

Wo soll das angeblich gehortete Geld denn bleiben?

Wer über dieser Frage ins Grübeln gerät, ist in guter Gesellschaft. Der logische Kurzschluss, der unvermittelt in den Irrtum führt, ist verlockend:

Wenn es stimmt,

  • dass die Existenz von Geld an die Existenz von Schulden gebunden ist, woraus folgt, dass Schulden und Guthaben zwangsläufig gleich hoch sein müssen,
  • dann muss doch auch mit jeder Neuverschuldung die Summe der Guthaben wachsen und umgekehrt
  • dann muss es zu jedem neuen Guthaben auch einen neuen Kredit geben, folglich ist die These vom Geldmangel durch Hortung falsch, weil ein Geldmangel überhaupt nicht auftreten kann, solange das Geld - zwangsläufig systembedingt - mit jedem Kredit wieder neu in Umlauf kommt.

Fatalerweise kommt diesem Gedankengang auch noch das Credo jener puristischen Notenbankgeld-Philosophen entgegen, die in dem Glauben leben, Geld könne dem Markt gar nicht entzogen werden, es sei denn, man holt sich tatsächlich Banknoten nach Hause und polstert die Sessel damit.

Die Argumentation wird aber dem tatsächlichen Wesen des Geldes
nicht gerecht.

Sie übersieht vollständig die Rolle der Banken sowie die realen Folgen internationaler Geldtransfers und sie verschließt die Augen davor, dass die Liquidität eines großen, leicht veränderlichen Anteils der Geldmenge ausschließlich für die Abwicklung spekulativer Geschäfte vorgehalten wird.

Dabei ist Geldhortung so einfach:

1. Systembedingte Geldhortung durch das Bankwesen

Wer ein Guthaben bei der Bank begründet, ist in jedem Fall zum Gläubiger der Bank geworden, denn die Bank schuldet ihm Geld.

Ist das Guthaben auf einem Girokonto verzeichnet, kann der Kontoinhaber sein der Bank geliehenes Geld jederzeit zurückfordern, seine Liquidität ist also davon nicht beeinträchtigt.

Wer allerdings Geld - ob Bargeld oder Sichteinlagen - in langfristige Geld-Anlagen umwandelt, verfügt nicht mehr über das Zahlungsmittel Geld, sondern stattdessen über Geldvermögen, genauer gesagt, über einen terminierten Anspruch auf Geld.

Im Klartext:
Wer eine längerfristige Anlageform wählt, kann sein Geld - ohne Verluste in Kauf zu nehmen - erst nach Ablauf einer vereinbarten Frist von der Bank zurückfordern, denn das Geld ist Gegenstand eines Darlehensvertrag mit festgelegtem Rückzahlungstermin zwischen der Bank als Darlehensnehmer und dem Bankkunden als Darlehensgeber.
Der Bankkunde hat in diesem Fall seine Liquidität aufgegeben.

Die Bank hat nun prinzipiell zwei Möglichkeiten,
die ihr geliehenen Mittel zu verwenden:

a) zur Bezahlung der Aufwände des laufenden Geschäfts

Die Bank verwendet das Geld, das sie sich von ihrem Kunden geliehen hat, um damit die Gehälter ihrer Angestellten, Lieferantenrechnungen oder sonstige Kosten ihres Geschäftsbetriebes zu bezahlen, immer in der begründeten Hoffnung, die Gelder bis zum Ablauf der Kreditlaufzeit durch Gewinne aus dem Bankgeschäft wieder erwirtschaften zu können. In dem Maße, wie die Bank die Mittel aus dem erhaltenen Kredit auf diese Weise verwendet, sie also an eigene Mitarbeiter und/oder Lieferanten weitergibt, bleibt das angenommene Geld im Umlauf.

b) zur Ausreichung von Darlehen

Die Bank verwendet das Geld als Refinanzierung für Darlehen, die sie ihrerseits an andere Bankkunden ausreicht, in der Hoffnung, ihre Darlehensnehmer würden das ausgeliehene Geld pünktlich zurückzahlen, so dass auch sie ihrer Rückzahlungsverpflichtung gegenüber dem Einleger pünktlich nachkommen kann.

