Paukenschlag am Donnerstag
No. 35/2008
vom 28. August 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Das Wunder der gekleinten Zahl

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
29 Nine/twenty-eight
30 Von allen guten Geistern verlassen
 31 Nicht einfach zur Flasche greifen
 32 Sommerliche Erfrischungen
 33 Toll, doller., Dollar
34 Der SPD ins Stammbuch
 
 
 
 
 
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Das Wunder
der gekleinten Zahl
(IQ-Test: schön - geschönt, klein - ge.....?)


Focus online jubelte am heutigen Donnerstag, dem 28.08.2008 um 9.57 Uhr nach der Verkündung der Ergebnisse der neuesten Nürnberger Statistikbemühungen mit der Schlagzeile:

Zahl der Arbeitslosen sinkt unter 3,2 Millionen
um dann zu erläutern:

Trotz der sich abkühlenden Konjunktur ist die Zahl der Jobsuchenden in Deutschland im August um 14 000 auf 3,196 Millionen gesunken.


Sowohl die Überschrift, wie auch die Erläuterung dazu sind schlicht falsch.

Gesunken auf 3.196.000 Personen ist nicht die Zahl der Arbeitslosen, die liegt weit höher, sondern lediglich die Zahl der statistisch erfassten Arbeitslosen.

Ebenso falsch, wenn nicht gar irreführend ist es, die Zahl der statistisch erfassten Arbeitslosen mit der Zahl derjenigen gleichzusetzen, die Arbeit suchen.

Wie groß die Differenz zwischen Meldung und Wahrheit ausfällt, werde ich in diesem Artikel noch darstellen, doch zunächst darf der Hinweis nicht fehlen, dass der Focus bei weitem nicht das einzige Blatt ist, dessen donnernder Applaus das Konzert vom ersten Takt an hemmungslos übertönt.

Schon am 24. August hatte die FAZ in ihrer OnlineAusgabe FAZ.NET den Boden für die August-Zahlen bereitet und

Das Wunder am deutschen Arbeitsmarkt

bestaunt.


Ein Carsten Germis erging sich in Lobhudeleien auf die Wirkung der Hartz-Gesetze, durch die es erstmals möglich geworden sei, dass die Arbeitslosigkeit trotz schrumpfender Wirtschaft abnimmt.

Er schreibt - aus der arroganten Distanz des Technokraten - mit Begeisterung darüber, dass die Arbeiter und Angestellten ihre Ansprüche zurückgeschraubt, ihre Besitzstände aufgegeben haben und nun auch Jobs annehmen, die sie vor den Hartz-Gesetzen noch abgelehnt hätten.

Dass die Sozialgesetzgebung vor Agenda 2010 und Hartz die Menschen davor bewahrt hat, sich aus purer Not zu jedem Preis für jeden Job verdingen zu müssen, dass dies durchaus als ein - von Bismarck angestoßener und bis weit in die Nach-Erhard-Ära hinein fortentwickelter - sozialer und gesellschaftlicher Fortschritt war, dass damit ein Stückchen Feudalismus abgebaut und ein Stückchen echter Demokratie ermöglicht worden war, das scheint Herrn Germis nicht zu interessieren - und wenn doch, dann kann sein Artikel kaum anders gedeutet werden, als der Ausdruck klammheimlicher Freude darüber, dass das Rad der Geschichte mit der Politik sogenannter Reformen ein gutes Stück zurückgedreht werden konnte.

Sie hätten gerne ein Zitat? Bitte sehr:

Carsten Germis - Originalton:

"Wenn nach einem Jahr der Absturz auf Hartz-IV-Niveau droht, suchen sich viele doch einen neuen Job - und nehmen ihn auch dann an, wenn sie sich eigentlich für bessere Aufgaben qualifiziert fühlen und weniger verdienen als vorher.

(...)

Ein Rechenbeispiel zeigt deutlich, was Hartz IV vor allem für die durchschnittlich verdienende Mittelschicht bedeutet: Ein Single, der vorher 1600 Euro brutto verdiente, bekam früher vom zweiten Jahr Arbeitslosigkeit an immer noch 912 Euro Arbeitslosenhilfe. Der Absturz auf 345 Euro Hartz IV schmerzt deutlich stärker. Vor allem für Arbeitslose aus der Mittelschicht ist es also mit den Hartz-Reformen ungemütlicher geworden."

Darum geht es also. Ungemütlicher muss es werden, für die durchschnittlich verdienende Mittelschicht.

Als ich vor sechs Jahren den zweiten Band meiner Buchreihe "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre" vorlegte, hatte ich darin ein Kapitel mit der provozierenden Überschrift "Die Arbeitslosigkeit - ein knappes Wirtschaftsgut" überschrieben.

Das möchte ich Ihnen in diesem Zusammenhang nahebringen:

Die Arbeitslosigkeit,
ein knappes Wirtschaftsgut

Bei knappen Wirtschaftsgütern, so haben wir es in der Schule gelernt, funktioniert der Markt. Bei knappen Wirtschaftsgütern bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis und sonst gar nichts. Die Frage, die wir uns in diesem Kapitel stellen, klingt abstrus.

Ist Arbeitslosigkeit überhaupt ein Wirtschaftsgut und wenn ja, ist sie dann auch noch ein knappes Wirtschaftsgut und wie bildet sich an welchem Markt der Preis für dieses knappe Gut?

Nun, Arbeitslosigkeit ist sicherlich kein materielles Gut, keine Hardware. Aber für die Wirtschaft liegt im richtigen Umgang mit der Arbeitslosigkeit ein erhebliches Kostensenkungspotential, das ähnliche Wirkungen hervorbringen kann, wie der Einsatz einer modernen, leistungsfähigeren Maschine oder wie auch der Einsatz eines besonders qualifizierten Mitarbeiters. Arbeitslosigkeit ist also anders als Arbeit, aber genauso wie Kapital, ein Produktionsfaktor.
Arbeitslosigkeit kann -- wie Kapital -- in einem Unternehmen oder einer Volkswirtschaft selbst erwirtschaftet, oder bei Bedarf gegen eine Art Zins ausgeliehen werden.
Der Preis für die Arbeitslosigkeit besteht in einem Verzicht auf Nachfrage, auf Absatzmöglichkeiten und damit auf den Gewinn aus der eventuell möglichen Produktionssteigerung.
Dem steht als positive Folge die durch den Einsatz von Arbeitslosigkeit erreichbare Kostensenkung (= Gewinnsteigerung) gegenüber.

