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Paukenschlag am Donnerstag No. 3/2008 vom 17. Januar 2008
Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

Estate - real estate - Hypo Real Estate

Estate, das ist englisch. Die Bedeutung reicht schillernd von "Grundstück" bis "Konkursmasse".

Bläst man "estate" zu "real estate" auf, sind "Liegenschaften" gemeint. Ergänzt man das ganze dann zu "Hypo Real Estate", hat man den Namen des jüngsten Opfers der Finanzkrise. Innerhalb von Minuten brach der Kurs der Aktien der Hypo Real Estate am Dienstag um rund ein Drittel ein.

Der Effekt trat auf, weil das Publikum offenbar bis zum letzten Augenblick den Beteuerungen der Banker geglaubt hatte, die Hypo Real Estate sei von der Krise nicht betroffen. Nun sind 390 Millionen Euro futsch - weiterer Abschreibungsbedarf wird nicht ausgeschlossen, aber der Vorsitzende des Vorstands, ein Herr Georg Funke, bleibt ungerührt und ist auch noch stolz darauf, wie wacker sich die Bank geschlagen hat und erklärt sogar, auf die Zukunft bezogen, der Vorstand könne ruhig schlafen. Nun, es kann mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass der Vorstand im letzten halben Jahr nicht ruhig schlafen konnte, denn so überraschend, wie Herr Funke versucht, es darzustellen (die dramatische Verschlechterung sei nicht vorherzusehen gewesen), ist die Situation nicht über die Welt hereingebrochen.

Das Beben der Märkte, das ich vor fünf Monaten im Paukenschlag No. 33/2007 thematisiert habe, ist nicht zur Ruhe gekommen. Es hat sich, wie prognostiziert weiterentwickelt. Zum Ende des vierten Quartals 2007 waren alle US-Konjunktur-Indizes, einschließlich der Arbeitsmarktdaten negativ. Die Rezession ist da. Ich kann es mir leicht machen (und Ihnen ersparen, den PaD33 nochmals vollständig zu lesen), indem ich - hier beginnend - aus meinem Aufsatz vom 16. August 2007 zitiere. Auslassungen sind durch (...) gekennzeichnet, soweit relative Zeitangaben aktualisiert wurden, sind sie jetzt kursiv dargestellt und beziehen sich auf Mitte Januar 2008.

Das Zeitfenster für diesen Crash ist eng. Er kann heute Nachmittag beginnen, er könnte auch noch ein paar Monate hinausgezögert werden - und dass er die Welt 2008 trifft, ist wahrscheinlicher als die Annahme, er käme erst 2009.
Es gibt gleich mehrere Entwicklungen, die sich gegenseitig auslösen und verstärken und so zum beschleunigten Wachstum der Spannungen beitragen:

a) Die weitere US-interne Entwicklung und ihre Folgen für den Binnenmarkt

(...)
Mit überaus preiswerten und überaus bereitwillig ausgestreuten Hypothekendarlehen wurde der Binnenmarkt der USA mit Geld geflutet. Davon waren aber bei weitem nicht nur die Schrottimmobilien betroffen, deren fragwürdige Finanzierung seit mehr als einem Jahr - Bank für Bank - zusammenbricht. Die Dimensionen der Blase sind damit längst nicht ausreichend beschrieben. Die Märkte haben Spielregeln - und die führen dazu, dass eine Fehlbewertung nicht auf ein Segment beschränkt bleiben kann.
Wenn das typische amerikanische Einfamilienhaus (...), das nach deutschen Maßstäben höchstens einen Kaufpreis von 100.000 Euro und einen Beleihungswert von weniger als 50.000 Euro repräsentiert, dort plötzlich mit 300.000 oder 400.000 US$ bewertet wird (...), dann schlägt dieses Missverhältnis zwischen realem Wert und geforderten Preisen doch auf den gesamten Immobilienmarkt durch. Das Appartement im New Yorker Hochhaus, das einen Wert von vielleicht 250.000 US$ repräsentiert, muss teurer sein, als die windigen Fertighäuser - sonst stimmen die Relationen nicht - und so wird es zum Spekulationsobjekt und mit 600.000, 800.000 oder sogar mehr als 1.000.000 US$ gehandelt. Diese Entwicklung muss zwangsläufig gigantische Bauaktivitäten in rein spekulativer Absicht auslösen - und so ist es schließlich auch gekommen.