Hier kommt Geld nur in dem Maße in Umlauf, wie die Kreditkunden die ihnen zur Verfügung gestellten Mittel an Dritte weitergeben.

Was nach der Verwendung der Mittel entsprechend a) und b) übrigbleibt,
bildet

c) die Reserve

Ein gewisser Anteil der Einlagen wird alleine dadurch, dass das Geld einer Bank übertragen wird, definitiv stillgelegt.

Dieser Anteil entspricht mindestens der Höhe der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestreserve. Doch die wenigsten Banken schöpfen das theoretisch mögliche Kreditvolumen voll aus. Die Differenz zwischen Einlagen und Ausleihungen wird unter normalen Umständen etwa 20 bis 25 Prozent der Einlagen ausmachen.
(Auch die Geldschöpfung der Geschäftsbanken ändert daran prinzipiell nichts, weil Guthaben und Schulden, Aktiva und Passiva der Bankbilanz dadurch gleichzeitig und gleichmäßig wachsen. Man spricht dann von Bilanzverlängerung.)

Diese 20 - 25 Prozent fehlen als Liquidität in der Realwirtschaft. Sie führen ein nahezu unbewegtes Dasein in den Büchern der Banken. Aus ihrer Existenz erklärt sich der größte Teil der Differenz zwischen Sollzinsen und Habenzinsen.

Ein Beispiel:

Eine Bank, die zugesichert hat, für ihre Einlagen in Höhe von 100 Millionen Euro jährlich 5% Zinsen zu zahlen, muss dafür alljährlich 5 Millionen Euro erwirtschaften.

Hat sie gleichzeitig, was durchaus realistisch ist, durchschnittlich nur 75 Millionen Euro verliehen, kann sie aus dem eigenen Kreditgeschäft die benötigten 5 Millionen Euro nur gewinnen, wenn der durchschnittliche Zinssatz dafür bei mindestens 6 2/3 Prozent liegt.

Wenn wir die Vermögenswerte bilanzieren, stellen wir fest:

a) Summe der Schulden

Die Bank schuldet den Einlegern 100 Millionen Euro,
die Kreditnehmer schulden der Bank 75 Millionen Euro,

in Summe bestehen also Schulden in Höhe von insgesamt 175 Millionen Euro.


b) Summe der Guthaben

Die Einleger haben Guthaben von 100 Millionen Euro,
die Bank hat Guthaben gegenüber ihren Kreditnehmern von 75 Millionen Euro.
Auch die Guthaben belaufen sich auf 175 Millionen Euro.

Die Höhe von Guthaben und Schulden sind also - wie erwartet - exakt gleich hoch.

 

Gleicheitig stellen wir aber fest, dass die am Markt verfügbare Liquidität, bzw. das aus Schulden und Guthaben entstandene Geld, keinesfalls der Höhe der Guthaben entspricht.

Liquide Mittel erscheinen auf dem Markt nur in dem Umfang, in dem der Kreditnehmer seinen Kredit einsetzt, um damit Rechnungen zu bezahlen, oder sich an der Kasse mit Bargeld zu versorgen.

Aus ursprünglich 100 Millionen Euro Liquidität sind zwar Guthaben und Verbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 175 Millionen Euro entstanden.

In unserem Beispiel können dem Markt davon aber

nur 75 Millionen Euro als Liquidität

zurückgegeben werden.

 

Es gilt:

Geld, das von der Bank nicht selbst ausgegeben, oder an Darlehensnehmer weitergegeben wird, bleibt im System "Bank" gefangen. Die daran gebundene Liquidität ist der Realwirtschaft entzogen. Das Geld ist gehortet.

Erst dadurch, dass die von der Bank ausgeliehenen 75 Millionen Euro von den Kreditnehmern ausgegeben werden und auf den Konten der Zahlungsempfänger wiederum als Guthaben auftauchen, sind "die Banken" in der Lage, auf Basis dieser Guthaben neue Kredite auszureichen, doch auch hierbei wird wiederum ein Teil der anfänglichen Einlage stillgelegt.

