Paukenschlag am Donnerstag
No. 29/2008
vom 17. Juli 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Nine/twenty-eight

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Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
27 Nun spart mal schön 
28 Antides lebt
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


 Nine/twenty-eight
 9/28  Bayernwahl!

 

Über die Sprengkraft der Demokratie

Wenn am 28. September in ganz Bayern die Wahllokale öffnen, um den Wahlberechtigten Gelegenheit zu geben, die Zusammensetzung des Bayerischen Landtags und über diesen Umweg die Bayerische Landesregierung neu zu bestimmen, wird die lange gehegte Furcht der amtierenden bayerischen Staatsregierung vor einem verheerenden Angriff demokratistischer Wahlurnenbomber ihren Höhepunkt erreicht haben.

Denn bei allen fieberhaften Bemühungen des bayerischen Innenministeriums zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus wurde versäumt, jene im Inland verbreiteten Bücher zu verbieten, welche die Bauanleitungen für die gefährlichsten Superbomben aller Zeiten enthalten.

Es sind dies im deutschsprachigen Raum vor allem

  • die Verfassung des Freistaats Bayern und
  • das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.
Jeder einigermaßen begabte Hobby-Demokrat kann mit den dort gegebenen Anleitungen Bomben basteln, die in der Lage sind, selbst meterdicke Filzschichten wie Butter zu durchschlagen, bevor sie in den inneren Kammern der Macht ihre verheerende Sprengkraft entfalten.

Man braucht ja auch nicht wirklich viel dazu:

  • Eine stabile Hülle,
  • soviel hochbrisanten Sprengstoff wie möglich - und
  • die Steuerungs-Hard- und Software, die das Ganze sicher ins Ziel trägt.

Als Hülle eignet sich jede bestehende und zur Wahl zugelassene Partei, solange sie nur eine hinreichend große Chance hat, die 5% Hürde zu überwinden.

Der Sprengstoff liegt auf der Straße und muss nur eingesammelt werden.
Der weitaus überwiegende Teil der Wahlberechtigten trägt in ganz erheblichem Maße Zorn und Unzufriedenheit in sich -
 mehr Info dazu
und sobald diese erkennen, dass ganz erhebliche Teile dieses Zorns und dieser Unzufriedenheit ihre Ursache in Bayern in der Politik der CSU haben, lässt sich jede Stimme dieser Wahlberechtigten als Sprengstoff verwenden.

Zur Steuerung der Bombe, um sie sicher ins Ziel zu bringen, braucht es nur noch ein Programm, das ganz präzise auf die Fehler und Versäumnisse der jahrzehntelangen Alleinherrscher eingestellt ist.

 

Jetzt ist die Gelegenheit.

Die Mauern der Besitzstände, die Bunker der Macht, die in Jahrzehnten zu schier uneinnehmbaren Festungen ausgebaut wurden, sind während der laufenden Legislaturperiode nicht zu knacken.

Da prallen die einsamen Streiter der parlamentarischen Opposition an der Mehrheit ab, da wirkt der Lehrsatz von der Trägheit der Masse, da bewegt sich nichts, außer der Lachmuskulatur der gewählten Lenker der Geschicke.

Und draußen, im Lande, an den Werkbänken und Biertischen, in den Supermärkten und Freibädern, da ist es für jeden, der sich öffentlich äußert, in jeder Hinsicht günstiger, mit den Wölfen zu heulen, als sich der Gefahr auszusetzen, als dummes Schaf von den anderen Schafen im Wolfspelz zur Wahrung ihrer mühsam erworbenen Tarnung totgetrampelt zu werden, während sich die wahren Wölfe im Hintergrund vor Lachen den Bauch halten .

Deshalb steht in der Verfassung des Freistaats Bayern geschrieben, dass die Abgeordneten des Bayerischen Landtags nicht nur in

  • allgemeiner,
  • unmittelbarer und
  • gleicher -
sondern eben auch in
  • geheimer Wahl gewählt werden.

Nur am Tag dieser geheimen Wahl, alle fünf Jahre einmal, besteht die Chance, die Mehrheitsverhältnisse - und damit die Verhältnisse im Freistaat überhaupt - zu ändern.