Die ganze Mühe mit der (Mehr-)Produktion erweist sich nämlich als überflüssig, wenn der Unternehmensgewinn durch Kosteneinsparungen auf der Lohnseite und durch öffentliche Subventionen, wie sie im Gefolge der Arbeitslosigkeit gerne verteilt werden, schneller und nachhaltiger gesteigert werden kann, als per Mengenwachstum.

Arbeitslosigkeit mindert zwar die Binnennachfrage -- doch derjenige, der Arbeitslosigkeit schafft, muß davon nicht betroffen sein, weil sich Nachfrageschwäche in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich auswirkt.


Wenn Arbeitslosigkeit so hervorragend positive Wirkungen hat, warum nutzt man sie nicht stärker, warum ist die doch so leicht herzustellende Arbeitslosigkeit ein knappes Wirtschaftsgut?

Stellen Sie sich bitte für einen Augenblick vor, Sie würden zum Vorsitzenden aller deutschen Unternehmer- und Wirtschaftsverbände ernannt, und sie hätten von nun an darüber nachzudenken, ob Vollbeschäftigung besser sei als Arbeitslosigkeit, oder umgekehrt, und bei nicht eindeutigem Ergebnis hätten Sie zu erklären, wieviel Arbeitslosigkeit denn am besten für die Wirtschaft sei.

Keine Scheu, solche Überlegungen sind für einen Menschen in einer derart wichtigen Position eine ganz selbstverständliche und absolut nicht anstößige Fragestellung. Die Kenntnis der richtigen Antwort und ihre Umsetzung sind schließlich ein ganz eminent wichtiger Pluspunkt für den Standort Deutschland! Natürlich brauchen Sie für diese Überlegungen jemanden, der Ihnen die Fakten präsentiert und aufbereitet. Vielleicht können Sie sich aber auch selbst noch erinnern, schließlich hatten wir schon Vollbeschäftigung. Damals wurden rings um das Mittelmeer Gastarbeiter angeworben, während zu Hause die Löhne und Gehälter in atemberaubendem Tempo stiegen. Der ganze Gewinn mußte sofort wieder investiert werden, damit der steigende Bedarf einer immer anspruchsvolleren Bevölkerung mit immer neuen Produkten aus immer neuen Fabrikhallen befriedigt werden konnte. Das Kapital der Wirtschaft war damals hochgradig in den Unternehmen gebunden, und konnte nur in völlig unbefriedigendem Maße in Privatvermögen umgewandelt werden. Der Anteil der Beschäftigten am Produktivitätsfortschritt war hoch und der Wohlstand des Volkes stieg und stieg in völlig unsinnige Höhen, während das Geldvermögen durch eine lebhafte Inflation vernichtet wurde.

Nein, die Vollbeschäftigung wünscht sich wirklich nicht jeder zurück. Was hilft denn ein galoppierendes Wirtschaftswachstum, wenn das private Einkommen aus der wirtschaftlichen Betätigung nicht mindestens mitwächst? Zu Zeiten der Vollbeschäftigung war zwar Geschäft, aber nicht wirklich Gewinn zu machen. Die Unternehmer waren auf einem leergefegten Arbeitsmarkt den Forderungen der Beschäftigten schutzlos ausgeliefert und hatten große Mühe, aus dieser Falle wieder herauszukommen.

Ob es auch schon zum Gegenteil gekommen sei, möchten Sie wissen? Aber sicher, dabei war das gar keine Absicht, sondern nur die Folge von wilden Börsenspekulationen, als es soweit gekommen war, daß es praktisch gar keine Arbeit mehr gab. Zum Schluß nannten sie es die "Weltwirtschaftskrise", und der Schwarze Freitag, der 24. Oktober 1929, wird noch lange in Erinnerung bleiben. Es gab Arbeitslose soweit das Auge reicht, Arbeitslose die für einen Schluck Wasser eine Woche lang geschuftet hätten, aber niemand konnte sich einen Arbeiter leisten. Das Geld war weg. Verschwunden, wie das Meer bei Ebbe, und es kam erst sehr spät wieder. Angeblich mußte Neues gedruckt werden, um wieder anfangen zu können.
Es war die verrückte Situation, daß die Leute, die man gebraucht hätte, um die Dinge zu erzeugen, die eben diese Leute gerne gekauft hätten, durchaus da waren und auch arbeiten wollten. Die Unternehmer hätten sie auch gerne arbeiten lassen, nur gab es kein Geld, um die Löhne zu bezahlen, und natürlich gab es deshalb erst recht kein Geld, um die Waren zu bezahlen, und so lohnte es sich nicht, die Sachen herzustellen, und fast wäre das Volk verhungert, nur weil das Geld weg war, und das, obwohl man auch schon damals wußte, daß man Geld nicht essen kann.

Ganz ohne Nachfrage funktioniert die Wirtschaft eben auch nicht, das war eine der Erkenntnisse aus jenen Jahren nach dem Oktober 1929, als weder im Inland noch im Ausland die notwendige Nachfrage anzutreffen war. Eigentlich kam die Wirtschaft erst wieder in Gang, als der Staat begann, gewaltig zu investieren und diese Investitionen mit frisch gedrucktem Geld bezahlte. Also, ganz im Vertrauen: "Mit der ganz hohen Arbeitslosigkeit ist auch kein Geschäft zu machen."


Ein bißchen Arbeitslosigkeit dagegen ist paradiesisch.