Es gilt:

Nur über die zusätzliche Ausweitung von Schulden und Guthaben, also nur über die Bereitschaft, das Volumen der leistungslosen Einkommen durch noch mehr Zinszahlung noch weiter zu erhöhen, gelingt es, die stillgelegte Liquidität wieder zu ersetzen.

Aktuelle Ergänzung

Dazu bedarf es der Geldschöpfung der Banken.

Weil es in der Vergangenheit viel zu viel Geldschöpfung gab, bei der abzusehen war, dass die empfangenden Kreditnehmer die damit übernommenen Schulden nie zurückzahlen können, stehen die Banken in der Verantwortung für diese Schulden und geraten immer mehr in das Problem, die ihnen überlassenen Einlagen wegen der gigantischen Menge geplatzter und platzender Kredite nicht mehr zurückzahlen zu können.

Das macht sie bei der neuerlichen Kreditvergabe noch vorsichtiger, was die umlaufende Geldmenge weiter vermindert und die Krise verschärft.

Selbst wenn die deutschen Banken das Immobilienblasen-Spiel der US-Banken (auch die Spanier haben dieses Rad gedreht) auf dem deutschen Markt praktisch nicht mitgespielt haben, ist es ihnen doch gelungen, sich durch den Ankauf wertloser Forderungen gegen zahlungsunfähige Kreditnehmer in die gleiche bescheidene Situation zu manövrieren, wie die eigentlichen Auslöser des Problems.

... und bezahlt haben Sie das letztlich mit dem oben unter c) genannten Geld, mit der "Reserve" - und die scheint jetzt weitgehend futsch.



2. Stilllegung von Geld durch Außenwirtschaft

 

Geld lässt sich - heute leichter denn je - aus dem eigenen Wirtschaftsraum abziehen. Wer im Ausland einkauft, egal ob Ware aus dem Ausland importiert wird, oder ob im Ausland investiert wird, entzieht dem eigenen Wirtschaftsraum Kaufkraft.

Technisch funktioniert das - verkürzt und bildhaft ausgedrückt - so, dass die ausländische Notenbank die zur Bezahlung der Auslandsrechnung verwendeten Euros ankauft und als Währungsreserve in den Safe legt und dafür eine entsprechende Menge Geldes ihrer eigenen Währung im eigenen Wirtschaftsraum zusätzlich in Umlauf bringt.

Jeder Import ausländischer Waren und jede Urlaubsreise ins Ausland mindert also die Liquidität im Inland. Andererseits bringen Exporterlöse zusätzliche Liquidität ins Land.

 

Eine besondere Rolle spielen die so genannten Auslandsinvestitionen.

Wenn ein bisher auf dem Binnenmarkt tätiges Unternehmen im Ausland eine Fertigung errichtet, überträgt es nicht nur Arbeitsplätze ins Ausland, sondern gleichzeitig auch Liquidität, was in Zeiten knappen Geldes für die abgebende Volkswirtschaft eine Belastung darstellt.

Investitionen von Ausländern im Binnenmarkt bringen hingegen Arbeit und Liquidität, sollten also grundsätzlich zu begrüßen sein.

Doch über die anfänglichen Effekte hinaus muss berücksichtigt werden, dass Gewinne aus Auslandsinvestitionen unter den Bedingungen der Globalisierung zumeist weder im Binnenmarkt verbleiben, noch im Wirtschaftsraum des Ausländers ankommen, sondern dort angesammelt werden, wo es aus fiskalischen Überlegungen heraus am günstigsten erscheint.

Auslandsinvestitionen sind also von beiden Wirtschaftsräumen her mit großer Vorsicht zu beurteilen.

  • Der Zufluss von Liquidität durch Auslandsinvestitionen wird über die Zeit durch Gewinntranfsfer wieder abgebaut und - wenn es ein erfolgreiches Engagement war - wird dadurch sogar deutlich mehr abgezogen, als zugeflossen ist.
  • Der Abfluss von Liquidität zum Zwecke des Investments im Ausland bringt nur in den seltensten Fällen einen Ausgleich durch Gewinnrückflüsse in die Realwirtschaft der ursprünglich abgebenden Volkswirtschaft.

