Paukenschlag am Donnerstag
No. 27/2008
vom 03. Juli 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Nun spart mal schön

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
24 Naomi Klein
25 Tswaansig-tswaansig
26 Blitzkrieg, Schweins- galopp, Gesetzgebung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Nun spart mal schön

 

A) Öttinger & Struck

Der eine redet eher schnell, eindringlich, beschwörend, Wort nahtlos an Wort, Satz nahtlos an Satz fügend, die Zuhörer beständig durch geschicktes rhetorisches Fragen in die ungewollte Bejahung zwingend,

der andere dröhnt holpernd und polternd holschnittartig Grobkariertes daher und vertraut auf die Überzeugungskraft des kraftvollen Auftritts.

Der eine kann alles, außer Hochdeutsch, versteht sich,
der andere selbst das.

Als Karl Schiller und Franz Josef Strauß Wirtschafts- und Finanzpolitik der Marke "Plisch und Plum" zu vertreten hatten, war diese Spöttelei keineswegs bösartig, sondern positiv besetzt. Neckisch, aber zustimmend.

Für Öttinger und Struck könnte man sicher auch das eine oder andere prominente Pärchen finden, bei dem ein zündender Name für deren Gemeinschaftswirken entlehnt werden könnte - mit neckischer Zustimmung würde das jedoch womöglich nur wenig zu tun haben.

Was die beiden gemeinsam nach anderthalb Jahren mehr oder minder intensiver Beratung im Rahmen der Förderalismusreform auf den Tisch gelegt haben, ist ein neuerlicher Versuch, den Staat der Bürger zu schleifen und die schon in vielen Details unserer gesellschaftlichen Realität erkennbare Diktatur des Kapitals zu festigen.

Schuldenstopp für Bund und Länder - so gut und positiv und sinnvoll und wohltuend für die künftigen Generationen es auch klingt - es ist und bleibt eine ebenso hirn- wie verantwortungslose Forderung, der sich die Bürger vehement widersetzen sollten.


B) Steinbrück & Merkel

Der ausgeglichene Haushalt im Jahre 2011 bleibt das Ziel von Kanzlerin und Finanzminister. Ein Ziel, das die Republik nicht vorwärts bringt, ein vollkommen abstraktes Ziel, ein aus grauer Theorie emporgestiegener Irrtum, dem alle anderen, konkreten und sinnvollen Ziele untergeordnet werden.

Um dieses Ziel zu erreichen musste die Mehrwertsteuer erhöht und die Pendlerpauschale gestrichen werden, um dieses Ziel zu erreichen, müssen Post und Bahn verkauft werden - und trotzdem kann Deutschland seine Entwicklungshilfezusagen nicht einhalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Leistungen der Arbeitslosenversicherung gekürzt und 5 Millionen Menschen zu Hartz IV Empfängern gemacht, um dieses Ziel zu erreichen mussten Bund, Länder und Kommunen Hundertausende von Stellen abbauen, so dass die öffentlichen Arbeitgeber zu den größten Arbeitsplatzvernichtern der Republik geworden sind.

 

C) Trichet und die EZB

Volkswirte -- und eine Zentralbank sollte von volkswirtschaftlichem Sachverstand durchdrungen sein -- die steigende Preise mit "Inflation"
verwechseln, sind mit einer seltenen Sorte von Blindheit geschlagen.

Inflation ist ein Zustand, bei dem die nachfragewirksame Geldmenge das Angebot übersteigt.

In einem solchen Szenario die Leitzinsen zu erhöhen, könnte (könnte!) dazu beitragen, die Geldmenge zu vermindern, mit der Folge, dass die Preise,
wieder etwas langsamer steigen.

Teuerung hingegen ist ein Zustand, bei dem Monopole, Oligopole, offene und verdeckte Kartelle eine - wie auch immer herbeigeführte Knappheit - nutzen, um ihren Anteil an der am Markt befindlichen Kaufkraft massiv zu erhöhen.

