Paukenschlag am Donnerstag
No. 18/2008
vom 1. Mai 2008 (Himmelfahrt, Vatertag, Tag der Arbeit)

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Narrenschiff - Narrenbahn

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2008 (ältere)
1 Knut Beck
2 Bürgerkriech
3 Estate, real estate
4 Nur Börsencrash?
5 Unsere Freiheit 1
6 Unsere Freiheit 2
7 Zumwinkel, Klaus
8 Unsere Freiheit 3
9 Begrüßenswertes Urteil
10 Zur Schandtat unfähig
11 Feuer frei!
12 Die Welle
13 Fröhliches Aufsichtsraten
14 Über den Untersch. zwischen Privatisierung
15 945 Mrd. US$ Spurlos verschwunden
16 Zuvermismus
17 Christlich Soziales Versammeln
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Narrenschiff - Narrenbahn

Narrenschiff?

Kurt Beck, dem das Wasser bis zum Hals reicht, hat mit der Zustimmung zur Privatisierung der Bahn einen Strohhalm ergriffen und versucht jetzt, diesen zum Schiff umzudefinieren, in der Hoffnung, damit - wie einst das wackere Schneiderlein - Siebene auf einen Streich zu erledigen.

Nämlich:

  1. Sich selbst als verantwortungsvollen, regierungsfähigen, kompromissbereiten, kreativen und daher der Kanzlerkandidaturenschaft würdigen Mann darzustellen.
  2. Der Wählerschaft zu suggerieren, nicht nur CDU/CSU/FDP verfügten über Wirtschaftskompetenz, sondern auch die SPD.
  3. Den linken Flügel der eigenen Partei zu disziplinieren. Nach dem Motto:
    "Friss Vogel oder stirb" hat Beck mit seinem sogenannten Kompromissvorschlag alle Argumente gegen die Bahnprivatisierung niederstimmen lassen.
  4. Der Wählerschaft zu suggerieren, die nun beschlossene Teilprivatisierung sei das "maximale Optimum" einer fortschrittlich wachstumsorientierten Verkehrspolitik.
  5. Alle standhaften Kritiker als "Radikale" dastehen zu lassen, die stur auf ihren Standpunkten beharren, statt sich mit dem "Machbaren" zufrieden zu geben.
  6. Die SPD auch für die Zeit nach 2009 als zuverlässigen Partner in der zweiten Amtsperiode der "großen" Koalition zu präsentieren, als eine Partei, die zwar gelegentlich störrisch wie ein Esel, aber eben auch ebenso belast- und lenkbar ist, und
  7. (die siebte Fliege)

    wieder zu beweisen, dass derjenige der beste Politiker ist, der es schafft, im gleichen Atemzug sowohl entschieden dagegen, wie auch bedingungslos dafür zu sein.

 

Narrenbahn!


Das tapfere Schneiderlein aus dem Märchen, mit dem breiten Gürtel, auf dem eingestickt war:

"Siebene auf einen Streich"

musste bald feststellen, wie weit man mit solcher Aufschneiderei kommt - und der ersten dreisten Lüge weitere Lügen und Betrugsmanöver folgen lassen.

  • Angeblich hat er Wasser aus einem Stein gequetscht - in Wahrheit war es kein Stein, sondern nur ein alter Käse.
  • Angeblich hat er einen Stein soweit geworfen, dass er nie mehr zur Erde zurückfiel - dabei war es kein Stein, sondern ein freigelassener Vogel,
  • ...und so weiter, und so weiter. Die Lügen und Aufschneidereien nahmen kein Ende. Das Schneiderlein ist damit durchgekommen. Im Märchen.


In der Realität ist manches schwieriger. Sich hinzustellen und zu erklären, man wolle die Privatisierung der Bahn bei 24.9% der Anteile am Betrieb stoppen - und könne dies auch, ist ungleich verwegener, als alle verwegenen Behauptungen des tapferen Schneiderleins zusammen,

denn während Beck dies versprach, stand Volker Kauder seelenruhig daneben und erklärte, die 24,9% wären für die CDU nur der Einstieg in eine weitergehende Lösung.

 

Worum geht es?