Gewinner sind die weltweit agierenden Zocker (Global Player) und ihre zumeist anonymen Finanziers (Shareholder). Auslandsinvestitionen entziehen in der Regel den Warenmärkten beider Volkswirtschaften Liquidität und führen sie letztlich spekulativen Anlagen - häufig im Rechtsraum von Steueroasen - zu.

Wenn, im schlechtesten Fall, ausländische Investoren, um des anfänglichen Liquiditätszuwachses willen, mit großzügigen Subventionen angelockt werden und ein Großteil dieser Subventionen unmittelbar zur Bezahlung der Importe von Maschinen und Anlagen verbraucht wird, kann der Liquiditätssaldo für die Binnenwirtschaft sogar von Anfang an negativ sein.

3. Die Spekulation - Geld außerhalb der Realwirtschaft

Das Spekulationskarussel dreht täglich vielstellige Milliardenbeträge rund um den Globus und durch die Börsensäle.

Gewinne und Verluste gleichen sich bei diesem Spiel aus (sieht man von Gebühren und Provisionen ab, die immer fällig werden), es geht also nirgends wirklich Geld verloren, aber trotzdem hat jegliche Spekulation ganz erhebliche Wirkungen auf die Liquidität der Realwirtschaft.

Ein bestimmter Anteil der Liquidität verabschiedet sich beim Einstieg in die Spekulation aus der Realwirtschaft. Er verschwindet in Depots und auf Konten, die ausschließlich der Mehrung von Geldvermögen durch Aktivitäten außerhalb der realen Wirtschaft dienen. Diese Konten und Depots saugen in Hausse-Phasen erhebliche Mengen von Geldvermögen, aber auch von liquidem Geld aus der Realwirtschaft ab. Häufig wird das dafür erforderliche Geld sogar eigens durch Kredite geschaffen, aber es findet - wenn überhaupt - nur in geringem Umfang als Liquidität zurück in die Realwirtschaft, nämlich nur soweit, wie Spekulationsgewinne oder die Reste verspielter Vermögen in Konsum umgewandelt werden.

Liquiditätsverluste durch Spekulation treten aber insbesondere dann ein, wenn in einer Phase stetig steigender Kurse der Geldbedarf der Spekulation so viel vom möglichen Kreditvolumen der Banken für sich beansprucht, dass für die Realwirtschaft zu wenig übrig bleibt.

Aktien werden ja im Börsensaal nicht gegen Spar- oder Pfandbriefe abgegeben.

  • Geldvermögen, das zur Spekulation eingesetzt werden soll,
    muss
    zuerst in Liquidität, also in Geld umgewandelt werden. Dazu müssen
  • entweder neue Kredite ausgereicht
  • oder bestehende aufgelöst (also getilgt) werden.
Eine Hausse ist also in mehrfacher Hinsicht ein Desaster für die Liquidität in der Realwirtschaft.

Das unausweichliche Platzen der Spekulationsblase stellt im Hinblick auf die Sicherung der Geldversorgung nur den Schlusspunkt einer fatalen Entwicklung dar, denn die Probleme die dann kulminieren, werden schon mit der Finanzierung der Hausse-Spekulation aufgebaut und sind - vom Crash abgesehen - kaum mehr aus der Welt zu schaffen.

Werte, die es nur in der überhitzten Fantasie von Spekulanten gibt, entstehen auch nicht dadurch, dass sie in einer langdauernden Hausse immer höher und höher bewertet werden. Platzt die Spekulation,

  • bleiben auf der einen Seite gigantische Schulden übrig, für deren Tilgungs- und Zinslasten die Realwirtschaft aufkommen muss.
  • Auf der anderen Seite stehen riesige Forderungen aus dem Geldvermögen der Spekulationsgewinner, die jegliche Liquidität unbarmherzig aufsaugen.