Wenn Strom, Gas und Mineralölkonzerne aufgrund ihrer Marktmacht die Preise schlicht diktieren und die Verbraucher aufgrund der in langen Jahren
erzeugten Abhängigkeiten nicht anders können, als zähneknirschend zu zahlen, dann hat das mit Inflation nichts zu tun, sondern ist ein Zeichen für den beginnenden Markt-Infarkt.

Wer jetzt noch die Zinsen erhöht, die verfügbare Geldmenge also weiter mindert, wird damit weder den Öl, noch den Gaspreis senken, aber die reale Not im Lande verstärken, weil damit -- ohne Not -- auch noch das Geld verteuert wird.

Mehr über den Unterschied zwischen Teuerung und Inflation gibt es in meinen Ausführungen über das Geld - hier ein direkter Link:
 Was ist Inflation, was Teuerung?

Dass Steinbrück den Zinsschritt der EZB fürchtet, hat allerdings nichts mit solchen Einsichten zu tun. Sein Motiv ist viel einfacher. Jede Zinserhöhung der EZB vermehrt den Zinsaufwand des Bundes und mindert damit die Chance, 2011 tatsächlich einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen zu können.


Nach dieser Abklärung der Interessenlagen ist es dringend geboten, den Nebel der Scheinargumente zu durchdringen und herauszufinden, welche unheilvolle Entwicklung in Wahrheit in die Wege geleitet wird.

Dazu ist es sinnvoll, sich einmal mit einem Modell der volkswirtschaftlichen Zahlungsströme zu befassen, wie es in der nachstehenden Grafik dargestellt ist.

Sie finden diese Grafik in besserer Qualität als .pdf-Datei hier noch einmal
gesondert:
 Grafik als PDF


Was ist hier dargestellt?

Der Punkt des Wirtschaftskreislaufes, an dem die Prinzipdarstellung beginnt, ist der Umsatzerlös der Gesamtwirtschaft.

100% der Einnahmen aller Unternehmen einer Volkswirtschaft bilden die Obergrenze der verfügbaren finanziellen Verteilungsmasse.

Mehr ist nicht erwirtschaftet worden. Kein Cent.

Innerhalb der Gesamteinnahmen der Wirtschaftsunternehmen ist nach der Herkunft der Mittel grob zu unterscheiden in drei Klassen:

a) Einnahmen der Unternehmen aus Umsätzen im Export
b) Einnahmen der Unternehmen aus Umsätzen im Binnenmarkt
c) Einnahmen der Unternehmen aus staatlichen Subventionstöpfen

Diese Einnahmeklassen weisen recht unterschiedliche Charakteristiken auf:

a) Charakteristik der Exportumsätze

Exporterfolge hängen von zwei unabhängigen, relativ komplexen Sachverhalten ab.

  • Das ist einmal die Wettbewerbssituation auf dem Weltmarkt, wo die Relation zwischen Qualität bzw. Nutzen und dem Preis eines Exportgutes den Ausschlag gibt,
  • und zum anderen die im Außenhandel einsetzbare Kaufkraft der potentiellen Abnehmerstaaten.

Je geringer die für den Abnehmer nützlichen Qualitätsunterschiede der auf dem Weltmarkt angebotenen Produkte sind und je geringer die im Außenhandel einsetzbare Kaufkraft der Importeure ist, desto entscheidender ist der Preis für den Umsatzerfolg.

Export wird jedoch von gewinnorientierten Unternehmen betrieben. Daher gilt:

Jeder zusätzliche Exportauftrag,
der durch Preisnachlässe gewonnen wird, muss - in absoluten Zahlen gesehen - auch einen zusätzlichen Gewinn abwerfen.

Dass dies nicht zwangsläufig der Fall ist, verdeutlicht die nachstehende Tabelle.

Sobald die Preisnachlässe, bezogen auf den Gesamtumsatz, eine bestimmte Größenordnung übersteigen, bringt zusätzlicher Umsatz nicht etwa steigende, sondern, in absoluten Zahlen, trotz besserer Kapazitätsauslastung (Fixkosten), sogar sinkende Gewinne. Daher muss an den variablen Kosten (Löhne, Materialeinsatz) gespart werden.