Das braucht Sie jetzt nicht zu verwundern. Das haben Sie doch bis heute miterlebt. Wenn sich die Bosse untereinander einig sind und am gleichen Strick ziehen, dann funktioniert das schon. Sehen Sie sich doch um, wie perfekt das heute läuft: Braucht ein Unternehmer einen Zuschuß, ein Baugrundstück, eine Investitionshilfe oder besondere Abschreibungserleichterungen, dann verspricht er (das reicht eigentlich immer), ein paar Arbeitsplätze zu schaffen. Die Drohung mit dem Abbau von Arbeitsplätzen oder gar der Schließung einer kleinen Fabrik befreit prompt und nachhaltig von den störendsten Auflagen, egal ob es sich dabei um den Umweltschutz, oder um die Sonntagsarbeit handelt. Abgesehen von der übergroßen Qual der Wahl ist es einfach, einen Mitarbeiter einzustellen, denn mit der Möglichkeit, befristete Arbeitsverhältnisse zu vereinbaren, ergeben sich "Probezeiten", von denen ein Unternehmer in den Jahren der Vollbeschäftigung nicht einmal träumen konnte. Mitarbeiter und Betriebsräte machen auch kaum noch Ärger. Nur die unvermeidlichen rituellen Tänze werden noch aufgeführt, aber da ist kein Druck dahinter, und das Schönste dabei ist, daß man nicht einmal mehr drohen braucht.

Die haben ihre Angst ganz von alleine, und das macht den Arbeitgeber wieder zum echten Wohltäter.

Tarifverträge entpuppen sich plötzlich als geduldiges Papier. Alle Vereinbarungen sind dehnbar, eine Schmerzgrenze ist nicht in Sicht. Und diejenigen Gewerkschaftsfunktionäre, die das nicht begreifen wollen, müssen sich von den eigenen Leuten als Arbeitsplatzkiller beschimpfen lassen. Ein neutraler Beobachter muss ernstlich am Verstand der Akteure zweifeln...
Da, wo Polen, Senegalesen und Vietnamesen - legal und illegal unter Tarif arbeiten, da muss der Deutsche Michel sehen, wo er bleibt, und dankbar sein für Arbeit und Lohn. Die Politik sieht das Dilemma, fürchtet aufkeimenden Rassismus und versucht, die Wirtschaft mit Steuersenkungen zu besänftigen, was in sich ein Witz ist, weil eben diese Unternehmenssteuern letztlich ja auch von den Verbrauchern, den Endbezahlern, den Arbeitnehmern zu bezahlen sind.

Herrliche Zeiten! Schöner kann es gar nicht sein, als auf einem soliden Fundament von ca. drei bis fünf Millionen Arbeitslosen in größtmöglicher Freiheit wirtschaften zu können.

Die Kostenvorteile der Arbeitslosigkeit ermöglichen es, den Export zu vergrößern, und auf diese Weise fällt das bisschen verlorene Binnennachfrage überhaupt nicht ins Gewicht. Es ist doch für den Wirtschaftslenker nicht wirklich von Belang, dass die Volkswirtschaft im übersprudelnden Export -- unterstützt durch einen niedrigen Euro-Kurs und durch niedrige Löhne -- die Leistung der Bevölkerung unter Wert in die internationalen Märkte verscherbelt. Für den Unternehmer ist ausschließlich wichtig, was dabei -- nach allen Steuern und Abgaben -- in der eigenen Kasse bleibt, und wie sich dadurch die zukünftigen Chancen beeinflussen lassen. Weil sich das Umsatz- und Produktionswachstum allmählich und überschaubar entwickelt, können Gewinne verstärkt entnommen werden und lassen sich, über Spekulationen an den Finanzmärkten und Börsenplätzen, schnell -- und steuerlich kaum belastet -- noch immens vergrößern.

Es ist so, die Wirtschaft braucht kein rasantes Wachstum, um Gewinne zu steigern.

Schnelles und steiles Wachstum bräuchte es nur, um wieder zu Vollbeschäftigung zu kommen. Die Betrachtung der drei unterschiedlichen Szenarien zeigt ganz deutlich, dass Arbeitslosigkeit als knappes Wirtschaftsgut vorteilhaft für das Wachstum der Privatvermögen der Unternehmer, Wirtschaftsführer und Kapitalbesitzer ist:

Zu viel Arbeitslosigkeit schadet allen und nutzt keinem.

Zu wenig Arbeitslosigkeit schadet den Gewinnen und nutzt Wirtschaft und Beschäftigten.

Ein bisschen Arbeitslosigkeit, so um die 8 bis 12 %, das nutzt den Gewinnen, und gute Gewinne, so steht es in den seriösen wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbüchern, sind von jeher die Voraussetzung für Wachstum und Vollbeschäftigung.


Wie hat es die Wirtschaft geschafft, die richtige Dosis Arbeitslosigkeit herzustellen und einigermaßen stabil zu halten?

Einfach war es nicht, sich aus dem unbefriedigenden Zustand der Vollbeschäftigung zu lösen, doch die Vorgänge lassen sich rekonstruieren. Es war ein hartes Stück Arbeit, die besten Köpfe aus den Entwicklungs- und Organisationsabteilungen sowie aus der gerade aufkommenden Datenverarbeitung in eine Art Goldgräberstimmung zu versetzen, damit sie, aufgeputscht von Kaffee und Zigaretten, in endlosen Überstunden nach immer neuen Möglichkeiten suchten, menschliche Arbeit überflüssig zu machen. Die Prinzipien und Methoden, nach denen Fertigung und Verwaltung rationalisiert wurden, waren schnell allgemein verbreitet, und man konnte Mitte der 70er Jahre davon ausgehen, dass ein Team von 7 bis 8 hochqualifizierten Leuten in einem Planungs- und Realisierungszeitraum von etwa einem Jahr, die Freistellung von 30-50 Mitarbeitern ermöglichte, was eine Gewinnverbesserung von 1,5 bis 2,5 Millionen DM pro Jahr bedeutete. So ein Team kostete, mit allen großzügigen Spesen, nicht mehr als eine Million, hatte sich also nach spätestens einem Jahr amortisiert. Die cleveren Jungs und die ersten in solchen Funktionen ernstgenommenen Frauen von der Rationalisierungsfront haben aber noch einen zweiten, kaum bemerkten Wandel ermöglicht. Sie waren mit den wahren Zielen der Unternehmen sehr vertraut, und ihre Chefs vermittelten gerne den Eindruck, es bestünde zwischen der Geschäftsleitung und den Mitgliedern dieser Rationalisierungsteams eine sehr enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit, ja eigentlich eher sogar eine intime Komplizenschaft, die dem Wohl des Unternehmens in einer Art und Weise diente, wie es sich einfachere Gemüter gar nicht vorstellen könnten.

