Paukenschlag am Donnerstag
No. 19/2008
vom 8. Mai 2008 kvP (kurz vor Pfingsten)

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Frühjahrsmüdigkeit

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
18 Narrenschiff - Narrenbahn
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Frühjahrsmüdigkeit

 

Die linden Lüfte sind erwacht
sie säuseln und wehen Tag und Nacht,
sie schaffen an allen Enden
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden!

 

Dieser Mai scheint mir anders.

Es wird wohl mit dem Klimawandel zu tun haben. Nichts bewegt sich, nichts verändert sich. Alles geht quälend müde seinen Gang - und alle tun, was sie immer tun. Nichts Neues unter dem Auge der Tagesschaukamera.

 

Am Wochenende
werden sich die christlichen Kirchen wieder daran erinnern, dass sie lehren, Gott habe den Menschen seinen Geist geschenkt.


Wenn man sich die Christenheit so anschaut, das Sinnen und Trachten der Getauften besieht, dann muss man annehmen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum des damals gespendeten Heiligen Geistes längst abgelaufen, dass dieser Geist inzwischen durch und durch verdorben ist und vor seinem Gebrauch gewarnt werden muss.


Bestellen Sie doch bei der netten Kellnerin im Straßencafé
zur Feier des Festes einfach einmal ein Gläschen Fantasie

und stellen Sie sich vor, was wir zu erwarten hätten, käme es Pfingsten 2008 zu einer neuerlichen Ausschüttung des Heiligen Geistes, frisch und noch völlig unverdorben.

Welch wunderbare Nachrichten hätten wir zu erwarten!

Die Schlagzeilen der Boulevardpresse vom Dienstag nach Pfingsten:

Heiliger Geist ausgeschüttet.
Viele beklagenswerte Opfer. Katastrophale Folgen in aller
Welt. Schlimmer als jede Klimakatastrophe!


Schäuble vernachlässigt Innere Sicherheit

Dem Terrorismus sind ab sofort Tür und Tor weit geöffnet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der schon am frühen Sonntagmorgen vom Geist getroffen wurde, berief spontan eine Pressekonferenz ein und erklärte:

"Die Erleuchtung hat mich getroffen, wie einst Saulus, der geblendet vom Pferd fiel. Ich kann mir nicht erklären, wie ich jemals so verbohrt nach der Online-Durchsuchung von Computern und dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren verlangen konnte. Jetzt ändert sich mein Leben. Ich will von nun an meinen Mitmenschen nie mehr grundlos Böses unterstellen, sondern sie als meine Nächsten lieben wie mich selbst. Mein Gott - ich trete zurück!"



Tiefensee verärgert Investoren

"Du sollst nicht begehren deines Nächsten Bahn!",

rief Tiefensee zum Entsetzen der Anwesenden in der geheimen Investorenversammlung im Bunker unter dem Hotel Adlon aus,

"die Bahn wird nicht verkauft. Das wäre doch Beihilfe zum Diebstahl!"

Ein eilends herbeigerufener Anwalt, der mit Tiefensees Betreuung betraut werden sollte, weigerte sich mit den Worten:

"Nach diesem Betreuungsgesetz kann ein Christenmensch nicht handeln - ich schäme mich, dies erst heute erkannt zu haben."


So blieb Tiefensee im Amt und die Bahn beim Bürger.

Der Zorn der ausländischen Investoren ist groß. Angeblich wurde G.W. Bush bereits aufgefordert, Soldaten nach Old Germany zu schicken, um den ungehinderten Zugang des internationalen Kapitals zur Bahn freizukämpfen, doch offenbar ist dieser verheerende Geist, der unser seit Jahrhunderten friedliches Pfingstfest an diesem Wochenende so entsetzlich heimsuchte, ungehindert auch bis zur Präsidentenranch vorgedrungen.


Aus den USA heißt es:

"Der Präsident gefällt sich darin, in zwei Dutzend bekannten und einigen unbekannten Sprachen ‚Hallelujah' zu rufen, hat die sofortige Selbstversenkung aller Kriegsschiffe, vom kleinsten U-Boot bis zum größten Flugzeugträger angeordnet und ist auch sonst zu nichts mehr zu gebrauchen."


Angela Merkel fällt aus allen Wolken

Angela Merkel, irgendwo in 8.000 m Höhe mit gepacktem Geldkoffer in der Regierungsmaschine unterwegs, einem fernen Ziel in fremden Landen entgegenjagend, wurde im Schlaf vom Heiligen Geist berührt. Als sie erwachte, befahl sie dem Piloten, sichtlich irritiert und mit völlig ruinierter Frisur, schnellstmöglich Höhe zu gewinnen:

"Der Herr braucht mich - fliegen Sie direkt in den Himmel!"

Als der Pilot ansetzte, der Physikerin im Kanzleramt die Grundzüge der Aeronautik zu erklären, herrschte Sie ihn an:

"Papperlapapp! Hören Sie auf mit Ihrer Physik! Die habe ich selbst studiert. Von nun an gelten andere Gesetze. Jesus ist übers Wasser gegangen. Halten Sie an und lassen Sie mich aussteigen, ich gehe zu Fuß ..."


Diese Worte jedenfalls konnten die Spezialisten dem VoiceRecorder entlocken, der in den Trümmern ihrer Maschine gefunden wurde, die am Montagabend in der Nähe von Klein-Machnow in einen Rübenacker gestürzt war.


Vulkanausbruch im Vatikan?