Umsatz Menge   Fixkosten  Variable
Kosten
 Gesamt-
kosten
 Rabatt
%
 Umsatz  Gewinn
 100 %  100 Mio  100 Mio  200 Mio  0  220,0 Mio  20,0 Mio
110 %  100 Mio   110 Mio  210 Mio  0   242,0 Mio 32,0 Mio 
120 %  100 Mio  120 Mio  220 Mio  2   258,7 Mio 38,7 Mio 
130 %  100 Mio  130 Mio  230 Mio  5   271,7 Mio 41,7 Mio 
140 %  100 Mio  140 Mio  240 Mio  10   277,2 Mio 37,2 Mio 
140 %  100 Mio  120 Mio  220 Mio  10  277,2 Mio 57,2 Mio 

Im Beispiel sinkt der absolute Gewinn von 41,7 Millionen auf 37,2 Millionen, wenn der Umsatzzuwachs auf 140% durch einen Rabatt von 10% (bezogen auf den Gesamtumsatz) erkauft werden muss. Erst eine Senkung der variablen Teile der Stückkosten (und das sind letztlich immer nur die Personalkosten, das Material gehört zum kostenlosen Inventar des Planeten, und die Kapitalkosten sind, gesamtwirtschaftlich gesehen, grundsätzlich den Fixkosten zuzurechnen) ermöglicht bei einer über den Preis erzielten Umsatzauweitung eine weitere Gewinnsteigerung

Exportzuwächse, die über die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt (also über den Preis) erzielt werden, müssen zwangsläufig zur Senkung von Löhnen, Lohnnebenkosten und Unternehmenssteuern führen, weil sonst der zusätzliche Umsatz keinen zusätzlichen Gewinn hervorbringt - und dabei sind sprunghafte Anstiege der Fixkosten wegen Kapazitätserweiterungen noch gar nicht berücksichtigt.

 

b) Charakteristik der Binnenmarktumsätze

Die Steigerung der Umsätze im Binnenmarkt (einschließlich der Binnenmarktumsätze aus Importen) erfordert es, einen entsprechenden Mehrbedarf zu wecken und die erforderliche Kaufkraft bereitzustellen.

Da im Binnenmarkt als Kunden der (Gesamt-) Wirtschaft ausschließlich die Bevölkerung und der Staat auftreten, sind reale Mehrbedarfe abhängig von neuen, attraktiven Angeboten oder neuen, zusätzlichen staatlichen Vorschriften (Winterreifenpflicht, Glühlampenverbot, usw., usw.), und/oder dem Zuwachs der Staatsaufträge.

Der Mehrbedarf alleine führt jedoch noch nicht zum Umsatz.
Es muss auch erforderliche Kaufkraft vorhanden sein.

Je höher der Anteil der Löhne, der Lohnnebenkosten, der Steuern und Abgaben am Bruttosozialprodukt, desto höher die Kaufkraft im Binnenmarkt - und desto höher auch die Bereitschaft der Banken, zusätzliche Kaufkraft durch Kredite bereitzustellen.

Je niedriger die Löhne, die Lohnnebenkosten, die Steuern und Abgaben, desto geringer ist die Kaufkraft im Binnenmarkt - und desto geringer ist auch die Bereitschaft der Banken, zusätzliche Kaufkraft durch Kredite bereitzustellen.

 

c) Charakteristik von Subventionen an die Wirtschaft

Direkte Subventionen an die Wirtschaft bewirken, dass Unternehmen Produkte und Leistungen bereitstellen, die ohne Subventionen nicht mit hinreichender Aussicht auf Gewinn hergestellt werden können.

Subventionen an die Wirtschaft sind staatliche Steuerungsinstrumente, die gesamtwirtschaftlich neutral wirken, solange sie aus dem Aufkommen der Staatseinnahmen bestritten werden.

Werden sie mit Krediten finanziert, ermöglichen sie zusätzliches Wachstum.



 Soviel zur Ausganglage
100% der Erlöse der Wirtschaft sind erzielt.

