Paukenschlag am Donnerstag
No. 31/2008
vom 31. Juli 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

Druckversion  Kommentare lesen / schreiben
Nicht einfach zur Flasche greifen

Impressum
Startseite
EWK-Verlag
Newsletter bestellen
Paukenschläge 2007
Paukenschäge 2008
Weitere Kommentare
Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
29 Nine/twenty-eight
30 Von allen guten Geistern verlassen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Nicht einfach
zur Flasche greifen

 

Das ZDF-Morgenmagazin schickt Profi-Bewerber gegen die Arbeitslosigkeit im Sommerloch ins Feld.

Heute Morgen im ZDF-Morgenmagazin:

Die Arbeitslosenzahlen, die in ein paar Stunden in Nürnberg offiziell verkündet werden, sind, wie vorab bekannt wurde, gestiegen.

Das war die Nachricht - danach folgte die Belehrung - und die war ein echtes Kabinettstückchen professionell-selektiver Information.

Für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen, plaudert die Moderatorin munter dahin, gäbe es sicherlich (!) mehrere (!) Gründe. Dann folgt die Aufzählung:

  • "Die Konjunktur macht gerade Pause."
  • "Dann gibt's da noch das sogenannte Sommerloch, was immer das sein mag", und
  • "Qualifizierte Bewerber sind leider Mangelware, sagen die Personalabteilungen der Unternehmen."

Das waren dann die "mehreren Gründe" und die waren allesamt mehr oder minder grober Unfug:

  • Eine "pausierende Konjunktur", so volkstümlich das Bild sprachlich auch hingetupft sein mag, würde eher zu einem Stillstand auf dem Arbeitsmarkt passen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit erklärt sie nicht.
  • Das ominöse Sommerloch, von dem auch die Moderatorin nicht weiß, was das sein mag, kommt als ernsthaftes Argument auch nicht in Frage, und
  • Dass der Mangel an qualifizierten Bewerbern zum Anstieg der Arbeitslosigkeit führt, ist ebenfalls eine rein suggestive Aussage, die jeglicher Logik entbehrt.
    (Dadurch, dass ein Unternehmen Mitarbeiter sucht, aber keine geeigneten Bewerber findet, ändert sich doch an der Zahl der Arbeitslosen nichts. Sie wird dadurch weder kleiner, noch größer.)

Allerdings ist es den Konstrukteuren dieses Beitrags damit gelungen, immerhin drei Ursachen aufzuzählen, die - zusammengenommen geeignet sind, ungefähr folgenden Wirrwarr im Kopf der Zuschauer hervorrufen:

Obwohl die Konjunktur pausiert, versuchen die Unternehmen, selbst noch im Sommerloch, Leute einzustellen, der Anstieg der Arbeitslosenzahlen liegt also nur daran, dass die Bewerber nicht ausreichend qualifiziert sind. Die sollen sich auf den Hosenboden setzen, die Faulenzer... 

Und, weil genau diese Wirkung vorhersehbar, wenn nicht gar beabsichtigt war, setzt das Morgenmagazin noch einen drauf und lässt wissen, dass man etwas dagegen machen kann, gegen die nicht ausreichend qualifizierten Bewerber.

Von da an gerät der Beitrag vollends zur Farce.

Ohne auch nur einen Rest von Scham wird dem Publikum vermittelt, worauf es ankommt, damit die Arbeitslosigkeit sinkt:

Arbeitslose müssen zu Profi-Bewerbern
umgeschult werden.

 

Ein konkreter Fall wird vorgestellt, ein 25-jähriger mit dem Berufswunsch "Koch", der angibt, in seinem ganzen Leben ungefähr 200 bis 300 Bewerbungen geschrieben zu haben, ist der Musterfall für jene rund 6 Millionen Arbeitslosengeldempfänger, denen vermeintlich nichts fehlt, als ein Bewerbungstraining, um in Deutschland wieder die Vollbeschäftigung ausrufen zu können.

 

"Drei Jahre bewerben, ohne Erfolg. Jetzt sind Profis gefragt."