 

Vielleicht ist dieser Wahltag in Bayern der letzte Wahltag,

an dem Wahlen noch in allgemeiner, unmittelbarer, gleicher und geheimer Wahl stattfinden. In fünf Jahren könnten Stimmzettel schon durch Wahlmaschinen, Stimmauszähler durch Softwareprogramme und tatsächliche Ergebnisse durch vorher festgesetzte Wunschergebnisse ersetzt sein.
Von Amerika lernen, hieße dann eben auch in Bayern, trotz aller Schwächen fortgesetzt und nachhaltig siegen lernen.

Vielleicht ist dieser Wahltag in Bayern der letzte Wahltag,

der die Chance bietet, jene große Koalition in Berlin zu sprengen, der sich der rechtsflügelige Finanzminister mit SPD-Parteibuch schon für weitere vier Jahre verpflichten möchte, um im Schutz der CDU/CSU seine neoliberale Politik betreiben zu können, statt soziale Politik betreiben - oder wegen absoluter Ununterscheidbarkeit - sang- und klanglos untergehen zu müssen

Eine große Koalition,
  • die groß genug ist, um flugs die Verfassung ändern zu können, wenn sie ihr nicht passt,
  • die arrogant genug ist, Urteile des Verfassungsgerichts nicht als Korrektur falschen, verfassungsfremden, wenn nicht verfassungsfeindlichen Denkens zu verstehen,
  • die jegliche Kritik des Verfassungsgerichts nur noch als Aufforderung versteht, die lästige Verfassung schnellstmöglich so zu ändern, dass das Verfassungsgericht faktisch mundtot, wirkungslos und damit auch lächerlich gemacht wird,

hat mit den hehren Vorstellungen von Demokratie und Gewaltenteilung, wie sie eben nicht nur nachdenkliche Bürger, sondern vor allem die verantwortlichen Politiker hochhalten sollten, schlicht nichts mehr zu tun.

Wenn in Italien, das wegen seiner Durchdringung mit mafiösen Strukturen berüchtigt ist, ein frisch ins Amt gewählter Ministerpräsident als erstes daran geht, Gesetze, gegen die er so offensichtlich verstoßen hat, dass Anklage gegen ihn erhoben wurde, rückwirkend außer Kraft zu setzen, dann rümpfen der deutsche Michel und der bayrische Sepp die Nase.

Wenn die große Koalition, assistiert von den Regierungen aller Bundesländer, keinen Anlass sieht, die vom obersten Gericht als verfassungswidrig erkannten Regelungen über das Zusammenwirken der Bundesagentur für Arbeit und der Kommunen in sogenannten ARGEN und Jobcentern zu verändern,
mehr Info dazu
stattdessen aber das Grundgesetz so hinbiegen will, dass es derartig missgestalteten Kreationen künftig keinen Einwand mehr entgegensetzen kann,

dann wackelt doch der Schwanz mit dem Hund,

die Banane mit der Republik! 

 

Sollte nicht eigentlich
alle Staatsgewalt vom Volke ausgehen?

Und sollte dies nicht dazu führen, dass Politiker ihre Entscheidungen so treffen, dass das Volk damit einverstanden sein kann?

  • Sollte die Bundeswehr dann nicht längst aus Afghanistan verschwunden sein, statt sich dort zu verstärken?
  • Sollte das Renteneintrittsalter nicht längst auf 60 Jahre gesenkt, statt auf 67 Jahre angehoben worden sein?
  • Sollte nicht längst eine Volkstabstimmung über die EU-Verfassung stattgefunden haben?
  • Sollte dann nicht auch ...

 

9/28
ist die Gelegenheit, einen Zustand herzustellen, der es ermöglicht, diese Fragen wieder etwas leichter und zuversichtlicher mit Ja zu beantworten.

Dabei geht es nicht nur um Bayern.