Die Wirtschaft hat das Geld eingenommen.
Und nun?

 Es entwickeln sich von hier aus
vier unterscheidungswürdige Zahlungströme,
deren Wege und Wirkungen nachstehend zu beschreiben sind.

a) Bezahlen der Importrechnungen
b) Auszahlung von Gewinnen und Bezahlen von Zinsschulden
c) Auszahlung der Nettolöhne und Gehälter
d
1) Abführen der vereinnahmten Lohnsteuern, Sozialbeiträge und der Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung,
d
2)Abführen der im Endkundengeschäft vereinnahmten Mehrwertsteuer und weiterer Konsumsteuern
d
3) Bezahlung sonstiger, die Unternehmen betreffende Steuern

 

a) Import

Mit der Bezahlung der Importrechnung verlässt ein breiter Zahlungsstrom die Volkswirtschaft.

Die Außenhandelspartner, denen dieses Geld zufließt, erhalten damit notwendige Devisen, um ihrerseits unsere Exportrechnungen bezahlen zu können.

Sind Importe und Exporte einer Volkswirtschaft ausgeglichen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass neben der Handelsbilanz auch die Zahlungsbilanz ausgeglichen ist, hoch.

Überwiegen jedoch die Exporte, ist absehbar, dass die Außenhandelspartner früher oder -- falls sie entsprechende Verschuldung auf sich nehmen -- auch erst später, aus Devisenmangel nicht mehr in der Lage sein werden, unsere Exportrechnungen zu bezahlen. Diese Geldknappheit der ausländischen Handelspartner führt zu einer zusätzlichen Verschärfung des Wettbewerbs auf dem Weltmarkt, der dann nur noch über den Preis gewonnen werden kann.

 

b) Gewinne und Zinsen

Die Ausschüttung von Gewinnen und Zinsen an die Kapitalgeber führt - bis auf die gesamtwirtschaftlich vernachlässigbaren Konsumausgaben der wenigen Begünstigten - ebenfalls zu einem Abfluss von Zahlungsmitteln aus dem Kreislauf der Realwirtschaft.

Je höher Gewinne und Zinserträge, desto kleiner die im Binnenmarkt für Bevölkerung und Staat verbleibende Kaufkraft und umgekehrt.

Es ist also - und hier muss auf Steinbrücks ersten, katastrophalen Irrtum hingewiesen werden - keinesfalls so, dass hohe Unternehmensgewinne einen Anstieg des allgemeinen Wohlstands hervorrufen, weshalb die Besteuerung von Unternehmensgewinnen auf das niedrigst mögliche Niveau, am besten ganz auf Null, abgesenkt werden müsse. Das Gegenteil ist der Fall!

Je höher der Anteil der Gewinne und Zinserträge am BSP, desto kleiner ist zwangsläufig der Anteil von Bevölkerung und Staat an den geschaffenen Werten, desto geringer fällt der allgemeine Wohlstand aus.

Dass diese Konstellation die Kosten des Standorts senkt und den Export beflügelt, ändert daran nichts, weil Exportumsätze nur um den Preis absoluter zusätzlicher Gewinne zu haben sind, was wiederum nur über die Absenkung von Löhnen und Staatsanteil erreicht werden kann.

 

c) Nettolöhne

Die Nettolöhne kommen direkt bei der erwerbstätigen Bevölkerung an. Sie stellen einen erheblichen Anteil der am Binnenmarkt verfügbaren Kaufkraft dar und bilden damit für einen erheblichen Anteil des auf den Binnenmarkt gerichteten Wirtschaftens die Obergrenze einer sinnvollen Angebotsmenge.


Vor allem die Nachfrage nach langlebigem Konsumgütern, wie Automobilen und Haushaltsgroßgeräten, aber auch die Nachfrage nach Modeartikeln und anderen, nicht lebensnotwendigen Produkten, steht, ebenso wie der private Wohnungsbau, in einer direkten Abhängigkeit zur relativen Höhe der Nettolöhne.