Mit diesem optimistischen Slogan wird die Reportage über die Erlebnisse des Aspiranten im Bewerbungstraining anmoderiert. Dann der Schlüsselsatz:

"Die Arbeitsagentur schickt (den Bewerber) ins Projekt 'Job Act'."

Kein Wort darüber, was dieses Projekt ist, was damit bezweckt wird, was es kostet, wie die Erfolgsquoten sind - Hauptsache ein schöner, wohlklingender Titel. Dass der für englischsprachige Menschen ebenso nichtssagend ist, wie für das deutsche Publikum, das macht nichts. "Job Act" ist heute Morgen im ZDF Morgenmagazin die Patentlösung für den Arbeitsmarkt.

Unser Bewerber erfährt in einem zeitrafferartigen Zusammenschnitt
(so ein Bewerbungstraining zieht sich in der Realität oft über zwei, drei oder auch vier Wochen hin; dem folgt im direkten Anschluss häufig ein ein-, zwei- oder dreimonatiges unbezahltes Praktikum)
zunächst alles Wichtige über den Lebenslauf:

  • "Was man heute eigentlich nicht mehr unbedingt macht, bzw. was man bisschen, was man machen kann, nur - ein bisschen, m..., sachma, konservativ ist, ist, dass man, m..., dass man auf die Eltern und auf die Geschwister eingeht", erklärt der Profi, der in diesem Fall ran durfte.
  • "Also die Information, dass du Online-Games spielst ...", erläutert er weiter,
    "Kann ich eigentlich rauslassen...," weiß der Bewerber,
    "... würde ich rauslassen", bestätigt der Profi, um das, was der Teilnehmer offenbar schon begriffen hat, dann auch noch wortreich zu begründen:
  • "Das ist, also eher im Gegenteil, das ist, wird dir n..., als negativ ausgelegt, da denken die Leute, o.k., der hängt 'n ganzen Tag am Computer. Der daddelt die ganze Zeit. In seiner Freizeit."
  • "Du hast Rechtschreibfehler drin, ja also hier diese, die Anne Frank Schule in Fritzlar heißt bestimmt Fritzlar, und zum Einen habe ich jetzt gesehen, dass du oben dich bei Gasthof Meier bewirbst",
    "ja"
    "und dann ganz offensichtlich hier unten vergessen hast, die Frau Meier eben und dann auch anzusprechen."

In einer weiteren Szene wird das Bewerbungsgespräch perfektioniert, denn "gerade hier liegen die Stolperfallen."

Ein Bewerber sollte sich auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten und sich über das Unternehmen, bei dem er sich bewirbt, gut informieren. Hat er das versäumt, wie in dem im Beitrag gezeigten Rollenspiel, dann wird er vom Profi von Job Act aufgeklärt: "Du warst sehr desinformiert!"

Aber hat man sich informiert, und begeht man nicht einen der beiden Kardinalfehler, verkrümmt und verschlossen herumzusitzen, statt sich dem Arbeitgeber offen zu zeigen, oder gar unaufgefordert zur Flasche zu greifen, dann steht der baldigen Einstellung nichts mehr im Wege.
(Vorausgesetzt, auch der Arbeitgeber hat den Rat "Nicht einfach zur Flasche greifen" richtig interpretiert.)

Und damit auch dem letzten Zuschauer vollkommen klar wird, dass jeder für seine Arbeitslosigkeit selbst die Verantwortung zu tragen hat, weist das ZDF-Morgenmagazin abschließend darauf hing, dass es den Kurs "Bewerbungstraining" bei den Volkshochschulen schon für 30 Euro gibt, erwähnt auch, dass private Bildungsträger teurer sind, bis zu 1.500 Euro ("...da schwanken die Preise"), um zuletzt triumphierend zu verkünden, dass es Bildungsgutscheine vom Arbeitsamt gibt, mit denen das Bewerbungstraining für den Bewerber kostenlos ist.