Mit Bayern - und der CSU-Vormacht dort - geht es auch um den Bund, zunächst um die Machtverhältnisse im Bundesrat, dann um die Mehrheiten im Bundestag, dem die CSU ja nur angehören kann, solange sie es schafft, aus dem Potential der bayerischen Wählerstimmen mindestens 5% der bundesweit abgegebenen Stimmen zu erreichen.

Das hängt nicht nur von der Zahl der Wahlberechtigten, sondern auch von der Zahl der abgegebenen Stimmen ab - aber über den dicken Daumen gerechnet, sinkt die Chance für die CSU, überhaupt in Berlin noch mitregieren zu dürfen, ganz dramatisch, sobald die Zustimmung für die CSU in Bayern auch nur um ein Drittel sinkt.

Und wer will bezweifeln, dass mindestens ein Drittel der CSU-Wähler gute Gründe hätten, nicht wieder CSU zu wählen?

Ob es um die Lernmittelfreiheit, das Schnellschussabitur oder um die unbesetzten Lehrerstellen geht -

wer Kinder hat, und das könnte durchaus ein Drittel der Wähler sein, hat von der CSU im Bereich Schule und Ausbildung wenig Gutes erlebt.

Ob es um die Einschränkung des Versammlungsrechts, die Ablehnung des Volksbegehrens zum Transrapid oder um das Bayerische Polizeigesetz mit weitgehenden Vollmachten zur Staatsspionage in Wohnungen und PCs von Bürgern geht -

wer ein bisschen auf den Erhalt der bürgerlichen Freiheiten drängt, und das sollten eigentlich weit mehr als nur ein Drittel der Bayern sein, hat von der CSU nur wenig Gutes erlebt, schon als Beckstein noch gar nicht Ministerpräsident, sondern Innenminister war, galt er, neben Schäuble, als der hartnäckigste Hardliner der Republik. Ob die Bayern das wirklich brauchen?

Ob es um die Forstreform, um den Verkauf des Volkseigentums (E.On, zum Beispiel, war im Kern einmal bayrischer Staatsbesitz) oder um die von Stoiber ins Rollen gebrachten massiven Stellenstreichungen im öffentlichen Dienst geht -

wer das Geld zum Leben durch Arbeit verdienen muss, und das ist garantiert mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten, hat von der CSU im Bereich der Arbeitsmarktpolitik nur wenig Gutes erlebt.

...und da soll jetzt das Geplärre um die Wiedereinführung der Pendlerpauschale als einziges Gegengewicht die Stellung der CSU retten?

Die haben die Abschaffung doch gerade eben erst selbst mit betrieben und beschlossen!

Drängt sich Ihnen nicht auch die Frage auf, ob das vielleicht nur deshalb geschehen ist, damit die CSU jetzt ein Wahlversprechen in die Welt setzen kann - und drängt sich Ihnen nicht auch die Frage auf, ob das Verfassungsgericht sein Urteil zur Pendlerpauschale mit etwas gutem Willen nicht schon lange vor der Bayern-Wahl hätte fällen können?

 

 

Liebe Bayern,

seht euch um, in eurem schönen Land!

  • Werft einen Blick auf eure Straßen und auf eure Schulen, informiert euch über den Zustand eurer Kanalisation und eurer Kläranlagen,
  • werft einen Blick auf die Gebührenbescheide für Wasser und Abwasser, für Straßenreinigung und Müllabfuhr,
  • werft einen Blick in die Flure der Jobcenter und ARGEN,
  • werft einen Blick auf die geschlossenen Autohäuser und die leerstehenden Ladenlokale in den Innenstädten,
  • werft einen Blick auf den Personalnotstand in den noch verbliebenen Kliniken, den Pflege- und Seniorenheimen,
  • werft einen Blick auf die Menschen, die zu den Suppenküchen drängen, die jetzt Tafeln heißen,
  • werft einen auf das Millionengrab der Bayern LB, das nicht zuletzt auch deshalb entstanden ist, weil der Staat die Gewinnversprechen der Bank brauchte, um seinerseits einen ausgeglichenen Haushalt versprechen zu können -

und wenn ihr das alles gesehen habt,
dann fragt euch, ob das was ihr seht,

das Aufblühen Bayerns ist,

 

oder sein Niedergang.