Damals entstand die Phrase von den "sicheren Arbeitsplätzen nach der Reorganisation" und diejenigen, die dafür die "Drecksarbeit" zu verrichten hatten, fühlten sich schon sehr bald nicht mehr als Arbeitnehmer, sondern als Unternehmer; zumindest waren sie stolz darauf, als "unternehmerisch denkende" Arbeitnehmer zu gelten. Das hat sie dann davon abgehalten, kleinlich auf Arbeitszeitregelungen und Überstundenabgeltung zu achten und sie am Ende dazu bewegt, sich, zum eigenen Nachteil, über jede Art von Arbeitnehmerschutzbestimmung hinwegzusetzen. Die meisten davon konnten nach 2 bis 3 erfolgreichen Projekten eine Führungsaufgabe in den Linienabteilungen übernehmen. Dort sitzen sie noch immer und haben gar kein Problem damit, ihr einstiges, vorbildliches Verhalten jetzt auch von ihren Mitarbeitern einzufordern.

So ist zu einem frühen Zeitpunkt eine weitgehende Entsolidarisierung zwischen den Beschäftigten unterschiedlicher Qualifikationen eingeleitet worden, deren späte Folge heute zum Beispiel auch noch in den unsinnigen Qualifizierungsprogrammen der Arbeitsämter zu finden ist, die -- bar jeder sachlichen Grundlage -- den Eindruck vermitteln wollen, dass die Wirtschaft umso mehr Stellen schaffen werde, je mehr Arbeitslose einen MS-Dos-Kurs absolvieren (Windows läuft auf den veralteten PCs leider nicht).


Die soziale Trennung zwischen den so genannten Sachbearbeitern und den Softwareentwicklern, Systemadministratoren und ähnlichen Rationalisierern besteht bis heute fort, und hat sich da, wo die beiden Beschäftigungsgruppen im einzelnen Unternehmen nahezu gleich groß sind, auch schon zu offenen Feindschaften entwickelt. Ein falsches Wort beim Mittagessen in der Kantine, zu laut zum eigenen Kollegen gesagt, kann den Arbeitsplatz kosten, weil der "Feind" aus der Organisationsabteilung am Nebentisch aus allem was er aufschnappt, eine neue Rationalisierungsmaßnahme entwickeln könnte. Vorstände und Geschäftsführer sehen sich daher auf Betriebsversammlungen und bei ähnlichen Anlässen immer öfter genötigt, Erklärungen abzugeben, die ungefähr so klingen:

"Wissen Sie, das darf keiner persönlich nehmen. Niemand in der Geschäftsleitung will sich gerade von diesem einen konkreten Mitarbeiter trennen. Wir tun unser bestes, um eine möglichst sozialverträgliche Auswahl zu treffen".

Gemeint ist damit sinngemäß:

"Uns ist es doch völlig gleichgültig, wer für uns arbeitet und wer gerade nicht, Hauptsache, es ist immer die richtige Quote draußen und diejenigen, die vorerst noch bleiben, machen sich nicht gegenseitig das Leben schwer. Die Freigestellten sollen doch froh sein und die Freizeit genießen. So schlecht geht es unseren Arbeitslosen doch gar nicht. Da gibt's auf der Welt ganz andere Regionen!"


Als Mitte der 80er Jahre kein Zweifel mehr daran bestehen konnte, dass die Vollbeschäftigung glücklich überwunden war, schlug das Pendel nach der anderen Seite aus, nicht zuletzt deshalb, weil die Gastarbeiter nicht nach Hause gingen, was die Wirtschaft erhofft, und dann von der Regierung ergebnislos eingefordert hatte. Das Bremsen dieser Bewegung war einfacher. Schon alleine dadurch, dass die Zahl der Einstellungen von Studienabgängern aus den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten, von Ingenieuren und frisch gebackenen Naturwissenschaftlern zügig zurückgefahren wurde, konnte das Rationalisierungstempo etwas verlangsamt werden. Natürlich war es Verschwendung, dass sich solche hochqualifizierten jungen Leute als Taxifahrer oder Animateure in Ferienclubs durchschlagen mussten, aber ein zu schneller, weiterer Arbeitsplatzabbau hätte insgesamt schlimmere Folgen für die Wirtschaft haben können.

Die "neuen" Arbeitsmarktmechanismen funktionierten Ende der 80er Jahre dann schon so gut, dass auch die notwendige "Eingemeindung" der 17 Millionen Brüder und Schwestern aus der ehemaligen DDR ohne ein erneutes Wirtschaftswunder und damit ohne schädliche Vollbeschäftigung vonstatten gehen konnte, was aber diejenigen, die aus wahltaktischen Gründen vorschnell und vollmundig von "blühenden Landschaften" geschwärmt hatten, kaum verwundert haben dürfte.

Im Augenblick wird die Position erst einmal gehalten. Die Internet-Chancen werden recht abwartend und verhalten genutzt, die Arbeitszeitdebatte tritt praktisch unhörbar auf der Stelle. Gewinnsteigerungen sollen offenbar auf hohem Beschäftigungsniveau durch Preissteigerungen erzielt werden. Solange die Arbeitslosigkeit im Zielkorridor gehalten werden kann, besteht kaum ein Anlass für außergewöhnliche Veränderungen.

 

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 EWK-Verlag


Nun, was ich da vor sechs Jahren zu Papier gebracht habe, findet heute im einheitlichen Jubel der Medien seine Bestätigung - nur worum es bei dem ganzen Eiertanz um das goldene Kalb der retuschierten Zahlen zum Ausmaß der Arbeitslosigkeit eigentlich geht, das lassen Focus und FAZ auch weiterhin hübsch unter den Tisch fallen.