Die Abmoderation:

"Lebenslauf, Anschreiben und Gespräch sitzen -

(...) ist schon ein fast perfekter Bewerber.

Und sein nächstes Vorstellungsgespräch, das stimmt ihn optimistisch."


Schön, nicht wahr? Wo ist das Problem?

Schön. Nicht wahr.
Das ist das Problem.

 

Um den im Beitrag aufgetretenen "Profi" zu zitieren:

Die Macher dieses Beitrags wirkten sehr desinformiert.

Wenn nicht gar desinformierend, desinformativ.

Ob Absicht, Dummheit oder Unwissen dahintersteckt, wird nicht abschließend geklärt werden können. Nicht bestritten werden kann,

  • dass ein so naiv-optimistisch gestrickter Bericht an der Realität von Bewerbungstrainings vollkommen vorbei geht - und
  • dass man, mit dem Versuch, ernsthaft zu recherchieren und dem Mut, auch einmal kritsich zu berichten, der Wahrheit, die ja nicht verborgen ist, sondern in Hundertausenden von Fällen offen zutage liegt, ja geradezu zum Himmel schreit, deutlich hätte näherkommen können.

Lassen Sie mich mit einigen wenigen Sätzen den hier vorgetragenen Optimismus ad absurdum führen:

 

  • Das Angebot an Arbeitsplätzen steigt nicht, wenn Arbeitslose zu "Profi-Bewerbern" umgeschult werden. Nicht nur, weil kein Unternehmer für Mitarbeiter Verwendung hat,die zum professionellen Bewerber ausgebildet wurden - die Realität ist viel einfacher:

    Zwischen der Zahl der angebotenen Arbeitsplätze und der Zahl der perfekt ausgebildeten "Berufsbewerber" besteht nun einmal keinerlei Zusammenhang.

    Würden mehr Bewerber mehr Jobs schaffen, dann müssten mehr Polizisten auch zu mehr Ganoven führen, mehr Fahrlehrer müssten die Zahl der Fahrschüler massiv ansteigen lassen und je mehr Politiker sich auf der politischen Bühne drängen, desto mehr Wähler müssten nachwachsen...
  • Die in den Bewerbungstrainings erzwungenen, dutzendfachen (Blind-)Bewerbungen von Hunderttausenden von Bewerbern verstopfen die Eingangspostkörbe der Personalabteilungen. An der beruflichen Qualifikation der Bewerber ändern sie nichts.
  • Selbst wenn ein "Profi-Bewerber" bessere Chancen hat, einen Job zu ergattern, so bleibt die Zahl der angebotenen Stellen deshalb doch unverändert. Es werden folglich nicht mehr Stellen besetzt, sondern bestenfalls andere - nicht zwangsläufig auch geeignetere - Bewerber eingestellt.
  • Bewerbungstraining ist in der Regel alles andere als eine freiwillige Angelegenheit. Arbeitsagenturen und Jobcenter zwingen Menschen - oft ohne Prüfung der Zweckmäßigkeit - erst einmal in eine Maßnahme, und diese Maßnahme ist häufig ein sogenanntes Bewerbungstraining.
    Das hat für die Verwaltung der Arbeitslosigkeit zwei Vorteile:
    Wer in einer Maßnahme steckt, wird nicht als arbeitslos gezählt, verbessert also die Statistik, und wer die Teilnahme an einer Maßnahme verweigert, zum Beispiel weil er dagegen aufbegehrt, zum dritten Mal ein unsinniges Bewerbungstraining zu absolvieren, dem kann die Leistung gekürzt werden. Das verbessert die Finanzlage der Arbeitslosenversicherung.
  • Der nette Nebeneffekt, dass die boomende "Trainingsindustrie" Stellen aufbaut, also den Arbeitsmarkt tatsächlich entlastet, gerät zur unentrinnbaren Endlosspirale: Solange die Arbeitsverwaltung es selbst in der Hand hat, zu entscheiden, ob Trainer wegen Arbeitsmangel entlassen müssen, oder ob - wegen zusätzlichen Schulungsbedarfs - weitere eingestellt werden, werden die Träger der Maßnahmen mit den benötigten Aspiranten bedient..

