Paukenschlag am Donnerstag
No. 24/2008
vom 12. Juni 2008

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Naomi Klein - Die Schock Strategie
Assoziationen zum Buch

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
19 Frühjahrsmüdigkeit
20 Manneszucht
21 Verfassungsgut Kapitalismus
22 Protagonisten der Pataphysik
23 Straubinger, Max, Sprecher
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Naomi Klein - Die Schock Strategie
Assoziationen zum Buch

 

Naomi Klein hat im Herbst letzten Jahres bei S. Fischer Ihr drittes Buch herausgebracht.

Die Schock Strategie
Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus

Der Titel wurde damals weitgehend feindselig und abwertend besprochen.

Die Süddeutsche Zeitung, zum Beispiel, ließ der Autorin durch ihren Rezensenten "kindliche Trotzigkeit", das Verschweigen von Gegenargumenten und den Rückfall in die Zeit der ideologischen Kämpfe des vorigen Jahrhunderts vorwerfen.

Nun habe ich das Buch, auf eine eindringliche Empfehlung hin, mit einigen Monaten Verspätung doch gekauft und gelesen. Es hat sich gelohnt.

Und auf die Gefahr hin, dass ich Ihr Budget für Literatureinkäufe jetzt vom eigenen Verlag weg und auf den S. Fischer Verlag hinlenke, sage ich Ihnen:

Sie sollten es auch lesen!

Es ist ein Buch, das wie kaum ein anderes Emotionen auslöst, die sich in Entsetzen und Zorn bis zu wütenden Magenkrämpfen steigern können und immer wieder dazu zwingen, das Buch zur Seite zu legen, um erst einmal zu verarbeiten, was Naomi Klein da - sorgfältig recherchiert und im Ton immer noch recht zurückhaltend - vor dem Leser ausbreitet.

Es ist das große "Unsittengemälde" des neoliberalen Raubtierkapitalismus - und hätte ich Illustrationen dafür aussuchen müssen, ich hätte bei Hieronymus Bosch danach gesucht. Auf insgesamt 763 Seiten, von denen 658 Seiten fortlaufenden Text und 105 Seiten, als "Anmerkungen" bezeichnet, die notwendigen Querverweise und Quellenangaben enthalten, breitet Naomi Klein alles das aus, was wir, wenn wir überhaupt Kenntnis davon erhalten, üblicherweise verdrängen oder zusammenhanglos als tragische Einzelereignisse werten.

Es ist das herausragende Verdienst der Autorin, in einem Ausblick über die letzten drei Jahrzehnte ein Grundmuster entdeckt und sichtbar gemacht zu haben, das die großen, übergeordneten Strategien erkennen lässt, die unseren Globus in ein Tollhaus der Globalisierung verwandelt haben, eine Welt, in der Krieg und Folter, die physische und psychische Zerstörung von Menschen und Nationen zum selbstverständlichen Mittel jener Profitoptimierer geworden sind, die als Global Player nicht nur der staatlichen Aufsicht weitgehend entronnen sind, sondern kurz davor stehen, den "Staat" als Machtfaktor vollständig zu demontieren.

Kaufen Sie sich dieses Buch.
Am besten noch heute.

Es lohnt sich.

 

Wenn es gilt, zu Naomis Buch anderes als nur Lob zu äußern, dann nicht, weil sie nachlässig recherchiert oder irreführende Schlüsse gezogen hätte, nicht weil sie einseitig und voreingenommen geschrieben oder die Welt auf eine verfälschende Weise selektiv wahrgenommen hätte - dies alles, was ihr vorgehalten wurde, ist Üble Nachrede und letztlich Beweis dafür, wie weit der Katastrophen-Kapitalismus es bereits geschafft hat, die öffentliche Meinung zu kontrollieren und zurechtzubiegen.

Wenn es gilt, Naomis Buch assoziativ zu ergänzen, dann nur deshalb, weil sie ihren Leserinnen und Lesern keine Hoffung auf Besserung macht. Der wenig tröstliche Hinweis am Ende der vielen schockierenden Seiten, es gäbe erste Anzeichen dafür, dass die Schock-Strategie allmählich an Wirkung verlieren könnte, ist so wenig Licht, dass das Ende des Tunnels unerreichbar fern scheint. Mit den erdrückenden Schilderungen der Fakten und dieser vagen Hoffnung alleingelassen, hat der Leser kaum eine Wahl. Entweder er verdrängt auch das, was er dazugelernt hat, schnellstmöglich wieder oder er verfällt in tiefe Depression.

Mich hat Naomi Kleins Buch lange und intensiv beschäftigt und es wird mich weiter beschäftigen.

 

Assoziationen zum Buch

Milton Friedman, den Naomi Klein als den geistigen Urheber des neoliberalen Weltbrandes ausgemacht hat, ist mir kurz nach dem 11. September 2001 besonders übel aufgestoßen, als er im SPIEGEL-Interview mit Michaela Schiessl den Verlust der Twin Towers auf den Verlust von zwei Gebäuden reduzierte, deren Wiederaufbau Geld kosten wird, im gleichen Kontext erklärte, das Militär müsse stark sein, nicht der Regierungsapparat, und auf die abschließende Frage des SPIEGEL:

"Nun klingen Sie fast wie ein Globalisierungsgegner. Haben Sie am Ende sogar Verständnis für diese Bewegung?",

antwortete,
"Bloß nicht, die haben so viele unterschiedliche Ideen, alle total verrückt. Wer da demonstriert, sind nicht die Betroffenen, sondern hauptsächlich gut situierte Mittelklasse-Zöglinge, die sich amüsieren wollen und sich das leisten können. Das ist eine reine Spaßbewegung."
 Das komplette Interview von 2001 ist immer noch hier zu finden

Dass es dieses Interview bis in die Abituraufgaben des Landes Brandenburg im Jahre 2006 geschafft hat - mit der Aufforderung, eine keynesianische Gegenthese zu entwerfen, ist immerhin erstaunlich.
 Hier die Aufgabenstellung (Nr. 2)

Meine Reaktion darauf war der erste Leserbrief, den ich auch auf meiner eigenen Homepage online gestell habe. Zurückblickend kann ich mich des Verdachts nicht erwehren, dass Milton Friedman und dieses SPIEGEL- Interview der Auslöser dafür gewesen sein könnten, dass ich überhaupt begonnen habe, publizistisch zu arbeiten.

