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Paukenschlag am Donnerstag No. 30/2008 vom 24. Juli 2008
Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

Toll, doller, Dollar

Neues Handbuch für Kapitäne, Kapitel 31, Leckage

Das Eindringen von Wasser in den Schiffsrumpf, meist verursacht durch eine sogenannte Leckage, ließ in der Vergangenheit nicht selten den Totalverlust des Schiffes befürchten, weil die Erfahrung lehrt, dass eindringendes Wasser die für den Auftrieb erforderlichen Hohlräume mehr oder minder schnell füllt - was zwangsläufig zum Untergang führt. Neuere Forschungen haben nun aber ergeben, dass nicht das eindringende Wasser das eigentliche Problem darstellt, sondern das konstruktionsbedingte Fehlen ausreichender Abfluss-Öffnungen, durch die einmal eingedrungenes Wasser wieder entweichen könnte.
Wir empfehlen daher dringend, im Fall des Eintretens einer Leckage, ein etwas größeres, zweites Loch in die Schiffswand zu schlagen, und zwar so weit unterhalb des ersten Lecks, dass das von oben eindringende Wasser durch die zweite Öffnung ungehindert nach unten abfließen kann.
Kapitäne zur See werden dieser Anleitung hoffentlich selbst dann nicht folgen, wenn es ihnen gelungen ist, im Vollrausch ein Riff zu rammen.

Sogenannte Wirtschaftskapitäne, vor allem die ganz großen, diejenigen, mit dem ganzen Ärmel voller Streifen, sind nun seit ziemlich genau einem Jahr dabei, der verheerenden Dollarflut mit aller Kraft immer neue Öffnungen zu schaffen, weil man ja schließlich das Schifflein der Weltwirtschaft nicht einfach absaufen lassen kann, ohne etwas zu unternehmen. Der Vergleich ist nicht neu, ich habe ihn vor einiger Zeit schon einmal herangezogen, aber er ist einfach zu schön, um heute, ziemlich genau ein Jahr nachdem ich mit "Das Beben der Märkte" die ersten Erschütterungen und Verwerfungen an den Finanzmärkten kommentiert habe, darauf zu verzichten.

Damals hieß das Ganze noch verniedlichend: "Subprime-Krise". Heute nennt man es "Finanzkrise" - schenkt ihm aber in der öffentlichen Debatte kaum mehr Beachtung, als den täglich wechselnden Vorhersagen der Meteorologen. Man könnte meinen, Finanzkrise war immer - und nie etwas Besonderes. Es gibt keine schlechtes Wetter, nur ungeeignete Bekleidung -- und es gibt keine Finanzkrise, nur ungeeignete Anlagestrategien. Dann zieht euch jetzt warm an!

Ich habe in den letzten Wochen, in Vorbereitung auf den Jahrestag von PaD 33 /2007, einige Artikel und Meldungen aufgehoben, die mir beim täglichen Querlesen der neuesten Nachrichten zufällig untergekommen sind. Und diese zufällig Auswahl führt zunächst einmal vor Augen, dass es inzwischen nicht mehr möglich ist, das Geschehen in seiner ganze Tiefe und Breite überhaupt noch zu verfolgen. Die Krise hat längst ihre eigene Dynamik entwickelt und folgt ihren eigenen Gesetzen.

Dazu passen die Einlassungen von Alan Greenspan, der am 5. August 2008 in einem Aufsatz für die Financial Times vor weiteren Bankenpleiten warnte.

Fundsache 1 - Die Greenspan-Prognose

Der Mann, der bis vor Kurzem selbst noch Chef der US-Zentralbank war und mit seiner Politik des billigen Geldes nicht unwesentlich zum Entstehen dieser Krise beigetragen hat, hält es für möglich, dass noch eine ganze Reihe von Finanzinstitutionen am Rande der Insolvenz von der Regierung gerettet werden (müssen). Natürlich sieht er die Kreditkrise eher als eine Art Naturereignis an, das es pro Jahrhundert nur ein- oder zweimal gibt. Da ist es dann auch kein Wunder, dass er von stärkerer Überwachung und Regulierung der Finanzmärkte - wie es einige vernunftbegabte Menschen inzwischen mit guten Gründen fordern - nichts hält.

Einerseits erkennt er an, dass die kurzfristigen Finanzspritzen der Notenbanken keinen nachhaltigen Erfolg versprechen und nur längerfristige Kredite des Staates zur Stabilisierung beitragen, doch dem Staat im Gegenzug das Recht einzuräumen, die wildgewordenen Banker stärker zu kontrollieren, das geht ihm dann doch zu weit - sieht er darin doch sogar die Gefahr, dass die Globalisierung zurückgedrängt werden könnte.

Dass Globalisierung beileibe nicht nur bedeutet, dass Land A produziert und exportiert, während Land B konsumiert und sich verschuldet und in Land C die Gewinne aus Produktion und Konsum steuerfrei anfallen - sondern dass Globalisierung auch heißt, dass auch eine Finanzkrise nicht mehr lokal oder regional in Schach gehalten werden kann, sondern schnell globale Ausmaße annimmt, mag der folgende Artikel verdeutlichen:

Fundsache 2 - Die spanische Grippe
Reuters, die Nachrichtenagentur, meldete am 1. August aus Madrid: Viele spanische Firmen können Kredite nicht zurückzahlen

Der Text der Meldung beginnt mit einer ungeheuerlich unlogischen Erklärung: Am Ende des jahrelangen Aufschwungs (also oben auf dem Gipfel der Prosperität) können immer mehr Unternehmen die Kredite nicht mehr zurückzahlen. Von April bis Juni 2008 haben mehr spanische Unternehmen und Privatpersonen denn je zuvor die Zahlungen eingestellt, wobei die Hälfte der säumigen Schuldner in den Kreis der Immobilienwirtschaft gehören. Auch in Spanien sind die Immobilienpreise ins Rutschen geraten. Im Juli musste sogar der größte Immobilienkonzern des Landes, Martinsa Fadesa, Insolvenz anmelden, weil 5 Milliarden Euro zur Schuldentilgung fehlten.
Und weil "der jahrelange Aufschwung" ein Aufschwung auf dem Rücken einer sich immer weiter aufblähenden Immobilienblase war, stehen in Spanien derzeit 1,5 Millionen unverkaufter Häuser leer.