 

Der ZDF-Beitrag ist als Video hier abzurufen.
 Morgenmagazin Video

Einen Beitrag über die Realität liefert Isabel Horstmann in ihrem Buch

"Im Dschungel der Maßnahmen".


Es ist im EWK-Verlag erschienen, 202 Seiten stark und kostet 11,90 Euro. Das ist zwar etwas teurer, als die anteiligen Fernsehgebühren für den MOMA-Beitrag, aber dafür viel informativer.

Hier noch einmal der Link
 zur Buchvorstellung




Mein besonderer Dank gilt dem ZDF-Morgenmagazin, das mir in dieser öden Sommerlochzeit doch noch ein Thema für den heutigen Paukenschlag geschenkt hat.

Sonst hätte ich womöglich noch einmal über Clement schreiben müssen. Der hat aber soviel Aufmerksamkeit gar nicht verdient.


 nach oben  Newsletter bestellen


Übrigens: Newsletter-Abonnenten erhalten den Link auf den jeweils neuesten Paukenschlag immer, sobald er fertig ist. Manchmal am Montag, häufig am Dienstag, meist am Mittwoch - wenn auch Sie schneller sein wollen, melden Sie sich an

 

 
Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Werter Herr Kreutzer,

wer sagt denn, dass ein Bewerbungstraining nicht hilft?

Es hilft!

Den „Trainern“.

Über Bauernfängerei und Lobbyismus (bezüglich staatlicher Förderung) möchte ich in diesem Zusammenhang nicht spekulieren. Dass neben derart (der Form nach) „gelungener Bewerbungen“ (was als „gelungen“ angesehen wird, wird der „Trainer“ verklickern, don´t care) noch solche Kleinigkeiten wie das Vorhandensein von Arbeitsplätzen notwendig sind, ist eine Nebensächlichkeit, die einen Mangel an positivem Denken* offenbart, ein Indiz für die Notwendigkeit eines weiteren Trainings in Optimismus.

Es muss ja nicht gleich in Jubilieren ausarten.

Viele Grüße


Lieber Herr Kreutzer, Liebe Paukenschlag- Leser

vergessen wir Arbeitslosigkeit, reden wir stattdessen lieber von Erwerbslosigkeit!
Das Problem ist ja nicht, dass es nichts zu tun gäbe, sondern dass es einen Mangel an Erwerbsmöglichkeiten gibt. Und Erwerb hat in diesem Zusammenhang immer etwas mit Geld zu tun. Es geht also um die Spielregeln unserer
Eigentumsgesellschaft und deren heilige Kühe. Durch primitive Wichtigtuerei wie wir es von unseren "Politikern" und vielen "Journalisten" kennen, wird man dies nicht einsehen können.

Wäre es nicht schön, unsere durch Zwangsgeld (GEZ) satt gewordenen "Journalisten" könnten zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit unterscheiden. Man stelle sich das einmal vor, dann wären
die vielleicht sogar auch noch in der Lage, zu erkennen, dass Inflation und Preissteigerung etwas ganz verschiedenes ist. Aber das wird wahrscheinlich zu viel verlangt sein. (Wir haben eine riesige Preissteigerung, und alles andere als eine steigende Inflation!)

greifen wir also nochmal zur geleerten Flasche, um sie mit einem Briefchen,
einem Hilferuf auszustatten: ..»Herr, schmeiß Hirn ra« .....Und dann gut verschlossen ins große Meer....

die Erfolgsausichten, erhört zu werden, sind wahrscheinlich so um einiges besser.

nehmen wir's leicht und lachen noch ein wenig.

grüsse an alle


Lieber Herr Kreutzer,

die „öffentlich-rechtlichen“ haben sich in dem gleichen Masse nicht nur von der Realität, sondern ebenso von ihren Idealen entfernt, wie die Politik. Mehr noch, sie sind reine Propagandastationen geworden.

Ich Ossi bin schmerzlich an das DDR Propagandafernsehen erinnert.