Damals beendete ich meinen Leserbrief mit der gegen Friedmans Äußerungen gerichteten, beinahe aphoristischen Bemerkung:

Mag sein, daß Theorie ohne simplifizierende Abstraktion nicht möglich ist,
aber wir sollten darüber nicht vergessen,
daß Praxis ohne Realität auch nicht funktioniert.

 Der komplette Leserbrief

 

Ich habe danach in allem, was ich geschrieben habe, verstärkt versucht, den Praxis- und Realitätsbezug herzustellen bzw. zu wahren. Ob mir das immer in ausreichendem Maße gelungen ist, können nur meine Leser beurteilen - die fast durchweg positiven Reaktionen, die ich erhalten habe, stimmen mich diesbezüglich allerdings recht zuversichtlich.

So will ich auch heute versuchen, meinen theoretischen Entwurf für eine bessere Welt, die möglich sein muss, ohne vorher auf das Entstehen der "besseren Menschen" warten zu müssen, einen Schritt weiter voranzubringen.

Beste Voraussetzungen für das Verständnis hat, wer auf dem aufbauen kann, was ich in Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II unter der Überschrift "Credo der Vernunft" als Vision entwickelt habe und der über das notwendige Wissen über das Geld verfügt, wie es in Band III dargelegt ist.

 

Dämon Kapitalismus

Sie haben von Heuschrecken gehört. Solchen, die Unternehmen aufkaufen und mit großem Appetit kahlfressen, ohne Rücksicht auf den gesamtwirtschaftlichen Nutzen, den das Unternehmen vorher hervorgebracht hat, ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden.

Sie haben gehört, dass feindliche Übernahmen dieser Art häufig mit Krediten finanziert werden - und Sie haben gehört, dass diese Kredite regelmäßig den aufgekauften Unternehmen zur Bedienung der Zins- und Tilgungsforderungen aufgebürdet werden.

Haben Sie das aber auch verstanden?

Und wenn Sie es verstanden haben, haben Sie dann auch das dahinterstehende dämonische Prinzip erkannt?

 

Da hat jemand nichts.

Jedenfalls lange nicht genug, um die Kapital- und Stimmrechts-Mehrheit an der ins Auge gefassten Beute bezahlen zu können.

Doch es fehlt ihm nicht nur an Geld,
es fehlt ihm zudem vollkommen an jeglichem Skrupel,

ein Unternehmen trotzdem an sich zu bringen, es bis auf die leere Hülle auszuschlachten und die Reste dann, völlig zerstört, den Aasgeiern zu überlassen.

Es fehlt ihm zudem ein gesellschaftlicher Orientierungsrahmen,
der solche Aktivitäten zumindest als verpönt, wenn nicht gar als verbrecherisch, verboten und strafbewehrt erkennen ließe.

Mit nichts, außer der notwendigen asozialen Energie, ein von fragwürdigen Bestimmungen legalisiertes, auf Zerstörung und Plünderung ausgerichtetes Geschäft auf Kosten seiner Mitmenschen zum eigenen Nutzen vollkommen egoistisch durchzuziehen, tritt dieser Jemand an.


Er käme keinen Schritt weit,
hätte er nicht starke Verbündete.

Es sind die Banker, die sich von den hohen Gewinnerwartungen solcher asozialen Geschäftsideen beeindrucken lassen und der Heuschrecke das benötigte Geld vorstrecken.

Es sind die Banker, die den Wert des zu attackierenden Unternehmens so hoch einschätzen, dass sie nicht daran zweifeln, dass es genug Substanz aufweist, um an seiner systematischen Zerstörung bestens mitverdienen zu können.

Es sind die Banker, die von Anfang an wissen, dass die Finanzierung der feindlichen Übernahme letztlich aus der Substanz des übernommenen Unternehmens kommen wird, und die daher - bei Licht betrachtet - nichts als einen gemeinen Raub vorfinanzieren.

Es ist das Modell "Eroberungskrieg", das ohne militärische Knalleffekte in den Börsensälen dieser Welt nachgespielt wird.

Die Okkupationsarmee wird finanziert, weil die Ausbeutung der zur Eroberung anstehenden Ressourcen, einschließlich der Arbeitskraft der zu unterjochenden Bevölkerung, einen Gewinn versprechen, der auf andere Weise kaum zu erzielen ist.

Das dämonische Prinzip des Kapitalismus macht es möglich, jedem "Eroberer" für jeden Raubzug jede erforderliche Menge Geld zur Verfügung zu stellen, solange die Gewinnaussichten von den Bankern nur als hinreichend realistisch eingeschätzt werden.

Die vielbeschworene "Allokationskraft des Zinses" die nach der reinen Lehre der Volkswirtschaftler vom Schlage eines Milton Friedman dafür sorgen soll, dass das knappe Gut Geld immer dorthin fließt, wo es den größten Nutzen stiftet, ist von ihrer eigenen Perversion längst eingeholt und überholt worden.