  • Die Deutsche Bahn AG ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland.
    Der Staat hat damit ein mächtiges Stück Infrastruktur in der Hand, das ihm erlaubt, mehr als nur eine Mindestversorgung der Bevölkerung mit Leistungen im Personen- und Güterverkehr zu erbringen.
  • In- und ausländische Spekulanten sind Eigentümer von liquiden Mitteln,
    für die sie verzweifelt nach werthaltigen Sachanlagen suchen, weil die internationale Währungskrise von Tag zu Tag dringlicher gebietet, sich von überflüssiger Liquidität zu trennen und den bevorstehende Crash im Schutze der Sachanlagen zu überstehen.
  • Kein Wunder, dass mächtige Investoren mächtiges Interesse an der Deutschen Bahn AG bekunden.
Dass die derzeitige Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD gegen massiven und erklärten Widerstand des überwiegenden Teils der Bevölkerung die Bahn verkaufen will, hat aus Sicht der Bürger und Steuerzahler dieses Landes keinen einzigen vernünftigen sachlichen Grund. Alles was vorgetragen wird, ist nur vorgeschoben und hält einer kritischen Prüfung nicht stand.

Es wird behauptet:

Die Bahn habe hohen Investitionsbedarf
und benötige dafür dringend das Kapital der Anleger
Das ist ein Witz mit gleich zwei Pointen!
Erstens

Mehdorn hat über viele Jahre die vom Bund bereitgestellten Investitionsmittel gar nicht abgerufen - jedenfalls nicht vollständig. Das Kalkül, das dahinter steht, ist einfach zu durchschauen:

Jede Investition geht - je nach Abschreibungsfrist - für fünf, zehn oder noch mehr Jahre anteilig in die Kosten ein, schmälert also den ausgewiesenen Gewinn.

Also war es, um die Bahn für die Freier als attraktive Braut erscheinen zu lassen, eine der leichtesten Übungen, durch unterlassene Investitionen die Gewinn- und Verlustrechnung zu schönen.

Und wenn

- wie kluge Schwätzer jetzt verkünden, um die Investoren als Heils- und Segensbringer dastehen zu lassen -

die Bahn für die nächsten 24 Jahre (!) jährlich eine Milliarde investieren muss, und behauptet wird, dies sei eine Summe, die den Verkaufserlös überstiege, dann ist dieser Investitionsbedarf bei Lichte besehen und im Vergleich zum vorhandenen Sachwert von (geschätzt) 180 Milliarden Euro, vergleichsweise lächerlich gering.

Zweitens


Die Bahn erwirtschaftet Gewinne. Ein Staatsunternehmen, das der Bevölkerung gehört und dem Wohl der Bevölkerung verpflichtet ist, könnte alle Gewinne direkt reinvestieren, statt damit, nach der Privatisierung, Heuschrecken und andere Parasiten zu füttern.

Und falls die Bahn derzeit tatsächlich einen erhöhten Kapitalbedarf haben sollte, warum borgt sie sich das Geld nicht einfach?
Die sogenannten "Investoren", die ihr Geld gegen die Bahn tauschen wollen, sind doch auch nicht blöd! Die geben ihr Geld doch auch nicht her, ohne eine zügige Amortisation und einen kräftigen Gewinn einfahren und mit den Aktien eine zünftige Spekulation veranstalten zu wollen. Eine Bahnanleihe wäre vermutlich die weitaus günstigere Alternative.


Es ist Narretei, die Bahn zu verkaufen,
nur weil - vorgeblich - das Geld für Investitionen fehlt.


Es wird behauptet

Die Bahn
müsse sich im internationalen Wettbewerb behaupten

Das ist Quatsch.


Die Deutsche Bahn soll in Deutschland fahren. Als Staatsunternehmen mit einem Versorgungsauftrag.

Wenn deutsche Politiker, mit direktem Einfluss auf das Staatsunternehmen, glauben machen wollen, es sei höchste Pflicht des Staates, sich auf dem eigenen Schienennetz Konkurrenten heranzüchten zu müssen, dann klingt das schon einigermaßen pervers.

Und wenn sie sich dabei auf den EU-Vertrag berufen, in den sie es selbst hineingeschrieben haben, ohne die Bevölkerung zu fragen, dann muss man auch fragen, wer sie denn dazu gezwungen hat, solche Verträge einzugehen. Ich nicht!


Es wird - völlig unabhängig von der Bahn - behauptet,


der Privatisierungserlös werde helfen,
die Staatsverschuldung zu senken.

 

Auch das ist ein Witz mit zwei Pointen

Erstens

Es ist unklar, welcher Privatisierungserlös überhaupt erwartet wird. Aber das Fell des Bären ist bereits verteilt.