Zu allem Überfluss hat sich nun auch noch ein weiterer sprechblasenabsondernder Experte zu Wort gemeldet und prompt höchste Aufmerksamkeit errungen.

Opaschowski, heißt er. Schon mal was von ihm gehört?

Nein? Ich auch nicht. Bis vorgestern wusste ich noch nicht einmal, dass es ihn gibt. Doch gestern erhielt ich Kenntnis davon, dass ein gewisser Horst W. Opaschowski, nicht nur Chef einer Hamburger Stiftung für Zukunftsfragen sei, sondern auch guter Hoffnung.

Nicht, dass er schwanger wäre. Er sei guter Hoffnung für Deutschland, sagt er. Für die Deutschen sieht er rosige Zeiten voraus, Zeiten voller Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen.

Die Zukunftsangst weicht - anpacken wird angesagt sein, in einer Doppelleistungsgesellschaft, in der Dienstleistung und Hilfeleistung groß geschrieben werden.

Die Jungen werden leisten wie die Verrückten, mehr als zwei Drittel werden ihren Lebenssinn in der Arbeitsleistung sehen. Die Frauen werden die Führungspositionen erobern und die einstige Männerdomäne dominieren, und niemand wird sich mehr über Altersarmut beklagen, denn die Alten werden arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten, um aus eigener Kraft über die Runden zu kommen und niemandem zur Last zu fallen.

Das Institut für Zukunftsforschung, dem Herr Opaschowski dient, heißt übrigens im vollständigen Text "BAT-Stiftung für Zukunftsfragen" und BAT (das ist ein Tabak- und Zigaretten-Konzern), sorgt sich offenbar heftig um die gute Laune der Konsumenten seiner Produkte, von der schließlich die Gewinne der Zigarettenindustrie abhängen - und so wird fröhlich von Friede-Freude-Eierkuchen getönt - und die besch- eidene reale Situation der Bevölkerung des Jahres 2008 emsig zugeschmiert mit einer paradiesischen Vision für das Jahr 2030.

Herr Opaschowski wird dann 89 Jahre alt sein und - sollte er es erleben - sicherlich in einem Anfall von Altersweisheit erklären: "Was kümmert mich mein saudummes Geschwätz von vor 22 Jahren!"


 

Und nun haben wir es also amtlich:

Es gibt nur noch 3.196.000 Arbeitslose in Deutschland.

 

Hierzu eine etwas ernüchternde Ergänzung:

 Offiziell gezählte

 3.196.000

 davon ALG I (max. 12 Monate)

965.000

 
 davon ALG II (Hartz-IV)

 2.231.000

 
nicht gezählt, aber bekannt und im
Leistungsbezug ALG II
 

2.760.000

davon in Maßnahmen versteckt

ca. 993.000

 
davon Aufstocker, 1-Euro-Jobber, vorruhestandsähnliche Regelungen, Kindererziehung, Krankheit, etc.
(ein großer Teil davon wird sogar als erwerbstätig gezählt!)

 ca. 1.767.000

Summe der im Bericht der BA erwähnten Personen ohne Arbeit  

 5.956.000

nicht gezählt, und nicht registriert  

 geschätzt 1.000.000

davon weil ALG II wg. Vermögen nicht beantragt

 geschätzt 300.000

 
davon weil kein Leistungsanspruch und Bewerbung wg. Stellenmangel sinnlos (Stille Reserve)

geschätzt 700.000

 
     
Real anzunehmender Umfang der Arbeitslosigkeit in Deutschland
per Ende August 2008
 

 7.000.000

Wenn man dazu noch berücksichtigt, dass im Zeitraum von 2001 bis heute die Zahl der Bevölkerung zwischen 15 und unter 65 Jahren um etwa 1,3 Millionen Personen gesunken ist, dass der Repbulik also 1,3 Millionen potentieller Arbeitssuchender auf "demografischem Wege" entschwunden sind, dann wird endgültig klar, was von dem angeblichen Wunder auf dem Arbeitsmarkt zu halten ist.


Im Herbst 2002 versicherte der inzwischen auch wegen einer unappetitlichen Korruptionsaffäre bekannt gewordene Illusionskünstler Peter Hartz, wenn man nur alle seine Vorschläge umsetze, werde sich die Zahl der Arbeitslosen innerhalb von 30 Monaten von 4 Millionen auf 2 Millionen reduzieren.

Damals habe ich begonnen, meine Statistik zum Arbeitsplatzabbau in Deutschland zu führen. Jetzt möchte ich Sie beenden. Ich habe dort aber eine Umfrage gestartet und damit Gelegenheit gegeben, mich vielleicht doch noch umzustimmen. Hier ist der Link:
 Statistik


Von 2. Oktober 2002 bis zum Ende der Amtszeit Gerhard Schröders waren 1.149 Tage vergangen. In dieser Zeit hatte ich in dieser Statistik über die realistierte bzw. geplante oder absehbare Vernichtung von 3.162.511 Arbeitsplätzen berichtet. Vor gut einer Woche brachte es Angela Merkel auf eine Amtszeit von 1.000 Tagen - und in diesen 1.000 Tagen wurden weitere 1.980.510 Stellen abgebaut, bzw. ihr Abbau beschlossen.

Dass sich der Stellenabbau verlangsamt hat, ändert nichts daran, dass in den sechs Jahren seit der Ankündigung des Herrn Hartz, die Zahl der Arbeitslosen um 2 Millionen reduzieren zu wollen, knapp 6 Millionen Stellen abgebaut wurden.

Dass man in den Statistiken stattdessen liest, die Erwerbstätigkeit sei gestiegen, es habe noch nie so viele Erwerbstätige gegeben wie heute, hängt in erster Linie mit dem Vormarsch von Teilzeit- und Leiharbeit, von 1-Euro-Jobs und anderen prekären Beschäftigungsverhältnissen zusammen. Entlarvend dabei vor allem:

Der Anteil der Einkünfte aus abhängiger Beschäftigung am Brutto-Inlandsprodukt sinkt - und das trotz der gleichzeitig verkündeten Zunahme der Erwerbstätigkeit.