Die USA sitzen auf einem Berg vollkommen überbewerteter Immobilien. Nichts ist davon ausgenommen, weder die Familien-Pappschachtel in der Vorstadt, noch das Luxusappartement in der allerbesten Lage - und die allermeisten dieser Immobilien sind bis weit über die Dachkante mit Hypotheken belastet.
Diese Halde ist vor ungefähr anderthalb Jahren ganz allmählich ins Rutschen gekommen, weil ganz unten an der Basis die Zinsen nicht mehr gezahlt werden konnten. Seitdem wird der Erdrutsch immer schneller - und ist nicht mehr aufzuhalten. Die dinglichen Sicherheiten, die üblicherweise als "Sicherung" gegen Zahlungsausfälle und deren Folgen der Bank zur Verfügung stehen, nützen in dieser Situation überhaupt nichts. Die Immobilien lassen sich nicht verwerten. Sie lassen sich weder verkaufen (jedenfalls nicht einmal näherungsweise zu Preisen, die ausreichen würden, die ausstehenden Tilgungsleistungen einzubringen) noch lassen sie sich vermieten, denn als Mietinteressent kommt niemand anders in Frage, als die soeben per Mahnverfahren und Räumungsklage vor die Tür gesetzten Ex-Eigentümer. Die aber waren außerstande, den regulären Schuldendienst aufzubringen; sie werden also ebenfalls nicht in der Lage sein, eine Miete aufzubringen, deren Höhe es der Bank ermöglichte, irgendwann und irgendwie wieder aus der Klemme zu kommen.
Es kann also durchaus damit gerechnet werden, dass der Bulldozzer, der in der Kleinstadt von einem Grundstück zum anderen fährt, um das darauf errichtete Fertighaus platt zu machen, bevor es einfach von mutigen Obdachlosen "besetzt" wird, in nicht allzuferner Zukunft zum gewohnten Bild des american way of life gehören wird.

Doch damit ist das Krisenszenario längst nicht vollständig beschrieben. Parallel zu dieser Entwicklung wird die Baubranche nahezu zum Erliegen kommen. Weder neu errichtete Luxusappartements noch nagelneue Fertighäuser aus dem Katalog werden Abnehmer finden. Denn einerseits ist die Zahl der per Zwangsversteigerung zu erwerbenden Billigst-Schnäppchen viel zu groß und andererseits hegt für lange Zeit niemand mehr eine Renditeerwartung, die den Neubausektor aus spekulativen Erwägungen heraus beflügeln könnte. Selbst große staatliche Bauprogramme, wofür auch immer, können den über mehrere Jahre anhaltenden Niedergang der Bau- und Einrichtungsbranche in den USA nicht aufhalten, einerseits, weil der geeignete Startzeitpunkt bereits verpasst ist, andererseits weil auch die Regierung ein Problem haben wird, in Zeiten zusammenbrechender Finanzmärkte die notwendige Liquidität bereitzustellen, ohne mit jedem zusätzlichen Dollar ein massives Ansteigen der Inflation auszulösen.