Eine weitere Verwendung der Nettolöhne bildet das private Sparen. Ob Bankguthaben, Aktiendepots oder Lebensversicherungen, ein Teil der Nettolöhne und -gehälter landet in mehr oder minder langfristigen Anlageformen auf dem Kapitalmarkt und mindert damit die gegenwärtigen Nachfrage auf dem Binnenmarkt.
Dieser Effekt wirkt solange, wie die Netto-Sparquote, also nach Abzug des "Entsparens" positiv bleibt.

d) Einnahmen des Staates und der Sozialsysteme

Die Gesamteinnahmen von Staat und Sozialsystemen stehen für zwei unterscheidbare Verwendungen zur Verfügung - nämlich einerseits für die reine Umverteilung, andererseits für die Erfüllung der originären staatlichen Aufgaben.

Umverteilungsfunktion

Aufgrund systembedingter Obergrenzen für staatliche Leistungen an Rentner und Pensionäre, Kranke, Arbeitslose, Pflegebedürftige, Kinder und andere Empfänger von Transferleistungen, ist der Teil der Staatseinnahmen, der über diesen Weg in die Wirtschaft zurückfließt, kaum mehr als die Absicherung einer gewissen konsumtiven Grundlast.

Hier werden sichere Umsatzkontingente von Discountern, Energieversorgern, Kommunikationsanbietern, ein sicherer Teil der Einkünfte von großen und kleinen Vermietern sowie der Großteil der Einnahmen des Gesundheitswesens über den staatlichen Umverteilungsmechanismus bereitgestellt.

Zahlungen an die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst wirken wie die Nettolöhne der Wirtschaft und brauchen hier nicht noch gesondert behandelt werden.

 

Staatskonsum und Staatsinvestitionen

Platzpatronen fürs Manöver, 10-fach-Durchschreibsätze für die Behördenorganisation, Benzin und Diesel für die Fahrzeugflotte des Bundestages und viele andere (und wichtigere) Konsumausgaben des Staates müssen aus dem Teil der Staatseinnahmen bezahlt werden, der nach der Umverteilung noch übrig ist.

Diese Ausgaben stehen, gemeinsam mit den gesetzlich festgelegten Zuschüssen für die Sozialkassen, in Konkurrenz zu notwendigen und sinnvollen Investitionen in die öffentliche Infrastruktur.

 

Die Konsequenzen des Sparens und Tilgens

 

Die Anforderungen der staatlichen Aufgaben an die Finanzkraft des Staates führten in der Vergangenheit immer dazu, dass der Staat sich verschulden musste.

Dies soll in Bund und Ländern, wie auch in den Kommunen nun umgekehrt werden. Die Staatsverschuldung soll vermindert, Neue Kredite sogar verboten werden und wenn möglich soll unmittelbar mit dem Abtragen der bestehenden Schuldenberge begonnen werden.

Dies führt zwangsläufig dazu, dass ein Teil der Staatseinnahmen definitiv aus dem Kreislauf der Realwirtschaft herausgenommen und in das Reservoir des Kapitalmarktes zurückgegeben wird.

Die vorgestellte Grafik verdeutlicht das. In jeder Periode verlässte ein Teil der in der Volkswirtschaft fließenden Zahlungsströme die Sphäre der Realwirtschaft, geht in den Kapitalmarkt ein und verbleibt dort.
(Dass er dort verbleibt, belegt alleine schon das ständige Wachstum der Finanzanlagen.)

Je weniger der Staat neue Schulden aufnimmt und je größer der Anteil der Tilgung an den Gesamtausgaben des Staates wird, desto mehr trägt der Staat folglich dazu bei, die am Binnenmarkt vorhandene Kaufkraft zu schwächen.

Es fehlt nicht nur der Ersatz für die aus dem Kreislauf genommenen Gewinne und Zinsen sowie die Sparleistungen der privaten Haushalte, es fehlt auch jeder Euro, der vom Staat zur Tilgung von Altschulden aufgewendet wird.