 

Liebe Mitbürger in allen anderen Bundesländern,

als die Iren zur Abstimmung über den EU-Reformvertrag aufgerufen waren, haben Bürger aus vielen anderen EU-Mitgliedsstaaten die Iren gebeten, doch nicht nur an sich zu denken, sondern ihre Stimme auch für jene knapp 500 Millionen Europäer mit abzugeben, die gar nicht abstimmen durften.

Was hält Sie in Bremen und Baden-Württemberg, in Brandenburg und Berlin, oder wo immer Sie zu Hause sind, davon ab, Ihre Bekannten, Geschäftspartner, Freunde und Verwandten in Bayern direkt auf die Wahl in Bayern anzusprechen und sie zu bitten, bei dieser Wahl

noch mehr als sonst

auch die politische Situation im Bund zu beeinflussen?

Tun Sie es gleich hier und jetzt! 

Ja, die Entscheidung der Franzosen und der Niederländer gegen die EU-Verfassung wurde ignoriert. Der Inhalt ist gleich geblieben, der Name wurde geändert - dann lag der EU-Reformvertrag auf dem Tisch - und darüber durften nur noch die Iren abstimmen.
Ja, die Entscheidung der Iren soll wieder ignoriert werden. Sie sollen noch einmal abstimmen, heißt es, wahrscheinlich so lange, bis sie mürbe werden.

Das kann man - im luftleeren europäischen Raum - so
(mit uns) machen.

Wo Räte und Kommissare das Sagen haben, genügt der Schein demokratischer Legitimation.

Aber:

Solange in Bayern noch die Bayerische Verfassung gilt, und solange die Stimmzettel noch von Menschen ausgezählt werden und, solange diese Stimmzettel, weil sie körperlich vorhanden sind, auch ganz einfach noch einmal nachgezählt werden können,

solange muss ein Wahlergebnis noch akzeptiert werden - so verheerend es für die Mehrheitspartei in Bayern und die Koalition in Berlin auch ausfallen mag. Einfach die Wahl so oft wiederholen, bis das Ergebnis passt, geht nicht.

 

Noch funktioniert die Demokratie
wenigstens an der Wahlurne.

Wir wären doch bescheuert, wenn wir diese Chance nicht wahrnähmen.


 

Für vertiefende Einsichten - hier einige nützliche Werke aus dem EWK-Verlag.

 

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Hallo Herr Kreutzer,

mein Kommentar zum Paukenschlag:

Tolle Idee, ich habe gleich meinen einzigen bayrischen Freund informiert.
Zum Glück ist dieser Redakteur in München, so dass ich mit einer ordentliche Sprengkraft rechne ;-)

Viele Grüße aus Saarbrücken

P.S. Die Kommetarfunktion ist etwas versteckt, ich musste erst suchen.


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

der aktuelle PaD hat den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen: Klar und präzise analysiert und perfekte Schlüsse gefolgert, intelligent , witzig und genial geschrieben. Dem ist NICHTS hinzuzufügen.

Schon der Titel fördert Ihren ganz besonderen Charme und Ihr Talent auf brillanteste Art und Weise zu Tage. - einfach Köstlich!! :)

Genial auch die Idee/"Strategie ;-) " alle bayrischen Freunde und Bekannten aufmerksam zu machen. Das werd ich auch gleich tun und auch alle nicht-bayrischen Freunde dazu auffordern ihre bayrischen Freunde zu informieren....

Hoffentlich für unser aller (auch Weltweiter! s. u.) Zukunft zeigt Ihr Aufruf die gewünschten Erfolge!! Das wünsche ich uns allen.

Einen weiteren WICHTIGEN Grund ihren Aufruf zu unterstützen, und die Solidarität mit der ganzen Welt und dem Weltfrieden im Auge zu behalten (...ist dabei die zentrale... Rolle Deutschlands...). Ohne die Republik keine EU, keine NATO und keine Konfrontation von irgendwelchen Superblöcken.
(...)