 

Warum die Realwirtschaft am Ende bezahlen muss ist klar, oder?

  • Arbeiter und Angestellte, die sich verspekuliert haben, tilgen emsig ihre Schulden oder versuchen, verlorenes Vermögen erneut anzusparen. Der Konsum wird entsprechend vermindert. Die Realwirtschaft schrumpft.
  • Unternehmer, die sich an der Börse verspekuliert haben, kürzen die Investitionen und entlassen Mitarbeiter. Die Realwirtschaft schrumpft.
  • Banken und Versicherungen, die sich verspekuliert haben, entlassen Mitarbeiter und erhöhen die Zinsen bzw. die Versicherungsprämien, um die Verluste auszugleichen. Die Mehrbelastung aller Darlehensnehmer und Versicherten beeinträchtigt die Realwirtschaft.

Ein reiner Spekulant, der sich verspekuliert hat, ist pleite.

Hat er Schulden, bleiben diese an der Bank hängen. Die Bank entläßt Mitarbeiter und erhöht die Zinsen, um den Verlust auszugleichen.

aktuelle Ergänzung

 

Und wenn es einmal ganz schlimm kommt,


dann werden Bundestag und Bundesrat und Bundespräsident im Galopp ums Karree gejagt, denn die Banken dürfen nicht pleite gehen.

Sonst verlöre ja man völlig das Vertrauen.

In Banker und Politiker, in das Recht und den Staat
(was alles noch gar nicht so schlimm wäre)

aber eben auch in das System.

Das haben wir so oft gehört, das Wort System.

Aber keiner hat gewagt, das System beim Namen zu nennen.

Es ist wie bei Harry Potter

..., du weißt schon wer

Solche Muggel!

Haben so einen Schiss, vor dem Kapitalismus.


Folgerungen

Um Geld zu horten, braucht es nicht den Entenhausener Dagobert Duck und seinen Geldspeicher.

Alleine durch das Funktionsprinzip des Bankensystems werden dem Wirtschaftskreislauf große Mengen Liquidität entzogen. Weitere Fluchtmöglichkeiten eröffnen sich durch den Transfer ins Ausland und nicht zuletzt durch die Anlage in Objekten der Spekulation.

So entstanden - und entstehen weiterhin - riesige, aufgehäufte Ansprüche des Geldvermögens auf Geld, dem am Gütermarkt kein Äquivalent gegenübersteht.

Dieses "Fehlen" der Güter und Leistungen resultiert nun aber nicht aus der Faulheit der Beschäftigten oder daraus, dass der Staat und der Kleine Mann über ihre Verhältnisse gelebt hätten.

Das Fehlen der Güter hat seine Ursache darin, dass ein Großteil der Vermögen eben nicht aus produktiver Leistung, sondern aus weitestgehend leistungsfreien Einkommensquellen wie Zins, Pacht, Raub, Betrug, Erpressung, Wucher, überhöhten Gewinnen, zu niedrigen Löhnen und überhaupt aus der Nutzung jeglicher Chance entstanden sind, am äußersten Rande und auch außerhalb der Legalität Profite zu machen.

Die Eigentümer dieser Vermögen sind in der Lage, durch spekulative Aktionen erhebliche Störungen im wirtschaftlichen Gleichgewicht auszulösen. Sie können die Geldversorgung ganzer Volkswirtschaften beinahe nach Belieben regeln, ohne von den desaströsen Folgen für Volkswirtschaft und Bevölkerung in ihrer Lebensführung auch nur im Geringsten tangiert zu sein.

 

Die übervollen Stauseen des Geldvermögens, deren Eigentümer längst aufgehört haben, die bedarfsgerechte Bewässerung der fruchtbaren Niederungen sicherzustellen, sondern stattdessen aus spekulativem Kalkül abwechselnd Dürrekatastrophen und verheerende Überflutungen heraufbeschwören, dürfen nicht länger unkontrolliert als Mittel der maßlosen Bereicherung einiger Weniger verwendet werden.

Es wird Zeit, dass auch hier dem Grundgesetz wieder Beachtung geschenkt wird, das in Artikel 14 bestimmt:

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, ...