Geld fließt längst nicht mehr bevorzugt dahin, wo es Nutzen stiftet, sondern fast ausschließlich noch dahin, wo sein Einsatz das Geldvermögen, also den Geldbesitz und die zukünftigen Forderungen auf Geld, am stärksten vergrößert. Ganz unabhängig davon, ob einem solchen "Businessplan" eine realwirtschaftliche Leistung zugrunde liegt oder nicht, ja sogar dann, wenn der ganze Akt ausschließlich destruktiv ist, aber eben in der beabsichtigten Zerstörung ausreichend Geld frei wird, um einen Gewinn zu erzielen.

Gegenwehr ist unmöglich, es sei denn, man wechselt rechtzeitig die Seiten und schließt sich den Plünderern an.

 

Die imperiale Kreditmaschine

Wo die Verfügbarkeit von Kredit an nichts anderes gekoppelt ist, als an den Grad der Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer die Schuld tilgen und darüberhinaus mindestens die geforderten Zinsen erwirtschaften wird, sind Fehlsteuerungen der geschilderten Art unvermeidlich.

Im Großen ist es der Staat, der sich verschuldet, um die militärische Übermacht aufzubauen, die es ihm ermöglicht, seiner Wirtschaft den Zugang zu den verlockenden Ressourcen fremder Länder gewaltsam zu öffnen, im "Nicht-ganz-so-Großen" ist es der Spekulant, der sein Spinnennetz aus Banken, Hedge-Fonds, Treuhändern, Stiftungen und Scheinfirmen webt und darin fängt, wen immer er will.

Immer wird erst der Kredit in die Welt gesetzt, der die für den Beutezug erforderlichen Geldmittel hervorbringt - und dann werden dem überfallenen Staat oder dem übernommenen Unternehmen die zur Bedienung des Kredits erforderlichen Mittel abgepresst. Dazu bedarf es keiner Geldgeber, keiner Einleger, keiner Sparer - auch zur Finanzierung von feindlichen Übernahmen wird der Kredit von den Banken aus dem Nichts geschöpft.

Unter der Mehrheit der Demokraten besteht fraglos ein großer Konsens über die Notwendigkeit der Bekämpfung von Heuschrecken und ähnlichem Geziefer.

Unter der Mehrheit aller Demokraten
(hier ist nicht nur die Partei gemeint) besteht selbst in den USA ein großer Konsens darüber, dass bloße Eroberungskriege einer zivilisierten Nation nicht würdig sind.

Dass dieser Konsens sowohl in den USA, wie auch in Deutschland, von der Mehrheit der Gewählten nicht mitgetragen wird, ist schlimm, aber kein Grund zur Resignation. Man darf - zwar selten, aber doch immer wieder - wählen. Offenbar müssen nur oft genug die ganz anderen gewählt werden, um diejenigen, die ihren Sitz im Parlament lieben, zum Überdenken ihrer Position zu bewegen.

Eine ganze Reihe von Gesetzen und Gesetzesänderungen, die seit Beginn dieses Jahrhunderts in Deutschland verabschiedet wurden, haben nicht nur dazu beigetragen, den Heuschrecken das Kahlfressen zu erleichtern, sondern auch dazu, die Beute, wenn überhaupt, dann nur noch in vermindertem Maße mit dem Finanzminister teilen zu müssen.

Dass sich mit verblüffenden Argumenten "dafür" zwar immer wieder rhetorische Scharmützel in proaktiven Talk- und Diskussions-Shows gewinnen lassen, aber weder mittel- noch langfristig die Zustimmung der Wähler zu erringen ist, werden einige Politiker wohl selbst dann noch nicht begreifen, wenn sie Sitz und Diäten längst verloren haben, die meisten allerdings sind flexibel genug, sich beizeiten auf veränderte Stimmungen einzustellen, auch wenn sie bis dahin alles tun, um Stimmungsänderungen zu verhindern.

Die Wurzel des Problems

Solange eine auf Raub und Plünderung spezialisierte "Spekulationswirtschaft" sich die für ihre Attacken benötigten Finanzmittel im Zusammenspiel von Banken und Aufkäufern praktisch unbegrenzt selbst zur Verfügung stellen kann, erwachsen aus dieser unsinnigen Überversorgung mit Geld ebenso verheerende Probleme, wie sie aus der Unterversorgung der Realwirtschaft mit Zahlungsmitteln entstehen. Wie die ausreichende Geldversorgung der Realwirtschaft gesichert werden kann, habe ich bereits ausführlich beschrieben - noch weitgehend unbeantwortet ist die Frage, wie den im Geld schwimmenden Heuschrecken das Handwerk gelegt werden könnte.

Die Idee, Raub und Plünderung schlicht als kriminell zu bezeichnen, zu verbieten und mit Strafen zu belegen, ist nicht sonderlich originell. Die entsprechenden Gesetze sind in Kraft, nur versagen sie eben immer da, wo ausreichend viel Geld sich ausreichend viel willfährigen Sachverstand zusammenkaufen kann, um das eigene Handeln als "vollkommen legal" und "volkswirtschaftlich sinnvoll und nützlich" darstellen zu lassen.

Eine ausreichende Wirksamkeit ist nur von solchen Lösungen zu erwarten, die als Veränderungen innerhalb des Systems implementiert werden, nicht von solchen, die versuchen, das unveränderte System durch von außen auferlegte Regeln zu besänftigen.