Beste Grüße und WEiTER SO


Hallo Herr Kreutzer

Das ist genau die richtige Einstellung und zeigt darüber hinaus mal wieder ihre unglaubliche Fähigkeit in kürzester Zeit, Sachverhalte exakt und logisch zu interpretieren!

Der einfache logische Beweis, dass wir in diesem Land immer noch die Möglichkeit haben, durch unsere Stimme das Blatt zu wenden, sollte doch den letzten Pessimisten davon überzeugen, endlich das zu tun was seine Bürgerpflicht ist und das Unrecht in diesem Land zu bekämpfen! Treibt die Leute zur Urne – redet auf sie ein!

Jeder kennt einen, der einen nächsten kennt, den der nächste ansprechen kann und der seinem nächsten wieder die Ohren frei blasen kann, endlich den Hintern hochzukriegen und etwas zu tun. Und diese Zweifler, die sich immer fragen, welche Partei man denn sonst wählen könne, lasse ich schon gar nicht mehr gelten! Die sollen mal über den Tellerrand hinausschauen! Es gibt genug Alternativen, die durchaus wählbar sind! Haben die etwa Angst das Land würde mit einer anderen Führung im Chaos versinken? Ist die Propaganda von der einzig richtigen Wahrheit wirklich schon in alle (christlichen) Seelen gedrungen?

Ich jedenfalls befolge einen Ihrer früheren Aufrufe der in etwa lautete: Wenn sie irgendwo die Möglichkeit haben zu wählen oder ihre Stimme und Ihre Meinung einzubringen, dann tun sie es!!! Nur so kann sich jemals etwas ändern! Mischen sie sich ein! Jeder von uns hat das Recht und die Möglichkeit zu wählen (noch)! Wir müssen es nur tun! ( Um es mal in Ihrer Formatierung zu sagen:)

Also treffen wir unsere Wahl, solange es noch geht!

Lasst es uns endlich tun!!!

Ich befürchte wirklich, wenn wir noch länger warten, haben wir bald nicht mehr die Wahl…dann entscheiden die selbst, wie viel Zustimmung noch nötig ist, je nach Stimmungslage (oder Softwareversion)…Propaganda ist schon das richtige Wort. Doch noch werden diese Zeilen hier gesendet…wer weiß, wie lange noch…

Bis die Tage


Der Artikel , bringt all meine Wünsche zum Ausdruck, die ich versuche zu
vermitteln und doch habe ich immer das Gefühl von Ohnmacht umgeben zu sein.
Was sie schreiben, entspricht dem was ich seit Jahren fordere und nicht
nur jetzt zur Bayern-Wahl. Es geht doch letztendlich auch darum, dass
die Menschen wenigstens zur Bundestagswahl den reinsten Widerstand
nutzen und gar nicht zur Wahl gehen
Sie schreiben treffend, die Iren haben für uns Deutsche mitentschieden
und nun sollten wir sie nicht entäuschen und den Machhabern unserer
Regierung und der EU zeigen, wir tragen als Bürger die neoliberale
Politik nicht mit.
Ich bedanke mich für diesen großartiken Artikel.
Sehr geehrter Herr Kreutzer

in Ihrem Paukenschlag nennen Sie die Dinge ja sehr klar beim Namen. Ich befürchte nur, es wird sich nichts tun. Leider kann man ja keine Wahlverweigerung machen, da man dann als 'ungezählte Stimme' prozentual dem Sieger zugeschlagen wird (wobei also der Sieger - hier die CSU - sogar noch für die Nichtwähler Wahlkampfkostenerstattung erhält). Eigentlich würde nur noch helfen irgendeine kleine, unscheinbare Partei zu wählen, da nur wählende Stimmen auch gehört werden. Ich befürchte aber auch, dass viele Menschen einfach Wahlverweigerung machen werden (sei es aus Frust, aus Unsicherheit oder überhaupt) und das wäre das Schlimmste was sie tun können - denn so treiben sie der CSU Prozente in die Arme und stärken die 'blauweiße Partei von Gottes Gnaden' nur noch. Hoffen wir das Beste für uns und für September.