Spanien gehört übrigens zur EU und zur Euro-Währungsgemeinschaft.

Dass in Spanien über die Immobilienfinanzierung ein gut Teil jenes Geldes in die Welt gesetzt wurde, was von Spanien gebraucht wurde, um die Rechnungen der Exporteure des EU-Mitglieds Deutschland zu bezahlen, soll nicht unerwähnt bleiben. Als Deckung stehen dem Exportweltmeister jetzt wenigstens 1,5 Millionen unverkaufte Häuser zur Verfügung. Nur: Die werden sich auch nicht in Geld zurückverwandeln lassen. Wer wird am Ende die Zeche zahlen?

Für die USA habe ich auf diese Frage eine Antwort beim online-nachrichtendienst dcrs-online gefunden. Der Bericht, aus dem ich hier zitiere, stammt von Bianca Wollert.

Fundsache 3 - Die Roubini-Prognose

der als "einflussreich" angesehene US-Wirtschaftsexperte Nouriel Roubini habe prophezeit, mittelfristig würden noch Hunderte von Banken pleite gehen, und - und das ist das Wichtige an diesem Beitrag:

Die Steuerzahler müssten dafür aufkommen. Die Belastung des Steuerzahlers beziffert Roubini mit 1 bis 2 Billionen Dollar, umgerechnet 650 bis 1.300 Milliarden Euro.

Zudem äüßerte der Wirtschaftsprofessor, die Banken hätten bisher nur ihre Subprime-Kredite abgeschrieben. Für weitere gigantische faule Kredite aus dem Konsumentengeschäft seien keine Reserven mehr vorhanden.

Dass auch in den USA nicht nur die Banken crashen, sondern ebenso die Immobilienbranche vollständig am Boden liegt, kommt in einer weiteren Reuters Meldung zum Ausdruck, wo am 4. August zu lesen war:

Fundsache 4 - Die Luxus-Residenzen-Pleite
US-Immobilienkonzern WCI meldet Konkurs an

Reuters betont, in den USA sei ein weiteren Immobilienkonzern zahlungsunfähig. WCI, spezialisiert auf Luxus-Residenzen ist mir rund 130 Tochtergesellschaften in die Insolvenz gegangen. Niemand wollte für die angehäuften Schulden in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar neue Kredite ausreichen.

Reuters ergänzt die Meldung mit der trockenen Hintergrundinformation: "Die Immobilienpreise sind in den USA stark gefallen und der Häusermarkt liegt darnieder."

Da fragt man sich doch, wie es dazu kommen konnte - und in den USA hat die Suche nach den Schuldigen begonnen. Wie nicht anders zu erwarten, werden die im fernen Ausland gesucht, da wo man die Segnungen der Globalisierung hingetragen hat - und nun nur Undank erntet.

Fundsache 5 - Die GELBE Gefahr

China ist schuld.

Die Währungspolitik Chinas, so hat es das Economic Policy Institute (EPI) ausgerechnet, kostet in den USA 2,3 Millionen Jobs.
Chinas Währungspolitik sei unfair, heißt es. Das wiederum habe dazu geführt, dass die armen, ach so unfair behandelten US-Amerikaner alleine im Mai 2008 für 21 Milliarden US-Dollar mehr chinesische Waren eingekauft haben, als die Chinesen im Gegenzug an US-Waren erhalten hätten.
Seit 2001 soll diese ungeheuerliche Unverschämtheit der Chinesen, ihre gute Ware gegen nichts als die grünen Papierstückchen der Amis herzugeben, in den USA 2,3 Millionen Arbeitsplätze vernichtet haben.
Die Studie belegt, dass fast ein Drittel der betroffenen Arbeitslosen einen Hochschulabschluss haben - und, noch so eine Ungeheuerlichkeit der Chinesen, dass diese 2,3 Millionen, wenn sie in den USA einen neuen Job suchen, nun mit deutlich niedrigeren Gehaltsvorstellungen antreten müssen.

Im Präsidentschaftswahlkampf will Obama den Handel mit China im Sinne eines "fairen Handels" begrenzen. McCain will mit einem möglichst freien Handel so weitermachen, wie Bush junior.

Dass nicht nur die Chinesen, sondern auch die Österreicher in den USA Arbeitsplätze vernichten haben die öffentlich Bediensteten des Bundesstaats Kalifornien jetzt feststellen müssen.

Fundsache 6 - Der Job-Terminator

Der Muskelmann aus Österreich, der es in Kalifornien zum Gouverneur gebracht hat, hat den Abbau von 22.000 Stellen im Staatsdienst beschlossen. Und weil die Wirtschaftkrise zum Sparen zwingt, hat er zudem 200.000 Angestellten des Bundesstaats das Gehalt auf den Mindestlohn von 6,55 Dollar (4,20 Euro) pro Stunde zusammengestrichen.
Nach den Worten Schwarzeneggers steckt Kalifornien in einer ernsten Finanzkrise. Ein drastischer Einbruch bei den Steuereinnahmen sei durch die Wirtschaftskrise ausgelöst worden und ließe ihm keine andere Wahl.
Schwarzenegger ist nicht der einzige Gouverneur der sparen muss. Auch der Bundesstaat New York ist klamm - von den 16 größten Finanzfirmen in New York City werden in diesem Jahr nicht - wie noch im Vorjahr - 173 Millionen Dollar in die Staatskasse fließen, sondern gerade noch 5 Millionen. Der Gouverneur des Staates New York, David Paterson, denkt nun darüber nach, Straßen, Brücken und Tunnels an Privatinvestoren zu verkaufen.