 

Die ausreichende Geldversorgung der Realwirtschaft erfordert im herrschenden Geld- und Wirtschaftssystem, dass die auf der einen Seite in "Finanzanlagen" abfließende Geldmenge dem Markt auf der anderen Seite durch Kredite neu zur Verfügung gestellt wird.

Sonst tritt das ein, was in Deutschland bereits eingetreten ist: Es fehlt hinten und vorne am Geld.

Es fehlt nicht am volkswirtschaftlichen Leistungsvermögen, es fehlt auch nicht am Bedarf, es fehlt lediglich an Geld, um den Bedarf in Nachfrage, die Nachfrage in Binnenumsatz zu verwandeln. Diese Teufelsspirale zwingt, wegen des fahrlässig, wenn nicht gar vorsätzlich*) hergestellten Geldmangels im Binnenmarkt dazu, die Exportanstrengungen noch weiter zu erhöhen.

*) Einen ausgeglichenen Haushalt herstellen zu wollen, ist ein Vorsatz, die neuen, restriktiven Kreditvergaberegeln der Banken (Basel II) für Unternehmen und Privatkunden stellen einen Vorsatz dar. Beide Vorsätze mindern die verfügbare Geldmenge

Dass die ausländischen Handelspartner sich nicht scheuen, unsere Exportrechnung auf Pump zu finanzieren, ist der Exportwirtschaft und offenbar auch der Bundesregierung egal, solange der zusätzliche Export - auf Kosten der Bevölkerung - noch einen zusätzlichen Gewinn ermöglicht.

Wenn nun aber die Anteilseigner der Wirtschaft und die Anteilseigner der Banken, Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr Geld als Gewinn und als Zins aus der Realwirtschaft abziehen und dem Kapitalmarkt zur Verfügung stellen, wenn kleine und große Sparer ihrer Sparbücher, Lebensversicherungen und Wertpapierdepots füllen und auch noch der Staat das Geld aus der Wirtschaft tilgt, statt für Nachschub zu sorgen, dann kommt die Volkswirtschaft zwangsläufig in eine verheerende Schieflage, aus der auch der Ausverkauf des Volksvermögens nicht heraushelfen kann.

Denn die Volkswirtschaft wird nicht durch das Anwachsen der Geldvermögen der Anleger und Anteilseigner belebt, sondern ausschließlich durch eine ausreichende Geldmenge in der Realwirtschaft.


Sogenannte Investoren, aus dem In- und Ausland, die sich damit beschäftigen, Anteile an bestehenden Unternehmen untereinander zu handeln, bringen keinen Cent zusätzliches Geld in die Realwirtschaft -

und der als "Privatisierung" bezeichnete Ausverkauf des Tafelsilbers, die Verschleuderung des Volksvermögens an in- und ausländische Investoren, die Telekom, Post und Bahn aufkaufen, die sich in allen größeren Städten die Sozialwohnungen, die Krankenhäuser und Seniorenheime unter den Nagel reißen, bringt doch nicht nachhaltig Geld in den Kreislauf. Dieses Geld verzischt im Jahr der Einnahme vollständig und rückstandsfrei.

...und was machen wir eigentlich, wenn endgültig alles verkauft ist?


Woher nehmen wir dann das Geld?

Geld wächst nicht an Bäumen, Geld wird nicht von Bergleuten aus tiefen Schächten geborgen, Geld fällt nicht vom Himmel -

Geld wird, mit minimalem Aufwand, gedruckt, bzw., mit noch geringerem Aufwand, als Giralgeld per Kredit in die Welt gesetzt.

Eine Volkswirtschaft, die so töricht ist, sich die Hoheit über das eigene Geld nehmen zu lassen, hängt - wie ein Junkie an der Spritze - vom Wohlwollen der Dealer ab.

Dass Trichet voraussichtlich am heutigen Donnerstag die Zinsen erhöhen wird, ist ein Paukenschlag, der nicht gerade von Wohlwollen zeugt.

Die Droge wird teurer.

 



Ja - die Droge wird teurer.

Für vertiefende Einsichten - hier einige nützliche Werke aus dem EWK-Verlag

spezielle Empfehlung heute:
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III - Über das Geld.