mit freundlichen Grüßen

Die Angst vor einem verheerenden Angriff demokratistischer Wahlurnenbomber
ist wohl unbegründet. Die Bombe wird ausbleiben, weil der sich schon lange nicht um die Wahlurne kümmert und damit dem unschlagbaren Teil des Globalisierungssystems jedes Mal wieder zum Sieg verhilft. Der andere Teil der potentiellen Bombe kapiert nichts und wählt seinen eigenen Totengräber auch immer wieder. Ehe sie alle etwas kapieren, ist es zu spät.
mfg

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

so umfassend Ihr Paukenschlag diesmal ist, so umfangreich müßte man eigentlich antworten. Das würde ein bißchen viel werden, also nur das Wichigste:

ein verdammt guter Paukenschlag, ein schöner, melodischer Schlag auf die Pauke. Hoffen wir, dass er viel gelesen wird (worum ich mich - wie immer - bemühen werde).
Allerdings befürchte ich trotzdem die Wirksamkeit des alten Spruches der da heißt "nur die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber". Sei es aus Denkfaulheit, sei es aus Tradition, sei es weil der Wind der Veränderung manchen wie ein Fur* erscheinen mag und riechen will (viel zu viele Gespräche mit viel zu vielen Menschen haben mich davon überzeugt, daß dies eher anzunehmen ist). Viel zu viele Menschen denen es einfach noch zu gut geht und die vor allem erst begreifen werden, wie wichtig es ist, wenn es sie selbst betrifft - und die DANN mit demütig gesenktem Haupt auch das ertragen werden.
Und viel zu viele Menschen, Medien und dergleichen, die in Konjunktiven nur noch so baden (könnte, hätte, würde, vielleicht, wäre möglich, eventuell, blah blah blah und blubb und pipapo) und somit auch die schärfsten Spitzen in einem hübschen Weichzeichner-Licht erstrahlen lassen und so alle hübsch daran gewöhnen.

Ein interessantes Zitat möchte ich noch berichten, welches ich vor kurzem auf einer politischen Kleinveranstaltung in München gehört habe. Thema war die Online-Überwachung, bzw. Vorratsdatenspeicherung. Da sehr viele (viel zu viele) Menschen immer mit dem Argument kommen "ich habe ja nichts zu verbergen" wurde auf dieser Veranstaltung seitens eines EU-Parlaments-Abgeordneten gesagt: "Wieso? Ich habe doch das RECHT etwas zu verbergen und ich HABE etwas zu verbergen: nämlich mein Privatleben welches niemanden etwas angeht".
Dem kann ich nur aus vollem Herzen zustimmen.

Was Wahlverprechen angeht, so hat Müntefering am 29.August im Jahr des Heils 2006 ja ein für allemal ein klares Signal gesetzt. Zitat: "Es ist ja wohl unfair, SPD und CDU an ihren Wahlversprechen zu messen" (*lol*). Wir freuen uns also auf die Blankovorlagen, die sowieso wieder kassiert werden und nix anderes sind als "Sprüchmacherei".

Ein frommer Wunsch Ihrerseits aber ist, das Demokratie noch an der Wahlurne funktionieren würde - ich deute dies als Zeichen für "den unverbesserlichen Optimisten"
Ohne großartige Grafik-Kenntnisse kann ich in 5 Minuten an meinem Rechner lauter hübsche nette Grafiken produzieren die zeigen können was sie wollen - die Mondzeit, die NGZ-Sternenzeit der Raumschiff Entensteiß oder was auch immer - inwieweit die angezeigten Daten den Realitäten entsprechen mag jemand beantworten können, der Fachmann in solchen Fragen ist und - zum Beispiel - als ehemalige FDJ-Sekretärin (...) in der Abteilung "Agitation und Propaganda" ausgebildet wurde (erinnern wir uns noch an die Bedeutungsinhalte der Begriffe "Agitation" und "Propaganda"?). Solche SpezialistInnen haben sicher einiges an Antworten parat (z.B.: "Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden" und dergleichen Blahblah) und wir alle erinnern uns noch an die begeisterte Zustimmung der Massen mit 95% für die SED. Wie schön, dass alles damals so schön war :-)

mit freundlichen Grüßen
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