Weitere drastische Sparmaßnahmen mit dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen in den Bundesstaaten New Jersey, Vermont und Tennessee.

Was in den USA die Bundesstaaten, sind in der EU die Nationalstaaten. Spanien ist im Rahmen dieser Zusammenfassung für Krisenaufklärungsüberflieger schon erwähnt worden. Aber die Financial Times Deutschland hat noch zwei weitere Problemzonen in Old Europe ausgemacht.

Fundsache 7 - Die Spanische-Grippe-Epidemie

Laut FTD stecken bereits drei EU-Länder in der Wirtschaftskrise

Das sind Spanien, Irland und Dänemark. Alle drei haben zwei aufeinanderfolgende Quartale mit fallender Wirtschaftsleistung erlebt - und das bedeutet unter den führenden Ökonomen dieser Welt: Sie stecken in der Krise. Alle drei haben sich am Vorbild USA orientiert und Immobilienblasen in die Welt gesetzt. Jetzt gehen, wie in den USA, die Eigenheime reihenweise über den Jordan, die Hypotheken platzen und die Banken stehen vor der Pleite. In allen drei Ländern hat die Massenkaufkraft massiv gelitten, mit den zu erwartenden Folgen für die Binnenkonjunktur.

Die FTD wirft einen scheuen Blick in die Zukunft und sieht nach Spanien, Irland und Dänemark auch England und Frankreich auf direktem Weg in die Krise.

Und wann ist Deutschland an der Reihe?
Da kennt sich das Münchner ifo-Institut des Herrn Professor Sinn aus

Fundsache 8 - ifo-Urteil: "Grottenschlecht"
Gegenüber der BILD-Zeitung erklärte der Leiter der "Konjunkturabteilung" des Instituts:

"Der Auftragsbestand ist derzeit noch gut, aber es fehlt an neuen Aufträgen. Im Winter ist der Aufschwung definitiv vorbei."

Und das heißt, nach den Prognosen des ifo-Instituts, dass viele Firmen Kapazitäten abbauen und Personal entlassen werden, denn die Erwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate sind "grottenschlecht".

Aber die Deutsche Bank, die Ackermannsche Leistungsleidenschaft, die schreibt doch weiter 25% Eigenkapitalrendite - der kann so eine kleine Weltfinanzkrise nichts anhaben, oder?

Vorsicht:

Fundsache 9 - Die "Crème de la Crème"

Reuters hat Analysten zur Deutschen Bank befragt - und die gingen Ende Juli davon aus, dass die Deutsche Bank im zweiten Quartal grottenschlecht verdient hätte - mit einem Gewinnrückgang von 70%. Die Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Die komplette Finanzbranche hat ihre Gewinne halbiert. Das meldete der Tagesspiegel am 11. August. Mit zusammen nur noch knapp 4,5 Milliarden Euro Gewinn vor Steuern haben Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank, Postbank, Hypo Real Estate und Münchener Rück, nur die Hälfte des Niveaus vom Vorjahr erreicht. Alleine die Deutsche Bank hatte einen Gewinnrückgang um 2 Milliarden Euro zu verzeichnen.

Nun, wenn die Spekulation in Schwierigkeiten kommt, dann ist das das Eine. Ein Problem für wenige. Wenn die Realwirtschaft ins Schlingern gerät, dann ist das das Andere. Ein Problem für alle. Dass in Deutschland die Kaufhäuser und Modeketten der Reihe nach wegsterben, ist noch kein Beweis. Die Leute kaufen eben mehr im Internet, oder direkt ab Fabrik - aber wenn der Welt berühmtester Getränkeabfüller schwächelt, dann ist Krise!

Fundsache 10 - Der Absturz der braunen Brause
Nicht den Gewinn auf 4,5 Milliarden Euro halbiert, wie die Creme der deutschen Finanzbrahnche, sondern im gleichen zweiten Quartal einen Verlust von 3,2 Milliarden Dollar eingefahren - das ist die Realität beim Nord-Amerika-Abfüllriesen Coca-Cola Enterprises. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal Abschreibungen in Höhe von 5,3 Milliarden US-Dollar vornehmen müssen und damit einen Quartalsverlust von 3,2 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet.

Die Coca Cola Mutter, die mit 35 % an dem Großabfüller beteiligt ist, musste einen erheblichen Gewinnrückgang verbuchen. Jetzt sollen Preiserhöhungen die Gewinne retten. Eine kühne Idee.

Sie sehen, die Einschläge kommen immer näher, nehmen auf nichts mehr Rücksicht - und die eintretenden Verluste übertreffen oft noch die schlimmsten Prognosen.

Am 28. Juli druckte die WELT ein Interview mit dem US-Ökonomen Kenneth Rogoff. Der Link auf das Originaldokument ist es wert, aufgesucht zu werden. Hier nur die Schlaglichter

Fundsache 11 - Die Rogoff Prognose

Kenneth Rogoff sagt:

  • Das schwachen Wachstum ist die Quittung für den schuldenfinanzierten Boom der vergangenen Jahre.
  • Die Immobilienpreise fallen weiter. Die Problemen im Finanzsektor wachsen, die Arbeitslosigkeit ebenfalls, der Konsum leidet.
  • Die USA stecken in ihrer schwersten Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg.
  • Neben der Preisblase auf dem Immobilienmark gibt es eine zweite Blase beim US-Konsum, der mehr als 70 Prozent der Volkswirtschaft ausmacht.
  • Die Behörden haben die Blasen nicht bekämpft, sondern gestützt.
  • Der Konsum wird sich abschwächen, und die Hauspreise werden weiter fallen.
  • Der Crash kommt. Die Politik hat nur erreicht, dass der Zug in Zeitlupe entgleist.
  • Es ist Haarspalterei, ob es bereits eine Rezession ist oder nicht.
    zum WELT-Artikel 



Alles zurück auf Anfang.