2/3 des "Verkaufserlöses" sollen der Bahn zur Verfügung gestellt werden.

Ist da die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn überhaupt noch klar zu ziehen?

2/3 des Privatisierungserlöses sollen also direkt dem Vermögen der Aktionäre (Bund 75,1% Private 24,9%) zufließen. Das heißt: Die Investoren bekommen einen Nachlass von 16,6% auf den Kaufpreis!

Ganz langsam, zum Mitrechnen:
100 % der Anteile stehen zur Verfügung und haben einen Wert von 100%
24,9% der Anteile werden verkauft und bringen hoffentlich - so ungefähr - 25% des Wertes
in die Kasse.

2/3 der Einnahmen erhält die Bahn.
Also nicht der Verkäufer, sondern das verkaufte Unternehmen.
Das erhöht den Wert der Bahn.
2/3 von 25% sind 16,6 %.
Der Wert der Bahn steigt also auf 116,6 %

Auch der Wert der Anteile der privaten Investoren wird somit - unmittebar beim Kauf - um wundersame 16,6 Prozent gestiegen sein. So macht man gute Geschäfte.

Auch wenn es so gemeint sein sollte, dass die 2/3 dem Netzbetrieb zufließen sollen, der zu 100% beim Bund bleiben soll, so handelt es sich in dieser Konstruktion doch auch wieder nur um eine Investition zu Gunsten des Betriebs. Solange der Bund auf seinen eigenen Schienen nicht selbst fährt, unterhält er sie doch ausschließlich zu Gunsten des privatisierten Fahrbetriebs, wer hat denn da den Nutzen davon?

 

Nur das restliche Drittel soll tatsächlich dem Verkäufer zufließen, also dem Bundeshaushalt, wo Herr Steinbrück nichts besseres damit zu tun haben wird, als weiter an der Konsolidierung zu basteln. Was kommt wohl unter dem Strich heraus, Herr Steinbrück?

Die Bahn hat 2007 einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro ausgewiesen. Gehen wir davon aus, dass dieser Wert sich nicht verändert, obwohl die Trennung von Netz und Betrieb mannigfache Möglichkeiten eröffnet, den Gewinn des Betriebs in die Höhe zu treiben und dem Netz Verluste zuzuweisen, dann werden 24,9 % dieses Gewinns künftig an private Investoren ausgeschüttet.

Rund 420 Millionen werden also als Einnahme beim Bund fehlen.

420 Millionen Einnahmen reichen aber aus, um die Zinsen für Kredite in Höhe von 8,4 Mrd. Euro aufbringen. Also müsste Steinbrück 8,4 Milliarden tilgen (oder 8,4 Mrd. Neuverschuldung vermeiden) - wenn die Rechnung Null zu Null ausgehen soll. Er bekommt aber nur ein Drittel des Privatisierungserlöses. Das heißt, der Gesamterlös muss - nach Abzug der Kosten und Provisionen der Banken - mindesten 25,2 Mrd Euro betragen.
Das wiederum wird nur sehr schwer zu erzielen, und kaum zu übertreffen sein. Haushaltspolitisch könnte sich die Teilprivatisierung also leicht als ein Eigentor herausstellen - woraus dann ganz fix der Schluss gezogen werden wird, man hätte eben von vornherein mehr als nur 24,9% veräußern müssen...

Zweitens

Das Ziel der Sanierung des Staatshaushalts, also der Versuch, zunächst einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen und dann die Staatsschulden zu verringern, ist gezielte Deflationspolitik, sonst nichts.

Einerseits muss der Staat, um dieses Ziel zu erreichen, seine Leistungen immer weiter einschränken, andererseits vernichtet er durch Tilgung Liquidität. Beides hat verheerende Wirkungen für die Bevölkerung.

In einem Währungssystem, das Geld nur auf der Basis von Krediten zur Verfügung stellt, ist der hehre Vorsatz, Kinder, Enkel und Urenkel durch Schuldenabbau zu entlasten ein großes, aber liebevoll gepflegtes Missverständnis.

Kinder, Enkel und Urenkel haben in der Zukunft nichts davon, wenn Eltern und Großeltern in der Gegenwart in den Ruin, in Hartz IV und Mini-Jobs getrieben werden.