Doch der Bausektor selbst ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Bruttoinlandsprodukt der USA, im Jahre 2006 immerhin 13,25 Billionen US$, entstand zwar nur zu 4,9 Prozent im Bau, zu 20,9 Prozent jedoch im Bereich Immobilien und Finanzierung - und weil auch diese tief in die Krise verstrickt sind, ist damit rund ein Viertel der statistisch erfassten Wertschöpfung der USA betroffen. Obwohl der Personalbedarf der Bereiche Immobilien und Finanzierung in Relation zur Wertschöpfung sehr gering ist, so kann doch geschätzt werden, dass alleine dadurch, dass den Immobilienmärkten die Luft ausgeht, bis zu 10 Millionen Arbeitsplätze akut bedroht sind - und dass alleine in Folge dieser Entwicklung, ohne die weiteren ungünstigen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, im Zeitraum von September 2007 bis August 2008 mindestens 3 Millionen Jobs verloren gehen. Dabei handelt es sich um gute Jobs aus dem Kernbereich der Erwerbstätigkeit. Da die Statistiker in den USA mit den Begriffen Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit noch weitaus großzügiger umgehen, als wir das in Deutschland allmählich kennenlernen, ist das ein weit größeres Stück vom Kuchen der Erwerbstätigkeit, als es die völlig überzogene Zahl der "per Telefonumfrage im Stichprobenverfahren" festgestellten 142 Millionen Erwerbstätigen vorgaukelt.
Die Freistellung von mindestens 3 Millionen qualifizierten und engagierten Menschen aus den Jobs rund um die Immobilie wäre sicherlich eine Chance für die USA. Ein Teil des Außenhandelsdefizits könnte abgebaut werden, indem die neuen Arbeitslosen damit beschäftigt würden, die Importabhängigkeit zu mindern. Doch diese Chance wird ungenutzt verstreichen. Den USA fehlt nämlich mit dem Ende der Immobilienblase der Treibstoff für einen Aufschwung. Das Geld ist weg.

Was bisher auf dem Weg "Wertsteigerung der Immobilie - zusätzliche Hypothek - zusätzlicher Konsum" zur Geldversorgung diente, ist weggebrochen. Neue Geldquellen sind bislang nicht erschlossen. Zudem müssen die Banken, solange sie nicht selbst schon in die Insolvenz gerutscht sind, zur Kompensierung der eingetretenen Verluste an der Zinsschraube drehen. Auch eine massive Senkung der Zentralbankzinsen wird wirkungslos bleiben. Das dem Binnenmarkt zur Verfügung stehende Geld wird nicht billiger - es wird teurer. Investitionen werden massiv erschwert - und der Weltmarkt bietet weiterhin zu konkurrenzlos günstigen Preisen an. Obwohl also ein Bedarf besteht, wird seine Deckung im Binnenmarkt nicht gelingen, weil entsprechende Projekte schon bei den Finanzierungsbemühungen an der Rentabilitätsprüfung scheitern.

Die Eigenschaft des Kapitalismus, nicht primär für den Bedarf, sondern ausschließlich für den Profit zu produzieren, wird zuverlässig verhindern, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann.

b) Die absehbaren Reaktionen der Gläubiger

Dollars haben, heißt ein Problem haben. Und weil dies ziemlich gleichzeitig alle begriffen haben, will den Dollar nun niemand mehr. Dass ein paar hochbezahlte und mit großzügigen Pensionen ausgestattete Schlafmützen in Deutschland weiter fleißig daran mitwirken, die gesamte Infrastruktur, von der Kanalisation bis zur Autobahn, von der Telekom über die Post bis zur Bahn, von den Wohnungen in Dresden bis zu den Kliniken in Hamburg - alles reale, funktionierende, nützliche Werte - gegen wertloses Papier, von dem die ganze Welt überquillt, zu verschleudern, hilft zwar den Investoren, also privaten Nutznießern, wenigstens Teile ihres Vermögens durch Umwandlung in Sachwerte zu retten, den Niedergang des Dollars wird das nicht aufhalten..
US-Schuldtitel, in welcher Gestalt sie auch immer verbrieft und verkauft werden, haben es in nächster Zukunft schwer, Interessenten zu finden. Die Verletzlichkeit des Riesen ist deutlich geworden. Die Dollarreserven, die vor allem in China und Japan gehalten werden, sind plötzlich als das zu erkennen, was sie im Grunde schon immer waren: Uneinbringliche Forderungen.
Und wenn auch der Handel mit Dollars noch eine ganze Weile fortgesetzt werden wird, der Kurs des Dollars wird im Verhältnis zum Euro, zum Yen, zum Rubel und zum Renminbi Yuan immer weiter abstürzen. Dass der Absturz noch langsam und gebremst vonstatten geht, hat viel damit zu tun, dass sich immer noch viele eine Chance ausrechnen, sich "schleichend" und mit kleinen Verlusten aus dem Dollar verabschieden zu können - und dass Öl immer noch ganz überwiegend gegen US$ verkauft wird. Beides wird sich ändern, denn schon jetzt geht es nur noch darum, sich möglichst geschickt vom "Schwarzen Peter" zu trennen.