Das Schiff ist leck.

Die beiden wichtigsten US-Immobilienfinanzierer, Fannie Mae und Freddie Mac, halten mit rund 6 Billionen Dollar (6.000.000.000.000) annähernd die Hälfte aller US-Hypotheken in ihren Büchern. Beide sind faktisch pleite. Und wenn man die USA mit jenem biblischen Riesenstandbild vergleichen wollte, von dem einst Nebukadnezar träumte, dann käme diesen beiden Finanzinstituten die Rolle der tönernen Füße zu....

Du, König, hattest eine Vision: Du sahst ein gewaltiges Standbild. Es war groß und von außergewöhnlichem Glanz; es stand vor dir und war furchtbar anzusehen.
An diesem Standbild war das Haupt aus reinem Gold; Brust und Arme waren aus Silber, der Körper und die Hüften aus Bronze.
Die Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.
Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.
Da wurden Eisen und Ton, Bronze, Silber und Gold mit einem Mal zu Staub.

(aus dem Buch Daniel, Kapitel 2)

Der ganze Glanz der Hegemonialmacht der westlichen Welt, alles glänzende Gold, das schimmernde Silber, das sich in den Tresoren der Reichen und Mächtigen angesammelt hat, die Kunst der Wissenschaftler und Ingenieure, die Kraft der Industrie und des Handels, sind gestützt auf die eisernen Beine einer schier unüberwindlichen Militärmaschinerie, deren Stampfen den Erdkreis erzittern lässt. Doch all die Gewalt und Kraft, alle Macht und aller Reichtum, sind gegründet auf einen Berg von Schulden - und weil deren Rückzahlung vollkommen unmöglich ist, ist auch die Stabilität des Fundaments dieser Macht nur eine Fiktion, die unter dem kleinsten äußeren Anstoß in sich zusammenbrechen und alles mitreißen wird, was auf ihr gegründet ist.

Um den völligen Zusammenbruch des Wirtschafts- und Währungssystems der USA zu verhindern, wird nun erneut ein zusätzliches Leck in den Rumpf des Schiffes geschlagen.

Um den Schein der Stabilität noch für ein Weilchen zu wahren, werden die Schulden massiv vergrößert. Die Anhebung der Kreditlinie für die faktisch zahlungsunfähigen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac von 5 auf 300 Milliarden Dollar auf der einen Seite, ein 300 Milliarden Dollar Fonds, der den Eigenheimbesitzern ermöglichen soll, ihre Kredite weiter zu bedienen, auf der anderen Seite, sollen den Anschein von Normalität und regulärer Tilgungstätigkeit erwecken.

Dies alles soll die US-Regierung nur 25 Milliarden Dollar kosten.

Eine Annahme die wohl nur dann zutreffen würde, wenn dieser Plan tatsächlich geeignet wäre, das Ende der Krise herbeizuführen, wenn es tatsächlich gelänge, das in den Schiffrumpf eingedrungene Wasser durch ein zweites, absichtlich geschlagenes Leck wieder abfließen zu lassen.

Beides ist ohne ein "Wunder" vollkommen ausgeschlossen. Auch diese neuen Kredite werden fällig - und auch diese zusätzlichen Kredite müssen verzinst werden - und so werden auch diese Kredite zum Untergang des Schiffes, zum Sturz des Riesen auf tönernen Füßen beitragen.

Mit einem Umfang von 3,1 Billionen Dollar und einem geplanten Defizit von 482 Milliarden US-Dollar wird der US-Haushalt des Jahres 2009 alle bisherigen Rekorde übertreffen. Alleine das US-Haushaltsdefizit erreicht damit locker die Größenordnung des Haushalts der Bundesrepublik Deutschland - samt dessen Defizit.

Zum Abschluss möchte ich daher noch eine letzte Fundsache anfügen und Karl Weiss zitieren, der am 24. Juli in der Berliner Umschau schrieb

Fundsache 12 - Scheitern an der Endlichkeit der Welt

Kleinere Länder (...) haben nicht die Möglichkeit, wie etwa die USA, einfach riesige Staatsausgaben, wie etwa die für den Irak-Krieg, zu inszenieren, was natürlich den formalen Beginn der Wirtschaftskrise hinauszögern kann.

Doch auch die US-Regierung wird ihre Schulden nicht weiterhin bis ins Unendliche erhöhen können. Wenn sie eine gewise Höhe erreicht haben werden, gibt es für die Gläubigerstaaten, allen voran China, Japan, Süd-Korea, Grossbritannien und Deutschland, keinen anderen Ausweg mehr, als grosse Mengen von US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen, was zweifellos der Beginn des Falls eines Weltreiches sein wird.

Vor einem Jahr, am 16. August 2007,
schrieb ich im Paukenschlag No. 33 /2007:

Der Fortgang der Ereignisse ist absehbar,

lediglich über das genaue Datum der großen, finalen Erschütterung herrscht noch Ungewissheit. Aber so wie die Menschheit weiß, dass sich am San Andreas Graben eine ungeheuerliche Spannung aufbaut, die - vielleicht morgen, vielleicht erst in hundert Jahren - aber doch absolut unausweichlich die Stadt San Franzisco erneut vollkommen zerstören wird, so sicher ist, dass die Spannungen im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem sich in einem neuen großen Crash entladen werden. Das Zeitfenster für diesen Crash ist eng. Er kann heute Nachmittag beginnen, er könnte auch noch ein paar Monate hinausgezögert werden - und dass er die Welt 2008 trifft, ist wahrscheinlicher als die Annahme, er käme erst 2009.