 

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Hallo Herr Kreutzer,

Mit großem Interesse habe ich Ihre Ausführungen im oben genannten Paukenschlag gelesen.
Eine Frage ist mir dabei allerdings geblieben und da ich vermute, daß auch anderen Lesern dieser Punkt nicht entgangen ist, würde ich mich freuen, wenn Sie hier noch für etwas mehr Klarheit sorgen könnten:

Sie erläutern recht klar, wie und warum die Tilgung von Staatsschulden das dazu genutzte Kapital aus der Realwirtschaft entfernt und dem Kapitalmarkt zuschreibt, der es nicht zwangsläufig (und sogar eher
widerwillig) der Realwirtschaft als Kredit wieder zuführt.

Doch was ist mit den auf die Kredite vom Staat zu zahlenden Zinsen?
Wenn der Staat Jahr für Jahr für seine Kredite Zinsen an die Kapitalgeber zahlen muß, tritt dann nicht genau er gleiche Effekt ein und kann nicht langfristig nur durch eine Verminderung der Darlehen - einem Einmal-Effekt - eine Verminderung des Geld-Abflusses in den Kapitalmarkt erreicht werden?

Vielleicht bin ich auch schlicht einem Mißverständnis erlegen. In jedem Fall würde ich mich aber über ein paar Worte zu dieser Frage freuen.

Mit freundlichen Grüßen

dazu die Antwort von Egon W. Kreutzer:

gar keine Frage, auch Zinsen gehen der Realwirtschaft ganz überwiegend verloren. Das System ist so angelegt - und es erzwingt auf diese Weise die beständige Ausweitung der Neuverschuldung. Dabei ist es egal, wer sich verschuldet, ob der Staat, die Wirtschaft oder die Konsumenten. Daher geht mein Vorschlag für eine Neuordnung des Geldwesens auch in eine andere Richtung. Siehe dazu:
http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Grundlagen7.html und auch http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Grundlagen6.html 

Solange wir aber in der derzeitigen "Geldverfassung" leben, ist der Gedanke, die Staatsschulden tilgen zu wollen, eine Phantasmagorie - Schulden kann man nur mit Geld tilgen. Geld gibt es in Form von Münzen, Geldscheinen und Sichtguthaben auf Girokonten. Das vorhandene Geld reicht aber nicht aus, um auch nur die Hälfte auch nur der Staatsschulden zu tilgen. Um den Wahnsinn des Unterfangens zu begreifen, muss man sich klar machen, dass unser herrschendes Geldsystem es erforderlich macht, Schulden aufzunehmen, um Schulden tilgen zu können. Siehe dazu ganz ausführlich auch:

http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14077TilgungSuende.html 
Tilgt der Staat "netto" - dann müssen Wirtschaft und Konsumenten die abfließende Geldmenge durch neue Schulden ersetzen. Dumm nur, dass dem Staat als Schuldner mit höchster Bonität auch die günstigsten Konditionen eingeräumt werden. Alle anderen zahlen höhere Zinsen!

Sehen Sie, wenn wir der Deflation entgehen wollen - und die ist weit schlimmer, als die Inflation - dann kann sich die Zinslast, gesamtwirtschaftlich gesehen, gar nicht verringern, weil zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftskreisläufe das Zahlungsmittel Geld aus immer neuen Krediten wieder eingespeist werden muss.

Tilgung des Staates erhöht die gesamtwirtschaftliche Zinslast und/oder mindert den Wohlstand.

Steinmeier sollte das wissen.


Hallo Herr Kreutzer,

hier ein kleiner Beitrag zu Ihrem letzten Paukenschlag (27/2008" na dann spart mal schön"):

Die Vorstellung, dass der Staat zunächst einmal Steuergelder einnehmen muss um dann erst die Staatsaufgaben bezahlen zu können, ist nicht sehr schlau.