Was hilft also eine große Zahl von Beschäftigungsverhältnissen, wenn dabei insgesamt weniger verdient wird? Nichts.

Auch die Aussage, es handele sich überwiegend um vollwertige sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze ist eine von einer Wahrheit bemäntelte Lüge.

Die Sozialversicherungspflicht beginnt schließlich bei einem monatlichen Bruttoverdienst von 400 Euro.

 

Das muss man eben wissen, wenn ein Dummschwätzer erklärt, es seien nicht die billigen Jobs, die das Ansteigen der Erwerbstätigkeit verursachen, sondern die guten, soliden, sozialversicherungspflichtigen.


Fazit

Die "gekleinte" Zahl von 3,2 Millionen Arbeitslosen täuscht einen Fortschritt
in den wirtschaftlichen Verhältnissen der erwerbstätigen Bevölkerung vor, der
einer realistischen Betrachtung nicht Stand hält.

Die Realeinkommen sind gesunken, die Beschäftigungsverhältnisse sind weniger sicher und schlechter bezahlt.

Dies am Ende des sogenannten Aufschwungs festzuhalten, ist bittere Chronistenpflicht.

Den Menschen in Deutschland ist es nach 16 Jahren Kohl schlechter gegangen als vorher - es geht ihnen nach 10 Jahren Schröder + Merkel schlechter als zu Zeiten Kohls.

Da aber das Bruttosozialprodukt in dieser ganzen Zeit, bis einschließlich des I.Quartals 2008 gewachsen ist - muss doch ein Zuwachs entstanden sein und es stellt sich die ganz einfache Frage, wer den wohl eingesteckt hat.

Wenn es nicht der Staat war, der so pleite ist, wie nie zuvor, wenn sich nicht die berufstätigen Menschen bereichert haben und nicht die Rentner, nicht die Kinder, die Schüler und Studenten, nicht die Arbeitslosen und nicht die Verwalter der Arbeitslosigkeit, wenn also nur noch eine Gruppe unter Generalverdacht übrig bleibt -

warum ist es dann einer vom Volk gewählte Regierung, in einem Staat, der dem Gesetz nach eine Demokratie ist, vollkommen unmöglich, dies zu erkennen und zu benennen und gegen diesen Missstand vorzugehen?



Warum?

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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

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Sehr geehrter Herr Kreutzer,

mit großem Interesse, ein wenig Vergnügen und Beruhigung gelesen. Mit der Beruhigung, die, so nehme ich an, eigentlich nicht in der Intention des „Paukenschlags“ liegt –der Name sagt das wohl schon;-), hat es folgendes auf sich:

Normal- oder überhaupt denkende Menschen fragen sich beim Konsum unserer Medien immer häufiger, ob man Ihnen irgendwelche Drogen vorenthält, die offenbar an die Journalisten in großen Mengen verteilt werden. Beiträge wie der Ihrige versichern einem dann aber, dass man nicht das Opfer einen heimlichen Drogenboykotts geworden ist, sondern Zeuge einer gewaltigen Propagandashow, die versucht ein Paralleluniversum auf zu bauen.

Man kann sich nur wundern: Überfälle auf Nachbarstaaten werden mit Natomitgliedschaft und Liveauftritten in Talkshows (Illner) „belohnt“, wo der, der den Krieg angefangen hat, ungeniert seine Kriegspropaganda unters Volk bringen und sich als argloses Opfer rücksichtsloser russischer Aggression darstellen darf.

In Momenten wie diesen fragt man sich, ob es noch Leute in dieser Republik gibt, die noch bei Verstand sind. In solchen Momenten werden „Lebenszeichen“ wie Ihr Paukenschlag wichtig, nicht weil dadurch die Situation besser würde – auf lange Sicht vielleicht, denn außer Aufklärung kann uns wohl nichts mehr retten - sondern weil es einem den Weg zum eigenen Schrank erspart, um nachzusehen, ob noch alle Tassen drin sind.

Ihre Statistik über den Stellenabbau finde ich sehr wichtig. Sie hat unter anderem vor geraumer Zeit dazu geführt, bei mir eine nachhaltige „kognitive Dissonanz“ aus zu lösen, weil die Zahlen so gar nicht zum offiziösen „alles super hier“ passen wollen. Dies war unter anderem ein Anlass, genauer nach dem zu fragen, was hier eigentlich vor sich geht. Daher glaube ich, dass die Statistik wichtig ist, wenn auch, dass sehe ich ein, eine traurige Aufgabe für den Chronisten.

Ich schließe mich der Vorrednerin an und denke auch, dass Abschalten das Beste ist, die Aufgabe für uns darin besteht, sich, frei nach Adorno, weder von der Macht der anderen, noch von eigenen Ohnmacht, dumm machen zu lassen.

Mit freundlichen Grüßen


Hallo Herr Kreutzer,

wie meistens stimme ich mit Ihren Ausführungen völlig überein. Meine eigene Schätzung der wahren Arbeitslosenzahl liegt allerdings noch wesentlich höher. Bedarfsgemeinschaften, Jugendliche unter 25, die zu Hause leben müssen, Arbeitslose in Auffanggesellschaften, "sozialverträgliche Kündigungen" oder diejenigen, die erst ihre angesparten Altersruhegelder aufbrauchen, ihre Häuser verkaufen oder sonstige Verträge kündigen müssen, um davon zu leben.

Hinter den meisten Arbeitslosen steht zumindest ein Partner. Rechnet man im Schnitt 1 Kind hinzu, leben bereits 3 x so viele Menschen in Armut. Hinzu kommen rund 21 Millionen Rentner und Rentnerinnen, die weniger als 750 Euro monatlich zur Verfügung haben. Ich habe mir vor rund 2 Jahren einmal die Mühe gemacht, das auszurechnen. Ich schätze, dass in Deutschland mittlerweile zwischen 60 und 70 % der Menschen in ärmlichen Verhältnissen leben (u.a. auch Niedriglöhner, Minijobber, Leiharbeiter, Praktikanten etc.)!