Der US$ hat in den letzten 5 Jahren bereits mehr als ein Drittel seines Wertes gegenüber dem Euro eingebüßt. Dollar-Gläubiger in aller Welt haben in diesen 5 Jahren mehr als ein Drittel ihres in Dollar angelegten Vermögens verloren. Eine nachhaltige Trendumkehr ist nicht zu erwarten. Die Auslandsschulden der USA sind zwar bis heute immer noch weiter gestiegen, doch mit den nicht mehr zu unterdrückenden Informationen über das Ausmaß und die Entstehung der Immobilienblase wird allmählich auch dem dümmsten Anleger deutlich, dass es über dem Großen Teich eine ganze Nation gibt, die in einem so spektakulären Maße über ihre Verhältnisse gelebt hat, dass sie niemals in der Lage sein wird, ihre Schulden zu tilgen - außer per Abwertung.

In Deutschland haben bisher nur die Arbeiter und Angestellten dafür bezahlt, weil sie der Industrie durch ihre verhältnismäßig niedrigen Löhne auf vielen Gebieten ermöglichten, besonders günstige Angebote vorzulegen. Unternehmer und Kapitalgeber haben - wie die Bilanzen belegen - fürstlich daran verdient. Doch nur wird es auch für das Kapital eng.

Dollars haben, heißt ein Problem haben. Ein noch so schöner Gewinn, der in einer Währung erwirtschaftet wird, die niemand mehr haben will, ist kein Gewinn - sondern so eine Art monetärer Sondermüll.


c) Die unvermeidliche Inflation in den USA

Um den - von der Bau-, Immobilien- und Finanzbranche eingeleiteten - drohenden Zusammenbruch der gesamten Volkswirtschaft doch noch zu bremsen, muss Geld in den Binnenmarkt gepumpt werden - und zwar dahin, wo der Konsum eingebrochen ist, also letztlich in die Taschen der Arbeiter und Angestellten. Möglichkeiten dafür gibt es viele, angefangen von Rüstungsausgaben, über die Erhöhung von Soziallleistungen oder die Einführung neuer staatlicher Wohltaten - bis hin zu direkten Lohnzuschüssen (Kombi-Lohn ? ) oder direkten, beschäftigungsabhängigen Subventionen für die Wirtschaft (1-Dollar-Jobs ? ).
Doch es wird nicht gelingen, der künstlich überhöhten Nachfrage ein entsprechendes Angebot gegenüberzustellen. Die dafür erforderlichen Investitionen werden wegen der bereits oben angesprochenen, unzureichenden Rendite nicht stattfinden - und die Importeure werden, weil sich die ausländischen Lieferanten vom Dollar abwenden, ebenfalls nicht in die Bresche springen.
Während also Arbeitslose und Erwerbstätige, um den Lebensstandard erhalten - und vor allem die noch offenen Kredite weiter bedienen zu können - noch einmal massiv mit zusätzlichem Geld ausgestattet werden, treten Produktion und Produktivität auf der Stelle. Die Lohn-Preisspirale beginnt sich zu drehen - von unten her.

Von oben her drängen die weltweit vagabundieren Dollars zurück in die Heimat und versuchen dort aufzukaufen, was immer von Wert ist. Der Ausverkauf des Volkseigentums und der größeren Privatunternehmen, der in Deutschland schon weitgehend abgeschlossen ist, wird auf die USA übergreifen und dort in brutaler Härte ausbrechen, wenn die Gläubiger versuchen, ihre wertlosen Dollars auch noch gegen den allerletzten Sachwert einzutauschen. Der Makler-Trost:
"Geld kann abgewertet werden, Grund und Boden nicht. Und selbst wenn ein Krieg kommt, und ihre Immobilie einen Volltreffer abbekommt, besitzen Sie doch hinterher immerhin noch einen Bombentrichter!" - wird jede Quadratmeile Wüste zum immer noch attraktiven Anlageobjekt werden lassen. Dies wird einen seltsamen, von den USA ausgehenden Höhenflug der Börsen hervorrufen, der von den öligen Kommentatoren, die auch sonst bei jeder Gelegenheit betonen, dass es eine Gefahr für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt gegeben habe, als Signal für die Robustheit und Widerstandskraft der US-Wirtschaft, als Zeichen für den Beginn einer nachhaltigen Erholung und eines neuen Aufschwungs und nicht zuletzt als Beleg für die überlegene Weisheit der US-Manager und US-Politiker hergenommen wird. Bloß keine Panik!