Ein System, in dem ein Wolf und eine Schafherde barrierefrei im gleichen Stall gehalten werden, wird immer zugunsten des Wolfs funktionieren.

Der Bauer, der dieses System installiert hat, kann dem Wolf bei Strafe verbieten, Lämmer zu reißen, er kann den Lämmern bei Strafe verbieten, sich dem Wolf auf mehr als drei Meter zu nähern,

solange das System selbst nicht verändert wird - zum Beispiel, indem dem Wolf die Zähne gezogen werden - wird der Wolf Lämmer und Schafe reißen.


Dass ein solches System in der Realität nicht existiert, ist entweder darauf zurückzuführen, dass fehlkonstruierte Systeme schnell von selbst zerfallen oder darauf, dass Schafzüchter offenbar genug Verstand besitzen, um derart unsinnige Systeme zu vermeiden.

Fragt sich, warum es am notwendigen Verstand fehlt, wenn es darum geht, das Raub- und Plündersystem der internationalen Heuschreckenschwärme aufzulösen und nie wieder entstehen lassen.
Geht man dieser Fragestellung nach, stellt sich schnell heraus, dass das Problem, vor dem wir stehen, entscheidend anders gestrickt ist:

Im Geld- und Plünder-System fehlt der Bauer!

Der Wolf führt ganz alleine die Regie und fühlt sich als ständiger Gewinner mit seinen für ihn vorteilhaften Spielregeln sehr wohl. Nur die Schafe sehen Änderungsbedarf - doch um den durchsetzen zu können, sind sie darauf angewiesen, dass jemand die Rolle des Bauern übernimmt und den Wolf zähmt, jemand, der es schafft, aus dem Räuber ein Haustier, den Hofhund, den Schäferhund zu machen.

Wie jeder Vergleich hinkt auch dieser. Der Bauer wird Lämmer schlachten - und der Hund wird nicht zum Vegetarier. Aber der Bauer wird dafür sorgen, dass ein Gleichgewicht erhalten bleibt - und darin liegt der Schlüssel zur Lösung.


Wer auch immer die Verantwortung für die Bereitstellung von Geld hat (in meiner Vorstellung ist das eine staatsnahe, aber nicht staatliche Zentralbank), bräuchte im Grunde ein Instrumentarium zur Kreditkontrolle, welches die Herstellung beliebig hoher Bank-Kredite zur Finanzierung räuberischer Aktivitäten weitgehend verhindert.

Nun wird nicht jede Bank jeden Kreditwunsch einer zentralen "Genehmigungsstelle" vorlegen können, der bürokratische Aufwand wäre viel zu hoch, selbst dann, wenn eine Wertgrenze festgelegt würde um die Masse der Prüfvorgänge zu reduzieren. Es wird auch wenig sinnvoll sein, Kreditnehmer ab einer bestimmten Größenordnung zu verpflichten, ein "Unbedenklichkeits-Gutachten" beizubringen.

Beide Ansätze liegen außerhalb des Systems und werden folglich keine nachhaltige Änderung hervorrufen können.

Sie erinnern sich an den Lösungsvorschlag zur Behebung des Geldmangels in der Realwirtschaft aus Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II?

 Ein vernünftiges Anreizsystem

(...)
Menschliches Handeln orientiert sich überwiegend an dem Maß des persönlichen Nutzens, der aus einer Handlung erwartet wird. Die menschliche Auswahlentscheidung wird in aller Regel auf diejenige Option fallen, die den größten persönlichen Nutzen verspricht, weil dies ein Verhalten ist, das mit den Prinzipien der evolutionären Auslese im Einklang steht. Weil wir diese Prinzipien weder leugnen wollen, noch daran glauben, dass die Verbreitung eines vernünftigen Wertesystems allein schon die Kraft hätte, den "besseren Menschen" hervorzubringen, der zu seiner Durchsetzung und Stabilisierung in allen Lebensbereichen erforderlich wäre, bleibt uns nur der Ansatz, die Anreize so zu setzen, dass der persönliche Egoismus jedes Einzelnen völlig automatisch dazu führt, dass überwiegend das Kästner´sche "Gute" getan wird.

(...)
Der Anreiz zum wertekonformen Wirtschaften wird auch unter veränderten Zielsetzungen wieder der Anreiz eines zusätzlichen Gewinnes sein, und er muss wieder denen angeboten werden, die für die Weichenstellungen verantwortlich sind, nämlich den Unternehmern. Aber wie?

(...)
Für einen steuernden Eingriff des Staates oder einer anderen gesellschaftlichen Organisation in die Verhaltensweisen der Gesellschaft gibt es nur zwei grundsätzliche Möglichkeiten, nämlich die Strafe für unerwünschtes Verhalten und die Belohnung für Wohlverhalten. Weil wir nicht über den Umgang mit Straftaten oder Verbrechen nachdenken, sondern über die Beeinflussung von Entscheidungen, die sich (zumindest hauptsächlich) im Rahmen der Legalität bewegen, sind Strafe und Belohnung eigentlich nur damit darzustellen, dass die Erlangung eines persönlichen Gewinnes unter den Gesichtspunkten der jeweiligen gesamtgesellschaftlichen Zielsetzungen erschwert, oder erleichtert wird. Im Ergebnis erkennen wir, dass das ganze Instrumentarium aus nichts anderem besteht, als aus dem Einsatz von Verboten und Auflagen, von Steuern und von Subventionen.

(...)
Wirkungen und längerfristige Folgen von Subventionen

Der Staat kann nicht nur Steuern mindern oder erlassen, er kann auch direkt Geld oder Sachwerte zur Verfügung stellen, um bestimmte Vorhaben zu fördern oder überhaupt erst zu ermöglichen.

(...)
Bei der Subvention können wir ziemlich sicher sein, dass es das entsprechende Projekt in vielen Fällen nicht gäbe, hätte nicht eine Subvention erschlossen werden können.

(...)
Es ist sicherlich so, dass da, wo Subventionstöpfe geöffnet werden, immer wieder auch versucht wird, sich Subventionen zu erschleichen, aber die Subvention ist das Mittel, das letztlich immer noch am besten funktioniert.

(...)
Derjenige, der für einen bestimmten Zweck eine Subvention aufwendet, weiß von vornherein auch, wo die Subvention ankommen wird. Er ist nicht, wie bei der steuerlichen Förderung, darauf angewiesen, einen ausreichend großen Anreiz zu setzen, um die Nutznießer anzulocken, und er wird nicht durch trickreiche Steuersparmodelle mitschuldig an einer weiteren Fassette der Steuer-Ungerechtigkeit, die in der Hoffnung ermöglicht wird, dass sich auch eine nennenswerte Wirkung im eigentlich angestrebten Sinne ergeben werde.

(...)
Die Betrachtung des Instrumentariums öffentlicher Entscheidungslenkung ist ernüchternd. Mit der "billigen" Verschärfung von Auflagen wird der Anreiz zur Umgehung ebenso gesteigert, wie der Kontrollaufwand und letztlich nur wieder eine Deregulierung eingeleitet. Mit der Eröffnung lukrativer steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten werden "professionelle Gestalter" angelockt, die, mit geringstmöglichem Einsatz für den eigentlichen Zweck, den größtmöglichen eigenen Nutzen dadurch erzielen, dass sie Mittel, die eigentlich dem Fiskus zustehen, in die Taschen von Initiatoren, Finanzinstituten und Verkaufsorganisationen umlenken.

Für das präziseste und mit den geringsten Verlusten durch unvermeidlichen Schwund belastete Instrument der Entscheidungslenkung, die direkte Subvention, fehlt es am Geld. Dies ist besonders bedauerlich, weil den im öffentlichen Interesse stehenden Maßnahmen zur Entscheidungslenkung die von Geldnöten praktisch nicht geplagte, wirtschaftliche Entscheidungslenkung entgegensteht, die genau diejenigen Vorhaben fördert, die versprechen, die größtmögliche Rendite des eingesetzten Kapitals zu erwirtschaften. Die größtmögliche Kapitalrendite wird aber immer "der Falsche" erwirtschaften, nämlich derjenige, der nur den eigenen Nutzen im Sinn hat und weder soziale noch gesellschaftliche oder gar ökologische Rücksichten nimmt.
Für Maßnahmen, Projekte, Geschäfte, die eine hohe Kapitalrendite versprechen, ist immer Geld da. Dieses Geld, das zum Teil zur Finanzierung von Vorhaben verwendet wird, die aus gesamtgesellschaftlicher Sicht höchst unerwünscht sind, fehlt zur Finanzierung genau jener Vorhaben, die wir eigentlich fördern möchten. Das lässt sich durch Zwang nicht ändern und nicht durch Auflagen, weil, wie wir erkannt haben, derartige Reglementierungen nur einen immer stärkeren Anreiz zur Umgehung setzen. Das können wir auch durch Maßnahmen in der Steuerpolitik nicht ändern, weil die Haushalts-Spielräume, mit denen solche Lenkungsversuche finanziert werden müssten, im Vergleich zu den Dollar Billionen, die alleine die Währungs- und Finanzspekulanten tagtäglich bewegen, schon nicht einmal mehr als "Peanuts" bezeichnet werden können.

(...)
Die Vorrede war lang und weit ausholend, weil sie einen Teil der Begründung des jetzt folgenden Vorschlages vorwegzunehmen hatte:

Gute Projekte
durch großzügige Anschubfinanzierung
rentabel machen!


Das ist der Leitsatz für ein Anreizsystem, das darauf setzt, dass die Menschen alle Intelligenz und allen Ehrgeiz auch weiterhin hauptsächlich darauf verwenden werden, Gewinne zu machen. Gute Projekte müssen also Gewinn versprechen, damit sie realisiert werden.

(...)
Was heißt es, ein Projekt durch eine großzügige Anschubfinanzierung "rentabel" zu machen?

Der Gedanke ist einfach: Das Projekt muss nach der geförderten Planungs-, Investitions- und Anlaufphase aus eigener Kraft Gewinne erwirtschaften, ohne dass weiterer Fördermittelzufluss erforderlich wäre. Es soll also nicht dauerhaft subventioniert werden, um "wirtschaftlich kranke" Projekte über viele Jahre künstlich am Leben zu erhalten. Es soll eine einmalige Finanzspritze geben, die dem im Business Plan ausgewiesenen Bedarf entspricht, und danach muss das Projekt sich ungefähr so entwickeln, wie es geplant war.

Die Rentabilität und die aus dem Geschäft fließenden Gewinne unterscheiden sich in keiner Weise von den Gewinnen anderer, nicht geförderter Unternehmen. Sie unterliegen den gleichen Vorschriften und der gleichen fiskalischen Behandlung wie alle anderen Gewinne auch! Es gibt keine besonderen Auflagen bezüglich der Gewinnverwendung!

(...)
Wo kommt die großzügige Anschubfinanzierung her?

So, wie der Vorschlag bis hierher dargestellt wurde, muss es zwingend so etwas wie einen "Rechtsanspruch auf Finanzierung" geben, wenn die Förderungsbedingungen erfüllt sind. Denn nur bei Bestehen eines solchen Rechtsanspruches ist hinreichende Planungssicherheit geschaffen, um eine ernsthafte Hinwendung an "Gute Projekte" auch bei denen zu erreichen, die bisher in der Gestaltung "weniger guter Projekte" ihren Anreiz gefunden haben.

Nur unter der Bedingung dieses Rechtsanspruches wird es gelingen, die "Guten Projekte" schnell auf den Weg zu bringen und damit den Wettlauf mit der Zeit, in dem wir fraglos stehen, doch noch zu gewinnen. Viele "Gute Projekte", die schnell und zur gleichen Zeit Fördermittel beanspruchen, sind aber mit herkömmlichen Mitteln kaum zu finanzieren. Natürlich wäre zuerst ein Umschichten aus vorhandenen Subventionstöpfen denkbar, vor allem, wenn klar wird, dass damit die Subventionierung "kranker Strukturen" zu Gunsten der Förderung "Guter Projekte" aufgegeben wird, ohne dass sich das negativ auf die Arbeitsplatzbilanz auswirken müsste, aber würde das reichen? Es würde nicht reichen! Dafür fehlt das Geld.

Während die Wirtschaft, umhegt von den Geschäftsbanken, jedes ökologisch unsinnige Projekt finanzieren kann, solange es nur eine ausreichend hohe Rendite verspricht, weil durch völlig legale Methoden die notwendige Geldmenge, zum Teil mit Hilfe der Zentralbanken, zum Teil aber auch gegen deren Widerstand, geschaffen werden kann, fehlt für die "Guten Projekte" das Geld.
Lesen Sie im Wirtschaftsteil Ihrer Tageszeitung nach, in welchem Maße die Geldmenge in Euroland Monat für Monat, Quartal für Quartal wächst! Stellen Sie ernsthaft die Frage, wo dieses Geldmengenwachstum seinen Ursprung hat! Sie werden bald feststellen, dass die Zentralbanken nur einen kleinen Einfluss auf die Geldmengenentwicklung haben, dass die Geschäftsbanken in der Lage sind, praktisch "aus der Luft" ständig neue Kredite zu vergeben und damit der Antrieb für ein ständiges Wachsen der Geldmenge sind, einer Geldmenge, für die immer auch noch Zinsen fällig werden, was ohne ein nochmaliges Wachsen der Geldmenge überhaupt nicht dargestellt werden kann. Staat und Gesellschaft haben definitiv die "Erzeugung von Geld" an die Privatwirtschaft abgetreten, haben sich auch von den Geschäften der Zentralbanken dadurch entfernt und distanziert, dass sie diesen eine weitestgehende Unabhängigkeit eingeräumt haben und können keine zusätzliche Liquidität bereitstellen, ohne selbst Schulden zu machen, während die Geschäftsbanken ungeniert und zum alleinigen Nutzen ihrer Aktionäre fast unbeschränkt Geld schöpfen können.

Wir haben uns in den ersten Kapiteln dieses Buches mehrfach mit den Problemen auseinander gesetzt, die in einem Wirtschaftsraum dann entstehen, wenn das Geld sich aus dem Bereich des produktiven Wirtschaftens zurückzieht. Vergleichbare Probleme sind in den so genannten "entwickelten Volkswirtschaften" dadurch entstanden, dass der betriebswirtschaftliche Egoismus die Unternehmen, und damit das Kapital, in Betätigungsfelder geführt hat, die hohe Renditen zu Lasten der natürlichen Ressourcen versprechen. Geld das für die umweltschädliche Produktion investiert wurde, steht der umweltfreundlichen Alternative doch nicht mehr zur Verfügung und es wird von den Geschäftsbanken dafür auch kein Geld geschöpft, wenn zu erkennen ist, dass die umweltfreundliche Alternative nicht ganz so rentabel sein wird, oder die Rentabilität des bestehenden Investments beeinträchtigen würde. Wenn wir also wollen, dass sich eine alternative Wirtschaft entwickeln kann, müssen wir die Konsequenz tragen und das Geld dafür im Wesentlichen aus einer gesellschaftlich akzeptierten Geldschöpfung des Staates bereitstellen. Damit aber nicht genug. Um dem förderungswürdigen Vorhaben einen guten Start zu geben und die Kosten insgesamt niedrig zu halten und um die Marktchancen dieser Unternehmungen durch günstige Preise weiter zu stärken, sollten die Förderungsmittel als verlorene Zuschüsse zur Verfügung gestellt werden, so dass das geförderte Projekt weder Zinslasten noch Tilgungsraten aufzubringen hat. Diese Förderungsbedingungen sollten für Unternehmer und Initiatoren Anreiz genug sein, um sich zu bemühen, mit "guten Projekten" gutes Geld zu verdienen.


Den vollständigen Text und die tiefer gehenden Begründungen finden Sie im Buch, aber der hier stark gekürzt wiedergegebene Gedankengang, nämlich Geld dahin zu geben, wo es aus gesamtgesellschaftlicher Sicht sinnvoll ist, sollte auch aus dem verkürzten Auszug verständlich geworden sein.
Das Problems der Überversorgung spekulativer und räuberischer Projekte mit Geld durch die Geldschöpfung der Privatbanken scheint auf den ersten Blick mit dem gleichen Rezept nicht lösbar.

Wir stehen hier nicht vor einem Geldmangel-Problem der Realwirtschaft -

oder doch?