Im Gegenteil! Sie müssen schon heute das Elend der Eltern und Großeltern miterleben und sie werden, wenn sie selbst erwachsen und Steuerzahlen sind, sehr viel Geld aufbringen müssen, um die von den privaten Profiteuren abgewirtschaftete Bahn, die privatisierten Krankenhäuser, die Energieversorger, Autobahnen, Gefängnisse, Wohnungsunternehmen usw., usw., mit Steuermitteln und neuen Staatsschulden zu sanieren -- falls man ihnen diese Chance überhaupt gibt.



Ist denn unter den Beratern des Herrn Steinbrück wirklich keiner, der ein Interesse daran hätte, dem Finanzminister diese Zusammenhänge einmal so zu erklären, dass er sie auch versteht?


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

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Hallo Herr Kreutzer

Zu der Frage am Ende, ein klares Nein!

Wenn der Herr Steinbrück oder auch die meisten anderen Politiker gar keine Berater hätten, dann würden sie wohl so manches viel besser verstehen! Das ist leider deshalb so, weil die Beratertätigkeit mittlerweile fast vollständig zur Lobbyarbeit verkommen ist.

Die von Ihnen wieder brillant in Szene gesetzten Zahlen sprechen also eine Sprache, die in gewissen Kreisen einfach nicht mehr verstanden wird. Es scheint sich leider tatsächlich zu bewahrheiten, dass vielen Menschen ab einem gewissen Kenntnisstand, anhand übermächtig erscheinender Umstände, die Soße regelrecht aus den Ohren läuft! Der Pott ist voll und läuft über, sozusagen. Es kann somit keine selbstständige Verarbeitung mehr stattfinden und man überlässt es scheinbar anderen, die „richtige“ Entscheidung zu finden. Da man diese Entscheidung aber sowieso nicht mehr verarbeiten kann, reicht es schon wenn sie sich gut und stimmig anhört. Und um die ganze Sache abzurunden, wird dieser Standpunkt, umso weniger man eigentlich darüber weiß, umso vehementer vertreten. Das ist nicht so ganz gewissenlos. Nur so ein bisschen. Man bringt das Gewissen gar nicht erst ins Spiel, weil man ja sowieso davon nichts wissen konnte und wer hätte schon geahnt, dass es so kommt wie es kommt und überhaupt, ist man ja hinterher eh immer schlauer! Damit ist eine natürliche Grenze überschritten, die uns eigentlich vor falschen Entscheidungen bewahren soll. Das oft genannte Gewissen ist dadurch bedingt, eigentlich nur ein „nicht Wissen wollen“. „Erzähl mir nicht zu viel! Davon will ich nichts wissen!“ Oder „damit will ich mein Gewissen nicht belasten.“ Man ist also in Wahrheit weder Gewissenlos, noch nicht Wissend. Man entscheidet sich eben nur soviel zu wissen, dass es einen nicht belastet.

Ein einfacher Trick, der das Regieren erleichtert und so manche Entscheidung gegen die Massen erträglich macht.

Und überhaupt: Was meinen Sie was los wäre wenn jeder Politiker plötzlich „aufwachen“ und 2 + 2 zusammenzählen könnte!? Es müssten ja sofort alle Beraterstäbe abgesetzt und erneuert werden und Sonderausschüsse würden einberufen. Nach kurzer Erläuterung der Frage „Wie konnten wir nur so blöd sein?“ würde man Systeme beraten, die auf lange Sicht eine Verbesserung der Lage versprechen. Andere Ausschüsse würden den Kreditrahmen bzw. die Dauer des Währungsverfalls festlegen und möglichst viele Investitionen tätigen. Im Hinblick darauf, müsste eine neue Währung (vielleicht Rheingold fürs Erste?) vorbereitet werden, die den Übergang zum Aufbau des neuen Volksvermögens begleitet. Die Tarifsituation müsste tiefgreifend verbessert und die Löhne drastisch erhöht werden. Im Zuge dessen müssten natürlich auch alle anderen Systeme von der Rente bis zur Krankenversicherung dem Gemeinnutz zugeführt (oder zurückgeführt) werden. Die Frage der Finanzierung stellt sich natürlich nur kurzfristig, da die neue Erkenntnislage einem weiteren öffnen der Schere schnell entgegen wirken und am Ende die Kluft zwischen Arm und Reich wieder schließen würde. Und die noch verbliebenen Reichen würden spüren ,das eine sichere Basis besser ist, als ein Geldspeicher aus Adamant! Die Natur des Menschen ist eben sozial und nicht „kapital“ ausgerichtet! Wenn man diese ersten Schritte gegangen ist, würde sich zwangsläufig der Exportanteil verringern und der Binnenmarkt starker Zuwächse, im zweistelligen Prozentbereich erfreuen...usw. und sofort!