Jeder einzelne Mitarbeiter kämpft für seinen Vorteil (sein Überleben) und wirft die guten Vorsätze und Lehren in den Bach. Sie alle machen einen kläglichen Eindruck beim Versuch, ihr Handeln in beiderlei Hinsicht zu begründen. Auch das kennen wir von der DDR. Stillstand war die Folge.

Heute ist das herrschende System – in den Ländern unterschiedlich stark – in einer dermaßen ausweglosen Krise, dass man das Schlimmste befürchten muss. Solange solche Stimmen wie die Ihre nicht öffentlich verbreitet werden und eine allgemeine Protestbewegung zu organisieren in der Lage sind, werden Sie noch viel zu schreiben haben.

Möge Sie eine - wenig begründete - Zuversicht am Schaffen halten.

Mit freundlichen Grüßen


Nicht einfach zur Flasche greifen
Paukenschlag

Hallo Herr Kreutzer,

Es wird versucht, das Volk der Dichter und Denker systematisch zu verblöden. Wenn dieses Volk nicht begreift, dass der Fernseher einen Griff zum Wegwerfen hat, dann sehe ich schwarz für unser aller Zukunft.
Inzwischen wird sehr grob gestrickt und es scheint zu reichen. Dabei sind immer nur zwei Fragen wichtig
1. Wem nützt das, eine solche Berichterstattung?
2. Was ist meine Realität?

Oder wie gehen Arbeitgeber, Behörden mit mir um wenn ich einmal Hilfe brauche? Sich dann klar machen das diese Beamten, Arbeitgeber mit jedem so verfahren. Das währe der erste Schritt hin zu etwas mehr Selbstvertrauen.

Schuldig sind wir schon mit der Geburt, die Erbsünde. Ein Sachbearbeiter der Kindergeldkasse hat mir direkt zu einer Straftat geraten, Urkundenfälschung.
Es ist so wichtig, dass das Volk sich schuldig fühlt, dann zeigt jeder Verständnis wenn die wahren Verbrecher, die Ganoven mit der weißen Weste, ihre Millionen und noch mehr veruntreuen.

Einen lieben Gruß


Lieber Herr Kreutzer,

ja, die Medien machen es dauernd wie in diesem Beispiel. Abends sind die Sender auch voll davon. Die Berichterstattung ist fast immer so eingefärbt und nie auch nur im geringsten kompetent. Ist es nicht wirklich sehr deprimierend, das alles zu hören? (...)

Unverständlich bleibt mir folgendes:
Warum lässt sich die eine Seite so schnell und so andauernd ein schlechtes Gewissen einreden? Statt ihren gesunden Menschenverstand zu brauchen?

Warum fällt es der anderen Seite so leicht, solche Taten zu begehen, wie den Menschen ein schlechtes Gewissen einzureden und sie abzuwerten? Glaubt denn keine der beiden Seiten mehr an humane Werte?

Und dabei sind die einen ja oft nicht weit von den anderen entfernt bzw. sie sind häufig die anderen!!!

Also wer heute noch andern das schlechte Gewissen macht, ist morgen vielleicht schon arbeitslos und bekommt dann wider besseres Wissen selbst das schlechte Gewissen. Und unendlich viele, die heute eine Festanstellung ergattert haben und anderen das schlechte Gewissen machen, waren gestern noch jahrelang (freiberuflich) arbeitsuchend und wissen eigentlich noch genau, wie das war, und dass sie damals nicht inkompetent oder faul waren! Und dennoch ohne Anstellung! Aber alle machen mit. Es scheint fast so, als wäre diese negative Basis, dieses destruktive Rollen-Spiel trotz allem ein sichererer Grund für viele als eine Welt, in der sich die Leute gegenseitiges Vertrauen schenken würden und gerechter teilen könnten.