Der richtigere Ansatz wäre der umgekehrte: Der Staat führt die Staatsaufgaben im Voraus aus und verteilt erst dann die Pflichten an die Steuerzahler. Das bedeutet, dass sich die Steuerzahler als Gesamtheit durch die Erfüllung der Staatsaufgaben verschulden und diese Schuld später durch Steuerzahlungen wieder ausgleichen. Aber das geht eben nur dann, wenn der Staat ein richtiger Staat ist und sich die Freiheit nehmen darf, Geld selbst zu schöpfen um den genannten Kredit an den Steuerzahler realisieren zu können.

Nochmal die richtige Reihenfolge:

*Steuerzahler wird durch die auszuführenden Staatsaufgaben verschuldet.
Eine Zinsforderung entsteht dabei nicht! Dieser Kredit ist zinslos!

*Staat verbucht den Ausführenden der Staatsaufgaben ein Guthaben, nominiert in Geld
und bezahlt somit ihre gelieferten Produkte und Dienstleistungen. (Die Ausführenden, das sind z.B. Beamte und
Angestellte aber auch Privatunternehmen)

*Steuerzahler ist nun Schuldner und Staat wurde zum Gläubiger gegenüber dem Steuerzahler.

* Die Ausführenden wiederum sind nun Gläubiger gegenüber dem Staat, bis sie ihre Guthaben wieder ausgegeben haben.

*Die Ausführenden der Staatsaufgaben kaufen nun Produkte und Dienstleistungen von den Steuerpflichtigen indem sie mit den genannten Gutschriften (nominiert in Geld, also Geld Vermögen) bezahlen. Dadurch können nun die
Steuerpflichtigen den entstandenen Steuerforderungen des Staates nachkommen.

Aber das ist natürlich alles viiiiiiiel zu kompliziert......und Zinsen bekommt
man dann auch nicht mehr vom Staat. Das kann doch nicht sein. Deshalb darf
der das so natürlich nicht machen!

Viele Güße,


Hallo werter Herr Kreutzer,

danke für die doch erstaunlich knappe, aber dennoch umfassende Argumentationsgrundlage hinsichtlich des künstlich (aber wohl doch eher absichtlich) geschaffenen Teufelskreises, in dem unsere Volkswirtschaft nicht nur seit Jahrzehnten gefangen ist, sondern auch immer tiefer versinkt. Man fühlt sich beinah genötigt, Ihre Ausführungen als allenthalben aufzuschnappendes Gemeingut in Sachen Sehen, Erkennen und Verstehen zu bezeichnen (auch wenn Sie es "etwas kompetenter" als der/die Normalbürger/in darzustellen und auf den Punkt zu bringen vermögen) ... doch leider wissen wir, dass die meisten Mitbürger/innen von den Scheuklappen geblendet werden, die ihnen von den politischen Verantwortlichen und den Meinungsmachern der milliardenschweren Mainstreammedien aufgezwungen wurden und werden. - Dennoch ist es ärgerlich und frustrierend zugleich, dass die Menschen in unserem Land trotz der Realität, mit der sie doch alle tagtäglich mehr oder weniger gnadenlos konfrontiert werden, nicht erkennen können oder wollen, dass ihnen von unseren "Volkszertretern" nichts als tödlich giftiger Sand in die Augen gestreut wird. Dass es allgemeinen Wohlstand ohne eine gesunde Binnen- respektive Volksgewerkschaft nicht geben kann, sollte auch (besser: gerade) für Menschen ohne entsprechende "fachliche Berufsverbildung" längst zum Allgemeinwissen geworden sein!?!

Gerade deshalb ist es gut und richtig, dieses Argumentationsfundament anzubieten und noch wichtiger, die Argumentation weiter zu verbreiten sowie im tagtäglichen Kampf gegen die organisierte Volksverdummung - die gleichzeitig der Tod einer jeden engagierten Aufklärungsbewegung ist - ebenso rigoros wie exzessiv einzusetzen!

Deshalb nochmals meinen aufrichtigen Dank und die Versicherung, dass ich mich an diesem Bemühen unverdrossen weiter beteiligen werde.


Mit freundlichen Grüßen

 


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