Die Hyperinflation beginnt also an zwei Fronten, die Löhne werden anziehen, um das Volk ruhig zu halten - und die Preise der Anlageobjekte werden anziehen, weil den Anlegern ihre Dollars in den Händen verbrennen.
Mit dem zurückströmenden Geld der Anleger wird die weitere Inflation auf den Warenmärkten angetrieben. Das T-Bone-Steak wird erst 70, dann 200, dann 10.000 Dollar kosten - und ein paar Wochen später gibt es gar keines mehr.

d) Das Überspringen der Krise auf den Rest der Welt

Die größte Volkswirtschaft fällt bei gleichzeitigem Abbrennen eines Kursfeuerwerks an der Wall Street ins Koma. Die Nachfrage nach ausländischen Produkten für den Massenkonsum bricht zusammen. Chinesen, Japaner, Europäer und vor allem Deutsche verlieren einen wichtigen Markt. Zudem verlieren die Gläubiger weltweit Forderungen auf weit mehr als 10 Billionen (nicht Milliarden) US$. Das mag für einen Teil der betroffenen Unternehmen, Banken und Privatpersonen zu verkraften sein - für einen anderen Teil bedeutet es den vollständigen Ruin, weil die Rückflüsse der in Dollar angelegten Mittel fest eingeplant waren.

Asien wird die Krise mit geringen Schäden überstehen.

China wird sich verhältnismäßig leicht und ohne großen Schaden aus dem Staub machen können. Die Dollar-Reserven waren bisher kaum angetastet worden - man wird sie auch in Zukunft nicht brauchen. Die Dollar Krise ermöglicht es, den Yuan zu einem günstigen Zeitpunkt definitiv vom Dollar abzukoppeln, das eigene Geldsystem auf sichere Beine zu stellen - und vermehrt für den riesigen, in keiner Weise gesättigten Binnenmarkt zu produzieren, auch wenn neben den USA noch weite Teile Europas als Abnehmer ausfallen. Ähnliches gilt für Korea, Vietnam, Indien und andere aufstrebende Volkswirtschaften in Asien.
Japan wird - ähnlich wie Deutschland - zu den großen Verlierern gehören.

Europa wird nicht so gut davonkommen.

Zu eng sind die Verknüpfungen zur US-Wirtschaft, zu heterogen immer noch die einzelstaatlichen Sonderinteressen, die ein gemeinsames Vorgehen, vor allem ein gemeinsames Abschotten gegen den Brandherd unmöglich machen werden. Vor allem aber braucht die hochgezüchtete und auf Profitinteressen statt auf Bedarfsdeckung ausgerichtete EU-Wirtschaft den US-Markt, um ihre Kapazitäten auszulasten. Ein entsprechend großes Nachfragepotential vergleichbarer Qualität ist weltweit nicht vorhanden und nicht zu erschließen. Die Schließung von Fabriken und die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen werden in Europa viel weiter gehen, als es das Maß des bisherigen US-Imports vermuten ließe, da den Europäern die Nachfrage auch da wegbricht, wo andere große Exportnationen den Umsatzausfall zu kompensieren haben und versuchen, dies zunächst auf dem Binnenmarkt zu schaffen.

Deutschland, das sich unter Gerhard Schröder und Angela Merkel zu Gunsten der Exportindustrie freiwillig zum Armenhaus Europas verwandelt hat, wird es in Europa mit am schlimmsten Treffen, weil die Massenkaufkraft bereits massiv reduziert ist und der "selbsttragende Abschwung" des Binnenmarktes längst eingeleitet ist.
Das peinlich-unverschämt-menschenverachtende Gezerre um Mindestlöhne und Anpassung der Hartz IV-Sätze (...) wird uns allen in Kürze jedoch als erstrebenswerter Zustand in Erinnerung sein, wenn die Politik mitten im Crash mit ihrem Latein endgültig am Ende ist. Wenn nämlich alle Steuerquellen und die Beitragseinnahmen der Sozialsysteme gleichzeitig beginnen, immer müder und spärlicher zu fließen, während die Zahl der Rentner, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger von einem Rekord zum anderen ansteigt, und die Tilgungswut der Haushaltsverantwortlichen ungebrochen weiter ausgelebt werden darf, wird es nur noch heißen: Rette sich wer kann. Geld vom Staat? Fehlanzeige!