Zu den häufig geäußerten Argumenten für Fusionen, nicht nur von Banken, gehört die Aussage, dass schiere Größe notwendig sei, um feindliche Übernahmen abwehren zu können. Schiere Größe bedeutet aber nicht einfach nur viele Mitarbeiter, große Umsätze und hohe Gewinne, sondern auch und vor allem einen so hohen Börsenwert, dass die Spekulation letztlich doch an Grenzen stößt und aufgehalten wird.

Fehlt es also schlicht am Geld, um Spekulation abzuwehren?

Ja, das ist ein Hinweis. Aber wo und wie sollte Geld eingesetzt werden, wenn es gilt Heuschrecken und anderes Geziefer abzuwehren?

Der Versuch, den Angreifern freiwillig soviel Geld in den Rachen zu werfen, bis sie zusichern, kein Unternehmen mehr angreifen zu wollen, ist naiv und würde nur ein unersättliches Schwarzes Loch eröffnen.

Klüger wäre es schon, das Zustandekommen von Fusionen zu fördern, um auf diese Weise das Risiko der Angreifer zu erhöhen. Allerdings könnten hier zwei unerwünschte Effekte auftreten. Einerseits ist zu erwarten, dass sich massenhaft Wölfe als Schafe verkleiden, Subventionen für die Fusion mit einem Schaf kassieren und es dann doch auffressen, und andererseits ist nicht auszuschließen, dass sich doch jemand findet, der auch noch den Angriff auf fusionierte Riesenschafe finanziert und dass auch solche Angriffe, wenn nur genug Geld dafür da ist, erfolgreich sein werden.

Die wirksame Abwehr von Heuschreckenattacken kann nur so aussehen, dass Mechanismen ins System integriert werden, die das Risiko von Attacken für den Angreifer und seine Finanziers von vornherein vollkommen unkalkulierbar machen.

 

Maßnahme 1

Zeitverzögerung

Dies könnte z.B. im Aktienrecht so verankert werden, dass, mit Ausnahme von Neuemmissionen, jede Aktie, egal von welchem Unternehmen, nach Einbuchung in ein Depot, zunächst für mehrere (mindestens 3) Jahre stimmrechtslos bleibt.

Das wäre ein massiver Schutz, nicht nur für die Altaktionäre, sondern auch für den amtierenden Vorstand und für die Mitarbeiter und würde eine mehrjährige Kontinuität der bisherigen Geschäftspolitik gewährleisten, selbst wenn eine Übernahme erfolgreich bewerkstelligt wurde.

Für die Programmierer der Bankensoftware wäre die Umsetzung einer solchen Regelung ein Klacks - und für die im Grundgesetz verankerte Sozialbindung des Eigentums wäre dies der größte Fortschritt seit 1949.

 

Maßnahme 2

Veränderung der Beteiligungsverhältnisse

Eine zusätzliche Veränderung im Aktienrecht könnte so aussehen, dass die Hauptversammlung jeder Aktiengesellschaft mit der Mehrheit der stimmberechtigten Aktien jederzeit eine Kapitalerhöhung zur Ausgabe von Belegschaftsaktien (mit Veräußerungssperre über 8 Jahre) beschließen kann, wenn dadurch eine drohende Stimmrechtsmehrheit verhindert werden kann.
Der Ausgabepreis der jungen Aktien ist angemessen festzulegen - und er wird dem Unternehmen vollständig aus frisch geschöpftem, zins- und tilgungsfreiem Geld, von der Zentralbank bezahlt. Es wird also sowohl das Unternehmen durch Liquiditätszufuhr gefördert, wie auch die Kapitalbildung in Mitarbeiterhand - und die feindliche Übernahme wird dabei für die Dauer der Sperrfrist der Belegschaftsaktien definitiv geblockt.

 

So - und jetzt kommt noch der eigentliche Clou:

Maßnahme 3

Prävention

Die beiden vorgeschlagenen Änderungen im System werden alle Versuche, Unternehmen auf die herkömmliche Heuschreckenart zu übernehmen und auszuschlachten, als sinnlose Unterfangen erscheinen lassen. Niemand wird mehr solche Attacken planen - und falls doch, dann wird sie niemand finanzieren.

Was aber ist mit den positiven Effekten der Kapitalbildung in Arbeitnehmerhand, wenn kein Angreifer mehr daherkommt, der sie auslöst?

Nun, die sollte es dennoch geben.

Es wäre kaum mehr, als eine Ausweitung der vom Staat begünstigten Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand (Vermögenswirksame Leistung) die ja auch in der Vergangenheit schon verwendet werden konnte, um Belegschaftsaktien zu erwerben.

Es ist im Grunde nur ein kleiner Schritt,

der von der "Vermögenswirksamen Leistung" zur
"frischgeldfinanzierten" Arbeitnehmerbeteiligung am eigenen Unternehmen führt

und ggfs. über einen großen, vom Staat gemanagten Fonds, in den die angekauften Beteiligungen eingebracht werden, eine Beteiligung aller abhängig Beschäftigten am Kapital und am Gewinn aller Kapitalgesellschaften der Republik hervorbringt, während die mit den Anteilen verbundenen Stimmrechte bei den einzelnen Belegschaften/Mitarbeitern verbleiben sollten.

Die Abwehr von Spekulanten würde sich somit wandeln, weg von der akuten Notfallbehandlung, wenn das Problem schon eingetreten ist, hin zur präventiven Maßnahme - mit durchaus positiven Auswirkungen auf das soziale Klima.

Detailfestlegungen würden den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen, sind aber im Grunde nicht schwer zu treffen.

Hauptsache, der Bauer regiert den Hof - und nicht der Wolf.

 

Solange der Staat sich seine Freiheit, gegen Plünderer und Heuschrecken einzuschreiten, die er sich durch Akte autokastrationeller Torheit versagt hat, nicht schlicht wieder nimmt, solange wird das Wüten der Heuschrecken nicht enden.