Es gibt gleich mehrere Entwicklungen, die sich gegenseitig auslösen und verstärken und so zum beschleunigten Wachstum der Spannungen beitragen:

a) Die weitere US-interne Entwicklung und ihre Folgen für den Binnenmarkt

Es wird allmählich zur Gewissheit, dass die US-Immobilienkrise als Auslöser des kommenden Zusammenbruchs dienen wird. Was aber wird sich aus diesem Krisenherd entwicklen?

Mit überaus preiswerten und überaus bereitwillig ausgestreuten Hypothekendarlehen wurde der Binnenmarkt der USA mit Geld geflutet. Davon waren aber bei weitem nicht nur die Schrottimmobilien betroffen, deren fragwürdige Finanzierung seit mehr als einem halben Jahr - Bank für Bank - zusammenbricht. Die Dimensionen der Blase sind damit längst nicht ausreichend beschrieben. Die Märkte haben Spielregeln - und die führen dazu, dass eine Fehlbewertung nicht auf ein Segment beschränkt bleiben kann.

Wenn das typische amerikanische Einfamilienhaus, ein Fertighaus aus ein paar dünnen, mit Pappe und Brettern verkleideten Kanthölzern, das nach deutschen Maßstäben höchstens einen Kaufpreis von 100.000 Euro und einen Beleihungswert von weniger als 50.000 Euro repräsentiert, dort plötzlich mit 300.000 oder 400.000 US$ bewertet wird - und für diesen "Scheinwert", der als Sicherheit dient, entsprechend hohe Kredite ausgereicht werden, dann schlägt dieses Missverhältnis zwischen realem Wert und geforderten Preisen doch auf den gesamten Immobilienmarkt durch. Das Appartement im New Yorker Hochhaus, das einen Wert von vielleicht 250.000 US$ repräsentiert, muss teurer sein, als die windigen Fertighäuser - sonst stimmen die Relationen nicht - und so wird es zum Spekulationsobjekt und mit 600.000, 800.000 oder sogar mehr als 1.000.000 US$ gehandelt. Diese Entwicklung muss zwangsläufig gigantische Bauaktivitäten in rein spekulativer Absicht auslösen - und so ist es schließlich auch gekommen.

Die USA sitzen auf einem Berg vollkommen überbewerteter Immobilien. Nichts ist davon ausgenommen, weder die Familien-Pappschachtel in der Vorstadt, noch das Luxusappartement in der allerbesten Lage - und die allermeisten dieser Immobilien sind bis weit über die Dachkante mit Hypotheken belastet. Diese Halde ist vor ungefähr einem Jahr ganz allmählich ins Rutschen gekommen, weil ganz unten an der Basis die Zinsen nicht mehr gezahlt werden konnten.

Seitdem wird der Erdrutsch immer schneller - und ist nicht mehr aufzuhalten.

Die dinglichen Sicherheiten, die üblicherweise als "Sicherung" gegen Zahlungsausfälle und deren Folgen der Bank zur Verfügung stehen, nützen in dieser Situation überhaupt nichts. Die Immobilien lassen sich nicht verwerten. Sie lassen sich weder verkaufen (jedenfalls nicht einmal näherungsweise zu Preisen, die ausreichen würden, die ausstehenden Tilgungsleistungen einzubringen) noch lassen sie sich vermieten, denn als Mietinteressent kommt niemand anders in Frage, als die soeben per Mahnverfahren und Räumungsklage vor die Tür gesetzten Ex-Eigentümer. Die aber waren außerstande, den regulären Schuldendienst aufzubringen; sie werden also ebenfalls nicht in der Lage sein, eine Miete aufzubringen, deren Höhe es der Bank ermöglichte, irgendwann und irgendwie wieder aus der Klemme zu kommen.

Es kann also durchaus damit gerechnet werden, dass der Bulldozzer, der in der Kleinstadt von einem Grundstück zum anderen fährt, um das darauf errichtete Fertighaus platt zu machen, bevor es einfach von mutigen Obdachlosen "besetzt" wird, in nicht allzuferner Zukunft zum gewohnten Bild des american way of life gehören wird.

Doch damit ist das Krisenszenario längst nicht vollständig beschrieben. Parallel zu dieser Entwicklung wird die Baubranche nahezu zum Erliegen kommen. Weder neu errichtete Luxusappartements noch nagelneue Fertighäuser aus dem Katalog werden Abnehmer finden. Denn einerseits ist die Zahl der per Zwangsversteigerung zu erwerbenden Billigst-Schnäppchen viel zu groß und andererseits hegt für lange Zeit niemand mehr eine Renditeerwartung, die den Neubausektor aus spekulativen Erwägungen heraus beflügeln könnte. Selbst große staatliche Bauprogramme, wofür auch immer, können den über mehrere Jahre anhaltenden Niedergang der Bau- und Einrichtungsbranche in den USA nicht aufhalten, einerseits, weil der geeignete Startzeitpunkt bereits verpasst ist, andererseits weil auch die Regierung ein Problem haben wird, in Zeiten zusammenbrechender Finanzmärkte die notwendige Liquidität bereitzustellen, ohne mit jedem zusätzlichen Dollar ein massives Ansteigen der Inflation auszulösen.

Doch der Bausektor selbst ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Bruttoinlandsprodukt der USA, im Jahre 2006 immerhin 13,25 Billionen US$, entstand zwar nur zu 4,9 Prozent im Bau, zu 20,9 Prozent jedoch im Bereich Immobilien und Finanzierung - und weil auch diese tief in die Krise verstrickt sind, ist damit rund ein Viertel der statistisch erfassten Wertschöpfung der USA betroffen. Obwohl der Personalbedarf der Bereiche Immobilien und Finanzierung in Relation zur Wertschöpfung sehr gering ist, so kann doch geschätzt werden, dass alleine dadurch, dass den Immobilienmärkten die Luft ausgeht, bis zu 10 Millionen Arbeitsplätze akut bedroht sind - und dass alleine in Folge dieser Entwicklung, ohne die weiteren ungünstigen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, binnen der nächsten 12 Monate mindestens 3 Millionen Jobs verloren gehen. Dabei handelt es sich um gute Jobs aus dem Kernbereich der Erwerbstätigkeit. Da die Statistiker in den USA mit den Begriffen Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit noch weitaus großzügiger umgehen, als wir das in Deutschland allmählich kennenlernen, ist das ein weit größeres Stück vom Kuchen der Erwerbstätigkeit, als es die völlig überzogene Zahl der "per Telefonumfrage im Stichprobenverfahren" festgestellten 142 Millionen Erwerbstätigen vorgaukelt.

Die Freistellung von mindestens 3 Millionen qualifizierten und engagierten Menschen aus den Jobs rund um die Immobilie wäre sicherlich eine Chance für die USA. Ein Teil des Außenhandelsdefizits könnte abgebaut werden, indem die neuen Arbeitslosen damit beschäftigt würden, die Importabhängigkeit zu mindern. Doch diese Chance wird ungenutzt verstreichen. Den USA fehlt nämlich mit dem Ende der Immobilienblase der Treibstoff für einen Aufschwung. Das Geld ist weg. Was bisher auf dem Weg

"Wertsteigerung der Immobilie - zusätzliche Hypothek - zusätzlicher Konsum"

zur Geldversorgung diente, ist weggebrochen. Neue Geldquellen sind bislang nicht erschlossen. Zudem müssen die Banken, solange sie nicht selbst schon in die Insolvenz gerutscht sind, zur Kompensierung der eingetretenen Verluste an der Zinsschraube drehen. Auch eine massive Senkung der Zentralbankzinsen wird wirkungslos bleiben, Das dem Binnenmarkt zur Verfügung stehende Geld wird nicht billiger - es wird teurer. Investitionen werden massiv erschwert - und der Weltmarkt bietet weiterhin zu konkurrenzlos günstigen Preisen an.

Obwohl also ein Bedarf besteht, wird seine Deckung im Binnenmarkt nicht gelingen, weil entsprechende Projekte schon bei den Finanzierungsbemühungen an der Rentabilitätsprüfung scheitern.

Die Eigenschaft des Kapitalismus, nicht primär für den Bedarf, sondern ausschließlich für den Profit zu produzieren, wird zuverlässig verhindern, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann.

b) Die absehbaren Reaktionen der Gläubiger

Dollars haben, heißt ein Problem haben.

Und weil dies ziemlich gleichzeitig alle begriffen haben, will den Dollar nun niemand mehr. Dass ein paar hochbezahlte und mit großzügigen Pensionen ausgestattete Schlafmützen in Deutschland weiter fleißig daran mitwirken, die gesamte Infrastruktur, von der Kanalisation bis zur Autobahn, von der Telekom über die Post bis zur Bahn, von den Wohnungen in Dresden bis zu den Kliniken in Hamburg - alles reale, funktionierende, nützliche Werte - gegen wertloses Papier, von dem die ganze Welt überquillt, zu verschleudern, hilft zwar den Investoren, also privaten Nutznießern, wenigstens Teile ihres Vermögens durch Umwandlung in Sachwerte zu retten, den Niedergang des Dollars wird das nicht aufhalten..

US-Schuldtitel, in welcher Gestalt sie auch immer verbrieft und verkauft werden, haben es in nächster Zukunft schwer, Interessenten zu finden. Die Verletzlichkeit des Riesen ist deutlich geworden. Die Dollarreserven, die vor allem in China und Japan gehalten werden, sind plötzlich als das zu erkennen, was sie im Grunde schon immer waren: Uneinbringliche Forderungen.

Und wenn auch der Handel mit Dollars noch eine ganze Weile fortgesetzt werden wird, der Kurs des Dollars wird im Verhältnis zum Euro, zum Yen, zum Rubel und zum Renminbi Yuan immer weiter abstürzen. Dass der Absturz noch langsam und gebremst vonstatten geht, hat viel damit zu tun, dass sich immer noch viele eine Chance ausrechnen, sich "schleichend" und mit kleinen Verlusten aus dem Dollar verabschieden zu können - und dass Öl immer noch ganz überwiegend gegen US$ verkauft wird. Beides wird sich ändern, denn schon jetzt geht es nur noch darum, sich möglichst geschickt vom "Schwarzen Peter" zu trennen.

Der US$ hat in den letzten 5 Jahren bereits ein Drittel seines Wertes gegenüber dem Euro eingebüßt. Dollar-Gläubiger in aller Welt haben in diesen 5 Jahren ein Drittel ihres in Dollar angelegten Vermögens verloren. Eine nachhaltige Trendumkehr ist nicht zu erwarten.

Die Auslandsschulden der USA sind zwar bis heute immer noch weiter gestiegen, doch mit den nicht mehr zu unterdrückenden Informationen über das Ausmaß und die Entstehung der Immobilienblase wird allmählich auch dem dümmsten Anleger deutlich, dass es über dem Großen Teich eine ganze Nation gibt, die in einem so spektakulären Maße über ihre Verhältnisse gelebt hat, dass sie niemals in der Lage sein wird, ihre Schulden zu tilgen - außer per Abwertung.