 

Aktuelle Ergänzung

 und in Artikel 15 sich noch übertrifft, mit der Festlegung:

Artikel 15
Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden. Für die Entschädigung gilt Artikel 14 Absatz 3 Satz 3 und 4 entsprechend.

 

Mit einer spürbaren Besteuerung der höchsten Vermögen, mit der Wiedereinführung von Devisenkontrollen und mit dem Instrument der (nach der Höhe gestaffelten) Transaktionsabgaben, können Mittel freigesetzt werden, die dringend gebraucht werden, um die Geldversorgung in den Warenmärkten bedarfsgerecht sicherzustellen, während gleichzeitig das Gefahrenpotential der "Horte" gebändigt wird.

Silvio Gesell hat seine richtungsweisenden und von mir hoch geachteten Gedanken auf der Basis eines heute nicht mehr existenten Geldkonzeptes entwickelt. Helmut Creutz', dessen Arbeiten über das Geld einen unersetzlichen Wissenschatz bergen, beharrt auf einer strikten logischen Trennung zwischen Notenbankgeld und Bankengeld, die aus den Ideen Gesells herrührt. Doch vom Notenbankgeld unserer Tage ist keine Rettung zu erwarten. Es hat seine besondere Qualität verloren und ist - trotz seiner körperlichen Existenz - im Grunde ebenso ohne eigenen Wert, wie die Ziffern auf einem Kontoauszug. Eine Banknote ist im Prinzip nichts anderes, als ein umlauffähiger Kontoauszug in genormter Stückelung.

 aktuelle Ergänzung

und weil das so ist, sind auch sämtlich Anstrengungen der Notenbanken, die Welt der Geschäftbanken mit Billionen Liquidität zu versorgen, nur ein Haschen nach Wind.

Das, was die Welt bräuchte, nämlich reale Werte, die den irrealen Guthaben gegenüberstehen, kann von Notenbanken per Kredit nicht hervorgebracht werden.

Bleibt also die Erkenntnis, dass wohl die Guthaben wieder der Leistungsfähigkeit der Realwirtschaft angepasst werden müssen.

(Siehe PaD 42 /2008 von gestern)

Zu Gesells Zeiten war die Banknote immer noch ein realer Anspruch auf Edelmetall und hatte von daher tatsächlich einen völlig anderen Stellenwert im Geldsystem, als heute - sie war nämlich einzig und allein in der Lage, Schulden zu tilgen.

Schulden wirklich tilgen, ohne dafür neue Schulden in die Welt setzen zu müssen, ist aber heute nur möglich, wenn man frisches, völlig unbelastetes Geld als "Geschenk" in den Kreislauf einspeist.

So wie früher, als jedes kleinste Nugget, das aus dem Sand goldführender Bäche gewaschen wurde, in der Lage war, eine Schuld - und den mit ihr verbundenen Zinsanspruch - definitiv und endgültig aus der Welt zu schaffen.

aktuelle Ergänzung

und das ist parallel zur Beschneidung der Guthaben erforderlich. Solange der Realwirtschaft Geld fehlt - und die 500 Milliarden Staatsknete werden eben nicht in die Realwirtschaft fließen - muss die Forderung nach einem Konjunkturprogramm nicht nur diskutiert, sondern schnellstmöglich umgesetzt werden.

Das hilft mehr, als die Rettung der Banken, die wir so, wie sie existieren und agieren, nicht brauchen.

(siehe PaD 42 /2008 von gestern)

 

Und dananch muss das Geldsystem neu geordnet werden - selbst wenn sich das, mit ...du weißt schon was ..., nicht verträgt.

 


Mehr in den kommenden Wochen.