Bin gefrustet heute, gibt etwas absichtliche Schikane von meinem Sachbearbeiter beim Amt, einem jungen Hallodri, ärgere mich über mich selbst, dass es mich jedesmal noch so aufregen kann. Ich warte darauf, dass mein Sohn nächstes Jahr hier seinen Schulabschluss macht, und hoffe sehr, dass ich danach in einem viel größeren Ausmaß "aussteigen" kann, was jetzt noch nicht möglich ist. Ich liebe auch dieses Land, aber was hier im Moment geschieht

(...)

Viele Grüße


Hallo,

unter dem Blickwinkel der Volksverblödung, sprich Generation reich und/oder doof war dieser Beitrag doch ein voller Erfolg. Seinen Sie doch nicht so ungerecht lieber Herr Kreutzer, jetzt wissen doch die armen Arbeitslosen wie man sich bewerben muss und an wen man sich wenden muss. Der Job Act Profi wird es schon richten. Die Arbeitsämter vermitteln Ihnen, liebe Arbeitlose den richtigen Job Act Berater und dann ist es nur noch eine Frage von Tagen bis Sie wieder eine Arbeitsstelle finden. Freundliche Grüße und gutes Gelingen für Ihren Job Act Berater wünscht Ihnen Ihr Arbeitsamt.

Mit freundlichen Grüßen


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

leider kann ich wegen diverser Sicherheitsmaßnahmen in meinem Rechner den ZDF-Bericht nicht abrufen, aber Sie haben ihn ja ausgezeichnet und lebhaft beschrieben :-)
Ihrer Logik kann man folgen - was zum Teufel haben die 3 Argumente mit der Arbeitslosenzahl zu tun? Aber immer noch steht für mich eigentlich mehr im Vordergrund, auf welche Weise die Arbeitslosenzahlen insgesamt geschönt sind. Ich weiß manchmal wirklich nicht ob ich lachen oder weinen soll, wenn ein Tagesthemen-Sprecher Buhrow oder sonst ein Magazin mir erzählt, wir hätten gerade mal knapp über 3 Millionen Arbeitslose - ich frage mich, mit was die sich sedieren um so einen offensichtlichen Unfug erzählen zu können, ohne in hysterisches Gelächter auszubrechen. Bitte gebt mir was von dem Zeug :-)
Wir freuen uns auf das nächste ZAPP, indem sicherlich wieder hervorragend demonstriert wird, wie die Verbindungen zwischen Politik, Wirtschaft und den "unabhängigen" Medien funktioniert (Anmerkung: bisher habe ich allerdings noch nie einen Kommentar zu den merkwürdigen Ansammlungen richtiger Parteibücher in den Rundfunkräten erlebt - nebst den anderen Jobs, die ein Rundfunkrat so ausübt. Alleine noch die Öffentlich-Rechtlichen Medien als unabhängig zu bezeichnen, darf schon als Zynismus gelten).

Ein Bewerbungstraining ist sowieso offensichtlicher Unfug: was hätte ein Arbeitgeber von einer "perfekten Bewerbung", wenn der dahintersteckende Bewerber ansonsten unperfekt ist? Das ist ja fast schon Vorspiegelung falscher Tatsachen und sollte eigentlich geahndet werden (Betrugsversuch oder so ähnlich).
Und gibt es tatsächlich irgend jemanden in diesem unseren Land der in die Bewerbung schreibt, er würde CS, Doom oder was-weiß-ich-wie-das-alles-heißt zocken? Bitte nicht böse sein - so jemand dürfte eh keinen Job annehmen, bei dem in irgendeiner Form das Hirn angeschaltet sein muß - selbst auf niedrigstem Level.

Ihnen wie immer Dank für Ihre Aufmersamkeit und ich werde mal versuchen, den Satire-Beitrag des Morgenmagazins in den Rechner zu kriegen

Hallo,

Sie haben es wieder auf den Punkt gebracht. Wo kein Bedarf ist, dort herrscht Preiskampf. Und so wird auch das beste Bewerbungstraining, wenn es alle nutzen, das Bewerbungsniveau zwar nach oben verschieben, aber
dadurch keine weitere Stelle geschaffen, was dann dazu führt, dass sich nichts geändert hat, ausser die Qualität der Frustration.