In Deutschland haben bisher nur die Arbeiter und Angestellten dafür bezahlt, weil sie der Industrie durch ihre verhältnismäßig niedrigen Löhne auf vielen Gebieten ermöglichten, besonders günstige Angebote vorzulegen. Unternehmer und Kapitalgeber haben - wie die Bilanzen belegen - fürstlich daran verdient.

Doch nur wird es auch für das Kapital eng.

Dollars haben, heißt ein Problem haben. Ein noch so schöner Gewinn, der in einer Währung erwirtschaftet wird, die niemand mehr haben will, ist kein Gewinn - sondern so eine Art monetärer Sondermüll.

c) Die unvermeidliche Inflation in den USA

Um den - von der Bau-, Immobilien- und Finanzbranche eingeleiteten - drohenden Zusammenbruch der gesamten Volkswirtschaft doch noch zu bremsen, muss Geld in den Binnenmarkt gepumpt werden - und zwar dahin, wo der Konsum eingebrochen ist, also letztlich in die Taschen der Arbeiter und Angestellten. Möglichkeiten dafür gibt es viele, angefangen von Rüstungsausgaben, über die Erhöhung von Soziallleistungen oder die Einführung neuer staatlicher Wohltaten - bis hin zu direkten Lohnzuschüssen (Kombi-Lohn ? ) oder direkten, beschäftigungsabhängigen Subventionen für die Wirtschaft (1-Dollar-Jobs ? ).

Doch es wird nicht gelingen, der künstlich überhöhten Nachfrage ein entsprechendes Angebot gegenüberzustellen. Die dafür erforderlichen Investitionen werden wegen der bereits oben angesprochenen, unzureichenden Rendite nicht stattfinden - und die Importeure werden, weil sich die ausländischen Lieferanten vom Dollar abwenden, ebenfalls nicht in die Bresche springen.

Während also Arbeitslose und Erwerbstätige, um den Lebensstandard erhalten - und vor allem die noch offenen Kredite weiter bedienen zu können - noch einmal massiv mit zusätzlichem Geld ausgestattet werden, treten Produktion und Produktivität auf der Stelle.

Die Lohn-Preisspirale beginnt sich zu drehen - von unten her.

Von oben her drängen die weltweit vagabundieren Dollars zurück in die Heimat und versuchen dort aufzukaufen, was immer von Wert ist.

Der Ausverkauf des Volkseigentums und der größeren Privatunternehmen, der in Deutschland schon weitgehend abgeschlossen ist, wird auf die USA übergreifen und dort in brutaler Härte ausbrechen, wenn die Gläubiger versuchen, ihre wertlosen Dollars auch noch gegen den allerletzten Sachwert einzutauschen. Der Makler-Trost:

"Geld kann abgewertet werden, Grund und Boden nicht. Und selbst wenn ein Krieg kommt, und ihre Immobilie einen Volltreffer abbekommt, besitzen Sie doch hinterher immerhin noch einen Bombentrichter!" -

wird jede Quadratmeile Wüste zum immer noch attraktiven Anlageobjekt werden lassen.

Dies wird einen seltsamen, von den USA ausgehenden Höhenflug der Börsen hervorrufen, der von den öligen Kommentatoren, die auch sonst bei jeder Gelegenheit betonen, dass es eine Gefahr für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt gegeben habe, als Signal für die Robustheit und Widerstandskraft der US-Wirtschaft, als Zeichen für den Beginn einer nachhaltigen Erholung und eines neuen Aufschwungs und nicht zuletzt als Beleg für die überlegene Weisheit der US-Manager und US-Politiker hergenommen wird.

Bloß keine Panik!

Die Hyperinflation beginnt also an zwei Fronten, die Löhne werden anziehen, um das Volk ruhig zu halten - und die Preise der Anlageobjekte werden anziehen, weil den Anlegern ihre Dollars in den Händen verbrennen.

Mit dem zurückströmenden Geld der Anleger wird die weitere Inflation auf den Warenmärkten angetrieben. Das T-Bone-Steak wird erst 70, dann 200, dann 10.000 Dollar kosten - und ein paar Wochen später gibt es gar keines mehr.

d) Das Überspringen der Krise auf den Rest der Welt

Die größte Volkswirtschaft fällt bei gleichzeitigem Abbrennen eines Kursfeuerwerks an der Wall Street ins Koma. Die Nachfrage nach ausländischen Produkten für den Massenkonsum bricht zusammen. Chinesen, Japaner, Europäer und vor allem Deutsche verlieren einen wichtigen Markt. Zudem verlieren die Gläubiger weltweit Forderungen auf weit mehr als 10 Billionen (nicht Milliarden) US$.

Das mag für einen Teil der betroffenen Unternehmen, Banken und Privatpersonen zu verkraften sein - für einen anderen Teil bedeutet es den vollständigen Ruin, weil die Rückflüsse der in Dollar angelegten Mittel fest eingeplant waren.

Asien wird die Krise mit geringen Schäden überstehen.

China wird sich verhältnismäßig leicht und ohne großen Schaden aus dem Staub machen können. Die Dollar-Reserven waren bisher kaum angetastet worden - man wird sie auch in Zukunft nicht brauchen. Die Dollar Krise ermöglicht es, den Yuan zu einem günstigen Zeitpunkt definitiv vom Dollar abzukoppeln, das eigene Geldsystem auf sichere Beine zu stellen - und vermehrt für den riesigen, in keiner Weise gesättigten Binnenmarkt zu produzieren, auch wenn neben den USA noch weite Teile Europas als Abnehmer ausfallen.
Ähnliches gilt für Korea, Vietnam, Indien und andere aufstrebende Volkswirtschaften in Asien.