Wie Sie sicherlich wissen, verlassen pro Jahr immer mehr Einheimische ihre Heimat. Tendenz steigend, im Schnitt sind es 250.000/Jahr (inkl. Dunkelziffer), offiziell um die 160.000 Menschen – Deutsche, keine Zuwanderer!!! Eine von ihnen bin ich – wie Sie ja wissen. Seit knapp 1 ½ Jahren lebe ich in Süditalien. Hier lebt man nicht im Paradies – aber man hat wenigstens Luft zum Atmen! Keine Überwachung, keine Repressalien, Gesetze werden als Empfehlungen empfunden – also eher eine Anarchie, die aber erstaunlicherweise irgendwie funktioniert. Stellte übrigens Luise Rinser in einem ihrer Tagebücher bereits fest!

Nun noch zum Thema Journalisten (in einem Kommentar erwähnt). Oh doch, es gibt sie, die guten und wirklichen Journalisten in Deutschland – aber die sind leider von der Bildfläche verschwunden und meistens arbeitslos oder arbeiten – mit viel Glück – in völlig anderen Berufen!!! Das Warum brauche ich hier wohl nicht zu erklären. Ich bin eine von ihnen, die trotz hoher Qualifikation und ausgezeichneter Recherchefähigkeiten aussortiert wurde! Was einem heute so in den Medien geboten wird, wird von Marionetten auf Kommando der im Verborgenen sitzenden Machthaber serviert. Das Niveau der Darbietungen sinkt - zu meinem Erstaunen - von Woche zu Woche. Wann hat es wohl seinen Tiefpunkt erreicht? Gibt es ihn überhaupt? Mittlerweile habe ich da so meine Zweifel. Da hilft nur eins: ABSCHALTEN!

Viele Grüße aus Süditalien,


Guten Morgen Herr Kreutzer,

Propaganda hat schon immer ihren Zweck erfüllt. Die Masse fällt darauf rein. Die Medien werden kontrolliert; Fernsehen und Presse spielen Political Correctness - ein häßliches Wort. Wo soll denn der Bürger Informationen herbekommen, denen man noch einigermaßen trauen kann. Das Internet ist die Oase für all diejenigen, die die Gabe haben, das Denken nicht verlernt zu bekommen. Und so wundert es nicht, dass eigentlich nur Sybilla die Arbeitsmarktdaten analysiert. Ein trauriger Umstand, der aber zeigt wie erbärmlich unsere Medienlandschaft ist. Eigentlich ist die Analyse und das Hinterfragen dieser Daten eine Aufgabe von Journalisten. Aber dieses Berufsstand muss der P-Machinery dienen. Würde man Journalisten heutzutage bewerten, so wie das Ratingagenturen machen, wäre mein Urteil Junk. Sehen Sie mir das bitte nach, lieber Herr Kreutzer, aber wenn ich mit die Berichterstattung über Georgien, die neusten Wirtschaftsdaten aus der USA anschaue dann kann man zu keinem anderen Ergebnis kommen. Und seit gestern weiß man auch, warum der Dollar auf wundersame Weise wieder stärker wird. Im März haben die USA, Europa und Japan vereinbart den Dollar zu stützen. Dazu kann man nur bemerken, dass Europa geisteskrank ist.

Ich kann nur hoffen, dass das Internet sich den Angriffen der P-Machinery zu Wehr setzt, denn man plant unter dem Deckmäntelchen der Kinderpornographie einen Angriff auf die freie Meinungsäußerung. Seiten werden nicht nur kontrolliert sie werden auch gesperrt. Wenn dies eines Tages Realität wird, ist es höchste Zeit sich ein One-Way-Ticket zu kaufen.

Noch einen schönen Tag


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

wie immer haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch ich sehe die Ereignisse und die Entwicklung so wie sie und kann Ihnen daher nur zustimmen. Leider bringt es nichts, sehenden Auges ( für den der denn sehen will ) der endgültigen Katastrophe entgegen zu blicken. Analysiert ist genug , Befürchtungen treffen ein,aber ändern wird sich davon nichts. Von sich aus oder auf demokratischem Wege wird sich da nichts verbessern lassen.Warum sollten die, die so prächtig im System agieren und ein Wohlfühlklima nie gekannten Ausmaßes haben, darauf verzichten ?
Wählen können wir ja nur einen Kandidaten den wir präsentiert bekommen, der natürlich auch in Wechselwirkung
von den momentanen Nutznießern abhängig ist aus welchen Gründen auch immer.

Für meinen Teil habe ich das Land verlassen und betreibe mein Geschäft im Ausland,was dank globaler Preistreiberei aber auch hier zusehends schwieriger wird.
Ich frage mich ernsthaft : Wie kann ohne Krieg , Revolution oder sonst was,ein Zustand hergestellt werden, der den Leuten einen optimistischen Blick in die Zukunft ermöglicht und jedem ein menschenwürdiges Auskommen sichert?
Oder muss es erst Mord und Totschlag geben? Die Regierung scheint zu warten, bis der Krug bricht. Einzig Schäuble will vorsorgen und die Bundeswehr im Inneren einsetzen. Warum...?, scheint klar.