Hallo Herr Kreutzer,

das war mal wieder ein echter Kreutzer im allerbesten Sinne des Wortes. Leider werden diese Meinungen in den größtenteils neoliberalen Medien nicht verbreitet. Ich habe diesen Newsletter ganz frech in eine Email kopiert und einem neoliberal eingestellten Bekannten mit Link darauf geschickt. Zunächst verschlug es ihm die Sprache, aber dann meinte er,
daß ein Haken daran sein müsse. So dumm könnte kein Politiker sein, die könnten schließlich auch rechnen und hätten ihre Berater. Danach verschlug es mir die Sprache, ob soviel Obrigkeitsgläubigkeit.

Bitte weiter so. Trotz alledem!


Lieber Herr Kreutzer,

vorab: Die Donnerschläge am Paukentag machen mir immer viel Spaß. Ihre Darlegungen gehören zu den wenigen Lichtblicken in dieser grauen (Medien-) Zeit. Danke!

Jetzt zu Ihrer abschließenden Frage betreffs Herrn Steinbrück:

Ich fürchte, wir sind zu gutgläubig, wenn wir davon ausgehen, dass das Regierungspersonal samt Parteihäuptlingen vernünftige Entscheidungen treffen würden, wenn sie nur ein wenig Nachhilfe zum Verstehen von Zusammenhängen bekämen.

Ich fürchte, es ist sowieso ziemlich egal, ob und was Herr Steinbrück und seine Kollegen inhaltlich und sachlich von ihren Aufgaben verstehen. Ihre wichtigsten „Berater“ sind die Lobbyisten der Konzerne, Finanzindustrie und Großaktionäre, egal ob direkt Entsandte oder Vertreter von beauftragten „unabhängigen“ „wissenschaftlichen Instituten“ oder die Roland Bergers, Bertelsmänner, etc. etc. Einige davon sitzen ja bereits seit einiger Zeit direkt in den Ministerien. (Von Bertelsmann wissen wir, dass sie ungefragt und selbständig komplette Gesetze vorbereiten, die dann wie geölt beschlossen werden und die wir ausbaden.) Es sind diese Berater – immer auch im Sinne der Lobbybesetzten EU-Kommissionen, die unseren Volksvertretern die Ziele
und die Texte vorgeben. Aber wieso folgen die Politiker dem?

Ich fürchte, es liegt nicht nur daran, dass systemimmanent in den Parteien statt der Engagierten mit Visionen ausschließlich egozentrische Karrieristen in Funktionen kommen, die eben gerne mit den Mächtigen bzw. deren Vertretern kuscheln, um sich wichtig zu fühlen. (Eine spezielle Spezies sind hier Juristen, insbesondere als soziale Aufsteiger.)

Ich fürchte, es sind nicht nur die lukrativen Aufsichtsrats- / Vorstandsposten -jetzt oder versprochen für nach der aktiven Phase-, Berater- und Referentenhonorare, etc, für die sich Politiker zu Handlangern für die Kaste der Superreichen und zu zynischen Lügnern, Betrügern und Enteignern gegenüber der breiten Bevölkerung machen.

Ich fürchte, es ist nicht nur die Angst vor politischem Rufmord durch die gleichgeschalteten Medien bei Nichtparieren, dass Politiker sich als lächerliche Dummschwätzer präsentieren.

Ich fürchte Schlimmeres und eine vage Vermutung verdichtet sich:

Beim Betrachten eines Videos des SPD-Bundesparteitags im letzten Oktober habe ich eine Stelle mehrmals zurück gespult: Als deutlich wurde, dass die große Mehrheit der Delegierten gegen die Bahnprivatisierung stimmt, irgendwer war noch am Rednerpult, hielt die Kamera auf eine Szene, in der die Steinbrücks und –meyers, Tiefensee, Struck, Scholz und die
weiteren üblichen Herren aufgeregt zusammenströmten und leise redeten.
Es wirkte aber nicht wie Enttäuschung, Ärger oder Wut über eine Niederlage. Sie waren käsebleich, aus ihren Gesichtern sprach Angst und Panik sprang aus ihren Augen, ich konnte direkt mitfühlen, wie der Atem flach und der Hals ganz trocken wurde.