Amerika, ohne USA

Kanada
kann sich gegen den Virus nicht abschotten. Es wird, parallel zu den USA die einzelnen Phasen der Krise ebenfalls, leicht abgeschwächt, durchleben und letztlich vergleichbare Verluste zu verzeichnen haben.
Mexiko und der restliche Hinterhof, sowie die großen südamerikanischen Nationen werden punktuell getroffen. Überall da, wo sich große Dollarvermögen in privater Hand angesammelt haben, kann es zu Firmenzusammenbrüchen, Arbeitslosigkeit und höchst prekären Situationen kommen, allerdings werden kaum ganze Volkswirtschaften in den Abgrund driften. Es gibt sogar Hoffnung, dass die Experimente zur Eindämmung des Kapitalismus, die gerade in Mittelamerika laufen, sich für eine Weile ohne den Widerstand des großen Nachbarn entwickeln können.

Australien und Afrika

werden nicht nennenswert betroffen. Australien, weil es - von der Bevölkerung her - zu klein ist, Afrika, weil es zu arm ist.



Die Alternative

Es steht für dieses Mal keine Alternative mehr in Aussicht. Nur Varianten des Ablaufs sind denkbar - die jedoch insgesamt darauf hinaus laufen, dass die werthaltigen Vermögensgegenstände, die in den USA und in Europa im öffentlichen Besitz oder im privaten Streubesitz befindlich sind, gegen Papiergeldlawinen eingetauscht werden.

Das Kind ist im Brunnenschacht unterwegs und wird erst durch den Aufschlag auf die Wasseroberfläche gebremst werden.

Dabei handelt es sich bei großen, weltweiten Wirtschaftskrisen nicht um Naturgesetze, sondern um menschengemachte Ereignisse, die eintreten können, weil es die Mehrheit der Demokraten nicht schafft, sich gegen die Minderheit der Egoisten zu organisieren.

Es sind Ereignisse, die nur eintreten können, weil die Mehrheit der Wähler nicht weiß, wie das Spiel läuft - und schon gar nicht, dass sie ausersehen sind, die Zeche zu zahlen.
Diese Unwissenheit zu überwinden ist schwierig. Nur eine aufgeklärte Mehrheit der Demokraten könnte die notwendige Bildung einfordern und durchsetzen. Solange die Minderheit der Egoisten ihre "Wahrheit" auf allen Kanälen unwidersprochen verbreitet, wird sich kaum etwas ändern können.


Soweit das Zitat aus dem Paukenschlag No. 33 vom 16. August letzten Jahres. Wer die Entwicklung aufmerksam verfolgt hat, weiß, was bereits als abgehakt gelten kann und was noch zu erwarten ist. Der Schlag den die in Deutschland ansässige Hypo Real Estate zu verkraften hat, mag sich gegenüber jenen 20 Milliarden US$, die bei der CityGroup abgeschrieben werden müssen und den weiteren zig-Milliarden, die von weiteren US-Banken als Verluste abgeschrieben werden müssen, noch als geringfügig ausnehmen, doch muss daran erinnert werden, dass die IKB und die Sachsen LB nur durch massive Stützungsmaßnahmen vor dem Konkurs gerettet werden konnten, das selbst Ackermanns Deutsche Bank erheblichen Abschreibungsbedarf eingestehen musste - und dass noch längst nicht alle Risiken, die noch in den Bankhäusern der Euro-Zone schlummern, auch aufgedeckt wurden.

Doch noch geht es primär um die USA.

Daher möchte ich heute das Augenmerk auf die Bemühungen des US-Präsidenten lenken, der US-Wirtschaft etwas Luft zu verschaffen.