Aus Italien hört man, dass Silvio Berlusconi und der Papst sich in der Sixtinischen Kapelle eingesperrt haben und die Geheimakten der Inquisition verbrennen. Riesige Wolken schwarzen Rauchs bedecken den Himmel über der Heiligen Stadt Rom. Der Flugverkehr musste eingestellt werden, und der Bevölkerung wurde geraten, Fenster und Türen dicht geschlossen zu halten, so lange nicht klar ist, ob der Rauch toxische Stoffe enthält, oder nicht.



Rot-Rot-Rotes Bündnis

Steinbrück und Beck verbrüdern sich mit Lafontaine

Die zerstrittenen linken Brüder sitzen seit Pfingstsonntag, Schlag 14.00 Uhr bei Rotwein und Fladenbrot zusammen und beraten darüber, wie ab kommender Woche die Speisung der acht Millionen Leistungsempfänger von ALG I und ALG II unbürokratisch und aus dem Füllhorn des Wachstums der Gewinne der Wirtschaft organisiert werden soll.

Der Mindestlohn von 14 Euro 90 ist, wie man hört, beschlossene Sache. Die volle Anerkennung der Fahrtkosten zur Arbeit ebenso und die Diskussion, ob Vollbeschäftigung besser mit der 18-Stunden-Woche oder der Rente mit 48 erreicht werden kann, nähert sich dem abschließenden Kompromiss.

Prof. Sinn in München hat mitteilen lassen, sollte jemals die große Koalition aus SPD-Rechten, SPD-Linken und der Linken an die Regierung kommen, wolle er sich voller Verzweiflung aus dem Kellerfenster seines Instituts stürzen.
Doch der neue Münchner Bischof Marx nahm Sinn in die Arme und tröstete:

"Nur ruhig, mein Sohn. Es dauert nicht lang, ein paar Wochen, wenn's hoch kommt ein paar Jahre, dann vergeht auch das wieder. Der Heilige Geist ist nun mal flüchtiger als Weingeist ...
In ein paar Tagen sind sie alle wieder nüchtern."


 

Das allerdings fürchte ich auch.

Aufwachen! Ein Traum.

Auch dieses Pfingstfest wird wieder nichts anderes mit sich bringen, als die bekannten
vier " f ".

Fröhliche Pfingstausflüge, frische Pfingstochsen, freie Pfingsttreffen und fromme Pfingstgottesdienste.

Heiliger Geist?

 

Wo denn? Wie denn? Was denn?

 


Sie suchen dennoch Erleuchtung?
Hier einige nützliche Werke aus dem EWK-Verlag:

 


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.


Lieber Herr Kreutzer,

nein, wahrhaftig, so ist das nicht! Wir haben das wunderbarste Frühlingswetter, Maigrün und Himmelblau passen bestens zusammen und machen jeden vergnügt, der sich daran freut.

Wir sind am Leben, können noch ohne fremde Hilfe über die Straße und sonstwohin gehen, haben genug zum Essen, nette Freunde, kennen viele Menschen, die sich um eine Verbesserung der Verhältnisse kümmern. Jede Menge Gründe, um dankbar, vergnügt und aktiv sein Leben zu leben.


Okay, es gibt viele Menschen, denen es schlecht geht - aber wir arbeiten daran, dass sich das ändert, oder?

Gestern war ich beim Abschiedsfest für die SPD-Stadträtin Constanze Lindner-Schädlich, die seit 1984 im Münchner Stadtrat
saß und jetzt nicht mehr kandidiert hat, sich aber weiterhin bei allen möglichen Aktivitäten einbringen wird - jetzt erst mal bei den
Vorbereitungen für die Landtagswahl in Bayern, Herbst 08.
Das ist eine großartige Frau, die in vielen Reden zu Recht gelobt wurde, die kompetent ist, engagiert, liebevoll, mit sehr positiver
Ausstrahlung. Oberbürgermeister Ude stellte fest, dass die Münchner SPD Constanze liebt - dass die SPD aber jeden, den sie liebt, zugleich auch gnadenlos ausbeute....

Aber in Wirklichkeit ist es doch so, dass jeder, der die Fülle der Aufgaben wahrnimmt, dazu neigt, sich selbst auszubeuten. Geht mir auch so. Wird aber nicht ewig so bleiben.
Diese große Versammlung von engagierten Menschen hat mich richtig froh gemacht, auch zuversichtlich. Das geht mir sonst nur
auf ÖDP-Parteitagen so. Deshalb: Der Geist weht, wo er will - und er weht zu unserem Glück auch weiterhin. Es gibt eine
Stelle in der Bibel, die ein sehr schönes Bild bringt:


"Denen, die auf Gott trauen, gibt er Kraft, dass sie auffahren
mit Flügeln wie Adler, dass sie rennen und nicht müde werden.."
(leider nur ungenau zitiert)

Ich wünsche Ihnen viele Freunde, die ähnlich engagiert an der Bewusstseinsveränderung und damit an der Verbesserung der Welt
arbeiten, wie Sie das tun - dann werden Sie spüren, dass der beflügende Geist weiterhin am Werk ist. Ich spüre das jedenfalls.

Freundliche Grüße


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

ich möchte mich als Reaktion auf Ihren neuesten Paukenschlag einmal eines Begriffes aus der Chatwelt bedienen:

*ROFL*

(= R.ollin O.n F.loor L.aughing = extremster Heiterkeitsausbruch)

:-)

mit herzlichen Grüßen


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