Wieso? Fühlen sie sich bedroht? Sind sie bedroht?
Bloß weil der Anschluss-Job bei Herrn Mehdorn oder der russischen Eisenbahn dann in Gefahr wäre? Das glaube ich kaum, als brave neoliberale Erfüllungsgehilfen haben sie sicher schon diverse Angebote in der Tasche.

Also was? Fühlen sie sich bedroht an Leib und Leben?
Nun, in der Geschichte finden wir -recht ausgeprägt in der Riege des Adels und ihrer Hofschranzen bis zur Jetztzeit bei Politikern- eine lange Reihe von Morden und Geiselnahmen aus Gründen der Macht- und damit Geldbeschaffung bzw. deren Erhaltung. Heutzutage in den Industrienationen gibt es außer völlig unerklärlichen und unaufgeklärten Selbstmorden nur noch Politikermorde durch verwirrte und geisteskranke Einzeltäter und es ist sicher Zufall oder so ein Gesetz der Serie, dass
die Opfer entweder kurz davor waren, Korruptionsskandale aufzudecken oder nachdrücklich soziale Politikziele verfolgten. Aber dessen sind die bleich gewordenen Herren Politiker nachweislich nicht verdächtig.
Abgehakt. Und außerdem ist es mir schwer, das konsequent zu Ende zu denken.

Also was? Fühlen sie sich bedroht durch Erpressung?
Womit? Na ja, wahrscheinlich schafft es keine Politkarriere, mit völlig weißer Weste bis in Partei-Anführer- oder Regierungsposten zu kommen. Und vermutlich haben wir alle irgendeine Leiche im Keller, von der nahe Angehörige und gar die Öffentlichkeit ganz bestimmt nichts erfahren sollen. Ein gutes Detektivbüro kriegt schnell was raus und ist gar nicht
teuer, die bieten bestimmt auch Mengenrabatt. Das müsste zum Beispiel Herr Mehdorn noch nicht mal als Betriebsausgaben buchen, sondern könnte eben mal in die Hosentasche greifen als persönliches Geschenklein für die künftigen Hauptaktionäre. Vielleicht hilft ja auch ein Geheimdienst mit.
Ist es nun leichter, dieses konsequent zu Ende zu denken?

Oder was?

Schöne Grüße


Lieber, sehr gern gelesener Herr Kreutzer,

vielen Dank für die transparente Offenbarung dessen, was sich da – wie im Falle der Deutschen Bahn AG – wieder 'zusammenbraut'. Mir fällt in diesem Zusammenhang folgendes Beispiel ein:

Wer sich selbst keine Kuh und die dazugehörende Weide leistet bzw. leisten kann, aber dennoch Milch trinken möchte, der sollte wenigstens eine 'Milchkanne' besitzen, um von der 'Kuh' bis nach hause kommen zu können. Am besten aber eine, in deren Boden nicht schon ein Loch existiert, das ein Viertel von dessen Gesamtfläche ausmacht! Ganz dumm wäre es m.E., den Besitz einer 'dichten' 'Milchkanne' – durch deren Verkauf – aufzugeben, um dann mit dem 'Erlös' selbst Milch kaufen zu gehen. ('Kuh' = Deutsche Bahn AG, 'Weide' = Bahnkunden, 'Milchkanne' = Streckennetz)

Im übrigen gibt es genügend Beispiele aus der Vergangenheit, wo sich im Nachhinein herausstellte, daß die mitspracheberechtigten Investoren nur an einem in einem solchen Unternehmen interessiert waren: dem Verkaufserlös aus den vorhandenen Immobilienwerten (Trassenflächen und Betriebsimmobilien). Warum also sollte dies - im Falle der »Deutschen Bahn AG.« - nicht auch das Hauptinteresse einer 'Privatisierung' sein können?

Viele Grüsse aus dem Norden


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

bezüglich der ungeheuerlichen Vorgänge um den brutalen Diebstahl des Volksvermögens möchte ich etwas anmerken:
Man sollte genau JETZT mal einen "Snapshot" des Parlaments/Bundestags/Regieurng machen - und in zwei Jahren nachschauen, wer wo in welchem Aufsichtsrat sitzt und der politischen "Arbeit" (falls man diese Raubzüge noch politische Arbeit nennen kann) längst den Rücken gekehrt hat
Thats it

liebe Grüße

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