George W. Bush, dem der eigene Geheimdienst Ende letzten Jahres mit der Meldung in den Rücken gefallen ist, der Iran habe sein Atomwaffenprogramm schon vor Jahren abgebrochen, musste erkennen dass ihm der einfache Weg zur Erzeugung profitträchtiger Kriegsproduktion (womöglich in letzter Minute) vorläufig versperrt wurde. Doch er hat seine Anti-Iran-Rhetorik deshalb keineswegs aufgegeben. Seine Nahost-Rundreise, die er mit der Aussicht auf einen Friedensschluss zwischen Israel und den Palastinänsern innerhalb eines Jahres eröffnete (um auf Nachfragen zuzugeben, dass ein Zeitraum von 10 Jahren bis zur Lösung des Problems eher wahrscheinlich sei) führte den Präsidenten auch erstmals an den Hof der Saudi-Arabischen Herrscherfamilie.

Es scheint, als habe es der persönlichen Einlassung des Präsidenten bedurft, König Abdullah davon zu überzeugen, dass die Golfstaaten in kurzer Zeit 20 Milliarden US Dollar für Waffeneinkäufe in den USA auszugeben haben, um das von den USA so dringend benötigte Öl unter der saudischen Wüste gegen die "iranische Gefahr" verteidigen zu können. Die Golfstaaten, bei denen man inzwischen nicht mehr genau sagen kann, was - in Euro bewertet - größer sein mag, die angesammelten Dollar-Reserven oder die noch in der Erde ruhenden Ölreserven, hatten wohl keine andere Wahl.

Die rein finanziellen Auswirkungen dieses Deals für die USA und die US-Wirtschaft können ganz grob wie folgt angenommen werden:

 

Die Reise des Präsidenten in den Nahen Osten hat der internationalen Finanzwelt also keine nennenswerte Steigerung der Ertragskraft der US-Wirtschaft gebracht. Das führt zu der bitteren Erkenntnis:

Die Profite aus der Aufrüstung der Saudis und weiterer Golf-Anrainer erreichen bei weitem nicht die Höhe der Profite, die aus dem längst überfälligen Krieg gegen den Iran erhofft wurden und werden.

Inwieweit es Bush und seinem Tross gelungen sein mag, beim Besuch vor Ort Zustimmung und Unterstützung für den Krieg einfordern zu können, bleibt vorläufig offen, ist aber auch nur von nachgeordnetem Interesse. Dass das Thema nicht auf der Tagesordnung gestanden haben könnte, muss als eine äußerst naive Annahme angesehen werden.

Gelingt es den USA nicht, die Finanzkrise doch noch zu beherrschen - und nichts spricht nach Lage der Dinge derzeit dafür - stehen sie vor einer einfachen Wahl:

Schnelles Absinken in die wirtschaftliche und damit auch militärische und politische Bedeutungslosigkeit - oder Krieg. Je größer, je weiter, je länger - desto besser.

Krieg, ist er denn erst einmal vom Zaum gebrochen, reißt alle Dämme nieder. Es werden noch einmal Milliarden und Abermilliarden an Dollars in die Welt gesetzt, fließen als Gewinne und als Löhne, als Steuereinnahmen und Sozialleistungen auch in den Binnenmarkt und lassen das Land neu erblühen.

Kriegsvorbereitung und Kriegswirtschaft führen zu Vollbeschäftigung.
(Sozial ist, was Arbeit schafft.)

Gerade die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen lassen befürchten, dass der noch amtierende Präsident nicht als Lame Duck enden wird, sondern dass er den casus belli noch vor dem Ende seiner Amtszeit suchen und finden wird, um seinem Nachfolger / seiner Nachfolgerin, ganz unabhängig von Partei- und Lagerzugehörigkeit, die Fortsetzung eines frisch begonnen Krieges aufzuzwingen - oder zu ermöglichen.

Ende März / Anfang April ...


(Für alle, mit denen ich dazu einzeln kommunziert habe: Ja, ich erinnere mich durchaus, dass ich seit ungefähr zwei Jahren darauf gesetzt habe, Bush würde den Krieg gegen den Iran nicht mehr beginnen. Heute muss ich mich korrigieren - und kann nur hoffen, mich zu irren.)