Viele Politiker und vor allem viele "Experten" werden ihren Widerstand gegen solche Plän artikulieren. Es ist nicht immer leicht, die Gründe dafür herauszufinden. Hilfreich ist es daher, sich immer wieder einmal zu fragen, wer im herrschenden System Bauer, wer Wolf und wer Schaf ist.

 

 

Militärische Übergriffe, wie sie von Naomi Klein als ein Bestandteil des Katastrophen-Kapitalismus entlarvt wurden, sind mit Änderungen am deutschen Aktienrecht nicht abzuwehren, aber die Erkenntnis, dass es möglich ist, eine wirksame Verteidigung gegen Angriffe aus der Finanz- und Spekulationssphäre zu organisieren, wird Mut machen, auch diese Aufgabe in Angriff zu nehmen.

Ja, Naomi hat Recht.

Die Wirksamkeit der Schock-Strategie lässt nach.
Man muss nur ein Weilchen darüber nachdenken.



Für vertiefende Einsichten - hier einige nützliche Werke aus dem EWK-Verlag:

 

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Hallo Herr Kreutzer

Wie immer brillant... aber wie beim Bundesrechnungshof ( Ritter ohne Schwert ) wird auch auf diesen Bericht nichts aber auch gar nichts folgen. Denn die Schafe scheinen unter Valium zu stehen, sie sind gelähmt. Wer die nötige Portion und wie verteilt bleibt im Dunkeln für den der nicht sehen will. Man wird nur abwarten können, bis dieses System kippt; dann werden leider die Verursacher wie immer einen Sündenbock präsentieren der von dem wütenten Mob gerne akzeptiert wird. Die Geschichte wird sich wiederholen nur mit anderen Schauspielern.


Lieber Herr Kreutzer,

Ergänzend zu Ihrem heutigen Paukenschlag möchte ich erwähnen, dass ich bei Naomi Kleins Buchpräsentation im Kulturkaufhaus Dussmann am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin dabei war. Normalerweise kaufe ich bei solchen Lesungen oder Präsentationen das Buch und lasse es vom Autor/der Autorin signieren, aber in dem Buch war mir einfach zu viel Schock drin. Und leider ist es nur allzu wahr, was Naomi Klein schreibt.

Bei der Veranstaltung selber ist mir von Anfang an aufgefallen, dass zwar riesig Werbung für das Buch, aber weniger für die Präsentation und fast gar nicht für die Autorin gemacht wurde. Demzufolge hatte man deutlich weniger Stühle für das Publikum bereit gestellt als in dem Raum Platz gewesen wäre. Die Reihen waren daher gefüllt, aber es war nicht voll. Zudem schienen mir etwa ein Drittel des Publikums 'geladene Gäste', sprich: Journalisten, gewesen zu sein. Angesichts der Brisanz des Themas war der Moderator sehr darauf bedacht zu entschärfen, zu entschärfen und nochmal zu entschärfen, damit nur ja keine Unruhe aufkäme resp. die Schock Strategie zur Schockstarre würde. Das Publikum blieb 'gelähmt'.

(...)

Mit freundlichen Grüßen

Lieber Egon!

Noch ist kein Bauer da....und wer will den denn "spielen"? Der hätte
nämlich einen "rund um die Uhr"-Job und würde seines Lebens nicht mehr froh! Zumal bei der vorgestellten "Strategie" keine Trennung von Wolf und Schaf vorgesehen ist, sondern diese weiterhin in einem Stall
verbleiben. Das ist ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.....

.....und das tolle an sich ist: Es ist gar nicht nötig für jeden einzelnen Menschen, etwas an dem zu ändern, wie es ist. Es lebt sich viel glücklicher und zufriedener, wenn man diesen "großen Weltdingen" keine Aufmerksamkeit mehr schenkt und sich vermehrt dem zuwendet, was alltäglich direkt sein Leben ausmacht! :-)

Auch wenn die Ansätze alle in sich stimmig und ehrbar sind, doch diese Welt ist nicht zu ändern, wie sie ist, und das soll sie auch gar nicht, denn es hat genau so seinen sehr tiefen Sinn!!!

Liebe Grüße


Als "Bonbon" für die Assoziationen wäre hier ein Streitgespräch zwischen Naomi Klein und dem Gottvater des Geldes Alan Greenspan zu sehen:
 http://www.democracynow.org/2007/9/24/alan_greenspan_vs_naomi_klein_on

(englisch)
Lieber Herr Kreutzer,

Die verdrängte Angst, das Sicherheits- und Bequemlichkeitsdenken und der daraus resultierende Größenwahn

Ich verstehe den Paukenschlag als Zwischenlösung.
Raubtierkapitalismus ist ein sehr bezeichnender Begriff.
Das Bild mit dem Wolf unter den Schafen ist meiner Meinung zu harmlos.

Der Schäfer hetzt die Wölfe auf die Schafe.

Ist der Irre der Schäfer?
Er hat alles.
Wölfe und Schafe eingepfercht zu wissen, dieses Wissen und sehen reicht ihm für seine Sicherheit aus.
Er tut alles damit das auch so bleibt.

Der Schäfer der Liebe, so Verkauft er sich, so will er sich sehen.
Der Schäfer, der die Wölfe mit den schwarzen Pfoten die Unschuld töten lässt.
So werden die Wölfe verachtet wegen ihrer schwarzen Pfoten und die Lämmer wegen ihrer Beschaffenheit, nämlich sich nicht wehren zu können.

(...)


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