Mit Besorgnis

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

ein großartiger Abgesang auf eine soziale Marktwirtschaft die sich nie mehr erholen wird solange eine kleine Gruppe unendlich gieriger Heuschrecken den Hals nicht voll kriegt - und dieser Zustand wird sich nicht ändern, schon gar nicht wenn unser "Regierung" genannter Verband zur Wahrung der Interessen von Wirtschaft und Kapital (VWIvWK) geschmeidig und wieselflink allem hinterrennt, was notwendig ist, um dieser Gier immer noch weitere Ansaugstutzen zu eröffnen. Dafür haben wir noch gar nicht genug über Bord geworfen.
Wo steht geschrieben daß wir ein Dach über dem Kopf brauchen? In Rio de Janeiro leben schließlich auch genug in den Müllbergen! Wo steht geschrieben daß wir täglich Nahrung brauchen (solange man diesen chemie- und sonstwie verseuchten Plastikfraß von (...) überhaupt noch Nahrung nennen kann)? Alle 3 Tage ein Stück altbackenes Brot hat Generationen von Sklaven in den römischen Minen aufrechterhalten (naja ok, zumindest eine Zeitlang aber egal solange Sklaven billig sind)! Wo steht geschrieben daß wir ordentlich gekleidet, sauber gewaschen und mit ordentlichen Zähnen ausgestattet leben müssen? In Afrika schaffen die das doch auch ohne! Und der Pleps soll froh sein wenn es noch wertvolle Zusatzstoffe wie Uran kostenlos aus dem Wasserhahn geliefert kriegt. Man muß sich nur mal anschau'n was Uran auf dem Weltmarkt kostet... (äh, ok, das war jetzt wirklich böse).
Und man muß sich nur ansehen, was uns gerade bezügl. China aufs Brot geschmiert wird - wie billig und fleißig die Leute dort doch arbeiten und leben doch auch (oder schnappen wenigstens abundzu Luft), schlafen im Straßengraben wenns sein muß zwischen den Arbeitsschichten - da sind wir doch wirklich viel zu verwöhnt hierzulande. Und wenn in China einer singen kann aber schlechte Zähne hat? egal, irgendein hübsches Gesicht läßt sich schon drüberklatschen.

Nur weil der Plebs über Jahrzehnte mit harter Arbeit dem kleinen Prozentsatz Fettschicht überhaupt erst diesen irren und völlig abgehobenen Reichtum ermöglicht hat (einschließlich der damit einhergehenden Machtfülle, die in einer Demokratie nun eigentlich wirklich nichts zu suchen hat) als dieser ohne Arbeiter noch nicht auskam um die Grundlagen zu schaffen? *pfff* wo kämen wir da denn hin wenn sowas zählen würde. Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehn wenn ihm was nicht passt.

Wie vor einiger Zeit schon einmal zitiert, so aus aktuellem Anlaß doch noch einmal erneut aus dem Marty Feldman-Film "Dreist und Gottesfürchtig" (USA 1980, Originaltitel: In God we trust): "Natürlich werden eines Tages die Armen und Bedürftigen das Erdreich beherrschen - aber erst dann, wenn die Reichen und Mächtigen damit fertig sind und dann wird es sich nicht mehr lohnen es zu beherrschen". Zitat Ende.

Was Ihre Statistik angeht - verständlich. Trotzdem bitte ich Sie, ja flehe Sie an, diese weiterzuführen. Mehr kann ich nicht tun - außer natürlich Verständnis haben. Ihr gigantisches Arbeitspensum ist auch ohne die Statistik groß genug, so daß unsereins vor Ihnen nur noch einen Hut ziehenden Kniefall machen kann.

ich vebleibe hochachtungsvoll und mit freundlichen Grüßen

naja, wie immer halt :-) der übliche Verdächtige

Werter Herr Kreutzer,

mit einer Mischung aus Genugtuung (bezüglich der übereinstimmenden Ansicht, die aus ihrem jüngsten Paukenschlag hervorgeht) und langsam vom Schwelen ins Brodeln übergehenden Wut über die dummdreiste Propaganda bezüglich (u. a.) der Arbeitslosenzahlen und der angeblichen Glanzleistung namens Agenda 2010 und Hartz I bis IV, habe ich Ihren Artikel gelesen. Hierfür möchte ich Ihnen zunächst meinen Respekt und auch meinen Dank abstatten.

Man bekommt zwar langsam aber sicher verstärkt den Eindruck, dass die Zahl derjenigen, die sich von diesem Einheitsgewäsch der Mainstream-Journaille nicht mehr zumüllen lassen will, nicht eben rasant, aber doch merklich und stetig wächst, doch die Masse der "Konsumenten" unserer Milliardärsmedien scheint sich immer noch nicht dazu aufrappeln zu können, diese von Sprachrohren aller Art verbreiteten Lügenmärchen mit der entsprechenden Reaktion (Wut und Empörung wenigstens) zurückzuweisen und sich endlich einer breiten Front anzuschließen, die diesem Irrsinn mit friedlichen und hochgradig real- und basisdemokratischen Mitteln den Kampf ansagen möchte. (...) Ich jedenfalls kann in den öffentlich getätigten Äußerungen unserer Politiker/innen, der hofierten und mit Steuergeldern fürstlich bezahlten "Experten" und "Berater" bezüglich der Arbeitsmarktlage, der sozialen Verwerfungen, die ein immer mehr außer Kontrolle geratender (...) Raubtierkapitalismus zwangsläufig nach sich zieht, aber auch der "völker- und staatsrechtlichen" Realität unseres Landes und Volkes nicht mal den Hauch einer für die Allgemeinheit gültigen Halbwahrheit entdecken.

Sie haben das im aufs Korn genommenen Teilbereich sehr treffend und überzeugend auf den Punkt gebracht, weshalb ich Ihnen auch meinen Respekt und Dank zolle - in der bekanntlich immer zuletzt sterbenden Hoffnung, dass Sie eventuell ernster genommen werden und demzufolge auch eine Beschleunigung des "Aufwach- und Umdenkprozesses" bewirken können.

Abschließend möchte ich auch an dieser Stelle einflechten (selbstredend werde ich mit entsprechend an der "Umfrage" beteiligen), dass ich es außerordentlich bedauern würde, wenn Sie tatsächlich Ihre Statistik über die Arbeitsplatzvernichtung einstellen sollten. Auf der anderen Seite sehe ich aber auch ein, dass die Fortführung derselben einen immensen Arbeitsaufwand bedeutet, von dem alleine Sie zu beurteilen vermögen, ob er sich in Relation zum erzielten Effekt wirklich lohnt. Insofern hoffe ich zwar inständig, dass man Sie noch umstimmen kann, möchte Ihnen aber dennoch mein Verständnis zusichern, falls Sie sich letzten Endes -. dann fraglos aus gravierenden und nachvollziehbaren Gründen - anders entscheiden sollten.

In diesem Sinne verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen

Wir kriegen überall nur noch falsche Zahlen,
Fakten und richtige Lügen. Die kommen alle von normalen Menschen.......

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