Als Service, für diejenigen Paukenschlagleser, die gerne noch einmal die Vorgeschichte nachvollziehen möchten, hier eine Art historischer Abriss über die wichtigsten Aufsätze der Vergangenheit zum Thema:

 Vorläufer 3 /2007 Internationaler Wettbewerb
  14 /2007 Einstürzende Luftschlösser
  20 /2007 Lügenmärchen für Kinder, Enkel und die zukünftigen Generationen
  25 /2007 Das Ende ist nahe
  28 /2007 Nullnummer 2011
  29 /2007 Schuldenfreies Düsseldorf
 Heiße Phase 33 /2007 Das Beben der Märkte
  42 /2007 Beunruhigendes
(Beben Teil 2)
  48 /2007 Die Banken-, Dollar-, Airbus-Krise
    3 /2008 Estate - real estate - Hypo real estate
    4 /2008 Nur ein Börsencrash?
  12 /2008 Die Welle
  14 /2008 Über den Unterschied zwischen Privatisierung und
  15 / 2008 Spurlos verschwunden - 945 Mrd. Dollar
  21 /2008 Verfassungsgut Kapitalismus
  26 /2008 Gesetz zur Förderung gewerblicher Diebstahls-, Raub- und Erpressungsunternehmungen
  27 /2008 Nun spart mal schön!
  33 /2008  Toll, doller, Dollar
 Finale furioso 39 /2008 Harte Landung
  40 /2008  Die Häuser stehen doch noch
  40a /2008 Das letzte Aufgebot
  41 /2008 Ein Garten voller Böcke
     
     

 

und für alle, die das mit dem Geld jetzt aber doch endlich verstehen wollen, habe ich schon vor einer ganzen Weile eine ganzes Buch dazu geschrieben.

 

Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III - Über das Geld.

Das finden Sie im EWK-Verlag unter Sachbuch Wirtschaft.
 Sachbuch Wirtschaft

 

 

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

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Lieber Egon W. Kreutzer,

vielen Dank für den aktuellen Paukenschlag. Ich bekomme immer mehr Schwierigkeiten beim Lesen Ihrer Beiträge, nicht weil sie meiner Meinung nach falsch sind,

sondern weil ich sie psychisch immer schwerer ertragen kann. Ich sende sie immer an ca. 30 Freunde. Neulich hat mir einer geantwortet und die Frage gestellt, was diese Beiträge denn für einen Sinn haben. Letztlich kommt es so, wie es kommt. Was haben wir für Chancen, dem auszuweichen. Ich bin 1944 geboren und in der DDR groß geworden. Ich habe in der DDR Pädagogik, Theaterwissenschaften und Kulturpolitik studiert. Was jetzt alles passiert, wundert mich deshalb überhaupt nicht, ich habe aus diesen Gründen, weil sie damals schon erkennbar waren, 2005, fast schon zu spät, meine Finanzen in Ordnung gebracht. Haben Sie außer den geschilderten Perspektiven eine Alternative? Ich selbst denke darüber pausenlos nach, so unter dem Motto, dass es das nicht gewesen sein kann. Sie sollten deshalb zukünftig dem Leser auch eine Lösung der Probleme anbieten. Ob es der von Platzeck geschilderte 3. Weg ist, lasse ich mal offen. Sie sind ein sehr kluger Mann. Mir reicht es aber nicht nur den Untergang zu beschreiben. Geben sie ihren Lesern eine Perspektive, nur so haben die Paukenschläge auch einen Sinn.

_________________________________
Anmerkung von Egon W. Kreutzer
Es gibt im umfangreichen "Wust" meiner Analysen, Meinungsäußerungen, Kommentare und Zornesausbrüche auch eine durchaus nicht zu übersehende Zahl von - sowohl punktuellen Verbesserungsvorschlägen, wie auch in sich geschlossenen Konzepten für das Zusammenleben und gemeinsame Wirtschaften in einer aufgeklärten und gerechten Gesellschaft.

Mein Bestreben ist es, Alternativen sichtbar zu machen, jedem, der in der Lage ist, selbst zu denken, die Fenster für den Raum der Möglichkeiten zu öffnen. Meine Hoffnung dabei ist, dass durch Information und das Aufzeigen von Chancen ein breites Bewusstsein entsteht, aus dem die Veränderungs- und Verbesserungsbereitschaft als gesamtgesellschaftlicher Konsens aufsteigt. Das erfordert Geduld...




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