Japan wird - ähnlich wie Deutschland - zu den großen Verlierern gehören.

Europa wird nicht so gut davonkommen.

Zu eng sind die Verknüpfungen zur US-Wirtschaft, zu heterogen immer noch die einzelstaatlichen Sonderinteressen, die ein gemeinsames Vorgehen, vor allem ein gemeinsames Abschotten gegen den Brandherd unmöglich machen werden. Vor allem aber braucht die hochgezüchtete und auf Profitinteressen statt auf Bedarfsdeckung ausgerichtete EU-Wirtschaft den US-Markt, um ihre Kapazitäten auszulasten.

Ein entsprechend großes Nachfragepotential vergleichbarer Qualität ist weltweit nicht vorhanden und nicht zu erschließen. Die Schließung von Fabriken und die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen werden in Europa viel weiter gehen, als es das Maß des bisherigen US-Imports vermuten ließe, da den Europäern die Nachfrage auch da wegbricht, wo andere große Exportnationen den Umsatzausfall zu kompensieren haben und versuchen, dies zunächst auf dem Binnenmarkt zu schaffen.

Deutschland, das sich unter Gerhard Schröder und Angela Merkel zu Gunsten der Exportindustrie freiwillig zum Armenhaus Europas verwandelt hat, wird es in Europa mit am schlimmsten Treffen, weil die Massenkaufkraft bereits massiv reduziert ist und der "selbsttragende Abschwung" des Binnenmarktes längst eingeleitet ist.

Das peinlich-unverschämt-menschenverachtende Gezerre um Mindestlöhne und Anpassung der Hartz IV-Sätze, das uns derzeit auf der Bühne des Sommerlochs von hochkarätigem Personal, bis hin zum Vizekanzler dargeboten wird, wird uns allen in Kürze jedoch als erstrebenswerter Zustand in Erinnerung sein, wenn die Politik mitten im Crash mit ihrem Latein endgültig am Ende ist.

Wenn nämlich alle Steuerquellen und die Beitragseinnahmen der Sozialsysteme gleichzeitig beginnen, immer müder und spärlicher zu fließen, während die Zahl der Rentner, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger von einem Rekord zum anderen ansteigt, und die Tilgungswut der Haushaltsverantwortlichen ungebrochen weiter ausgelebt werden darf, wird es nur noch heißen: Rette sich wer kann. Geld vom Staat? Fehlanzeige!

Amerika, ohne USA

Kanada kann sich gegen den Virus nicht abschotten. Es wird, parallel zu den USA die einzelnen Phasen der Krise ebenfalls, leicht abgeschwächt, durchleben und letztlich vergleichbare Verluste zu verzeichnen haben.

Mexiko und der restliche Hinterhof, sowie die großen südamerikanischen Nationen werden punktuell getroffen. Überall da, wo sich große Dollarvermögen in privater Hand angesammelt haben, kann es zu Firmenzusammenbrüchen, Arbeitslosigkeit und höchst prekären Situationen kommen, allerdings werden kaum ganze Volkswirtschaften in den Abgrund driften. Es gibt sogar Hoffnung, dass die Experimente zur Eindämmung des Kapitalismus, die gerade in Mittelamerika laufen, sich für eine Weile ohne den Widerstand des großen Nachbarn entwickeln können.

Australien und Afrika

werden nicht nennenswert betroffen. Australien, weil es - von der Bevölkerung her - zu klein ist, Afrika, weil es zu arm ist.

Die Alternative

Es steht für dieses Mal keine Alternative mehr in Aussicht. Nur Varianten des Ablaufs sind denkbar - die jedoch insgesamt darauf hinaus laufen, dass die werthaltigen Vermögensgegenstände, die in den USA und in Europa im öffentlichen Besitz oder im privaten Streubesitz befindlich sind, gegen Papiergeldlawinen eingetauscht werden.

Das Kind ist im Brunnenschacht unterwegs und wird erst durch den Aufschlag auf die Wasseroberfläche gebremst werden.


Dabei handelt es sich bei großen, weltweiten Wirtschaftskrisen nicht um Naturgesetze, sondern um menschengemachte Ereignisse, die eintreten können, weil es die Mehrheit der Demokraten nicht schafft, sich gegen die Minderheit der Egoisten zu organisieren.

Es sind Ereignisse, die nur eintreten können, weil die Mehrheit der Wähler nicht weiß, wie das Spiel läuft - und schon gar nicht, dass sie ausersehen sind, die Zeche zu zahlen.

Diese Unwissenheit zu überwinden ist schwierig. Nur eine aufgeklärte Mehrheit der Demokraten könnte die notwendige Bildung einfordern und durchsetzen. Solange die Minderheit der Egoisten ihre "Wahrheit" auf allen Kanälen unwidersprochen verbreitet, wird sich kaum etwas ändern können.

Dem ist aus heutiger Sicht nicht viel hinzuzufügen.

Die damals aufgestellten Prognosen sind in weiten Teilen bereits eingetreten, und was noch aussteht, kündigt sich erkennbar an.

Wenn Sie können, dann machen Sie es jetzt wie die großen Spekulanten:
Wandeln Sie Geldvermögen zügig in Sachvermögen um.


Es müssen ja nicht gleich 100.000 Sozialwohnungen oder die Bundesbahn sein.
Es gibt auch kleinere, werthaltige und dauerhafte Investitionsmöglichkeiten.

Denken Sie einfach einmal ein bisschen darüber nach.
Prüfen Sie die aktuellen Preise auf bereits erkennbare Spekulationseinflüsse - und treffen Sie dann ihre Wahl.

Aber zögern Sie nicht mehr zu lange.