Und wiedereinmal wird die Mär der Vollbeschäftigung den Kindern am Lagerfeuer erzählt. Das gelobte Land der fehlenden Arbeitslosigkeit, wobei auch hier schon an der Definition experimentiert wird. Ist ein Zustand wünschenswert, aber nicht zu erreichen, dann definieren wir das einfach um, sodass wir zumindest dem Namen nach diesen Zustand haben.
Auf diese Weise könnten wir ja auch einfach die Schere zwischen Arm und Reich umdefinieren, dann wär nur der geringste Teil der Bevölkerung arm, und hätten dabei auch noch das meiste Geld! Aber bevor wir noch mehr
Knoten ins Hirn drehen, sollten wir lieber die Realitäten akzeptieren.
Nämlich, dass es eine Vollbeschäftigung nie wieder geben wird. Und das ist kein Fluch sondern ein Segen, der uns durch Fortschritt und Technik beschert wurde. Der "BreakEven" an dem wir weniger Arbeit brauchen, um
dennoch alles zu haben, ist lange überschritten, nur passen wir unser System leider nicht an. Da können wir auch gleich die Prügelstrafe wieder einführen.
Dabei wäre es so einfach, Ansätze gibt es ja genug, die dieser Situation Rechnung tragen. Das Grundeinkommen zum Beispiel, ist ein Modell, bei dem genau dieser Umstand zum Prinzip erhoben wird, und schon allein aus
Unternehmersicht, würden so gewaltige Rationalisierungspotentiale offengelegt, dass die Arbeitsplätze, die dringend benötigt werden, noch viel weniger werden.

Das würde die Gesellschaft so produktiv machen, dass alle anderen Gesellschaften mitziehen müssten. Und die Frage, was wir mit unserer neu gewonnenen Lebenszeit anfangen sollen, kann man sich schnell beantworten, wenn man nur einmal über die Strasse geht. Jeder könnte sich dort engagieren, wo er es für richtig erachtet. Ein
Schlaraffendland für soziales Engagement.
Klar, als erstes bekommt man die Finanzierungsfrage um die Ohren gehauen, aber da sollten wir alle mal genau hinschauen, finanziert wird es ja jetzt schon. Die Geringverdiener bekämen ein bisschen mehr, und die Grosserdiener ein bisschen weniger.. das wäre der eigentliche Effekt..
Und dann bräuchte auch keiner mehr diesen Bewerbungs-Spiessrutenlauf zu veranstalten. Das sollten wir auf jeden Fall erreichen, BEVOR das ganze zu einer einzigen Reality-Show verkommt und der Running-Man erscheint!

Gruss


werter herr kreutzer,

die unterstellung der mangelnder qualifikation ist doch immer wieder amüsant.
ich habe mehrere berufe erlernt, mit 1,0 das 1. staatsexamen abgelegt, mit summa cum laude promoviert - und es doch nur zu prekären beschäftigungsverhältnissen geschafft.

gegenüber lehrstellenbewerbern verwendet man übrigens ein ähnliches argument, dessen richtigkeit sich für einen privatmenschen schwer nachprüfen läßt: die jungen leute seien nicht ausbildungsfähig, deshalb stelle man keine
lehrlinge ein.

in den fünziger und sechziger jahren gab es neben der berufschule auch noch betrieblichen unterricht. die lehrlinge zum industriekaufmann wurden einmal in der woche von einem studierten volks- und betriebswirt im feinen anzug
unterrichtet - und hinterher, am ende ihrer ausbildung, konnten sie etwas, was allerdings nicht an der qualität des anzuges lag.

viele grüße

postscriptum:
eines der häufigsten argumente, die ein studienfreund von mir schon um 1980 herum bei ablehnungen zu hören bekam - ich dann später -: sie sind überqualifiziert. ich hatte mich 1991 beim arbeitsamt kassel beworben (man sollte arbeitsplätze akquirieren): abgelehnt, weil überqualifiziert.



Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits